Warum Deutsche Bank und Commerzbank so steigen und von der Sucht, eine Ursache zu finden

Gestern haben Deutsche Bank mit gut 9% Plus und Commerzbank mit gut 7% Plus, eine gewaltige Rally hingelegt. Schaut man auf die langfristigen Charts, ist das aber nur eine sehr, sehr kleine Entschädigung für einen jahrelangen, sehr gruseligen Abstieg.

Wenn Aktien sich so gewaltig bewegen, entsteht sofort ein Reflex, den die Medien glauben bedienen zu müssen. Es ist die Frage "Warum". Was ist also der Grund für diese Rally, die gestern den ganzen europäischen Bankensektor erfasste?

Was ich dabei gestern alles lesen durfte, war besonders faszinierend und besonders lustig. Ich bin so nett und verzichte auf die Hinweise, wo das gestern alles zu lesen war, es geht hier ja nicht um öffentliche Häme, sondern ich will hier eine Botschaft vermitteln.

Was hatten wir denn gestern alles an medialen "Gründen":

Es wurde geschrieben, der Grund sei in China bei den guten Export und Import-Daten der letzten Nacht zu finden.

Falsch. Für den Markt als Ganzes ist das richtig, das war ein Parameter unter mehreren, der gestern die Indizes geschoben hat und vielleicht ist das dann auch für 1 oder 2% bei der Deutschen Bank gut. Aber 9%, während wirklich von China profitierende Industriewerte um vielleicht 3% steigen? Auf keinen Fall.

Es wurde geschrieben, die Bankenaktien profitierten besonders stark von der Erholung der Ölpreise, weil damit die Sorge vor Pleiten im Sektor sinkt.

Falsch. Theoretisch ist der Zusammenhang da, aber zeitlich passt es nicht. Am gestrigen Tag hat Öl sogar leicht korrigiert, vorgestern ist es stark gestiegen, hat die europäischen Banken aber nicht interessiert. Das begründet nicht, warum gestern die Rakete gezündet hat.

Es wurde geschrieben, die Einigung auf einen Stützungsfonds für italienische Banken, wäre die Ursache für eine Erleichterungsreaktion.

Falsch. Diese Nachricht ist gut 2 Tage alt und hat die Banken bei Veröffentlichung nur mässig bewegt. Auch hier passt es zeitlich nicht.

Es wurde geschrieben, die guten Zahlen von JP Morgan hätten geholfen.

Falsch. Am Nachmittag schon ein wenig, aber da war die Deutsche Bank schon ca. 7% im Plus und das lange bevor es die Zahlen von JP Morgan gab.

Und so weiter, hier höre ich auf. Ich denke, Sie sehen das Muster.

Und noch schlimmer, parallel kocht die Griechenland-Krise wieder hoch und der . Wenn die Banken gestern gefallen wären, wäre sicher das als "Ursache" genannt worden. 😉

Überall wird also irgendwas als "Ursache" geschrieben, nur weil man keine Erklärung hat und das nicht zugeben will. Mit diesem Verhalten entwertet man eigentlich alles, was man an anderer Stelle auch berechtigterweise sagt, denn wie soll denn der Leser das Eine vom Anderen auseinander halten?

Ich sage Ihnen nun die "Ursache": Ich weiss es nicht und es ist auch völlig egal. 😉

Denn das ist alles schon Geschichte und bringt Sie und Ihr Depot eher nicht mehr weiter.

Dieser Drang, immer im Nachgang nach Ursachen für Marktbewegungen zu forschen, ist eher kontraproduktiv, weil er verhindert, sich mit dem Hier und Jetzt zu beschäftigen und sich so zu positionieren, dass man damit dann in der Zukunft Geld verdienen kann.

Sicher, wenn man eine Ursache schnell kennt, kann das hilfreich sein um einzuschätzen, wie lange diese als Faktor andauern wird. Es ist also durchaus sinnvoll, eine Ursache zu kennen, aber eben nur, wenn man sie wirklich kennt und nicht, wenn wie oben nur herum geraten wird, um Texte mit "irgendwas" zu füllen und beim Leser einen Kompetenzeindruck zu erzeugen, der gar nicht der Realität entspricht.

All das oben, erklärt die gestrige, massive Bewegung bei den Banken auf jeden Fall nicht bzw nicht ausreichend und wir hatten gestern übrigens auch ein starkes Reversal in EURUSD, also im Euro zum Dollar. Und bei so starken Bewegungen in verschiedenen Assetklassen, gibt es zwei "Ursachen", die eher logisch sind. Erstens reine Markttechnik und die Banken waren schlicht so überverkauft, dass eine Bärenmarktrally sowieso jederzeit kommen konnte. Und zweitens eine öffentliche Institution wie die Notenbank mit Informationen. Hier kommt der IWF dann auch ins Spiel, denn dessen Warnung kann man auch positiv im Sinne "für die Gewinne der Banken muss was getan werden" lesen.

Aber wie auch immer, ich will nicht herum raten, ich habe die Reife und auch die Stärke zu sagen: "Ich weiss es nicht". Denn ich weiss, es gibt im Markt immer wieder Bewegungen, die "ohne exogenen Grund" aus sich heraus und nur aufgrund der Marktmechanik ablaufen. Der Markt braucht nicht immer einen Grund, oft genügt er sich auch selber und die "Gründe" werden dann von Medien zur Bewegung dazufabuliert.

Und dass zum Beispiel die Deutsche Bank einfach reif für eine Bärenmarktrally war, zeigt dieses Chart:

DB 13.04.16

Wir hatten vor dem gestrigen Schub einen "inverted Hammer" und einen potentiellen Doppelboden mit höherem Tief und Momentum-Divergenz. Das war als potentielles Setup schon vorgestern sichtbar.

Irgend etwas, hat dann gestern die Lunte am Dynamit angezündet, aber letztlich ist egal, was das Streichholz ist, viel wichtiger ist, die Lunte und das Pulverfass im Vorfeld zu erkennen, denn dann kann man profitieren.

Übrigens, vergleichen Sie mal den gestrigen Schub im blauen Kästchen mit dem im Februar. Der nachfolgende Verlauf vor 2 Monaten, könnte hier durchaus Vorlage werden und wie eingezeichet, ein "W" generieren.

Und wie man inhaltlich zur Deutschen Bank steht, ist für so einen rein opportunistischen Trade unerheblich, das ist einfach eine interessante Wendestruktur mit Potential, nicht mehr und nicht weniger.

Als Investment, würde ich so eine Bank nie betrachten, zu wackelig und undurchsichtlig ist das Geschehen. Und wie gesagt, Griechenland lugt schon wieder um die Ecke, denn natürlich hat Frau Merkel da rein gar nichts gelöst, sondern im letzten Sommer "die rostige Kanne nur ein bischen weiter die Strasse herunter getreten". Das hat doch praktisch jeder gewusst, der auch nur ein bischen vom Geschehen versteht.

So .....

Wenn Sie jetzt enttäuscht sind, weil ich gerade "ich weiss es nicht sage" und Ihren Drang nach einer Ursache nicht befriedige, dann wünsche ich Ihnen viel Spass und Erfolg bei der Suche nach der "wahren" Ursache, so es diese überhaupt gibt.

Wir hier, im Premium Bereich von surveybuilder.info, ignorieren dergleichen mediale Fülltexte lieber und konzentrieren uns vor allem darauf, so Bewegungen mitzunehmen. Vielleicht wollen Sie ja dazu stossen.

Eines verspreche ich Ihnen aber: Wir sagen hier, was wir nicht wissen. Und genau das macht wertvoller, was wir dann wirklich wissen.

Übrigens erinnert mich dieser Vorgang auch wieder an den berühmten Ökonomen John Kenneth Galbraith mit seinem treffenden Satz:

"Es gibt zwei Arten von Prognostikern: Die, die nichts wissen und die, die nicht wissen, dass sie nichts wissen"

Hier geht es nicht um Prognosen, sondern um Ursachen, aber es kommt am Ende auf das Gleiche raus. 😉

Ihr Hari

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2 Gedanken zu “Warum Deutsche Bank und Commerzbank so steigen und von der Sucht, eine Ursache zu finden

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