Wacker Chemie (WKN: WCH888) – Setzt der Ausbruch über 60€ ein ?

Heute früh, vor Eröffnung des Handels in Frankfurt, möchte ich Ihr Augenmerk auf die Aktie von Wacker Chemie (WKN: WCH888) richten.

Die Aktie hat nun eine Chartformation ausgebildet, die man am besten als "mit den Hufen scharren" beschreiben könnte und die wirklich als mustergültig zu bezeichnen ist.

Sie sehen im Tageschart ein deutliches "W" mit einem Doppelboden, perfekt unterstützt durch einen seit Anfang Mai ansteigenden Trend mit höheren Tiefs. Auch in der Korrektur der letzten Tage zeigte die Aktie relative Stärke, was das bullische Setup unterstreicht.

Wacker Chemie 01.07.13

Der entscheidende Bereich ist dabei die Nackenlinie, die ziemlich genau auf der runden 60€ Marke liegt und grob mit dem 38er Fibonacci-Retracement der grossen Aufwärtsbewegung von Anfang des Jahres korreliert. Ein nachhaltiger Bruch dieser Nackenlinie nach oben, sollte eine Reihe von Folgekäufen und damit eine dynamische Bewegung nach oben auslösen.

Wie so oft passt dabei das Chartbild überhaupt nicht zu dem, was die Analysten sagen, die überwiegend eher verhalten bis negativ sind. Merryl Lynch hat Wacker auf Neutral mit 59€, JP Morgan sogar auf Underweight mit 44€. Leser von surveybuilder.info wissen aber, dass eine sich zu einige Analystenzunft keineswegs zwingend als negativ zu interpretieren ist, im Gegenteil.

Denn was aus dem europäischen Blickwinkel auf den Solarsektor im Moment übersehen wird ist, dass der US amerikanische Solarmarkt in einen neuen Bullenmarkt einzutreten scheint, Aktien wie Solar City (WKN: A1J6UM) sind dafür das deutliche Signal. Und die stark ansteigenden Installationszahlen im amerikanischen Markt, werden natürlich mittelfristig auch die weltweiten Polysilizium Preise stützen und heben auch schon heute die Kurse der chinesischen Solarunternehmen. Das in Deutschland noch das grosse "Solar-Elend" herrscht, hat dagegen nach meiner Ansicht eher mit selbst verschuldeten Faktoren wie den negativen Effekten des EEG auf die Innovationsstärke und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Solarindustrie zu tun. Wer einmal sehen will, was im Solarmarkt ausserhalb Deutschlands so passiert, dem empfehle ich einen Blick auf den an der Wallstreet gehandelten Branchen-ETF TAN, um einen Eindruck vom bullischen Momentum im Sektor zu bekommen.

Nun besteht das Geschäft von Wacker Chemie ja nicht nur aus Polysilizium, sondern es ist ein breit aufgestelltes Chemieunternehmen mit Kunden in diversen zyklischen Bereichen, auch der Textil- oder der Auto-Industrie. Und insofern ist Wacker Chemie vor allem von der Konjunktur in Europa abhängig. Hier haben wir gestern ja aber auch positive Signale bekommen, die darauf hin deuten, dass sich in Südeuropa eine Wende abzeichnet. So ist zum Beispiel der PMI in Spanien zum ersten Mal seit 2001 mit über 50 im expansiven Bereich angekommen. Auch von dieser Front ist also eine positive Entwicklung möglich.

Am Ende sind aber all diese Spekulationen um fundamentale Entwicklungen für uns letztlich irrelevant und machen das Depot nicht fett, der Markt preist diese schneller ein, als wir "Piep" sagen können. Ich füge diese hier im freien Bereich nur zum Verständnis an, weil nicht jeder der freien Leser mit der surveybuilder.info Methode vertraut ist und versteht, dass das Handeln nach öffentlichen Nachrichten keinen Edge am Markt generieren kann. Am Ende wird uns der Chart viel schneller signalisieren, wie es mit Wacker Chemie weitergeht, als wir fundamentale Daten überhaupt werten können. Und dieser Chart riecht eher nach Ausbruch.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber, dass ein Ausbruch erst dann real ist, wenn die Nackenlinie auch wirklich gebrochen wurde. Wer sich schon vorher exponieren will, sollte sich daher unbedingt einen Stop unter der rechten Trendlinie zurecht legen. Denn die Aktie ist sehr volatil und eine überraschende Nachricht kann das Bild schnell auf den Kopf stellen. Alleine eine Nachricht, nach der es doch zu einem Handelskrieg rund um Solar zwischen der EU und China kommt, dürfte dieses Setup negieren und den Kurs von Wacker nach unten weg kippen lassen, darüber sollte sich jeder bewusst sein. Und wenn der Ausbruch erfolgreich in Gang gekommen sein sollte, gehört deshalb ein Stop unter die Nackenlinie. Handeln Sie also getreu dem Motto "Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen".

Wenn Wacker also über 60€ ausbricht, kann man dem Kurs Raum zur Bewegung geben, 70€ sind dann schnell drin und auch mein mittelfristiges Kursziel von 90€ ist nicht aus der Welt. Wenn der Kurs diese Bewegung aber nicht vollziehen will, die Trendlinie bricht und am Ende ein tieferes Tief ausbildet, dann muss man erst einmal konsequent und zügig raus. Die letzte Verteidigungslinie sollte dabei das 50er Fibonacci-Retracement bei ca. 55,8 sein, das exakt dem Korrekturtief vom 25.06. entspricht und daher besondere Bedeutung hat. Darunter ist dieses hier besprochene Setup erst einmal negiert. Das bedeutet dann ja nicht, dass Wacker nicht später erneut und dann erfolgreich nach oben in Bewegung gerät, es bedeutet dann nur, dass dieses konkrete Setup nicht funktioniert und man zur Sicherheit erst einmal auf die Seitenlinie tritt.

Niemand kennt die Zukunft und auch ob Wacker Chemie den Ausbruch so vollzieht ist keineswegs sicher. Sicher ist am Markt gar nichts. Aber die Wahrscheinlichkeiten sehen für mich positiv aus und mehr als Wahrscheinlichkeiten haben wir im Markt sowieso nicht. Weswegen man auch konsequent wieder aussteigen muss, wenn eine Position gegen einen läuft. Nur Anfänger definieren eine Verlustposition dann in ein "Investment" um. Dieses Verhalten ist klares Zeichen einer fehlenden Strategie und ohne klare Strategie sollte sich niemand dem schizoiden Mr. Market aussetzen, das kostet am Ende nur Geld.

Ihr Hari

For the Record: Ich selber "lauere" exakt nach der oben beschriebenen Logik auch auf diesen Ausbruch. Ich weiss aber auch, dass es bei diesen Mustern "Fakeouts" gibt und verzichte daher lieber auf die ersten 1 oder 2 Prozent der Bewegung bzw. warte einen Tag, um dadurch sicher zu gehen, dass der Ausbruch auch real wird und vor allem hält. In allen starken Trends wird das sichere Geld eher in der Mitte der Bewegung gemacht und die Zahl der Fakeouts hat gegenüber früher durch den Einfluss der Algos deutlich zugenommen.

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