Die Zurich Versicherung und die kommende Altersarmut

Der folgende Artikel erschien schon Donnerstag 22.10.15 11:30 in Hari Live, ist aber aufgrund der langfristigen Betrachtung immer noch gültig.

Er richtet sich an langfristig orientierte Anleger, die überhaupt mal eine solide Basis in ihrem Depot legen sollten. Erst auf Basis dieser soliden Grundlage, kann man dann auch mal etwas mehr wagen.

Heute mal ein Hinweis für Dividendenjäger, Sicherheitssucher und Anleger, die einen Ersatz für nicht mehr vorhandene Zinssätze suchen, auch weil sie im Alter noch angenehm leben und nicht jeden Cent umdrehen wollen.

Hier im Artikel , wird indirekt erneut auf ein ganz massives Problem aufmerksam gemacht, das auf uns in Deutschland und Österreich mit Macht zurollt.

Es ist die absehbare Altersarmut der Babyboomer-Generation, denn ganz viele dürften sehr blauäugig bei ihren Rentenversicherungen und Lebensversicherungen noch die ehedem versprochenen Ablaufleistungen im Hinterkopf haben, die zu einer Zeit vermarktet wurden, als die Unternehmen eine Dauerrendite von 7% noch für möglich hielten.

Wir hier wissen, was seitdem alles passiert ist und die Kombination einer Weichwährung wie dem Euro, mit nicht vorhandenen Zinsen, ist absolut fatal für die Altervorsorge und wird mit Sicherheit, zu grossen Problemen, bösen Überraschungen und Armut führen - vom Pflegeproblem wollen wir da noch gar nicht reden.

Die Schweizer haben es da besser. Die ächzen zwar nun unter ihrem starken Franken, wie auch Deutschland Jahrzehnte unter einer zu starken D-Mark geächzt hat. Am Ende schafft die starke Währung aber Wohlstandsgewinne, denn die in Euro bezahlte Pflegekraft aus Südbaden, ist für den Züricher dann am Ende genau so günstig, wie die Polin für den Berliner Pflegefall.

Und auch die Option das Land zu verlassen und mit der Rente in Form des starken Frankens, in einem mediterranen Land mit Weichwährung den sonnigen Lebensabend zu verbringen, steht von den deutschsprachigen Ländern wohl nur den Schweizern zur Verfügung. Wohin das bei uns mit dem Weich-Euro führt, hat Stockpix zuletzt schön im Artikel -> All Inclusive <- beschrieben.

Und wir tun gut daran, uns diesem Thema *jetzt* zu stellen und es nicht durch Verdrängen in die Zukunft zu schieben, so wie einige VW Anleger den abstürzenden Kurs verdrängt haben und nun im Desaster sitzen.

Fragt sich nur, was wir tun können?

Wenig, denn der finanziellen Repression kann man nicht vollständig aus dem Weg gehen, ausser man verlässt die Eurozone mit "Mann und Maus und Haus". Aber ein paar Dinge schon. Wir könnten zum Beispiel langfristig in Aktien investieren, die hohe Ausschüttungen in strukturell stärkeren Währungen generieren, als dem Euro. So wie Procter & Gamble, der Aktie der ich in -> Wird es Zeit zum Einstieg <- einen eigenen Artikel gewidmet habe.

Aber vielleicht auch so wie eine Zurich Versicherung (WKN 579919), die - siehe den obigen Artikel der FAZ - scheinbar die Zeiten der Zeit erkannt hat und derzeit noch 7% ausschüttet, in Schweizer Franken!

Nun darf man auf keinen Fall nur auf die Dividendenhöhe gehen, das habe ich ja in Artikeln wie -> Die Dividende, überschätzt, overhyped und trotzdem wichtig <- mehr als deutlich gemacht.

Gerade sehr hohe Ausschüttungen, werfen Fragen zur Dauerhaftigkeit auf und gerade bei den Schweizer Versicherern, gibt es eine besonderes Bewertungsproblem, das hier gut beschrieben ist:

Aber trotzdem, wenn man ein "Rentendepot" aufbauen will, das lohnenswerte Erträge ausdrücklich in Währungen abseits des Euros produziert, dann ist eine Zurich Versicherung vielleicht einen Blick als Beimischung wert. Neben Werten wie Procter & Gamble, Johnson & Johnson, Nestle usw. - den Unternehmen, die einen langfristigen und positiven Trackrekord haben, was Ausschüttungen angehen.

Hier ist das sehr langfristige Chart der Zurich, das ich als "neutral" betrachte, ohne im Guten wie im Schlechten besonders aufzufallen:

Zurich 22.10.15

Ich bin auf jeden Fall in Einem sicher.

Wer heute vom Alter her in den 50ern ist und einen Betrag von ein paar hunderttausend Euro zur Alteicherung und als Rente anlegen will, fährt mit einem ausgewogenen, diversifzierten Depot solcher Werte langfristig besser, als wenn er das Geld nun in einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung versenkt oder sich nun mit reinen Zinspapieren wie Anleihen volllädt.

Und darüber sollten wir mal nachdenken, die Altersarmut in Deutschland kommt, das betrachte ich als fast sicher.

Die Frage ist nur, ob wir selber dazu gehören müssen. Dagegen können wir etwas tun, die Politik mit ihren moralisierenden Träumereien, können wir dagegen mit einer Stimme bei der Wahl nicht wirklich ändern.

Ihr Hari

Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing

Der folgende Artikel entstand aus der Kombination eines am 29.01.14 in Hari Live erschienenen Artikels, sowie eines Forenkommentar zum Thema "Value Investing" vom 13.04.14.

Womit beginnt man denn eigentlich den langfristigen Vermögensaufbau ?

Dazu kann man Bücher schreiben, ich will deshalb nur einen kleinen Teilaspekt heraus greifen. Wer hier im Blog ist, hat dann bestimmt auch erkannt, dass zu einem langfristigen Vermögensaufbau die Beteiligung an Produktivkapital gehört und der nicht nur mit Tagesgeld erreicht werden kann. Denn sonst wären Sie wohl nicht hier. 😉

Ich betone auch ausdrücklich, es macht für jeden Anleger jede Menge Sinn, ein Basisdepot zu haben, dass er unter langfristigen Aspekten verwaltet und damit bei geringen Risiken einen langfristigen Aufbau erzielen kann. Wenn man dieses Depot hat, dann kann man sich auch mal mit einem kleineren Teil an eigene Anlagen wagen und dabei auch mal höhere Risiken eingehen.

Aber diese ruhige, stabile Basis ist für jeden privaten Anleger ganz wichtig, davon bin ich überzeugt. Wer als junger Mensch versucht, diesen Schritt zu überspringen und sozusagen mit den ersten 10.000€ im Sparstrumpf versucht, gleich durch Trading "reich" zu werden, wird zu 99,99% scheitern. Und die 0,01% sind dann halt echte Genies. Die soll es geben. 😉

Auch ich lebe diese Zweiteilung. Ich besitze ein ruhiges, langfristig orientiertes Investmentdepot und ein weit aggressiver verwaltetes Trading-Depot, mit dem ich eine Überrendite erziele.

Beginnen Sie also - gerade als junger Mensch - mit einer guten, langfristigen Basis in Ihrem Depot. Und dann, wenn Sie diese haben, beginnen Sie selber mehr zu wagen und Ihre Fähigkeiten zu testen. Und dazu will ich Ihnen heute einen vielleicht überraschenden Rat geben.

Denn wenn wir über diese Basis reden, stellt sich ja gleich die Frage: welche Aktien sollten Sie für so ein Basis-Depot wählen ?

Die Antwort ist offensichtlich und dazu gibt es unzählige sinnvolle Darstellungen. Es sind natürlich die grossen Bluechips mit positivem Cashflow, die auch Generationen überdauern, weil sie ein Geschäftsmodell haben, das immer trägt. Es sind Namen wie Nestle, Unilever, Roche, Novartis, General Electric, Siemens und so weiter und so fort.

Sie können jetzt längliche Diskussionen darüber führen, ob als Industrietitel im Moment ABB, Siemens oder GE die bessere Wahl wäre. Oder als Pharmatitel Roche, Novartis oder doch Sanofi. Sie werden dazu viele Meinungen lesen und wenn Sie zu viel Zeit haben, können Sie auch anfangen, die gigantischen Geschäftsberichte dieser Unternehmen zu lesen, im Irrglauben, daraus einen Vorteil für Ihre Anlage ziehen zu können.

Für den Trader sind diese Unterschiede auch sehr wichtig, weil der richtige Moment und die richtige Aktie mit der richtigen Markttechnik macht auf der mittleren Zeitebene schnell mal 10% Gewinn aus, die die andere Aktie dann nicht hat.

Für Sie, der Sie mit diesen Aktien einen langfristigen Vermögensaufbau betreiben wollen, sind diese Unterschiede aber nicht ganz so wichtig. In 2 Jahren hat vielleicht das Management gewechselt und dann ist sowieso alles anders. Als Lesestoff sind diese Geschäftsberichte ja interessant und es schadet nicht, wenn ein Aktionär weiss, was in seinem Unternehmen los ist. Als Entscheidungsgrundlage für die langfristige Auswahl können Sie das aber eher vergessen. Zumal die Qualität der Bilanzzahlen in den Zeiten des IFRS sowieso teilweise fragwürdig ist.

Und an dieser Stelle greift deshalb auch mein Rat. Ich kann nicht sehen, dass Sie für Ihr langfristiges Depot einen grossen Vorteil damit erzielen, dass Sie sich nun um die Aktienselektion dieser Bluechips für Ihren langfristigen Vermögensaufbau intensiv bemühen. Wie gesagt, es schadet auch nicht, aber es wird bei der Performance keinen grossen Unterschied machen.

Warum ? Ganz einfach, weil hunderte, ja tausende - in der Regel besser als Sie qualifizierte Vermögensberater und Fondmanager - sich genau diese Gedanken für ihre Fonds machen. Denn diese Titel sind in hunderten und tausenden Fonds und ETFs enthalten. Glauben Sie wirklich, dass Sie diese Selektion besser als diese Profis vornehmen können ? Was bringt es Ihnen, den Geschäftsbericht auch noch zu lesen, wenn die Profis es alle schon getan haben und deren Reaktion darauf, schon im Kursverlauf verarbeitet ist ?

Ich kann das Dilemma perfekt am Grossmeister der Geldanlage Warren Buffett festmachen. Den kennen Sie ja bestimmt und bewundern oder schätzen ihn. Nun wäre es für Sie ja ein Leichtes, Ihr kleines Vermögen von "Warren himself" verwalten zu lassen. Sie müssen dafür nur seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway (WKN: A0YjQ2) an der Börse kaufen. Und schon wird Ihr Geld vom grossen Warren verwaltet und Sie haben indirekt Wells Fargo, Coca Cola und Co. im Depot.

Warum also glauben Sie, bei der Auswahl von Aktien im Bereich dieser Bluechips auch noch Warren Buffett schlagen zu können ? Klar ich weiss, man ist als privater Anleger agiler, Buffett wird ja durch die Grösse des Riesentankers Berkshire sehr eingeschränkt und da ist ja auch noch das Fragezeichen, wie es mit Berkshire weiter geht, wenn er mal nicht mehr ist.

Ich will mit Berkshire ja auch nur einen Punkt machen. Es gibt auch in Deutschland richtig gute Fonds und Vermögensverwalter, die wissen was sie tun. Und denen Sie ihr Geld anvertrauen können und wissen, dass es dort professionell verwaltet wird. Und sich in Ihrem Depot genau die Art von Aktien finden, die ich oben beispielhaft erwähnt habe. Und Sie haben auch als Kleinanleger Zugang zu diesen Vermögensverwaltern, weil die in der Regel an der Börse notierte Fonds haben. Ich will hier keine konkrete Werbung machen, aber einige der guten Adressen wurden hier im Forum schon besprochen. Oder eben Sie gehen zu dem grossen Buffett selber, um Ihr Geld verwalten zu lassen.

Mein Punkt und Rat ist:

Geben Sie den langfristigen Vermögensaufbau in gute Hände. Wählen Sie eine Handvoll guter Fonds von seriösen Top-Leuten aus, die genau in die Aktien investieren, die für einen langfristigen Vermögensaufbau geeignet sind.

Oder - wenn Sie in Ihrer Börsen-Erfahrung etwas weiter sind - wählen Sie selber gezielt grosse ETFs aus, die voll replizierend die oben genannten Aktien kaufen. Und mischen Sie vielleicht noch Warren Buffet direkt bei. 😉 Und dann sparen Sie da an und lassen diese Positionen langsam akkumulieren.

Das ist dann Ihre ruhige Basis im Depot und die brauchen Sie, wenn Sie einen langfristigen Vermögensaufbau erreichen wollen. Und investieren Sie darüber hinaus in Ihr Wissen und Können rund um die Märkte. Und genau dafür, hat diese Community für Sie ein attraktives Angebot.

Konzentrieren Sie aber Ihre eigene Energie nicht darauf, besser als Warren Buffett sein zu wollen. Lassen Sie sich nicht von einem trivialisierten Zerrbild des "Value-Investing" blenden, das gerade in Deutschland allenthalben herum gereicht wird, weil es sich für die Anleger so gut anfühlt. Die Unmöglichkeit für Sie, mit Buffett zu konkurrieren, liegt gar nicht mal daran, dass Buffett so "einmalig" ist. Das man ihn heute nicht mehr 1zu1 kopieren kann, liegt auch daran, dass er seine grossen Erfolge in einer ganz anderen Zeit mit anderen Voraussetzungen hatte. Er würde heute selber grösste Probleme haben, sich selbst zu kopieren, weil viele seiner Aktionen damals (wie die Übernahme der Textilfabrik Berkshire) heute viel stärker beobachtet würden. Damals lief er damit noch weitgehend unter dem Radar, von der Lokalpresse mal abgesehen.

Und über Benjamin Grahams Ansatz ist sowieso die Zeit hinweg gegangen, weil viele Daten mit deren Ermittlung er sich noch einen Edge erarbeiten konnte, heute in der Welt des Internets als "Common Sense" mit einem Klick ablesbar sind. Von der Verbiegung ehedem verlässlicher Bilanzkennzahlen durch das IFRS mal ganz abgesehen. Die Welt ist halt anders geworden. Grahams Grundideen vom "Intelligent Investor" sind zeitlos und immer noch gültig. Und es ist deshalb immer noch eines der wichtigsten Bücher zum Investieren überhaupt. Aber so wie er damals, kann man das heute einfach nicht mehr 1zu1 umsetzen. Und Graham wäre mit seiner Intelligenz der Erste, der das begreifen würde.

Aber es gibt auch heute - unter anderen Rahmenbedingungen - richtig gute Value-Investoren, die durchaus in einer Liga mit dem früheren Buffett spielen, nur halt mit etwas anderer Methodik. Und insofern ist Buffett so einmalig nicht.

Mein Punkt dreht sich also nicht um Value-Investing an sich, das funktioniert durchaus, sondern um die Illusion vieler Privatanleger, es mit geringem Aufwand selbst tun zu können. Denn dieser Investmentansatz ist von allen, der mit den höchsten Anforderungen an fachliche Fähigkeiten, zeitlichen Einsatz und Kapitalkraft.

Nehmen wir mich selber als Rohmodell. Ich war Vorstandschef einer AG und auch im M&A Bereich tätig. Und war im M&A Umfeld mittendrin, wo börsennotierte Unternehmen zerlegt und veräussert wurden. Ich verstehe also, wie Investoren eine Firmenbewertung vornehmen und bin dazu selber in der Lage. Ich habe also die fachlichen und erfahrungstechnischen Voraussetzungen, um eine Safety Margin überhaupt kompetent identifizieren zu können.

Weiterhin arbeite ich Fulltime an den Märkten, habe also auch theoretisch die Zeit dazu, diese anspruchsvollen Bewertungsfragen vorzunehmen und mich inhaltlich mit den Geschäftsmodellen auseinander zu setzen. Ich habe also wahrscheinlich eher als 99,9% der privaten Anleger, die fachlichen und zeitlichen Voraussetzungen dafür, Value-Investing zu betreiben.

Und trotzdem versuche ich es nicht, weil mir bewusst ist, dass mir ein entscheidender Baustein fehlt, um es erfolgreich umsetzen zu können. Mir fehlt die Kapitalkraft hinter mir, damit ich direkten Zugang zu den Unternehmen und zum Management bekomme.

Und ohne diesen Zugang geht es nicht. Eine seriöse Firmenbewertung ohne Kenntnis des Managements vorzunehmen, ist fast unmöglich. Buffet hat es meines Wissens nie in seinem Leben ohne diesen Zugang getan. Und kein einziger Finanzinvestor der Welt, wird einen Cent in ein Unternehmen stecken, wenn er nicht vorher einen Eindruck vom Management hat. Nur einem direkten Mitbewerber kann das egal sein, weil die wirft er einfach raus. Aber selbst in dem Fall, ist das hoch riskant und wird von den übernehmenden Unternehmen vermieden.

Ich könnte also trotz meiner fachlichen Qualifikation nur dann einen Value-Investing Ansatz verfolgen, wenn ich zumindest Fonds-Manager wäre oder einem grossen Family-Office vorstehe, so dass mich die Firmen als Gesprächspartner empfangen und ernst nehmen. Ich habe diese Voraussetzung nicht. Und "Max Müller" auf der Strasse schon gar nicht. Value-Investing alleine vom Bürostuhl aus mit dem passiven Studieren von Bilanzkennziffern auszuüben, ist ein Zerrbild - Buffett ist so definitiv nicht reich geworden.

Wenn man sich das klar macht, wie jemand mit meinem Background das Thema sieht, kann man wirklich nur schmunzeln, wenn private Anleger mit normalem Beruf, am Feierabend dann ihre in der Grundschule erworbene Fähigkeit des Lesens von Zahlen einsetzen, um Werte wie KBV abzulesen, nach dem Motto "kleiner 1 ist gut" einzuordnen und sich dann als Value-Investor zu fühlen. Das ist schlicht absurd. Statt dieser Illusion aufzusitzen, wären sie besser beraten, ihr Kapital in einen Fonds eines echten Value-Investors zu stecken. Oder eben das Vermögen auf passive, voll replizierende ETFs zu verteilen. Man muss halt erst einmal von einer Sache etwas verstehen, um dann überhaupt zu wissen, was man nicht weiss. 😉

Value-Investing funktioniert also. Aber nur für Profis mit Kapital im Rücken, Fleiss, Zeit und fachlichen Fähigkeiten bei der Firmenbewertung. Die übergrosse Mehrheit der Anleger hat diese Voraussetzungen nicht.

Und deshalb sollten Sie sich - wenn Sie über Ihre Basisanlagen hinaus einen eigenen Mehrwert erzielen wollen - auf die Stellen konzentrieren, an denen Sie als Privatanleger tatsächlich in der Lage sind, sich mit vertretbarem Zeitaufwand und Wissen einen kleinen Edge zu erarbeiten.

Und das sind die Techniken der Markttechnik und insbesondere Trendfolge, die wir hier im Blog immer wieder thematisieren.

Durchaus auch bei den gleichen Titeln wie oben, aber eben aus einem ganz anderen Blickwinkel, dem Markttiming mit den Mitteln der Markttechnik. Und dabei das zu lernen, will Ihnen dieser Blog und seine Community helfen.

Schaffen Sie sich also eine Basis in Ihrem Vermögen, über die Sie sich keine Gedanken machen brauchen, weil das Vermögen in guten Händen ist. Und konzentrieren Sie sich dann als Ergänzung mit Ihrer Energie auf die Bereiche, in denen Sie eine realistische Chance haben, überdurchschnittliche Erfolge zu erzielen. Als 2 millionster Leser des Geschäftsberichts von Nestle ist das eher unwahrscheinlich. Lassen Sie den Geschäftsbericht von Ihren Fondsmanagern lesen. 😉

Ihr Hari

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Finanzielle Repression und Aktien – was wirklich alternativlos ist !

Wenn man sich wie ich jeden Tag mit den Finanzmärkten beschäftigt, läuft man auch Gefahr, so etwas wie einen Tunnelblick zu entwickeln. Man grübelt über Lippenbewegungen weisshaariger FED-Frauen, interpretiert die Markttechnik, verfolgt die Nachrichten und passt seine Aufstellung permanent der eigenen Strategie und dem Risikomanagement an. Es gibt immer etwas zu tun, der Markt lässt einem keine Ruhe.

Wenn man so in den Details vergraben ist wie ich, tut es manchmal gut, wenn man durch eine dritte Person mal wieder an das grosse Ganze erinnert wird. Und das ist bei mir Anfang dieser Woche passiert.

Da rief mich eine sehr, sehr gute, alte Freundin an. Wir hatten uns etwas aus den Augen verloren, wie das Leben halt so spielt, wenn man weit entfernt (Berlin <–> Südbayern) wohnt und sein eigenes Leben und seine eigene Familie hat.

Nachdem wir uns in über einer Stunde erst einmal wieder auf den neuesten Stand unseres Lebens gebracht haben, begannen wir intensiv über ihren eigentlichen Wunsch zu sprechen. Sie suchte Rat zur Geldanlage.

Nun arbeite ich nicht als Vermögensberater, aber gegenüber wirklich guten Freunden, zu denen man hohes Vertrauen hat, macht man mal eine Ausnahme und gibt einen privaten Rat. Zumal Ihre Ausgangslage so klassisch war für viele wohlhabende Bürger, die schon eine Karriere hinter sich haben.

Sie hatte eine nicht unerhebliche Menge freien Kapitals auf den Konten rumliegen und suchte nun nach einer profitablen Anlageform, die einerseits „sicher“ sei und um die sie sich andererseits nicht intensiv kümmern müsste. Wer will das nicht, in diesen Tagen der finanziellen Repression ? 😉

Natürlich konnte ich ihr die Frage nicht ersparen, warum Sie diesen Wunsch nicht 2009 geäussert hatte. Und nicht 2010. Nicht 2011, nicht 2012 und nicht 2013. Aber so geht es derzeit vielen Bürgern, die erst jetzt anfangen sich für die Geldanlage zu interessieren, wo die Märkte halt wieder nahe der Höchststände notieren.

Nachdem sie mir Ihre Rahmenparameter nannte, hatten wir schnell Einigkeit über das Thema Diversifizierung und gingen durch alle möglichen Anlageformen durch.

Immobilien ? Eine selbst bewohnte hat sie und das ist gut so. Von weiteren vermieteten Immobilien habe ich aber eher abgeraten. Die Preise sind im Verhältnis zu den Mieten an vielen Standorten zu hoch und die finanziellen Risiken durch Mietnomaden, gesetzliche Pflichten und ähnlichem werden nicht angemessen bezahlt. Von so einem Ungetüm wie der „Mietpreisbremse“ ganz zu schweigen. Ausserdem würde das neben der selbst bewohnte Immobilie ein Klumpenrisiko im Vermögen erzeugen.

Ackerland oder Wald ? Kann Sinn machen, aber nur bei grösseren Vermögen, bei denen man dann auch gleich die Bewirtschaftung einer grösseren Fläche mitorganisieren kann. Oder wenn man selber aus der Agrarbranche kommt. Denn um Land das man besitzt, muss man sich auch kümmern.

Edelmetalle ? Als Notgelt in begrenztem Umfang sinnvoll und notwendig. Aber über diesen begrenzten Umfang hinaus, sind Gold und Silber keine „Investments“. Diese werfen nichts ab und produzieren nichts. Es ist „totes Metall“, das auch langfristig keinen Wertgewinn erzielt. Aber es erzielt auch keinen Wertverlust, es erhält einfach den Wert über lange Zeit. Diese Eigenschaft macht es als Notgeld sehr sinnvoll. Aber das ist keine Grundlage für eine Anlagestrategie. Das ist nur ein Grund für eine beschränkte Beimischung.

Ausserbörsliche Beteiligungen ? Eigentlich die beste Anlageform, wenn man sich am Produktivkapital beteiligen will. Aber nur dann, wenn es die eigene Firma ist oder man zumindest den Inhaber sehr gut kennt und ein Vertrauensverhältnis hat. Ich bin fest davon überzeugt, wer „reich“ werden will, schafft das am ehesten mit dem eigenen Unternehmen und da ist Kapital auch unbedingt gut investiert. Unternehmertum bewegt die Welt und schafft auch privaten Reichtum. Aber eine eigene Firma hatte Sie schon, insofern war diese Möglichkeit abgedeckt.

Und sonstige ausserbörsliche Beteiligungen über Fonds wie Solar, Flugzeuge etc. sind nach meiner Erfahrung zu oft das Geld nicht wert. Daran verdienen vor allem die Emittenten und Vertriebskanäle und der Anleger muss mehr oder weniger rechtlos zuschauen, wie eine Fehlentscheidung nach der anderen im Fond getroffen wird. Klar kann man auch hier mit einem Fond Glück haben, aber ich habe schon zu viel „Mist“ in diesem Segment erlebt – von Immobilien bis Schiffen - als das ich jemandem zu Investitionen in geschlossene Fonds raten könnte.

Anleihen und sonstige Schuldverschreibungen ? Das ich nicht lache ! Deutsche Staatsanleihen mit effektiver Negativrendite ? Griechenland mit 5% ? Tut mir leid – nein Danke ! Das ist nicht risikoloser Ertrag, sondern ertragloses Risiko !

Rentenversicherungen und Lebensversicherungen ? Wie die Staatsanleihen zu sehen – kein Wunder, denn die liegen ja in den Büchern der Versicherungen. Die Renditen sind mickerig und warum soll man für so mickrige Renditen sein Kapital langfristig binden ? Wenn man noch eine alte Lebensversicherung mit Garantiezins 3 oder 4% hat: unbedingt halten und auf keinen Fall vorzeitig aussteigen ! Aber heute eine Neue abschliessen ? Eher nein.

Riester ? *Hust* *Hust* Nächste Frage bitte !

Tagesgeld ? Vergessen wir das mal - von in der Höhe begrenzten Lockvogelangeboten abgesehen, ist das nur mit negativer Rendite nach Inflation und Steuern versehen. Garantiert ist da nur der Wertverlust !

Diverse Garantie-Zertifikate mit blumigen Namen die Sicherheit vorgaukeln ? Ebenso vergessen. Was als Finanzprodukt beworben werden muss, ist in der Regel Mist, den die Profis selber nicht anfassen würden. Gute Geldanlage braucht keine Werbung, sondern geht unter der Hand bei den Wissenden weg. Diese Produkte dienen eher den Emittenten und sind doch nur aus den Basics wie Anleihen, Aktien und Optionen aufgebaut, die man sich billiger und ohne marketingtechnische Girlanden, auch selber ins Depot legen kann.

Kunst, Oldtimer und Co. ? Macht jede Menge Sinn. Aber erstens ist das Segment schon extrem gut gelaufen und zweitens macht es nur Sinn, wenn man sich auch wirklich sehr gut auskennt, so dass man nicht über den Tisch gezogen werden kann. Da sie kein derartiges Hobby hat, kommen diese Bereiche nicht in Frage.

So und nun ? Was bleibt ?

Alles was bleibt sind Aktien - also Anteile am Produktivvermögen, die liquide an Börsen handelbar sind. Und zwar gleichermassen direkt, wie in einem replizierenden ETF oder in einem gut gemanagten Fond.

Hier findet man noch Weltunternehmen, wie die von mir zuletzt erwähnte General Electric, die einem 3-4% Dividende zahlen und trotzdem noch Chancen auf Kuteigerungen haben. Das hört sich doch besser an, als renditeloses Risiko, oder ?

Womit wir bei der „sicheren“ Geldanlage sind. Viele Bürger assoziieren mit Aktien Unsicherheit, weil diese kurzfristig stark schwanken können. Das ist aber für ein Investment eine verfehlte Risikowahrnehmung. Denn was gibt es langfristig „sichereres“, als eine General Electric, eine Nestle, eine Berkshire Hathaway ?

Wenn ich heute gezwungen wäre, mein Vermögen 50 Jahre in die Zukunft zu schicken, damit meine Enkel davon profitieren können. Was würde ich schicken, wenn es auch in 50 Jahren noch guten Wert haben und bis dahin vielleicht sogar im Wert gestiegen sein soll ?

Von allen obigen Punkten wäre es eindeutig eine Aktie, die ich als erstes schicken würde. Wie zum Beispiel General Electric oder Nestle. Und danach vielleicht ein wenig Gold.

Und deshalb – der finanziellen Repression „sei Dank“ – sind Aktien heute einfach alternativlos. Und so habe ich meiner guten Freundin geholfen, ein sinnvolles ETF und Fonds-Depot zusammen zu stellen, das sie relativ ruhig laufen lassen kann. Und das obwohl nun auch Sie weiss, dass es 2014 ist und nicht 2009 und die Risiken einer bevorstehenden Korrektur an den Aktienmärkten ganz real vorhanden sind. Aber das kann man überwinden, in dem man nicht alles gleich auf einen Schlag investiert, sondern sich zwingt, bei jeder Korrektur Stück für Stück nachzukaufen.

Wichtig ist aber, das grosse Bild nicht zu übersehen. Denn weil die Anlage in Produktivkapital so alternativlos ist, können wir auch davon ausgehen, dass eine längst überfällige Korrektur von 10-20% auch wieder aggressiv gekauft werden wird.

Denn wohin will man denn ansonsten sinnvoll mit seinem Kapital ? Dieses Problem haben nicht nur wir Privatanleger, sondern die grossen institutionellen Anleger ganz genau so. Und deshalb dürften die Aktienmärkte gut unterstützt bleiben, solange die finanzielle Repression andauert.

Aktien sind derzeit alternativlos. Bei allen Schwankungen sollte man das nie vergessen.

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Märkte am Quartalsbeginn – S&P500, DAX, Gold, Clean Energy

Nachdem ich zuletzt einige ruhigere - und vor allem sonnigere - Tage in Istrien genossen habe, geht heute der Börsen- und Blog-Alltag wieder los. Grund genug mit Ihnen in einem groben Überblick durch Märkte und einzelne Segmente zu gehen und so den Boden für die darauf aufbauenden Kommentare der nahen Zukunft zu bereiten.

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Marktupdate – 06.08.12 – Ist etwas Grosses auf dem Wege ?

15:00 Uhr

Heute ein kurzes Update vor Eröffnung der Wallstreet. Ich tue mich im Moment schwer hier viel Neues zu schreiben, weil es keine neuen Entwicklungen gibt.

Vor uns liegt eine von den Nachrichten und Terminen her relativ ruhige Woche. Die Rally läuft mit Macht, auch heute sehen wir wieder Stärke, von Korrektur ist selbst nach dem beeindruckenden Wochenausklang keine Spur. Wer die aussergewöhnliche Stärke nun immer noch nicht wahrhaben will, leidet unter einer Wahrnehmungsstörung.

Ich wiederhole wie hier schon letzte Woche gesagt, für mich hat diese Rally Substanz, das sind nicht mehr die kurzen Rallys des 2. Quartals, die dann sofort wieder abverkauft wurden. Hier fliesst echtes Geld mit "Conviction" in den Markt und auf die unterinvestierte Mehrheit entsteht Performance-Druck. So sieht das Verhalten eines Bullenmarktes aus, ein Verhalten das wir im ganzen 2. Quartal nicht hatten.

Auch Jim O’Neill, Chairman von Goldman Sachs giesst Öl in dieses Feuer, wie Sie nachlesen können und ich muss gestehen, auch mir drängt sich der Eindruck eines "Game Changers" auf, der im Raum steht. Wie Sie wissen, habe ich diese Einschätzung einer konzertierten Aktion schon vor Tagen in den Tips vertreten.

Ich unterschätze aus Erfahrung auch keineswegs die Fähigkeit von Mr. Market, solche Entwicklungen und grundlegende Trendwenden frühzeitig zu riechen und wie Mr. Market denkt, zeigt er uns gerade mit Macht. Vor diesem Hintergrund ist es gefährlich, seinen eigenen Überzeugungen und Einschätzungen nachzuhängen. Profitabler ist es in der Regel, einfach dem Markt auf seinem Weg nach oben zu folgen und die Absicherung brav mitzuziehen.

In diesem Zusammenhang passt es auch ins Bild, das zur Eurokrise plötzlich immer mehr Berichte auftauen, die von ersten Erfolgen der Spar- und Reformpolitik berichten, so zb oder . Auch das ist ganz typisch für solche Situationen, an denen sich am Horizont eine andere Wahrnehmung der Wirklichkeit zeigt.

Damit es keine Missverständnisse gibt, ich rufe hier nicht das Ende der Krise aus, ich glaube vielmehr, wir werden noch einige Eskalationen erleben, an deren Ende ein anderes Europa und ein anderer Euro steht, wenn es denn überhaupt noch der Euro ist. Ich rede hier nur über die nächsten Wochen, konkret den Monat August. Und da bleibt mein tendentieller Eindruck, dass der Markt noch mehr Luft nach oben hat, als die meisten im Moment ahnen. Klar ist aber auch, dass der Höhepunkt der aktuellen Bewegung, wann immer er kommt, wahrscheinlich eine hervorragende Short-Gelegenheit sein wird. Denn vorbei ist die Krise mit Sicherheit nicht !

Konkret kann es gut sein, dass der Markt nun erst einmal die runden Marken 1400 im S&P500 und 7000 im DAX sehen will, bevor die nächste ernst zu nehmende Runde der Gewinnmitnahmen einsetzt. Zumindest im S&P500 könnte die 1400 schon heute Realität werden. Nach der dann anstehenden Korrektur besteht aber durchaus die Chance für neue Jahreshöchststände.

Denn die Kombination von massiver Hoffnung in die Notenbanken, verbunden mit der Ruhe des Sommers und einem verbreiteten negativen Sentiment, das von Markt nichts erwartet, hat das Potential uns höher zu treiben, als in Anbetracht der realen Lage in der westlichen Welt wohl gerechtfertigt ist. Denken Sie daran, Börsen übertreiben in beide Richtungen und nicht nur nach unten !

Übrigens, noch ein für Sie vielleicht überraschender Hinweis. Ich bin der Meinung dass viele konservative Aktien im Bereich Nahrung/Konsum nun zu weit gelaufen sind. Gemeint sind Titel wie Nestle, Kraft Foods, Johnson & Johnson etc. Das sind hervorragende Aktien, die man dauerhaft halten kann, keine Frage. Aber das schnelle Geld ist damit nun gemacht und die Risikoprämie aus der Eurokrise vereinnahmt. Ich würde in dem Segment nun nicht mehr von grossen Zugewinnen in der überschaubaren Zukunft ausgehen. Übrigens habe ich gerade heute gesehen - und das ist auch der Grund das ich das hier erwähne - das auch das "Orakel von Omaha" in diese Richtung denkt, wie Sie nachlesen können.

Alles in allem stehe ich wirklich unter dem Eindruck, das der Markt gerade dabei ist einen Paradigma-Wechsel zu vollziehen - man könnte das auch einen "Leap of Faith" nennen, der erneut diejenigen am Strassenrand zurück lassen wird, die nicht schnell genug gedanklich umschalten können und den alten, eingeübten Reflexen nachhängen.

Ich kann daher gerade in dieser Phase nur zu allergrösster gedanklicher Flexibilität und Offenheit raten. Nehmen Sie die Wirklichkeit, wie sie sich Ihnen in Form der Kurse offenbart. Und nicht so, wie Sie glauben das sie sein sollte, dafür interessiert sich Mr. Market nämlich gar nicht !

Und bei alledem - und trotz des "Geruchs" einer Trendwende in der Luft - sollten wir die hervorragenden Stopniveaus nicht vergessen, die uns die Bärenfalle von Donnerstag nun verschafft hat. Den "Vorsicht ist die Mutter der Porzelankiste" und gut abgesichert, lässt sich auch mal aggressiver spielen, ohne gleich Haus und Hof zu verlieren, wenn Mr. Market doch wieder eine überraschende Volte schlagen sollte !

In diesem Sinne viel Erfolg !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Hari´s Wochenausblick – 04.06.12 – Politische Funkstille

13 Uhr

Wie Sie letzte Woche an meinen drei Marktupdates bemerkt haben, war ich doch recht präsent an den Märkten, habe es aber trotzdem etwas langsamer angehen lassen.

Deswegen möchte ich den ersten grösseren Beitrag der Woche heute einmal für das grössere politische Bild nutzen und Ihnen am Schluss drei Marktsegmente nahelegen, in denen ich mich aktuell, trotz aller Sorgen um die Euro-Zone, vergleichsweise wohl fühle. Bemerkenswert ist vielleicht auch, dass ich meine bisher negativen Markterwartungen mit dem heutigen Tag leicht aufhelle. Dieser Beitrag ersetzt heute die Märkte am Abend um 22 Uhr, die nur erscheinen, falls sich am Markt heute noch etwas grundsätzlich neues oder besonders bemerkenswertes ereignet.

Zunächst zur Grosswetterlage.

Der nun über Wochen andauernde Absturz der Märkte ohne echte Gegenwehr liegt nach meiner Ansicht im Wesentlichen an einem Grund: Der Unsicherheit um die Zukunft der Eurozone. Und diese eskaliert nur deshalb so sehr, weil Politik und Notenbanken seit Wochen keine Anstalten machen, durch klare Signale dem Markt "Futter" für Hoffnung zu liefern. Eine Führung der Eurozone ist nicht mehr sichtbar, wie sie noch zu Zeiten "Merkozy" durchaus Eindruck auf die Märkte gemacht hat. Mr. Market kommt mit fast allem gut klar, auch mit schlechten Nachrichten, aber Unsicherheit und Unklarheit hasst Mr. Market wie die Pest !

Der Grund für die "politische Funkstille" dürfte in dem Powerplay liegen, dass derzeit um die Zukunft Europas läuft und auf allen Kanälen ausgetragen wird. Die südlichen Länder haben ein Interesse daran, so schnell wie möglich die nördlichen Länder - vor allem Deutschland - zu einer unbeschränkten, gemeinschaftlichen Haftung zu veranlassen. Denn das erspart den Südländern manche Schmerzen und verschafft schnelle Linderung. Gerne wird dafür auch die mediale Unterstützung aus der Obama Administration angezapft, der es aber auch nicht um die "richtige" Lösung für Europa gehen dürfte, sondern nur darum, kurzfristig brauchbare Wirtschaftsdaten in den US vorzuweisen, deren Fehlen die eigenen Wiederwahl massiv gefährden. Insofern sind Aussagen der Obama Administration zu Europa in meinen Augen höchst eigennützig und ohne Wert für Europas grundlegende Fragen.

Umgedreht ist genau die unbeschränkte Haftung ohne Durchgriffsrechte gegen das Interesse der nördlichen Länder und das gilt nicht nur für Deutschland. Hollande wurde das beim letzten EU Gipfel ja eindrucksvoll vorgeführt, als eine Reihe kleinerer Länder weit aggressiver als Deutschland gegen Euro-Bonds argumentierten.

Die Wahl in Frankreich hat diesen Schwebezustand verschärft, weil die vertraute Eintracht Merkozys nun Geschichte ist und Hollande sich an der Realität erst die Hörner abstossen muss. Bis zur Parlamentswahl am 17.06. ist von der Seite wenig Realitätssinn zu erwarten. Ganz typisch für ihren Stil, hat sich Frau Merkel scheinbar dafür entschieden, Hollande erst einmal gegen die Wand laufen zu lassen und verhält sich bewusst passiv, bis die Märkte Frankreich die Grenzen aufgezeigt haben. Die Schweigsamkeit aus Deutschland in Sachen Europa ist doch aktuell mit den Händen zu greifen und steht im krassen Gegensatz zur Merkozy Ära. Taktisch und machtpolitisch ist das wohl eine gute Strategie Merkels und so hat sie ja schon einige Männer ins Leere laufen lassen, die zunächst mit grossen Ankündigungen starteten.

Für die Märkte ist diese Strategie aber Gift, denn so frisst sich die Unsicherheit durch. Am Ende ist völlig unklar, wie dieses Powerplay ausgeht. Trotz allem bin ich mir einer Sache höchst sicher: Staaten wie Notenbanken werden die Eurozone nicht einfach ins Chaos abgleiten lassen, dafür steckt zuviel politisches Kapital in dem Projekt. Es wird daher nach meiner Ansicht mit grosser Wahrscheinlichkeit einen neuen massiven Rettungsversuch geben. Und der Zeitpunkt dafür dürfte nicht mehr zu weit entfernt sein, ich reche im Juni fest mit massiven Interventionen, vielleicht schon diese Woche.

Schaut man sich die überverkaufte, ja teilweise panische Lage der Märkte an, dürfte eine derartige Aktion - gleich welchen Inhalts - zu einem brutalen Shortsqueeze führen und den DAX um hunderte Punkte nach oben katapultieren.

Glaube ich, dass mit einer erneuten Intervention ala QE3 oder LTRO2 die grundlegenden Probleme gelöst werden können ?

Definitiv nein, die Lebenslügen des Euros bleiben bestehen und die Scheerkräfte die aus den unterschiedlichen Produktivitäten resultieren, werden weiter wachsen und letztlich zum Zerfall des Euro führen, wenn nicht schnell eine weit tiefer integrierte und homogenere Wirtschaftszone entsteht, was wohl nur höchst undemokratisch möglich wäre und deswegen sehr unwahrscheinlich ist. Aber für eine mehrmonatige Beruhigung bis zur US Wahl könnten Massnahmen ala LTRO sehr wohl sorgen. Das sollte man nicht unterschätzen, wenn man nun nur noch schwarz sieht, weil man sich zu sehr von der allgemeinen Stimmung anstecken lässt.

Wichtig ist auch zu sehen, dass aufgrund der grossen Abhängigkeit von Interventionen der Notenbanken und Politik, technische Marken in ihrer Aussagekraft weiter deutlich herab gesetzt. Auch der bedeutende Bruch der 200 Tage Linie, der heute letztlich technisch bestätigt wurde, sollte in meinen Augen zwar ernsthaft zur Kenntnis genommen, aber auch nicht überbewertet werden. Derartige Indikatoren sind dann sehr mächtig und verlässlich, wenn der Markt ruhig "im eigene Saft" schwingt. Das ist aber aktuell definitiv nicht der Fall, wir befinden uns in historisch unerforschten Gewässern.

Stellen Sie sich alleine vor, morgen würde es von Seiten Merkel Signale geben, dass man dem Gedanken einer Bankenunion - also einer Vergemeinschaftung der Banken-Risiken - aufgeschlossen gegenüber sei. Ich gehe fest davon aus, dass der DAX dann innerhalb 48 Stunden wieder bei 6400 stehe würde. 200 Tage Linien interessieren dann niemanden mehr. Bedenken Sie also dieses massive "Headline-Risiko", wenn Sie aktuell rein aufgrund technischer Signale agieren wollen. Das bedeutet nicht, dass die Signale wertlos wären, man sollte nur wissen wo die Grenzen der Methode in einer historisch so einmaligen Lage wie aktuell sind.

Auch statistisch ist das leicht zu verifizieren, betrachtet man die 200-Tage-Linie 10 Jahre im Tageschart zurück bis 2002 und zählt die Fälle, in denen die Linie wie aktuell von oben geschnitten wurde, hatten wir:

  • 3 signifikante Fälle, in denen ein Bruch der 200-Tage-Linie eine neue signifikante Baisse ankündigte. Und zwar 02/02, 01/08 und 08/11.
  • aber auch 5 Fälle, in denen ein Bruch der 200-Tage-Linie um mindestens 100 Punkte trotzdem innerhalb weniger Tage und Wochen zum Fehlsignal wurde. Und zwar 08/04, 06/06, 05/10, 08/10 und 03/11.

Bei aller Bedeutung, die auch ich einem solchen Bruch der 200-Tage-Linie beimesse, sollte man also nicht glauben, hier nun einen Indikator zu haben, dem man blind folgen kann. So einfach macht es einem Mr. Market nie, wäre es anders, könnte jeder an der Börse reich werden.

Insofern wird es in meinen Augen nun zunehmend riskant auf der Short-Seite zu stehen bzw gar nicht im Markt investiert zu sein. Umgedreht sind aggressive Long-Wetten gegen den Trend immer noch Harakiri und Kapitalerhalt die erste Anlegerpflicht, denn das Risiko eines echten Zusammenbruchs der Märkte ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem glaube ich, dass man nun auch mal langsam wieder in "Chancen" denken darf, solange man für sachgerechte Absicherung der Position sorgt.

Sie wissen, dass ich seit Ende März hier im Blog immer wieder eine Tendenz zu weiter fallenden Kursen kommuniziert habe, die sich eindrucksvoll bestätigt hat. Falsch lag ich nur beim Ausmass der Bewegung, denn das wir nun sogar unter 6000 schauen, hatte ich Ende März nicht auf dem Radar, 6400 und maximal 6200 waren aber sehr wohl auf meinem Radar, wie Sie als regelmässige Leser wissen.

Es sei hiermit vermerkt, dass sich diese bärische Tendenz bei mir nun langsam wendet ! Ich kann mir noch gut vorstellen, dass der DAX kurzfristig noch die 5800 testet und der S&P500 die 1250, spätestens dann steigt aber die Wahrscheinlichkeit eines massiven Bounce erheblich. Schon aktuell habe ich eine leichte Tendenz zu höheren Kursen im Juni, sozusagen 60:40 für Long-Positionen bis Ende Juni.

In dieser unklaren Lage zwischen Chancen und "Crash-Risiken" muss jeder seinen eigenen Weg finden, der zum eigenen Risikoprofil passt. Für Marktteilnehmer wie mich, die den Markt permanent im Auge haben, sind gut abgesicherte Long-Positionen nun durchaus denkbar und bergen teilweise interessante Chancen. "Otto-Normalanleger" der nicht schnell genug reagieren kann, wenn der Markt dann doch gegen ihn läuft, sollte wohl besser komplett an der Seitenlinie stehen, bis sich wirklich ein neuer Trend etabliert hat. Denn auch 40% sind ziemlich wahrscheinlich. 😉

Fazit:

Ich gehe fest von massiven Interventionen der Politik und Notenbanken im Juni aus. Egal was der Inhalt ist und egal ob diese Interventionen langfristig irgend etwas lösen, haben sie das Potential den Markt in einem gewaltigen Short-Squeeze nach oben zu drücken. Der Zeitpunkt ist aber unklar und bis dahin dürfte der Abwärtstrend erhalten bleiben.

Bedenken Sie auch, dass die Reihenfolge fast immer ist: der Markt dreht massiv und die guten Nachrichten kommen dann hinterher. Die Fähigkeit Mr. Markets Trendwenden in der realen Welt frühzeitig zu erahnen, ist ungebrochen, was schon alleine daran liegt, dass es eben sehr viele smarte "Defacto-Insider" gibt, die so nah an Politik und Institutionen dran sind, dass sie viele Entscheidungen erahnen können.

Insofern kann ich nur raten, die europäischen Banken, zb in Form des ETF iShares Eurostoxx Banks (WKN 628930) genau im Auge zu behalten. So wie der ETF den Absturz der Weltbörsen seit Mitte März vorweg genommen hat, könnte ein deutliche Stabilisierung dort ein Signal sein, dass der breite Aktienmarkt auch nicht mehr weit von einem Boden entfernt ist.

Nach Betrachtung all der Probleme, will ich deshalb heute auch einmal Marktsegmente auflisten, die nach meiner Ansicht im positiven Sinne einen Blick wert sein könnten, gerade auch mitten in der Krise:

(1) Gold und Goldminen habe ich hier ja zu genüge thematisiert. Wenn man sich einen Stop unter die Tiefs von Mitte Mai legt, ist man sauber abgesichert und kann entspannt verfolgen, ob sich die Trendwende weiter materialisiert. Auch Silber sollte profitieren, allerdings ist hier die Lage aufgrund der Funktion von Silber als Industriemetall komplizierter, weswegen ich bei Silber zwar grosse Chancen aber auch grössere Unsicherheit ob der weiteren Entwicklung sehe.

(2) US Industrieaktien profitieren von einer anlaufenden neuen Industrialisierung der USA, die unter anderem von billigem Erdgas befeuert wird. Aber auch der starke Dollar hilft, die Einfuhren in die US zu verbilligen. Die ideale Aktie erzielt also ihre Umsätz primär in Dollar (ist also von der Konjunktur in Europa wenig abhängig) und bezieht gleichzeitig viele Vorprodukte aus Übersee, die nun durch den aufwertenden Dollar billiger werden und/oder profitiert von den niedrigen Energiekosten.

(3) Internationale Bluechips für Grundbedürfnisse , also beispielsweise Titel wie Nestle (WKN A0Q4DC), Unilever (WKN A0JMZB), Johnson&Johnson (WKN 853260) oder Roche (WKN 851311) , profitieren davon, dass bei sich weiter verschärfender Krise, genau diese Titel die idealen "Wertaufbewahrungs-Container" sind, mit denen man Kapital vor Totalverlust und Bankrun schützen kann. Schon jetzt halten sich diese Aktien ausgezeichnet, bei Verschärfung der Krise dürfte der Vorteil dieser Aktien weiter wachsen. Nur wer daran glaubt, dass sich die Krise bald in Luft auflöst, kann in meinen Augen auf derartige Depotpositionen verzichten.

Mit Titeln aus diesen drei Segmenten, fühle ich mich persönlich auch mitten im aktuellen Absturz sehr wohl. Verbunden mit genügend Cash, kann ich die aktuelle Lage so vergleichsweise entspannt betrachten. Sobald Anzeichen für eine Intervention der Politik und Notenbanken auftauchen, wird der freie Cash dann in die "üblichen Verdächtigen" im konjunktursensiblen Bereich der Autos, Rohstoffe etc investiert, die in den vergangenen Wochen ja genügend verprügelt wurden.

So weit mein grobe Strategie zur aktuellen Lage. Ich hoffe, ich war ein wenig hilfreich. Sollte sich heute noch etwas bedeutendes ereignen, kommt noch ein Marktupdate um 22 Uhr. Ansonsten wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen Tag !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 15.05.12 – Paul Krugman und die nackte Angst

22 Uhr - Handelsschluss

Ein bitterer Tag an den Märkten geht zu Ende. Nachdem endlich klar war, dass in Griechenland Neuwahlen kommen, hatten wir eine erneute kleine Chance auf eine Rally, die der Markt aber erneut verpasst hat. Denn der Markt hatte die Nachricht ganz gut verdaut und die 1340 im S&P500 und 6400 im DAX wurden von den Bullen zunächst erfolgreich verteidigt. Aber Schwäche in der letzten Stunde machte die leichte Stärke erneut zunichte und nun stehen wir im wahrsten Sinne des Wortes vor dem Abgrund. Wenn wir nun nicht ganz schnell drehen, stehen wir vor der Gefahr eines gewaltigen Schwalls nach unten, das was ich gestern die "Klospülung" nannte. Dieser Schwall dürfte den DAX mindestens unter 6200, potentiell sogar unter 6000 drücken.

"Eigentlich" ist nun alles für eine gewaltige Rally bereit, alle wesentlichen Indikatoren der Markttechnik zeigen Extreme, die von überbordendem Pessimismus und nach unten überdehnten Zuständen berichten. Das Problem ist die gewaltige Unsicherheit über die Zukunft des Euros. Und wenn Sie nicht verstehen, was da in den Köpfen der Wallstreet herum geistert, dann empfehlte ich Ihnen nun mal in den kleinen Blog von Nobelpreisträger zu schauen, der unter der Überschrift "Eurodämmerung" schlimmste Bilder der nahen Zukunft malt.

Ich teile seine keynesianische Meinung dazu was für Europa richtig wäre überhaupt nicht, warum habe ich gestern erklärt, weil diese Logik wie so vieles in der Volkswirtschaftslehre den menschlichen Faktor übersieht. Aber ich finde diesen Weltuntergangston schon bezeichnend und bemerkenswert. So wird auch Meinung gemacht, wer wundert sich in Anbetracht dieser "Visionen" noch darüber wo die Kurse stehen und das die amerikanischen Anleger ihr Geld repatriieren ?

Es gibt halt auch so etwas wie eine "Selbsterfüllende Prophezeihung" und Angst ist wie ein Krebsgeschwür, das weitere Angst nach sich zieht. Aber auch das ist etwas, was man als Ökonom nur dann verstehen könnte, wenn man sich mehr mit der menschlichen Psyche beschäftigen würde. Schauen Sie auch mal die Kommentare der Leser an, hier können Sie ein interessantes, weltweites Meinungsbild bekommen. So zum Beispiel "Thanos aus Athen: Mr Krugman is trying a new forecast, after seeing that his similar prediction for the breakdown of the euro zone before the end of last year has not been verified."

Zurück zum Markt, diese Unsicherheit und desaströse Erwartung ist das Problem. Ich bin sicher, der Markt hat gar kein Problem mit einem Euro-Austritt Griechenlands. Würde er morgen passieren, dürfte der Markt nach einem kurzen Schreck ganz schnell in den Rally-Modus wechseln, weil die Welt doch nicht untergeht. Und würde sich morgen in Griechenland eine stabile Regierung etablieren, würde der Markt sowieso in den Rally-Modus wechseln. Egal wie also diese Unsicherheit aufgelöst würde, es wäre gut für den Markt. Die Unsicherheit selber ist das Problem und solche düsteren Weltuntergangsszenarien wie von Paul Krugman. Wirtschaft ist eben doch zu mindestens 50% Psychologie.

Und deshalb stehen wir nun an der Klippe, der Markt ist so angeschlagen, dass der Crash im Sinne einer "Klospülung" nun ein sehr reales Risiko ist. Vergeht die Unsicherheit aber, egal aus welchem Grund, dürfte ein gewaltiger Short-Squeeze folgen.

Ein drittes theoretisches Szenario haben wir noch in den kommenden Wochen. Da es nun einfach dauert bis zur Wahl, haben wir die Chance, dass das Thema Griechenland temporär in den Hintergrund tritt und damit eine anämische Stabilisierung der Märkte erlaubt. Es sollte sich dann aber niemand einer Illusion hingeben, nach der Wahl dürfte es mit aller Macht weitergehen, denn wo soll denn die stabile Regierung herkommen die die Unsicherheit nimmt ? Die einen Parteien haben das Land abgewirtschaftet und sind für Filz und Korruption mitverantwortlich. Ich würde die als Grieche auch nicht wählen. Die anderen sind Radikale ohne jede Erfahrung, die selbst wenn man ihnen guten Willen attestiert, jede Menge Porzellan zerdeppern werden. Bei den sowieso blank liegenden Nerven auf der ganzen Welt, ist das das perfekte Szenario für Chaos an den Märkten.

So viel für heute zur Lage, glauben Sie mir, ich würde wirklich gerne Positiveres berichten.

Sich über einzelne Aktien Gedanken zu machen, macht in diesem Umfeld nach wie vor wenig Sinn. Trotzdem will ich Ihnen heute 6 Aktien gegenüberstellen, 6 Aktien die Sie alle kennen, insofern ist keine Überraschung dabei. Wichtig ist für mich aber sich immer wieder - und auch in solchen Phasen - klarzumachen, was kaufenswerte Aktien von denen unterscheidet, von denen man seine Finger lassen sollte. Und deshalb empfehle ich, sich anhand dieser Beispiele auch selber erneut diese Frage zu stellen. Fangen wir einfach an:

Nach ebenso schlechten Zahlen wie schlechtem Ausblick wurde heute ThyssenKrupp (WKN 750000) mit fast 5% Minus geschlachtet. Ich hatte schon mehrfach -> hier <- und -> hier <- auf die massiven Probleme des Unternehmens hingewiesen, die für mich letztlich auf Versagen des Managements und der Aufsichts-Organe beruhen. Nachdem dann gegen 15.35 Uhr die Meldung über den Ticker ging, dass die neuen Stahlwerke in Brasilien und USA vom neuen CEO nun "auf den Prüfstand" gestellt werden, machte der Markt in kürzester Zeit die Verluste weg und ThyssenKrupp drehte ins Plus.

Aus Sicht des Marktes ist das verständlich, denn das beinhaltet die Hoffnung, dass TK durch die Verluste nicht völlig in den Orkus gezogen wird. Nur ist das wirklich eine gute Nachricht ? Man baut auf dem Höhepunkt des Booms zwei neue Stahlwerke, versenkt dabei Milliarden - unter anderem auch wegen operativer Mängel - und will diese neuen Stahlwerke dann mitten in der Stahlbaisse verkaufen ?

Wäre es nicht so traurig, müsste man das als Kontraindikator werten und nun Stahlaktien kaufen, denn bei dem miesen Timing dass TK in der Vergangenheit an den Tag gelegt hat, könnte diese Entscheidung genau den Tiefpunkt der Stahl-Baisse markieren. In jedem Fall würde sich nach meinem Verständnis von Verantwortung bei so einem Desaster der Rücktritt aller damals Verantwortlichen gehören, beginnend bei Aufsichtsratchef Gerhard Cromme. Alleine Ekkehard Schulz als "Sündenbock" zu opfern, reicht mir nicht. Aber ein Rücktritt Crommes wird sowieso nicht passieren, was schreibe ich hier. Dafür müsste Berthold Beitz mit seinen 98 Jahren die schützende Hand über Cromme zurück ziehen, was wohl kaum passieren dürfte, weil er einen Nachfolger an der Spitze der Krupp-Stiftung braucht.

Egal wie "billig" ThyssenKrupp aussieht, für mich gilt in Anbetracht derartig eklatanten Versagens weiterhin: Finger weg. Denn auch wenn die Stahlkonjunktur nun drehen sollte, die speziellen Probleme von ThyssenKrupp gehen nicht so schnell weg und die Absicht etwas "auf den Prüfstand" zu stellen ist ja nett, passiert ist deswegen noch lange nichts. Wenn man nun die Wende bei deutschen Stahlunternehmen spielen will, ist man in meinen Augen in der finanziell soliden Salzgitter (WKN 620200) besser aufgehoben.

Ebenso eine "Igitt-Aktie" ist und bleibt für mich persönlich Nokia (WKN 870737), die immer weiter fallen und fallen und nun bald bei 2€ ankommen dürften. In letzter Zeit mehren sich zu Nokia nun auch die Stimmen, die die Zukunft des Konzerns generell in Frage stellen. Ich bin froh bei 4€ ausgestoppt worden zu sein und diesen Stop auch honoriert zu haben. Ich halte es für einen Fehler, mit der verblassenden Erinnerung an die alte Nokia vor Augen, nun rein auf Hoffnung auf eine Wende zu setzen. Das Börsenparkett ist gepflastert mit ehemaligen Marktführern, die nun ganz vom Kurszettel verschwunden sind. Auch zu Nokia habe ich unter anderem -> hier <- schon deutliche Worte gefunden. Alles spricht nun dafür, dass sich Nokia in einem verzweifelten Überlebenskampf mit ungewissem Ausgang befindet - daran muss ich mit meinem Kapital nicht teil haben.

Nach diesen beiden "Igitt-Aktien" macht es daher Sinn, sich mal die Gegenseite anzuschauen. Eche Blue-Chips also, die sich trotz aktueller Korrektur in einem intakten Aufwärtstrend mit guter Auftragslage befinden. Denn das sind die Aktien, in denen nach meiner Erfahrung Kapital besser aufgehoben ist, als bei einer blinden Wette auf einen Turnaround von "Fallen Angels". Denn denken Sie daran: The Trend is your friend !

Da fällt mir aus dem Automobilsektor zunächst Continental (WKN 543900) ein, die sich vor Aufträgen kaum retten können und durch die mögliche Aufnahme in den DAX weiter unterstützt sind. Alleine eine gewisse Unsicherheit um mögliche Kapitalmassnahmen seitens Schäffler ist hier kritisch zu sehen.

Aber auch der Klassiker BASF (WKN BASF11) hat für mich nun langsam wieder interessante Kurse und ein starkes, stabiles Geschäft. Wenn der Kurs oberhalb 55€ drehen sollte, ist der langfristige Aufwärtstrend voll intakt.

Ähnliches gilt für die SAP (WKN 716460), bei der ebenso wie bei BASF ein Ende der Korrektur auf dem aktuellen Niveau nur eine Bestätigung des Aufwärtstrends wäre. Um die mittel- und langfristigen Geschäftsaussichten bei SAP bin ich nicht bange.

Zuletzt der Nahrungsmittelkonzern Unilever (WKN A0JMZB), der in schöner Gleichmässigkeit nach oben strebt und mit seinem breit aufgestellten Geschäft wie Nestle (WKN A0Q4DC) ein Fels in der Brandung ist.

Diese vier Bluechips sind nur Beispiele, es gibt aktuell unzählige weitere derartige Qualitäts-Aktien. Oft sehen solche nach oben trendenden Aktien auf dem Papier nicht so billig aus, wie wir das von Turnaround-Spekulationen ala Klöckner (WKN KC0100) oder eine Reihe der Grundstoff-Aktien her kennen. Das liegt halt daran, dass das Geschäft einfach zu gut läuft und der Markt das schon honoriert hat. Sicher sind solche Titel daher auch nicht die, bei denen man sich eine schnelle Verdoppelung versprechen darf. Dafür bekommt man aber hohe Qualität und Stabilität und investiert mit dem Trend. In Zeiten grosser Unsicherheit sind das schon mal ein paar wichtige Kriterien, die man nicht unterschätzen sollte.

Beides kann im Depot theoretisch funktionieren, investiert in starke Bluechips wie oben mit dem Trend zu laufen, oder eine Turnaround-Wette wie bei Klöckner erfolgreich abzuschliessen. Beides sind nach meiner Erfahrung prinzipiell funktionierende Methoden. Was aber nicht funktioniert, ist blind auf ein Comeback alter "Grössen" wie Nokia zu spekulieren, ohne dass der Kurs dafür schon Anzeichen gibt. Das ist der berühmte Griff ins fallende Messer, den ich tunlichst vermeide wo ich kann.

Zum Abschluss heute noch ein Hinweis auf eine wie ich finde ganz spannende Entwicklung. Wenn man wie surveybuilder.info.de in seiner Reichweite steigt, bekommt man zunehmend Bitten, doch mal in dem einen oder anderen Artikel "positiv" über bestimmte Banken, Seiten etc zu schreiben. Sicher liesse sich damit als "Gegenleistung" auch Geld machen. Ich lehne dergleichen aber immer ab, weil das für mich verkappte Werbung ist, die die eigene Glaubwürdigkeit massiv in Frage stellt. Auf surveybuilder.info.de sollen Sie sich darauf verlassen können, dass Sie die ehrliche und ungeschminkte Meinung der Autoren lesen - ohne jegliche verkappte wirtschaftliche Interessen. Wenn ich hier mit surveybuilder.info mal Umsatz machen sollte, wird das ausschliesslich offen oder als Werbung deutlich kenntlich geschehen.

Heute will ich aber mal eine aktuelle Anfrage nicht ablehnen und ihre Aufmerksamkeit kostenlos auf die lenken, die sich mir heute per E-Mail vorgestellt hat. Wikifolio ist ein Beteiligungsunternehmen der Handelsblatt Verlagsgruppe. Eine Pressemitteilung, die die Grundidee erläutert, können Sie nachlesen.

Denn ich finde die Idee des "Trading via Social Networking" ganz spannend und innovativ. Ich habe zwar meine Zweifel, ob das dauerhaft zu grösserem Erfolg der Anleger führen kann, denn das Prinzip "Die Herde hat selten Recht" ist an der Börse universell gültig. Aber zumindest das Geld unerfahrener Anleger könnte vielleicht manchmal in Portfolios erfahrener Anleger mit hohem sozialen Track-Record besser aufgehoben sein, als bei bestimmten Bankprodukten, deren einziger Sinn die Provisionsmaximierung ist.

Jetzt ist natürlich auch das Startup "Wikifolio" keine karitative Veranstaltung und hat ein Interesse an wirtschaftlichem Erfolg. Insofern sollte man sich das Geschäftsmodell noch einmal genau anschauen, was ich bisher noch nicht getan habe. Solange das Unternehmen aber im Sinne eines "fairen Maklers" von allen Beteiligten nur offene Gebühren/Erfolgsbeteiligungen nimmt, finde ich das eine begrüssenswerte Idee, die einen Blick wert ist.

Schauen Sie einfach mal drauf, ich habe bisher mangels Zeit auch nur ein Auge auf die Plattform geworfen. Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Meinung und Eindrücke hier im Blog kundtun. Denn das Thema "Trading via Social Networking" ist höchst spannend.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **