Von Genies in Bullenmärkten

Es gibt ein Börsen-Bonmot, in dem extrem viel Wahrheit liegt: "Everyone is a genius in a bull market !"

In einem Bullenmarkt ist es leicht Geld zu verdienen. Denn solange man im Markt auf der Long-Seite investiert ist - was der Normalfall ist - bügelt der Bullenmarkt die Fehlentscheidungen im Laufe der Zeit aus. Bullenmärkte basieren auch immer auf starken Trends und die laufen sowieso eher länger, als wir uns gemeinhin vorstellen können.

Und letztes Jahr war das besonders interessant, weil es im Markt ein paar "heisse" Momentum-Sektoren wie Solar, Biotech oder 3D Druck gab, in denen man fast nichts falsch machen konnte. Einfach die Augen zu machen, die Nase zu halten und die heissesten Titel bei jedem verfluchten Dip kaufen und *schwupps* hatte man 2013 riesige Gewinne im Depot. Hätte man einem Affen nur diese Sektoren zur Auswahl gegeben und ihn ansonsten Dart-Pfeile werfen lassen, hätte er auch eine sensationelle Performance generiert.

Jetzt will ich die Leistung nicht verniedlichen oder schlecht machen, denn auch das muss man ja erst einmal tun. Man muss das Verständnis und die emotionale Kraft haben, eine extrem überbewertete Aktie trotzdem nach Markttechnik zu kaufen, weil man Markttechnik versteht. Und man muss die emotionale Kraft haben, solche Gewinne dann auch mal laufen zu lassen, statt zu früh zu kappen.

Insofern ist es eine echte Leitung, die die erbracht haben, die in 2013 in den Sektoren abgeräumt haben. Und darauf kann man stolz sein, denn das hat nur eine Minderheit hinbekommen. Ich will mit den Zeilen oben aber klar machen, es war eben nur deshalb so erfolgreich, weil der Markt beliebte das ganze Jahr ohne grosse Korrektur hoch zu laufen und jeder Dip eine Kaufgelegenheit war. Und das ist nicht normal, das ist die grosse Ausnahme in Börsenjahren !

Nun haben wir aber schon sehr lange einen Bullenmarkt und irgendwann wird der zu Ende gehen. Passiert das gerade ? Dafür gibt es noch keinen Indikator, aber möglich ist vieles, hinterher sind wir klüger. Auf jeden Fall wird der Bullenmarkt irgendwann vorbei sein und dass 2014 wahrscheinlich nicht so gleichmässig und permanent steigen wird wie 2013, ist nun offensichtlich und selbsterklärend.

Und dann haben wir entweder eine volatile Seitwärtsbewegung, in der es nur wenige stabile Trends gibt, oder wir haben sogar einen Bärenmarkt.

In beiden Fällen werden die Marktteilnehmer, die im Bullenmarkt sich zu viel zu schnell auf ihre Gewinne eingebildet haben, ganz deutlich auf die Nase fallen. Denn in solchen Märkten hilft einem nur eins dabei zu überleben: klare Strategie, klares Risikomanagement, klares Moneymanagement. Übersetzt also das Denken in Setups mit definiertem, bewusstem Plan, vorher überlegte Exit-Positionen und eine Vorstellung vom Risiko, dem man sich aussetzen will. Und die Adjustierung dieses Risikos, durch die Positionsgrössen oder durch Hedging.

Denn wenn die Trends nicht mehr klar sind und der Markt permanent die Richtung wechselt - und solche Phasen können auch mal ein Jahr dauern - wird jeder ohne Risiko- und Moneymanagement in seine Bestandteile zerlegt. Ich garantiere Ihnen das !

Ich habe zu diesen Themen hier im Blog schon viel geschrieben. Für den normalen Anleger genügen zum Start ganz einfache Techniken, die ich unter dem Obernbegriff "Setups" hier immer propagiert habe. Diese mit einer konkreten Regel zu den Positionsgrössen ergänzt, so dass man sich nicht zu grosse Klumpenrisiken im Depot schafft, ist schon ein grosser Schritt nach vorne und für viele normale Anleger erst einmal als Basis für das Risikomanagement ausreichend.

Ich kann Ihnen nur dringend raten, wenn Sie so etwas noch nicht haben, tun Sie es ! Besser gestern als heute ! Ohne eine systematische Herangehensweise an das was Sie tun, werden Sie keinen dauerhaften Erfolg an den Märkten haben. Überschätzen Sie also nicht die leichten Gewinne in 2013, wenn Profis einen Neuling an den Pokertisch holen, lassen Sie den auch erst einmal gewinnen. 😉

Denn der nächste Seitwärts- oder Bärenmarkt kommt bestimmt. Wenn nicht heute, dann morgen. Und in dem trennt sich an der Börse die Spreu vom Weizen und die Jungs von den Männern. Und wir sind hier doch alle Weizen, oder ? 😉

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