Tesla Motors und der Unterschied eines Trades von einem Investment

Der folgende Hinweis erschien schon am Montag 11.08.14 16:30 in Hari Live.
Er ist wegen seines grundsätzlichen Charakters aber auch Tage später noch bedenkenswert.
Mittlerweile werden am Markt auch schon Kursziele oberhalb 300 USD herum gereicht.

Ich hatte das Thema Tesla Motors (A1CX3T, TSLA) hier schon mehrfach in den letzten Wochen besprochen, zuletzt ausführlich am Mittwoch 06.08.14 16:45 und da war die Aktie von Tesla Motors noch bei 243 USD und der Ausbruch aus dem zulaufenden Dreieck begann.

Nun steht sie heute bei 263 USD und damit wieder 6% im Plus:

tsla 11.08.14

Ich reite mit diesem erneuten Post so auf dem Thema herum, weil es ein lehrreiches Musterbeispiel darstellt was geht, wann man sich auf die Price-Action konzentriert und alles andere als "Rauschen" ausblendet.

Wir hatten einen klaren Ausbruch aus dem zulaufenden Dreieck und sahen grosse relative Stärke während der aktuellen, allgemeinen Korrektur der Märkte - all das habe ich hier in den letzten Wochen mit Ihnen besprochen und konnte man leicht sehen, wenn man sich auf das "Hier und Jetzt" konzentriert.

Und hier ist das Ergebnis. Und hatte es jetzt irgend eine Relevanz, was wir über die Bewertung von Tesla denken und wie wir deren Geschäftsaussichten individuell einschätzen? Und wenn ich das so sage, sage ich das auch an mich selber. Ich habe ja bei der Bewertung, trotz aller Begeisterung für die Aktie, auch meine Probleme, wie ich hier ja schon erklärt habe.

Ich weiss aber, es hat eben keine Relevanz! Und das ist auch grundsätzlich auf der kurz- bis mittelfristigen Zeitebene so. Wenn keine Überraschungen kommen, ist die Markttechnik der dominante Faktor bei der Bewertung einer Aktie auf dieser Zeitebene. Tesla zeigt uns das wieder. Erst bei langfristigen Investments rücken auch andere Faktoren in der Bedeutung nach vorne.

Darin steckt auch einer der vielen Gründe, warum ich einer Trennung von Investment- und Trading-Depot das Wort rede, wenn man gedanklich diszipliniert genug ist, das auch konsequent so durchzuziehen. Denn im Investmentdepot habe ich nur eine kleine Basisposition bei Tesla Motors und werde erst wieder in einer Korrektur erhöhen, weil mir die Aktie nun erneut zu weit enteilt ist. Das hält mich aber nicht davon ab, im Trading-Depot solche markttechnischen Strukturen auf den kürzeren Zeitebenen auszunutzen.

Die eine Entscheidung hat absolut nichts mit der anderen zu tun. Eine Entscheidung für ein längerfristiges Investment erfolgt auf Basis ganz anderer Kriterien, als so ein Trade. Diese gedankliche Trennung muss man unbedingt hinbekommen, sonst sollte man von so einer Trennung die Finger lassen, weil man nur Chaos anrichtet, wenn man Aktien aus langfristigen Gründen kauft und aus kurzfristigen dann verkauft. Oder umgekehrt.

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Börsenkultur und Finanzblogs – Ist die “deutsche Seele” inkompatibel zur Börse ?

Heute habe ich ja im Beitrag vorher, zur Teilnahme am Publikumspreis des Comdirect Finanzblog Awards 2014 aufgerufen.

Schaue ich auf die Entwicklung, die die Vielfalt der freien Finanzblogs in Deutschland in den letzten Jahren genommen hat, muss ich gestehen, dass ich eher enttäuscht bin, weil ich persönlich zu wenig Bewegung sehe.

Einzelne positive Projekte natürlich ausgenommen, aber in der Gesamtheit könnte da wirklich mehr Bewegung sein. Es ist ja bekannt, dass die Aktienkultur in Deutschland eher dürftig ist. Da könnte man doch aber meinen, dass das viele anspornen sollte, in diese Lücke hinein zu stossen. Aber weit gefehlt !

Gerade in dem Bereich, in dem sich surveybuilder.info tummelt - der aktiven Beschäftigung mit den Märkten in ihrer ganzen Breite - bleibt aber das Angebot sehr beschränkt. Dabei wäre es für die Börsenkultur extrem wichtig, wenn Börse erlebbar gemacht und erklärt werden würde. Und wir - die wir uns dafür interessieren - wissen ja, dass es kaum etwas spannenderes gibt, als die Märkte und die dahinter stehende Wirtschaft.

Neue Projekt kommen und gehen im Börsenblog-Bereich, ohne - bis auf seltene, löbliche Ausnahmen - wirklich Beständigkeit und Dauerhaftigkeit zu entwickeln. Und es bleibt am Ende bei einer Handvoll "alter Bekannter". Vergleicht man das mit der kreativen und virilen Börsenblog-Szene in den USA, ist der Unterschied frappierend.

An der Bereitschaft der Deutschen, sich über Finanzthemen die Köpfe heiss zu diskutieren, kann es aber nicht liegen. Es gibt unzählige ganz hervorragende und intellektuell anspruchsvolle Blog-Projekte im Bereich der allgemeinen Ökonomie im deutschsprachigen Raum. Daran ist kein Mangel und darin wiederum schlagen wir dann die US Blogs, die in der Mehrzahl doch wesentlich pragmatischer und zielorientierter, sich konkret um die Märkte kümmern, die da sind. Und weniger um die Theorien, wie die Märkte sein sollten oder nach welcher Lehre sie zu intepretieren sind.

Anhand dieser Beobachtung stellt sich mir daher die Frage, ob der Mangel an Aktienkultur in Deutschland nicht tiefer liegende Gründe hat, die in der "deutschen Seele" begründet sind. Interesse an Finanzthemen ist ja beim gebildeten Publikum durchaus da, nur steht das sich gerne durch eine falsche Herangehensweise an die Märkte selber im Weg.

Sicher, an den hinlänglich bekannten Erklärungsmodellen ist etwas dran und diese sind auch Teil der Gleichung:

Erstens ist es ohne Frage so, dass der Staat dabei versagt, den jungen Bürgern in der Schule finanzielle Grundbildung zu vermitteln. Ja selbst die Grundlage, wie ein Markt und Wirtschaft überhaupt funktioniert und welchen volkswirtschaftlichen Wert ein Markt hat, ist für viele eine Black-Box. Kein Wunder, das dann später krude Wirtschaftspolitik daraus erwächst und man den Menschen mit schwammigen Begriffen wie "Soziale Marktwirtschaft" und "Gerechtigkeit" alles verkaufen kann: die eine Ideologie, wie das genaue Gegenteil davon.

Zweitens ist es ohne Frage so, dass die Erlebnisse der Internet-Blase von 2000, vielen Anlegern noch in den Knochen sitzen. Da hatte der "deutsche Michel" gerade damit begonnen, sich für Produktivkapital zu interessieren ... und dann das ! Kein Wunder, dass nun billige Propaganda auf fruchtbaren Boden fällt, nach der Börse ja sowieso nur ein grosses Kasino sei. Es ist zwar kompletter Blödsinn, aber um den Blödsinn zu erkennen, muss man halt mehr vor der Sache verstehen, womit sich die Katze in den Schwanz beisst.

Aber reicht das alles zur Erklärung aus, um das völlige Fehlen der Aktienkultur in Deutschland zu begründen ?

Ich glaube nein. Ich vermute, wir müssen einen Blick in die deutsche Seele werfen, um die fehlende Aktien- und Risiko-Kultur zu verstehen.

Betrachten will ich die deutsche Seele mal im Gegensatz zur Seele Amerikas, dort wo es eine gelebte und positive Aktien- und damit auch Risiko-Kultur gibt. Im folgenden werde ich die grossen Gegensätze zwangsläufig etwas "holzschnittartig" gegenüber stellen. Natürlich ist die Wirklichkeit komplexer, das weiss ich auch und selbst wenn es so etwas wie eine "deutsche Seele" gibt, schwingen nicht alle in Deutschland lebenden Menschen danach. Trotzdem ist diese grobe Pauschalierung nötig, um den Punkt zu machen. Betrachten Sie die folgende Gegenüberstellung also als bewusst pointierte Herausarbeitung von markanten Schwerpunkten der unterschiedlichen Kulturen.

Wir Deutschen sagen gerne über Amerikaner, sie seien "oberflächlich". Und aus unserer Sicht stimmt das auch, relativ gesehen liebt es der durchschnittliche Deutsche tiefer zu bohren und mehr ins Detail zu gehen, als der durchschnittliche Amerikaner. Wir Deutschen suchen auch gerne das "Grundsätzliche" und das "Wahre", wollen den Dingen also auf den Grund gehen. Beim Versuch dem Grunde näher zu kommen, übersehen wir keine Details und drehen und wenden diese gerne hin und her, bis wir das Optimum gefunden zu haben glauben. Und wenn wir etwas machen, wollen wir Deutschen gerne dafür ein festes Fundament haben, auf wackeligem Boden bewegen wir uns ungern.

Das macht Deutsche zu hervorragenden Wissenschaftlern, wo genau diese Fähigkeit - den Dingen auf den Grund zu gehen - gefragt ist. Und es macht Deutsche zu hervorragenden Ingenieuren und Handwerkern, wo die Fähigkeit sich im Detail zu vertiefen, zu hervorragenden Lösungen führt. Und es bringt Deutschland aber auch ein Steuerrecht, in dem die Schattenseite dieser Detailverliebtheit sichtbar wird - in dem irrsinnigen Versuch, "Detailgerechtigkeit" zu erzeugen, womit man nur noch grössere Verzerrungen und Ungerechtigkeit generiert.

Wenn jemand auf der Welt eine etablierte Technologie hat und aus dieser - wie bei Benzin Motoren - noch das letzte Quäntchen heraus optimieren will, dann sollte er es deutschen Ingenieuren geben. Niemand auf der Welt, wird das strukturell besser können.

Und wenn jemand auf der Welt ein fertiges Hotel hat, in dem der neue Hoteldirektor die Abläufe perfektionieren soll, damit es eine Stufe in den Hotelkategorien aufsteigen kann, dann wird er kaum Besseres tun können, als einen deutschen Hoteldirektor einzustellen.

Wenn es aber darum geht, im Zustand der Unsicherheit und Unklarheit etwas Neues zu etablieren, dann gib es bloss keinem Deutschen - gib es lieber einem Amerikaner. Womit wir im Vergleich bei den "oberflächlichen" Amerikanern sind.

Denn was die einen für "Oberflächlichkeit" halten, ist für andere "Pragmatismus" und "Zielorientierung".

Es sind letztlich nur zwei Namen, für unterschiedliche Seiten der selben Medaille. Und das ist die besondere Fähigkeit der "amerikanischen Seele" im Vergleich zur deutschen.

Denn in vielen Situationen des Lebens lohnt es sich nicht, sich über Details solange den Kopf zu zerbrechen, bis man für alles eine Lösung hat. Manchmal ist man besser dran, einfach mutig los zu legen und das Risiko des Scheiterns einzugehen. Und entweder funktioniert es, dann ist alles gut. Und wenn nicht, versucht man etwas anderes. Ganz pragmatisch. Ganz opportunistisch. Und damit schnell und durchsetzungsstark.

Wir können diesen Unterschied wieder ganz wunderbar an Tesla Motors bewundern. Und umgedreht sehen wir es daran, dass aus einem MP3 und ähnlichen Erfindungen hier im Lande nichts werden konnte. Es brauchte die Amerikaner, um die Technologien durchzusetzen.

Da geht dieser Elon Musk doch her, "lötet" sozusagen ein paar Notebook Batterien zusammen und setzt eine Karosserie darauf und hat ein Elektroauto, das als einziges der Welt 400km weit fahren kann. 😉 Jetzt ist das mit dem Löten natürlich kompletter Quatsch und Tesla hat jede Menge wichtiger Patente bei der Integration dieser Zellen in grössere Einheiten und es ist keineswegs so trivial wie immer getan wird - sonst könnten schon längst andere mit dieser Reichweite durch die Gegend fahren.

Aber ich benutze das Bild bewusst, weil so sehen das viele gebildete Deutsche. Die guten deutschen Ingenieure eben. Sie argumentieren dann mit tausend Details, mit technischen Alternativen die theoretisch besser sind, wie der Brennstoffzelle, mit Problemen hier, mit Details da. Und mokieren sich über den einfachen, gradlinigen Ansatz, mit dem Tesla die Autos auf die Strasse stellt. Das sei ja "technologisch minderwertig" ist dann ein Argument, gefolgt von vielen Details wie man es besser machen könnte - zumindest theoretisch. Und einige sagen mit tausend Argumenten auch schon das Ende des Ansatzes vorher, weil die Autos bei Minusgraden liegen bleiben, weil die Batteriestückzahlen nicht ausreichen und so weiter und so fort. Alles durchaus valide Argumente und keineswegs einfach abzutun.

Und was macht dieser Elon Musk, während all diese klugen Deutschen argumentieren und sich über Details die Haare raufen ?

Er baut einfach Autos und etabliert eine neue Weltmarke mit einem Hype, der seinesgleichen sucht. 🙂 Und löst die Probleme pragmatisch, wenn sie vor ihm stehen.

Es mangelt einem Elon Musk im Detail vielleicht an der technischer Brillianz, dafür hat er aber eine klare Vision wo er hin will, und marschiert unbeirrt und ohne zu zögern in diese Richtung. Und hat keine Angst vor Fehlern oder dem Scheitern. Zusammen sind die amerikanische und die deutsche Seele ein perfektes Team, weil beide Stärken ergänzen sich in Perfektion - wie wir zum Beispiel an der beeindruckenden Leistung der Mondlandung vor nun 45 Jahre bewundern durften, die ohne deutsche Ingenieure unmöglich gewesen wäre. Aber auch nur in Amerika umzusetzen war.

Ist jetzt eine der beiden Kulturen im realen Leben perse besser ? Nein, natürlich nicht. Beide haben ihre Stärken und Schwächen. Vielleicht scheitert Tesla und die Skeptiker bekommen Recht. Und wer auf die Details schaut, verhindert vielleicht eine grosse Katastrophe, die jemand anders übersehen würde. Anders herum wird Musk dann aber schon längst ein anderes Projekt laufen haben und da erfolgreich sein. Und irgendwann wird einer dieser pragmatischen Ansätze eine neue Weltfirma kreieren. Wer zu lange auf die Details schaute, hat vielleicht das einmalige Scheitern verhindert, umgedreht aber keine Chance, jemals etwas als Erster aufzuziehen und die Würmer des frühen Vogels zu bekommen.

Genau das ist aber der Punkt, das ist die "deutsche Seele". Und aus diesem Grund glaube ich, dass diese Art von "deutscher Seele" eher inkompatibel mit der Börse ist.

Ich kann so aus dem Nähkästchen plaudern, weil ich doch selber immer wieder diesen Fehler gemacht habe, bevor ich das begriffen habe. Im Artikel -> SAP - meine grösste Fehleinschätzung <- habe ich das vor über 2 Jahren dargestellt. Nun kann ich all die Menschen verstehen, die bei solchen Entwicklungen wie bei Tesla mit ihren tausend "wenns" und "abers" kommen und mir erklären, dass es ja technologisch "bessere" Lösungen gibt, als das was Tesla macht. Stimmt ganz bestimmt und ist trotzdem eher nebensächlich. Betamax war auch "besser" als VHS. Und Windows war technisch das klar minderwertigere System als OS/2. Was hat sich durchgesetzt und warum ? 😉

Und weil ich das nun verstanden habe, kann ich auch erfolgreich an den Börsen sein. Und wer das nicht verstanden hat, will permanent klüger als der Markt sein und steht sich selber im Weg.

Ich glaube, dieser Sachverhalt ist ein zentrales Problem vieler deutscher Anleger und deswegen tun sich gerade die gebildeten, im sonstigen Leben erfolgreichen Anleger, so schwer an der Börse Erfolg zu haben.

Wenn man so will, wenden sich die eingeübten Reflexe, die diese Menschen im normalen Arbeitsleben so erfolgreich machen, an der Börse gegen sie.

Denn das Dumme ist, die Märkte haben kein festes Fundament. Sie sind ein permanent schwankender Boden, der sich auch noch permanent verändert. Die Märkte sind ein reflexives System unseres eigenen Handelns als Menschen. Schauen wir auf die Marktbewegungen, starren wir sozusagen unsere eigenen Ängste und unsere eigenen Gier an, wie diese zu Kursbewegungen führt.

Die Märkte funktionieren auch nach keinen festen, dauerhaften Regeln, die man nur erforschen muss, um die Märkte zu durchdringen. Sobald eine Regel etabliert ist, die Gewinn verspricht, werden alle Markteilnehmer diese einsetzen und damit kann sie systembedingt nicht mehr funktionieren. Der Markt ist also ein Biest, dass sich systemimmanent permanent wandelt.

Wer also an den Märkten erfolgreich sein will, muss akzeptieren, dass der Markt immer Recht hat und ihm folgen. Er muss akzeptieren, dass er keinen Einfluss auf das hat, was der Markt macht, sondern nur beeinflussen kann, wie er selber damit umgeht. Er muss agieren, scheitern, wieder aufstehen. Agieren, scheitern, wieder aufstehen. Agieren und grossen Erfolg haben.

All das, ist der oben beschriebenen "deutschen Seele" eher zuwider. Für einen Amerikaner ist es dagegen das Natürlichste von der Welt, Chancen zu ergreifen und wenn sie nicht klappen, einfach zur nächsten Chance zu wechseln. Es gibt dort eine Kultur des Scheiterns und des Neunanfangs. Hier nicht.

Und die "deutsche Seele" steht auch länger für ihre Überzeugungen, kein Wunder, sie hat ja auch länger damit zugebracht, diese im Detail zu erforschen und herzuleiten. Da steckt ja auch mehr Herzblut in der Überzeugung. Das macht solche Menschen im realen Leben verlässlich und bodenständig, das Fähnchen wird nicht so schnell nach dem Wind gedreht. Dumm ist nur, dass der Markt das nicht honoriert. Wer am Markt zu seinen Überzeugungen steht, hält sie dann wie die Telekom 10 Jahre als Leiche im Depot. 😉 Denn der Markt dreht sein Fähnchen schnell und Überzeugungen zählen gar nichts am Markt, alles was zählt, ist ganz pragmatisch das Plus im Depot.

Der Markt erfordert Pragmatismus, Anpassungsfähigkeit, geistige Flexibilität und die Demut, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Das ist verflucht schwer, für einen Menschen mit fest gefügten Überzeugungen. Und auch für jemandem, der den Dingen auf den Grund gehen will. Die Vorstellung, dass in komplex-dynamischen, selbstbezüglichen Systemen gar kein fester Grund ist, sondern nur die Dynamik der Systemtheorie, löst bei vielen eher Schaudern aus.

Und deswegen tut sich eine typische "amerikanische Seele" leichter, die Chancen an den dynamischen Märkten zu ergreifen, als die typische "deutsche Seele". Deswegen reden sich die Deutschen gerne zu theoretischen ökonomischen Konzepten die Köpfe heiss, während Amerikaner eher in das Gelingen verliebt sind. Deswegen liebt der deutsche Anleger so sehr das Argument von den "fundamental" gut bewerteten Aktien, weil darin der emotionale Wunsch nach Boden und Sicherheit bei der Entscheidung mitschwingt. Einer Sicherheit, die der Markt systembedingt aber in keinem Fall hergibt.

Diese "deutsche Seele" ist nach meiner Überzeugung ein wesentlicher Faktor bei der fehlenden deutschen Börsenkultur. Neben den bekannten Argumenten, die auch ein Teil der Gleichung sind.

Und deswegen gibt es auch so wenige Blogs, die sich kompetent und interessant mit den aktuellen Märkten beschäftigen. Es passt nicht zur deutschen Seele. Die Grundsatzdiskussion zur "richtigen" ökonomischen Theorie oder der besten Technologie dagegen viel eher.

So weit mein Versuch, das Geheimnis der fehlenden deutschen Börsenkultur ein wenig zu lüften.

Was denken Sie zum Thema ? Ihre Meinung interessiert mich sehr.

Ihr Hari

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Ballard Power, FuelCell Energy, Plug Power – die grosse Tesla Brennstoffzellen Rally

Elon Musk hat ja vor kurzem die Pläne zur Tesla Gigafactory vorgestellt, auf die der Markt im wahrsten Sinne des Wortes "elektrisiert" reagiert hat. 😉 Ich habe das vor knapp einer Woche -> hier <- ausführlich thematisiert.

Die Begeisterung des Marktes beruht dabei nicht nur auf der schieren Grösse des Vorhabens - diese Fabrik soll so viel Batterien ausstossen, wie die gesamte weltweite Produktion zum jetzigen Zeitpunkt. Vielmehr sieht der Markt einen Paradigma-Wechsel im Energie-Geschäft am Horizont. Denn damit werden dezentrale, lokale Energiespeicher konkurrenzfähig und zwar weit über die Anwendung in Autos hinaus.

Die Konsequenzen sind erheblich und strahlen in viele Wirtschaftszweige aus. Das sind eher schlechte Nachrichten für zentrale Versorger und gute für die Solarindustrie, aber auch die Produzenten von Lithium profitieren, das ja für die Produktion der Batterien benötigt wird.

Im Global X Lithium ETF "LIT", der die Produzenten von Lithium zusammem fasst, kann man gut sehen, was Elon Musk mit seiner Ankündigung ausgelöst hat. Wir verfolgen den ETF in der surveybuilder.info Community schon länger:

LIT 05.03.14

Wer jetzt aber glaubt, die Begeisterung des Marktes würde sich auf die Industrie rund um die in der Fabrik produzierten Lithium Batterien beschränken, irrt gewaltig.

Denn für den Markt war dieses Announcement tatsächlich der endgültige Startschuss für eine gewaltige Rally in allen Aktien, die im weitesten Sinne mit dezentraler Energiespeicherung zu tun haben. Insbesondere die Brennstoffzelle profitiert von Elon Musks gewaltigem Projekt.

Schauen Sie mit mir auf die Charts der führenden Brennstoffzellen-Unternehmen wie Ballard Power, FuelCell Energy und Plug Power und staunen Sie über den "Elon Musk Effekt" im blauen Kreis:

Ballard 05.03.14

FCEL 05.03.15

Plug 05.03.14

Das ist beeindruckend oder ? Und ich könnte Ihnen noch andere Aktien aus dem Sektor mit ähnlichem Chartbild zeigen. Weitere Namen im Sektor sind zum Beispiel Arotech (ARTX), China BAK Battery (CBAK), Highpower International (HPJ) oder Hydrogenics (HYGS).

Hier nimmt der Markt offensichtlich eine Neubewertung vor und er hat damit in meinen Augen grundsätzlich recht. Denn wir stehen tatsächlich vor einem bedeutenden Wandel hin zu dezentraler Energiegewinnung und vor allem Speicherung. Ich habe hier darüber unter der Thematik "Solar" schon mehrfach ausführlich geschrieben. Und die Technologie, egal ob über klassische Batterien ala Tesla oder Brennstoffzellen oder andere Lösungen, wird nun langsam reif und konkurrenzfähig dafür.

Wie immer nimmt der Markt solche Entwicklungen schnell vorweg und dieser Anstieg in dieser Dynamik ist natürlich nicht wirklich rational begründbar. Insofern muss man sich schon die Frage stellen, ob man da kurzfristig hinterher hechten sollte oder nicht doch lieber auf die erste Korrektur wartet, um in den Sektor einzusteigen. Rational erscheint das der bessere Weg, noch etwas Geduld zu haben und die erste Begeisterung auslaufen zu lassen.

Wer aber nicht begreift, dass sich hier gerade langsam ein langfristiger Megatrend der nächsten Jahre in Gang setzt, ist in meinen Augen selber schuld und insofern wäre eine Korrektur vielleicht tatsächlich eine Einstiegsgelegenheit in den Sektor.

Aber auch wenn der Sektor vor einem absehbaren Boom steht, werden natürlich nicht alle Unternehmen und alle Technologien am Ende profitieren. Einige werden auch untergehen und den Wettlauf verlieren. Weswegen die Anlage in einzelne Aktien im Sektor hoch riskant ist.

Es ist daher schade, dass es noch keinen ETF gibt, der alle Unternehmen mit dezentralen Energiespeicherlösungen unter einem Dach zusammen fasst, darunter die drei oben genannten Unternehmen. Ein solcher ETF wäre dann tatsächlich ein gutes Investment in einen Megatrend.

Bis die Finanzindustrie so weit ist, uns damit zu versorgen, müssen wir uns aber mit Einzelaktien behelfen und idealerweise unseren eigenen kleinen Aktienkorb zusammen stellen. Übersehen sollten wir diesen absehbaren technologischen Trend aber nicht.

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Tesla Motors, die Gigafactory und der “Man of Steel”

Guten Morgen. Die ersten News zur Gigafactory für Batterien sind raus. Und zwar im eigenen Blog von Tesla Motors, lesen Sie und schauen Sie sich bitte selber die kleine Präsentation an.

Die wichtigen Eckdaten sind, dass wenn alles klappt, die Fabrik 2017 - also in 3 Jahren - in Produktion ist. Und dass Tesla wesentliche Teile der Finanzierung selber stemmen wird - und zwar über fast 2 Milliarden USD, die man sich via Wandelanleihen am Kapitalmarkt holt.

Die Fabrik hätte dann alleine die gesamte Kapazität der heutigen LiOn Batterie-Industrie in sich vereint ! Sie soll 6500 Mitarbeitern Arbeit geben und soll es Tesla ermöglichen, im Jahr 2020 eine halbe Million Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen.

Partner sind auch dabei, dazu gab es aber noch nichts Konkretes. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Panasonic und Co. dabei zwiespältige Gefühle haben. Einerseits reizt das immense Volumen, andererseits ist offensichtlich, dass Tesla die Kontrolle über die Fabrik behalten will, womit Tesla seine Abhängigkeit von Panasonic und Co. verringern wird. Und am Ende haben die Batteriebauer sich vielleicht dann den ultimativen Konkurrenten heran gezüchtet.

Ob man sich nun mit Musk verbündet oder ihn im Regen stehen lässt, ist daher keine leichte Entscheidung für die, die heute mit Batterien ihr Geld verdienen.

So weit zu den offiziellen Fakten. Das muss man erst einmal sacken lassen. Denn das ist eine der mutigsten und gleichzeitig riskantesten unternehmerischen Entscheidungen, die ich in meinem Leben gesehen habe.

Wie denke ich darüber ? Was bedeutet das für die Aktie ?

Inhaltlich bin ich erst einmal begeistert. Treue Leser wissen ja, dass wir hier auf surveybuilder.info, von Anfang an am Thema dran waren und den initialen Anstieg der Aktie mitgenommen haben. Lesen Sie vielleicht noch einmal, was ich vor über 2 Jahren unter dem Titel -> Die Zukunft des Automobils in einer der spannendsten Aktien der Welt <- geschrieben habe. Und viele andere Artikel kamen danach, die den Aufstieg von Tesla begleitet haben.

Ich liebe die Idee und ich liebe den Drang nach vorne, den Elon Musk entwickelt. So etwas ist nur in Amerika möglich, hier in Deutschland würden die typischen, kleinteiligen Bedenkenträger, so etwas schon im Ansatz verhindern.

Ich liebe den Gedanken, dass endlich diese Benzin-Dinosaurier von den Strassen verschwinden. Die aktuellen Autos sind für mich Fortbewegungsmittel, deren letzte echte Innovation nun schon Jahrzehnte her ist und die nur noch durch Marketing und Schnickschnack neue Produktlinien und immer höhere Preise rechtfertigen.

Sollte Elon Musk mit der Fabrik erfolgreich sein, dürften Elektroautos auf der Kostenseite bald an den Benzinern vorbei ziehen, da die Batterien der entscheidende Faktor sind. Insbesondere wenn man die Kosten über den ganzen Lebenszyklus betrachtet, denn ein reiner Elektromotor ist weit weniger anfällig, als das komplexe Gemisch von Kolben, Ventilen, Pumpen und Katalysatoren, dass in den heutigen Autos steckt.

Ich liebe den Gedanken, dass Öl nicht mehr aus der Erde gebohrt werden muss, um es dann nach Durchlaufen diverser komplexer Prozesse, als Benzin in die Luft zu blasen. Und Ölwechsel ? Wofür ist das noch einmal ? 😉

Ich liebe den Gedanken einer dezentralen Energieversorgung, in der man durch eigenen Batteriepuffer für eine beschränkte Zeit Energieautark ist und das Netz nur noch als Backup braucht.

Ich drücke also Elon Musk ganz fest beide Daumen, dass er Erfolg hat und die Welt verändert.

Aber ...... damit ist Tesla Motors nun endgültig zu einer digitalen Wette auf den Erfolg dieser Batteriefertigung geworden. Letztlich ist es eine Art von Vorwärtsverteidigung, die Elon Musk nun spielt, denn er steckt durch den unerwarteten Erfolg in einem Dilemma. Es gibt eben im Moment gar nicht genug Batterien, um den Erfolg von Tesla in die gewünschten Regionen zu führen.

Und mit dieser digitalen Wette, hat sich Elon Musk unglaublich viele Feinde gemacht, die durch seinen disruptiven Ansatz alle bedroht werden. Und die alle nur auf den ersten Fehler warten, um ihn und Tesla zu zerfleischen.

An erster Stelle natürlich die bestehende Autoindustrie, die wenn Musk Erfolg hat, im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich alt aussieht. Wer will sich schon gerne "Dinosaurier" nennen lassen ?

Dann die ganze Zuliefererindustrie, die mit Kolben, Ventilen, Zylindern, Getrieben, Katalysatoren usw ihr Geld verdient. All diese komplexen Mechanismen, um einen Benzin-Motor überhaupt ans Laufen zu bringen, sind dann alter, rostiger Plunder. Selbst ein Getriebe braucht ein Elektromotor nicht mehr !

Damit verbunden Millionen an Arbeitnehmern, die als KFZ-Mechaniker, Tankstellenbetreiber und ähnlichem vom derzeitigen Benzin-Motor abhängen. Und Menschen sehen ja bekanntlich das stärker was ihnen weg genommen wird, als die Chancen, die in einer neuen Welt liegen. Sollte der Umbruch zur Elektromobilität kommen, sehe ich schon die öffentlichen "Förderprogramme" für eine schwindende Industrie vor meinem geistigen Auge, ganz ähnlich zu den hoch subventionierten Kohle-Kumpels der Vergangenheit. Gerade in Deutschland, wird sich der Blick nicht nach vorne richten, sondern man wird versuchen mit Milliarden zu bewahren, worüber die Geschichte schon längst hinweg gegangen ist. Und die gleichen Politiker, die sich noch vor Jahren mit Bergarbeiterhelmen haben medienwirksam photographieren lassen, werden dann einen ölverschmierten Schraubenschlüssel in die Hand nehmen, um schöne Bilder zu produzieren.

Dann die unglaublich mächtige Ölindustrie. Was glaube Sie wohl, wie sich das auf deren Geschäft auswirkt, wenn Benzin nicht mehr benötigt wird ?

Und zum Schluss auch noch die US Versorger, denn ein Energie-Markt mit halbautarken Endverbrauchern, ist ein Markt, in dem die Versorger in ihrer zentralen Machtposition degradiert werden.

Das sind sehr viele, sehr sehr mächtige Feinde, die alle nur auf einen Fehler warten.

Ich sehe jetzt schon die hämischen Kommentare über Musk vor mir, wenn er nur den allerkleinsten Fehler machen wird. Dann werden sie alle da sein, die Krämerseelen und die, die heute still das Messer in der Tasche wetzen und nicht den Mumm haben aufzustehen, weil Musk auf einer Welle der medialen Begeisterung reitet, die ihn im Moment unangreifbar macht. Und alle die werden im Ton der Selbstgerechtigkeit heraus posaunen, dass das ja sowieso alles nur Hybris war und Elon Musk ein Bauernfänger. Ich kann jetzt schon die Artikel schreiben, die dann produziert werden.

Man sagt zwar "Viel Feind viel Ehr". Es heisst aber auch zu Recht "Zu viele Füchse sind des Hasen Tod". Und "wer hoch steigt, fällt tief". Für Letzteres sorgen im sozialen Geflecht der Menschheit immer die, die mit Neid verfolgt haben, wie sich da jemand über den Durchschnitt erhoben hat.

Und genau das ist nun das Problem von Tesla Motors. Und von Elon Musk. Es ist eine digitale Wette auf den Erfolg der Gigafactory. Und viele mächtige Feinde werden alles tun, um den Erfolg zu verhindern.

Dummerweise hat der Markt die Hoffnung und die positiven Aussichten aber schon in die Aktie eingepreist.

Weswegen man in meinen Augen - nach dem die aktuelle Begeisterungs-Bewegung und Neubewertung ausgelaufen ist - aus der Aktie raus muss und in ihr wahrscheinlich, bis die Fabrik realer wird, nicht mehr viel zu holen ist.

Ich will Ihnen das an einem Chart mit Wochenkerzen klar machen:

Tesla 27.02.14

Wir haben damit im Jahr 2012 das Muster, wie sich der Markt verhält, wenn er einerseits grosse Pläne schön findet, aber andererseits noch nicht so richtig daran glaubt.

Die Wahrscheinlichkeit ist in meinen Augen gross, dass die Aktie von Tesla damit nach der aktuellen Begeisterung in eine Phase der volatilen Seitwärtsbewegung übergeht. Bis entweder Musk auch die Gigafactory ans Laufen bringt und Tesla in den Hundertausenden ausliefert. Dann ist er wirklich der "Man of Steel" und steht in einer Reihe mit den grossen Innovatoren und Unternehmern der Menschheitsgeschichte.

Oder bis irgend etwas schief geht und alle Gegner endlich eine Chance sehen, sich auf ihn zu stürzen. Dann wird er in die Knie gehen, denn Elon Musk ist ein sterblicher Mensch wie wir. Er hat zwei Beine, zwei Arme und kann durch ein Marotte des Schicksals aus der Bahn geworfen werden. Vielleicht ist das Projekt irgendwann so weit, dass es auch ohne ihn voran schreitet. Dieser Punkt ist im Moment aber noch nicht erreicht.

Deshalb sehe ich das Geschehen mit Freude und grosser Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Und drücke Elon Musk und Tesla Motors ganz feste beide Daumen. Macht weiter und verändert die Welt - meine Unterstützung habt ihr !

Als rationaler Anleger, ist nach Auslaufen der aktuellen Bewegung die Aktie von Tesla Motors aber für mich absehbar kein Thema mehr. Bis die Fabrik näher rückt oder ein neuer Katalysator wieder das Bild verändert.

Ihr Hari

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Solar Sektor 2014 mit guten Chancen

Wenn Sie mich zum Anfang des neuen Jahres fragen, in welchen Sektoren ich für 2014 ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis sehe, ist die Antwort ganz klar: Solar !

Im Sektor passt nach meinem Eindruck einfach alles. Erstens sind die fundamentalen Treiber nicht nur weiter aktiv, sie zünden überhaupt jetzt erst weltweit so richtig. Zweitens ist das Sentiment noch keineswegs euphorisch, erst seit letztem Herbst ist der breite Markt so richtig auf den Sektor aufmerksam geworden. Und Drittens hat der Sektor schon einen Teil einer notwendigen Korrektur zum Ende 2013 vollzogen und damit auch etwas Luft aus einer überkauften Markttechnik abgelassen.

Ich habe hier auch schon öfter thematisiert, dass Solar bisher eine Nischentechnologie war, die eigentlich zu teuer und wirtschaftlich fragwürdig war, ausser dort, wo mit massiven steuerlichen Umverteilungsorgien nachgeholfen und damit der normale Energiemarkt ausser Kraft gesetzt wurde.

Das Hauptproblem von Solar waren dabei nicht nur die Erzeugungskosten der Kilowattstunde, sondern vor allem das völlige Fehlen sinnvoller Speichertechnologien. Denn ohne Stromspeicher, hat Solar nun einmal die dumme Eigenschaft, nicht immer dann Strom zu erzeugen, wenn er gebraucht wird. Und so produzieren unsere über das EEG subventionierten Solardächer alle fröhlich Strom, der aber bisher zu grossen Teilen wirkungslos verpufft, weil er nicht gespeichert und abgenommen werden kann. Strom, von dem der lokale Hausbesitzer in der Regel auch nichts hat, ausser eben den wirtschaftlichen Gewinn durch die überhöhten Einspeisesätze, die er aber "hintenrum" - über den Strompreis - dann wieder bezahlt.

Was wiederum auch die Umweltbilanz viel negativer macht, als man uns allenthalben glauben machen will, denn bei der Produktion der Solarzellen, werden ja teure Materialien verbraucht, Abfälle und eben auch Stromverbrauch produziert. Alles Aufwendungen, die sich erst später durch gewonnene Kilowattstunden amortisieren müssen. Und zwar nicht nur von den reinen Kosten, sondern auch von der Umweltbilanz her.

Genau dieses Kernproblem der "vergeudeten Kilowattstunden", wird nun aber in den kommenden Jahren verschwinden, denn dafür sorgt das Aufkommen der Elektromobilität und damit die Produktion günstigerer Stromspeichertechnologien, die früher oder später in Grossserie produziert und zu stark fallenden Preisen für die gespeicherte Kilowattstunde führen werden.

Wenn aber die Solarenergie mit einer effektiven Speichertechnologie verknüpft wird, wird sie zur idealen, geradezu perfekten Energieform. Eine Energie, die ohne Emissionen, vollständige Autarkie von Stromnetzen ermöglicht und damit auch Anwendungen ermöglicht, an die man heute noch gar nicht denken mag. Denn bisher war die moderne Zivilisation an die Nähe zur zivilisatorischen Infrastruktur gebunden und dehnte sich daher langsam wie ein Netzwerk aus. Mit völliger Energieautarkie ist Zivilisation im Prinzip überall möglich, selbst auf dem Mond und Mars. Neben dem Vorkommen von Wasser ist Energie das zweite "Grundnahrungsmittel" der Zivilisation. Die meisten anderen Dinge kann man mehr oder weniger erzeugen und produzieren, wenn Wasser und Energie im Überfluss vorhanden sind. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Und die Autarkie ist ein so hohes Gut, dass auch die Preisfrage in den Hintergrund tritt, solange der so erzeugte Strompreis nur um überschaubare Prozentwerte vom "Netzstrom" abweicht. Für mich wäre es zum Beispiel ein Traum, in meinem Haus die Verbindung zum Stromnetz kappen zu können und ich weiss von vielen anderen, die genau so denken. Und wenn ich einmal autark bin, interessiert mich der theoretische Preis der erzeugten Kilowattstunde auch nicht mehr. Ich denke dann eher in klassischen Investitionszyklen, genau wie beim Auto, wo man beim Kauf sich in der Regel auch keine Gedanken darum macht, ob der Fahrtkilometer hinterher über die Lebenszeit 0,96 oder 1,14€ kosten wird, sondern eher die einmalige Investition im Blick hat.

Und für die Emerging Markets, wie für das chinesische Riesenreich oder Sibirien, Australien oder Kanada, wäre es ein Traum, die grossen Landflächen mit einer autarken Energieform zuverlässig versorgen zu können.

Deswegen halte ich die Solarenergie für die primäre Profiteurin der Elektromobilität, beide Technologien gehen Hand in Hand und Elon Musk sorgt nicht ohne Grund für Nähe zwischen Tesla Motors (WKN: A1CX3T) und Solar City (WKN: A1J6UM). Und das Aufkommen günstiger Speichertechnologien für Strom, wird den Verkauf der Solarenergie weltweit massiv befeuern. Und das ganz ohne staatliche Subventionen, einfach weil diese Kombination die perfekte Energieversorgung ist.

Und deswegen hat der weltweite Siegeszug der Solar-Energie nach meinem Eindruck gerade erst begonnen und wenn es nicht durch staatliche Eingriffe verhindert wird, steht dem Sektor wohl ein goldenes Jahrzehnt bevor.

Ich sage dabei bewusst "dem Sektor", denn bei einzelnen Unternehmen kann es ganz anders ausssehen. Wie bei allen modernen Technologien durchlaufen diese Innovationszyklen und ich bin keineswegs überzeugt, dass die Silizium basierten, starren Dachpanels wirklich noch das Bild der Solarenergie in 10 Jahren prägen werden. Auch in der Computerindustrie stehen die heutigen Grössen wie Apple, Microsoft, Google & Co. auf den Leichen unzähliger börsennotierter Gesellschaften, die irgendwann die falsche technologische Abzweigung genommen haben.

Deswegen ist es grundsätzlich gefährlich, in diesem Sektor einzelne Unternehmen langfristig zu spielen. Und dass der ganze Sektor vor einer grossen Zukunft steht, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass das ebenso für jedes einzelne Unternehmen gilt.

Glücklicherweise haben alle mit professionellem Börsenzugang zur Wallstreet, ja aber Zugriff auf die beiden grossen ETFs des Solarsektors und "KWT". Und diese ETFs sind in meinen Augen auch die idealen Vehikel, um den Aufstieg des Sektors langfristig zu spielen.

Schauen wir auf das Chart des TAN mit Wochenkerzen, sehen wir die perfekte Wendeformation mit der brillianten Performance von 2013:

TAN 06.01.14

Das Schöne dabei ist, dass der TAN Ende 2013 schon etwas korrigiert hat, allerdings fehlt mir noch etwas bei der Bewegung und ich wäre nicht überrascht, wenn der Tan im Verlauf des ersten Halbjahres auch die 30 USD noch einmal näherungsweise erreicht. Insbesondere auch, weil der Sektor ja erst im September/Oktober des letzten Herbst in die Aufmerksamkeit der weltweiten Öffentlichkeit getreten ist, wie man gut am Volumen erkennen kann. Und diese schwachen Hände müssen nun erst einmal raus aus dem Sektor und ich bin nicht sicher, ob die Korrektur bis zum Jahreswechsel dafür schon ausreichend war.

Umgekehrt bestehen aber gute Chancen für eine langfristige Fortsetzung der fundamentalen Aufwärtsbewegung, die den TAN bis Ende 2014 durchaus bis in die Region um 70 USD führen könnte. Zwischen diesen beiden Polen von 30 und 70 USD, mag sich nun jeder seinen eigenen Kursverlauf ausdenken, ich habe keine Ahnung und auch keine Glaskugel und ich nehme die Kurse wie sie kommen.

Ich habe deshalb lange überlegt, ob ich diesen möglichen Verlauf einzeichne, weil so etwas ja sofort als Prognose interpretiert wird. Und Sie wissen ja, was ich von Prognosen halte: Nichts !

Ich habe mich dann doch dafür entschieden, weil dieser mögliche Verlauf den Tenor meines Textes visualisiert: Ein Sektor, der im klaren Aufwärtstrend ist. Ein Trend, der sich in 2014 mit Wahrscheinlichkeit fortsetzen wird. Aber auch ein Sektor, der die grossen Gewinne von 2013, vielleicht noch nicht ausreichend konsolidiert hat.

Insofern hoffe ich, dass Sie als treue Leser den Unterschied zwischen einer (sinnlosen) konkreten Prognose und einer Visualisierung eines Gedankens nicht übersehen, denn der konkrete Kursverlauf des TAN ist unbestimmt und bleibt es, wie die Zukunft. Aber was ich beispielhaft im Chart eingezeichnet habe, wäre für mich auf jeden Fall 2014 nicht so überraschend und ich glaube, wir täten alle gut daran, uns gedanklich mit der inhärent darin steckenden Volatilität vertraut zu machen, wenn wir im Sektor investieren wollen.

Ihr Hari

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Die Roboter kommen ! Von iRobot, Amazon, Google und Co.

Wir fragen uns ja alle immer, was denn die neuen grossen Trends sein könnten, mit denen man über Jahre dicke Gewinne an der Börse einstreichen kann.

Und wir würden gerne wissen, was in 2014 so ein heisses Thema werden könnte, wie in 2013 der Rebound im Solarmarkt. Denn bei den Solaraktien konnte man in 2013 sein Kapital verdoppeln und mehr.

Nun, ich glaube es gibt einen heissen Kandidaten für einen Megatrend, der nun massiv in das öffentliche Bewusstsein tritt. Und das ist der Einsatz von Robotern in allen Teilen der Wertschöpfung und bei lästigen oder gefährlichen Arbeiten.

Bisher waren Roboter im Wesentlichen auf die industrielle Produktion beschränkt und Unternehmen wie Kuka (WKN: 620440) oder die japanische haben damit gutes Geld verdient.

Das erste Unternehmen, das ausserhalb der industriellen Fertigung mit seinen Robotern weltweit bekannt und an der Börse erfolgreich wurde, war dann iRobot (WKN: A0F5CC, IRBT) mit Spezialrobotern im Bereich Militär und Zivilschutz - zB bei der Bombenentschärfung - aber vor allem mit seiner "Roomba" Linie der Staubsauger-Roboter, von denen auch einer bei uns im Haushalt seine Runden dreht und den wir als unseren kleinen "R2D2" nicht missen wollen.

Mit der Aktie von iRobot, haben wir hier auf surveybuilder.info.de schon 2013 viel Freude gehabt und schöne Gewinne generiert. Und heute springt die Aktie um aktuell (stand 16:00 Uhr) 17% nach oben !

Einfluss auf diesen Satz nach oben, dürfte dabei der überraschende durch Google haben. Ein Kauf, der sich in eine Reihe von voran gegangenen Käufen Googles im Bereich Robotics einreiht und eine dahinter stehende Strategie vermuten lässt.

Nehmen Sie jetzt noch die Gedanken von Amazon und auch der Deutschen Post zu "Paket-Drohnen" dazu, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgen und nach meiner Ansicht keineswegs so "daher" gesagt sind, sondern eher einen Testballon zur Akzeptanz darstellen. Vergessen Sie dann weiter nicht, dass Flugzeuge bald autonom gesteuert werden und der menschliche Pilot nur noch als Backup an Bord sitzt und denken Sie am Ende an die Bemühungen der Auto-Industrie um autonomes Fahren - dann zeigen alle diese Entwicklungen eindeutig in die gleiche Richtung:

Es entwickelt sich ein massiver Weltmarkt für autonome Systeme mit begrenzter künstlicher Intelligenz, die lästige oder gefährliche Aufgaben der Menschen übernehmen und sich durch ihre Sensoren frei in der Welt bewegen können. Gemeinhin auch "Roboter" genannt. Auch bei Bauern muss man früher oder später die Frage stellen, ob es wirklich das Gehirn eines Menschen braucht, um stundenlang bei einem Traktor "auf dem Bock" zu sitzen und riesige Felder abzuernten.

Wenn Sie mal genau darüber nachdenken, werden sie unzählige Anwendungsformen für "robotische, autonome Systeme" finden und die Technologie und Sensorik ist langsam reif. Vieles scheiterte in der Vergangenheit dabei noch an der mangelnden Leistungsfähigkeit von Batteriesystemen. Aber auch da tut sich ja durch Tesla Motors und Co. einiges und auch diese technologischen Hürden werden gerade weggeräumt. Und damit dürfte sich ein gewaltiger Weltmarkt entwickeln, der die Welt über Jahrzehnte nachhaltig umkrempeln wird.

Es dürfte also für Anleger auf Jahre äusserst lukrativ sein, sich intensiv mit diesem neuen Segment zu beschäftigen. Konsequenterweise, ist an der Wallstreet auch schon unter dem Kürzel der erste ETF auf den Markt gekommen, der sich auf Robotics und Automation spezialisiert. In diesem überwiegen natürlicherweise noch Aktien der Kategorie "Automation", weil es eben noch nicht so viele börsennotierte reine Roboterfirmen gibt. Deshalb sind auch Firmen wie 3D Systems (WKN: 888346, DDD) im ETF enthalten, deren innovative 3D Drucker, eher dem Bereich "industrielle Automation" zuzurechnen sind.

Aber auch wenn das Angebot an Aktien im Segment Robotics noch dünn ist, wir haben es mit ganz grosser Wahrscheinlichkeit mit einem Megatrend der nächsten Jahrzehnte zu tun. Und wer auf der Suche nach grossen Chancen ist, muss unbedingt das Feld der "Robotics" an der Börse im Auge behalten.

Die Pop-Gruppe "Kraftwerk" hat es schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gewusst: 😉

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Vom Affengehirn am Beispiel Tesla Motors – Wie die Angst unsere Chancen auffrisst

Ein für surveybuilder.info Leser grossartiges Börsenjahr geht langsam in die Schlussrunde. Grossartig war dieses Jahr, weil wir hier eine ganze Reihe richtig massiver Gewinnsträhnen frühzeitig erkannt haben, lange bevor breite Anlegerschichten auch auf den Zug aufgesprungen sind.

Wer hatte denn schon im Frühjahr den weltweiten Solarsektor so auf der Rechnung und konnte damals einen Branchen-ETF wie den TAN buchstabieren ? Seitdem ist der Sektor in einen massiven Rallymodus eingetreten und hat denen grosse Gewinne generiert, die von Anfang an dabei waren. Und der Sektor steht nach meiner Ansicht immer noch eher am Anfang eines weltweiten neuen Booms, als am Ende - auch wenn jetzt eine Korrektur mal überfällig ist. Wer hatte denn schon im Frühjahr den europäischen Telekomsektor auf der Rechnung, der nun auch massiv zum Leben erwacht ist und den Anlegern dicke zweistellige Gewinne generiert. Wer wusste denn am Anfang des Jahres etwas mit Aktien wie iRobot anzufangen ? Ich könnte lange so weiter machen. Und auch ein paar "Gurken" wie K+S waren dabei, die aber im Vergleich kaum mehr ins Gewicht fallen, zumal wir die Verluste dort konsequent begrenzt haben und nicht in die Falle gegangen sind, die neue Welt der Kali-Preise zu negieren und uns schön zu reden, wie die, die sich gedanklich nicht schnell genug von einer überholten Bewertungslogik lösen können.

Und trotzdem bin ich sicher, dass einige der Leser mit ihren Depots nicht zufrieden sind und dem Markt hinterher hinken, möglicherweise überhaupt mit der Nulllinie kämpfen. Wie kann das sein, wenn so grosse Gewinnkracher mit teilweise dreistelligen Prozentgewinnen dabei waren, von denen jeder locker fünf negative Anlagen kompensieren könnte, wenn man Verluste konsequent begrenzt ?

Die Antwort auf diese Frage ist wie immer individuell und hat vor allem mit uns selbst zu tun. Ich glaube aber, ich kenne zumindest einen Teil der Antwort, denn diese hat mit unserem "Affengehirn" zu tun, das uns bei der Geldanlage eher im Wege steht, als hilfreich zu sein. Mit dem prägnanten Begriff "Affengehirn" meine ich dabei keinen medizinischen Fachbegriff, sondern die evolutionären und damit auch emotionalen Reflexe, die der Menschheit beim Überleben in der Savanne dienlich waren, aber nicht für reflexive Märkte der Gegenwart geeignet sind. Mit der exponentiellen Entwicklung der Wissensgesellschaft, kommt aber die biologische Evolution zeitlich einfach nicht mehr mit, wir gehen sozusagen als biologischer Urmensch in die komplexe Zukunft.

Und dieses Affengehirn leitet uns an der Börse oft in die falschen Geldanlagen, weil es uns in den falschen Momenten Ängste vermittelt, während es uns in den ebenso falschen Momenten wohl und sicher fühlen lässt.

Und wo könnte ich das Problem deutlicher machen, als bei unserem grössen "Kracher" in diesem Jahr: Tesla Motors (WKN: A1CX3T). Sie wissen ja, wir waren am Thema schon seit Frühjahr 2012 intensiv dran. Und so sassen wir sozusagen in der ersten Reihe, als der Kurs dann im April diesen Jahres abzuheben begann.

Werfen wir einen Blick zurück auf den 30.04. und meinen Artikel -> Tesla Motors, eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <-.

In diesem Artikel war das folgende Chart enthalten:

Tesla 29.04.13

Und nun sage ich uns auf den Kopf zu, was viele von uns zu diesem Zeitpunkt gedacht haben und warum viele damals wohl nicht eingestiegen sind. Nicht eingestiegen, obwohl ich in dem Artikel nun wirklich eine Lobeshymne auf Elon Musk und Tesla losgelassen habe.

Die Gründe dürften sein, dass denen der Kurs schon zu weit weggelaufen war. Zu so einem Zeitpunkt noch bei einem wackeligen "Startup" einsteigen, über das viele schreiben, dass es den Sprung zum Autobauer sowieso nicht schaffen kann ? Und dann noch angeführt von einem "Verrückten" mit "Visionen", bei denen man laut Altbundeskanzler Schmidt lieber zum Arzt gehen sollte ? Nein - die Angst war zu gross, hier in Verluste zu laufen. Viele hatten Verlustaversion im Anblick eines Kurses, der gerade in den Himmel schoss. Und haben sich nicht getraut auch noch einzusteigen. Und wer doch drin war, hat schnell wieder Angst bekommen, die kleinen Gewinne abzugeben und hat diese lieber gesichert.

Soweit so gut. Und nun kann ich uns das Chart von Tesla Motors Stand heute nicht ersparen:

Tesla 28.10.13

Sie sehen nun den Zeitpunkt, an dem die Verlustaversion kam. Es war der dümmste Zeitpunkt, den man sich nur vorstellen kann. Denn mein Artikel erschien exakt genau vor dem grossen Schub, an dem der breite Markt in das Thema eingestiegen ist, wunderbar am Volumen zu erkennen. Seit dem hat sich der Kurs fast vervierfacht - wenn man am 29.04.13 eingestiegen wäre. Wir hatten also alle einen Elfmeter auf dem Punkt liegen, bei dem der Torwart sozusagen nicht im Tor stand. Und viele haben sich trotzdem nicht getraut zu schiessen. Wenn Sie dazu gehörten, stellen Sie sich unbedingt die Frage warum !

Fairerweise muss man feststellen, das es fast unmöglich ist, solche Bewegungen vollständig mitzugehen und dann auf dem Hochpunkt auszusteigen. Auch ich bin im Nachhinein zu früh ausgestiegen, weil mir die Bewertung nun zu phantastisch wurde. Aber ich war immerhin von Anfang an dabei und habe dicke dreistellige Prozentgewinne mitgenommen und das hätten Sie auch können !

Um Ihnen zu helfen das Problem unseres "Affengehirns" zu verstehen, sollten wir uns daher mal die Gegenseite betrachten. Ich will Sie nicht weiter mit Charts beladen, aber stellen Sie sich einfach nur die allseits "geliebte" Commerzbank vor. Da war die emotionale Haltung ganz anders. Der Chart sah grauselig aus. Es ging runter und runter. Aber das war ja vermeintlich eine stabile Grossbank, die in der Vergangenheit mehr Wert war. Da war ja die Bundesregierung auch drin und der Chart war so weit gefallen, die "musste" ja wieder steigen. In der Commerzbank haben viele die Verluste leicht ertragen und diese als Kaufgelegenheiten betrachtet. Und das Web war voll von sogenannten "Analysen", in den Autoren versuchten eine Bankbilanz zu bewerten, die selbst Bilanz-Profis nicht bewerten können. Aber immerhin sind die Profis so qualifiziert zu wissen, was sie nicht wissen.

Finden Sie nicht auch ? Es ist doch eigentlich absurd, sich bei Verlusten in der Commerzbank wohl zu fühlen und aber vor einem Einstieg bei Tesla zu fürchten. Aber genau so funktioniert unser Affengehirn - "Angst fressen Chancen auf". Und wer sich das nicht bewusst macht, hat letztlich keine Chance am Markt.

Fassen wir also zusammen:

Uns Menschen fällt es typischerweise leichter, eine Verlustposition einfach zu halten und den Verlusten zuzusehen, als in eine potentiell gewinnträchtige Position einzusteigen, die mit Risiken versehen ist. Das ist so, weil die Verlustposition eine Vergangenheit der Stärke hat, an der man sich emotional wärmen kann. Die "muss" ja wieder steigen sozusagen, weil sie vorher höher stand. Anders dagegen bei dem "Hot Stock" mit neuem Geschäftsmodell. Da hier die Vergleichsdaten der Vergangenheit fehlen, erscheint uns das weit riskanter.

Auslöser dieser massiven Fehleinschätzung ist tatsächlich unser "Affengehirn", das den Erfahrungen der nahen Vergangenheit eine höhere Bedeutung einräumt. So lässt sich das Minus bei einer Aktie leicht ertragen, die man für "substantiell" hält und dabei orientiert man sich an vergangenen Werten. Etwas Neues dagegen wird zunächst mit Misstrauen betrachtet, wir bleiben instinktiv lieber beim Bewährten.

Das sind reflexartige Mechanismen in unseren Köpfen, die wir auf der bewussten Ebene gar nicht wahrnehmen. Sie bestimmen aber massiv unser Handeln. Und für die Wildnis da draussen in der Savanne, ist die Aversion vor neuen, unbekannten Risiken auch ein hervorragender Reflex, der unser Überleben sichert. Einen Pilz den man nicht kennt, sollte man auch nicht einfach in den Mund stecken. Nur funktioniert Börse eben anders, Börse bewertet Potentiale der Zukunft. Vielleicht wird aus diesem Giftpilz ja später eine tolle Medizin, darüber machen sich die Märkte Gedanken. Und deshalb ist der Giftpilz als Anlage vielleicht durchaus interessant. Diese evolutionären Reflexe stehen uns als Anleger massiv im Weg.

Deshalb ist es auch so wichtig, sich mit Stops und Absicherung zu beschäftigen. Denn natürlich liegen in so "Hot Stocks" wie Tesla auch massive Risiken. Was hoch steigt, kann auch tief fallen und ein Kursverlauf wie oben ist ja nicht garantiert, hinterher ist man immer klüger. Aber die Chancen sind so immens, das man diese ergreifen sollte. Aber eben nicht blind, sondern gut überlegt und abgesichert.

Richtig wäre es also eher gewesen, die grosse Chance bei Tesla zu ergreifen. Gleichzeitig einen Stop zu setzen der einiges nach unten entfernt ist und nur zur Absicherung eines Desasters dient. Man geht in so einer Denkstruktur also bewusst ein vielleicht 10% Verlustrisiko ein. Und tut das, um die weit grössere Chance überhaupt zu eröffnen. Wir nennen das hier ein "Setup" und besprechen diese intensiv im Premium-Bereich.

Umgedreht, bei einem gefallenen Engel ala Commerzbank, darf es für Anleger überhaupt keinen Spielraum für Verlusttoleranz geben. Solange der Kurs nach unten geht, geht er nach unten und man hat in der Aktie nichts verloren. Und dass das Unternehmen mal in der Vergangenheit weit höher bewertet war, hat ebenso wenig Relevanz wie die Tatsache, dass es Tesla vor 10 Jahren noch gar nicht auf dem Kurszettel gab.

Vergangenheit zählt nicht an der Börse, nur die Erwartungen an die Zukunft. Die Mechanismen unseres Affengehirns leiten uns aber genau in die falsche Richtung. Sie leiten das warme Gefühl von "Sicherheit" aus Erfahrungen der Vergangenheit ab. Und lassen uns daher bei Verlusten in einer Commerzbank-Position sicherer fühlen, als bei einem Einstieg in eine Zukunftshoffnung wie Tesla Motors. Was für ein Treppenwitz eigentlich, da es doch leicht ist, mit Stops einen Kursverlust zu begrenzen. Auch die Telekom war mal bei 100 EUR und niemand wurde gezwungen, den Weg bis 10 EUR mitzugehen. Und viele haben es trotzdem getan, weil "die ist doch voller Substanz, die muss doch wieder steigen". 😉 So etwas sind üble "Wohlfühlreflexe", die unsere Taschen als Anleger aber leer machen.

Mein Rat also:

Achten Sie auf Ihre Gefühle bei der Geldanlage, denn darin zeigt sich unser Affengehirn. Wenn Sie sich in einer Position "wohl fühlen" und auch bei ersten Verlusten ganz entspannt da sitzen, sollten Sie eigentlich aufspringen und sich selber eine Schlag auf den Hinterkopf geben. Denn wahrscheinlich denkt der nicht richtig. Verlustpositionen in denen man sich "wohl fühlt", sind oft sehr gefährlich für unser Depot.

Umgedreht, wenn ein Kurs signifikant zu steigen beginnt und Sie trauen sich nicht einzusteigen, brauchen Sie unbedingt den Tritt in den Allerwertesten um zumindest mal genau hinzuschauen. Denn gerade weil Sie sich nicht trauen, werden sich auch viele andere nicht trauen. Denn warum sollen die anderen Marktteilnehmer denn anders fühlen als Sie ? Man nennt das die "Wall of Worry" und die sorgt dafür, dass Kurse weiter steigen - und nicht fallen. Diese Kurse fallen erst, wenn auch der Letzte eingestiegen ist. In dem Sie sich diesen inneren Tritt schon frühzeitig geben, sind Sie bei den "Letzten" nicht dabei, vielmehr verkaufen Sie irgendwann Ihre Aktien den "Letzten" mit Gewinn.

Und nutzen Sie die Möglichkeit, mit Absicherung zu agieren. Mit einer klug gesetzten Absicherung definieren Sie im Vorfeld selber, wie viel Verlust Sie bereit sind theoretisch einzusetzen, um die Chance zu ergreifen. Dieser potentielle Verlust ist also wie eine Investition zu sehen, um die Chance überhaupt zu eröffnen. Verwechseln Sie aber eine gut entfernte Absicherung um ein Desaster zu verhindern, nicht mit dem fehlgeleiteten Versuch, erste Gewinne gleich zu sichern. Letzteres funktioniert nicht und führt nur dazu, dass Sie im falschen Moment ausgestoppt werden. Nicht jeder Stop ist sinnvoll, manche sind kontraproduktiv.

Lassen Sie unbedingt in so Situationen Ihre Gefühle Revue passieren. Dann werden Sie selber merken, wie unsere Ängste die echten Chancen auffressen. Und uns gleichzeitig dort eine Sicherheit vorgaukeln, wo das Kurs-Desaster gerade erst begonnen hat. Genau deshalb ist es so schwierig das zu tun, was theoretisch ganz leicht eine gute Depotperformance sichert: Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen !

Merke: Die Börse ist nicht die Savanne ! 😉

Ihr Hari

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Tesla Motors – geht der historische Aufwärtstrend nun endlich zu Ende ?

Die Aktie des Jahres ist wohl unzweideutig Tesla Motors (WKN: A1CX3T, TSLA). Wir waren hier auf Mr. Market von Anfang an dabei und hatten viel Spass und schöne Gewinne mit dem sensationellen Anstieg.

Schon im Februar letzten Jahres war das hier Thema eines langen Artikels: -> Tesla Motors, die Zukunft des Automobils <-

Dazwischen haben wir das Thema immer wieder intensiv verfolgt und kommentiert und diesen April war es wieder Thema eines grossen Artikels : -> Tesla Motors, eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <-

Nachdem Tesla dreistellig wurde, sind wir hier aber vorsichtiger geworden, haben uns individuell mit Trailing Stops noch hoch treiben lassen, aber die meisten Leser dürften nun auf der Seitenlinie stehen, wenn ich nach dem gehe, was in den Foren so zum Thema geschrieben wird.

Denn klar ist, dass bei aller Begeisterung, die auch ich immer noch für Tesla Motors habe, die aktuelle Bewertung sich weit, weit von jedem vernünftigen Mass entfernt hat. Man muss wirklich kein "Raketenwissenschaftler" sein, um das zu erkennen.

Ich habe mal vor Wochen versucht, meine extrem positive Erwartungshaltung an das Geschäftsmodell, in eine optimistische Bewertung zu kleiden und bin dabei rechnerisch auf ca. 80 USD fairen Gegenwartswert gekommen und habe das im Premium-Bereich dargestellt. Was immer noch eine stolze Bewertung für das aktuelle Unternehmen ist, aber wie gesagt, ich glaube eigentlich an den Erfolg des Unternehmens und bin daher bereit, Teile der Zukunft schon heute einzupreisen.

Denn die Flanke, die gerade die deutschen Hersteller auf machen, ist grösser als ein Scheunentor und diese (in meinen Augen) Ignoranz der Elite der deutschen Autobauer (Norbert Reithofer von BMW ausdrücklich ausgenommen), wird sich noch bitte rächen. Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dass meine aktuelle Marke - Audi - vielleicht in ein paar Jahren in Breite brauchbare Hybrid-Modelle auf den Markt bringen wird. Das nenne ich sarkastisch mal "Vorsprung durch Technik" - wobei mir dabei mit spitzer Zunge eher "Stillstand durch Schnickschnack" einfällt. Ach waren das noch schöne Zeiten, als "Fugen-Ferdl" Piëch dort noch Verantwortung als Ingenieur hatte. Ich will aber keine Hybrid-Technik, die alles nur teurer und noch wartungsanfälliger und komplexer macht. Ich will rein elektisch fahren und Tesla beweist, das es schon längst geht, wenn man nur will.

Aber zurück zum Kurs der Aktie und zu meiner Bewertung. Diese "stolzen" 80 USD, die ich aktuell dem Unternehmen zubillige, wären aber immer noch mehr als eine Halbierung des aktuellen Kurses. Man sieht daran, in welche stratosphärischen Spähren sich der Kurs hinauf bewegt hat.

Nun sollte aber niemand glauben, das eine Momentum-Aktie so einfach dreht, nur weil jeder sehen kann, wie überbewertet sie ist. Der Markt macht höchst selten, was alle sehen können. Ich erinnere in dem Zusammenhang nur an Volkswagen, während der Schlacht um Porsche. VW war bei 500€ auch völlig überbewertet und stieg dann in einem brutalen und historischen Short-Squeeze wohin ? Genau, bis 1000 € ! AUA !

Niemand sollte sich also vor die Kurswalze Tesla stellen, nur weil er bzw. sie auch sehen kann, was jeder Mitbürger mit einem dreistelligen IQ sowieso sehen kann: Tesla ist überbewertet, aber who cares ? 😉

Geld kann man auf der Short Seite nicht machen, in dem man sich gegen den Markt stellt. Geld macht man, wenn man mit angeschlagenen Aktien die Reise nach unten mitmacht. Man muss also geduldig warten, bis der Zeitpunkt gekommen ist. Und dafür muss der Kurs erst einmal beweisen, dass es dieses mal wirklich nach unten geht.

Nun haben wir bei Tesla dafür aber eine neue Chance. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart eines der sensationellsten Aufwärtstrends, die ich überhaupt je gesehen habe:

Tesla Motors 03.10.13

Sie sehen dass sich Tesla seit 2 Tagen in einer bedeutenden Korrektur befindet. Die entscheidende Frage ist dabei, ob es nur ein neues Tief im bestehenden Aufwärtstrend wird, oder ob nun ein Trendbruch folgt. Und wenn der Trend bricht, dürfte es schnell bis zur 100 USD Markte herunter gehen.

Das erste Warnsignal für den Trendbruch wäre, wenn die untere Trendlinie auch durchbrochen wird. Entscheidend ist aber, dass das Tief vom 08.09.13 bei 158,51 USD hält. Dort in der Nähe befindet sich auch die 50-Tage-Linie. Kann also die Unterstützung um 160 USD den Fall dieses mal nicht stoppen, dann hätten wir ein klares Signal, das dieses mal etwas anders ist im Lande Tesla und der Trend in Frage steht.

Dann kann man dem Gedanken an einen Short vielleicht näher treten. Vorher aber, hat der Trend unseren Respekt verdient. Ich denke immer daran, das solche starken Momentum-Aktien typischerweise lange brauchen, bis sie wirklich einbrechen, bis der Schub der gierig wartenden "Dip-Käufer" ausbleibt. Ich stelle mich nicht gegen den Markt und ich rate nicht. Ich warte geduldig, bis die Zeit vielleicht gekommen ist. Manchmal fällt das schwer und es juckt einen in den Fingern. Aber dann sollte man sich in den Haaren kratzen und nicht in die Tasten des Handelssystems greifen. Warten fällt schwer - gerade auch mir - aber es muss sein.

Und nach der giftigen Korrektur - wenn sie denn kommt - werde ich nicht vergessen, mir Tesla wieder ins Depot zu legen. Denn die mittelfristigen Aussichten sind weiter hervorragend.

Ihr Hari

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