Wochenvorschau: Draghi fabuliert – S&P500 schiebt – DAX schwankt – Newmont Mining und Gold zuckt



Ausnahmweise und nur, um den freien Lesern einen einmaligen Eindruck zu verschaffen, steht die heutige Morgenlage auch im freien Bereich zeitgleich zur Verfügung.

Guten Morgen!

Die vor uns liegende Börsen-Woche, könnte zu einer Woche des Interregnums werden, in der die Märkte mehr oder weniger volatil seitwärts laufen, bis dann kommende Woche die FED endlich die Phase der Notenbank-Spekulation mit einer nun praktisch sicheren Zinserhöhung abschliessen wird und damit den Boden für die Rally der letzten Tage des Jahres schafft.

Draghi fabuliert

Ganz sicher bin ich mir dabei aber nicht, weil der liebe Mario Draghi im kommunikativen Wirrwarr, das Notenbanker mittlerweile sowieso veranstalten, noch einen drauf gesetzt hat und damit der Lage für diese Woche wieder einen neuen Ton gegeben hat.

Waren am Donnerstag in der offiziellen Pressekonferenz der EZB, die Töne noch abgewogen und liessen den Markt mit Überraschung und Enttäuschung zurück, sass Draghi schon am Folgetag, am Freitag Abend in einer privaten Veranstaltung in New York und "fabulierte" - tut mir leid etwas anderes fällt mir persönlich als Wertung dazu wirklich nicht ein - über die Dinge, die die EZB nicht getan hatte, aber ja noch jederzeit tun "könnte".

Lesen Sie hier im Handelsblatt zu diesem Termin nach:

Schon am Freitag Abend, war das im Markt zu merken - ich habe das im Forum noch zeitnah erwähnt - weil der Euro dann plötzlich *doch* wieder zu fallen begann, der sich vorher noch geweigert hatte und damit die Meinung ausdrückte, dass die Entscheidung der EZB vom Donnerstag Konsequenzen über den Tag hinaus haben würde.

Aber nein, unser lieber Notenbankchef hatte nichts Besseres zu tun, als 24 Stunden nach der offiziellen Pressekonferenz in Frankfurt, dann in NewYork den Conferencier zu geben, der wieder über die Zukunft sinniert. Natürlich nur um besser zu erklären, was er schon am Donnerstag sagen wollte. Schon klar, der Markt war halt am Tag vorher zu doof zuzuhören. 😉

Was bitte sagt das über die Relevanz der Aussagen auf der offiziellen Pressekonferenz vorher? Gehört es eigentlich zur Job-Description eines Notenbank-Chefs, permanent mit Spekulationen und Andeutungen die Welt zu beglücken?

Und warum tritt ein Draghi überhaupt im Economic Club in New York auf? Man soll mir jetzt bitte nicht erklären, dass das nötig wäre, um die Märkte mit den nötigen Informationen zu versorgen. Genau dafür war die Pressekonferenz 24 Stunden vorher da und danach steht es nach meiner Auffassung auch Notenbank-Chefs mal gut an, schlicht den Mund zu halten.

Ich habe auf jeden Fall die Vermutung, dass hier auch ein Hauch von Trotz und Eitelkeit beteiligt war. Sie wissen, dass ich schon in der Kommentierung direkt nach der EZB am Donnerstag, die Vermutung geäussert habe, dass Draghi nicht so konnte, wie er wollte und die Sitzung hinter der Fassade des Korpsgeistes, recht kontrovers gelaufen sein muss. Nun wird es wohl auch aus der EZB in die Medien durchgestochen:

Ich finde es auf jeden Fall unerfreulich, wie die seriöse Welt der Notenbanker, die bis zur Jahrtausendwende traditionell schweigsam und ruhig ihren Kurs zum Wohle des Gemeinwesens verfolgten, seit Alan Greenspan - der sich eitel als Magier der Märkte feiern liess - nach meinem Eindruck mehr und mehr zur "Schwatzbude" verkommt.

Und einen Vorteil verschafft man den Weltmärkten damit nicht - im Gegenteil. Über den Punkt durchaus sinnvoller Begleitung und Vorbereitung der Märkte, gegen die niemand etwas hat, ist man mit diesem permanenten Gerede nach meiner festen persönlichen Meinung, lange hinaus.

Passend zum Thema, gab es letztes Wochenende einen lesenswerten Kommentar in der FuW, der weniger deutlich und etwas gesetzter als ich oben, letztlich aber doch in die gleiche Kerbe schlägt:

Aber wie auch immer, es ist wie es ist und auch so eine Wutrede wie von mir oben, wird schlicht nichts an der (für mich) planwirtschaftlich-technokratischen Grundhaltung der heutigen Notenbank-Generation ändern, die im Irrglauben an die Allmacht die Wirtschaftszyklen lenken zu können, zu solchem Dauergeplapper führt. Es ist schlicht unser Job als Anleger, das hinzunehmen und das Beste daraus zu machen.

S&P500 schiebt

Egal wie man es dreht und wendet, wie der S&P500 mit der von der EZB ausgehenden Schwäche am Donnerstag und dann am Freitag auch mit den Arbeitsmarktdaten umgegangen ist - die ja die Zinserhöhung der FED fast sicher gemacht machen - ist aller Ehren wert.

So verhält sich nur ein starker Markt und zwar ein Markt, der die Zinserhöhung der FED schon verdaut hat. Sollte - wovon ich ausgehe - Janet Yellen am 16.12. dann weisse Salbe auf die Zinserhöhung schmieren und im Sinne der "One and Done" Logik alles dafür tun, um den Eindruck einer schnellen Abfolge weiterer Erhöhungen auszuschliessen, liefert das dem Markt dann die Argumente, um zum Jahresende zu neuen Höchstständen aufzubrechen.

Im Chart ist damit wie letzte Woche, immer noch dieses Bild das in meinen Augen wahrscheinlichste Szenario:

S&P500 06.12.15

Danach läuft der S&P500 bis zur FED Sitzung am 16.12. mehr oder weniger seitwärts und bricht danach dann zum Jahresende aus. Eine Stärke, die sich dann typischerweise bis in den Anfang des neuen Jahres zieht.

Über den Verlauf des neuen Jahres - bei dem ich wie Sie wissen eher skeptisch bin - sagen diese ersten Tage aber nichts aus.

Da diese Wochenvorschau im freien Bereich verfügbar ist, muss ich auch noch das Selbstverständliche anfügen, das obiges Bild natürlich nur eines der möglichen Szenarien ist. In meinen Augen zwar das wahrscheinlichste, aber nur eines. Invalidiert wäre das Szenario, wenn der S&P500 aus dem blauen Kasten nachhaltig nach unten heraus kippt.

DAX schwankt

Durch Draghis erneute Intervention, ist die Lage im DAX weit schwieriger einzuschätzen. Der alles entscheidende Faktor dürfte hier der Verlauf des Euros sein, wie wir ja letzte Woche intensiv besprochen haben.

Eigentlich hatte sich der Markt nach der Enttäuschung der EZB dafür entschieden, hier eine dauerhafte Wende hinzulegen. Die mangelnde Bereitschaft nach den US Arbeitsmarktdaten in EURSUD wieder nach unten zu gehen, war davon beredtes Zeugnis.

Mit Draghis erneuten Würsten, dier er dem Markt wieder für die Zukunft vor die Nase hält, hängt aber nun sehr viel davon ab, ob der Markt bei diesen Würsten nun wieder Witterung aufnimmt oder dabei bleibt, dass EURUSD erst einmal einen bedeutenden Boden erreicht hat. Am Ende des heutigen Tages, werden wir da wohl schlauer sein, im Moment vor Handelsstart, ist das für mich nicht zu antizipieren.

Eines kann man aber mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen: falls EURUSD nun einen Boden gefunden haben sollte und der Euro zum Jahresende nicht erneut fällt, ist vom DAX nicht mehr viel zu erwarten. Das Hoch vom 30.11./11.12. bei 11.430, sollte dann nur noch schwerlich zu übertreffen sein.

Wenn die Wallstreet stabil bleibt - wovon ich ausgehe - muss man aber auch nach unten keine grossen Sorgen haben, so dass in dem Szenario eine latent positive Seitwärtsbewegung zum Jahresende (wie im blauen Kasten) eine gute Wahrscheinlichkeit hat, die irgendwo über 11.000 abschliesst.

DAX 06.12.15

Völlig verändert würde das Bild des DAX aber, wenn der Euro doch wieder zur Parität fällt und sich die Hoffnung auf neue EZB Massnahmen doch wieder Bahn bricht. Dann ist im DAX auch eine grosse Rally über 12.000 drin. Dafür bräuchte es aber wohl entweder eine EZB, die nun kurzfristig doch noch noch einmal nachlegt, was ich selbst bei Draghi für extrem unwahrscheinlich halte, weil man sich damit lächerlich machen würde.

Oder es bräuchte eine FED, die am 16.12. doch schärfer formuliert und weitere Zinsschritte sofort in Aussicht stellt. Das erscheint zwar eher denkbar, ist für mich aber auch unwahrscheinlich, weil die FED kein Interesse an einem zu starken Dollar hat und wahrscheinlich froh sein wird, die erste Zinserhöhung ohne Verwerfungen über die Bühne zu bekommen.

Ich gehe also zunächst mal davon aus, dass das Tief im EURUSD vom letzten Donnerstag erst einmal Bestand hat. Vorbehaltlich neuer Notenbank-Überraschungen natürlich. 😉

EURUSD 06.12.15

Newmont Mining (853823, NEM) und Gold zuckt

Sie wissen, dass ich damit rechne, dass bei Gold die 1.000 USD noch fallen werden, bevor die finale Wende einsetzen kann. Zu nahe ist diese Marke und der Markt tendiert dazu, solche Marken dann sehen zu wollen.

Das hat uns ja aber nicht davon abgehalten, schon seit letzter Woche die sich anbahnende kurzfristige Chance zu sehen und uns darauf vorzubereiten und die COT-Daten der letzten zwei Wochen gaben dazu einen wichtigen Indikator.

Auch mit unserem Favoriten Newmont Mining (NEM) lagen wir auf den Punkt richtig, diese Aktie schon im Vorfeld zu akkumulieren - nun wird sie auch in den Medien propagiert, uns soll das recht sein. 😉

Wichtig ist zu verstehen, dass auch Gold natürlich in hohem Masse von den Währungsbewegungen oben beeinflusst wird. Aber falls und wenn EURUSD hier nun wirklich einen Boden drin hat und der Dollar wieder fällt, sollte Gold in Dollar wieder steigen.

Das wirklich spannende Chart ist aber gar nicht mal das von Gold, sondern der Vergleich der uns zeigt, wie stark die Minen und insbesondere Newmont Mining (853823, NEM), zuletzt den Goldpreis überperformed haben:

XAUNEM 06.12.15

Selbst wenn der Goldpreis mittelfristig noch unter 1.000 USD gehen sollte, was ich wie gesagt für wahrscheinlich halte, erscheinen einzelne, solide Adressen im Minen-Sektor ohne grosse Verschuldung, nach Jahren des Bärenmarktes nun langfristig interessant.

Entscheidend ist aber bei Gold, wie bei den Rohstoffen, dass die Währungen mitspielen. Darauf habe ich ja im Artikel -> its the currencies stupid <- erst vor kurzem eindrücklich hingewiesen.

Und damit der Sektor wirklich einen dauerhaften Boden hinlegen kann, muss echtes Kaufinteresse im Goldsektor auftauchen, das wir dann zum Beispiel auch daran erkennen könnten, dass die Holdings des grossen Gold-ETFs GLD endlich wieder steigen.

Bei allen Chancen, die der Goldpreis gerade signalisiert, sollten wir also nicht gleich die grosse Wende ausrufen, sondern rational davon ausgehen, dass wir hier nur Short-Covering vor uns haben, das auch mit dem Dollarkurs korreliert.

Von "mehr", von echtem Kaufinteresse, lassen wir uns gerne vom Markt überzeugen, setzen aber als rationale Anleger nicht blind darauf. "Hopium" vernebelt die Sinne und ist kein guter Ratgeber.

Termine der Woche

Was steht in dieser Woche - der Woche vor der FED - sonst noch an wichtigeren Terminen an?

Am Montag Reden des Chefs der Bank of England und von FED Mitglied Bullard.

In der Nacht von Montag auf Dienstag wichtige Daten aus China (Export, Import, Handelsbilanz), die den Markt und vor allem die Rohstoffmärkte bewegen werden.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder Daten aus China, dieses Mal zur Preisentwicklung.

Am Donnerstag sind dann Schweizer Nationalbank und die Bank of England mit ihrem Zínsentscheid und einem Statement dran.

Und am Freitag Einzelhandelsumsätze und Erzeugerpreise aus den US.

Alles in allem also eine eher ruhige Woche, was die Daten angeht, in der die Märkte im Wesentlichen leicht steigend seitwärts laufen könnten, wenn nicht von der Weltlage neue Überraschungen kommen oder die Notenbanken wieder die Lage ändern.

So ....

Jetzt sind Sie hoffentlich wieder gut vorbereitet und ich wünsche uns allen eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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