Wall of Worry – Der DAX und die Angst als Stabilisator

Der folgende Beitrag beruht auf zwei Hinweisen. die am gestrigen Mittwoch 27.05.15 Teil der täglichen Marktkommentierung in Hari Live waren

Aha! Das Marktsentiment aus Deutschland gab gestern mal wieder wichtige Indikationen:

Nun bestimmen die deutschen Anleger die Entwicklung im DAX nicht, dominant sind ausländische Investoren und dabei insbesondere US Investoren. Aber ein wichtiger Faktor ist dieses Sentiment schon.

Da die Umfrage gestern direkt nach dem Einbruch von Dienstag statt gefunden hat, sieht man darin die Reaktion auf die voran gegangenen Verluste. Und genau weil das so ist, sind die Risiken nach unten nun vielleicht geringer als es scheint.

Denn ein Markt in dem viele Angst haben, hat den Weg des geringsten Widerstands nicht nach unten, sondern eher nach oben.

Man nennt das auch eine "Wall of Worry" und genau so eine Situation haben wir in Europa. Es gibt tausend gute Gründe sich zu sorgen, aber die Politik der Notenbanken generiert eine Absicherung nach unten im Markt - auch Yellen/Draghi Put genannt. Und die vielen Sorgen wirken daher eher kurstreibend, weil die Mehrzahl der Marktteilnehmer schlicht unterinvestiert ist.

Befragen Sie doch auch mal ehrlich Ihre Emotionen:

Können Sie sich eine Seitwärts-Range über den Sommer vorstellen, so wie ich das unter anderem im Artikel -> Sell in May und der Supervulkan <- skizziert habe?
Sicher ja.

Können Sie sich einen Einbruch bis unter 10.000 im DAX vorstellen, weil ein übler, unkoordinierter Grexit mit massiven gegenseitigen Schuldzuweisungen abläuft und die Eurozone zu wackeln beginnt?
Sicher ja.

Können Sie sich von nun an einen ununterbrochenen Lauf bis 14.000 vorstellen?
Eher nein, oder? Und genau das ist der Punkt!

Es zeigt Ihnen erneut, wie wichtig und richtig eine gelassene Haltung zu den aktuellen Swings ist. Eine Haltung, die wir die letzten Tage im Premium-Bereich intensiv thematisiert haben.

Denn wenn wir auf die Entwicklung des Leitindex S&P500 im letzten halben Jahr schauen, sehen wir, was nun auch dem DAX "blühen" könnte:

S&P500 27.05.15

Wir sehen darin nach dem Ende des jeweiligen Aufwärtsschubs eine markante Gegenbewegung, die dann nach unten die Begrenzung darstellt. Und dann schwingt der Markt über Monate seitwärts, ohne wirklich nennenswerten Fortschritt zu machen. Nach unten geht aber auch nicht viel, was am Ende alle frustriert, die permanent nach der grossen Bewegung Ausschau halten.

Sicher, eine wie auch immer geartete, krisenhafte Entwicklung in der Eurozone, kann das alles auf den Kopf stellen. Da wir aber nicht in die Zukunft schauen können und keine Glaskugel haben, sollten wir uns an dem orientieren, was wirklich real da ist.

Lassen wir also doch einfach den Markt entscheiden und lassen uns nicht von jeder Eintages-Bewegung in Aufruhr versetzen. Im grossen, mittelfristigen Bild, sind die europäischen Märkte nun neutral bis leicht positiv zu sehen. Aber eben nicht stark negativ. Zumindest nicht bis jetzt.

Ich würde nun bestimmt nicht blind auf eine massive Rally im DAX setzen, die Erwartung einer volatilen Range in den kommenden Wochen, bei der am Ende trotzdem nicht viel heraus kommt, macht jede Menge Sinn.

Aber die Möglichkeit einer intensiven Sommerrally ist definitiv da und vielleicht grösser, als die Herde denkt. Und das Risiko eines starken Einbruches Richtung 10.000 und darunter ist definitiv auch da, aber vielleicht kleiner, als die Herde denkt.

Und genau das zeichnet eine Wall of Worry aus!

Ihr Hari

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1 Gedanke zu “Wall of Worry – Der DAX und die Angst als Stabilisator

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