Permanent am Abgrund

Folgt man dem, was zu den Märkten die meisten Klickzahlen bekommt, dann stehen wir seit Jahren permanent am Abgrund vor dem nächsten großen Crash, der noch schlimmer als 2008 werden wird.

Aktuell ist es wieder eine Ballung von , mit denen Angst gemacht wird, weil diese in der Vergangenheit manchmal geballt vor größeren Abwärtsbewegungen auftraten, aber auch nicht immer, siehe 2013 und 2017.

Schauen Sie mal objektiv auf das Chart im obigen Artikel und das Auftreten der "Omen" im Zeitstrahl und sagen mir, welche Relevanz das hatte? Ich sage es Ihnen: Keine!

Und wer sich im August 2013 von mehreren "Hindenburg Omen" hat panisch aus dem Markt vertreiben lassen, hat seitdem - trotz des Einbruchs 2015-2016 - von damals ca. 1.630 im S&P500 auf heute ca. 2.900 sagenhafte 78% Gewinn verpasst, ohne Dividenden wohlgemerkt!

Und was hatten wir vor dem Omen als medialen Angstmacher? Wir hatten zuletzt die "invertierte Zinskurve", die medial durch das Dorf getrieben wurde - ich habe mich dazu -> hier im Juli <- geäussert. Erstens ist die Zinskurve noch nicht invertiert, es ist nur eine Möglichkeit. Zweitens selbst wenn sie bald invertiert, dauert es historisch durchaus 2 Jahre, bis die Rezession dann da ist. Was also hilft uns diese "mediale Sau" dabei nun die richtige Entscheidung zu treffen? Ich sage es Ihnen: Nichts!

Und so kann ich weiter machen. Davor war es der Handelskrieg der zum Zusammenbruch führt, übrigens noch eines der wenigen Themen, das wirklich Substanz hat, denn wenn es zu einer echten Eskalation käme, wäre das wirklich sehr negativ.

Davor war es Nordkorea, Trump mit seinen Marotten, Trumps Wahl und so weiter und so fort. Die medialen Katastrophen-Theoretiker, haben immer irgend eine Sau weswegen gleich Morgen die Welt untergeht, immerhin müssen Sie ja für Klicks und damit Werbeeinnahmen sorgen.

Das Witzige dabei ist, ich stelle doch gar nicht in Abrede, dass wir mit guter Wahrscheinlichkeit bald mal wieder eine Rezession und eine echte, schmerzhafte Korrektur erleben. Vor kurzem habe ich mich über Ray Dalio lustig gemacht, der uns hat wissen lassen, .

Mein sarkastischer Kommentar dazu:

Das ist jetzt aber mal echt überraschend. Laut Experten soll auf einen heißen Sommer zuverlässig ein Winter folgen, nur ob die Schneefälle schon im Oktober oder Januar einsetzen, wissen wir nicht. Faszinierend.

Der Punkt den ich erneut machen will ist ja nicht, dass wir nicht in 2 Jahren eine Rezession bekommen können. Doch das können wir. Selbst Hindenburg Omens können irgendwann mal Recht bekommen und eine invertierte Zinskurve ist wenn sie tatsächlich da ist, sogar ein halbwegs solides Warnsignal.

Ich selber habe im internen Forum zum Thema "Rezessions-Risiko" vor Kurzem das Folgende geschrieben:

Ohne dass ich den Zeitpunkt kenne, ist ziemlich klar, dass uns in den kommenden Jahren ein schwerer Einbruch (> 20% Verlust) bevor stehen dürfte.

Wenn ich aus der Hüfte und ohne lange zu überlegen Prozensätze daran kleben müsste, würde ich sagen:

Bis Ende 2019 = 30%
Bis Ende 2020 = 60%
Bis Ende 2021 = 80%
Bis Ende 2022 = 90%

Nur hilft uns das alles herzlich wenig, weil das was 2020 oder 2021 vielleicht passiert, unser Anlageverhalten heute nicht beeinflussen darf.

Bin ich jetzt also auch ein Jünger des Nostradamus? Ach was, dann haben Sie den letzten Satz überlesen.

Machen wir uns bitte klar: Selbst wenn jetzt ein Mann aus der Zukunft uns eine Nachricht übermitteln würde, die wortwörtlich das Folgende sagt, würde uns das nicht helfen:

Im Jahr 2021 wird der S&P500 zwischen September und November einen Verlust von 24,7% erleiden

Denn selbst dann, wüssten wir immer noch nicht, ob der Markt nicht vorher noch 50% steigt und man diese Bewegung bis ins Frühjahr 2021 nicht besser mitnimmt!

Der Punkt ist also nicht, dass wir nicht bald (im Sinne von ein paar Jahren) mal wieder eine größere Krise erleiden, der Punkt ist dass es sich nicht lohnt, deswegen heute aus blinder Angst sein Anlageverhalten zu ändern!

Ich habe hier in dazu noch ein paar schöne Charts für Sie, die das Problem visualisieren.

Sie dokumentieren die Momente, in denen "Gurus" Sätze gesagt haben wie "das leichte Geld wurde schon verdient" oder wer alles wann gesagt hat, dass der nächste Crash unmittelbar bevor steht. Schauen Sie sich die drei Charts bitte mal an, das ist lehrreich!

Ich kann dazu nur sagen:

Nirgendwo wird so viel Geld liegen gelassen, als wie beim Warten auf den großen Crash, der immer später kommt als man denkt.
Schnelle Reaktion und flexibler Geist sind Zeichen erfolgreicher Trader. Mit Weissagungen bekommt man Klicks, aber nicht das Depot ins Grüne.

Dieser permanente alarmistische Ablauf, auf den so viele immer wieder herein fallen, liegt natürlich auch daran, dass sich mit Katastrophen-Szenarien und Alarmismus einfach mehr Klicks generieren lassen, als mit abgewogenen, differenzierten Sichten. Das ist die logische Folge eines "kostenlosen" Internets, bei dem der Klick die Ware ist. Wer nicht bereit ist, für gute Informationen Geld auszugeben, muss sich also auch nicht wundern, was er bekommt.

Ich kann Ihnen hier nur eindringlich sagen: Es ist *profitabler*, das alles zu überhören und nur auf den Markt zu reagieren - nur auf das zu achten, was wirklich auf dem Spielfeld gespielt wird.

Die Fähigkeit die man dann erwerben muss ist aber, dass *wenn* der Markt dann dreht, man *dann* aber auch konsequent aussteigen muss. Daran scheitern viele, die dann zu lange festhalten. Was für Muster uns da typischerweise begegnen, habe ich vor einem Jahr mal hier beschrieben: . Solche Abläufe sind also keineswegs völlig überraschend, es gibt immer vorher Warnzeichen in den Kursen.

Ganz einfach ist also kein Weg, aber es ist definitiv besser so lange wie möglich dabei zu bleiben und in Kauf zu nehmen, von den Tops dann wieder 10% abzugeben, also aus reiner Angst vor so einer 10% Korrektur dann eine 87% Bewegung zu verpassen, wie von 2013 bis heute.

Dieses Grundprinzip ist eigentlich völlig logisch und anhand von Vergangenheitscharts leicht empirisch nachzuweisen. Wenn Sie das immer noch nicht glauben, dann schauen Sie mal bitte
.

Bitte tun Sie das, schauen Sie sich das an, wenn Ihnen Ihr Depot lieb ist! Wollen Sie da wirklich immer noch Ihre Zeit damit verbringen auf den nächsten Bären-Markt zu warten?

Erneut, ich sage ja nicht, dass wir unvorsichtig sein sollen und zu blauäugigen Dauerbullen werden. Doch, es macht Sinn den ganz großen Einbrüchen aus dem Weg zu gehen zu versuchen - aber erst dann wenn diese real begonnen haben!

Noch sieht aber der US Markt stabil aus, hier ist zum Beispiel die Advance / Decline Line, deren Bedeutung als Indikator ich Ihnen letzten Dezember in -> Die Weisheit der Adcance/Decline Line <- auch im freien Bereich nahe gebracht habe:

Wir sehen hier die A/D Linie leicht rötlich und den SPX im Vergleich, die Marktbreite stimmt also und es gibt da noch kein Warnsignal in Form einer Divergenz.

Auch das ist natürlich keine Garantie. Natürlich kann diesen Herbst in den US Märkten noch ein 10% Korrektur kommen, so wie ich das in -> Fällt das Eine oder steigen die Anderen? <- hier vor 2 Wochen dargestellt habe. Und natürlich kann die kommende Woche Schwäche bringen, das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Trotzdem, langfristiges Faktum bleibt, dass nur der Anleger Erfolg haben kann, der überhaupt im Markt und dabei wachsam ist. Wer aber aus Angst vor der nächsten Korrektur permanent draußen ist, kann definitiv keinen Erfolg haben. Das ist anlagetechnisch dann sozusagen "Selbstmord aus Angst vor dem Tod".

Und zum Abschluß dieser "Predigt" noch etwas Wichtiges.

Einige von Ihnen werden jetzt rational zu dem Nicken was ich oben sage, weil sie die Logik verstehen und nachvollziehen können. Gleichzeitig spüren diese aber einen Widerstand in sich, es jetzt real umzusetzen, irgend etwas bremst im Sinne "jetzt noch nicht". Jetzt gerade *könnte* doch diese verflixte Korrektur einsetzen!

Stimmt, sie *könnte*. Es *könnte* aber auch ganz anders kommen.

Das genau ist unser "Affenhirn", das viel mehr Angst davor hat direkt nach dem Einstieg 20% zu verlieren, als ohne den Einstieg einen Anstieg von 80% zu verpassen.

Wenn Sie beginnen dieses "Affenhirn" als ihre große Hürde zu begreifen der Sie sich stellen müssen, dann haben Sie einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Das bedeutet aber *nicht* nach übertriebener Angst nun schlagartig ins Gegenteil zu kippen und blauäugig optimistisch zu werden.

Es bedeutet nur, uns von diesen Angst-Reflexen zu lösen und eine rationale, vorsichtig-positive Haltung zum Markt einzunehmen. Eine Haltung die große Risiken absichert, bei kleinen Risiken aber auch mal Gelassenheit zeigt.

Amen 🙂

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Siehste – vom *Müssen* des Marktes



Ich weiss, ich weiss. "Siehste" Beiträge mit dem langen, oberlehrerhaften Finger des Lehrer Lämpel sind nicht sehr beliebt. 😉

Aber ich versuche hier ja auch nicht Leser um jeden Preis mit Versprechungen des schnellen Geldes an Land zu ziehen, sondern wünsche mir Mitglieder, die aus eigenem Entschluss erkennen, dass sie ihre Herangehensweise an den Markt ändern müssen. Denn nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.

Und das heutige "Siehste" ist sehr wichtig, denn es zeigt Ihnen einen Kardinalfehler, der von sehr vielen Anlegern immer wieder gemacht wird. Immer wieder!

Denn wenn ein Markt steigt und steigt und neue Höchststände erklimmt, stellt man sich gerne emotional dagegen, ist skeptisch und bekommt warme Gefühle beim Lesen all der Crash-Propheten, die einem erzählen, dass dieser Markt ja "irrational" sei.

Warme Gefühle bekommt man wegen des eigenen Egos, denn wenn man nicht dabei ist und der Markt immer neue Gewinne generiert, setzt einen das ja unter Druck. Mit dem Bild des "irrationalen Marktes" kann man sich der wirklich wichtigen aber auch schmerzhaften Frage entziehen, ob man nicht vielleicht einen grossen Fehler gemacht hat. Auf die Argumente der Marktskeptiker zu hören, ist dann also nur eine fortgeschrittene Variante des beliebten "Wegschauens" und "Verdrängens", wenn einem die Wirklichkeit nicht gefällt.

Wer also in einem stark steigenden Markt nicht dabei ist, sucht gerne "Erleichterung" bei allen, die ihm Argumente liefern, warum die im Markt ja "Idioten" und "Lemminge" seien. Und wenn es viele von dieser Kategorie gibt - und das ist aktuell immer noch der Fall - muss ein Markt deshalb weiter steigen.

Genau deshalb habe ich Ihnen vor knapp 2 Wochen in -> Stärke gebiert Stärke <- geschrieben, dass ein starker Markt nicht einfach auf dem Fusse dreht, sondern eher weiter nach oben läuft.

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, die Akzeptanz dieser Wahrheit ist bei Ihnen im freien Bereich nur sehr gering ausgeprägt. 😉 Und nun sind zwei Wochen vergangen und der Markt ist weiter hoch gelaufen und ist immer noch überkauft. Aber jetzt *muss* er korrigieren, jetzt *muss* der Markt doch endlich mal drehen, so sagt Ihnen Ihr Ego heute.

*Muss* er? Die Wahrheit ist, der Markt *muss* gar nichts und in einem so starken Markt, ist eine Fortsetzung des Trends gut möglich.

Die gleichen Anleger aber, die so einen Markt für "irrational" halten und schon lange nicht mehr dabei sind, würden dann, wenn der Markt 20-30% korrigiert hat, zugreifen wollen. Weil dann sind viele gute Aktien ja "billig".

Sind Sie das? Schauen wir mal auf diese beiden Charts des DAX im Jahre 2011 und des S&P500 im Jahre 2008:

Da, wo ich in den Charts zum Zwecke der Erklärung den notwendigen Exit mit blauen Pfeilen markiert habe, dort wäre der Markt für diesen Typus Anleger - der sich klüger als der Markt wähnt - "billig" gewesen und Anleger hätten mit dem gleichen Argument zugegriffen, mit dem sie heute an der Seite stehen.

Nun gut, wenn ich Sie nicht überzeugen kann, dann machen Sie einfach weiter so. Pflegen Sie Ihr Ego, suhlen Sie sich im Gefühl zu den "Querdenkern" zu gehören, die die Irrationalität des Marktes als Einzige erkennen können. Glauben Sie einfach weiter klüger als der Markt zu sein. "Be my guest", ein Markt braucht diesen Typus Marktteilnehmer. 😉

Wenn Sie sich aber darüber erheben können, wenn Sie erkennen können, wie Ihr Ego auf Ihr Handeln einwirkt, dann wiederhole ich für Sie sechs Grundregeln:

(1) Stärke gebiert Stärke

(2) Schwäche gebiert Schwäche

(3) Ein Markt der neue Hochs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Topbildung zu entwickeln.

(4) Ein Markt der neue Tiefs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Bodenbildung zu entwickeln.

(5) Ein Markt der neue Hochs generiert, ist wenig anfällig für einen Crash

(6) Ein Markt der schon 20% verloren hat und weiter abwärts bröselt, ist sehr anfällig für einen Crash.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und irgendwann, wird es auch mal einen Crash direkt folgend auf neue Hochs geben. Falls heute Nacht ein Atomkrieg in Ostasien ausbrechen würde, würde das wohl so sein. Aber nach diesen Ausnahmen zu handeln macht keinen Sinn, das ist das unkontrollierbare Restrisiko des Lebens. Wir müssen am Markt nach dem handeln, was wahrscheinlich ist.

Nun alles klar? Wenn nein, kann ich Ihnen nicht helfen. Wenn ja, ist Ihre Aufgabe als Anleger, nach diesen Prinzipien zu handeln. Ihrem Depot wird es langfristig gut tun.

Ihr Hari

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Charts zum Schaudern

"Eigentlich" ist die Marktlage am Anfang dieser Woche und damit Ende Mai durchaus voller greifbarer Gefahren.

Wir haben einen Leitindex SP500 an einer kritischen Wegmarke, der durchaus reif für eine grössere Korrektur erscheint. So wurde die "Trumpsche Aufwärtstrendlinie" seit seiner Wahl (in blau) durchbrochen, die 2017er Aufwärtstrendlinie wurde getestet und das OBV zeigt im SPY eine sehr klare, negative Divergenz:

Und wir haben in den US diverse Bluechips mit riskanten Chartformationen, die einen eher zum Schaudern bringen. Beispielhaft will ich hier General Electric und JP Morgan zeigen:

Das sind Charts, die eine Menge Abwärtspotential offenbaren. Es muss sich nicht entladen, aber wenn es das doch tut, wird es schmerzhaft.

Gleichzeitig beginnt mit Ende Mai eine Saisonalität, die sowieso den Börsen keine besonderen Bocksprünge mehr erlauben sollte und letzten Mittwoch ist der Markt auch politisch aufgewacht und hat zum ersten Mal eine negative Reaktion auf die politischen Geschehnisse in Washington gezeigt.

In Summe sehr viel gute Gründe, in den Indizes nun mal vorsichtiger zu werden und ein paar Gewinne mitzunehmen. Dem steht nur ein Argument entgegen, das aber bisher in diesem Jahr extrem mächtig war. Eben der Trend selber und damit verbunden die Algos, die dem BTFD (Buy The F***ing Dip) Reflex frönen und konsequent immer dann die menschenlichen Emotionen abgreifen, wenn es zu offensichtlich nach unten zu gehen scheint - so wie jetzt.

Irgendwann wird sich dieser BTFD-Mechanismus umedrehen und dann zu einer besonders aggressiven Abwärtsbewegung führen. Vielleicht ist dieser Tag schon morgen, vielleicht auch erst nächstes Jahr.

Da wir das aber nicht wissen und keine Glaskugel haben, ist erhöhte Vorsicht über den Sommer zwar angemessen, zu einer aggressiven Wette auf fallende Kurse sollten wir uns aber noch nicht hinreissen lassen und lieber abwarten und beim Trend bleiben. Sollte es wirklich abwärts gehen, müssen wir unser Verhalten dann halt anpassen.

Die paar Prozent "zu spät", die man durch diese Geduld aufs Spiel setzt, sind halt der Preis um nicht x-mal zu früh auf die Bremse zu treten und wieder den nächsten Schub zu verpassen, wie so oft in den letzten Monaten. Wer mit dem Trend geht, macht die Sache richtig und nicht wer sich permanent dagegen stellt, weil er es immer besser zu wissen glaubt. Und der übergeordnete Trend ist immer noch weiter hoch, auch wenn er jetzt brechen "könnte", das ist aber eben nur ein Konjunktiv und diesen Konjunktiv hatten wir schon öfter, ohne dass er eingetreten ist.

Ihr Hari

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Die Börsenwetterlage aus der Umlaufbahn

Kann man die ganz grundsätzliche, langfristige Börsenwetterlage in sechs Sätzen und mit einem Chart beschreiben? Ich glaube ja, ich versuche es mal.

Erstens, sind die konjunkturellen Signale rund um den Globus gut und sprechen derzeit gegen eine grosse Baisse. Die Lage ist besser als die Stimmung.

Zweitens, ist die Skepsis im Angesicht der vorhandenen Risiken (Trump, Handelskriege, Eurokrise, EU-Zerfall, China etc) im Markt massiv vorhanden, auch die Bullen schielen permanent zum Notausgang. Ein derartiges Sentiment spricht gegen eine grosse Baisse. Bullenmärkte enden in Euphorie und klettern dagegen eine "Wall of Worry".

Drittens, sind die Kurse nun seit Trumps Wahl permanent ohne Korrektur gestiegen, das macht den Markt anfällig. Eine scharfe Korrektur, dürfte im ersten Halbjahr 2017 nun anstehen, sollte aber den grundlegenden Aufwärtstrend eher nicht stoppen.

Viertens, sind wir gerade Zeuge eines veritablen Ausbruchs aus einer 1,5 jährigen, grossen Konsolidierung im S&P500 und das spricht trotz im ersten Halbjahr anstehender Korrektur, für prinzipiell weiter steigende Kurse und ein gutes Aktienjahr 2017.

Fünftens, befindet sich der Aktienmarkt im grossen, zyklischen Bild sicher eher im letzten Drittel und der Beschleunigungsphase eines grossen Zyklus. In dieser Phase lassen sich aber typischerweise besonders deutliche Gewinne machen. Eine Topbildung braucht Zeit und geschieht in so einem starken Markt nicht "über Nacht".

Sechstens, sind alle obigen Aussagen natürlich nur eine Momentaufnahme und stehen unter dem Vorbehalt völlig neuer, überraschender Entwicklungen, die der Markt heute nicht kennt und die dann eingepreist werden müssten. Das ist aber eine Binsenweisheit und das Restrisiko, mit dem man immer leben muss. Wer das nicht aushalten kann, ist im Markt fehl am Platz.

Ihr Hari

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Die grosse Indifferenz

Die Börsen sind in einer Phase, die sich von grosser Indifferenz und Richtungslosigkeit auszeichnet.

Besonders prägnant war das über die Sommermonate Juli und August, in denen die Sommerstarre so eingetreten ist, wie Anfang Mai antizipiert: -> Sommerstarre statt Sell in May <-

Aber auch im September, hatten wir den Einbruch um den 09.09., der im S&P500 ein sauberer Retest des Ausbruchsszenarios war. Dann kam die FED und von da ausgehend, war eigentlich ein gutes Long-Setup vorhanden.

Aber wieder nichts, wieder hatten die Bullen nicht genügend in den Lenden, um den Markt zu neuen Hochs zu schieben. Noch waren die Krallen der Bären scharf genug, um den Markt nach unten zu drücken und eine Topbildung zu vollenden.

Wir sehen das am S&P500 sehr schön:

sp500-28-09-16

Eine enge Range zwischen 2.194 und 2.119 definiert den Bereich zwischen Ausbruch zu neuen Hochs und Topbildung. Darin eiern wir nun seit Monaten herum.

Wir dürfen also gerade ein Münze werfen, welchen Weg der Markt wählen will. Solche Phasen gibt es einfach und ob diese überhaupt vor der US Präsidentschaftswahl endet, ist offen.

In so Phasen sollten man die Füsse still halten, aber auch nicht zu negativ, sondern latent bullisch bleiben. Denn solange der Markt in Form des S&P500 nicht unter die Tiefs von Anfang September geht, hat er weiter unser Vertrauen verdient.

Der DAX dagegen schwingt erratisch hin und her, wie ein leerer Beutel im Herbstwind. Gerade die Price-Action der letzten beiden Tage zeigt das wunderschön. Wer wissen will, wo der Markt im grossen Bild steht, muss auf den Leitindex schauen und das ist der S&P500 mit seiner Marktbreite des grössten und liquidesten Aktienmarktes der Welt.

Ihr Hari

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Die Einordnung der aktuellen Rally anhand des S&P500

Wenn ein Markt so stark steigt, wie wir das nun seit Februar erleben, stellt sich ja immer die Frage der Einordnung.

Muss man nun permanent damit rechnen, dass der Markt doch wieder zusammen bricht?

Oder erleben wir hier gerade einen bedeutenden Ausbruch, der uns nach oben überraschen und noch viel, viel höher tragen wird?

Man kann sich dieser Frage auf vielfältige Art und Weise nähern, ich persönlich bevorzuge dabei das Prinzip des "Fliegens auf Sicht", das sich grossen Prognosen verweigert, sondern immer nur so weit schaut und das Handeln anpasst, wie man auch beim Wetterbericht schauen kann: nämlich ungefähr eine Woche in die Zukunft hinein. Denn über diesen Zeitraum hinaus, verschmiert das Bild der Zukunft zu stark, um daraus belastbare Tendenzen ableiten zu können.

Man kann aber auch ganz anders und sehr grundsätzlich heran gehen, in dem man sich einfach mal ganz ruhig vor Augen führt, was wir hier eigentlich vor uns haben.

Und das will ich heute im Überblick für Sie tun, wobei dafür wieder der Leitindex S&P500 der Massstab ist, der für mich in Marktbreite, Aussagekraft und Liquidität, den wichtigsten und belastbarsten Index der Welt darstellt.

Weiterlesen ...Die Einordnung der aktuellen Rally anhand des S&P500

Die Marktlage in einem Chart

Ich weiss, wir wünschen uns ja so intensiv, dass es nur ein einziges Mal völlige Klarheit und totale Sicherheit am Markt gäbe, damit wir mal "so richtig" und ohne Sorgen im Nacken Gewinne scheffeln könnten.

Leider ist das eine Illusion und wer wirklich das Konzept der -> Reflexivität <- verinnerlicht hat, hat das auch akzeptiert.

Denn stellen wir uns mal vor, es gäbe diesen Moment der absoluten Sicherheit, dann würden ja alle das Gleiche machen wollen wie wir, denn "die anderen" da draussen sind ja auch nicht blöd. Und wer würde dann die Gegenposition zu unseren Käufen nehmen und uns die Aktien verkaufen? Eben. 😉

Der Markt ist also nie völlig klar und es gibt immer Unsicherheiten und das muss so sein. Nun kann man diese Unsicherheiten mit Ignoranz und Bias einfach beiseite schieben und sich "sicher fühlen". Das fühlt sich auch eine Zeit lang sehr schön an, die perfekte Kontrollillusion sozusagen, aber dann kommt zwangsläufig die Realität und bringt das dicke Ende.

Aber auch wenn der Markt immer in Unsicherheit ist, gibt es doch Momente, an denen die Lage und die Chancen und Risiken sehr deutlich verteilt sind und uns eine rationale Entscheidung mit klarer Tendenz ermöglichen. Witzigerweise sind es gerade die grossen Wendepunkte, an denen die Lage am Klarsten ist und trotzdem eine grosse Mehrheit der Anleger vor Angst erstarrt zu sein scheint und sich schwer tut, gedanklich die Richtung zu wechseln.

So war das in den letzten Wochen am Paniktief des 24.08. und ebenso am markanten Intradayreversal vor 10 Tagen am Freitag 02.10. In beiden Fällen haben wir das hier auf surveybuilder.info antizipiert, erkannt und konnten damit schöne Gewinne in einer Aufwärtsbewegung mitnehmen, die eine Zeit lang relativ risikoarm war, weil eben alles noch in die Gegenrichtung schaute.

Nun aber, nachdem der DAX seit diesem Freitag ca. 900 Punkte gut gemacht hat, ist die Lage wieder komplizierter und Chance und Risiko existieren in ähnlichem Umfang auf beiden Seiten.

Das könnte man nun in vielen Worten beschreiben und diverse Szenarien thematisieren. Ich will Ihnen statt dessen die Lage in einem Chart darstellen, denn das genügt.

Es ist das Chart des Leitindex S&P500 und auch wer sich nur im DAX bewegt, tut gut daran darauf zu achten, wie die US institutionellen Anleger denken. Denn die bestimmen mit ihren Erwartungen eben auch den DAX, der zu über 50% von ausländischem Geld - und eben nicht von deutschem Geld - bewegt wird.

Wenn sie dieser Tage wieder viel über das optimistische Sentiment deutscher Anleger in den Medien lesen, warne ich daher auch davor, daraus zu einfache, direkte Schlüsse auf den DAX abzuleiten. Ohne zu verstehen, wie die US Anleger die Welt sehen, kann man den DAX eben nicht vollständig antizipieren.

Der DAX ist nun einmal kein "deutscher" Index, dafür trägt die völlig fehlende Aktienkultur in Deutschland Verantwortung. Und wer den DAX verstehen will, muss verstehen, wie die denken, die in ihm handeln. Und das sind eben nur zum Teil deutsche Anleger.

Schauen wir also auf *den* Leitindex schlechthin, den S&P500. Alles was man zur aktuellen Lage mit ihren Chancen und Risiken wissen muss, ist in diesem Chart. Und wenn dieses Chart nicht zu Ihnen sprechen sollte und Sie daraus keine eigenen Schlüsse ableiten können, lade ich Sie ein, zur surveybuilder.info Community dazu zu stossen. Hier werden Sie geholfen. 😉

S&P500 13.10.15

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DAX: Sell in May und der Supervulkan

Der folgende Artikel erschien schon Dienstag 14.04.15 09:00 in Hari Live

Neben der eher taktisch - kurzfristigen Sicht, will ich heute in Sachen DAX auch einmal den Blick auf das ganze Jahr weiten.

Das ist zwangsläufig mit etwas Spekulation und der Benutzung der Glaskugel verbunden und Sie wissen daher, dass wir die folgenden Worte nur als bedenkenswerte Szenarien betrachten sollten. Und auf keinen Fall blind darauf wetten, denn feste Prognosen sind Unfug.

Solche gedanklichen Szenarien helfen aber, das taktische Geschehen in ein grösseres Bild einzuordnen und insofern haben sie Wert - wir dürfen sie nur nicht zur Monstranz erheben und unser Ego damit verknüpfen, denn wir kennen die Zukunft nicht und haben eben *keine* Glaskugel.

Nun mein Blick in die nicht vorhandene DAX Glaskugel, produziert dieses Bild für 2015:

DAX 2015

Womit sich die Frage stellt, warum?

Nun, erstens einmal, denke ich dass die Gründe die den DAX so nach oben katapultieren, von grundlegender Natur sind und durchaus das ganze Jahr tragen können. Denn wir haben einerseits das massive QE der EZB, das den Euro drückt und die Asset-Preise treibt. Und wir haben andererseits einen sowieso vorhandenen Nachholbedarf der europäischen Märkte, der nun zum Tragen kommt, wo die US Märkte ausgereizt erscheinen und das grosse, institutionelle Geld der US Anlager auf Performance-Jagd rund um den Globus geht.

Es ist also sinnvoll, als Arbeitshypothese davon auszugehen, dass diese Auftriebskräfte über das ganze Jahr andauern könnten.

Zweitens ist es aber offensichtlich, dass kein Markt - egal wie stark er ist - einfach ohne Pause immer so weiter laufen kann. Im Moment befindet sich der DAX in einem erneuten Schub, aber danach dürfte eine Verschnaufpause fast zwangsläufig sein.

Nun kommen wir ja wieder der "Sell in May" Bauernregel näher, die aber zuletzt nahezu wertlos war, weil sie in den letzten Jahren kaum funktioniert hat. Und wer die Reflexivität des Marktes versteht, ist darüber auch nicht überrascht, denn was alle erwarten, kann nur schwer Realität werden. Zuletzt wurde jedes Jahr wieder Ende April darüber medial fabuliert und dann kam oft ein vergleichsweise starker Sommer. Und der einzige echte, harte Einbruch der letzten Jahre seit 2009 war dann im August 2011, aber eben nicht ab Mai. Es kann also gut sein, dass die "Sell in May" Rhetorik nun etwas ermüdet ist, für Mr. Market ein guter Zeitpunkt, es dieses mal so ablaufen zu lassen. 😉

Aus dieser Kombination - prinzipiell das ganze Jahr andauernden Triebkräften, verbunden mit einer temporären Erschöpfung nach dem brutalen Anstieg seit Januar - ergibt sich das obige Bild für 2015, das meine Glaskugel ausspuckt. Und das zeigt höhere Kurse zum Jahresende als heute am 14.04.15.

Stellt sich nur die Frage, ob nicht doch eine grosse Topbildung und ein Crash möglich sind.

Natürlich sind sie möglich. Möglich ist immer fast alles. Und gestern habe ich ja am Beispiel gezeigt, dass wir sowieso dazu neigen, uns die Zukunft zu linear und ruhig vorzustellen und einer Kontrollillusion aufsitzen, die sich auch in klimatischen Dogmen zeigt, nach denen der Mensch immer und für alles die Ursache ist - schön wärs ja. 😉

Nein, da werden auch in 2015 Überraschungen kommen und da wir die nicht kennen, macht es auch keinen Sinn über deren Auswirkungen zu spekulieren. Dann kann man gleich das Gekröse von Fröschen befragen.

Möglich ist aber nicht wahrscheinlich. Damit ein starker Einbruch folgt, muss es entweder diese böse Riesenüberraschung geben, oder die oben beschriebenen Auftriebskräfte müssten nun ganz schnell ihre Wirkung verlieren.

Beides ist denkbar, aber nicht wahrscheinlich. Und deshalb lohnt es sich auch im grossen Bild, weiter auf den Trend zu setzen. Und der ist aufwärts!

Ach ja und noch etwas.

Im Forum wird nun zunehmend diskutiert, dass in Deutschland nun auch "die Milchmädchen" an die Börse strömen. Uns wurden interessante Berichte übermittelt von risikoaversen Anlegern ohne Aktien, die nun langsam keine andere Chance mehr sehen, als ihr Geld doch in den Aktienmarkt zu packen. Und uns wurde von Schlagzeilen in der Bild-Zeitung berichtet, die nun auch "die Milchmädchen" aktivieren.

Beides ist interessant und ein Faktor. Daraus aber unmittelbare Aussagen für den DAX abzuleiten, ist nach meiner Ansicht eher verfehlt und eine viel zu enge Betrachtungsweise.

Weder kann man daraus ableiten, dass die Rally nun zwingend nur deshalb weitergeht, nur weil deutsche Anleger nun ihren Cash in den Markt kippen. Das wird den DAX zwar stützen, es dominiert ihn aber nicht.

Noch kann man aus den ersten Anzeichen eines breiteren Interesses der Bevölkerung am Aktienmarkt schon ein Top ableiten. Wenn überhaupt, stehen wir da am Anfang einer Entwicklung, die vielleicht dann in 1 oder 2 Jahren eine neue Aktieneuphorie erzeugen könnte. Heute daraus Schlüsse zu ziehen, ist viel zu früh.

Beide Faktoren sind interessant und haben aber nur begrenzten Einfluss. Sie dominieren DAX und Co. aber nicht. Denn wir dürfen *NIE* vergessen, dass der DAX in der Hand ausländischer Investoren ist und dabei in Mehrzahl in der Hand von US Investoren. Und die US Anleger - auch "Mom and Dad" - haben schon eine sehr hohe Aktienquote, die nur schwer zu erhöhen ist.

Sollten die US Anleger - aus welchem Grund auch immer - dem DAX wieder ihr Vertrauen entziehen, wird das Geld deutscher Anleger vielleicht die Fallhöhe begrenzen, aber am Ende doch verpuffen.

Das dürfen wir nie vergessen. Die Kurse in Frankfurt werden bestenfalls teilweise durch das gemacht, was deutsche Anleger denken und fürchten. Sie werden vor allem aber durch die Attraktivität von Anlagen in Deutschland aus der Sicht der Welt und vor allem aus Sicht der Wallstreet gemacht.

Und was das angeht, markiert der Anfang von 2015 eine Wegscheide, ab der sich die Aufmerksamkeit der US Investoren weg vom Heimatmarkt bewegt. Und ich sehe keinen zwingenden Grund, warum sich das schon wieder schnell ändern sollte. Und vor allem deshalb steigt der DAX. Und hat gute Chancen, nach einer Sommerpause und einer Korrektur weiter zu steigen.

Ausser der Supervulkan bricht aus oder die Eurozone stolpert beim Versuch, einen Sirtaki mit einem eingebetteten doppelten Rittberger zu tanzen - natürlich. 😉

Ihr Hari

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