Zwischen Baum und Borke

Eine der perfekten und praktisch immer stimmenden Bauernregeln des Marktes ist, dass Anleger die sich eine Korrektur wünschen, um günstiger in den Markt einsteigen zu können, es genau dann nicht können, wenn diese Korrektur dann da ist.

Das liegt daran, dass in einer Korrektur die Unsicherheit stark steigt und genau diese Unsicherheit verleitet dann dazu, doch wieder zuzuwarten. Wenn die Kurse dann aber schon wieder gestiegen sind, sind sie diesem Anleger schon wieder zu teuer, weswegen dieser Typus Anleger nie einen sauberen Einstieg findet und statt dessen irgendwann entnervt irgendeine suboptimale Übersprungshandlung vollzieht.

Machen wir uns bitte klar, dass aufgrund des Marktgesetzes der Reflexivität, der Moment der größten Chance immer der Moment der höchsten Unsicherheit sein *muss*. Denn wenn keine Unsicherheit da wäre und ein Wiederanstieg klar wäre, könnten das auch andere sehen und die Kurse wären also schon oben und nicht mehr unten!

Machen wir aber bitte auch nicht den Fehler, diese Logik umzudrehen. Der Moment der größten Chance ist zwangsläufig der Moment der größten Unsicherheit, was aber nicht im Umkehrschluß heisst, dass jeder Moment der Unsicherheit eine große Chance ist. Denn erst hinterher kennen wir den Punkt der größten Unsicherheit, es geht eben immer noch schlimmer.

Als Timing-Indikator ist die Regel also nicht hilfreich, aber es ist trotzdem wichtig diese zu verstehen, denn es macht uns klar, dass wir gute Entscheidungen am Markt immer im Zustand der Unsicherheit treffen müssen. Wenn wir auf Sicherheit warten, werden es keine guten Entscheidungen mehr sein.

Gerade derzeit sehen wir das wieder in Perfektion. Seit Anfang Februar läuft eine Korrekturwelle durch den Markt, die im Leitindex S&P500 den Bereich von rund 10% erreicht und an einem potentiellen Boden arbeitet.

Die Auslöser für die Korrektur haben dabei gewechselt, während in der ersten Abwärtsphase marktinterne Verzerrungen rund um den "Short-Vola-Trade" großen Einfluß hatten, ist der Markt nun von exogenen Nachrichten getriggert, insbesondere der nicht völlig unberechtigten Sorge vor einem eskalierenden Handelskonflikt zwischen den US und China.

Damit stellt sich die Frage an Sie: Haben Sie nun die Korrektur zu Käufen genutzt? Immerhin sind viele Aktien nun 10% und mehr "billiger" als noch im Januar?

Schauen wir doch mal, was das Chart des Leitindex S&P500 sagt:

Wir sehen die letzten 2 Wochen eine massive Schaukelzone oberhalb des Tiefs vom 09.02. und im Bereich der 200-Tage-Linie, die Ausdruck großer Unsicherheit ist. Da haben wir es also: "Große Unsicherheit!"

Heisst wir haben eine notwendige Bedingung für profitable Käufe erreicht - hohe Unsicherheit!

Und woher rührt die Unsicherheit? Aus der Sorge, dass der Markt von hier nicht nach oben zieht und einen groß angelegten Doppelboden vollendet, sondern nach unten durchfällt und erst richtig in einen Bärenmarkt wechselt. Und der potentielle Katalysator dafür wäre eine Eskalation des Handelskonfliktes.

Genau das ist also so eine typische Situation, wie sie entscheidende Wendepunkte immer auszeichnet. Nun werden die unter Ihnen, die die Worte oben nicht akzeptieren können, sich erneut mit der Suche nach Sicherheit quälen. Diese Suche ist aber völlig sinnlos, denn ausdrücklich *niemand* kennt die Zukunft. Und wenn Sie sich nun danach richten, was Ihnen irgendein Markt-Wahrsager mitteilt, haben Sie deswegen nicht wirklich eine bessere Entscheidung getroffen.

Was man aber aktuell sagen kann ist, dass der Markt aus sich heraus wohl für einen temporären Wiederanstieg reif ist, wobei man nach oben nicht mehr viel erwarten sollte. Heisst wenn jetzt mal keine Twitter-Tiraden Richtung Amazon mehr kommen, kein Eskalations-Ping-Pong mit China in Handelsfragen und kein neuer Krieg irgendwo auf der Welt, wird dieser Markt eher wieder steigen, weil er wohl steigen will.

Heißt der Markt hat aus sich heraus genug korrigiert, hat aber auch nicht mehr die Kraft richtig nach oben durchzuziehen. Heisst aber auch mit anderen Worten, dass es nun einen exogenen Katalysator braucht, um ihn zum Zusammenbruch zu bringen. Das könnte eine sehr schlechte, gerade anlaufende Quartalssaison sein - wonach es im Vorfeld aber nicht aussieht - und könnte eben ein Handelskrieg sein.

Ein echter Handelskrieg ist zwar nicht wahrscheinlich, aber eben nicht auszuschliessen und hätte starke Kursauswirkungen, gerade weil der Markt die Tiraden derzeit noch eher als Theaterdonner zwecks Verhandlungs-Poker einstuft. In dem Moment in dem der Markt das Thema also ernst nimmt und nicht mehr nur als rhetorischen Poker betrachtet, dürfte es abwärts gehen, denn ein Handelskrieg hat substantielle Auswirkungen auf die Gewinne der Unternehmen, in einer vernetzten Weltwirtschaft auch gerne mal um drei Ecken herum und auch da, wo man es gar nicht erwarten würde.

Ob diese Katalysator kommt, der den Markt überwältigt, kann ich Ihnen nicht sagen und kann Ihnen niemand sagen. Solange man an die Vernunft glaubt, macht es Sinn davon auszugehen dass es nur Poker ist, weil sich doch niemand freiwillig in den Fuß schiessen will - sollte man meinen. 😉 Mit dieser Unsicherheit müssen wir einfach leben und wenn wir das nicht können, haben wir im Markt nichts verloren.

Denken Sie also noch einmal darüber nach, wann Ihnen ein Einstieg "sicher genug" ist und machen Sie sich klar, dass in dem Moment in dem vermeintlich hohe Sicherheit am Markt existiert, die Kurse nicht mehr attraktiv sein können, weil alle anderen das dann auch erkennen und schon gekauft haben.

Wir müssen eben -> die Unsicherheit lieben lernen <-, daran führt kein Weg vorbei.

Wie wäre es in so einer Gemengelage denn, selektiv und vorsichtig mal ein wenig zu kaufen und direkt abzusichern? Heißt Sie überlegen sich im Vorfeld den "Preis", den Sie für die Chance zu zahlen bereit sind. Dieser "Preis" ist dann die Differenz zwischen Ihrem Einstieg und dem von Ihnen definierten Punkt, an dem Sie die Reißleine ziehen, weil der Markt eben doch nach unten rausfällt.

Ohne Risiko aber keine Chance, no Risk no Fun. Der grosse Vorteil der aktuellen Situation ist, dass man das Risiko nach unten insofern begrenzen kann, weil man weiss wo man "abzuschneiden" hat. Und Aktien mit einem 10% "Rabatt" zu kaufen, ist sicher sinnvoller, als sie letzten Dezember oder Januar zu kaufen, auch wenn wir nie wissen werden, ob wir nicht bald noch einen "20% Rabatt" bekommen. Eine echte "Sicherheit" wird es am Markt nie geben, machen wir uns das klar.

Ihr Hari

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Die Marktlage in einem Chart

Ich weiss, wir wünschen uns ja so intensiv, dass es nur ein einziges Mal völlige Klarheit und totale Sicherheit am Markt gäbe, damit wir mal "so richtig" und ohne Sorgen im Nacken Gewinne scheffeln könnten.

Leider ist das eine Illusion und wer wirklich das Konzept der -> Reflexivität <- verinnerlicht hat, hat das auch akzeptiert.

Denn stellen wir uns mal vor, es gäbe diesen Moment der absoluten Sicherheit, dann würden ja alle das Gleiche machen wollen wie wir, denn "die anderen" da draussen sind ja auch nicht blöd. Und wer würde dann die Gegenposition zu unseren Käufen nehmen und uns die Aktien verkaufen? Eben. 😉

Der Markt ist also nie völlig klar und es gibt immer Unsicherheiten und das muss so sein. Nun kann man diese Unsicherheiten mit Ignoranz und Bias einfach beiseite schieben und sich "sicher fühlen". Das fühlt sich auch eine Zeit lang sehr schön an, die perfekte Kontrollillusion sozusagen, aber dann kommt zwangsläufig die Realität und bringt das dicke Ende.

Aber auch wenn der Markt immer in Unsicherheit ist, gibt es doch Momente, an denen die Lage und die Chancen und Risiken sehr deutlich verteilt sind und uns eine rationale Entscheidung mit klarer Tendenz ermöglichen. Witzigerweise sind es gerade die grossen Wendepunkte, an denen die Lage am Klarsten ist und trotzdem eine grosse Mehrheit der Anleger vor Angst erstarrt zu sein scheint und sich schwer tut, gedanklich die Richtung zu wechseln.

So war das in den letzten Wochen am Paniktief des 24.08. und ebenso am markanten Intradayreversal vor 10 Tagen am Freitag 02.10. In beiden Fällen haben wir das hier auf surveybuilder.info antizipiert, erkannt und konnten damit schöne Gewinne in einer Aufwärtsbewegung mitnehmen, die eine Zeit lang relativ risikoarm war, weil eben alles noch in die Gegenrichtung schaute.

Nun aber, nachdem der DAX seit diesem Freitag ca. 900 Punkte gut gemacht hat, ist die Lage wieder komplizierter und Chance und Risiko existieren in ähnlichem Umfang auf beiden Seiten.

Das könnte man nun in vielen Worten beschreiben und diverse Szenarien thematisieren. Ich will Ihnen statt dessen die Lage in einem Chart darstellen, denn das genügt.

Es ist das Chart des Leitindex S&P500 und auch wer sich nur im DAX bewegt, tut gut daran darauf zu achten, wie die US institutionellen Anleger denken. Denn die bestimmen mit ihren Erwartungen eben auch den DAX, der zu über 50% von ausländischem Geld - und eben nicht von deutschem Geld - bewegt wird.

Wenn sie dieser Tage wieder viel über das optimistische Sentiment deutscher Anleger in den Medien lesen, warne ich daher auch davor, daraus zu einfache, direkte Schlüsse auf den DAX abzuleiten. Ohne zu verstehen, wie die US Anleger die Welt sehen, kann man den DAX eben nicht vollständig antizipieren.

Der DAX ist nun einmal kein "deutscher" Index, dafür trägt die völlig fehlende Aktienkultur in Deutschland Verantwortung. Und wer den DAX verstehen will, muss verstehen, wie die denken, die in ihm handeln. Und das sind eben nur zum Teil deutsche Anleger.

Schauen wir also auf *den* Leitindex schlechthin, den S&P500. Alles was man zur aktuellen Lage mit ihren Chancen und Risiken wissen muss, ist in diesem Chart. Und wenn dieses Chart nicht zu Ihnen sprechen sollte und Sie daraus keine eigenen Schlüsse ableiten können, lade ich Sie ein, zur surveybuilder.info Community dazu zu stossen. Hier werden Sie geholfen. 😉

S&P500 13.10.15

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Das grosse Warten auf die FED

Der Markt kaut an seinen Nägeln. Wird die FED heute um 20 Uhr die "grosse" Zinswende einläuten?

Selbst in den Massenmedien finden sich Artikel wie .

Übrigens ein Artikel, der bei allen medial typischen Verallgemeinerungen, inhaltlich gar nicht so schlecht ist. Es ist verdienstvoll, dass überhaupt solche Themen mal Online als Leitartikel positioniert werden. Im deutschen Land der "Börsenautisten", ist jede Vermittlung von Finanzwissen, schon ein grosses Lob wert.

Wir hier in der surveybuilder.info Community, haben uns auf diesen Tag natürlich intensiv vorbereitet und ich habe im Laufe der letzten Tage und Wochen bestimmt 10 Artikel zu verschiedenen Aspekten der Positionierung geschrieben. Denn ja, der Termin ist bedeutend, aber weniger wegen der reinen Zinsfrage. Dazu aber später mehr.

Und heute Abend werde ich in "Hari Live" ab 20 Uhr die Geschehnisse und Zuckungen der Börse "Live" begleiten, Janet Yellens Pressekonferenz verfolgen und ich werde wie immer an so wichtigen Wegscheiden, mehrere Posts einstellen. Der erste typischerweise schon Minuten nach 20 Uhr, wenn viele normale Medien noch auf die Reuters Meldung warten, damit etwas überspitzt gesagt, ein Praktikant die dann nach 20 Minuten mit "Cut and Paste" Online stellen kann. 😉

Mit Ihnen hier im freien Bereich, habe ich schon vor 8 Tagen im Artikel -> FED fixiert <- ein paar Gedanken zum Thema geteilt und ein mögliches Szenario entworfen, wie das ablaufen könnte. Die damals gezeigte Seitwärtsbewegung bis zur FED, ist auf jeden Fall eingetreten, allerdings weniger volatil als befürchtet, statt dessen mit latent positiver Tendenz nach oben.

Tiefer will ich hier im freien Bereich in konkrete Szenarien und Opportunitäten nicht gehen, heute will ich mit Ihnen hier aber noch ein paar grundsätzliche Punkte zur Vorbereitung teilen, die sie in dieser Form wahrscheinlich nicht überall lesen können:

(1)

Der Aktienmarkt hat sich in Form des S&P500 beständig an die obere Begrenzung der Range geschoben und hat gestern Abend sogar ganz "frech" mal versucht, oben heraus zu schauen.

S&P500 16.09.15

Der Markt erwartet also, dass sich die geldpolitischen "Tauben" durchsetzen und er keine bösen Überraschungen zu fürchten hat. Das ist sicher rational, birgt aber die Gefahr einer bösen Überraschung und damit sehr negativen Initialreaktion in sich, falls die FED trotzdem einen Zinsschritt vollziehen sollte.

(2)

Auf der mittelfristigen Zeitebene, ist das Sentiment der US Anleger aber überdurchschnittlich schlecht. Das kann man in unzähligen Indikatoren und Umfragen sehen, wir haben die alle im Premium-Bereich besprochen. Bezeichnend dafür ist auch die , also die konkrete Aufstellung der grossen Fonds-Manager. Ich kann nur empfehlen, sich diese ausgezeichnete Übersicht mal anzusehen.

Diese Daten sagen nichts darüber aus, wie der Markt kurzfristig auf die FED reagieren wird und stehen einem erneuten Absturz direkt nach der FED nicht im Weg. Mittelfristig zum Jahresende, deutet das aber auf Potential hin und ist eher bullisch zu werten.

(3)

Ein wichtiger Umstand, den alle die heute handeln wollen nicht übersehen dürfen, ist der Zeitverzug zwischen dem FOMC Statement um 20 Uhr MEZ und dem Beginn der Pressekonferenz mit Janet Yellen um 20.30 Uhr MEZ.

Wir können relativ sicher davon ausgehen, dass die FED so oder so eine abgewogene Position einnehmen wird.

Wenn also ein kleiner erster Zinsschritt vollzogen wird - was siehe (1) den Markt eher negativ überraschen dürfte - wird Janet Yellen mit hoher Wahrscheinlichkeit danach "weisse Salbe" darauf schmieren und den Schmerz eindämmen, in dem sie heraus stellt, dass auf diesen Schritt keine unmittelbare Kaskade von Folgeschritten kommt.

Umgedreht, wenn der Zinsschritt erneut verschoben wird, wird Yellen wohl präzisieren, wann er dann doch kommen wird.

In beiden Fällen sollten wir also davon ausgehen, dass eine starke Reaktion direkt um 20 Uhr, ab 20.30 Uhr zumindest teilweise wieder aufgehoben werden könnte. Rechnen wir also mit wilder Volatilität und Reversals und keiner simplen Linie in eine Richtung am heutigen Tag.

(4)

Das Geschehen wird schon alleine deshalb volatil sein, weil direkt danach am Freitag auch noch Options Expiration (der Hexensabbat) bevor steht. Wir müssen also davon ausgehen, dass der Markt seine endgültige Richtung und Einschätzung erst Anfang kommender Woche findet, wenn sich auch die grossen, langfristig agierenden institutionellen Anleger dann klar positioniert haben, nachdem dort die Investment-Komitees tagen konnten.

(5)

Auch wenn alle nun auf die Frage "Zinsschritt oder nicht" starren. Darum geht es eigentlich gar nicht. Denn 0,25% mehr oder weniger sind für sich eher unwichtig und wenn es dabei bleibt und nichts nachkommt, ist das immer noch ein extrem stimulierendes Zinsumfeld.

Worum es vor allem heute geht, ist Unsicherheit versus Sicherheit.

Es geht für den Markt um die Frage, ob das eine grosse Zins-Wende ist und uns nun eine Phase der beständigen Zinsschritte bevor steht. Das wäre für den Markt negativ.

Oder ob die FED vielleicht ratlos ist und unsicher wirkt und die Kontrolle über die Situation zu verlieren scheint, das wäre extrem negativ für den Markt.

Oder ob die FED nun einen "one and done" Minischritt macht und damit das Thema aber erst einmal beendet. Das wäre wohl sehr positiv für den Markt. Dann würde der Markt wohl gerade wegen der einmaligen Erhöhung in den Rallymodus wechseln.

Es geht also wie immer um die Erwartungen der Marktteilnehmer. Um die grossen Trends in die Zukunft hinein. Und um Unsicherheit versus Sicherheit. Ob der Leitzins für sich alleine 0,25% höher ist, ist eher nebensächlich.

Alles aber - auch ein kleiner Zinsschritt - das dem Markt Sicherheit vermittelt und beweist, dass das stimulierende geldpolitische Environment andauert - wird der Markt voraussichtlich mögen und wird ihn positiv reagieren lassen.

Alles aber, was den Eindruck einer echten Zinswende erzeugt oder dem Markt weitere Unsicherheit und Unklarheit vermittelt, wird voraussichtlich negativ sein. Selbst wenn kein Zinsschritt kommt. Wenn die FED ratlos und unsicher wirkt, wird es der Markt hassen.

Deshalb ist das im Artikel "FED fixiert" beschriebene Szenario gut denkbar, falls die FED einen kleinen Zinsschritt vollzieht. Erst wird der Markt dann mit einem Schrecken reagieren. Sollte Yellen dann aber in der Pressekonferenz jede Menge Taubenfutter und Zuckerbrot verteilen, kann das am Abend auch schnell drehen.

Vergessen wir aber nicht, das ist nur ein Szenario unter vielen. Behalten wir einfach die 5 Punkte oben im Hinterkopf, um das Geschehen einzuordnen.

Kurzfristig ist heute und morgen also eine Menge drin, von erneutem Test der Tiefs vom 24.08. bis zu einer Rally mit "Hurrah". Sicher ist eigentlich nur erhebliche Volatilität.

Mittelfristig ist die Anlage-Stimmung in den US aber so skeptisch und negativ geworden, dass ein positiver Jahresabschluss gar nicht so schlechte Chancen hat.

Topbildungen die jeder erwartet, haben es auch schwer, genau so einzutreffen. Meistens legen diese dann noch einmal eine Pirouette nach oben ein und erst dann, wenn es keiner mehr erwartet, dreht der Markt doch nach unten.

Im S&P500 entspräche das als Szenario der Bildung einer Art "rechter Schulter" wie folgt:

S&P500 16.09.15 2

Und man muss sich ja auch mal fragen, wer ernsthaft damit rechnet, dass die FED nun eine Zinserhöhung nach der anderen durchzieht. Das halte ich für völlig irreal, dafür ist Yellen viel zu vorsichtig. Selbst wenn ein Zinsschritt kommt, wird er also heute wohl klein und vorsichtig kommuniziert werden.

Soviel von mir an dieser Stelle.

Und nun machen Sie was daraus zum Vorteil Ihres Depots! Wenn Sie es genau wissen wollen, konkrete Unterstützung suchen und vor allem nach der FED die diversen daraus resultierenden Konsequenzen und Chancen kennen wollen, stossen Sie doch einfach zu uns in der surveybuilder.info Community dazu. Ansonsten wünsche ich Ihnen einfach ein gutes Händchen!

Ihr Hari

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Warum wir die Unsicherheit lieben lernen müssen

Der folgende Artikel basiert auf einem Text, der schon Mittwoch 06.05.15 09:30 in Hari Live erschienen ist. Für den freien Bereich wurde er leicht überarbeitet und gekürzt.

Der Sachverhalt selber hat aber grosse und grundsätzliche Bedeutung. Wer an den Märkten Erfolg haben will, gleichzeitig aber zu grosse Angst davor hat, Verluste zu erleiden, wird gerade deswegen scheitern.

Im amerikanischen gibt es dafür ein Sprichwort und das lautet "Fearfull Money doesn´t make Money", zu Deutsch: "Ängstliches Geld kann kein Geld machen". Und darum geht es im folgenden Artikel.

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Heute früh, will ich ein ganz grundsätzliches Thema mit Ihnen besprechen, das durch die "zappelige" Aktualität der letzten Wochen, seine erneute Bedeutung bekommt.

Es geht um die inhärente Unsicherheit, die immer im Markt steckt und mit der wir lernen müssen zu leben, oder noch besser: sie zu lieben und als Chance zu begreifen.

Eine Chance ist es nämlich schon alleine deshalb, weil nicht nur wir diese Unsicherheit verspüren, sondern alle anderen Marktteilnehmer ja auch. Und der Markt ist die Summe der Handlungen und Erwartungen aller Marktteilnehmer. Wenn wir die Unsicherheit also besser verdauen als die anderen, haben wir einen klaren Vorteil (Edge).

Als Menschen plagt uns diese Unsicherheit aber emotional sehr und wir würden uns mehr Stabilität und Verlässlichkeit in den Märkten wünschen. So eine stabile Aufwärtsbewegung wie im ersten Quartal diesen Jahres, ist aber die grosse Ausnahme, das Gezappel und die Volatilität, die wir aktuell erleben, ist dagegen die Regel.

In diesen Phasen kann ich dann immer schon die Uhr danach stellen, dass Marktteilnehmer frustriert beschliessen, nun "nur noch langfristig anzulegen", weil es ja vermeintlich nichts bringt, sich dem kurzfristigen "Gezappel" hinzugeben.

Ich reagiere darauf immer mit einem leichten Schmunzeln, denn diese Reaktionen sind auch nicht wirklich rational, sondern emotionale Ausweichreaktionen, weil man mit der permanenten Unsicherheit nicht mehr umgehen kann. Man gaukelt sich dann vor, das "langfristig" ja höhere Sicherheit verschaffen würde, was aber ein fataler Trugschluss ist. Ein Trugschluss, der fatalerweise aber erst nach langer Zeit erkannt werden kann, wenn das Kind dann schon ganz tief in den Brunnen gefallen ist.

Und nein, das hat nichts mit dem Zeithorizont der Geldanlage zu tun und ich spreche hier auch nicht gegen langfristige und passive Strategien, ich setze solche Strategien doch selber ein und habe doch selber jede Menge langfristige Positionen! Selbstverständlich funktioniert langfristige Geldanlage - wenn man sie richtig macht - ebenso wie kurzfristig taktisches Handeln. Egal ob Daytrader in Währungen, SwingTrader mit Aktien, langfristige Anlage mit ETFs oder mit Fonds - das kann alles funktionieren.

Nur um die Unsicherheit kommt man nicht herum - das ist hier der Punkt!

Der fatale Trugschluss ist also nur, dass man mit langfristiger Geldanlage der Unsicherheit aus dem Weg gehen würde, weil man glaubt, die Unsicherheit wäre nur kurzfristig da und langfristig wäre doch alles klar. Das stimmt aber nicht, der Unterschied ist nur, dass man sich bei taktischem Verhalten der Unsicherheit jeden Tag stellt und bei langfristiger Anlage je nach Horizont vielleicht nur alle paar Wochen, Monate oder vielleicht sogar nur einmal pro Jahr.

Und so ist der Friedhof der "Anleger-Leichen" gepflastert mit Anlegern, die

  1. Sich vor der unerträglichen Unsicherheit der Märkte in eine "langfristig, solide" Anlage geflüchtet haben, ohne sich um ein Risikomanagement Gedanken zu machen.
  2. Sich damit auch lange - über Monate und Jahre - gut gefühlt haben, solange die Märkte nicht einbrachen. Und überall in ihrer Umgebung die Geschichte verbreitet haben, dass das mit der Börsenhektik ja "Quatsch" wäre und man nur eine ruhige Hand und "gute" Unternehmen bräuchte.
  3. Als der Markt dann zu einem neuen 2000er oder 2008er Event ansetzte, sich nach den ersten 10% Verlust beruhigt und selbstgewiss nach hinten gelehnt haben.
  4. Nach 20% Verlust nachgekauft haben, weil ihre Anlagen ja "solide" seien.
  5. Nach 30% Verlust nervös wurden.
  6. Nach 40% Verlust nicht mehr hinschauen konnten.
  7. Nach 50% Verlust ihrer Frau nichts mehr gesagt haben und am Stammtisch dem Thema ausgewichen sind.
  8. Nach 60% Verlust verzweifelt verkauft haben und nie wieder über Börse nachdenken oder reden wollen. "Börse ist Scheisse" lautet von da an das Credo.
  9. Und deshalb auch nicht sehen, dass es nun wieder hoch geht und der Markt Jahre später neue Höchststände generiert.

Ich kenne diese "Anleger-Karrieren" aus dem EffEff und deshalb muss ich immer schmunzeln, wenn ich merke dass Anleger, die mit der Unsicherheit nicht umgehen können, in "langfristige" Anlagen flüchten, weil sie sich einbilden, dort sei die Unsicherheit geringer.

Die Unsicherheit ist einfach inhärenter Teil des Marktes. Es könnte einen Markt gar nicht geben ohne diese Unsicherheit. Versuchen Sie sich mal vorzustellen, wie Kurse entstehen sollen, wenn alle wissen was passiert! Denken Sie dabei an die -> Reflexivität <-.

Und glauben Sie ja nicht, dass in langfristiger Perspektive irgend etwas weniger unsicher wäre! Es sieht auf den langfristigen Charts nur im Nachhinein immer so klar aus, aber Hinterher lässt sich halt immer gut "schwätzen". 😉

Der Punkt ist also, der Markt ist die personifizierte Unsicherheit und es sind die am Erfolgreichsten, die diese Unsicherheit akzeptieren, in sich aufnehmen und ja sogar lieben lernen können. Wer diese Unsicherheit bekämpft, reibt sich auf.

Erneut, damit das ja niemand falsch versteht: langfristige Strategien können hervorragend funktionieren und machen jede Menge Sinn! Und es gibt viele gute Gründe, eine langfristige und eher passive Strategie zu wählen: Zeitaufwand, Nerven und Lebensumstände gehören zu den legitimen Gründen, die für eine langfristige Strategie sprechen. Nur sollten wir nicht glauben, dass wir damit der Unsicherheit ein Schnippchen schlagen, der müssen wir uns *immer* stellen. Immer!

Nein, bei langfristigen Strategien hat man nur das Privileg, diese grundlegenden Entscheidungen in Unsicherheit nicht permanent zu treffen, sondern nur in grösseren Abständen. Dafür hat man dann aber auch weniger Übung und die Entscheidungen werden gewichtiger und bedeutender.

Es ist eben eine kleinere Hürde, sich jeden Tag zu fragen, ob man sich bei einer Teilposition mit 2% Verlust ausstoppen lässt, oder sich nach Monaten und 20% Verlust zu fragen, ob man komplett aus einem Markt geht, weil man fürchtet, dass der auch 50% fallen könnte!

Wir haben also die Wahl, uns täglich in Unsicherheit zu üben und dabei viele kleine Entscheidungen zu treffen, oder uns nur nach langer Zeit der Unsicherheit zu stellen, dafür aber weit schwergewichtigere Entscheidungen treffen zu müssen.

Der Unsicherheit stellen müssen wir uns aber so oder so!

Welcher Weg individuell der Richtige ist, kann nur jeder für sich entscheiden. Klar ist, dass wer keine Zeit hat dem Markt in seinen Schwingungen zu folgen oder wem die Nerven dafür fehlen, auf jeden Fall einen längerfristigen Ansatz wählen sollte. Nur darf man sich nicht einbilden, dass man damit der Unsicherheit verschwinden würde und man die Anlagen einfach gedankenlos liegen lassen kann!

Wobei, eine Alternative gibt es schon, in der wir uns der Unsicherheit gar nicht stellen müssen. Und das ist die Methode des langfristigen Vermögensaufbaus, in dem man einfach stur jeden Monat etwas in den Aktienmarkt gibt, mit dem "Cost-Average-Effekt" ein gutes Gefühl vermittelt bekommt und sich überhaupt nicht dafür interessiert, wo der Markt steht.

Theoretisch kann man so garantiert und ohne Stress die langfristige Performance der Aktienmärkte nachbilden. Nur wer schafft das in Realität? Denn dann muss man sich alle Augen und Ohren zu halten, wenn medial die nächste Krise über einem zusammen schlägt und man bei der Bank um die Ecke die Schlangen vor den Schaltern sieht, die panisch ihr Geld abheben wollen. Wer kann das also schon? Ich behaupte: fast keiner, auch wenn es vorher fast jeder glaubt.

Und selbst wenn man es kann, kommt die Zeit näher, in der man dann im Ruhestand die Anlagen entnehmen will und natürlich fängt dieser verfluchte Markt genau ein Jahr vor dem Ruhestand an zu fallen. Was tut man nun? Übung um in Unsicherheit zu überleben, hat man dann keine.

Und auch die Unsicherheit des Marktes an einen Vermögensberater oder einen Fundmanager zu delegieren, verlagert die Unsicherheit nur. Man muss sich nicht mehr mit dem Markt auseinander setzen und das ist ja erst einmal ein Wert an sich. Die Unsicherheit des Marktes, wird aber dann durch die Unsicherheit ersetzt, ob der Vermögensberater "es kann" und auch das kann man erst dann heraus finden, wenn das Kind schon weit in den Brunnen gefallen ist. Man braucht also schon immenses Urvertrauen in den Berater, um auf diesem Weg die Unsicherheit zu begrenzen.

Fazit:

Die Unsicherheit ist inhärenter Bestandteil des Marktes, einen freien Markt ohne permanente Unsicherheit gibt es nicht, egal ob kurz- oder langfristig. Und das ist gut so!

Wir Menschen hassen diese Unsicherheit aber emotional und sind deshalb auch so empfänglich für alle Angebote und Gurus, die uns Sicherheit verkaufen wollen.

Das ist aber alles Illusion, es gibt keinen Weg die grossen Entscheidungen in Unsicherheit zu vermeiden. Wir können aber üben, mit Unsicherheit umgehen zu können und darin sogar die Chancen zu erkennen. Und das ist die grundlegende Basis des Erfolgs am Markt.

Und deshalb lesen Sie hier von mir auch nur, wie der Markt real ist und keine fabulierenden Prognosen, wie ich mir den Markt gerne wünschen würde. Wenn der Markt unsicher schwankt, dann schwankt er halt und niemand kennt dann die Richtung. Und ich bin der kalte und rationale Beobachter dieser Situation und das zu können ist eine Qualität.

Die Grundvoraussetzung für Erfolg an den Märkten ist aber, dass wir die Unsicherheit nicht bekämpfen und aufhören, ein reiner "Sicherheitssucher" zu sein, denn da gibt es keine. Sicherheit verschaffen uns nur die eingeübten Fähigkeiten, mit denen wir uns aus jeder Situation wieder heraus retten können. Das nennt man als Überbegriff "Risikomanagement" und dahinter verbergen sich verschiedenste Techniken, deren Einsatz sehr individuell ist.

Aber wenn wir es nicht schaffen, die Unsicherheit zu lieben und als Chance zu sehen, müssen wir zumindest lernen sie zu akzeptieren, ohne uns daran aufzureiben. Andernfalls haben wir keine Chance gegen Mr. Market.

Ihr Hari

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Eurokrise oder: von Schafen, der Angst der Herde und den Wölfen – 27.03.13 11:45

Heute Mittag um 11.45 Uhr ein kurzes Statement zum Markt. Die Eurokrise scheint wieder ihr schmutziges Haupt zu heben. Der Bankensektor der Peripherie korrigiert ganz massiv und das zieht auch die Indizes in der Eurozone runter.

Der Hintergrund ist wie zu erwarten in der Zypern-Lösung zu suchen. Gelder werden von wackeligen Banken abgezogen und entweder in den Kern der Eurozone oder sogar aus dieser heraus transferiert. Wie gestern schon analysiert, hat diese Entwicklung das Potential, den Druck auf die wackeligen Institute so zu erhöhen, dass endlich eine ernsthafte Bereinigung stattfindet. Ohne Schmerzen an den Aktienmärkten dürfte das kaum abgehen. Insofern dürfte das 2. Quartal wie erwartet nicht ganz so gelassen werden, wie die letzten Monate.

Aber, wie immer wenn die Situation schwieriger wird, versuchen die Wölfe des Marktes - auch Big Money genannt - nun die Schafe (uns) in Angst und Schrecken zu versetzen. So lässt sich mit den Emotionen der Menschen auch wunderbar Geld machen.

Schauen Sie daher zum Beispiel auf das heutige perfekte Timing, mit dem den Euro-Absturz prophezeit. Gut gemacht oder ? Genau in die Schwäche hinein. Jetzt würden wir doch gerne wissen, auf welche Richtung Morgan Stanley in seinen Handelsräumen gerade wettet, oder ? 😉

Um - statt Panik - das Geschehen für Sie noch einmal in die richtige Perspektive zu rücken: Italien hat soeben eine 5- und 10-jährige Anleihen-Auktion mit sehr respektablen Renditen von 4,66% bei 10 Jahren und 3,65% bei 5 Jahren abgeschlossen. Diese Renditen liegen weit! unter dem, was Italien vor dem Euro zu Zeiten der Lira zahlen musste. Und das trotz der Unsicherheit um eine neue Regierung.

Aber nicht nur Morgan Stanley, beispielsweise unsere Helden in den Ratingagenturen wie verbreiten Warnungen. Ganz klar, zum ersten Mal seit Jahren hat Europa nicht gemacht, was der Finanzsektor am liebsten hat: das Geld der Steuerzahler unbegrenzt in den Bankensektor zu schaufeln. Da muss man nun unbedingt in Schwarz malen, um die Politik schnell wieder zu disziplinieren. Hinterher macht das noch Schule. Das wäre ja fürchterlich - für die Grossfinanz. 😉

Lassen Sie sich also nicht von den Wölfen in Angst und Schrecken versetzen. Ja, der Markt ist technisch mal für eine Korrektur reif, das ist offensichtlich. Und ja, es kann auch weiter runter gehen. Aber nicht wegen der Säue, die von Big Money nun durchs Dorf getrieben werden, nur um Sie alle in Furcht zu versetzen. Vorsicht ist also gerechtfertigt und wenn Big Money die Politik der Eurozone nun strafen will, kann das ungemütlich werden. Aber zur Panik gibt es keinen Anlass. Prognosen zu Wechselkursraten bis Ende 2014 sind im übrigen hochgradig unseriös, mein lieber Herr "Devisenstratege" von Morgan Stanley. Aber das wissen die Jungs in den Handelsräumen sowieso, hier werden eher die Schafe zusammen getrieben.

Bleiben Sie also gelassen und folgen Sie dem was der Markt tatsächlich macht und nicht dem, was andere reden. Und machen Sie sich klar, was Sie im Moment fühlen. Als Leser von surveybuilder.info habe ich Sie hoffentlich etwas resistenter gegen diese Versuche gemacht, mit Ihren Emotionen zu spielen.

Fragen Sie sich also heute: Fühlen Sie Angst ? Haben Sie Sorge mit Ihren Anlagen in eine neue Eurokrise zu geraten ? Macht Ihnen das was die Grossfinanz schreibt Kopfzerbrechen ?

Wenn ja, dann atmen Sie tief durch und lehnen sich zurück. Und handeln Sie nach einem wohl überlegten Plan und nicht nach den Gefühlen, die andere Ihnen nun unter die Haut reiben wollen !

Viel Glück !

Ihr Hari

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