Korrektur im DAX: Die kognitive Dysfunktion des deutschen Michels

Gestern haben wir ja die in ihrer Dynamik schärfste Korrektur im DAX seit August diesen Jahres gesehen. Das war auch überfällig und wenn sich diese nicht ausweitet, ist das eher positiv zu werten. Jeder Markt muss mal Luft schnappen, selbst einer auf Steroiden !

Auffällig war aber gestern erneut, wie viel stärker die europäischen Märkte und insbesondere der DAX zerlegt wurden, während der US Leitindex S&P500 am Ende gerade einmal 0,3% abgegeben hatte.

Die Ursache dafür müssen wir wohl auch in der tragisch niedrigen Aktienquote und der völlig fehlenden Aktienkultur in Deutschland suchen. Denn wenn wir bei SAP, Daimler und Co. von "deutschen" Unternehmen reden, ist das nicht mehr wirklich zutreffend. Es gibt viele Indikatoren, an denen man ein Unternehmen einer Nation oder einem Kulturkreis zuordnen könnte. Die Frage wo die Labore und Produktionsstätten sind, ist die eine. Und was das angeht, sind diese Unternehmen schon lange nicht mehr "deutsch", sondern international.

Die Frage wer die Inhaber des Unternehmens sind, ist aber die andere. Denn die Inhaber üben Einfluss auf das Management aus und das beeinflusst letztlich wo investiert und wo geforscht wird. Und die Inhaber "deutscher" Unternehmen im DAX sind in Mehrheit eben keine Deutschen, sondern kommen aus dem Ausland. Und davon vor allem von der Wallstreet.

Es ist schon an Absurdität kaum zu überbieten, wie der "deutsche Michel" einerseits stolz auf diese "deutschen" Unternehmen ist und aus Überzeugung mit Stern, Ringen und Co. über die Strassen fährt. Andererseits aber der Gedanke sich am Produktiv-Vermögen genau dieser Unternehmen zu beteiligen, eher ein "Igitt" auslöst und man statt dessen lieber sein Geld auf dem Tagesgeldkonto mit 100% Sicherheit entwerten lässt. "Selbstmord aus Angst vor dem Tod" ist die einzig richtige Beschreibung für dieses absurde Verhalten.

Da muss man dem "deutschen Michel" schon eine kognitive Dysfunktion bescheinigen, umgangsprachlich kann man das auch eine "geistige Fehlfunktion" nennen. Wobei ich denke, dass es auch nach 10 Jahren vor allem immer noch eher eine "posttraumatische Belastungsstörung" ist. 😉

Und wenn ich sehe, wie jetzt langsam wieder erstes Interesse bei Anleger aufkommt, die dem Aktienmarkt seit 10 Jahren fern geblieben sind, besteht die ebenso grosse, wie tragische Gefahr, dass es bald wieder Grund für ein erneutes Trauma gibt. Denn in den Aktienmarkt neu einzusteigen, war sicher in 2009 und 2010 aussichtsreicher als heute. Um das aber damals zu können, musste man sich mit dem Thema beschäftigen und nicht erst dann, wenn von jeder Titelseite von neuen Höchstständen geredet wird.

Aber wie auch immer, der Effekt ist, dass der DAX in der Hand institutioneller US Investoren ist. Und die haben eine klare Tendenz:

Sobald eine Korrektur einsetzt, sobald also der Markt in den "Risk Off" Modus geht, werden die Gelder in die US "repatriiert". Als erstes werden also "ausländische" Positionen in DAX und Co. abgestossen und dieses Geld in heimische Bluechips investiert. Was zu dem auch gestern zu beobachtenden Effekt führt, dass es in der Korrektur den DAX zerlegt, während Apple, Microsoft und Co. kaum betroffen waren oder sogar im Plus notierten.

Verstärkt wird der Effekt dann noch durch die mittlerweile dominierenden passiven ETFs. Denn vieler dieser US Investoren kaufen nicht einzelne Aktien aus dem deutschen Universum, sondern kaufen den ganzen Markt via ETF. Und aus diesem Grund konnten wir auch gestern wieder in der Korrektur beobachten, wie praktisch alles in ähnlicher Dynamik zerlegt wurde, egal ob Telekom, Bayer oder Daimler. Unterschiede wurden da nicht gemacht, weil die ETFs ihre Positionen über den ganzen Index verringerten.

Die traurige Realität - die uns gestern wieder vor Augen geführt wurde - ist also, dass wir uns für den DAX herzlich wenig Gedanken darum machen müssen, was deutsche Anleger denken. Entscheidend ist, was das "Big Money" der Wallstreet denkt. Und wenn das aus irgend welchen Gründen seine Investments "repatriieren" will, dann nützt das Grübeln und Analysieren über individuelle Geschäftsmodelle und Aktien im DAX herzlich wenig. Dann gilt einfach: mitgefangen - mitgehangen.

Der einzige Weg das zu ändern, ist die Aktienkultur in Deutschland zu heben und damit überhaupt wieder wirtschaftliche Hoheit über unser Produktivkapital zu bekommen. Einige Blogs wie dieser und ein paar wenige lobenswerte Medien arbeiten daran. Aber ohne ein Mitwirken der Politik, wird sich daran nichts ändern. Und die Politik unterliegt ganz eindeutig der gleichen kognitiven Dysfunktion, wie der "deutsche Michel".

Das ist tragisch und für unsere Volkswirtschaft schädlich, als Anleger müssen wir uns aber damit arrangieren.

Ihr Hari

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SAP und die NSA Affäre – Nähert sich die Korrektur dem Ende ?

Premium-Mitglieder wissen, dass ich bei einem meiner langfristigen Favoriten - der Aktie der SAP AG (WKN: 716460) - vor einem halben Jahr zum temporären Ausstieg geblasen habe.

Zu klar war mir mit meiner langen Historie in der Software-Industrie, welche internen Auswirkungen die Auflösung der Doppelspitze zugunsten des Amerikaners Bill McDermott ebenso haben würde, wie das klare Bekenntnis von Aufsichtsratschef und Gründer Hasso Plattner für eine Stärkung der amerikanischen Entwicklungsabteilungen.

Das "Grummeln" aus Walldorf war deutlich zu vernehmen, denn das konnte man auch als klare Kritik an Geschwindigkeit und Innovationskraft der deutschen Entwickler in Walldorf verstehen. Und wie so oft ist da ja durchaus was dran, wenn die Aussage auch sicher nicht pauschal gültig ist. Das man in Walldorf durch Jahrzehnte des Erfolges aber ein wenig "satt" und "bürokratisch" geworden ist, ist jedem Branchenkenner klar.

Das Problem bei Software-Unternehmen ist aber, dass die Wertschöpfung in den Köpfen der Mitarbeiter generiert wird, was deren Stimmung und Motivationslage zu einem entscheidenden Faktor für den Firmenerfolg macht. Gute Software wird halt nicht frustriert und demotiviert geschrieben. Und insofern waren die absehbaren inneren Unruhen auch das Signal, dass bei SAP im Kurs zunächst mal nicht mehr viel gehen würde. Das hat sich dann ja auch bewahrheitet.

Nun ist ein halbes Jahr ins Land gegangen und die Lage hat sich etwas beruhigt. Die Probleme und Sorgen der deutschen Mitarbeiter in Walldorf sind nicht weg, aber der erste Schub des Unwillens ist wohl durchgelaufen. Wenn Bill McDermott jetzt klug ist und der deutschen Seite auch mal glaubhaft "den Hinterkopf streichelt", bestehen Chancen, dass das Thema erst einmal von der internen Agenda verschwindet.

Gleichzeitig bekommt SAP nun durch die NSA Affäre und die Erkenntnis, das Europa massiv von den USA ausgespäht wird, einen ebenso willkommenen, wie überraschenden Schub. Unternehmen in Europa und Asien, die ihre Daten bei einem grossen Anbieter auslagern wollen, werden nun bestimmt eher an SAP als an beispielsweise Oracle denken. Auch das Geschäft mit der Hochleistungsdatenbank HANA scheint gut zu wachsen.

Und auch der Chart - hier mit Tageskerzen - signalisiert, dass da nun das Ende der Korrektur eingeleitet sein könnte:

SAP 05.11.13

Der Kurs konsolidiert den Schub vom 21.10. nun unter der 200-Tage-Linie und scheint bereit zu sein, dort mit Macht durchzubrechen. Dieser Durchbruch durch die 200-Tage-Linie wäre dann - wenn er kommt und in Folge beim üblichen Retest bestätigt wird - ein klares Kaufsignal für die SAP Aktie.

Auch das Volumen beim Schub vom 21.10. unterstreicht die Bedeutung dieser Bewegung.

Es sei also vermerkt, nach einem halben Jahr Abstinenz von der Aktie, beginne ich mich wieder für SAP zu interessieren.

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 01.09.13 – 07.09.13

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Freitag - 06.09.13 16:55 - Volatilität

Vor dem Wochenende habe ich noch ein Chart zum Schmunzeln für Sie. Wobei es auch einen lehrreichen Teil enthält.

Es sind die Arbeitsmarktdaten in ein Bild komprimiert. 😉 Und dieses Bild erklärt auch, warum ich mich ungerne vor so Ereignissen positioniere: jede Menge Volatilität die kaum zu beherrschen ist und am Ende nichts passiert, nur alle aus ihren Stops geflogen:

S&P500 06.09.13

Besser ist - was ich ja schon oft gepredigt habe - sich nach dem Ereignis, wenn der Markt sich ausgeschwungen hat, in die sich dann durchsetzende Richtung zu positionieren. Dieses Bild sollte deutlich machen, warum man so Events mit engen Stops nicht beherrschen kann und da nur Geld verliert.

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Hari Live – Archiv 25.08.13 – 31.08.13

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Hari Live - Archiv 25.08.13 - 31.08.13

Samstag - 31.08.13 09:05 - Gold, Goldman Sachs und wir: die Muppets

Sie erinnern sich doch sicher an diesen Tag im zweiten Quartal, als Gold durch 1500 USD nach unten weg brach und sich damit die massive Korrektur in Gang setzte ?

Sie erinnern sich auch, dass Goldman Sachs kurz davor eine vielfach beachtete "Sell-Empfehlung" in den Markt gab, die ich damals hier schon spöttisch kommentiert hatte ?

Sie erinnern sich auch, dass direkt nach dieser Sell-Empfehlung an der COMEX Verkaufsorders in gigantischem Volumen in den Markt kamen, einem Volumen dass überhaupt keinen Sinn machte, weil jemand der wirklich einen guten Preis erzielen wollte, hätte das gestückelt. So - in einem Stück - konnte das nur zum Einbruch des Marktes führen, zumal direkt unter 1500 Unmengen an Stops lauerten. Auch das habe ich damals kommentiert.

Nun lesen Sie hier. Und ja, manchmal kommt man sich im realen Leben wie in einem B-Movie vor:

Damit kann man heute als fast gesichert festhalten, was ich damals schon hier vermutet und diskutiert habe:

Der Einsturz bei Gold war "engineered" und zwar von grossen Spielern, die den sowieso an der Klippe befindlichen Markt bewusst zum Einsturz gebracht haben, um sich in das dann ansteigende Volumen hinein massiv einzudecken. Diese Spieler haben erstens Ihre Bestände nun massiv verbilligt, weil teurer verkauft und billiger unten wieder von denen eingesammelt, die in Panik aus dem Markt sprangen. Und haben zweitens wahrscheinlich für ein paar Tage auf der Short-Seite massiv Gewinn gemacht.

Ich habe ja schon oft gesagt, dass Spielfeld des Marktes ist weder eben noch fair. Wir kleinen harmlosen Goldfische versuchen uns in Gewässern etwas Seetang zu erhaschen, in denen auch grosse Haie schwimmen. Und das beste was wir Goldfische tun können, um in Ruhe an unserem Seetang zu knabbern, ist genau zu verfolgen, was die Hai - auch "Big Money" genannt - so machen.

War das also Manipulation ? Jein, der Begriff ist schief, Manipulation wäre für mich, wenn eine staatliche Institution wie die Notenbanken den Kurs bewusst in eine Richtung drückt und zwar aus Erwägungen, die nicht direkt mit dem Markt zu tun haben. Dafür habe ich aber keine Indikationen und ich finde diese Thesen auch sehr unwahrscheinlich bis unlogisch.

Was wir hier erlebt haben, war eher einfach "der Markt" und ein grosser Walfisch kann, wenn er will, halt so hohe Wellen schlagen, dass er damit einen Teil des Meeres zeitweise in Turbulenzen bringt. Ist das moralisch in Ordnung ? Mit Sicherheit nicht und es ist der wahre Skandal, dass sich die Aufsichtsbehörden, insbesondere in Deutschland, um allerlei sinnlose bürokratische Formulare für den Kleinanleger bemühen, hier aber völlig blind sind. Denn in meinen Augen ist so etwas strafbares Handeln und eine besondere Form von Insidergeschäften - sozusagen mit sich selber.

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SAP, Krones, iRobot – Charts ohne (viel) Worte

SAP (WKN: 716460) - Die Unterstützung bei 57€ wird aggressiv gekauft:

SAP 24.04.13

Krones (WKN: 633500) - Enttäuschung über (gute) Zahlen, es wurde noch mehr erwartet. Ist das ein Doppeltop ? :

Krones 24.04.13

iRobot (WKN: A0F5CC) - Einer unserer Hightech-Favoriten mit "Gap and Go !" nach Zahlen. Der riesige Gap von 02/2012 gerät nun ins Visier :

iRobot 24.04.13

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Marktupdate – 20.03.13 – Von A wie ABB bis Z wie Zypern

Heute nur ein kurzes Marktupdate mit ein paar losen Gedanken zum Markt und zu einzelnen Aktien:

(1) Mit der verhaltenen Reaktion auf Zypern zeigt uns der Markt erneut seine innere Stärke. Klar, Zypern ist für sich nicht wichtig, aber glauben Sie mir: in einer Phase grosser Unsicherheit, würde Mr. Market auf Bilder von Schlangen vor Bankschalter ganz anders reagieren und diese sofort auf Schlangen vor Bankschaltern in Italien und Spanien extrapolieren. Der aktuelle Mindset von Mr. Market ist aber vorsichtig optimistisch. Also: kämpfen Sie nicht gegen den Markt !

(2) Ein Faktor wird auch langsam das Quartalsende des 1. Quartals. Bei dieser permanenten Aufwärtsbewegung ohne grosse Pausen, können Sie fest davon ausgehen, dass eine hohe Zahl der Institutionellen den Markt in 2013 bisher unterperformt. Und genau diese haben zum Quartalsende den grössten Druck Window-Dressing zu betreiben und noch etwas Performance heraus zu quetschen. Wenn nicht durch externe Nachrichten überraschend induziert, öffnet sich das Zeitfenster für eine echte Korrektur daher wahrscheinlich eher erst wieder im April. Bis dahin halte ich historische Höchststände in DAX und S&P500 für eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich. Weit ist es ja wirklich nicht mehr bis dahin.

(3) Die hier mehrfach beschriebenen Langfristtrades wie Long Euro / Short Yen oder auch Long spanischer Aktienmarkt, scheinen weiter zu funktionieren. Auch hier war die Reaktion auf Zypern so verhalten und contained, dass man mit Wahrscheinlichkeit von einer Wiederaufnahme des alten Trends ausgehen kann.

(4) Wie in den Live-Tips erwähnt, sieht der MidCap Klöckner (WKN: KC0100) in der Korrektur sehr gut aus. Das spricht für weitere, anstehende Zugewinne.

(5) Sie wissen ja wie wenig ich von der Commerzbank (WKN: 803200) als Anlage oder Investment halte. Genau nichts. Aber aus reiner Tradingsicht muss man festhalten, dass die gestern und vorgestern gegen den Bankensektor gezeigte Stabilität bemerkenswert ist und für einen kurzfristigen Long-Trade spricht.

(6) Auch bei Nokia ist die Phantasie nun wieder weitgehend gewichen. Gleichzeitig scheint aber eine Pleite durch die guten Ergebnisse bei NSN und erste Erfolge mit den Lumias gebannt. Das Momentum der Abwärtsbewegung scheint nun auszulaufen und auch auf Nokia kann man in meinen Augen nun mal wieder einen Blick werfen.

(7) Die hier seit letztem Frühsommer mehrfach besprochenen Bluechips SAP (WKN: 716460) , Linde (WKN: 648300) und ABB (WKN: 919730) laufen einfach wie ein Uhrwerk. Da sind nach oben keine Wunderdinge drin, aber relativ stressfreie Zugewinne allemal.

(8) Die hier auch mehrfach besprochene Hewlett-Packard (WKN 851301) zeigt eine beeindruckende Entwicklung. Der -> Artikel <- vor einem guten Monat war eine Punktlandung. Seitdem ist dieser Bluechip um sage und schreibe 38% gestiegen und schiebt jeden Tag weiter hoch. Eine Korrektur ist jetzt mal überfällig, insofern Trailing-Stops mitziehen. Aber nach einer Korrektur hat HP weiter grosses Potential. Schauen Sie einfach mal auf den Wochenchart um die Perspektive zu behalten.

(9) Ich möchte erneut an Yahoo (WKN: 900103) erinnern. Übersehen Sie diese Marissa Mayer Turnaround-Story nicht. Da ist was im Gange, der Markt spricht eine klare Sprache. Nehmen Sie das Wochenchart und schauen Sie sich diesen beeindruckenden Trend seit September 2012 an !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen.

Ihr Hari

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SAP – Aufwärtstrend intakt – neues Hoch im Blick !

Einer meiner Favoriten in meinem Investmentdepot - die SAP (WKN 716460) - überzeugt heute bei den Quartals-Zahlen erneut, wenn auch mit minimalen Schönheitsfehlern.

Die detaillierten Zahlen können Sie an anderer Stelle nachlesen und muss ich hier nicht nacherzählen. Auch die fundamentale Lage dürfte bekannt sein und habe ich hier im Blog mehrfach thematisiert.

SAP wurde durch Hasso Plattner wieder auf "Spur" gebracht, der Rauswurf Leo Apothekers und die folgende Übernahme des Duos Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott hat sich als Glückgriff heraus gestellt. SAP hat nun einen "Lauf" und es ist kein Ende der positiven Entwicklung abzusehen.

Ich will mich daher auf das Bild des langfristigen Aufwärtstrends der Aktie konzentrieren, denn die heutige Reaktion des Marktes mit aktuell fast 3% Plus bei SAP, spricht dafür, dass die Korrektur der Aktie hinter uns liegt.

Am 04.12.12 hatte ich ja in -> diesem <- Artikel das Korrekturziel von SAP definiert. Dieses wurde nun fast erreicht und der Ablauf ist bisher nahezu wie damals antizipiert. Läuft der Trend weiter wie bisher, sollte nun ein neues Hoch im Aufwärtstrend vor uns liegen, Kursziel 65€+.

Sehen Sie selbst im Tageschart seit Mitte 2011:

SAP 23.01.13

Ich denke das Chart ist selbsterklärend. The Trend is your friend. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Eine Absicherung erfolgt wie immer unter der Trendlinie.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Commerzbank, SAP und IBEX35 – von Rebounds, entspannten Trades und der Honigfalle

Es gibt eine gewisse Sorte von Rebound Spekulationen , die auf den ersten Blick unglaublich attraktiv aussehen. Vor allem Privatanleger lieben diese Aktien voller vermeintlicher Verheissung, wie die Commerzbank.

Das sind diese Aktien, die ungewöhnlich verprügelt wurden und auf langjährigen Tiefs notieren. Aktien bei denen man denkt, die "können doch nur noch steigen". Aktien die weit unter Buchwert notieren und vermeintlich sehr billig erscheinen.

Und dann geht man als Anleger her und vergleicht den aktuellen Kurs mit dem Höchstkurs von vor ein paar Jahren. Und sieht ein Potential für Vervielfachung. Und schon läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Dieser Vergleich zu alten Höchstständen wirkt psychologisch auf uns Menschen wie eine Honigfalle, weil der hohe Kurs von vor ein paar Jahren macht das Vervielfachungspotential in unseren Hirnen greifbar und glaubwürdig. Da springen die Belohnungssysteme in unseren Hirnen an und schreien stumm in unserem Bewusstsein: "der muss da wieder hin steigen, greif zu, schnell ! Kauf ... mich ... jetzt !".

Umgedreht erscheint eine Aktie mit starkem Wachstum, die schon auf absoluten Höchstständen notiert, weit weniger verheissungsvoll. Der Vergleich mit der Vergangenheit impliziert sofort Gefahr: "wer so hoch steigt, muss auch wieder fallen, Gefahr !".

Kennen Sie diese gedanklichen Reflexe ? Ìch denke ja, wenn Sie mal alte Verluste reflektieren. Diese Reflexe sind aber fatal. Denn so landen in den Depots der normalen Anleger zu oft die "Gefallenen Engel" mit Problemen im Geschäftsmodell, statt dessen zu wenig die starken Wachstums-Werte, die sich in einem intakten Aufwärtstrend befinden. Zu viel Commerzbank und zu wenig SAP halt.

Und wenn der menschliche Geist dann durch die optische Honigfalle der alten Kurse schon gepolt ist, reicht es, wenn einen dann noch ein sogenannter "Guru" mit Photoshop Lächeln von einem Magazin anstrahlt und im Magazin was von "saubillig" redet und schon schlägt man zu. Kann ja auch nur hoch gehen ..... zumindest meint man das. 😉

Nun beginnt das Warten. Und aus Warten wird Nägelkauen. Diese verflixte Aktie will einfach nicht steigen. Sie mäandert statt dessen um den Einstandskurs herum. Aber kein Problem, die kann ja nur noch steigen und war ja "saubillig". Und man ist ja ein "Value-Investor", wie der gute Warren. Soweit die typische Selbstvergewisserung.

Dann aber, irgendwann ein paar Monate später, in denen mit der Aktie nichts zu gewinnen war, beginnt sie erneut zu fallen. Ja, zu fallen ! Unglaublich, toll, "jetzt verdoppele ich, so etwas saubilliges finde ich so schnell nicht wieder" denkt da der Anleger. Und legt seine Hand endgültig unter den Prellbock des fiesen Mr. Market.

Die Aktie aber fällt weiter und weiter. Und aus Begeisterung für "saubillig" wird Kopfkratzen. Und dann Zweifel. Und dann Sorge. Und dann - an einem Tag an dem sich die Aktie um 5% nach unten bewegt - Panik und der Druck auf den Verkaufsknopf. Ufff, immerhin hat ja man noch 50% dafür bekommen, man muss die Dinge halt positiv sehen. 😉

An diesem Tag erreicht die Aktie ihr historisches Tief und dreht zu einem neuen Aufwärtstrend nach oben. Aber das ist eine andere Geschichte. 😉

Ich denke wir kennen alle dieses endlose, quälende Bröseln. Und ja, es gibt natürlich auch die Fälle, in denen es sich tatsächlich lohnte das Bröseln zu ertragen, weil so Aktien dann einen gewaltigen Rebound hinlegten. Wie zuletzt bei Wacker Chemie. Aber dann auch nur, wenn man erst nahe am Tiefpunkt in das fallende Messer hinein griff.

Nur, selbst bei Wacker Chemie gilt doch: wäre es nicht besser gewesen erst einmal abzuwarten bis der Abwärtstrend ausläuft, selbst auf die Gefahr hin die ersten Prozent des Anstiegs zu verpassen ? Hätte man nicht im Saldo weit besser abgeschnitten und wäre dabei noch dazu viel entspannter gewesen ? Welchen Wert hatte es dann also, den endlosen Absturz mit geschlossenen Augen stur mitzugehen ?

Ein Musterbeispiel für die fatale Obsession normaler, privater Anleger für solche "gefallenen Engel" - ich nenne es eher Gurkenaktien - ist auf jeden Fall die Commerzbank. Was wird nicht über diese Aktie geschrieben und spekuliert. Ich vermute es gibt kaum eine Aktie, die von den Privatanlegern mehr beobachtet und gehandelt werden. Zuverlässig bekommen Artikel zur Commerzbank in den Nachrichtenportalen die höchsten Klickzahlen. Und die institutionellen Anleger ? Die sagen eher "Igitt" und haben Besseres mit ihrem Geld zu tun.

Woher kommt diese Obsession der Privatanleger für eine Aktie, deren Chef Blessing seinen Aktionären alle paar Monate eine neue Kapitalerhöhung beschert hat und ansonsten das profitable Geschäftsmodell nach Jahren der Umstrukturierung immer noch sucht ? Einer Aktie die ihren Aktionären über Jahre nur Leid, Tränen und Verluste bescherte ?

Ich habe eine starke Vermutung. Es ist schlicht die Optik der alten Kurse von 20€ und mehr. Es ist diese Honigfalle ! Nur handelt es sich dabei um eine Illusion, eine Fata Morgana sozusagen. Denn die Commerzbank hat mit den diversen Kapitalerhöhungen die Aktienzahl vervielfacht ! Ich habe aufgehört mitzuzählen ob der Faktor nun 2, 3, 4 oder 5 ist. Aber Faktum ist: das ist nicht mehr die Aktie die mal 20€ und mehr kostete ! Diese "alte" Aktie wurde um Faktoren verwässert und ein aktueller Kurs von 1,6€ entspricht in der alten Aktie eher einem um Faktoren höheren Kurs.

Diese "neue" Commerzbank Aktie wird also nach meiner festen Überzeugung kaum mehr diese Regionen um 20€ sehen ! Ja ich weiss, man soll nie nie sagen, aber auf die nächsten 5 Jahre erscheint mir das höchst unwahrscheinlich. Und wenn die Commerzbank je wieder 3 oder 4€ erreicht, entspricht das defacto, die Verwässerung eingerechnet, den alten Kursenregionen und wäre in Anbetracht der aktuellen Verfassung des Kerngeschäftes für mich schon ein kleines Wunder.

Warum also sollte man als normaler Anleger (und nicht Daytrader) seine Zeit, seine Energie, seine Nerven und sein sauer erarbeitetes Kapital mit so einer Aktie vergeuden ? Warum kauft man nicht zum Beispiel einfach SAP und legt sich beruhigt schlafen ? Eine Aktie die zwar nahe an Höchstständen notiert, dafür aber jedes Jahr zweistellig wächst, hervorragend geführt ist, gerade China aufrollt und deren Geschäftsmodell fest wie eine Burg steht ?

Ich glaube ich weiss warum. Weil SAPs Chart schon so weit oben ist und die Commerzbank gegenüber den alten Kursen so billig aussieht. Darum ! Ich finde das persönlich tragisch.

Wen die obigen Zeilen jetzt an eigene Erlebnisse erinnern und wer das Übel dieser endlosen Hoffnung auf Besserung sieht ... wem aber SAP trotzdem schon zu weit gelaufen ist, für den habe ich nun eine Idee. Eine Idee, die grosses Potential nach oben mit einem klaren Aufwärtstrend verbindet. Einen Trade, den man vielleicht mit guter Wahrscheinlichkeit einfach laufen lassen kann - und zwar ohne sich um Kapitalerhöhungen zu sorgen.

Es ist der spanische Aktienmarkt in Form des Index IBEX 35, den ich Ihnen am 15.11.12 mit seiner -> Bullenflagge <- schon nahe gebracht habe und der seitdem nach Plan gelaufen ist und schöne Gewinne produziert hat.

Schauen Sie mit mir auf das Wochenchart seit 2006, um das grosse Potential zu erkennen:

IBEX 11.01.13 Bullenflagge

Sie sehen den perfekten Doppelboden. Sie sehen die Bullenflagge, aus der der Index nun ausgebrochen ist. Sie sehen die einem Cup&Handle ähnelnde, perfekte Umkehrformation. Sie sehen wie der Index auf den Punkt zum 23er Fibo Retracement gelaufen ist, dort konsolidierte und nun zum 38er Retracement läuft. Und Sie sehen das gewaltige Potential bis zur Normalisierung.

Hier haben wir also einen ganzen Index, der auf alte Kursniveaus zusteuert. Der sich in einem klaren Aufwärtstrend befindet und gerade aus einer technischen Struktur ausgebrochen ist. Der aus Aktien besteht, von denen viele international agieren und nur in Sippenhaftung genommen wurden, weil Spanien auf dem Kurszettel stand. Aktien die auch vom Buchwert her sehr attraktiv ausschauen. Ein Index, in dem sich auch eine Bank, die Banco Santander befindet, die aber im Gegensatz zur Commerzbank ein sehr profitables Kerngeschäft besitzt.

Warum ist der IBEX35 nicht eine sinnvollere Investition, als das endlose Warten auf das Wunder bei der Commerzbank ?

Natürlich, nichts ist sicher und theoretisch kann die Euro-Krise wieder aufflammen. Und auch ein technischer Ausbruch wie beim IBEX35 kann wieder wegkippen. Das ist aber nicht das wahrscheinlichste Szenario, sondern einfach eine Möglichkeit. Für dieses Risiko setzt man einen Stop unter den tiefsten Punkt der Bullenflagge. Und dann geniesst man das Leben und lacht über die nächste Kapitalerhöhung der Commerzbank - wenn denn dann noch eine kommen sollte. 😉

Denn wenn die Eurokrise wieder aufflammen sollte und der IBEX35 wieder wegkippt, sollte keiner glauben, dass die Commerzbank davon unbetroffen wäre. Und umgedreht, wenn der Bankensektor der Eurozone sich weiter normalisiert und damit auch die Commerzbank nun Kursgewinne produziert, dürfte auch der IBEX35 aus den gleichen Gründen weiter steigen. Welchen Vorteil hat diese Aktie dann eigentlich, der diese grosse Aufmerksamkeit der Anleger rechtfertigt ?

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

[Nachtrag: Ein Leser dieses Blogs hat mal nachgerechnet und nach seiner unverbindlichen Berechnung (ohne Gewähr) hätte die Verwässerung bei der Commerzbank fast den Faktor 9 erreicht und 4.30€ würden damit dem alten Höchstkurs von ca. 38€ aus dem Jahr 2007 entsprechen]

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