Die Ukraine und die Märkte. Haben politische Börsen kurze Beine ?

Ja, das haben sie - in der Regel. Und wir haben nun wieder eine politische Börse, nachdem das Erschrecken über die russische Intervention auf der Krim, nun auch weitere Kreise und wohl auch wirtschaftliche Konsequenzen nach sich zieht.

Und das der DAX heute deutlich korrigiert und Gold fast 1350 USD erreicht, ist selbstverständlich zu einem guten Teil die Folge der Geschehnisse in der Ukraine. Auch andere Faktoren machten eine Korrektur durchaus möglich, die heutigen Reaktionen von Gold und Öl zeigen aber überdeutlich, dass hier kurzfristig vom Markt die Krise gespielt wird und wir es nicht nur mit simplen Gewinnmitnahmen in einem überkauften Markt zu tun haben.

Der Grund warum politische Börsen kurze Beine haben, liegt darin begründet, dass politische Krisen aufflackern und dann wieder vergehen. Die Börse interessiert aber nur, was Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre wirtschaftliche Entwicklung hat.

Und da die Ukraine keine relevanten Bodenschätze besitzt und auch ansonsten im weltweiten Handel irrelevant ist, wird der Markt kurz zucken und dann wieder zur Tagesordnung übergehen, solange sich das jetzige Szenario nicht ausweitet und es nicht zu offenem Krieg kommt.

Einzig der Aktienmarkt Russlands dürfte nun dauerhaft einen Schlag bekommen, der RTX ist aktuell folgerichtig auch 10% im Minus. Denn Russland ist auf dem besten Weg damit dauerhaft zum "Paria" zu werden und gerade die von Oligarchen geführten Unternehmen Russlands, werden das sehr schmerzhaft zu spüren bekommen.

Wirtschaftssanktionen wirken auf den ersten Blick nicht so eindrucksvoll wie einmarschierende Soldaten. Sind am Ende aber auch sehr schmerzhaft. Denn wenn den russischen Oligarchen der Zugang zum Westen beschnitten wird, wird der innenpolitische Druck auf Putin schnell stark wachsen, eine kooperative Linie einzuschlagen.

Im russischen Aktienmarkt muss man nun also wirklich nicht sein und da die Gegenreaktion des Westens gerade erst anläuft, könnten auch die 10% Minus heute erst der Anfang sein. Und auch der russische Rubel dürfte nun in Schwierigkeiten geraten. Und natürlich werden auch im Westen Unternehmen leiden, die auf die eine oder andere Art und Weise mit Russland verflochten sind oder von Rohstofflieferungen aus Russland abhängen. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts um die Ukraine erst einmal gering.

Diese Aussage - und auch die zu den kurzen Beinen politischer Börsen - gilt aber nur für den Fall, dass sich der Konflikt nun nicht ausweitet. Und gilt unter der Annahme, dass die Ukraine - ob mit oder ohne Krim - nun politisch stabilisiert werden kann. Kommt es dagegen nun zu einem offenen Bürgerkrieg, in dem schlimmstenfalls auch noch Russland mit Truppen ohne Hoheitszeichen mitmischt, kann dieses Pulverfass schnell zu einer kompletten Destabilisierung Europas Osten führen und auf andere Randstaaten übergreifen. Und die Nato steht an der polnisch-ukrainischen Grenze und ist dann schnell Teil des Spiels. Übrigens hat Huntington in seinem Buch genau solche Szenarien entlang kultureller Bruchlinien - auch in der Ukraine - skizziert.

So ein Szenario würde grosse Risiken für Europa herauf beschwören und würden die Börsen mit hoher Sicherheit mit einer Korrektur beantworten, gegen die das heutige Minus ein kleiner "Fliegenschiss" ist.

Es ist aber völlig unvorhersehbar, ob es dazu kommt oder ob die Krise nun bald wieder abflaut und sich alles mit einer russischen Krim abfindet und die Ukraine sich politisch stabilisieren kann. Denn auch wenn es aufgrund der aktuellen Grenzen natürlich ein Bruch des Völkerrechtes ist, ist eine russische Krim historisch ja nun gar nicht mal so illegitim.

Und weil wir alle nicht wissen, wie sich das nun weiter entwickelt, ist Panik und hektische Aktivität kein guter Ratgeber.

In so einer Lage muss man seine Risiken reduzieren und einen klaren Plan entwickeln, unter welchen Umständen man die Reissleine ziehen wird. Darüber hinaus ist nun aber Ruhe und Abwarten angesagt und keine hektischen Aktivitäten.

Denn in der Mehrzahl der Fälle haben politische Börsen eben kurze Beine und dann ist dieser Dip sogar wieder ein Kaufgelegenheit. Und über die wenigen Fälle in denen das nicht so ist, möchte ich als europäischer Bürger im Moment lieber noch nicht nachdenken. So nahe wollte ich den Krieg eigentlich nicht mehr haben.

Ihr Hari

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Der Zypern-Schock und seine mittelfristigen Kollateralschäden – 18.03.13

Völlig überraschend gehen am Wochenende die Nachrichten über den Ticker, dass Zypern von der Eurozone sehr wohl gerettet werden soll, dafür aber alle Sparer auf zypriotischen Konten einen Anteil in Form einer Zwangsabgabe zu leisten haben.

Dieser Vorgang ist bemerkenswert und ein Rechts- und Tabubruch, der langfristig das Potential erheblicher Konsequenzen für das Vertrauen in die Institutionen und Banken in der Eurozone haben dürfte.

Zunächst einmal sei gesagt, dass ich die Logik dahinter sehr gut nachvollziehen kann. Zypern ist ebenso wie Griechenland ein "Failed State" ohne funktionierendes Steuer- und Rechtssystem. Diese Parallelität ist auch nicht verwunderlich, denn das kulturell mit Griechenland eng verbundene Zypern ist letztlich auch nur wegen Griechenland in der Eurozone, wo es eigentlich nie hätte aufgenommen werden dürfen. Wir haben es hier in Form von Zypern in meiner Wahrnehmung also erneut mit einem "Danaergeschenk" des verrotteten griechischen Gesellschaftssystems zu tun. Vielen Dank sage ich da schon einmal !

Erschwerend kommt hinzu, dass offensichtlich auch fragwürdiges Geld in erheblichem Umfang auf zypriotischen Banken gebunkert wurde, von russischen Oligarchen wird gemunkelt. Und völlig richtig, es ist inakzeptabel, dass dieses korrupte System von europäischen Steuerzahlern "gerettet" wird. Hätte Zypern ein funktionierendes Staatswesen, wäre das auch gar nicht nötig, man hätte durch Abgaben und Steuern das Problem selber lösen können. Aber in einem "Failed State" funktioniert das halt nicht.

Die richtige Entscheidung wäre daher in meinen Augen gewesen, Zypern einfach Pleite gehen zu lassen. Es wäre das ideale Exempel gewesen um klar zu machen, dass sich rechtstreue und hart arbeitende europäische Steuerzahler nicht alles bieten lassen. Das Signal wäre deutlich gewesen und die Folgen begrenzt. Ein Rechtsbruch wäre eine Pleite Zyperns auch nicht gewesen, es gibt keinen rechtlichen Anspruch auf Rettung aus Töpfen der Eurozone.

Leider werden solche Entscheidungen aber nicht durch eine klare, rational denkende Führung getroffen, sondern sie sind das Ergebnis Brüsseler Formelkompromisse. Und in Brüssel standen halt die Gegner einer Rettung denen gegenüber, die die Rettung unbedingt wollten. Es war letztlich wahrscheinlich wieder die Scheidelinie des Nordens gegen den Club Med, wobei man Frankreich Dank Hollandes "glorreicher und mutiger" Politik wohl dem Club Med zuordnen muss.

Und so ist nach meiner Vermutung heraus gekommen, was nun heraus gekommen ist. Ein typischer politischer Kompromiss. Zypern wird gerettet, aber es gibt dafür eine "Strafe" um die Wähler in den Zahlmeister-Ländern gnädig zu stimmen.

Leider befürchte ich, dass dieser Kompromiss auf einer anderen Ebene sehr viel wichtiges Porzellan zerdeppert. Porzellan in Form von Vertrauen - das schwer aufzubauen, aber schnell zu zerstören ist. Denn die Heranziehung privater Kontoguthaben ist ein Rechtsbruch und steht im krassen Widerspruch zur 100.000€ Garantie der EU für alle Bankkonten. Und das wird alle Menschen in Europa aufhorchen lassen.

Und das hat das Potential das Vertrauen in die Bankeinlagen in der Eurozone massiv zu beschädigen. Kapital ist ein scheues Reh und wäre ich nun ein internationaler Investor, der grössere Geldmengen auf Banken der Eurozone, gleich welchen Landes, liegen hat, würde ich meine Gelder heute sofort und dauerhaft abziehen und in den Dollar oder Yen- Währungsraum transferieren. Eine Pleite Zyperns hätte mich dagegen weit weniger verunsichert, das wäre ja mit Ansage und nachvollziehbar gewesen.

Genau das ist auch heute sofort an den Divisenmärkten zu beobachten, Dollar und Yen rauf, Euro massiv runter.

Aber auch dem normalen Bürger, auch hier in Deutschland, dürfte das Vorgehen die Nackenhaare aufstellen. Es wird deutlich, wie dünn die vermeintliche Schicht der Rechtssicherheit ist und wie schnell über das Wochenende die Staatsmacht bereit ist, mit einem Handstreich in private Besitzstände einzugreifen. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass gerade ein Salon-Linker mit klassenkämpferischer Rhetorik sich anschickt bald Finanzminister des Landes zu werden, wird vieles plötzlich vorstellbar, was in den Jahrzehnten der stabilen Republik unvorstellbar gewesen wäre. Die Vermögens-Zwangsabgabe steht bei dieser Partei ja auch schon im Programm.

Diese Erkenntnis wirkt aber langsam und wird nur langsam bei den Bürgern diffundieren. Es ist eine Art Gift, das Vertrauen zerstört und damit einen Kollateralschaden in einem Umfang hervor rufen kann, der weit über die Effekte einer Pleite Zyperns hinaus geht.

Und die Wirkung dieses Gifts nicht zu erkennen, ist in meinen Augen der riesige Fehler, den die Politik gerade macht. Wenn man das korrupte zypriotische System nicht retten will, sollte man es auch nicht tun. Ein halbgarer Kompromiss ist aber mit dem Preis eines derartigen Vertrauensverlustes in die Verlässlichkeit staatlicher Institutionen bei weitem zu teuer erkauft.

Die Folgen an den Märkten sind klar und heute sichtbar: Dollar, Yen rauf. Euro runter. Gold hoch. Aktien der Eurozone runter.

Kurzfristig rechne ich damit, dass sich der Schreck schnell verzieht und die Märkte zur Tagesordnung übergehen. Schon im Laufe des Tages könnte also ein guter Teil der Verluste wieder ausgeglichen sein. Mittelfristig ist das Gift der willkürlichen Konfiszierung privater Vermögen nun aber in der Welt. Und es wird sich durch die Wahrnehmung der Menschen langsam und stetig durchfressen.

Für physisches Gold dürfte das ein Konjunkturprogramm sein. Wer Vermögen vor derartigen Anwandlungen schützen will, muss es halt sozusagen im eigenen Garten vergraben. Und das dafür beste Vehikel ist physisches Gold. Die einzige Währung die nie ihre Zahlkraft verloren hat und einen eingebauten Schutz gegen inflationären Wertverlust besitzt.

Schöne neue Welt - kann ich da nur sagen. Die Krise Europas ist mit dem Wochenende in eine neue Phase getreten. Die Konten sind sicher ? Nein, nichts ist 100% sicher - ausser der Wandel.

Ihr Hari

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