Tesla Motors, die Gigafactory und der “Man of Steel”

Guten Morgen. Die ersten News zur Gigafactory für Batterien sind raus. Und zwar im eigenen Blog von Tesla Motors, lesen Sie und schauen Sie sich bitte selber die kleine Präsentation an.

Die wichtigen Eckdaten sind, dass wenn alles klappt, die Fabrik 2017 - also in 3 Jahren - in Produktion ist. Und dass Tesla wesentliche Teile der Finanzierung selber stemmen wird - und zwar über fast 2 Milliarden USD, die man sich via Wandelanleihen am Kapitalmarkt holt.

Die Fabrik hätte dann alleine die gesamte Kapazität der heutigen LiOn Batterie-Industrie in sich vereint ! Sie soll 6500 Mitarbeitern Arbeit geben und soll es Tesla ermöglichen, im Jahr 2020 eine halbe Million Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen.

Partner sind auch dabei, dazu gab es aber noch nichts Konkretes. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Panasonic und Co. dabei zwiespältige Gefühle haben. Einerseits reizt das immense Volumen, andererseits ist offensichtlich, dass Tesla die Kontrolle über die Fabrik behalten will, womit Tesla seine Abhängigkeit von Panasonic und Co. verringern wird. Und am Ende haben die Batteriebauer sich vielleicht dann den ultimativen Konkurrenten heran gezüchtet.

Ob man sich nun mit Musk verbündet oder ihn im Regen stehen lässt, ist daher keine leichte Entscheidung für die, die heute mit Batterien ihr Geld verdienen.

So weit zu den offiziellen Fakten. Das muss man erst einmal sacken lassen. Denn das ist eine der mutigsten und gleichzeitig riskantesten unternehmerischen Entscheidungen, die ich in meinem Leben gesehen habe.

Wie denke ich darüber ? Was bedeutet das für die Aktie ?

Inhaltlich bin ich erst einmal begeistert. Treue Leser wissen ja, dass wir hier auf surveybuilder.info, von Anfang an am Thema dran waren und den initialen Anstieg der Aktie mitgenommen haben. Lesen Sie vielleicht noch einmal, was ich vor über 2 Jahren unter dem Titel -> Die Zukunft des Automobils in einer der spannendsten Aktien der Welt <- geschrieben habe. Und viele andere Artikel kamen danach, die den Aufstieg von Tesla begleitet haben.

Ich liebe die Idee und ich liebe den Drang nach vorne, den Elon Musk entwickelt. So etwas ist nur in Amerika möglich, hier in Deutschland würden die typischen, kleinteiligen Bedenkenträger, so etwas schon im Ansatz verhindern.

Ich liebe den Gedanken, dass endlich diese Benzin-Dinosaurier von den Strassen verschwinden. Die aktuellen Autos sind für mich Fortbewegungsmittel, deren letzte echte Innovation nun schon Jahrzehnte her ist und die nur noch durch Marketing und Schnickschnack neue Produktlinien und immer höhere Preise rechtfertigen.

Sollte Elon Musk mit der Fabrik erfolgreich sein, dürften Elektroautos auf der Kostenseite bald an den Benzinern vorbei ziehen, da die Batterien der entscheidende Faktor sind. Insbesondere wenn man die Kosten über den ganzen Lebenszyklus betrachtet, denn ein reiner Elektromotor ist weit weniger anfällig, als das komplexe Gemisch von Kolben, Ventilen, Pumpen und Katalysatoren, dass in den heutigen Autos steckt.

Ich liebe den Gedanken, dass Öl nicht mehr aus der Erde gebohrt werden muss, um es dann nach Durchlaufen diverser komplexer Prozesse, als Benzin in die Luft zu blasen. Und Ölwechsel ? Wofür ist das noch einmal ? 😉

Ich liebe den Gedanken einer dezentralen Energieversorgung, in der man durch eigenen Batteriepuffer für eine beschränkte Zeit Energieautark ist und das Netz nur noch als Backup braucht.

Ich drücke also Elon Musk ganz fest beide Daumen, dass er Erfolg hat und die Welt verändert.

Aber ...... damit ist Tesla Motors nun endgültig zu einer digitalen Wette auf den Erfolg dieser Batteriefertigung geworden. Letztlich ist es eine Art von Vorwärtsverteidigung, die Elon Musk nun spielt, denn er steckt durch den unerwarteten Erfolg in einem Dilemma. Es gibt eben im Moment gar nicht genug Batterien, um den Erfolg von Tesla in die gewünschten Regionen zu führen.

Und mit dieser digitalen Wette, hat sich Elon Musk unglaublich viele Feinde gemacht, die durch seinen disruptiven Ansatz alle bedroht werden. Und die alle nur auf den ersten Fehler warten, um ihn und Tesla zu zerfleischen.

An erster Stelle natürlich die bestehende Autoindustrie, die wenn Musk Erfolg hat, im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich alt aussieht. Wer will sich schon gerne "Dinosaurier" nennen lassen ?

Dann die ganze Zuliefererindustrie, die mit Kolben, Ventilen, Zylindern, Getrieben, Katalysatoren usw ihr Geld verdient. All diese komplexen Mechanismen, um einen Benzin-Motor überhaupt ans Laufen zu bringen, sind dann alter, rostiger Plunder. Selbst ein Getriebe braucht ein Elektromotor nicht mehr !

Damit verbunden Millionen an Arbeitnehmern, die als KFZ-Mechaniker, Tankstellenbetreiber und ähnlichem vom derzeitigen Benzin-Motor abhängen. Und Menschen sehen ja bekanntlich das stärker was ihnen weg genommen wird, als die Chancen, die in einer neuen Welt liegen. Sollte der Umbruch zur Elektromobilität kommen, sehe ich schon die öffentlichen "Förderprogramme" für eine schwindende Industrie vor meinem geistigen Auge, ganz ähnlich zu den hoch subventionierten Kohle-Kumpels der Vergangenheit. Gerade in Deutschland, wird sich der Blick nicht nach vorne richten, sondern man wird versuchen mit Milliarden zu bewahren, worüber die Geschichte schon längst hinweg gegangen ist. Und die gleichen Politiker, die sich noch vor Jahren mit Bergarbeiterhelmen haben medienwirksam photographieren lassen, werden dann einen ölverschmierten Schraubenschlüssel in die Hand nehmen, um schöne Bilder zu produzieren.

Dann die unglaublich mächtige Ölindustrie. Was glaube Sie wohl, wie sich das auf deren Geschäft auswirkt, wenn Benzin nicht mehr benötigt wird ?

Und zum Schluss auch noch die US Versorger, denn ein Energie-Markt mit halbautarken Endverbrauchern, ist ein Markt, in dem die Versorger in ihrer zentralen Machtposition degradiert werden.

Das sind sehr viele, sehr sehr mächtige Feinde, die alle nur auf einen Fehler warten.

Ich sehe jetzt schon die hämischen Kommentare über Musk vor mir, wenn er nur den allerkleinsten Fehler machen wird. Dann werden sie alle da sein, die Krämerseelen und die, die heute still das Messer in der Tasche wetzen und nicht den Mumm haben aufzustehen, weil Musk auf einer Welle der medialen Begeisterung reitet, die ihn im Moment unangreifbar macht. Und alle die werden im Ton der Selbstgerechtigkeit heraus posaunen, dass das ja sowieso alles nur Hybris war und Elon Musk ein Bauernfänger. Ich kann jetzt schon die Artikel schreiben, die dann produziert werden.

Man sagt zwar "Viel Feind viel Ehr". Es heisst aber auch zu Recht "Zu viele Füchse sind des Hasen Tod". Und "wer hoch steigt, fällt tief". Für Letzteres sorgen im sozialen Geflecht der Menschheit immer die, die mit Neid verfolgt haben, wie sich da jemand über den Durchschnitt erhoben hat.

Und genau das ist nun das Problem von Tesla Motors. Und von Elon Musk. Es ist eine digitale Wette auf den Erfolg der Gigafactory. Und viele mächtige Feinde werden alles tun, um den Erfolg zu verhindern.

Dummerweise hat der Markt die Hoffnung und die positiven Aussichten aber schon in die Aktie eingepreist.

Weswegen man in meinen Augen - nach dem die aktuelle Begeisterungs-Bewegung und Neubewertung ausgelaufen ist - aus der Aktie raus muss und in ihr wahrscheinlich, bis die Fabrik realer wird, nicht mehr viel zu holen ist.

Ich will Ihnen das an einem Chart mit Wochenkerzen klar machen:

Tesla 27.02.14

Wir haben damit im Jahr 2012 das Muster, wie sich der Markt verhält, wenn er einerseits grosse Pläne schön findet, aber andererseits noch nicht so richtig daran glaubt.

Die Wahrscheinlichkeit ist in meinen Augen gross, dass die Aktie von Tesla damit nach der aktuellen Begeisterung in eine Phase der volatilen Seitwärtsbewegung übergeht. Bis entweder Musk auch die Gigafactory ans Laufen bringt und Tesla in den Hundertausenden ausliefert. Dann ist er wirklich der "Man of Steel" und steht in einer Reihe mit den grossen Innovatoren und Unternehmern der Menschheitsgeschichte.

Oder bis irgend etwas schief geht und alle Gegner endlich eine Chance sehen, sich auf ihn zu stürzen. Dann wird er in die Knie gehen, denn Elon Musk ist ein sterblicher Mensch wie wir. Er hat zwei Beine, zwei Arme und kann durch ein Marotte des Schicksals aus der Bahn geworfen werden. Vielleicht ist das Projekt irgendwann so weit, dass es auch ohne ihn voran schreitet. Dieser Punkt ist im Moment aber noch nicht erreicht.

Deshalb sehe ich das Geschehen mit Freude und grosser Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Und drücke Elon Musk und Tesla Motors ganz feste beide Daumen. Macht weiter und verändert die Welt - meine Unterstützung habt ihr !

Als rationaler Anleger, ist nach Auslaufen der aktuellen Bewegung die Aktie von Tesla Motors aber für mich absehbar kein Thema mehr. Bis die Fabrik näher rückt oder ein neuer Katalysator wieder das Bild verändert.

Ihr Hari

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12 Gedanken zu “Tesla Motors, die Gigafactory und der “Man of Steel”

  1. Auch mir gefällt diese Vision. Aber, auf die Gefahr hin, dass ich wie ein Bedenkenträger daher komme: Was ist eigentlich der energetische Footprint einer solchen Batterie? (Rohstoffe, Herstellungsenergie, Entsorgung, Umweltrisiken) Woher sollen die unglaublichen Mengen Strom zur täglichen Aufladung von so vielen Autos kommen? Ich habe mich schon immer gefragt, warum die USA ihre endlosen Wüsten nicht komplett mit Solarkraftwerken bestücken, aber bei uns in Europa wären wohl wieder neue Atomkraftwerke fällig, oder der absurde Import von Atomstrom aus Nachbarländern.

    Atomkraft galt als “billige” Energie, bis sich herausstellte, dass die langfristigen Kosten und Risiken über hunderte von Generationen hinweg eine enorme Belastung darstellen. Ich vermute Atomkraft ist der mit Abstand teuerste Strom, nur dass die Steuerzahler diese Kosten tragen und nicht die Unternehmen (gut für Aktionäre, schlecht für die Menschen).

    Verbrennungsmotoren sind Dinosaurier, keine Frage. Möglicherweise entpuppt sich der Umstieg auf Elektromobilität aber nur als Verlagerung des Problems. Nur weil der Motor sauber ist, ist es die gesamte Infrastuktur dahinter noch lange nicht. Das ist auf jeden Fall eine Angriffsfläche (öffentliche Meinung, Politik). Hat überhaupt mal jemand unbefangen ausgerechnet, was 80% oder mehr Stromer im Straßenverkehr an Strom benötigen? Wieviele Megatonnen Schwermetalle, Umweltgifte und Chemikalien im Jahr da zu entsorgen sind? Ich lasse mich gern überzeugen und bin dann begeistert dabei. Aber im Moment kann ich mir das einfach nicht vorstellen.

    Ja, ja, ich weiß: Solange die Euphorie anhält, reiten wir die Welle und setzen unsere Stops. Aber irgendwie schmeckt mir das nicht. Es erscheint mir skrupellos und zynisch. Wir haben eine Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder.

  2. Nachtrag: Nachdem ich das hier gelesen habe () musste ich zufrieden grinsen. Zeit für eine ausführliche Recherche habe ich leider nicht, aber die Tendenz ist vielversprechend. Es bleibt das Recycling-Problem für Batterien, welches im großen Maßstab eine Herausforderung darstellt, aber deswegen jetzt die Flinte ins Korn zu werfen wäre albern.

    Sorry für dem Lärm!

  3. @Aurum, danke für den Link. Und vergessen darf man beim ganzen Thema auch nicht, dass das ja weitgehend Vergleiche der Gegenwart sind.

    Während aber die Technik rund um den Benzin-Motor weitgehend ausgereizt und optimiert ist, steht die neue Elektromobilität noch in den Kinderschuhen und hat noch diverse Innovationssprünge vor sich. Wenn Batteriespeicher in gigantischen Stückzahlen benötigt werden, steigt damit auch der Druck alternative und einfachere chemische Verfahren zu entwickeln. Gerade weil es jetzt er zu einem Multi-Milliarden Markt wird, kommt jetzt auch erst der Innovationsdruck auf, der uns noch viele Überraschungen und technische Lösungen bescheren wird, die wir in heutigen Energiebilanzrechnungen gar nicht berücksichtigen können.

    Was den Entwicklungsstatus angeht, ist die Elektromobilität mit Elon Musk sozusagen bei Carl Benz angekommen. Man vergleiche mal die damaligen Motoren, mit der Effizienz der heutigen, dann bekommt man eine Ahnung davon, welche Innovationsschritte im Bereich der dezentralen Speicherung von Energie noch vor uns liegen.

  4. Tesla ist wohl so ein typisches Beispiel für gewinnbringendes traden, wie es hier empfohlen wird.
    Der Markt pushed Tesla nach oben, also sollte man dabei sein – egal wie man selbst dazu steht.

    Fakt ist jedoch, dass Tesla keinen technologische Vorsprung besitzt. Im Gegenteil, man verbaut simpelste Technik und stampft damit eine Produktion aus dem Boden wie es nur in Amerika möglich ist. Wie schon gesagt, würden die Bedenkenträger z.B. hier in Deutschland niemals das Geld zur Verfügung stellen, noch irgendwelche Fördergelder in solchem Umfang.
    Solange das Kartenhaus nicht zusammen klappt, kommt einem diese Einstellung natürlich rückständig vor.

  5. die Herstellung von Batterien ist eine grundlegende technologische Frage. Danach ist es nur noch eine Massenproduktion
    und die könnte bei Bedarf überall auf der Welt hochgezogen werden. Schlussendlich vermutlich bei den üblichen Verdächtigen.

    Und hier kann auch Tesla nicht zaubern und setzt, wie gesagt, auf Standard-kost. Der aktuell verbaute Akku ist nichts anderes als ein LiIo-Akku sogar in derselben Bauform wie er in jedem Laptop vorkommt; nur eben tausendfach hintereinander gelötet.
    BMW z.b. ist mit seinem i3 Konzept technologisch weiter als Tesla was den Akku betrifft. (Vom Chassis, den Verbundstoffen etc ganz zu schweigen)
    Daher stört es mich, dass gerne behauptet wird, dass alle schlafen würden, außer Tesla.
    Tesla setzt die aktuelle Technik (wobei sie bereits veraltete Akkus nutzen) mit all ihren Nachteilen einfach ein, um zu beweisen, dass es “irgend wie” doch geht. Aber das wussten wir auch schon vorher. Wirklich praktikabel ist es bei weitem nicht, außer für ganz bestimmte Anforderungsprofile. Der Tesla S konterkariert das gerade zu auf groteske Art&Weise. Der Roadster hat mehr Sinn gemacht.

    Ich halte es sowieso für wahrscheinlicher, dass sich die Energiespeicherform ändern wird, bzw sich soweit wandelt, dass sie nicht mehr viel mit dem aktuellen Prinzip zutun hat. Danach ist es fraglich was man mit einer Fabrik macht, die auf eine alte Technologie ausgerichtet ist.
    Außerdem ist die Frage, wo der ganze Strom herkommen soll. Ein kleines Beispiel:
    Ein E-Smart verbraucht ca 12000 W/h auf 100 Km. Das ergibt einen CO2-Ausstoß vonca 70 g/km. Ein Diesel-Smart stößt 86 Gramm CO2 aus.
    Das der Elektromotor/Antrieb dem Verbrenner haushoch überlegen ist, ist überhaupt keine Frage!
    Die Frage lautet viel mehr, wie speichert man die Energie und wo kommt sie her!

  6. Und was ist mit den Wasserstoff Autos? Gibt doch schon Werbefilme wo Hollywoodstars das Wasser von den Autos trinken?

  7. @jinnix
    Wasserstoff ist absolut geeignet – sogar deutlich besser als Akkus! Allerdings ist das Problem die Herstellung. Man steckt sozusagen “dreckige” Energie hinein um wiederum saubere Energie zu bekommen.
    Ein Weg wäre, wie schon beim Strom, auf erneuerbare Energien zu setzen. Damit hätte man einen perfekt ökologischen Kreislauf.
    Defekte und veraltete Batterien würden nicht mehr entstehen und die Umwelt belasten.

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