Teamprojekt „Champions“ – Ein Jahr danach

Vor ziemlich genau einem Jahr, haben wir unser "Champions" Teamprojekt vorzeitig beendet. Damit ist es Zeit, ein Fazit zu ziehen - ein Jahr danach.

Für alle neuen Leser muss ich erst einmal erklären, worum es dabei ging und das können Sie am Besten verstehen, wenn Sie diesen Artikel im freien Bereich noch einmal lesen: -> Depot der Champions - Sicherheit durch Wachstum < -

Wir wollten also den Beweis antreten, dass stetiges, nachhaltiges Wachstum, letztlich grosse Sicherheit beim Kursverlauf verschafft, ganz besonders, wenn man aus solchen Unternehmen ein diversifiziertes Depot zusammen stellt.

Zeigen sollte das Projekt auch, dass Sicherheit vielleicht sogar besser in aussichtsreicher Zukunft, als in statischen, grossen Gewinnen und niedrigen Kennziffern zu finden ist, wie sie vor Jahren zum Beispiel auch noch bei RWE oder E.ON zu finden waren.

Dazu haben wir einen umfangreichen Prozess begonnen, mit dem wir in gut überlegten Schritten ein Universum von ca. 70 Kandidaten, bis auf einen engeren Kreis von 28 Kandidaten herunter gebrochen haben.

Dann wurde die Zeit aber zu knapp und die Sommerferien rückten näher, weswegen wir weitere fachliche Selektionsschritte - die ich noch vor hatte um weitere, weniger geeignete Kandidaten zu eliminieren - ausgelassen haben und in freier Abstimmung aus den 28 dann 10 Aktien selektiert haben, die den Teilnehmern "Pi-mal-Daumen" am Sinnvollsten erschienen.

Das Ergebnis ist daher einerseits die "28er Champions" Liste, die ich im Folgenden hier zum ersten Mal im freien Bereich vorstellen will. Diese Liste repräsentierte also kompetent im Teamprozess ausgewählte Kandidaten. In der Liste sind auch die 10 Aktien mit einem Stern markiert, die es dann in der Endauswahl in die 10er Liste schafften:

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Mit dem Wind im Rücken zum Markterfolg segeln

Der folgende Beitrag erschien schon vor ca. 5 Monaten am Donnerstag 12.03.15 14:20 in Hari Live und wurde für den freien Bereich nun noch gering angepasst, weil einige Referenzen im Originalartikel nicht frei verfügbar sind.

Da fragen Sie sich sicher, wie kann ein 5 Monate alter Beitrag noch interessant sein?

Die Antwort ist, weil er sehr grundsätzlicher Natur ist und die Entwicklung der letzten Monate sehr präzise gezeigt hat, wie zutreffend er doch ist.

Und er passt gut zu anderen Beiträgen der letzten Monate im freien Bereich, wie -> Kohle - tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss! <-

Hier geht es los:

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Ich habe schon mehrfach über eine -> Sektorenstrategie für normale Anleger <- geschrieben.

Und in Hari Live habe ich unter dem Titel "Das langfristige Megatrend-Depot für den kleinen Geldbeutel" auch darüber geschrieben, warum es für kleine Depots Sinn machen könnte, seine Investments auf die grossen Megatrends zu konzentrieren.

In dem Artikel hatte ich darauf hingewiesen, dass:

  • Zykliker zwar wild hin- und her schwingen, langfristig aber nicht vom Fleck kommen.
  • Rohstoffe oder Gold, in ihren Bewertungen zwar wild schwanken können, aber kein echtes Wachstum durch Innovation in sich tragen.
  • Reine "Cash-Kühe" ohne Wachstum, zwar jede Menge Cash per Dividende ausschütten, am Ende aber langfristig nicht vom Fleck kommen.
  • Niedrige KBVs und KGVs und hohe Ausschüttungen, keine langfristige Sicherheit verschaffen.
  • Sehr langfristig über Jahrzehnte genau die Firmen am "sichersten" sind, die sich neben starken, eigenen Produkten, in einem stark wachsenden Marktumfeld bewegen, denen neue Kunden also sozusagen von alleine zufliegen, weil der sie umgebende Markt einfach wächst

Ich halte diese Aussagen immer noch für grundlegend richtig und wichtig.

Heute will ich mal daran anknüpfen und erklären, warum die Sektorenwahl bei der Frage, welche Aktie in ein Investmentdepot gehört, für mich das erste wichtige Nadelöhr ist, durch das ein potentielles Investment durch muss.

Denn wenn man ein langfristiges Investment tätigt, macht es jede Menge Sinn, das aus einem Sektor zu wählen, der langfristig wächst. Ein Sektor, bei dem der zu verteilende Kuchen also immer grösser wird.

Erfahrene Segler wissen zu Genüge, wie viel einfacher es ist, mit dem Wind im Rücken zu segeln, als gegen den Wind anzukreuzen. Letzteres geht zwar auch, erfordert aber weit höheren Aufwand, um voran zu kommen.

Und was beim Segeln der Wind ist, ist bei der Geldanlage der fundamentale Trend, der für steigende Umsätze und Gewinne sorgt. Unternehmen, die in so einem Markt sind, haben es leicht, den Aktionären Freude zu machen. Warum also, sollten wir bei der Geldanlage freiwillig auf diesen Vorteil verzichten?

Ich bin sowieso ein Fan des "Growth"-Gedankens. Denn Bewertungen, die sich aus der Vergangenheit herleiten, sind genau das: Vergangenheit. Viel wichtiger damit unsere Investmentdepots ergrünen ist aber, dass das Geschäftsmodell in der Zukunft Wachstum zulässt. Denn Wachstum wird langfristig in steigende Kursnotierungen umgesetzt. Und wenn die Grösse des zu verteilenden Kuchens wächst, fällt es Unternehmen leicht, daran Teil zu haben.

Neben der Grösse des zu verteilenden Kuchens, sind dabei aber die Eintrittshürden ebenso wichtig. Denn wenn ein Markt wächst, wollen andere auch daran Teil haben. Je schwerer das ist, je mehr Anlaufinvestitionen das erfordert, desto leichter tun sich die an der Börse notierten Platzhirsche, ihre Margen zu verteidigen.

Der ideale Sektor für ein Investment wäre also einer, der absehbar in den kommenden Jahren wächst und bei dem der Neueintritt neuer Mitbewerber aber aufgrund hoher Eintrittsbarrieren fast ausgeschlossen ist.

Nach dieser Vorrede, will ich daher eine Diskussion mit Ihnen beginnen, welche Sektoren im Sinne eines mehrjährigen Investments zu bevorzugen sind und welche nicht. Treue Leser werden über die Liste nicht überrascht sein, denn natürlich finden sich diese Präferenzen auch in den Einzelaktien wieder, die ich immer wieder mit Ihnen bespreche.

Damit konkret zu den Sektoren. Vorab sei noch gesagt, dass natürlich keine Regel ohne Ausnahme existiert. Auch in starken Sektoren, gibt es schwache Aktien, von denen man die Finger lassen sollte. Und in kritischen Sektoren, gibt es trotzdem starke Aktien, vielleicht gerade weil diese den Sektor so aufmischen, wie eine Tesla Motors die Autoindustrie.

Zunächst einmal die Sektoren, die ich bevorzuge, weil hier nach meiner Erwartung langfristiges Wachstum zu finden ist:

Clean Energy & Clean Tech

Ich denke das "warum", muss ich hier nicht mehr aufführen. Solange nicht als "schwarzer Schwan" eine ganz neue Technologie wie die "kalte Fusion" auftaucht, die alles auf den Kopf stellt, habe ich am langfristigen Erfolg und Wachstum des Sektors keinerlei Zweifel. Kurzfristige Verwirrrungen wie aktuell durch den Einbruch in China, ändern nichts am grossen Bild.

Aerospace & Defense

Natürlich inklusive Raumfahrt. Langfristig ein klarer Wachstumssektur und auch unsere Art uns und unsere Waren zu transportieren, wird bestimmt "dreidimensional" werden, sobald die autonomen Systeme so weit sind, dass "Fahr-Flug-Zeuge" alleine wie an einer Schnur gezogen fliegen können. Coruscant lässt sozusagen grüssen. 😉

Aber das dauert noch ein paar Jahrzehnte. Real ist aber nun die durch die multipolare Welt geförderte Rückkehr der strategischen Konflikte. Russland, China, Japan - überall wird massiv aufgerüstet und die Friedensdividende nach dem Fall des eisernen Vorhangs wieder abgebaut. Der Westen und insbesondere Europa wird nachziehen, das betrachte ich auf Jahre als nahezu sicher. Und die Eintrittsbarrieren im Sektor sind immens hoch. Wachsende Umsätze werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den Unternehmen verteilt, die heute schon bekannt sind.

Biotech & Life Sciences

Auch das muss ich wohl nicht weiter begründen, für mich immer noch *der* langfristige Boomsektor des neuen Jahrhunderts.

Agro Tech

Die Betonung liegt dabei auf "Tech", denn die eher profanen Düngemittel verstehe ich nicht darunter. Die fallen eher unter Rohstoffe und sind zyklischer Natur.

Aber alles was durch Innovation dabei hilft, die wachsende Weltbevölkerung trotz schlechter werdender Böden zu ernähren, vom robotergeführten Traktor bis zur intelligenten Bewässerung, wird seinen Weg machen und hat absehbar steigende Geschäftsvolumina vor sich.

Robotics

Eigentlich kein richtiger Sektor und nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Denn Robotics ist eigentlich eine Basistechnologie, die sich an ganz unterschiedlichen Stellen auswirken kann. Zum Beispiel in der Medizin bei Intutive Surgical. Oder in der Agrarwirtschaft durch autonome Erntemaschinen. Oder im Rüstungsbereich bei Drohnen. Oder in der Autoindustrie beim autonomen Fahren. Oder bei der Produktion wie bei Kuka. Oder. Oder.

Die verschiedenen Ausprägungen dieser Basistechnologie, stehen aber vor massivem Wachstum, auch davon ist auszugehen.

Software

Wie Robotics ist auch "Software" eine Basistechnologie und man kann nicht pauschal sagen, dass ein Investment in Software per se aussichtsreich sei. Es ist aber an ganz vielen Stellen Software, die den Unterschied macht. Überlegen Sie sich alleine mal, wie die zunehmenden Fähigkeiten von Spracherkennung (Siri und Co.) ganze Industrien umkrempeln werden - "Tea - Earl Grey - Hot!";). Oder denken Sie an das Thema Cyber-Security, auch das ist offensichtlich ein Wachstumsthema.

....

So weit als Beispiele ein paar Sektoren, die ich mag und aus denen ich gerne Aktien für mein Investmentdepot wähle. Es gibt noch andere und keiner der obigen Sektoren sollte sie überraschen. Aber allen diesen Sektoren ist gemein, dass der Wind des Wachstums in den Rücken des Investments bläst. Und es macht jede Menge Sinn, auf diesen Rückenwind zu setzen.

Nun noch kurz und beispielsweise ein paar Sektoren, um die ich in der Regel bei Investments einen Bogen mache und warum.

Versorger

Versorger braucht man immer? Habe ich auch mal gedacht und ist wahrscheinlich falsch. Die Technologie macht zentrale Versorger zwar nicht völlig unnötig, drängt sie aber in den Hintergrund und nimmt damit die Wachstumspotentiale. Dezentraler Energie gehört nach meiner Überzeugung die Zukunft.

Und die etablierten Versorger haben für mich schlicht kein Geschäftsmodell mehr und keine wirklich überzeugende Idee, wie ein neues entstehen soll. Warum da "gegen den Wind" segeln?

Autoindustrie

Von den Paradigmenbrechern wie Tesla abgesehen, ist die Autoindustrie derzeit in einem gesättigten Markt unterwegs. Etwas flapsig gesagt, passen mehr Autos nicht mehr auf diesen Planeten - ausser man geht in die dritte Dimension, siehe oben.

Und die Industrie steht vor einer Zeitenwende voller Risiken und neuer Mitbewerber ala Google und Apple. Sicher, vielleicht setzen sich von den derzeit etablierten Autobauern ein paar durch und starten in das neue Zeitalter der Mobilität. Aber das ist völlig unklar.

Warum also sollte man sich als Investment diese Risiken antun? Hier scheinen mir die Risiken kurzfristig höher als die Chancen.

Öl und Gas

Das Öl- und Gaszeitalter geht zu Ende. Und neue Quellen zu finden, wird immer teurer. Paradoxerweise könnten gerade die aktuell niedrigen Ölpreise diese Entwicklung noch befördern. Denn in dem neue Investitionen unterbleiben, könnte der nächste Preissschub um so stärker ausfallen und den Wechsel von Öl und Gas auf andere Energieformen (siehe oben) befeuern.

Banken

Brauchen wir (traditionelle) Banken in einer modernen Welt überhaupt noch? Als Transmissionsriemen für Kredite funktionieren sie ja schon jetzt nicht mehr richtig. Und um Zahlungen abzuwickeln, braucht man sie bald auch nicht mehr, Paypal und Co. lässt grüssen.

Dann sind die Banken noch völlig undurchsichtig, weil selbst Branchenexperten vor deren Bilanzen kapitulieren. Und Wachstum soll woher kommen? Hallo, ist da jemand?

Wie können solche Aktien also Grundlage eines langfristigen, mehrjährigen Investments sein?

So..... so weit ein paar Beispiele. Nichts davon dürfte Sie überraschen, ich wollte es nur einmal im Zusammenhang darstellen.

Und selbstverständlich habe ich nicht die Weisheit gefressen und wenn es um die Einschätzung der Zukunft geht, kann ich auch nur Vermutungen anstellen, ohne diese zu kennen.

Der wesentliche Punkt den ich hier machen will ist, dass bei einem langfristigen Investment die Sektoren vorzuziehen sind, bei denen der zu verteilende Kuchen absehbar grösser wird - uns also der Wind in den Rücken bläst und uns ganz ohne Anstrengung antreibt.

Es macht in meinen Augen weit mehr Sinn, sich bei Investments über diese Potentiale der Zukunft Gedanken zu machen, als sich in den Zahlen der Vergangenheit zu vergraben.

Und wenn Sie mal genau hinschauen, werden Sie bemerken, dass sich die hohen Dividenden gerade in den Sektoren sammeln, denen das Wachstum fehlt. Das ist auch kein Wunder und habe ich in dem lesenswerten Artikel -> Dididenden - überschätzt, overhyped, missverstanden und trotzdem wichtig <- dargestellt.

Für mein langfristiges Anlageverhalten gilt daher der vielleicht überraschende Satz "Wachstum schafft Sicherheit!". Ich persönlich bin damit über Jahre sehr gut gefahren.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Das Musterdepot der Champions: Sicherheit durch Wachstum!

Geldanlage hat viele Aspekte und es gibt verschiedenste Techniken, mit denen man an den Markt heran treten kann, um sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden.

Hier auf surveybuilder.info versuchen wir, diesen unterschiedlichen Methoden gleichermassen Raum zu geben und sie zu vertiefen und uns darin zu üben. Gross genug ist die Community dafür mittlerweile und genügend gebildet und börsenaffin sowieso.

Über Sicherheit

Ein typischer Wunsch bei langfristigen Anlagen ist, "Sicherheit" zu finden. Nun ist dieser Wunsch im Angesicht einer sich permanent wandelnden Welt zwar verständlich, aber doch verwegen, denn absolute Sicherheit gibt es bei Geldanlagen sowieso nicht und zwar weder bei Bargeld, noch bei Bundesanleihen, weder bei Immobilien, noch bei Gold und auch nicht bei Aktien. Absolut sicher ist bisher nur, dass unser Leben begrenzt ist und irgend wann endet.

Aber zumindest relative Sicherheit wollen wir berechtigterweise finden und deswegen erfreuen sich derzeit bei Aktienanlegern alle Strategien grosser Beliebtheit, die sich auf die lange existierenden, super stabilen und cashflow-starken Unternehmen konzentrieren. Die "Nestles dieser Welt" sozusagen.

Diesen Strategien werden verschiedene Namen gegeben und es gibt davon diverse Abarten und oft werden diese mit einer Dividenden-Strategie verknüpft. "Dividenden-Aristokraten" ist ein Name für eine dieser bekannten Varianten dieser Herangehensweise. Diese Strategie funktioniert und ist sinnvoll, ist aber derzeit auch extrem beliebt im Markt. Auch darüber sprechen wir intensiv in der Community und ein Mitglied führt dazu derzeit ein Musterdepot.

Sicherheit kann man aber auch ganz anders definieren, als so defensiv, wie das aus Sätzen wie "gegessen wird immer" spricht. Denn diese Form von "defensiver" Sicherheit, definiert sich dann darüber, dass ein Unternehmen einen Umbruch in jedem Fall überlebt, auch wenn es vorher wie alle anderen stark fällt. Das ist eine sehr sinnvolle Betrachtungsweise, aber es nicht die einzige Art und Weise sich dem Thema "Sicherheit" zu nähern. Und sehr überlaufen sind diese Dividenden-Strategien sowieso und alle dieser Aktien schon luftig bewertet.

Die Champions

Sicherheit kann man alternativ aber auch offensiv definieren, wie das im Sprichwort "Angriff ist die beste Verteidigung" schon vermittelt wird.

Denn relative Sicherheit bei der Geldanlage, kann auch daraus entstehen, dass die idealen Unternehmen auf derart starken Produkten und einer derart grossen Marktmacht sitzen, das auf absehbare Zeit niemand daran vorbei kommt. Die Unternehmen sollten also "Champions" in ihren individuellen Märkten sein.

Nicht jeder muss diese Unternehmen kennen, es dürfen also auch "hidden" Champion sein, aber sie müssen in ihrem Markt auf jeden Fall absolut führend sein und irgend etwas deutlich besser als ihre Mitbewerber können, so dass kein Weg an ihnen vorbei führt.

Und noch besser, die Unternehmen sollten in ihrem Markt auch deutlich wachsen, weil ihre Produkte immer mehr Zuspruch finden. Und dabei tut man sich natürlich leicht, wenn der Markt selber auch deutlich und absehbar auf Jahre wächst, weil er zu einem starken Zukunftstrend gehört, gerne auch Megatrend genannt.

Wer solche Unternehmen selektiert und in seinem Depot versammelt, wird auch eine sehr hohe, relative Investitions-Sicherheit finden und kann diese Unternehmen durchaus mal länger laufen lassen, ohne bei jeder Kurs-Bewegung gleich in Panik zu verfallen. Eine Diversifikation auf 10 Werte unterschiedlicher Branchen und Länder, sollte die Sicherheit am Ende dann weiter erhöhen.

In einer schweren Krise ala 2008, werden diese Unternehmen natürlich auch massiv einknicken, aber das tun die Dividenden-Aristokraten auch, wie wir auch 2008 gesehen haben - erinnert sich noch jemand an GE und einen Kurs von 5 USD? Autsch!

GE 14.06.15

Der valide Punkt beider sinnvollen Herangehensweisen ist, dass die guten Unternehmen sich dann schnell erholen und das gilt eben nicht nur für Dividenden-Aristokraten, sondern auch für solche Wachstums-Champions, die auf Produkten sitzen, nach denen die Welt hungert.

Ich zeige Ihnen hier mit Ecolab mal ein Unternehmen als Appetizer, mit dem ich nicht zu viel verrate. Wenn Sie nicht schon Mitglied sind, werden Sie das Unternehmen recht wahrscheinlich nicht kennen. Eingeführt wurde Ecolab bei uns durch unseren -> Kolumnisten <- "Johann", der Kenner dieser Branche ist.

Das Unternehmen ist ein "Champion" in seinem Markt und es gibt keine Anzeichen, dass sich das absehbar ändern wird. Und ein namhafter Investor scheint das auch so zu sehen. Denn wenn die mir vorliegenden Daten noch stimmen, ist Bill Gates, unter anderem über seine "Bill & Melinda Gates Foundation", mit 25% der grösste Aktionär. Schauen Sie mal, wie sich Ecolab nach 2008 entwickelt hat:

ecolab 15.06.15

Ist das nicht auch "Sicherheit"? Sicherheit durch Wachstum? Und nun stellen Sie sich mal vor, wir würden 10 davon finden und gut diversifiziert zusammen stellen. Wäre das nicht ein interessantes Portfolio, dem man erst einmal Vertrauen schenken darf?

Sicher, dass die Kurse schon weit gelaufen sind ist wahr, gilt aber für fast alle Aktien im derzeitigen Markt. Dass Ecolab aber so gelaufen ist, ist gut begründet, weil sich das Geschäft eben ausgeweitet hat, eine Übernahme erfolgte und das Unternehmen einfach nicht mehr das von 2008 ist. Ecolab macht aktuell 14 Milliarden USD Umsatz, das ist also keine "Bude" mehr.

Das Projekt

Wir haben deshalb hier vor einigen Tagen auf surveybuilder.info ein Community Projekt begonnen, um gemeinsam die "besten" 10 dieser Wachstums-Champions zu identifizieren und in einem Musterdepot dann länger zu begleiten. Auf dem Weg zu diesem Musterdepot, sammeln wir aber erst einmal mit dem geballten Wissen der Community wesentlich mehr Unternehmen ein, geplant sind um die 50, bevor wir diese dann durch immer schärfere Kriterien auf die "besten" 10 wieder reduzieren, die am Schluss übrig bleiben.

Aber auch die geplanten 50, von denen nun schon über 20 identifiziert wurden, sind hoch interessante und "gute" Unternehmen, darunter ganz viele, von denen Sie wahrscheinlich noch nie gehört haben. Wie gesagt, Champions dürfen durchaus auch "hidden" sein 😉

Die erste Phase des Projektes läuft bis kommenden Sonntag 21.06.15, bis dahin sammeln wir alle Kandidaten. Dann folgen weitere Phasen, in denen wir gemeinsam weiter selektieren und dabei auch eine Menge über so einen Selektionsprozess und sinnvolle Kriterien lernen. Denn wie ich hier schon oft gesagt habe: -> KGV und KBV sind es eher nicht <-.

Teilnehmen kann jedes surveybuilder.info Premium-Mitglied, das sich im Forum vorgestellt hat. Die erste Phase läuft aber nur bis kommenden Sonntag 21.06. Abends. Nur wer sich bis dahin beteiligt hat, kann hinterher bei dem weiteren Prozess auch Einfluss nehmen. Und Nein, in den freien Bereich wird das Portfolio der Wachstums-Champions später nie gestellt, das bleibt auf jeden Fall alleine dem Premium-Bereich vorbehalten.

Wenn Sie auch Spass an so einem Projekt hätten und als Teil einer kompetenten Community, viele hoch interessante Aktien kennen lernen wollen, dann stossen Sie zu uns, am besten noch vor dem kommenden Sonntag, um noch mitmachen zu können. Und wenn nicht, wünsche ich weiter viel Spass und Erfolg mit Ihren bisherigen Quellen.

In jedem Fall sollten Sie aber darauf achten, dass Sie überhaupt qualitativ hochwertige und unabhängige Quellen besitzen. Ich erinnere an meinen Artikel -> Börsenerfolg, worauf warten Sie noch? <-

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die absurde Diskussion um Austerität versus Wachstum in der Eurozone

Schaut man in die Presse und sieht, was selbst höchste Politiker bis hin zu Staatspräsidenten so von sich geben, könnte man ja meinen, als gäbe es eine wichtige ökonomische Diskussion, die man als "Austerität versus Wachstum" umschreiben könnte.

Ich kann mit dieser Diskussion wirklich nichts anfangen. Sie ist für mich persönlich einfach lächerlich und absurd und wer sich nicht entblödet, dabei nur auf einer Seite der Medaille zu argumentieren, der ist für mich sowieso nicht ernst zu nehmen. Und um das zu erkennen, muss man nicht einmal Ökonom sein. Dafür reicht einfach ein durchschnittlicher IQ und eine Prise Realismus.

Denn an dieser Stelle ist die Wirklichkeit ganz einfach: Wir brauchen Beides ! Austerität und Wachstum ! Und das Eine kann ohne das Andere gar nicht funktionieren. Der vermeintliche Gegensatz ist konstruiert, um medial damit das eigene politische Süppchen zu kochen. Mit der Realität hat der vermeintliche Gegensatz aber nichts zu tun.

Nehmen wir doch mal den menschlichen Körper. Nehmen wir einen Menschen der jeden lieben Tag verfettet und vollgefressen in seinem Sessel hängt, drei leere Chips-Tüten daneben und die Fernbedienung in der Hand, unfähig sich selber aufzuraffen und mit seinem Leben etwas Sinnvolles anzustellen. Und nun soll dieser Mensch wieder fit und gesund werden.

Glauben Sie, es würde reichen, ihm nur die Chipstüten wegzunehmen und ihn ansonsten weiter im Sessel vegetieren zu lassen ? Nur mit dem Unterschied, dass er nun auch noch hungert ? Wird das den Menschen glücklicher, erfolgreich und gesünder machen ? Wohl kaum, nur mit dem Einsparen von Nahrung wird man gar nichts bewirken. Man wird den Menschen nur noch mehr frustrieren und unglücklich machen. Und sobald er dann irgendwo eine versteckte Chipstüte in die Hand bekommt, wird er sie gierig hinein stopfen. Und der Körper wird im Jojo-Prinzip noch fetter werden.

Faktum ist also, Einsparung und Reduktion alleine machen nicht gesund. Im Gegenteil, man kann sich auch tot hungern ! Und in der Wirtschaft ist es nicht anders. Gerade auch weil Wirtschaft auf Psychologie beruht und die Menschen brauchen einfach etwas Positives, wonach sie streben können. Hoffnung ist eine weit unterschätze Währung !

Bevor jetzt hier aber Vertreter der französischen Regierung jubilieren einen Deutschen zu finden, der reine Sparsamkeit schwachsinnig findet, muss ich klar stellen, dass das Gegenteil ebenso absurd ist.

Denn glauben Sie ernsthaft, dieser verfettete Mensch würde gesund werden, wenn man nichts an seiner Nahrungsaufnahme und seinem Lebensstil ändert und dem Menschen dafür nur teure Fitnessprogramme anbietet, ihn also massiv fördert ? Das Geld dafür könnte man auch gleich das Klo runter spülen oder zu einer Zigarre rollen und rauchen. Es ist völlig verschwendet. Denn ein derartiger Körper kann gar keine Freude bei Bewegung erleben. Und wird deshalb die teuren Programme bestenfalls halbherzig annehmen und nach drei Versuchen wieder fallen lassen. Und wieder Chips vor dem Fernseher mampfen, um im Bild zu bleiben.

Faktum ist also, wenn die Grundlage nicht da ist, bringen Wachstumsanreize gar nichts. Auch das ist so in der Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft durch Bürokratie und Steuer- bzw. Regulierungs-Lasten erdrückt wird, ist es sinnlos, weisse Salbe zu verschmieren und irgendwelche Wachstumsprogramme aufzulegen. Die "süssen" Teile dieser Programme werden mit genommen, in den Mund gestopft und dann macht man weiter wie bisher.

Und deshalb braucht Europa beides. Die "Verfettung" des obigen Bildes ist dabei in vielen Ländern des "Club Med" ein übergrosser, ineffektiver und teilweise korrupter Staatsapparat, der wie Mehltau auf der Wirtschaftskraft des Landes liegt und letztlich die Menschen aussaugt. Darüber hinaus oft geschlossene Arbeitsmärkte und Branchen die von Bünden und illegalen Absprachen dominiert werden und sich gegen Wettbewerb und Wandel wehren. Und ebenso eine Kultur des gesellschaftlichen Egoismus, in der das Gemeinwohl im Wortschatz nicht vorkommt und jedes Individuum bereit ist, das Gemeinwesen - und damit letztlich den Nachbarn - gnadenlos zu "bescheissen", um einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

In Ländern wie Griechenland kann man da nur sagen, der Fisch stinkt vom Kopf und "die da oben" machen "denen da unten" vor, wie man den eigenen Vorteil um jeden Preis maximiert. Nur ist das keine Entschuldigung für "die da unten", sich ebenso moralisch windschief zu verhalten. Genauso wenig wie ein Hoeness die ebenso verwerfliche Schwarzarbeit des kleinen Mannes legitimiert. Und es ist schon gar keine Rechtfertigung dafür, in Deutschland den Sündenbock zu suchen, nur um das eigene gesellschaftliche Versagen zu kaschieren.

Und dieses Fett zu reduzieren geht eben nicht ohne Schmerzen wie Entlassung und nicht ohne (Gehalts-) und (Bürokratie-) Verzicht. Wer den Menschen etwas anderes erzählen will lügt in meinen Augen !

Leider gibt es in Demokratien eine Besonderheit, die erzwingt, dass Austerität am Anfang des Prozesses stehen muss. Denn in Demokratien gewinnen immer die, die den Menschen schöne Versprechungen machen. Mit der Ansage von Mäßigung, Verzicht und Training ist noch niemand gewählt worden, auch nicht in Deutschland. Deshalb können Demokratien diese schmerzhaften Schritte nur dann angehen, wenn die Lage für jeden spürbar kritisch und dramatisch ist. Erst die Krise in der Realität gibt in einer Demokratie denen die Oberhand, die für einen schmerzhaften Wandel eintreten.

Deswegen gibt es auch keine andere Wahl, als in Europa erst die strukturellen und schmerzhaften Massnahmen anzugehen, bevor man dann auch fördern kann und den Blick auf Wachstum richten kann und muss. Bevor man den Menschen Hoffnung gibt. Zu frühe Hoffnung raubt die Kraft endlich mal hart in das eigene Fett zu schneiden. Erst Austerität und danach Wachstumsanreize ist in Demokratien leider eine zwingende Reihenfolge. Versucht man es anders herum, wird Austerität ausfallen und nichts wird sich an den Grundlagen ändern, die die Krise hervor gerufen haben.

Schaue ich persönlich auf die südlichen Länder der Eurozone, sehe ich da mit Spanien und Portugal zwei Nationen, die schon harte und strukturelle Änderungen auf den Weg gebracht haben. Diese Länder waren und sind bereit, ihre Chipstüten wegzuwerfen, zu trainieren und sich selber aus dem Loch zu befreien. Beide Länder brauchen jetzt Wachstumsanreize und die Bevölkerung braucht eine Perspektive. Das haben sich diese Gesellschaften verdient und dort einfach mit reinem Sparen weiter zu machen, führt in die Katastrophe und hat keinen Sinn.

Dann haben wir mit Italien und Griechenland zwei Länder, in denen das Thema Korruption besonders schwerwiegend ist. Diese Länder haben mit ersten Änderungen angefangen, sind aber bisher nicht sehr weit gekommen. Und natürlich wird von den lokalen Politikern etwas anderes erzählt, aber die Kernprobleme im Bereich Arbeitsmarkt und öffentliche Verwaltung sind in meinen Augen bestenfalls angekratzt. Und der viel gelobte Monti hat leider mehr mediale Bugwelle, als echte harte Änderungen bewirkt. Die Ursachen der Misere sind dort aber nicht ausreichend aufgearbeitet und hier schon wieder das Ende von Anpassungsbestrebungen auszurufen, wäre deutlich verfrüht. Jeder Euro der Förderung, würde im derzeitigen Zustand nur erneut wieder versickern.

Und dann haben wir mit Frankreich den schlimmsten Fall von allen, denn dort wird sich noch in Verweigerung geübt, der Verweigerung die harte Realität anzuerkennen, dass man die Wettbewerbsfähigkeit weitgehend verloren hat und in einer grossen Illusion lebt, die das Vermögen der jungen Generation verfrühstückt. Frankreich will bildlich gesprochen seine Chipstüten noch nicht loslassen und es gibt auch noch keine Akzeptanz für die Notwendigkeit harter Massnahmen. Aussagen aus diesen Reihen, dass mit Austerität nun Schluss sein müsste, sind für mich einfach lächerlich. Man hat noch nicht einmal angefangen, sich aus dem weichen Sessel aufzuraffen ! Man stellt ja sogar die Existenz eines weichen Sessels in Frage !

Und damit niemand denkt, hier urteile ein typisch arroganter Deutscher nur über andere, es gibt dann noch ein Land, Deutschland. Das glaubt alles richtig gemacht zu haben und anderen Lehren erteilen zu können. Und übersieht dabei, dass es gerade dabei ist alles zu verspielen. Denn dieses Land kann trotz rekordhoher Steuereinnahmen und niedriger Arbeitslosenzahlen immer noch nicht mit den Einnahmen haushalten und will wieder den einfachen Weg wählen, in dem sich der Staatssektor noch mehr Steuer-Chips-Tüten in den Rachen schiebt, statt endlich mal anzufangen für eigene Fitness zu sorgen und das Geld der Bürger sinnvoll und sparsam auszugeben. Und diese Gier und Masslosigkeit bei der Staatsquote, für die das Programm der Grünen nur das offensichtliche Fanal ist, legt jetzt schon den Samen für den kommenden Niedergang, wenn die Welt aus konjunkturellen Gründen mal nicht so nach deutschen Exportgütern schreit. Denn dieser Niedergang trifft dann auf noch mehr unbezahlbare Versprechungen und noch mehr unbezahlbare Pensionslasten als heute schon.

In Summe ist die Ökonomie eines Turnarounds aber ganz einfach und immer gleich, in einem einzelnen Unternehmen wie in einem ganzen Land. Es braucht immer beides: Erstens Sparsamkeit und Reform in Form einer Fitnesskur für die Gesellschaft und zweitens Hoffnung und Wachstum, die Motivation damit Menschen mit Optimismus aufstehen und positiv den Tag angehen.

Wenn jemand Ländern wie Spanien und Portugal, die schon so harte Schnitte hinter sich haben, nun Hoffnung auf Wachstum verweigern will, wäre das fahrlässig und dumm. Das wäre dann tatsächlich "Brüning Reloaded" und eine Sünde an Europa.

Und wenn jemand in Ländern wie Italien, Griechenland und erst recht Frankreich nun davon faselt, dass schon genug der Anstrengungen erfolgt wären, ist das für mich einfach nur dummes Geschwätz, das von eigenem Versagen ablenken soll. Dort ist man bestenfalls auf dem Weg der notwendigen Anpassung, aber keinesfalls am Ende.

Und wenn jemand in Deutschland glaubt, wir seien so toll und bei uns sei alles anders, dem sei gesagt: es gibt einen Grund, warum bei uns die Dinge besser sind. Weil wir eine erfolgreiche, international wettbewerbsfähige Wirtschaft mit motivierten, loyalen und kreativen Mitarbeitern haben. Und wer an dieser Grundlage aus ideologischen Gründen zündelt, ist nicht ganz klar im Kopf !

Und wenn jemand die ganze Eurozone in einen Topf wirft und nicht in der Lage ist die Situation der Länder einzeln zu betrachten, verabschiedet er sich als ernst zu nehmender Gesprächspartner.

So weit meine Meinung zum Thema.

Und finden Sie nun, dass dieser Artikel nur Offensichtliches wiederholt hat ? Dann sind Sie nicht alleine, ich finde das auch !

Umso erstaunlicher ist dann doch wohl diese für mich lächerliche Kontroverse in Europa, in der zwei Dinge in Gegensatz gesetzt werden, die immer, egal ob im Körper oder in der Wirtschaft, gleichberechtigt angegangen werden müssen:

Fordern und Fördern,
Zuckerbrot und Peitsche,
Schlankheit und Training,
Abwerfen von Ballast und das Setzen der Segel,
Austerität und Wachstum !

Über die Details, das Ausmass und den Zeitpunkt, kann man sich füglich streiten. Aber doch nicht über das Prinzip !

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