Die Steigung

Das Jahr 2018 macht da weiter, wo das Jahr 2017 aufgehört hat. Der Anstieg insbesondere der US Indizes ist gnadenlos, immer wieder ergeben sich neue Themen, die die Märkte weiter befeuern. War es gestern noch die US Steuerreform, ist es nun auch das US Infrastruktur-Programm, das auf die Agenda der Trump-Administration kommt.

Daraus ist ein massives Momentum im Markt entstanden, das man wunderbar im Leitindex SP500 mit dieser immer steiler werdenden Steigung darstellen kann:

Ich denke man erkennt sehr schön, wie die Steigung von einer dauerhaft tragfähigen Neigung in 2017, in 2018 nun auf eine Steilheit gewechselt ist, die der Markt nicht dauerhaft durchhalten kann.

Würde man diese Steigung auf das Jahresende hochrechnen, würde sich der SP500 vervielfachen, was natürlich kompletter Unfug ist.

Nun kann ich mir aber gleich vorstellen, wie einigen von Ihnen nun der "Finger juckt" sich dagegen zu stellen und auf fallende Kurse zu wetten.

Ich kann nur davor warnen. Denn derartiges Momentum hat die Tendenz immer viel weiter zu laufen, als wir uns vorstellen können und der Markt muss gar nichts. Mit diesem Momentum kann der problemlos erst einmal ein paar Wochen weiter steigen und die 3.000 erreichen, bevor er ernsthaft zu zucken beginnt.

Zu früh ist am Markt eben auch nur ein anderes Wort für *falsch*, denn die Verluste wären für Shorties auf dem Weg nach oben dann brutal.

Alles was dem klugen Anleger bleibt, ist demütig dem Markt zu folgen und dieses Momentum zu akzeptieren, statt es zu bekämpfen. Also mitzunehmen, was man sich bei geordnetem Risikomanagement zutraut.

Gleichzeitig muss dieser kluge Anleger sich aber bewusst machen, dass eine scharfe Korrektur von 20% in 2018 mit dieser steilen Bewegung eher wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher geworden ist, die Risiken steigen also deutlich.

Bei allem demütigen Mitgehen, muss man sich also immer wieder die Ausstiegspunkte zurecht legen und sozusagen schon den Fallschirm aufgeschnallt haben, damit man dann nur noch die Reissleine ziehen muss.

Ich weiss, das ist emotional keine besonders schöne Situation, sich zu zwingen dabei zu bleiben und gleichzeitig dabei auf den Zehenspitzen zu stehen. Viel lieber würde man sich entspannt zurücklehnen und einfach den Anstieg geniessen.

Aber wir haben keine Wahl. Wenn wir vom Momentum etwas mitnehmen wollen und trotzdem bei einer scharfen Korrektur nicht alles wieder verlieren wollen, müssen wir beides tun, so schwer es auch ist.

Übrigens, die US Indizes haben nun das Jahr 1995 als das mit dem längsten Anstieg ohne 5% Korrektur abgelöst. Wir sind also eindeutig in historischen Gewässern.

Ihr Hari

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Apple und GDX: zweimal Flash Crash und niemanden interessiert es

Was wir davon zu halten haben, wenn von der Politik immer wieder beschworen wird, dass unser Finanzsystem ja durch die diversen regulativen Eingriffe "stabiler" geworden sei, konnten wir diese Woche wieder bewundern. Die Antwort ist nämlich: Nichts!

Schon am Montag gab es bei Apple einen unerklärlichen Flash Crash, bei dem temporär mehr als 40 Milliarden USD in Sekunden vernichtet wurden. Nun hatten wir gestern Abend in der letzten Minute beim Goldminen ETF GDX das ähnliche Spiel. Der GDX brach in der letzten Handelsminute 10% ein, nur um Sekunden später wieder hoch zu schnellen.

Zero Hedge hat die dazu gehörenden Charts schon zusammen gestellt, insofern erspare ich mir, das híer erneut nachzuerzählen. Schauen Sie sich aber unbedingt die Charts im Artikel an!

Das Thema verdient unsere Aufmerksamkeit. Denn in beiden Fällen riecht das für mich geradezu danach, als ob jemand - typischerweise ein Computer - bewusst einen Circuit Braker am Handelsplatz ausgelöst hat.

In der alten Welt würde das keinen Sinn machen, weil wer real den Kurs so drückt, der danach wieder hoch schnellt, würde ja massive Verluste machen. In der schönen neuen Welt des Hochfrequenzhandels (HFT), ist die Lage aber nicht mehr so einfach. Ich kann hier nur spekulieren, mir aber sehr gut Szenarien vorstellen, mit denen man in der Lage ist, einen so grossen Stein ins Wasser zu werfen, dass man danach mit den zwangsläufig folgenden Wellen Geld machen kann.

Auf jeden Fall sind diese Circuit Breaker berechenbares Verhalten und mit berechenbarem Verhalten Dritter, können kluge Marktteilnehmer Geld machen - das war schon immer so. Und wenn dieser Marktteilnehmer in Millisekunden tausende Orders in den Markt geben und direkt danach wieder canceln kann - dann erst recht.

Was aber auch immer konkret dahinter steht, vier Schlussfolgerungen erscheinen mir wichtig:

1) Mit der viel beschworenen Stabilität der Börsen ist es nicht weit her und wirklich gelernt hat niemand.

2) Die Behauptung von HFT, man würde für Liquidität sorgen, wurde erneut als Unsinn enttarnt. Wäre echte, belastbare Liquidität im System, dürfte es bei der liquidesten Aktie der Welt - Apple - so einen Einbruch wie am Montag gar nicht geben.

3) Erschreckend ist für mich das scheinbare Desinteresse der Regulatoren. Wo bitte ist nun die SEC oder interessiert das niemanden mehr, was hier passiert? Da verliert Apple über 40 Milliarden Marktkapitalisierung in Sekunden und die SEC zuckt nicht einmal? Hallo ist da jemand?

4) Für uns Anleger wird damit klar, dass Stops im System nicht mehr tragbar sind. Gleichzeitig führt aber nach wie vor kein Weg an einem verlässlichen Risikomanagement vorbei. Das heisst, dass man mit gedanklichen Stops arbeiten muss, was geht, aber noch höhere Disziplin vom Anleger erfordert, wozu viele emotional nicht wirklich in der Lage sind. Oder man muss mehr mit Positionsgrössen und Hedging operieren, was aber nur bei grösseren Depots wirklich Sinn macht.

Ich finde es auf jeden Fall erschreckend zu sehen, wie traurig nach wie vor die Stabilität der Börsen ist. Und noch erschreckender ist, dass es kaum mehr jemanden aufregt. Solange bis ein ganzer Index mal so abraucht wie Apple und GDX. Dann ist das Jammern und Wehklagen wieder gross.

O Tempora O Mores!

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Sektorenstrategie mit ETFs – eine sinnvoller Weg für normale Anleger

Der folgende Artikel erschien am Freitag 25.07.14 16:00 in Hari Live

Das Wichtigste gleich vorne weg. Ich glaube, dass eine mittelfristige, ETF basierte Sektorenstrategie, für einen durchschnittlich erfahrenen Anleger mit durchschnittlichem Depotvolumen, in diesem Markt des Jahres 2014 die sinnvollste aktive Strategie ist.

Genau deshalb, biete ich Ihnen hier auch immer wieder und immer mehr die Sicht auf ganze Sektoren an, wie gerade heute wieder "Basic Resources" oder gestern "China". Oder meine klaren Aussagen zur Unterperformance des DAX, gegenüber anderen Indizes.

Sektorenstrategie bedeutet dabei, dass man sich als Anleger gar nicht um Einzelaktien kümmert, sondern in seinem Depot nur eine überschaubare Zahl von Sektoren via ETFs spielt. Sektoren können dabei Branchen, aber auch Länder oder Regionen sein.

Ein Anleger-Depot besteht dabei also aus vielleicht 3-10 ETFs, die dedizierte Sektoren repräsentieren und "thats it!"

Bevor ich die Vorteile dieser Strategie für einen normalen Anleger mit seiner beschränkten Zeit erkläre, will ich aber mal einen Blick darauf richten, wie denn Anfänger typischerweise zum Aktienmarkt stossen.

Denn das geschieht dummerweise fast immer über Einzelaktien. Man hat halt mal was gelesen, bekommt einen vermeintlich "heissen" Tip oder findet ein Produkt oder eine Firma ganz toll. Das sind alles ganz konkrete - und nicht abstrakte - Informationen, die uns auch emotional ansprechen. Schnell ist dann die Hoffnung da, aufgrund des eigenen "unermesslichen Ratschlusses" 😉 schnelle Gewinne zu erzielen und man ist Aktionär und eine lange Geschichte beginnt, die den Anleger dann nach einigen Bauchlandungen, hoffentlich irgendwann zu surveybuilder.info.de führt. 😉

Das Dumme ist nur, Einzelaktien sind gerade für Anfänger eigentlich am wenigsten geeignet. Denn da sind die Risiken viel höher, man muss Quartalszahlen beachten, wissen wie sich Dividenden auswirken, man muss Gerüchte werten können und wissen, was eine hohe Short-Quote bewirkt. Und jederzeit kann bei einer Einzelaktie eine Nachricht kommen, die alles verändert und den Titel mal eben um 10% bewegt, selbst bei grossen Konzernen ist das möglich, siehe heute Amazon.

Einzelaktien zu handeln ist also die "ganz harte Tour" und erfordert eine Menge Wissen und Können. Und zu allem Überfluss hat man als privater Anleger hier fast immer ein Informationsdefizit zu den Profis, die direkt mit dem Management und dem Umfeld reden können und in den Calls der CFOs hängen und diese aushorchen. Natürlich sind bei Einzelaktien für die höheren Risiken auch höhere Chancen geboten, aber der Anfänger am Aktienmarkt sieht typischerweise nur die Chancen und überschätzt sein vermeintliches Wissen massiv.

Viele dieser Nachteile sind aber bei Sektoren ETFs nicht vorhanden. Einzelne Quartalszahlen oder Nachrichten zu einzelnen Aktien kann man zwar zur Kenntnis nehmen, sie zu ignorieren ist aber auch nicht schlimm. Auch der Informationsvorsprung der Profis bei ganzen Sektoren ist bestenfalls minimal. Denn ganze Sektoren werden typischerweise durch Makrotrends und die weltweiten Geldströme bewegt. Und die grossen Geldströme setzen sich einfach nicht um 15:43 Uhr in Bewegung, um dann um 16:14 Uhr abzureissen, nein die bauen sich über Wochen auf und bleiben dann von der Tendenz her oft über Monate - und manchmal Jahre - erhalten.

Wer eine reine Sektorenstrategie fährt, muss sich also vor allem um die Geldströme und die grossen weltweiten Makrotrends kümmern und anhand von Vergleichen relativer Performance verschiedener Sektoren heraus bringen, welche Sektoren gerade Zuflüsse haben und welche Abflüsse. Und wenn man das aktuell tun würde, würde man wohl bemerken, dass der DAX gerade nicht angesagt ist, China und Basic Resources aber viel eher.

Diese Sektorenstrategie kann für hartgesottene Seelen mit klarer Strategie sogar einen weiteren Vorteil haben. Man kann unter gewissen Umständen auf Stops verzichten. Statt einer Stop-Strategie braucht man dann eine Umschichtungs-Strategie, was am Ende das Gleiche ist. Aber der Unterschied ist, man ist mit dem Kapital immer im Markt, was sich aber ändert ist in welchen Sektoren.

Wer wie oben darauf verzichtet Cash aufzubauen und immer im Markt ist, muss natürlich bereit sein, ein Ereignis wie 2008, wo alles fällt, dann auch durchzustehen. Aber selbst 2008 konnte man in Sektoren sein, die stark geschlachtet wurden und in Sektoren, die sich bei allen Verlusten noch brauchbar hielten. Ich empfehle so eine "immer voll investiert" Strategie nicht und mache das selber nicht. Aber wer Schwierigkeiten damit hat, mit Stops aus dem Markt zu gehen, fährt mit sinnvollen Umschichtungen zwischen den Sektoren immer noch besser, als mit sturem "Buy and Hold".

Aufgrund dieser Vorteile, erwähne ich hier oft Sektoren ETFs, die gerade "in" sind und gut laufen. Es macht einfach jede Menge Sinn, seine Aktivitäten in den Sektoren zu konzentrieren, in denen die Märkte Liquiditäts-Zuflüsse haben. Denn wie heisst es so schön: die Flut hebt alle Boote. 😉 Und diese Zuflüsse kann man über ETFs auch sehr schön tracken, es gibt Webseiten und Services, die genau diese Kapitalbewegungen rein und raus aus ETFs messen und daraus direktionale Aussagen zu Trends ableiten.

Welchen echten Nachteil hat diese Strategie für normale Anleger? In meinen Augen eigentlich keinen. Nur dass eine solche Strategie natürlich viel langweiliger ist, als die Aufregung und Spannung, einzelne Aktien zu handeln. Und das man mit einer Sektorenstrategie nicht die schnellen Gewinne machen kann, wie wenn man das richtige Biotech-Unternehmen erwischt, das mal eben um 300% steigt. 😉 Man hat aber eben umgedreht auch nicht die schnellen Verluste, die bei so "Hot Stocks" möglich sind.

Auf jeden Fall ist der normale Anleger bei einer Sektorenstrategie viel eher in der Lage, mit den Profis mitzuhalten. Denn was in der Welt los ist, liest man in den Medien und welche Sektoren ans Laufen kommen, kann man recht gut anhand der Charts sehen.

Ihnen müsste doch in den letzten Jahren aufgefallen sein, dass ich bei Einzelaktien natürlich genau so von plötzlichen Wendungen überrascht werden kann, wie jeder Mensch ohne Glaskugel auch. Bei den Sektoren ETFs dagegen, habe ich ein sichtbar gutes Händchen, immer die Sektoren zu identifizieren, in denen gerade etwas geht.

Auch vom Zeithorizont her, passt eine reine, ETF-basierte Sektorenstrategie, sehr gut zu Anlegern, die weniger Zeit haben. Denn solche Sektorentrends drehen sich vielleicht alle paar Monate und manchmal sogar erst nach mehr als einem Jahr. Und im Jahr einen Trade 1-4 mal umschlagen und umschichten, ist eine ideale Frequenz für durchschnittliche Privatanleger, um synchron mit dem Weltgeschehen, ihr Depot aktiv zu verwalten.

Also, denken Sie mal über so eine Strategie nach: konsequent keine einzelnen Aktien und immer eine Hand voll Sektoren, die Sie aktiv nach Verlauf im mittelfristigen Chart und nach den Geldströmen in den ETFs umschichten.

Wie gesagt, in meinen Augen ist das für viele normale Anleger, beim aktuellen Marktverhalten im Jahr 2014, die am besten passende Anlagemethodik, die ich kenne. Und welche Sektoren gerade en Vogue sind und gut laufen, erfahren Sie ja hier auf surveybuilder.info.

Ihr Hari

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Gold und Silber Marktupdate – Ausbruch und Bodenbildung

Es wird Zeit für ein aktuelles Marktupdate zu Gold und Silber.

Das Gold - hier als XAUUSD mit Tageskerzen dargestellt - wieder über 1300 USD steht, dürfte wohl kaum jemand übersehen haben. Das Preis-Verhalten (Price-Action) bei Gold hat sich auch drastisch verbessert, die negativen Einschläge über Nacht bleiben aus. Sicheres Indiz dafür, dass das "Big Money" nun die Seiten gewechselt hat.

Gold 14.02.14

Auch die Goldminen scheinen eine klare Bodenbildung zu vollziehen und bieten derzeit attraktive Chancen.

Trotzdem ist bei Gold immer noch Vorsicht geboten, denn der mittelfristige Abwärtstrend existiert weiter und erst ein Anstieg über das 38er Fibonacci Retracement bei 1415 USD, das bei Gold näherungsweise mit dem Hoch vom 28.08.14 bei 1433 USD korreliert, würde auch im mittelfristigen Bild den Abwärtstrend bei Gold brechen.

Bis dahin macht es Sinn, dem neuen Trend aufwärts zu folgen, aber erst auf obigen Niveaus hat sich Gold wirklich frei geschwommen. Und ein temporäres Retracement herab zur Ausbruchszone oberhalb 1270 USD, sollte nun auch jeder als eine Möglichkeit auf dem Radar haben. Aber es ist nur eine Möglichkeit, im Sektor hat sich so viel Energie aufgestaut, dass diese nun auch zu einem schnellen Lauf nach oben führen könnte.

Die nach meiner Erfahrung beste Art damit umzugehen, ist einfach ruhig nach oben mitzugehen und für den Fall des Falles - der am Markt immer eintreten kann - nicht zu enge Stops zu setzen, die einen gegen ein Desaster schützen. Zwei mögliche Stopniveaus als reine "Desaster-Protection" habe ich eingezeichnet.

Weniger beobachtet, in meinen Augen aber noch spannender, ist die Lage bei Silber, hier auch in der Form XAGUSD mit Tageskerzen dargestellt:

Silber 14.02.14

Sie sehen, dass Silber gerade einen bedeutenden Ausbruch aus einer monatelangen Bodenbildung vollzieht. Und diese Bodenbildung hat als I-Tüpfelchen auch noch eine eindrucksvolle Umkehrformation.

Und Silber hat eine Historie darin, nach langer Konsolidierung mit Macht auszubrechen, wenn der Knoten endlich mal gelöst wird. Als Musterbeispiel habe ich Ihnen das Geschehen von letztem August im Chart markiert.

Insofern bietet sich bei Silber nun eine interessante Trading-Chance. Auch hier sind Stops natürlich zwingend, denn sicher ist am Markt gar nichts. Mögliche Niveaus habe ich eingezeichnet und sollte man je nach Risikoneigung und Zeithorizont wählen.

Ähnlich wie bei Gold gilt aber auch bei Silber, dass der übergeordnete Abwärtstrend unverändert intakt ist und insofern gibt es keinen Grund für verfrühte Euphorie und Blütenträume, weder bei Gold noch bei Silber. Wir haben hier einfach ein auf der kurzfristigen Ebene interessantes Setup. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ihr Hari

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Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt

Derzeit erleben wir im Marktsentiment der Aktienmärkte so etwas wie eine "Kapitulation" der verbliebenen Bären und Skeptiker. Viele Marktteilnehmer haben seit 2009 nicht an diesen Markt geglaubt, standen mit ihrem Depot im Abseits und haben die Anstiege emotional bekämpft. Wir erleben einen der meist gehassten Bullenmärkte der Geschichte.

Und nun nähert sich das Jahresende, die Indizes sind auf historischen Höchstständen und es geht trotzdem einfach immer weiter aufwärts und aufwärts. Diverse Auswertungen der Sentimentdaten zeigen, dass das Bullenlager zuletzt drastisch gewachsen ist, die erwähnte Kapitulation der Bären scheint also nun im Gange.

Nun wissen erfahrene Leser, dass genau dieser Moment der Kapitulation der letzten Bären, mit erhöhten Risiken verbunden ist, denn er steht gerne am Ende einer Aufwärtsbewegung und nicht am Anfang. Und nach 5 Jahren des Anstiegs, wäre dafür ja auch mal langsam Zeit. Aber das ist so offensichtlich, dass es fast schon wieder unwahrscheinlich wird und darüber will ich heute auch gar nicht schreiben.

Ich will heute über die vergangenen 5 Jahre schreiben, in denen so viele, so immens viel von dieser sensationellen Aufwärtsbewegung verpasst haben. Und ich will aufzeigen, woran das liegt. Denn zu viele haben zu oft emotional gegen den Markt gekämpft.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie bitte mal zur Einstimmung die ehrlichen Gedanken und Gefühle vom jemandem, der nun seit mehr oder weniger 5 Jahren emotional gegen den Markt und die Notenbanken kämpft:

Das gibt Ihnen einen guten Eindruck davon, was in so Menschen aktuell vorgeht. Und ich habe es meinen Lesern schon oft gesagt und kann es nur wiederholen: vermeiden Sie unbedingt solche psychologischen Fallen ! Trennen Sie unbedingt Ihre Sicht auf die Welt und Ihre Überzeugungen, von den Handlungen, mit denen Sie versuchen Ihr Depot zu füllen.

Sie wissen, wie kritisch ich vieles sehe, was da im Bereich der Notenbanken in der Gegenwart abgeht und das ich am Ende auch an ein „dickes Ende“ der Geschichte glaube. Vielleicht kommt ein Zeitpunkt, an dem wieder ein wütender Mob vor den Regierungs-Gebäuden und Notenbank-Kathedralen stehen wird und die Verantwortlichen lynchen will. Alles schon mal dagewesen und es gibt keine Sicherheit, dass es nicht wiederkommt. Und wenn dieser Moment kommt, werden Leute wie unser Autor oben dann völlig zu Recht "siehste" sagen. Nur wird sich auch dann die Masse nicht an die Warner der Gegenwart erinnern – bestenfalls in akademischen Zirkeln. Die Anführer des Mobs werden aber andere sein, Populisten die den neuen „Trend“ rechtzeitig erkannt haben und sich als Protagonisten an die Spitze setzen konnten. Populisten, die heute vielleicht eine ganz andere Sau durchs Dorf treiben.

Ich kann auch ein anderes hypothetisches Beispiel bemühen. Nehmen wir an, Sie als ein fähiger Astronom wissen heute, dass in 5 Jahren von jetzt ein riesiger Asteroid die Erde treffen wird. Von totaler Vernichtung des Lebens ausserhalb der Ozeane, bis zumindest kontinentalem Genozid ist alles drin. Und Sie wissen, dass Sie es nicht ändern können. Macht es dann Sinn, sich heute schon unter der Erde zu verkriechen ? Sich vielleicht einen Monat vorher ihre Familie zu schnappen und an den relativ sichersten Ort der Welt zu gehen und dort Vorräte anzulegen, mag ja noch Sinn machen. Aber heute ? Man muss sich sogar fragen, will man so ein Wissen überhaupt haben ? Denn es verhindert vielleicht noch 5 glücklich gelebte Jahre ?

Der Punkt ist: unsere Leben findet im Hier und Jetzt statt. Die Zukunft ist die Zukunft und unbestimmt. Es macht natürlich Sinn, über die Zukunft nachzudenken. Und es macht auch Sinn, sich im vernünftigen Rahmen auf die Zukunft vorzubereiten. Es ist aber unsinnig und völlig kontraproduktiv, das eigene Handeln im Hier und Jetzt ausschliesslich von Ängsten um eine mögliche, aber nicht sichere, Zukunft bestimmen und beherrschen zu lassen.

Und so ist es auch bei der Geldanlage. Man mag über die aktuelle Notenbankpolitik denken was man will. Und wer dabei nicht zumindest ein flaues Gefühl der Unsicherheit im Magen hat, der hat mit Verlaub keinen Verstand – die Notenbanker haben dieses flaue Gefühl doch auch, auch wenn sie darüber nicht reden. Alle mit Verstand wissen, dass wir uns in einem historisch einmaligen Experiment befinden und der Einsatz immens hoch ist.

Und trotzdem, das Geld im Depot wird im Hier und Jetzt verdient. Und im Hier und Jetzt steigt dieser Markt. Im Hier und Jetzt, haben wir einen offensichtlichen, gewaltigen Bullenmarkt. Sich permanent emotional dagegen zu stellen, macht das Leben zur Hölle, frustriert und generiert am Ende nur rote Zahlen im Depot.

Und es gibt auch einen Weg, wie man die objektive, rationale Skepsis und das Handeln mit dem Trend, wieder in Einklang bringen kann. Und das ist, das hier im Blog immer wieder beschriebene Denken in konkreten Setups und Handeln mit "Reissleine", also mit - zumindest gedanklichen - Stops.

Denn das Denken in definierten Setups, mit definierten Exit-Marken, befreit von der Angst, wenn man es konsequent betreibt. Bevor man die Position überhaupt eingeht, überlegt man sich, wie viel man maximal in diesem Trade riskieren – also verlieren - will und schreibt den Betrag gedanklich ab.

Die „Trauerarbeit“ um den Verlust findet also schon vorher statt, zu dem Zeitpunkt wo man den Trade eingeht. Hat man das geschafft, kann man von da an nur noch gewinnen. Und das befreit emotional enorm und ermöglicht Ihnen Trends mitzugehen, die Sie nie anfassen würden, wenn Sie eine Entscheidung für etwas treffen müssten, woran Sie gar nicht glauben. Mit einem Setup aber, stellen Sie emotional nur einen Zeh ins Wasser und Ihr Stop definiert, wie schnell der Zeh wieder draussen ist. Und Sie wissen ja, starke Trends dauern oft länger, als wir uns alle vorstellen können. Wenn ein Trend mit Macht begonnen hat, kann man oft immer noch mit gutem Gewissen aufspringen, die letzten 5 Jahre an den Märkten sind auch dafür erneut Beleg.

Mit dieser Denkstruktur wäre man schon 2009 Long eingestiegen und wäre immer noch - oder mit einer Pause 2011 wieder - dabei, statt dem Markt zu misstrauen und klüger als der Markt sein zu wollen. Aber im Herzen könnte man immer noch ein Skeptiker sein, der den Tag der Abrechnung kommen sieht. Bis dieser Tag aber kommt, hat man gut verdient. Und wenn der Tag der Abrechnung kommt, kegeln einen die Stops raus und es ist dann immer noch früh genug, die Bärenkrallen in das Fleisch all der auf der Party zu spät angekommenen und nun panischen Kühe zu schlagen – die ehedem mal röhrende Bullen waren.

Für unser konkretes Handeln an den Märkten ist also wichtig:

(1) Gewinne werden im Hier und Jetzt mit dem Markt erzielt und nicht gegen ihn.

(2) Zukunftserwartungen, Vorsicht und ein Blick auf mögliche Entwicklungen sind wichtige Fähigkeiten um sich rechtzeitig einzustellen, aufmerksam zu bleiben und wenn nötig schnell „die Kurve“ zu kriegen.

(3) Eine mögliche Zukunft darf aber nicht unser Handeln im Hier und Jetzt überlagern und verzerren. Die Zukunft ist nicht gewiss, wir bilden uns nur manchmal ein, sie wäre es.

(4) Vorsicht und Handeln sind verschiedenen Dinge. Vorsicht kann zu Handeln führen, wenn die gefürchteten Bedingungen eintreten. Wer aber nur auf Verdacht handelt, holt sich in der Regel eine blutige Nase.

(5) Wir sollten unsere Energie auf die Dinge konzentrieren, die wir selber beeinflussen können. Die aber besonders gut machen. Was wir nicht beeinflussen können, müssen wir dagegen hinnehmen und uns anpassen.

Lamentieren Sie also gerne über einen überzogenen Markt und "verrückt" gewordene Notenbanker so viel Sie wollen, alles kein Problem - das kann sogar der Seele gut tun, mal den Frust abzulassen. Aber handeln Sie an den Märkten nicht danach !

Real ist nur das, was der Markt wirklich tut und nicht das, was Sie gerne hätten, das er tut. Und dieser Markt steigt. Und zwar so lange, bis er nicht mehr steigt. Und diesen Moment des Trend-Wechsels kann man auch erkennen, wenn man mit klaren, gut durchdachten Marken operiert, die einem das Ende des Bullenmarkets indizieren.

Der Preis dafür ? Das man vielleicht ein paar Prozent von den Höchstständen wieder abgegeben wird, wenn die Stops dann Triggern und "Exit" signalisieren. Aber was sind schon 10%, wenn man vorher zum Beispiel im DAX den Weg von 3589 am 09.03.2009 bis zu 9254 gestern mitgegangen ist ? Übrigens, zum Mitschreiben, das waren 158% Anstieg vom Tief am 09.03.2009 ! Hat es sich also wirklich gelohnt, den Markt jahrelang zu bekämpfen ?

Übrigens wirkt dieser Mechanismus in beide Richtungen. Denn irgendwann wird die grosse Korrektur ohne jeden Zweifel einsetzen. Vielleicht heute, vielleicht erst 2015. Und es wird über Wochen und Monate nervenzehrend nach unten gehen. Und genau die gleichen Menschen, die nun jahrelang gegen den Markt gekämpft haben, werden dann viel zu früh schon wieder einsteigen, weil jetzt ist der Markt für sie ja vermeintlich "billig genug". Ist er aber erneut nicht und es geht auch in der Abwärtsbewegung oft weiter runter als man erwartet. Erneut kämpfen die gleichen Menschen dann gegen den Markt, weil sie erneut klüger sein wollen, als alle anderen Marktteilnehmer zusammen. Das pflegt das eigene Ego, machen Sie sich aber klar, dass das Ego an den Börsen unser grösster Feind ist und unglaublich viele Verluste in Depots auf dem Gewissen hat.

Merken Sie sich also unbedingt für den nächsten Börsenzyklus, dass Sie dem Markt folgen und sich dabei mit guter Entfernung absichern. Die Absicherung darf nicht zu nahe sein und dient nur der "Katastrophen-Prävention". Und das Sie am Ende einiges von den letzten Gewinnen wieder abgeben, liegt dabei im System. Und trotzdem funktioniert es und ist einfacher und profitabler, als gegen den Markt zu kämpfen.

Ob Sie auf diesen aktuellen und langsam alternden Trend noch aufspringen wollen, können Sie nur selber entscheiden. Klar ist, es kann durchaus noch eine Zeit lang so weiter gehen. Klar ist aber auch, eine deutliche Korrektur ist nun langsam mal fällig.

Ihr Hari

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CFDs – Nur für Risikofreudige ?

Ein "Sponsored Article" von Milena Kannen, IG Markets

Wer sich heutzutage näher mit den Themen Börse und Investment beschäftigt, kommt am Thema schon lange nicht mehr vorbei. Die ursprünglich aus Großbritannien stammenden Derivate werden auch hierzulande immer beliebter; einer jährlich durchgeführten Studie des Marktforschungsinstituts Investmenttrends zufolge gab es 2012 in Deutschland 43 000 aktive CFD Trader, sowie 23 000 interessierte Finanzmarktteilnehmer, die derzeit noch nicht mit CFDs handeln, aber erwarten, in den nächsten zwölf Monaten Kunde bei einem Online Broker zu werden.

Die Abkürzung CFD steht für „Contract for Difference“, also ein Differenzgeschäft, bei dem sich zwei Vertragsparteien über einen Barausgleich einigen, der sich aus der Differenz von Bid- und Askpreis eines Underlyings (Basisinstrument) ergibt. Solche Basisinstrumente sind zum Beispiel Aktien, Devisen, Rohstoffe oder Indizes. CFDs werden nicht an der Börse gehandelt, sondern OTC („over the counter“) über einen CFD Broker.

Attraktiv ist der Handel mit CFDs vor allem auf Grund der geringen Haltekosten. Da Trader nur auf die Preisdifferenz spekulieren, das zugrunde liegende Asset aber zu keinem Zeitpunkt physisch besitzen, müssen sie nicht den Gesamtwert, sondern lediglich einen Bruchteil der Position als Sicherheitsleistung auf einem Marginkonto hinterlegen, je nach Broker zumeist zwischen einem und 10 Prozent. Damit CFD Händler aber dennoch in vollem Umfang an den Bewegungen des Marktes partizipieren können, kommt hier die Hebelwirkung (Leverage) ins Spiel: Je nach Höhe des eingesetzten Hebels, der entweder vom Broker vorgegeben oder vom Trader ausgewählt wird, vervielfacht sich der Gewinn pro Kontrakt. Ein Beispiel: Mit einem Hebel von 50:1 ließe sich bereits bei einem Kursanstieg des Underlyings von einem Prozent ein Gewinn von 50 Prozent des eingesetzten Kapitals realisieren, abzüglich anfallender Gebühren. Eine unerwartete Kursbewegung in die entgegengesetzte Richtung führt jedoch umgekehrt leicht zu einem Verlust der gleichen Größenordnung. Ohne ausreichende Absicherung durch wie Stopps und Limit Orders kann es also leicht zu Verlusten kommen, die die Einlagen überschreiten. Interessenten und aktive Trader sollten sich diese Risiken immer wieder bewusst machen, um rationale Entscheidungen zu treffen und nicht unterzugehen.

Auf der anderen Seite ist es jedoch auch falsch, CFDs als „Zockerprodukte“ zu verschreien. Sicherlich sind die meisten Trader hauptsächlich an kurzfristigen Kursveränderungen interessiert, doch es gibt keinen Grund, warum CFDs nicht auch für mittel- und längerfristige Strategien zum Einsatz kommen sollten. Dank ihrer Transparenz und Einfachheit der Handhabung sind sogar Hedge-Geschäfte mit CFDs durchaus denkbar. Nach Markowitz‘ Portfolio-Theorie sollte ein Depot ohnehin nicht nur in unterschiedliche Anlageklassen, sondern auch in verschiedene Handelsinstrumente aufgefächert sein. Auf Grund ihrer hohen Flexibilität und variablen Haltedauern können CFD Geschäfte nicht nur kurzfristig die Performance einzelner Werte maximieren, sondern insbesondere auch die Schwergewichte eines Portfolios effektiv gegen Volatilitäten in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit absichern, sodass diese vielseitigen Handelsinstrumente auch für konservativ ausgerichtete Anleger interessant sein können.

Der Handel mit Hebelprodukten beinhaltet ein hohes Risiko und ist nicht für jeden Anlegertyp geeignet. Stellen Sie darum sicher, dass Sie alle mit dem CFD Handel verbundenen Risiken verstanden haben und einschätzen können.

Milena Kannen ist Financial Writer und Researcher bei IG Markets, Deutschlands führendem CFD-Anbieter. Nach abgeschlossenem Journalistikstudium in Leipzig schreibt sie nun aus London über CFD-Handel, Charttechnik und Handelsstrategien sowie aktuelles Börsengeschehen.

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E.ON – Warum ich jetzt langfristig eingestiegen bin – 30.01.13

Eigentlich mag ich ja E.ON überhaupt nicht.

Ein fett gewordener Versorger, der sich über Jahre in Quasi-Monopol Gewinnen sonnen konnte. Ein Energieunternehmen, das massiv unter der Energiewende leidet und zukünftig unter dem Trend zur dezentralen Energieerzeugung leiden wird. Ein Konzern, der sein Geschäftsmodell und seine Strategie neu erfinden muss. Ein Unternehmen, das ich als Endkunde als teuer, unflexibel und ohne klare Strategie wahrnehme. Ein Grosskonzern, dem der Wind der "Political Correctness" heftig ins Gesicht weht und wohl weiter wehen wird.

All das und mehr sind gute Gründe, warum E.ON vom Kurs her nun bei gut 13 € notiert und nicht mehr bei über 50€ wie Anfang 2008. All das scheint aber nun im Kurs verarbeitet. Man könnte meinen, dass jeder Hohn- und Mistkübel den man über so ein Unternehmen ausschütten kann, nun ausgeschüttet wurde.

Aber auch technisch hatte der Verlauf der letzten Wochen einiges zu bieten, wie ja auch Lars Röhrig in seinem schönen Beitrag zum dargestellt hat.

Schauen wir doch mal auf das Tageschart von E.ON seit 2011 und rekapitulieren wir, wie ich die Aktie hier erlebt habe:

E.ON 30.01.13

Sie erinnern sich vielleicht: am 13.11.12, dem Tag des massiven Absturzes, habe ich einen rein taktischen Reboundtrade gewagt, da eine Aktie nach einem derart massiven zweistelligen Absturz in der Regel am Folgetag ein gutes Stück zurück kommt.

Als dieser Rebound nicht statt fand, bin ich sofort wieder raus und habe mich auf die Seitenlinie begeben. In dieser Phase wurde ich mehrfach gefragt, ob jetzt nicht die Zeit wäre E.ON zu kaufen und meine Antwort war eigentlich immer NEIN. Denn wenn eine Aktie nach so einem Absturz nicht bouncen kann, bedeutet das, dass eben KEINE Übertreibung vorhanden ist, sondern die Neubewertung noch nicht abgeschlossen ist.

So wartete ich bis in den Dezember hinein und als E.ON bei 13,6€ einen temporären Boden gefunden hatte, war die Zeit gekommen, sehr vorsichtig und mit engen Stops, die sich abzeichnende Stabilisierung zu spielen. Diese Stabilisierung stellte sich dann - durchaus nicht untypisch - ab Mitte Januar als Bärenflagge heraus. Durch enge Stops im Sinne der Trendfolge konnte der taktische Trade aber trotzdem mit leichten Gewinnen abgeschlossen werden und ich war wieder an der Seitenlinie. Es folgte der unvermeidliche, erneute Rutsch bis zeitweise knapp unter 13€.

Nun ist damit endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem ich E.ON nicht mehr nur rein taktisch als kurz- oder mittelfristigen Trade, sondern als langfristiges Investment betrachte. Denn auch wenn alle obigen Argumente wahr sind, haben wir es doch mit einem Unternehmen voller Substanz und mit grossem, positivem Cashflow zu tun. Und ohne grosse Versorger wird es auf absehbare Zeit auch in Deutschland nicht gehen. Darüber hinaus befindet sich E.ON nun auf dem Weg der geographischen Diversifizierung und erschliesst sich neue Geschäfte ausserhalb der Grenzen der "Energiewende".

Vom Sentiment her sind nun genug Mistkübel ausgegossen worden und es fällt mir schwer mir vorzustellen, wie die Wahrnehmung einer E.ON noch schlechter werden könnte. Und auch der Kurs ist nun bis auf die massive Unterstützung aus dem Jahr 2011 zurück gekommen.

Ich glaube daher, dass eine E.ON nun an dem berühmten Punkt sein könnte, wo alles Negative eingepreist wäre. Sollte diese Sicht richtig sein, wird die erste positive Nachricht - die irgendwann kommt, vielleicht Morgen oder in 3 Monaten - zu einer Neubewertung führen, weil Mr. Market plötzlich merkt, dass das Unternehmen doch nicht nur aus Problemen, sondern auch aus Chancen besteht.

Damit hat E.ON für mich nun den Punkt erreicht, der ein langfristig orientiertes Investment rechtfertigt. Ich bin nun also wieder Long E.ON und habe einen Stop, den ich ein Stück weit unter das Tief vom 12.09.11 gesetzt habe. Damit hat dieses Investment nun auch ausreichend Raum zu atmen.

Denn wenn man ein langfristiges Investment eingehen will, schaden zu enge Stops nur. Abgesehen davon, habe ich solche langfristigen Stops auch nicht im System eingegeben, sondern einfach zusammen mit dem Investment notiert. Es handelt sich also um einen gedanklichen Stop. Bei kurzfristigen Trades führt dagegen nach meiner Erfahrung kein Weg an im System hinterlegten Stops vorbei.

Und nun heisst es für mich einfach Geduld zu haben und zu warten, bis Mr. Market für E.ON eine andere Wahrnehmung entwickelt. Ich bin zuversichtlich, dass das in den kommenden Monaten passieren wird. Nur den Zeitpunkt kenne ich mangels Glaskugel ebenso wenig, wie jeder andere Marktteilnehmer.

Ihr Hari

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DAX & S&P500 – Das Röhren der Bullen – 28.01.13

Heute nur ein kurzer Kommentar zum Markt und zum deutlich hörbaren Röhren der Bullen.

Ich habe am Freitag anhand des -> Indecision Doji <- den Punkt gemacht, dass der S&P500 nun entweder endlich korrigiert oder in einen "Runaway-Move" übergeht.

Nun haben wir den Salat ;-), es scheint als ob sich Mr. Market für den Runaway Move entschieden hat. Der Liquiditätsdruck ist scheinbar einfach zu gross, um eine Korrektur zuzulassen.

Faktum ist, wir haben keinerlei bärische Setups in den Indizes, nur bullische Setups, die uns bis zu historischen Höchstständen und darüber hinaus führen könnten. Wir haben jede Menge Einzelaktien, die in massiven Breakouts sind und endlich die Tiefen der Eurokrise nachhaltig verlassen. Wir haben zwar eine überkaufte Markttechnik die nach einer Korrektur schreit, Oszillatoren spielen aber in einem Runaway Move keine Rolle. Und wir haben ein gewaltiges Momentum im Markt, jeder Dip wird gekauft.

Nach meiner Erfahrung wäre es ein Fehler dem Markt in so einer Situation mit zu grosser Skepsis zu begegnen. Natürlich kann jederzeit ein Einschlag kommen, vielleicht schon in einer Stunde, niemand weiss das ! Aber solange der Markt so massiv nach oben drängt, spielt man lieber mit der Bullenherde mit, statt sich dagegen zu stellen und zu versuchen klüger als der Markt zu sein.

Für uns Trader und Anleger bedeutet das nun wie folgt :

(1)
Der Markt ist so bullisch wie schon lange nicht mehr und man sollte mitnehmen was man kriegen kann ! Zu grosse Skepsis halte ich in solchen Momenten nicht für angesagt. Bedenken Sie, es spricht nun viel dafür, dass wir in S&P500 und DAX bald historische Höststände sehen. Unterschätzen Sie nie das Momentum, wenn die Herde der Bullen mal richtig in Bewegung gerät. Und Kraft-Futter haben die Bullen dank der Notenbanken mehr als genug.

(2)
Seien wir uns gleichzeitig bewusst, dass das Ende von derartigen Runaway Moves schnell und ohne Vorwarnung kommen kann. Und wenn es kommt, geht es dramatisch nach unten. Ich erinnere erneut an meinen Artikel zur -> Technik eines Runaway Moves <- !

(3)
Keiner, kein Mensch und kein Tool kann uns sagen, wann der Markt diesen Einschlag bekommt, der ihn aus seiner bullischen Euphorie heraus holt. Das kann schon übermorgen bei DAX 7900 sein oder erst Ende Februar bei vielleicht DAX 8500 ! Mein Gefühl spricht eher für das 8500er Szenario, aber das ist nur ein Gefühl und nichts wert !

Das Beste was wir nun also nach meiner Erfahrung tun können, ist mutig und aggressiv die bullischen Setups zu spielen, die uns der Markt bietet. Und gleichzeitig kompromisslos mit gedanklichen "Trailing Stops" zu operieren, die wir immer unter jeden kleinen Rücksetzer ziehen, sobald er hinter uns liegt.

Gedankliche Trailingstops meine ich, weil ich in solchen Situation von den automatischen Trailing Stops nichts halte, die mit festem Abstand mitlaufen. Da wird man nur dumm ausgestoppt. Besser ist mit normalen Stops zu operieren und die jeden Tag "per Hand" nachzuziehen, so dass defacto ein Trailing Stop entsteht. Denn so kann man die immer unter die letzte Mini-Korrektur nachziehen. Denn es kommt einfach darauf an, erst dann per Stop aus dem Markt geworfen zu werden, wenn der Runaway Move sich seinem Ende nähert. Und per Definitionem lässt ein Runaway Move niemanden von der Seitenlinie mehr einsteigen. Wenn also das erste Mal ältere Tiefs wieder unterboten werden, ist der Zeitpunkt gekommen auf die Seite zu treten.

In Summe werde ich also eher aggressiv agieren und gleichzeit kompromisslos absichern. So habe ich die Chance, so viel wie möglich von dieser Bullen-Stampede mitzunehmen. Und zwar so lange sie andauert, egal ob noch einen Tag oder 2 Monate !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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