Chart Rodeo ohne Worte – Siemens, Gold, Öl, S&P500, DAX und McDonalds



Heute gibt es im freien Bereich mal etwas Ungewöhnliches. Normalerweise, finden Sie von mir hier ja immer viele Worte der Erklärung.

Heute aber, stelle ich sozusage "ohne Worte", einfach ein paar Charts ein, die ich gestern Abend und heute früh vor Handelsstart, zusammen mit Erklärungen und anderen Themen, im Premium-Bereich eingestellt habe.

Hier im freien Bereich, sind Sie heute mal "selber dran", daraus Schlüsse zu ziehen. Gerade wie man solche Schlüsse zieht und wie so Charts "zu lesen" sind, ist immer wieder wesentlicher Inhalt hier im Blog.

Viel Spass:

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Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing

Der folgende Artikel entstand aus der Kombination eines am 29.01.14 in Hari Live erschienenen Artikels, sowie eines Forenkommentar zum Thema "Value Investing" vom 13.04.14.

Womit beginnt man denn eigentlich den langfristigen Vermögensaufbau ?

Dazu kann man Bücher schreiben, ich will deshalb nur einen kleinen Teilaspekt heraus greifen. Wer hier im Blog ist, hat dann bestimmt auch erkannt, dass zu einem langfristigen Vermögensaufbau die Beteiligung an Produktivkapital gehört und der nicht nur mit Tagesgeld erreicht werden kann. Denn sonst wären Sie wohl nicht hier. 😉

Ich betone auch ausdrücklich, es macht für jeden Anleger jede Menge Sinn, ein Basisdepot zu haben, dass er unter langfristigen Aspekten verwaltet und damit bei geringen Risiken einen langfristigen Aufbau erzielen kann. Wenn man dieses Depot hat, dann kann man sich auch mal mit einem kleineren Teil an eigene Anlagen wagen und dabei auch mal höhere Risiken eingehen.

Aber diese ruhige, stabile Basis ist für jeden privaten Anleger ganz wichtig, davon bin ich überzeugt. Wer als junger Mensch versucht, diesen Schritt zu überspringen und sozusagen mit den ersten 10.000€ im Sparstrumpf versucht, gleich durch Trading "reich" zu werden, wird zu 99,99% scheitern. Und die 0,01% sind dann halt echte Genies. Die soll es geben. 😉

Auch ich lebe diese Zweiteilung. Ich besitze ein ruhiges, langfristig orientiertes Investmentdepot und ein weit aggressiver verwaltetes Trading-Depot, mit dem ich eine Überrendite erziele.

Beginnen Sie also - gerade als junger Mensch - mit einer guten, langfristigen Basis in Ihrem Depot. Und dann, wenn Sie diese haben, beginnen Sie selber mehr zu wagen und Ihre Fähigkeiten zu testen. Und dazu will ich Ihnen heute einen vielleicht überraschenden Rat geben.

Denn wenn wir über diese Basis reden, stellt sich ja gleich die Frage: welche Aktien sollten Sie für so ein Basis-Depot wählen ?

Die Antwort ist offensichtlich und dazu gibt es unzählige sinnvolle Darstellungen. Es sind natürlich die grossen Bluechips mit positivem Cashflow, die auch Generationen überdauern, weil sie ein Geschäftsmodell haben, das immer trägt. Es sind Namen wie Nestle, Unilever, Roche, Novartis, General Electric, Siemens und so weiter und so fort.

Sie können jetzt längliche Diskussionen darüber führen, ob als Industrietitel im Moment ABB, Siemens oder GE die bessere Wahl wäre. Oder als Pharmatitel Roche, Novartis oder doch Sanofi. Sie werden dazu viele Meinungen lesen und wenn Sie zu viel Zeit haben, können Sie auch anfangen, die gigantischen Geschäftsberichte dieser Unternehmen zu lesen, im Irrglauben, daraus einen Vorteil für Ihre Anlage ziehen zu können.

Für den Trader sind diese Unterschiede auch sehr wichtig, weil der richtige Moment und die richtige Aktie mit der richtigen Markttechnik macht auf der mittleren Zeitebene schnell mal 10% Gewinn aus, die die andere Aktie dann nicht hat.

Für Sie, der Sie mit diesen Aktien einen langfristigen Vermögensaufbau betreiben wollen, sind diese Unterschiede aber nicht ganz so wichtig. In 2 Jahren hat vielleicht das Management gewechselt und dann ist sowieso alles anders. Als Lesestoff sind diese Geschäftsberichte ja interessant und es schadet nicht, wenn ein Aktionär weiss, was in seinem Unternehmen los ist. Als Entscheidungsgrundlage für die langfristige Auswahl können Sie das aber eher vergessen. Zumal die Qualität der Bilanzzahlen in den Zeiten des IFRS sowieso teilweise fragwürdig ist.

Und an dieser Stelle greift deshalb auch mein Rat. Ich kann nicht sehen, dass Sie für Ihr langfristiges Depot einen grossen Vorteil damit erzielen, dass Sie sich nun um die Aktienselektion dieser Bluechips für Ihren langfristigen Vermögensaufbau intensiv bemühen. Wie gesagt, es schadet auch nicht, aber es wird bei der Performance keinen grossen Unterschied machen.

Warum ? Ganz einfach, weil hunderte, ja tausende - in der Regel besser als Sie qualifizierte Vermögensberater und Fondmanager - sich genau diese Gedanken für ihre Fonds machen. Denn diese Titel sind in hunderten und tausenden Fonds und ETFs enthalten. Glauben Sie wirklich, dass Sie diese Selektion besser als diese Profis vornehmen können ? Was bringt es Ihnen, den Geschäftsbericht auch noch zu lesen, wenn die Profis es alle schon getan haben und deren Reaktion darauf, schon im Kursverlauf verarbeitet ist ?

Ich kann das Dilemma perfekt am Grossmeister der Geldanlage Warren Buffett festmachen. Den kennen Sie ja bestimmt und bewundern oder schätzen ihn. Nun wäre es für Sie ja ein Leichtes, Ihr kleines Vermögen von "Warren himself" verwalten zu lassen. Sie müssen dafür nur seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway (WKN: A0YjQ2) an der Börse kaufen. Und schon wird Ihr Geld vom grossen Warren verwaltet und Sie haben indirekt Wells Fargo, Coca Cola und Co. im Depot.

Warum also glauben Sie, bei der Auswahl von Aktien im Bereich dieser Bluechips auch noch Warren Buffett schlagen zu können ? Klar ich weiss, man ist als privater Anleger agiler, Buffett wird ja durch die Grösse des Riesentankers Berkshire sehr eingeschränkt und da ist ja auch noch das Fragezeichen, wie es mit Berkshire weiter geht, wenn er mal nicht mehr ist.

Ich will mit Berkshire ja auch nur einen Punkt machen. Es gibt auch in Deutschland richtig gute Fonds und Vermögensverwalter, die wissen was sie tun. Und denen Sie ihr Geld anvertrauen können und wissen, dass es dort professionell verwaltet wird. Und sich in Ihrem Depot genau die Art von Aktien finden, die ich oben beispielhaft erwähnt habe. Und Sie haben auch als Kleinanleger Zugang zu diesen Vermögensverwaltern, weil die in der Regel an der Börse notierte Fonds haben. Ich will hier keine konkrete Werbung machen, aber einige der guten Adressen wurden hier im Forum schon besprochen. Oder eben Sie gehen zu dem grossen Buffett selber, um Ihr Geld verwalten zu lassen.

Mein Punkt und Rat ist:

Geben Sie den langfristigen Vermögensaufbau in gute Hände. Wählen Sie eine Handvoll guter Fonds von seriösen Top-Leuten aus, die genau in die Aktien investieren, die für einen langfristigen Vermögensaufbau geeignet sind.

Oder - wenn Sie in Ihrer Börsen-Erfahrung etwas weiter sind - wählen Sie selber gezielt grosse ETFs aus, die voll replizierend die oben genannten Aktien kaufen. Und mischen Sie vielleicht noch Warren Buffet direkt bei. 😉 Und dann sparen Sie da an und lassen diese Positionen langsam akkumulieren.

Das ist dann Ihre ruhige Basis im Depot und die brauchen Sie, wenn Sie einen langfristigen Vermögensaufbau erreichen wollen. Und investieren Sie darüber hinaus in Ihr Wissen und Können rund um die Märkte. Und genau dafür, hat diese Community für Sie ein attraktives Angebot.

Konzentrieren Sie aber Ihre eigene Energie nicht darauf, besser als Warren Buffett sein zu wollen. Lassen Sie sich nicht von einem trivialisierten Zerrbild des "Value-Investing" blenden, das gerade in Deutschland allenthalben herum gereicht wird, weil es sich für die Anleger so gut anfühlt. Die Unmöglichkeit für Sie, mit Buffett zu konkurrieren, liegt gar nicht mal daran, dass Buffett so "einmalig" ist. Das man ihn heute nicht mehr 1zu1 kopieren kann, liegt auch daran, dass er seine grossen Erfolge in einer ganz anderen Zeit mit anderen Voraussetzungen hatte. Er würde heute selber grösste Probleme haben, sich selbst zu kopieren, weil viele seiner Aktionen damals (wie die Übernahme der Textilfabrik Berkshire) heute viel stärker beobachtet würden. Damals lief er damit noch weitgehend unter dem Radar, von der Lokalpresse mal abgesehen.

Und über Benjamin Grahams Ansatz ist sowieso die Zeit hinweg gegangen, weil viele Daten mit deren Ermittlung er sich noch einen Edge erarbeiten konnte, heute in der Welt des Internets als "Common Sense" mit einem Klick ablesbar sind. Von der Verbiegung ehedem verlässlicher Bilanzkennzahlen durch das IFRS mal ganz abgesehen. Die Welt ist halt anders geworden. Grahams Grundideen vom "Intelligent Investor" sind zeitlos und immer noch gültig. Und es ist deshalb immer noch eines der wichtigsten Bücher zum Investieren überhaupt. Aber so wie er damals, kann man das heute einfach nicht mehr 1zu1 umsetzen. Und Graham wäre mit seiner Intelligenz der Erste, der das begreifen würde.

Aber es gibt auch heute - unter anderen Rahmenbedingungen - richtig gute Value-Investoren, die durchaus in einer Liga mit dem früheren Buffett spielen, nur halt mit etwas anderer Methodik. Und insofern ist Buffett so einmalig nicht.

Mein Punkt dreht sich also nicht um Value-Investing an sich, das funktioniert durchaus, sondern um die Illusion vieler Privatanleger, es mit geringem Aufwand selbst tun zu können. Denn dieser Investmentansatz ist von allen, der mit den höchsten Anforderungen an fachliche Fähigkeiten, zeitlichen Einsatz und Kapitalkraft.

Nehmen wir mich selber als Rohmodell. Ich war Vorstandschef einer AG und auch im M&A Bereich tätig. Und war im M&A Umfeld mittendrin, wo börsennotierte Unternehmen zerlegt und veräussert wurden. Ich verstehe also, wie Investoren eine Firmenbewertung vornehmen und bin dazu selber in der Lage. Ich habe also die fachlichen und erfahrungstechnischen Voraussetzungen, um eine Safety Margin überhaupt kompetent identifizieren zu können.

Weiterhin arbeite ich Fulltime an den Märkten, habe also auch theoretisch die Zeit dazu, diese anspruchsvollen Bewertungsfragen vorzunehmen und mich inhaltlich mit den Geschäftsmodellen auseinander zu setzen. Ich habe also wahrscheinlich eher als 99,9% der privaten Anleger, die fachlichen und zeitlichen Voraussetzungen dafür, Value-Investing zu betreiben.

Und trotzdem versuche ich es nicht, weil mir bewusst ist, dass mir ein entscheidender Baustein fehlt, um es erfolgreich umsetzen zu können. Mir fehlt die Kapitalkraft hinter mir, damit ich direkten Zugang zu den Unternehmen und zum Management bekomme.

Und ohne diesen Zugang geht es nicht. Eine seriöse Firmenbewertung ohne Kenntnis des Managements vorzunehmen, ist fast unmöglich. Buffet hat es meines Wissens nie in seinem Leben ohne diesen Zugang getan. Und kein einziger Finanzinvestor der Welt, wird einen Cent in ein Unternehmen stecken, wenn er nicht vorher einen Eindruck vom Management hat. Nur einem direkten Mitbewerber kann das egal sein, weil die wirft er einfach raus. Aber selbst in dem Fall, ist das hoch riskant und wird von den übernehmenden Unternehmen vermieden.

Ich könnte also trotz meiner fachlichen Qualifikation nur dann einen Value-Investing Ansatz verfolgen, wenn ich zumindest Fonds-Manager wäre oder einem grossen Family-Office vorstehe, so dass mich die Firmen als Gesprächspartner empfangen und ernst nehmen. Ich habe diese Voraussetzung nicht. Und "Max Müller" auf der Strasse schon gar nicht. Value-Investing alleine vom Bürostuhl aus mit dem passiven Studieren von Bilanzkennziffern auszuüben, ist ein Zerrbild - Buffett ist so definitiv nicht reich geworden.

Wenn man sich das klar macht, wie jemand mit meinem Background das Thema sieht, kann man wirklich nur schmunzeln, wenn private Anleger mit normalem Beruf, am Feierabend dann ihre in der Grundschule erworbene Fähigkeit des Lesens von Zahlen einsetzen, um Werte wie KBV abzulesen, nach dem Motto "kleiner 1 ist gut" einzuordnen und sich dann als Value-Investor zu fühlen. Das ist schlicht absurd. Statt dieser Illusion aufzusitzen, wären sie besser beraten, ihr Kapital in einen Fonds eines echten Value-Investors zu stecken. Oder eben das Vermögen auf passive, voll replizierende ETFs zu verteilen. Man muss halt erst einmal von einer Sache etwas verstehen, um dann überhaupt zu wissen, was man nicht weiss. 😉

Value-Investing funktioniert also. Aber nur für Profis mit Kapital im Rücken, Fleiss, Zeit und fachlichen Fähigkeiten bei der Firmenbewertung. Die übergrosse Mehrheit der Anleger hat diese Voraussetzungen nicht.

Und deshalb sollten Sie sich - wenn Sie über Ihre Basisanlagen hinaus einen eigenen Mehrwert erzielen wollen - auf die Stellen konzentrieren, an denen Sie als Privatanleger tatsächlich in der Lage sind, sich mit vertretbarem Zeitaufwand und Wissen einen kleinen Edge zu erarbeiten.

Und das sind die Techniken der Markttechnik und insbesondere Trendfolge, die wir hier im Blog immer wieder thematisieren.

Durchaus auch bei den gleichen Titeln wie oben, aber eben aus einem ganz anderen Blickwinkel, dem Markttiming mit den Mitteln der Markttechnik. Und dabei das zu lernen, will Ihnen dieser Blog und seine Community helfen.

Schaffen Sie sich also eine Basis in Ihrem Vermögen, über die Sie sich keine Gedanken machen brauchen, weil das Vermögen in guten Händen ist. Und konzentrieren Sie sich dann als Ergänzung mit Ihrer Energie auf die Bereiche, in denen Sie eine realistische Chance haben, überdurchschnittliche Erfolge zu erzielen. Als 2 millionster Leser des Geschäftsberichts von Nestle ist das eher unwahrscheinlich. Lassen Sie den Geschäftsbericht von Ihren Fondsmanagern lesen. 😉

Ihr Hari

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ThyssenKrupp – das Interregnum vor dem Neuanfang

Treue Leser wissen, wie kritisch ich ThyssenKrupp (WKN: 750000) lange gesehen habe.

Artikel vom Februar 2012 wie -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <- oder vom Juli diesen Jahres wie -> Thyssenkrupp und das Problem Berthold Beitz <- legen davon Zeugnis ab.

Lange war die Aktie daher auf meiner "Igitt"-Liste und ausschlaggebend waren dafür für mich drei Faktoren:

  • Eine Krupp-Stiftung mit Berthold Beitz an der Spitze, die einerseits mit Sonderrechten im Aufsichtsrat die ThyssenKrupp AG de facto kontrollierte, andererseits aber zum Bremsklotz geworden war. Unter anderem weil sie - nach dem was man lesen konnte - mangels Finanzkraft scheinbar nicht in der Lage war, eine zwingend notwendige Kapitalerhöhung mitzugehen.
  • Ein Aufsichtsratsvorsitzender in Person von Gerhard Cromme, der alle Fehlentscheidungen bei ThyssenKrupp des letzten Jahrzehntes aus seiner herausgehobenen Rolle heraus mit zu verantworten hatte. Cromme ist ein Manager, den ich persönlich zwar für einen hervorragenden "Strippenzieher" halte, ansonsten aber für eher ungeeignet halte, ein Industrieunternehmen mit Kreativität, Offenheit und Tatendrang nach vorne zu führen. Zumindest sind mir persönlich derartig positive Entwicklungen in seinem "segensreichen Wirken" der Vergangenheit nicht aufgefallen - übrigens auch nicht bei Siemens, wo er noch Aufsichtsratsvorsitzender ist. Soweit meine ebenso bescheidene, wie persönliche Meinung zu Herrn Cromme.
  • Eine Unternehmenskultur, die natürlich massgeblich von den beiden obigen, herausgehobenen Herren mitgeprägt wurde und nach meinem persönlichen Eindruck von Hierarchiedenken, ja Seilschaften und Kaderdenken und teilweise auch Grossmannssucht geprägt war. Diese Unternehmenskultur hat nach meiner Überzeugung daran mitgewirkt, dass es ThyssenKrupp geschafft hat, exakt zum Höhepunkt der Stahlkonjunktur diese gigantischen Investitionen in Amerika anzustossen, die nun wie ein Klotz am Bein des Unternehmens hängen und das Kapital aufzehren. Ein 5-jähriges Kind ohne jedes Verständnis der Zyklizität der Stahlindustrie, hätte keinen schlechteren Zeitpunkt für die Investition finden können und ein Würfel hätte wahrscheinlich rein statistisch einen besseren Zeitpunkt gefunden.

    Auf jeden Fall sprechen Jagdpachten und Luxusreisen eine beredte Sprache dieser Unternehmenskultur. Und wenn Sie meinen, das ich mir das einbilde, schauen Sie noch einmal beispielhaft in Artikel der Welt von März diesen Jahres hinein, in dem sogar der neue Konzernchef Hiesinger mit einer ähnlichen Charakterisierung zitiert wird.

All das ist nun aber vergangen und Geschichte. Berthold Beitz ist von uns gegangen. Und bei all den Fehlern, an denen letztlich auch er in hohem Alter bei ThyssenKrupp beteiligt war, sind diese doch nur Petitessen im Angesicht eines erfüllten und ereignisreichen Lebens, das man mit Respekt betrachten sollte. Und Gerhard Cromme ist zurück getreten und beschränkt sein Wirken nun auf Siemens.

Damit hat Konzernchef Heinrich Hiesinger nun die Fäden in der Hand und von seiner zupackenden Art erhoffe ich nun Änderungen bei der Unternehmenskultur von ThyssenKrupp. Erfreulich ist auch, das es bisher nicht zu einem Notverkauf der amerikanischen Stahlwerke "um jeden Preis" gekommen ist. Denn wie ich schon mehrfach schrieb, wäre der Zeitpunkt in meinen Augen ebenso prozyklisch und unglücklich, wie der Zeitpunkt der Investition. Denn es ist gut möglich, dass der Boden des Stahlzyklus nun erreicht ist oder sogar schon hinter uns liegt.

Und zu guter Letzt hat ThyssenKrupp mit Cevian nun einen schwedischen Finanzinvestor an Bord, der einen guten Ruf in der Branche besitzt und ähnlich Deals schon erfolgreich durchzog. Auch das wird die Position von ThyssenKrupp stärken.

Damit hat Heinrich Hiesinger nun die Chance, mit einer grossen Kapitalerhöhung die Abhängigkeit von der Krupp-Stiftung zu durchschlagen und damit auch genügend Luft zu gewinnen, um keinen Notverkauf um jeden Preis bei den Stahlwerken durchführen zu müssen. Das wäre auch die Grundlage, dass man ThyssenKrupp an der Börse wieder aus der Sicht des Wertes der Einzelteile betrachten kann.

Wenn jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden, erleben wir vielleicht also gerade ein Interregnum, an das sich ein erfolgreicher Neuanfang bei ThyssenKrupp anschliesst. Ich würde es diesem Traditionskonzern wünschen.

Und weil das so ist, ist die Aktie nun auch nicht mehr auf meiner "Igitt"-Liste. Im Gegenteil, ich fange an, mich für einen Einstieg zu interessieren.

Wenn wir auf das Chart mit Tageskerzen schauen, sehen wir auch, dass die Aktie schon seit April einen neuen Aufwärtstrend begonnen hat. Sollte der Kurs nun - vielleicht im Zuge einer allgemeinen Marktkorrektur - zur Trendlinie und damit auch zur 200-Tage-Linie zurück kommen, könnte das ein interessanter Einstiegspunkt werden:

ThyssenKrupp 07.10.13

Im Moment aber neige ich noch dazu abzuwarten, zu wahrscheinlich markiert das Hoch vom 25.09. ein temporäres Hoch im neuen Trend. Und soooo eilig muss man es bei ThyssenKrupp nun auch nicht haben, eine Kapitalerhöhung dürfte den Kurs noch einmal nach unten zerren.

Die Zeit aber, in der ich die ThyssenKrupp Aktie konsequent geschnitten habe, ist nun definitiv vorbei.

Glückauf ThyssenKrupp !

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Das trojanische Pferd und das Ende von Nokia

09:00 Uhr. Heute ist ein trauriger Tag für Finnland. Das Ende von Nokia ist nach meiner Einschätzung da. Lesen Sie zunächst erst einmal die offiziellen Nachrichten.

Warum das Ende von Nokia werden Sie fragen ? Das will ich Ihnen im Folgenden erklären, denn ich persönlich habe den Eindruck des Vollzugs einer intelligent eingefädelten Zerschlagung zum primären Wohle Microsofts, die mit dem Wechsel von Stephen Elop auf den Chefwechsel am 21.09.2010 vor fast 3 Jahren begann.

Es ist sicher nicht so, dass es schon vor drei Jahren einen festen Plan gab, der einfach nur abgearbeitet wurde und das Stephen Elop insofern nur ein Trojanisches Pferd zum Wohle Microsofts war. Zu unberechenbar sind die Entwicklungen in der Branche, als das man 3 Jahre im voraus planen könnte. Und Stephen Elop hat vielleicht vor drei Jahren einfach nur eine grosse persönliche Chance ergriffen, ohne weitere Gedanken im Hinterkopf. Aber trotzdem haben viele der Schritte Nokias in den letzten Jahren in meinen Augen primär Microsoft gedient, was ich Ihnen im Folgenden darstellen will.

Dass das Ende nun gekommen ist, war für mich absehbar. Vielleicht erinnern Sie sich ja an meinen Artikel von vor ca. 9 Monaten, in dem ich Nokia wie Blackberry als -> Tote Katzen <- bezeichnet habe und nur Facebook von den Dreien Zukunftspotential zusprach ? Bei Nokia wie Blackberry hat sich das nun bewahrheitet und die Liebe der Privatanleger zu diesen Aktien war mal wieder die typische, fehlgeleitete Liebe zu "Fallen Angels" - die klassische Honigfalle, die wir auch bei Commerzbank, Praktiker und Co. immer wieder beobachten können und die viele Privatanleger zum Schaden Ihrer Depots wohl nie ablegen werden. Auch K+S hat aktuell das Potential in die gleiche Kategorie zu fallen.

Zu verlockend sehen Aktien ja auch aus, wenn man sie von früher gut kennt und diese früher viel teurer waren. Das fühlt sich dann emotional wie ein "Rabatt" an und man meint zuschlagen zu müssen. Dass der Markt aber gute Gründe hat eine Aktie nun anders zu bewerten, wird dabei übersehen. Und der Markt ist definitiv viel klüger, als all die Laien, die sich da etwas zusammen reimen.

Klar, wer nun in den letzten Wochen mit Nokia gezockt hat, wird nun durch den Verkauf an Microsoft nette Gewinne mitnehmen können. Diese Chance einer Übernahme war immer da und habe ich auch in meinem Artikel von vor 9 Monaten als einzige realistische Chance auf Gewinne bezeichnet. Aber wie viele Privatanleger sind immer noch seit Jahren bei Nokia drin und warten auf bessere Zeiten, so wie sie bei Commerzbank gewartet haben ? Diese Aktionäre wissen nun mit Gewissheit, dass sie Ihre Verluste nicht mehr wettmachen können.

Aber zurück zum Geschehen um Nokia. Schauen wir doch mal, wie sehr die Aktivitäten der letzten drei Jahre Microsoft gedient haben:

(1)

Vielleicht erinnen Sie sich ja daran, wie ich hier in den Anfängen von surveybuilder.info den von Elop betriebenen Wechsel Nokias weg von den eigenen Betriebssystemen Symbian und MeeGo hin zu Windows Mobile spöttisch gegeisselt habe ? 2 Jahre später fühle ich mich mehr als bestätigt. Den aktuellen, ärmlichen Zustand der Smartphone Umsätze hätte man locker auch mit Symbian und erst Recht mit MeeGo haben können. Genügend Zeit diese Systeme weiter zu entwickeln war auch - durch die Entscheidung zu Windows Mobile zu wechseln, hat sich Nokia ja auch für mehr als ein Jahr völlig aus dem Wettbewerb verabschiedet. Genau dieses Jahr war das entscheidende, in dem die Marke endgültig ihre Strahlkraft verloren hat.

Nein, der Wechsel war für mich völlig unnötig und hat primär Microsoft gedient, weil sich Nokia so selber kastriert und abhängig gemacht hat. Das Problem das Nokia hatte, war ja auch gar kein technologisches, MeeGo war gut genug. Es war primär ein Management-Problem - die Entwicklungsabteilungen waren zu behäbig und dem Wettbewerb von Apple und Google nicht mehr gewachsen. Dieses Problem hat man aber sowieso lösen müssen, der Wechsel zu Windows Mobile hat nur neue Probleme geschaffen und war aus Sicht von Nokia unnötig wie ein Kropf.

(2)

Was das "Ende von Nokia" angeht, könnten einige jetzt denken wieso, es gibt doch Nokia weiter ? Es wird doch "nur" das Smartphone Geschäft samt Patenten verkauft ?

Stimmt theoretisch, aber das verbleibende Netzwerkgeschäft hat in meinen Augen nicht das Potential dauerhaft selbstständig zu bleiben. Am Ende vermute ich, dass das Geschäft von Mitbewerbern wie Ericsson einverleibt wird und Nokia ganz vom Kurzszettel verschwindet. Man schaue auch mal am Kurs von Ericsson, wie schwierig dieses Infrastrukturgeschäft im Telekombereich ist, wo aggressive Mitbewerber aus China und Taiwan ala Huawei in den Markt drängen. Finnland ist damit sein bekanntestes Unternehmen los geworden. Eine Zeitlang wird es dort sicher noch ein Entwicklungszentrum von Microsoft geben, aber wie lange steht in den Sternen.

Vor dem Hintergrund dieser Aktion wird mir nun aber auch deutlicher, warum Nokias Managements so aggressiv Siemens aus dem NSN Joint Venture gedrängt hat. Das war nach meiner Vermutung eine nötige Voraussetzung um diesen Deal so machen zu können und hilft wiederum massiv Microsoft. Denn für den Übernehmer ist es viel einfacher, einen Teil eines börsennotierten Konzerns heraus zu kaufen, als ein komplettes Übernahmeangebot vorlegen zu müssen. Die Herauslösung von Nokia Networks aus dem Joint Venture war also vielleicht eher notwendige Voraussetzung, damit Microsoft nun diesen Schritt tun kann.

Und damit kommen wir zum dritten Punkt meiner Argumentation:

(3)

Stephen Elop - der Gedanke an ein trojanisches Pferd kann mir da schon kommen - auch wenn ich wie oben gesagt nicht an den grossen drei Jahre andauernden "Masterplan" glaube. Elop ist jetzt ein ganz heisser Kandidat auf die Nachfolge von Ballmer, der - Überraschung - vor kurzem zurück getreten ist. Damit hat Elop defacto - nicht aktienrechtlich und insofern legal - aber doch defacto mit sich selber verhandelt. Auf der einen Seite als Nokia Chef, der nun das Smartphonegeschäft an Microsoft schiebt und auf der anderen Seite als "mitgehender" neuer/alter Microsoft Mitarbeiter, der potentiell neuer CEO werden kann, aber zumindest eine sehr herausgehobene Funktion bei Microsoft haben wird.

Ich denke das "Geschmäckle" ist offensichtlich, auch wenn der Vorgang aktienrechtlich wohl legal ist. Und erneut hilft das am Ende Microsoft. Bei einer Komplett-Übernahme durch Microsoft wäre Elop aber nicht Verhandlungspartner gewesen, wie im Szenario der Herauslösung des Smartphone-Geschäftes. Bei einem Übernahmeangebot hätte sich Microsoft direkt mit den Nokia Aktionären auseinander setzen müssen. Und das wird typischerweise teuer. Sicher, auch jetzt wird Elop die Aktionäre fragen müssen, aber das ist ein weit einfacheres Szenario, als sich bei einem kompletten Übernahmeangebot mit aggressiven Mitspielern ala Icahn und Co. auseinander setzen zu müssen.

Summa Summarum, perfekt getimter Deal aus Sicht von Microsoft. Die Aussagen der Deal sei Ballmer bisher "zu teuer" gewesen, halte ich für ein Ablenkungsmanöver und für bewusst erzeugten Rauch, um den Blick der Gegner zu vernebeln. Dieser Deal - inklusive Patente - ist nicht teuer für Microsoft, der ist ungemein billig. Ich bin sicher, gäbe es Nokia nicht und jemand würde Microsoft heute das gleiche Portfolio an Patenten, Mitarbeitern und Produkten andienen - genau das was Microsoft nun dringend für seine neue Strategie braucht - dann würde Microsoft auch 10 Milliarden USD zahlen. Denken Sie daran, dass Microsoft für Skype locker 8,5 Milliarden USD gezahlt hat und das ganze Smartphone Geschäft von Nokia ist für Microsoft um Faktoren bedeutender, als ein einzelner Dienst für Video-Telephonie.

Nein, das ist nach meiner festen Überzeugung ein toller Deal für Microsoft und ich vermute, die Börse wird das heute auch Microsoft mit einem Premium danken und nicht wie üblich einen Übernahmeabschlag erzwingen. Ein Mitbewerber wird erst umarmt, dann kastriert und dann der schmackhafte Teil einverleibt. Und man bekommt auch gleich einen potentiellen CEO aus dem eigenen Stall geliefert, der nun Branchen-Knowhow aufsaugen konnte, das Microsoft bisher fehlte. Und nun hat Microsoft alle Inkredenzien beisammen, um ernsthaft gegen Apple und Co. antreten zu können.

Einfach perfekt und man könnte meinen, da hätte ein genialer Mastermind im Hintergrund einen perfekten Plan durchgezogen. Wie gesagt, so einfach wird es wohl nicht sein, zu wenig planbar ist die Zukunft und in dem Geschäft sowieso, aber zumindest zeigt Bill Gates nach meiner Meinung die Züge eines genialen Autisten und hat ohne jeden Zweifel einen extrem hohen IQ. Wer weiss ? 😉

Für die Aktionäre von Nokia heisst das in meinen Augen:

Nehmen Sie die schönen kurzfristigen Gewinne (oder verringerten Verluste) mit, die Ihnen Microsoft nun gewährt und schliessen Sie mit dem Kapitel Nokia ab. Ich werde das tun.

Es war eine schöne Zeit mit Dir liebe Nokia und ich war damals einer der ersten Kunden des ersten Communicators - des ersten "Smartphones" der Welt.

Rest in Peace Nokia ! Ich werde Dich vermissen.

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ABB, Qiagen, Vivendi, Daimler, Apple – Aktien, die mir einen Blick wert sind

Treue Leser von surveybuilder.info.de werden über die ersten der drei folgenden Namen nicht überrascht sein. Aber es schadet auch nicht, etwas Richtiges immer zu wiederholen. 😉

Die Indizes befinden sich immer noch in der Korrektur und insbesondere der DAX schwebt nahe am Abgrund und wurde nur durch die starke Wallstreet vom Freitag wieder über die 7500er Marke gehoben. Weitere Schwäche ist also durchaus denkbar und Vorsicht angebracht.

Andererseits bleiben die bullischen Grundstrukturen des Marktes durch die unveränderten Liquiditätseinschüsse der Notenbanken erhalten. Und der DAX hat nun vom Hoch bei 8074 bis zum Tief vom Freitag bei 7418 schon um 656 Punkte oder 8,1% korrigiert. Da ich persönlich nicht mit einem Crash rechne und das Abwärtspotential des DAX nach meiner jetzigen Marktsicht vielleicht bis ca. 7200 reicht, kann man also durchaus mal wieder anfangen, die Augen nach attraktiven Longs offen zu halten.

ABB (WKN 919730)

Der schweizerische Energie-Infrastruktur Spezialist ABB wurde hier mehrfach besprochen und ist aus dem Segment rund um Alstom, GE und Siemens immer noch mein Favorit.

Heute nun wurde bekannt, dass ABB in den Solarmarkt einsteigt: . Ein wie ich meine guter Zeitpunkt und weiteres Indiz, dass sich der Solarmarkt an einer Wendemarke befindet. Die einen gehen Pleite, den anderen steht eine profitable Zukunft bevor.

Vor allem aber zeigt die Reaktion des Marktes, dass er das ebenso sieht. ABB wird nicht, wie sonst bei so Übernahmen üblich, nach unten geprügelt und eine SMA Solar (WKN A0DJ6J) steigt als Mitbewerber von Power-One trotzdem um 9%. Scheinbar also ein zukunftsträchtiger Deal, den ABB da eingefädelt hat. Und da auch ABB nun schon deutlich korrigiert hat, kann man der Aktie nun vielleicht wieder näher treten.

Qiagen (WKN 901626)

Eine meiner Lieblingsaktien wurde hier auch mehrfach besprochen, zuletzt -> hier <-. Während an der Wallstreet der Biotech Sektor sich in einem massiven Bullenmarkt befindet und täglich neue Höchststände produziert, dümpelt der europäische und speziell deutsche Biotech-Markt aber eher vor sich hin. Den Unterschied machen Regulierung und mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten.

Qiagen wird gedanklich oft in diesen Topf geworfen, hat da aber nichts verloren, denn die grossen Konzerne der Welt sind Qiagens Kunden. Mit Qiagen kauft man also ein wirklich internationales Unternehmen, das für den Biotech-Boom die "Schaufeln" produziert. Gleichzeitig ist der Kurs in einer Konsolidierung seit Februar zurück gekommen. Wer langfristig an dieser Story teilhaben will, kann sich die Aktie nun mal genau anschauen.

Vivendi (WKN: 591068)

Auch zu Vivendi kann ich mich nur wiederholen. Haben Sie bemerkt, dass Vivendi in der Korrektur kaum nachgegeben hat ? Das Risiko nach unten scheint begrenzt. Der Konzern befindet sich im Prozess der Konzentration auf das Mediengeschäft. Im Moment liegt noch ein Konglomeratsabschlag auf dieser Aktie. Sobald sich dieser auflöst, könnte die Aktie schnell bei 20€ stehen, oder gute 20% höher. 6% Dividendenrendite versüssen die Wartezeit.

Apple (WKN: 865985)

Apple liefert am Dienstag Zahlen und das Sentiment ist sehr schlecht. Betrachtet man die negativen Erwartungen, das Aussmaß der schon gelaufenen Korrektur von den Hochs und die Tatsache, dass Apple nun in einer Unterstützungszone um die 2011er Kursniveaus vor Beginn des 2012 Schubes hängt, besteht keine geringe Möglichkeit, dass der Markt auf die Zahlen positiv reagiert, selbst wenn sie nicht berauschend sind. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass das reines Raten ist und ich kann das daher nicht empfehlen. Einen Blick ist diese Aktie aber nun an diesem entscheidenden Punkt alle mal wert !

Daimler (WKN: 710000)

Und zum Schluss noch ein Hinweis zu Daimler, die ich ja -> hier <- vor kurzem in Sachen Trendlinie thematisiert hatte. Daimler hatte letzte Woche auf der Trendlinie aufgesetzt. Ich sehe auf diesem Niveau eine gute Chance für eine positive Gegenbewegung. Wenn Sie also mit einer Aktie schon jetzt auf einen Rebound des DAX setzen wollen, schauen Sie sich vielleicht mal Daimler an.

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Verwobene Schicksale: Kleinfeld zu Linde ? Reitzle zu Siemens ? Cromme ?

Vielleicht liegt es daran, dass ich selber mal Chef eines - wenn auch nur mittelgrossen - Unternehmens war. Vielleicht liegt es daran, dass mir bewusst ist, welchen Unterschied eine einzelne Person an der richtigen Stelle machen kann.

Aber was auch immer der Grund ist, ich schaue bei meinen langfristigen Investments ganz genau auf das Topmanagement in Vorstand und Aufsichtsrat. Genau genommen ist das neben dem Geschäftsmodell sogar mein Hauptkriterium, nachdem ich die für mich "guten" von den "schlechten" Unternehmen trenne, wenn ich über ein längeres Investment abseits von reiner Markttechnik nachdenke.

Um so ärgerlicher finde ich es immer wieder - und auch das wissen Sie aus diversen Wutreden hier im Blog - wenn den Anlegern das sture Starren auf so zweifelhafte Indikatoren wie Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als "Value Investing" verkauft wird. Ich erinnere insbesondere an den Artikel -> Vom Irrsinn des IFRS oder warum der Buchwert kaum Aussagekraft mehr hat <- den Sie unbedingt mal lesen sollten, falls Sie das noch nicht getan haben.

Und richtig sauer werde ich, wenn dann immer wieder der ehrenwerte Warren Buffet als Testimonial für diese intellektuell äusserst dürftige Indikatorenlogik vereinnahmt wird, obwohl der sich gar nicht dagegen wehren kann. Der Verdacht, dass hier Menschen etwas verkauft werden soll ist für mich naheliegend.

Denn eines ist klar, wer sich mit Buffet beschäftigt hat weiss, welche immense Bedeutung er immer dem Management beigemessen hat. Es ist nicht übertrieben zu sagen, Buffet hat bei all seinen grossen Investments eigentlich immer eine persönliche Beziehung und persönliche Eindrücke vom Management aufgebaut. Und nur wenn er zutiefst von deren Fähigkeiten überzeugt war, setzte er seine Gelder in Gang. Es gibt wohl nur wenige Investoren, die dem Management so hohe Bedeutung zumessen wie Buffet.

Womit wir auch für unsere Investments bei dem zentralen Thema Management sind. Und nun wissen Sie ja, dass es da in Form der Linde (WKN 648300) ein Unternehmen gibt, dass ich hinsichtlich seines Geschäftsmodells für eine Perle halte und dem noch einiges zuzutrauen ist. Zu verdanken ist diese tolle Entwicklung unter anderem dem CEO Wolfgang Reitzle. Ich möchte zu ihm einfach aus einem ein Jahr alten Artikel hier auf surveybuilder.info.de zitieren:

"Seit 2003 verantwortet Wolfgang Reitzle das Geschäft als CEO. Er ist der lebende Beweis, dass man kein Fachmann sein muss, um als Top-Manager Erfolg zu haben. Denn als Reitzle von Jaguar, Aston Martin & Co. 2002 zu Linde kam, wusste er von Industriegasen vermutlich auch nicht sehr viel mehr als ich jetzt – nämlich fast nichts. Was er aber danach aus Linde gemacht hat, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab. Und “nebenher” hat er seit 2009 als Aufsichtsratchef massgeblichen Anteil daran, dass das Desaster rund um Schaeffler und Continental geräuschlos bereinigt wurde. Einer der heissesten Jobs die Deutschland damals zu vergeben hatte. Bravo kann ich da nur sagen !"

Und wir wissen, dass es in Form von Siemens (WKN 723610) da ein Unternehmen gibt, dass man als Urgestein der deutschen Unternehmen bezeichnen kann, fast ein Synonym für Deutschland. Und diese Siemens schwankt jetzt seit Jahrzehnten zwischen schweren Krise - wie zuletzt in der Korruptionsaffäre - und einer eher grauen Realität, in der es gerade mal so einigermassen läuft. Nur eine Phase des Aufbruchs, eine Phase in der Siemens von Erfolg zu Erfolg eilt wie nun Linde seit Jahren, so eine Phase hat es bei Siemens schon sehr, sehr lange nicht mehr gegeben.

Und auch die Börse sieht das natürlich so, vergleichen Sie mal die Kurse von Siemens und Linde in den letzten 10 Jahren. Und dann fragen Sie sich, was - oder genauer gesagt wer - da den Unterschied macht. Oder will jemand ernsthaft behaupten, die Mitarbeiter bei Siemens seien perse dümmer oder weniger engagiert als bei Linde ? Wohl kaum, das sind sie bestimmt nicht ! Auch wenn das Geschäftsmodell unterschiedlich ist, ist der Vergleich trotzdem frappierend und beides sind klassische Industrieunternehmen. Und auch gegenüber den direkten Mitbewerbern General Electric und ABB sieht Siemens für mich nicht mehr überzeugend aus.

Und dann haben wir da noch Klaus Kleinfeld und den Aluminium Konzern Alcoa (WKN 850206), um das Triumvirat der verwobenen Schicksale zu vollenden. Klaus Kleinfeld hat sich in den USA nun grosse Reputation erworben, denn unter ihm kommt Alcoa besser durch die Krise als viele der Mitbewerber. Und Klaus Kleinfeld ist nach meiner persönlichen Einschätzung wohl nur aus einem Grund bei Alcoa, weil er damals als Siemens Chef von Gerhard Cromme heraus gedrängt wurde, obwohl Kleinfeld mit der Korruptionsaffäre nichts zu tun hatte und ihm auch bis heute nie jemand etwas Konkretes vorwerfen konnte. Lesen Sie auch einen alten Artikel aus der Zeit bevor Kleinfeld zu Alcoa wechselte. In meinen Augen war Klaus Kleinfeld der beste Siemens CEO, den das Unternehmen seit langem hatte und vieles was sein Nachfolger Löscher als Erfolg verbuchen konnte, basierte auf grundlegenden Entscheidungen, die noch Kleinfeld veranlasst hatte.

Irgendwie sind diese drei Schicksale also miteinander verwoben. Und um den Kreis zu schliessen, seien die lange wabernden Gerüchte erwähnt, nach denen Reitzle 2007 auf dem Höhepunkt der Krise Chef bei Siemens werden sollte. An solchen Gerüchten ist oft etwas dran, denn wenn es Unsinn ist, könnte es auch sofort hart dementiert werden. Es ist also zu vermuten, dass es damals Sondierungsgespräche gegeben hatte. Lesen Sie . Reitzle sagte ab, warum überlasse ich Ihrer Phantasie.

Nun wird der heute 64-jährige Reitzle im Frühjahr 2014 als Linde CEO abtreten. Nach dem was man liest, wäre er wohl auf den Chefposten im Aufsichtsrat gewechselt, alleine die "Abkühlphase" des Corporate Governance Kodex verhindert das, ein Kodex an dem der "Meister" sauberer , Gerhard Cromme, in der Vergangenheit als Chef der Kommission massgeblich mitgewirkt hat.

Womit sich zwei wichtige Fragen stellen: erstens wer folgt Wolfgang Reitzle nach und zweitens wo engagiert sich Reitzle in der Zukunft ?

Vielleicht ahnen Sie jetzt worauf ich hinaus will. Deutschland sollte ein Interesse daran haben, seine besten Manager an der Spitze seiner Topunternehmen zu haben. Und ein Klaus Kleinfeld als Nachfolger von Wolfgang Reitzle bei Linde wäre in meinen Augen eine Idealbesetzung. Ob der in Amerika angekommene - und von seinem jugendlichen Drang her dort auch viel besser hinpassende - Kleinfeld das will, weiss ich nicht. Aber ein Ortswechsel wäre vielleicht gar nicht mal nötig, denn Linde hat durch die Lincare Übernahme ja nun auch in den US ein dickes Standbein und verdient abgesehen davon auch massiv am "Shale Gas" Boom mit.

Und Reitzle ? Nun ich bin mir ziemlich sicher - ohne das ich das belegen kann - dass ihn der Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens reizen würde, wenn ihm das angedient würde. Denn wen würde das nicht reizen ? Mit Reitzle würde bei Siemens auch frischer Wind wehen und die Chance bestehen, einen neuen, dynamischen "Kleinfeld" an die Spitze des Unternehmens zu bekommen.

Nur steht dem ein Mann im Weg, Gerhard Cromme. Verwobene Schicksale - wissen Sie jetzt was ich meine ? Nach seinem Abgang bei Thyssenkrupp dürfte Gerhard Cromme in meinen Augen nur schwer von Siemens zu lösen sein, zumal der aktuelle Siemens CEO Peter Löscher ihm ja wohl seinen Posten verdankt. Ich vermute so ist auch die Nachricht zu werten, dass Wolfgang Reitzle nun Verwaltungsratpräsident beim schweizer Zementhersteller Holcim wird - sehen Sie .

Einer unserer besten Manager Verwaltungsrat in Zement ? Nichts gegen Zement, aber ich finde Wolfgang Reitzle kann an anderer Stelle von grösserer Bedeutung für unsere industrielle Basis sein. Ich finde es zutiefst schade, um nicht zu sagen traurig, dass wir unsere besten Manager nicht auf die wirklich wichtigen Rollen hieven können.

Und welchen Unterschied ein gutes oder schlechtes Management macht, kann man nicht nur am Chart von Linde, sondern auch an dem 10-Jahres-Chart von Siemens und Thyssenkrupp bewundern. Und ich frage erneut: sind die Mitarbeiter in diesen Unternehmen unfähiger oder weniger engagiert ? Wohl kaum.

So bleibt mir nur, ein bisschen zu träumen. Kleinfeld zu Linde, Reitzle zu Siemens und Cromme weg .... das wäre für mich ein Paket, das ich lieben würde. Und dann könnte ich auch der Siemens Aktie mal wieder näher treten, was im Moment für mich kein Thema ist.

It´s the management stupid ! 😉

Ihr Hari

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Zehn interessante Setups zum Monatsbeginn – 04.03.13

Heute, vor Start des Handels an der Wallstreet, möchte ich mal einen ungewöhnlichen Artikel zu interessanten Setups "wagen".

Keine Marktanalyse, keine Chartsicht auf einzelne Aktien, keine Betrachtungen zu finanzpolitischen Themen.

Nein, ich möchte einfach Ideen generieren. Ich liefere Ihnen eine kleine Auswahl von zehn aktuellen Setups, die ich im Moment interessant finde. Und zwar ohne grosse Erklärung.

Viele dieser Setups wurden hier schon in Live-Tips oder im Forum erwähnt, für aufmerksame Leser sollten also keine all zu grossen Überraschungen dabei sein. Aber so gebündelt haben Sie derartige Ideen sicher noch nicht an einem Platz gehabt.

Und für neue Leser des Blogs sei noch der Disclaimer erlaubt: Nicht alle der Setups werden sich im positiven Sinne entwickeln. Darum geht es aber auch gar nicht, denn die Setups sind keine Prognosen. Es sind einfach Situationen, die in meinen Augen aktuell ein positives Chance-Risiko-Verhältnis beinhalten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger !

Keines dieser Setups sollte man ohne entsprechende Absicherung eingehen, denn niemand hat eine Glaskugel, auch ich nicht ! Und wenn sich 60% dieser Ideen in der erwarteten Richtung entwickeln, wäre das schon ein sehr positives Ergebnis ! Wenn Sie es dann noch schaffen, bei den 60% die Gewinne laufen zu lassen und bei den 40% die Verluste konsequent zu begrenzen, dürften sich in Summe schöne Gewinne einstellen. Dieses Risikomanagement und die Disziplin bei der Umsetzung der Strategie sind das Erfolgs-Geheimnis beim Trading. Die Zukunft erraten zu wollen ist dagegen sinnlos und bindet nur unnötig Energie.

So - und nach der Vorrede geht es nun los:

(1)
Long Euro, Short Yen und britisches Pfund. Also Long EURJPY, EURGBP. Das monetary Easing (Gelddrucken) der Notenbanken in Japan und GB ist wesentlich aggressiver, als das der EZB. Und eine Änderung dieser Divergenz ist nicht absehbar. Verbunden mit strukturellen Problemen in GB und Japan und einem Staat der defacto "Pleite" ist wenn die Notenbank nicht druckt, birgt das das Potential einer langfristigen relativen Schwächung der Währungen. Gleichzeitig ist der Euro durch die Wahl in Italien erfreulich zurück gekommen. Langfristiger "Global-Makro" Trade.

(2)
Long Veolia (WKN 501451) - Schöner Aufwärtstrend seit November, klare Umkehrformation, Aktie nimmt Momentum auf. Turnaround Wette. Mittelfristiger Trade.

(3)
Long Hewlett-Packard (WKN 851301) - Langfristwette, kurzfristig Korrektur denkbar. Aktie mit grossem Potential bei Zerschlagung des Konglomerats. Auch potentielle 3D Phantasie, im Druckerbereich ist HP nach wie vor eine Macht und eine Übernahme eines 3D Druck Spezialisten würde massive Skaleneffekte frei setzen.

(4)
Long Intel (WKN 855681) - Langfristwette, Aktie auf "Value"-Niveau. Jede Menge gedämpfte Erwartungen eingepreist. Wenig Downside.

(5)
Short - Beiersdorf (WKN 520000) - Berechtigte positive Erwartungen scheinen weitgehend eingepreist. Aktie scheint zu weit gelaufen. Kurzfristiges Potential nach oben noch vielleicht 10%. Unbedingt Quartalszahlen morgen am 05.03. abwarten, dann mögliche Positionierung. Die Analysten überbieten sich derzeit mit rosigen Prognosen, ein gutes Zeichen für einen Top. Ein Short wäre hier aber kein kurzfristiger Trade, sondern eine langfristige Wette. Als kurzfristiger Trade völlig ungeeignet ! Interessant scheint auch eine gegenläufige Wettte: Long Henkel, Short Beiersdorf in identischem Volumen. Also eine Wette auf eine Überperformance von Henkel gegenüber Beiersdorf.

(6)
Noch eine gegenläufige Wette im Sinne eines "Straddles" : Short Siemens (WKN 723610) und Long ABB oder GE ! Siemens hat strukturelle Probleme und einen scheinbar Und einen dominierenden AR Vorsitzenden, der sich schon bei ThyssenKrupp derzeit nicht mit und dort genügend Probleme hat. ABB und GE sind dagegen deutlich besser in Fahrt und sollten gegenüber Siemens weiter Boden gut machen.

(7)
Long Indonesien (ETF WKN DBX0EU). Momentum-Trade auf Basis des aktuellen Ausbruchs. Auch andere "Tigerstaaten" wie Malaysia sehen aktuell interessant aus.

(8)
Long Wacker Chemie (WCH888). Die Wende bei Polysilizium scheint keine Eintagesfliege zu sein. Abgesehen davon bietet Wacker ein stabiles Geschäftsmodell. Die aktuelle Schwäche ist überfällig und bietet vielleicht eine schöne Einstiegsgelegenheit. In der Zone 60-62€ erste Teil-Position aufbauen. Bei weiter gehender Schwäche Position erweitern und bis zur Zielgrösse ausbauen. Stop unter dem Tief 31.01.13.

(9)
Long Gold in USD XAUUSD. Sehr kurzfristiger Trade, Wette auf bullischen Doppelboden 21.02.13 und 01.03.13. Stop entsprechend sehr eng unter dem Tief vom 21.02.13 Ausgang völlig unklar - 50/50 - aber Potential nach oben weit höher als Risiko zum Stop. Für längerfristige Wetten unbedingt beachten, dass das Tief vom 16.05.12 bestimmt temporär unterschritten wird, falls der XAUUSD Kurs noch einmal in diese Nähe kommen sollte. Die Massen an Stops unter diesem Tief werden sich die Algos nicht entgehen lassen. Lassen Sie sich dort nicht abfischen !

(10)
Long Biotech. Langfrist Trade. Entweder über die US ETFs IBB und XBI oder über einzelne Titel in Europa wie Qiagen (WKN 901626). IBB ist mit Momentum zu neuen Hochs ausgebrochen. Hier etabliert sich möglicherweise ein neuer Bullenmarkt mit langfristigem Potential für viele, viele Jahre !

Ich wünsche viel Erfolg !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 25.05.12 – Wochenabschluss – DAX Lagebesprechung

19.30 Uhr - heute etwas früher, da ich nicht glaube, dass heute am Markt noch viel passiert.

Zum Abschluss der Woche und in Vorbereitung auf die kommende Woche, möchte ich heute eine Reihe von Punkten ansprechen, die mir im Moment bedeutsam erscheinen.

TAKTISCHES

Lassen wir mal die ganze Politik beiseite und schauen mal nur auf den Chart des DAX. Ich habe dazu den Chart des Futures in der Stundensicht gewählt, weil wir dort wegen der Handelszeit bis 22 Uhr weniger Gaps haben und daher eine kontinuierliche Entwicklung sehen können. Lassen Sie sich von der Komplexität des Bildes nicht verwirren, ich werde weiter unten die Szenarien erklären.

Denn ich will Ihnen zeigen, dass man die aktuelle Entwicklung ebenso bullisch wie bärisch interpretieren kann, je nachdem welchen Blickwinkel man einnimmt.

Betrachten wir zunächst das bullische Szenario, das durch die grünen Linien gekennzeichnet ist. Man kann argumentieren, dass wir einen Abwärtstrend hatten, der durch die Bewegung vom 21.05., vom Montag dieser Woche, gebrochen wurde. Weiter kann man argumentieren, dass die Tiefs von Montag zwar getestet, aber danach nicht mehr gebrochen wurden. Als Folge hat sich eine Trendlinie immer höhere Tiefs gebildet, die ein Zeichen für eine Trendwende sein könnte. Und man kann argumentieren, dass der Non-Event des EU Sondergipfels ja eigentlich schlechte Nachrichten waren, weil Hoffnungen zerstoben. Und trotzdem hat der Markt keine neuen Tiefs gebildet, normalerweise ein Indiz für eine bevorstehende Wende nach oben.

Im bärischen Szenario würde man zunächst den typischen Ablauf solcher Korrekturen sehen. Nach einem ersten Absturz kamen wir in der starken Unterstützungszone um 6400 zum halten und haben danach eine Seitwärtsbewegung durchgemacht, in der wir versuchten die vorherige Unterstützungszone von 6600 zurück zu erobern, die nun zum Widerstand geworden war. Nachdem das mehrfach nicht gelang und durch die Seitwärtsbewegung die überverkaufte Markttechnik abgebaut war, gab es den ganz typischen nächsten Schwall nach unten, der erst oberhalb 6200 zum Halten kam. Nun begann das gleiche Spiel, 6400 war zum Widerstand geworden und mehrfache Versuche diese Marke zurück zu erobern scheiterten. Mit dem heutigen Tag ist der überverkaufte Marktzustand auch wieder deutlich abgebaut, was Raum für den nächsten Schwall nach unten schafft, der dann eine Zone 6000-6200 etablieren könnte. Und im übrigen haben wir zu keinem Zeitpunkt die Linie des 200er Durchschnitts zurück erobern können, der durch die feine schwarze Linie dargestellt ist. Das ist eher das Zeichen eines bestehenden Abwärtstrends.

Soweit die beiden Sichtweisen. Sie merken vielleicht schon aus meinen Worten, das ich rein von dem her was ich im Chart sehe, eine leichte Präferenz zum bärischen Szenario habe. Für mich sieht das was der Markt aktuell macht eher nach einer Konsolidierung vor der nächsten Abwärtsbewegung, als nach einer Wende aus. Allerdings hat die markttechnische bzw charttechnische Analyse in so einem politischen Umfeld natürlich massive Grenzen, diese liefert nur dann brauchbare Erkenntnisse, wenn der Markt ohne starken Einfluss von aussen alleine schwingen kann.

Das ist aber definitiv nicht der Fall, am Ende entscheidet die Politik und der griechische Wähler über das kurzfristige Schicksal des DAX. Insofern bleibe ich bei meiner schon geäusserten Sicht einer leichten (55:45) Präferenz für weiter fallende Kurse. Substantiell geändert werden kann das Bild bis zum 17.06. wohl nur durch überraschende Entwicklungen, die wir alle im Moment noch nicht sehen.

Insofern, abwarten, Tee trinken und Kapital schützen. So einfach kann Strategie sein und so schwierig ist das umzusetzen. 😉

STRATEGISCHES

Je mehr ich darüber nachdenke, lese und verstehe, desto mehr wird mir klar, dass das Thema des "Shale Gas" in den US zu einem echten "Game-Changer" mit weltweiten Konsequenzen wird. Es sieht so aus, als ob den USA damit auf Jahrzehnte eine billige Energiequelle zur Verfügung steht, als Folge davon könnte die USA zu einem Netto-Exporteur von fossilen Energierohstoffen werden. Schon heute ist eine Anpassungsbewegung im Gange, in deren Folge Kraftwerke und energieintensive Industrie auf Gas umstellen. Und die US Administration fördert das massiv.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind erheblich. Geopolitisch dürfte der Nahe Osten mit seinen Ölvorräten damit seine strategische Bedeutung für die USA langsam verlieren, aber auch Länder wie Russland, die ausser Öl und Gaslieferungen nicht viel zu bieten haben, dürften mittelfristig ein Problem bekommen. Noch wichtiger ist aber der Effekt auf die amerikanische Schwerindustrie, die einen rasanten Wiederaufstieg erleben dürfte. In den alten, abgewrackten Industrieregionen rund um Pittsburgh macht sich jetzt schon Aufbruchsstimmung breit. Denn billige Energie verschafft der US Industrie erhebliche Wettbewerbsvorteile. Und das betrifft nicht nur die Schwerindustrie, sondern alle Industriezweige, die Öl als Kostenfaktor haben, so auch die Chemieindustrie wie zum Beispiel die alt ehrwürdige Dow Chemical (WKN 850917). Die BASF (WKN BASF11) hat das übrigens auch erkannt und baut schon in den USA ein Werk. Falls Sie es übersehen haben, sollten Sie unbedingt Interview mit dem US Chef von BASF lesen.

Übrigens, wir in Europa könnten den gleichen Boom erleben, so gibt es zum Beispiel in Polen, aber auch bei uns in der Norddeutschen Tiefebene, wahrscheinlich erhebliche Vorkommen unkonventionellen Gases, die gefördert werden könnten. Zumindest bei uns in Deutschland ist das aber unvorstellbar, da wären schon diverse Bürgerinitiativen vor. In Deutschland wehrt man sich zunehmend gegen alles, das die vermeintlich "heile" Welt vor der Haustür verändern könnte. Sie müssen sich einmal vorstellen, am Südrand des Schwarzwaldes bei Bad Säckingen wehren sich Bürgerinitiativen sogar gegen ein Pumpspeicherwerk, also gegen einen "ach so bösen" Speichersee oben im Schwarzwald, der als Energie-Zwischen-Speicher dienen soll und in der Nähe eines schon vorhandenen Speichers gebaut werden soll.

Ich kenne übrigens den Ort an dem gebaut werden soll und kann nur sagen, mir fehlt jedes Verständnis für Widerstand gegen das Projekt. Es gibt wohl kein Bauwerk im Bereich Energie, dass umweltfreundlicher ist und weniger Emissionen, Lärm und Risiko beinhaltet, als ein ruhiger, blau schimmernder Speichersee ! Und damit die Energiewende mit erneuerbarer Energie überhaupt gelingen kann, brauchen wir zwingend Stromspeicher, denn Sonne und Wind sind halt nicht 24 Stunden rund um die Uhr verfügbar. Was wäre also naheliegender, als neben einen schon vorhandenen Speicher noch einen grösseren zu setzen ? Aber selbst das ist nun nicht mehr gewollt, für einige Mitbürger scheint Wohlstand einfach vom Himmel herab zu fallen und der Strom aus der Steckdose zu kommen. Wenn Sie es nicht glauben, lesen Sie

Den USA steht nach meiner Erwartung auf jeden Fall eine positive Entwicklung bevor, das Bankensystem ist stabilisiert, der Häusermarkt zieht an, die Verbraucher fassen Vertrauen, das Land hat eine positive demographische Entwicklung und nun kommt noch billige Energie oben drauf. Und wer glaubt, dass Amerika seine "yes we can" Mentalität verloren hätte, der kennt das Land sowieso nicht. Diese war unter Depression verschüttet, gehört aber zur "genetischen Ausstattung" der amerikanischen Nation und wird sich wieder durchsetzen. Ich erwarte in den nächsten Jahren daher einen beeindruckenden industriellen Wiederaufstieg der USA, während Europa sich auf absehbare Zeit selbst lähmt. Auf meine Anlageschwerpunkte hat das schon heute deutliche Konsequenzen. Und wenn man sich dann noch einige mögliche Konsequenzen der Eurokrise ausmalt, macht es jede Menge Sinn einen Teil seines Depots im Dollarraum zu haben.

SELEKTIVES

Sie erinnern sich vielleicht daran, dass ich mich hier zuletzt mehrfach über das Management der Aixtron (WKN A0WMPJ) mokiert hatte, dass einerseits die Anleger mit Hoffnung beruhigt, andererseits aber da wo es zählt, beim eigenen Geld, keinerlei Anstalten macht die Ernsthaftigkeit der eigenen Worte durch Insiderkäufe zu untermauern. Nun hatten wir am 17. und 21.05. sogar einen massiven Insiderverkauf in Höhe von zusammen 1,7 Millionen € ! Jetzt ist nicht jeder Insiderverkauf gleich ein Grund in Panik zu geraten, auch Insider wollen mal was finanzieren und brauchen ihre Mittel an anderer Stelle. Trotzdem frage ich Sie: Wenn Sie beim eigenen Unternehmen, dessen Auftragsentwicklung Sie sehr gut kennen, davon ausgehen würden, dass die Wende im Gange ist und dass der Kurs im 2. Halbjahr wieder bei 16-18€ steht, würden Sie dann heute 1,7 Millionen zum Kurs von 13€ auf den Markt werfen ? Ich definitiv nicht, da hole ich mir dann lieber eine Zwischenfinanzierung, wenn ich das Geld wirklich brauche.

Ganz im Gegensatz dazu ist in meinen Augen übrigens der Kabelhersteller Leoni (WKN 540888) zu sehen, ein Unternehmen mit attraktivem Produktportfolio und klarem Wachstumstrend. Hier ist der Kurs im Zuge der Marktschwäche deutlich herunter gekommen und nun haben am 18., 21. und 22.05 drei Vorstände für zusammen ca. 420 Tausend € eigene Aktien gekauft. Das sieht eher nach Vertrauen in das eigene Unternehmen aus !

Wer mich fragt, welches Papier ich aktuell im Sinne von "Buy and Hold" in mein Depot legen würde, dem würde ich die schweizerische ABB (WKN 919730) nennen. ABB ist marktführend im Bereich Energie-Infrastruktur und dürfte massiv von den absehbaren Umbrüchen, auch durch die "Energiewende", profitieren. Kurzfristig leidet auch ABB natürlich etwas unter der Eurokrise, da bei diesen Grossprojekten auch immer politische Einflüsse eine Rolle spielen, wir konnten das ja zuletzt auch bei den Windkraft-Projekten von Siemens (WKN 723610) beobachten. Insofern sind kurzfristige Sprünge beim Kurs der ABB eher unwahrscheinlich. Aber mittelfristig führt an anderen Energienetzen und damit an ABB wohl kein Weg vorbei, selbst bei weiterer Krise in Europa.

Schaut man sich die aktuelle Kursentwicklung und Bewertung an, sieht man, dass die stocksolide ABB derzeit zu höchst attraktiven Kursen zu haben ist, sehen Sie selbst im Stundenchart, das den Kursverlauf des letzten Jahres abbildet:

In meinem Investmentdepot ist ABB nun auch vertreten und ein Titel, mit dem ich tatsächlich "Buy and Hold" umsetzen werde. Denn ich sehe langfristig erhebliche Chancen und kann ganz entspannt bis dahin warten, 4% Dividendenrendite versüssen die Wartezeit. Wer ganz sicher gehen will nicht deutlich ins Minus zu rutschen, legt einen Stop auf ca. 11,50 €.

WISSENSWERTES

Ich hatte ja zuletzt einiges über SpaceX, Tesla (WLN A1CX3T) und Elon Musk geschrieben und Tesla schon im Februar -> hier <- thematisiert. Nun ist im Handelsblatt ein interessanter Artikel erschienen, den ich Ihnen zum Lesen empfehle:

Am kommenden Pfingstmontag ist die Börse in Frankfurt zwar geöffnet, das dürfte aber einer der sinnlosesten Handelstage seit langem werden. Denn nicht genug damit, dass wegen des langen Wochenendes viele Marktteilnehmer sowieso lieber bei ihren Familien sind. Nein, dieses Jahr fällt in den US auch noch der Memorial Day auf den Pfingstmontag, weshalb die US Börsen geschlossen sind. Den kommenden Montag kann man also börsentechnisch wohl komplett ignorieren.

Bedenken Sie bitte auch, dass ich nächste Woche Urlaub von der Börse mache. Ich bin im Lande und werde gerne auf Kommentare reagieren, insofern keine Scheu, schreiben Sie. Und ich werde vielleicht sogar mal den einen oder anderen Beitrag im Blog verfassen. Ich werde aber die Börse nur mit einem Auge beobachten und daher wird es nach Handelsschluss auch keine "Märkte am Abend" geben. In der übernächsten Woche sollte dann alles wieder normal laufen.

Ich wünsche Ihnen schöne Pfingstfeiertage und viel Erfolg in der kommenden Woche !

Ihr Hari

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