Warum das „Smart Money“ mehr groß als „smart“ ist


Der folgende Grundlagen-Artikel erschien Anfang diesen Jahres im Premium-Bereich. Für die Lesbarkeit im freien Bereich, wurde er bei Referenzen und Links leicht überarbeitet

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In diesem Artikel, möchte ich für Sie einordnen, was sich hinter dem Begriff "Smart Money" verbirgt, für den es auch andere Begriffe gibt wie das "Big Money" oder die "Markt-Elefanten".

Und auch der "Composite-Operator" der sogenannten beschreibt die gleiche Gruppe, der Begriff ist eine abstrakte Metapher für die Gruppe im Markt, die alleine durch Größe und Wissen, die Richtung des Marktes ganz wesentlich beeinflussen kann.

Auch ich spreche oft flapsig vom "Smart Money" oder von den "Marktelefanten" und meine damit die gleiche Gruppe, die mit dem Begriff "Composite Operator" in ein eingängiges Bild gefasst wird. Womit sich vielleicht doch mal die Frage anschliesst, wer damit überhaupt gemeint ist und ob das "Smart Money" wirklich so smart ist?

Vor allem, wir lesen und erleben doch immer wieder, dass Hedgefunds zu Hunderten auch 2018 Pleite gegangen sind, dass Fondsmanager sich 2018 durchweg nicht mit Ruhm bekleckert haben und im tiefen Minus mit ihren Fonds hängen und selbst "Helden" wie David Eichhorn, der in der Reihe der genannt wird, in 2018 mal eben .

Wie "smart" ist dieses "Smart Money" also eigentlich und stehen hinter dem "Composite Operator" konkrete Namen mit besonderem Insiderwissen?

Die wichtige Antwort drauf ist Nein! Alle kochen nur mit Wasser, auch die Einhorns dieser Welt! Und es gibt dieses "Smart Money" und diesen "Composite Operator" gar nicht als dedizierte Personen oder Gruppen, das ist eine Fiktion. Es sind einfach abstrakte Konzepte, die einen Sinn haben.

Bevor ich zum Sinn komme sei gesagt, dass es natürlich echtes Insiderwissen im Markt gibt. Wir erleben das immer wieder bei Einzelaktien, wenn schon Stunden oder einen Tag vor einer wichtigen Nachricht, die Kurse in die (im nachhinein) richtige Richtung zu laufen beginnen. Da wissen dann schon welche was, die gleicher als gleich sind und starten faktische Insidertrades, die in der Regel unentdeckt bleiben.

Nur das sind keineswegs immer die gleichen Personen und es ist vor allem spezifisches Wissen zu einem Ereignis oder einem Unternehmen - was den ganzen Markt angeht, ist das weit schwieriger bis unmöglich.

Schauen wir doch die letzten Wochen des Jahres 2018 an. FED-Chef Jerome Powell hat mit seiner Kommunikation schwer überrascht, wahrscheinlich er sich auch selber, weil ihm gar nicht klar war, welche Lawine des Missvergnügens er da vor Weihnachten in Gang setzen würde. Und Trump kaspert mit Chinas Xi herum und selbst seine eigenen Berater die um ihn sind wie Larry Kudlow, werden immer wieder von seiner nächsten Volte überrascht, siehe seine überraschende Entscheidung im Telefonat mit Erdogan aus Syrien abzuziehen.

Und dabei sind die beiden Themen FED und Handelskonflikt, die großen Sorgen die den Markt gerade bewegen und ich garantiere Ihnen, das "Smart Money" bzw der "Composite Operator" rätselt genau so über Trump wie wir. Wie will ein Dritter auch etwas wissen, das Powell nicht bewusst ist und Trump nicht mit seinen Beratern bespricht, bevor er es verkündet?

Ja, vielleicht bekommen die mal was von Kudlow gesteckt, der es wieder seinem alten Partner Jim Cramer steckt, wer weiss das schon? Und die haben die besseren Daten zu dem was im Markt passiert, als wir kleinen "Blindfische". Aber trotzdem, wirklich etwas "wissen" tun sie nicht und ökonomische Daten sind auch mehrdeutig und so besonders "smart" können sie dann auch nicht sein, wenn man sich - siehe oben - die Ergebnisse vor Augen führt.

Wie passt das dann denn überhaupt alles zusammnen?

Eigentlich gibt es also kein konsistentes Smart-Money und doch funktionieren Konzepte, bei denen man genau schaut, was diese Markt-Elefanten treiben und diese Konzepte führen zu besseren Anlageentscheidungen.

Es lohnt sich also den Handlungen der "Markt-Elefanten", des "Composite Operators" zu folgen und gleichzeitig ist der aber meistens gar nicht so smart und weiss nicht viel mehr als wir.

Erneut, wie passt das zusammen?

Meine Antwort ist einfach und elegant und sie ist absolut faszinierend, weil es mal wieder die -> Reflexivität <- ist, die hier den entscheidenden Faktor ausmacht.

Die Antwort ist verkürzt gesagt:

Die Markt-Elefanten bestimmen den Markt, weil sie Elefanten sind. Weil sie Elefanten sind, können sie von dieser Dominanz aber nicht immer profitieren.

Denn das "Smart Money" ist gar nicht besonders "smart", es ist aufgrund seiner schieren Feuerkaft aber trotzdem marktbestimmend.

Stellen Sie sich eine Kugelpyramide vor und nun will einer seine Kugel heraus ziehen, eine Kugel die so groß ist, dass die Statik der Pyramide davon abhängt. Wenn diese Kugel gezogen wird, fällt die ganze Pyramide zusammen.

Die Pyramide fällt aber nicht zusammen, weil der so "smart" war und das vorher geahnt hat. Sie fällt zusammen, weil die Kugel zu gross und wichtig war, um auf sie in der Pyramide zu verzichten.

Die großen Adressen bestimmen also wesentlich den Markt, aber nicht weil sie - von Ausnahmen abgesehen - die Zukunft besser kennen als wir, sondern ganz profan, weil sie der Markt sind!

Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeihung, ein Markt erreicht sein Top dann, wenn die großen Adressen denken, dass er sein Top erreicht hat und deshalb zu verkaufen beginnen. Genau das haben wir diesen Oktober beobachtet, als der Markt fiel, obwohl es dafür keinen harten Anlass in den Wirtschaftsdaten gab.

Und noch schlimmer, diese großen Adressen können davon selber auch nur begrenzt profitieren, weil sie eben so groß sind, dass sie ihre Verkäufe über einen langen Zeitraum verteilen müssen, weil sie ansonsten sich durch einen zusammenbrechenden Markt selber ins Knie schiessen würden.

Genau das nennt man die Distributionsphase, genau das ist das Wirken des "Composite Operators". Und dahinter verbirgt sich kein konkreter, besonders "smarter" Mensch, sondern dahinter verbirgt sich einfach das große Volumen, das den Markt bestimmt und lange braucht, um sein Geld abzuziehen oder wieder zu investieren.

Es gibt also genau genommen gar kein "Smart Money", von Ausnahmen echten Insiderwissens abgesehen. Es ist im reflexiven Markt einfach so, dass das große Geld "der Markt ist" und wenn das verkauft, wird der Markt fallen - einen Grund braucht es dafür dann nicht, den liefern die Medien nach.

Dieses "große Geld", dieser "Composite Operator", sieht also smart aus, weil er Bewegungen auslöst, er weiss aber eigentlich gar nicht so viel, er reisst eher den Markt durch seine schiere Größe nach unten.

Deswegen sind die abstrakten Konzepte der "Markt Elefanten" und des "Composite-Operators" wichtig, weil wenn wir lernen zu erkennen, was die großen Institutionen machen, wir auch wissen wohin der Markt will. Denn die sind der Markt - mehr als wir auf jeden Fall!

Wirklich "smart" sind die aber auch nur in Ausnahmefällen, wenn sie wirklich Insiderwissen haben, ansonsten kochen die genauso mit Wasser wie wir.

Konkret gesagt, gib theoretisch einem Affen 20% der Marktkapitalisierung einer Aktie und lass ihn Stück für Stück verkaufen. Der Affe wird im Nachhinein unglaublich "smart" aussehen, weil er im Wesentlichen ab dem Hochpunkt des Kurses zu Verkaufen begonnen hat und danach ist der Markt nur noch gefallen.

Genau das ist aber die Reflexivität, das ist ein selbstreferentieller Markt. Der Affe war gar nicht "smart", er war einfach nur "gross". 😉

Ich hoffe das hilft ein wenig, diese Begriffe besser einzuordnen. Es gibt kein pauschales "Smart Money" und doch ist es für uns wichtig, seinen Bewegungen zu folgen. Ein vermeintlicher Widerspruch, den die Reflexivität auflöst.

Und die beste Methode das Verhalten des großen Geldes zu erkennen, ist auf die Preisstrukturen des Marktes zu schauen und dabei immer das Volumen im Auge zu behalten. Denn zum Ein- wie Ausstieg wird am Markt nicht geklingelt, der Erste der davon weiß, ist in der Regel der Kurs selber. Erst dann fangen andere an, darüber zu schreiben.

Ihr Hari

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Lawinenkunde

An den US Märkten hat Mitte letzter Woche eine schon lange überfällige Korrektur eingesetzt, die im S&P500 mit der 50-Tage-Linie und dem Ausbruchsniveau zu neuen Hochs, schon die erste wichtige Unterstützung erreicht hat.

Ob die US Märkte hier schon wieder drehen oder noch bis zur 200-Tage-Linie unter 2.800 korrigieren - oder sogar noch tiefer - soll hier im freien Bereich nicht Thema sein. Klar ist aber, dass die US Konjunktur in ausgezeichnetem Zustand ist und unabhängig davon wie tief das noch geht, die Chance hoch ist, dass wir hier die willkommene, kaufbare Korrektur vor uns haben, auf die so viele den ganzen Sommer gewartet haben.

Thema hier und heute ist die Frage, ob man solche Einbrüche im Vorfeld erahnen kann. Und die Antwort ist Ja und Nein. Mit den wilden Prognosen, die permanent einen einzelnen negativen Faktor zum Elefanten aufblasen, ganz bestimmt nicht - ich habe darüber schon oft geschrieben, diese dienen der Klickgenerierung, sonst nichts. Mit einer aufmerksamen Beobachtung dessen, was vor unseren Augen passiert, aber sehr wohl.

Genau das ist mir letzte Woche wieder gelungen, als ich punktgenau am Dienstag, bevor der Markt am Folgetag zu fallen begann, eine Warnung im Sinne erhöhter Aufmerksamkeit ausgesprochen habe.

Da man hinterher ja immer klüger ist und gerne hinterher so getan wird, als ob schon vorher Klarheit herrschte, habe ich Ihnen daher den fraglichen Artikel aus dem Premium-Bereich von Dienstag auch hier im freien Bereich freigeschaltet. Um Ihn lesen zu können, müssen Sie aber zumindest im Blog registriert sein, es gibt ja keinen Grund jedem Bot der Welt darauf Zugriff zu geben. 😉

Lesen Sie also meine Worte von Dienstag im Premium-Bereich: -> Aufrecht im Sessel <-

Am Abend des gleichen Tages, sagte dann FED-Chef Jerome Powell ein paar Sätze zu weiteren Zinserhöhungen, die man als überraschend falkenhaft interpretieren konnte und das Ungemach setzte sich ab Mittwoch in Gang - die Anleihen-Renditen stiegen und die Aktienmärkte wechselten in den Korrekturmodus.

Dieser Ablauf ist eine wunderbare Gelegenheit Ihnen hier im freien Bereich erneut zu zeigen, was die kompetente Analyse der Markttechnik leisten kann und was nicht. Denn es gibt dazu eine wunderbare Analogie und das ist die Lawinenkunde.

Denn im Winter lesen Sie jeden Tag Vorhersagen zum Lawinenrisiko und wenn das sehr hoch ist, sollte man besser keine Skitouren abseits der gesicherten Pisten unternehmen.

Die Fachleute, die solche Lawinenwarnungen ausprechen, raten dabei auch nicht über die Zukunft herum, sie behaupten nicht zu wissen, was in 4 Wochen passieren wird, weil das weiss sowieso niemand.

Diese Fachleute analysieren den Zustand der Schneedecke im "Hier und Jetzt" in der Gegenwart, genau das was der Markttechniker macht, wenn er sich die Marktmechanik im "Hier und Jetzt" anschaut.

Diese Analyse der Schneedecke ist objektiv, rational und reproduzierbar, im Sinne dass sie nach objektiven Parametern erfolgt. Wenn die Schneedecke sehr labil ist, wird für einen Hang vielleicht eine Lawinenwarnung ausgesprochen.

Die Warnung alleine sagt uns aber noch nicht, ob dann tatsächlich eine Lawine abgeht. Denn dafür braucht es einen Katalysator, wie zB eine Erschütterung durch Sturm. Es kann sehr wohl auch sein, dass dieser Katalysator ausbleibt und sich die Schneedecke stabilisiert und die Lawinengefahr wieder verschwindet.

Wenn so eine Lawinengefahr wieder verschwindet, ohne dass es zum Abgang kommt, war deswegen die Lawinenwarnung vorher aber nicht sinnlos, so diese kompetent durchgeführt wurde.

Genau das Gleiche kann kompetent ausgeübte Markttechnik leisten und können Sie beobachten, wenn Sie lesen, was ich am Dienstag sagte, als die Kurse noch auf Allzeithochs waren und was danach passiert ist.

Es geht dabei *nicht* darum, über die Zukunft herumzuraten, wie das bei der "Prognosiritis" so gerne gemacht wird und viel Schaden in den Depots der Anleger anrichtet. Es geht darum, das Spiel auf dem Spielfeld der Märkte genau im Blick zu haben, zu sehen wie stabil die "Schneedecke" des Marktes ist, die sich aus Angebot und Nachfrage speist. Und auch dafür gibt es Parameter und Erfahrungswerte, die uns dazu Indikatoren liefern, dann aber immer noch kompetent eingeordnet werden müssen.

So konnte man am Dienstag sagen, dass der Markt nun riskant wird, weil offensichtlich in seiner Mechanik Unwuchten (Divergenzen) auftraten. Deswegen war aber immer noch nicht klar, dass eine Korrekturbewegung wirklich kommen würde, dafür brauchte es den Katalysator.

Genau diesen Katalysator hat Jerome Powell dann geliefert und dass er schon einen Tag später kam, war reiner Zufall und keine "Verdienst" meinerseits. Wäre der Katalysator ausgeblieben, wären wir heute vielleicht immer noch auf Höchstständen, die Gefahr wäre weiter gestiegen und alle würden sich anschauen und denken, dass die Warnung unnötig war. Die Analyse der Lawinenlage, wäre aber nicht weniger richtig gewesen.

Nehmen Sie diese Analogie der Lawinenkunde also bitte mit, wenn Sie von kompetenten Quellen über die Marktmechanik lesen. Die Warnung vor einer labilen Hanglage wird nicht dadurch falsch, dass es doch stabil bleibt und nichts die Lawine auslöst. Und eine kompente Lagebeurteilung hat immer mit den Beobachtungen der Geschehnisse in der Gegenwart zu tun und *nicht* mit irgendwelchen feuchten Träumen darüber, was man denkt die Märkte machen "müssten".

Die Märkte müssen nämlich gar nichts, auch ein Schneehang muss gar nichts, beide sind aber immer in bestimmten Zuständen, die einen bestimmten Ausgang statistisch bevorzugen. Und diese Zustände kann man erkennen, wenn man genau hinschaut und den Kopf nicht stattdessen in den Wolken der Zukunft hat.

Die Wahrheit liegt eben auf dem Platz. Nicht nur beim FC Bayern, sondern auch an den Märkten.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Der Weg zum Jahreswechsel

Wir alle würden ja gerne wissen, was die Zukunft bringt. Schon ein kleiner Zettel mit dem DAX-Stand des 22.12. vor Weihnachten, würde ja genügen, einen intelligenten Menschen reich zu machen. Denn wenn man den exakten DAX Stand zu einem Zeitpunkt sicher kennt, könnte man alle möglichen Kredit- und Margin-Hebel in Bewegung setzten, um mit dem ganzen Vermögen und maximal möglichem Hebel darauf zu setzen.

Wir haben dieses Privileg aber nicht und alle Prognosen sind auch nur nette Raterei, am Ende ist die Zukunft offen.

Alles was wir haben sind Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten, die funktionieren aber erstaunlich gut, wenn man bereit und in der Lage ist, sich darauf einzulassen, statt nach etwas wie absoluter Sicherheit zu suchen, das es sowieso nicht geben kann. Wir müssen -> die Unsicherheit eben lieben lernen <-.

Die bekannteste Tendenz ist dabei der Trend und der ist das ganze Jahr schon hoch. Wenn wir den für den Leitindex S&P500 fortschreiben und einen kleinen Schluckauf im November vorher einplanen, sieht das Chart dann so aus:

Das ist ein realistische Annahme zum Jahresende. Nicht sicher, aber gut wahrscheinlich. Und dann haben wir noch eine zweite bekannte Tendenz, die berühmte Jahresendrally.

Nun kann man ja mit Fug und Recht argumentieren, dass der Markt schon das ganze Jahr nicht getan hat, was die Mehrheit erwartet hat und deshalb eine echte Korrektur genau dann kommen sollte, wenn keiner damit rechnet - kurz vor Weihnachten.

Ich bin weit davon entfernt, das als Möglichkeit in Abrede zu stellen, möglich ist fast alles, aber ich halte es für eher unwahrscheinlich. Denn die Jahresendrally hat ja einen Grund, die kommt ja nicht einfach vom Himmel herab, weil die Börsen Weihnachtsgefühle haben. Die typische Jahresendrally hat in hohem Masse auch mit Anlagedruck der Institutionellen Anleger zu tun - auch gerne Window Dressing genannt - und wann ist dieser Anlagedruck wohl am Grössten?

Sie ahnen es, in Jahren in denen die Mehrzahl dem Markt hinterher hechelt, weil dieser keinen sauberen Einstiegspunkt mehr gewährt - in Jahren wie 2017. Die Unterperformance zum Index dürfte für die meisten institutionellen Anleger in 2017 deutlich sein.

Ein Laie würde 2017 für einen einfach zu handhabenden Markt halten, der ist ja nur gestiegen. Diese "Einfachheit" entsteht aber nur im Rückblick, hinterher ist man halt klüger. Ein seriöser, institutioneller Anleger, der zum Beispiel in einem Family Office das Vermögen seiner Kunden verwaltet, kann aber nicht guten Gewissens in einem schon extrem überdehnten Markt einfach ohne Absicherung mit Vollgas mitfahren.

So ein Profi wird Absicherungsgeschäfte tätigen und die kosten ein wenig Performance. Und er wird bei Korrekturgefahr auch mal den Cash-Bestand erhöhen, was dann auch wieder Performance kostet, wenn der Markt wie das ganze Jahr 2017 dann doch wieder nach oben zieht.

Ein "einfacher" Markt ist ein nach oben laufender Trend, der schön zwischen Korrekturen und Aufwärtsbewegungen wechselt und dem klassischen Prinzip von "2 Schritte vor und 1 Schritt zurück" fröhnt. So ein Markt ist für einen erfahrenen Anleger ein leichter Markt, in dem er mit seiner Technik sogar eine Überperformance erzielen kann.

Wenn aber wie in 2017 jeder Korrekturansatz unterbleibt und der Markt nur eine Richtung kennt, ist das extrem schwierig zu handhaben. Nur ein Affe, der sich über Risiken keine Gedanken macht, kann da blind immer voll auf dem Gaspedal bleiben.

Nun ist eine gute Perfomance, die leicht hinter den Indizes bleibt ja kein wirkliches Problem. Für einen Fondsmanager aber schon, denn nach Gebühren wird das Delta noch grösser und die Rechtfertigung für das "Management" ist nicht da.

Und so macht so ein Jahr, in dem die Mehrheit hinter dem Markt hinterher hechelt, besonderen Druck auf das Jahresende und besonderen Druck die Gewinner auch noch ins Depot zu legen und ein paar Risiken auf der Long-Seite einzugehen. Und weil das so ist, hat die Jahresendrally auch 2017 wieder gute Karten.

Dieser Mechanismus kann eigentlich nur durch eine echte Richtungsänderung des Marktes ausser Kraft gesetzt werden, durch eine starke Abwärtsbewegung also und von dieser ist weit und breit nichts zu sehen. Nur eine sehr böse Überraschung wie ein Atomkrieg in Asien oder ein offener Konflikt im Nahen Osten mit brennenden Ölfeldern könnte den wohl triggern.

Wir tun also gut daran, auch dieses Jahr von der Jahresendrally auszugehen, gerade weil das Jahr davor schon so gnadenlos gut war.

Ihr Hari

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Siehste – vom *Müssen* des Marktes



Ich weiss, ich weiss. "Siehste" Beiträge mit dem langen, oberlehrerhaften Finger des Lehrer Lämpel sind nicht sehr beliebt. 😉

Aber ich versuche hier ja auch nicht Leser um jeden Preis mit Versprechungen des schnellen Geldes an Land zu ziehen, sondern wünsche mir Mitglieder, die aus eigenem Entschluss erkennen, dass sie ihre Herangehensweise an den Markt ändern müssen. Denn nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.

Und das heutige "Siehste" ist sehr wichtig, denn es zeigt Ihnen einen Kardinalfehler, der von sehr vielen Anlegern immer wieder gemacht wird. Immer wieder!

Denn wenn ein Markt steigt und steigt und neue Höchststände erklimmt, stellt man sich gerne emotional dagegen, ist skeptisch und bekommt warme Gefühle beim Lesen all der Crash-Propheten, die einem erzählen, dass dieser Markt ja "irrational" sei.

Warme Gefühle bekommt man wegen des eigenen Egos, denn wenn man nicht dabei ist und der Markt immer neue Gewinne generiert, setzt einen das ja unter Druck. Mit dem Bild des "irrationalen Marktes" kann man sich der wirklich wichtigen aber auch schmerzhaften Frage entziehen, ob man nicht vielleicht einen grossen Fehler gemacht hat. Auf die Argumente der Marktskeptiker zu hören, ist dann also nur eine fortgeschrittene Variante des beliebten "Wegschauens" und "Verdrängens", wenn einem die Wirklichkeit nicht gefällt.

Wer also in einem stark steigenden Markt nicht dabei ist, sucht gerne "Erleichterung" bei allen, die ihm Argumente liefern, warum die im Markt ja "Idioten" und "Lemminge" seien. Und wenn es viele von dieser Kategorie gibt - und das ist aktuell immer noch der Fall - muss ein Markt deshalb weiter steigen.

Genau deshalb habe ich Ihnen vor knapp 2 Wochen in -> Stärke gebiert Stärke <- geschrieben, dass ein starker Markt nicht einfach auf dem Fusse dreht, sondern eher weiter nach oben läuft.

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, die Akzeptanz dieser Wahrheit ist bei Ihnen im freien Bereich nur sehr gering ausgeprägt. 😉 Und nun sind zwei Wochen vergangen und der Markt ist weiter hoch gelaufen und ist immer noch überkauft. Aber jetzt *muss* er korrigieren, jetzt *muss* der Markt doch endlich mal drehen, so sagt Ihnen Ihr Ego heute.

*Muss* er? Die Wahrheit ist, der Markt *muss* gar nichts und in einem so starken Markt, ist eine Fortsetzung des Trends gut möglich.

Die gleichen Anleger aber, die so einen Markt für "irrational" halten und schon lange nicht mehr dabei sind, würden dann, wenn der Markt 20-30% korrigiert hat, zugreifen wollen. Weil dann sind viele gute Aktien ja "billig".

Sind Sie das? Schauen wir mal auf diese beiden Charts des DAX im Jahre 2011 und des S&P500 im Jahre 2008:

Da, wo ich in den Charts zum Zwecke der Erklärung den notwendigen Exit mit blauen Pfeilen markiert habe, dort wäre der Markt für diesen Typus Anleger - der sich klüger als der Markt wähnt - "billig" gewesen und Anleger hätten mit dem gleichen Argument zugegriffen, mit dem sie heute an der Seite stehen.

Nun gut, wenn ich Sie nicht überzeugen kann, dann machen Sie einfach weiter so. Pflegen Sie Ihr Ego, suhlen Sie sich im Gefühl zu den "Querdenkern" zu gehören, die die Irrationalität des Marktes als Einzige erkennen können. Glauben Sie einfach weiter klüger als der Markt zu sein. "Be my guest", ein Markt braucht diesen Typus Marktteilnehmer. 😉

Wenn Sie sich aber darüber erheben können, wenn Sie erkennen können, wie Ihr Ego auf Ihr Handeln einwirkt, dann wiederhole ich für Sie sechs Grundregeln:

(1) Stärke gebiert Stärke

(2) Schwäche gebiert Schwäche

(3) Ein Markt der neue Hochs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Topbildung zu entwickeln.

(4) Ein Markt der neue Tiefs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Bodenbildung zu entwickeln.

(5) Ein Markt der neue Hochs generiert, ist wenig anfällig für einen Crash

(6) Ein Markt der schon 20% verloren hat und weiter abwärts bröselt, ist sehr anfällig für einen Crash.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und irgendwann, wird es auch mal einen Crash direkt folgend auf neue Hochs geben. Falls heute Nacht ein Atomkrieg in Ostasien ausbrechen würde, würde das wohl so sein. Aber nach diesen Ausnahmen zu handeln macht keinen Sinn, das ist das unkontrollierbare Restrisiko des Lebens. Wir müssen am Markt nach dem handeln, was wahrscheinlich ist.

Nun alles klar? Wenn nein, kann ich Ihnen nicht helfen. Wenn ja, ist Ihre Aufgabe als Anleger, nach diesen Prinzipien zu handeln. Ihrem Depot wird es langfristig gut tun.

Ihr Hari

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Stärke gebiert Stärke



Ich habe eine Frage an Sie: Wann ist ein Markt anfälliger für einen Crash?

a) Wenn er sehr stark gestiegen und massiv nach oben überdehnt ist?
b) Wenn er schon zu fallen begonnen hat und die Fallgeschwindigkeit zunimmt?

Hmm? Ich sage Ihnen, wie die Mehrheit der normalen Anleger instinktiv agiert.

Im Fall a) trauen sie dem Markt nicht, sind entweder nicht dabei oder wollen sogar klüger sein und den Markt shorten.
Im Fall b) sehen sie dass Ihre Lieblingsaktien nun 20% billiger sind und denken daran nun zu kaufen.

Soweit das instinktive Verhalten des normalen Anlegers. Und wann ist ein Markt nun objektiv anfälliger für einen Crash?

Ganz eindeutig im Fall b), wir nennen das das "Brösel, Brösel, Brösel" Szenario, dem bald der Schritt über die Klippe folgen könnte. Grosse Topbildungen haben gerne solche Strukturen, bevor es richtig "über die Klippe" abwärts geht, auch 2008 gehörte dazu.

Ganz starke Märkte dagegen, die wie im Fall a) neue Hochs generieren, sind vielleicht mal für eine kleine Korrektur gut, aber nicht für einen Crash. Topbildungen brauchen einfach Zeit und passieren nicht "mir nichts dir nichts" aus dem Nichts!

So weit das Grundsätzliche. Nun schauen wir auf das Spezielle.

Hier haben wir den von gestern Abend nach Schluss der Wallstreet, der den internen Zustand des US Marktes basierend auf vielen technischen Parametern in einer einfachen Anzeige zusammen fast:

Wir haben also aktuell "Extreme Greed" - extreme Gier - sozusagen.

Der Markt ist also klar überdehnt und für eine Korrektur oder Konsolidierung überreif, die heute schon einsetzen könnte. Aber einen Crash und eine grundlegende Trendwende? Nein.

Stärke gebiert Stärke und damit ein Markt überhaupt so eine "Gier" entwickeln kann, muss er massive Treiber besitzen, die nicht einfach über Nacht weggehen. Damit so ein Baby nachhaltig dreht, braucht es Zeit und eine sich langsam ändernde Wahrnehmung der Marktteilnehmer. Alleine eine überraschende globale Katastrophe wie zum Beispiel ein Atomkrieg, könnte diesen zeitintensiven Prozess einfach so über Nacht ablaufen lassen und uns am nächsten Morgen mit einem Crash aufwachen lassen.

Stärke führt also in 9 Fällen zu weiterer Stärke und Stärke ist kein Grund sich dagegen zu stellen. Dass es auch einen Fall 10 gibt, in dem es dann völlig überraschend doch anders kommt, müssen wir einfach akzeptieren.

Lieber 9 mal richtig liegen und einmal falsch, sollte jeder vernünftige Mensch denken oder? Der Anleger, der klüger als der Markt sein will, neigt aber leider dazu, sich 9 mal dagegen zu stellen und wenn dann der Fall 10 eintritt, hat er die Nerven verloren und ist nicht mehr dabei, weil er statt die eigenen Fehler den "irrationalen Markt" zum Schuldigen erhoben hat.

Machen wir diesen Fehler nicht. Dieser aktuelle Markt ist extrem stark und gleichzeitig für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierungsphase nun überreif. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Korrektur aber mit Blick auf das Jahresende zum Jahresende wieder zu kaufen ist, ist auch sehr hoch. Topbildungen brauchen Zeit, wie haben derzeit nicht einmal den Ansatz einer Solchen!

Ihr Hari

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Der Erkenntnisprozess von Börsen und Politik



Zum Zusammenspiel zwischen Börsen und Politik, gibt es viele Fehlkonzeptionen. Die Eine ist der Spruch von den politischen Börsen die kurze Beine haben, denn dieser ist richtig und falsch zugleich - er verkennt den wahren Zusammenhang.

Richtig ist der Satz, weil vieles von dem, was Politik so bewegt, an den weltweiten Märkten eher ein Schulterzucken auslöst.

  • Ob eine grosse Koalition oder eine Jamaika-Koalition gebildet wird? Schulterzucken bis auf geringe Branchenanpassungen.
  • Ob die AfD 5 oder 15% bei der Wahl hat? Schulterzucken.
  • Was mit "Horstie" und der CSU nun passiert? Schulterzucken.
  • Der Wirrwarr in der deutschen Bildungspolitik? Schulterzucken.
  • Ob in Deutschland 1 oder 2 Millionen Migranten dazu kommen? Schulterzucken.
  • Ob der Diesel nun in 2025, 2030 oder gar nicht verboten wird? Schulterzucken bis auf Einzelaktien.
  • Ob der Genderismus sich durchsetzt oder eine Marotte verirrter Wohlstandsbürger bleibt? Schulterzucken.
  • Die Rente mit 65, 67 oder 70? Schulterzucken.

Und so weiter und so fort. Ja, wenn es um all die Themen geht, die Politik gerne ins Schaufenster stellt, weil sie so schön greifbar sind, haben politische Börsen eher kurze Beine - das stimmt. Und selbst Krieg hat kurze Beine, solange man von einem baldigen Ende und begrenzten Folgen ausgehen kann.

Aber falsch ist der Satz auch, denn es gäbe da schon grundlegende Entwicklungen, die den Markt so richtig in Wallung bringen würden und das nicht nur kurzfristig. Und das sind die grossen tektonischen Verschiebungen.

  • Ob Deutschland weiter den (via EZB) Transfermechanismus Richtung Südeuropa stützt?
  • Ob Deutschland vom stabilen Zentrum der Währungsunion zum Wackelkandidaten wird?
  • Ob die von Macron gewünschte Vertiefung der Eurozone eine Chance hat?
  • Ob Deutschland eine wirtschaftsfreundliche Regierung bekommt oder das Gegenteil?

All das hat erhebliche Auswirkungen auf die Märkte, sobald sich da Entwicklungen anbahnen. Und das sind keine kurzfristigen Auswirkungen. Nein, was das angeht, haben politische Börsen ganz lange Beine, die Eurokrise beschäftigt uns ja nun auch seit Jahren.

Wenn man so will, schaut der Markt bei der Politik eben hinter die Fassade. Er unterscheidet zwischem dem täglichen politischen Hin und Her und den grundlegenden Entwicklungen bei den Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Finanzen. Der Rest ist den Märkten egal, das sind aus Sicht der Märkte sozusagen "Orchideenthemen für die Talkshows" oder von rein nationaler Bedeutung.

Die beste Politik ist für die Märkte eine, die gar nicht stattfindet, in der die Politik also ihre Finger aus Wirtschaft und Finanzen lässt. Diese Weisheit ist nach wie vor gültig.

Und weil das so ist, sind die Folgen der Bundestagswahl auch so spannend. Das von mir beschriebene Risiko eines Scheiterns der Regierungsbildung, ist mit dem gestrigen Abend erheblich wahrscheinlicher geworden. Denn die SPD hat sich aus der klein-grossen Koalition zurück gezogen und Jamaika ist alles andere als einfach und immer noch unwahrscheinlich.

Möglicherweise wird sich die SPD am Ende aus "Staatsräson" doch bitten lassen, aber eine stabile Regierungsbildung ist nun definitiv nicht mehr sicher.

Diese Erkenntnis trifft auf einen Markt, der was das angeht zu sorglos war. Und auch heute merkt man in den Kommentaren der internationalen Pressen immer wieder, dass auf den "Sieg" von Angela Merkel abgehoben wird und die anderen Entwicklungen unter dem Motto "wird schon werden" abgehakt werden. Das Zutrauen in das "weiter so" ist gross, dabei ist ein "weiter so" nach meiner Wahrnehmung endgültig vorbei.

Wir stehen nun also vor einem langsamen, inkrementellen Erkenntnisprozess der Marktteilnehmer, der stark von der Positionierung der Politik beeinflusst werden wird. Solange "Jamaika" realistisch erscheint, gibt es keinen Grund für Sorgen, diese Koalition wäre für den Markt im Saldo nicht schlechter als die "Groko".

Sobald aber im Verlauf klar werden sollte, dass Deutschland nun zum politisch unsicheren Kantonisten wird, wird das erhebliche Auswirkungen auf den Euro und die Eurozone haben.

Es wird spannend für uns werden, diesen Erkenntnisprozess nun in den nächsten Wochen zu beobachten. Politische Börsen können schon lange Beine haben, aber eben nur wenn es an das Grundsätzliche geht, an die Grundlagen von Wirtschafts- und Währungspolitik, an die Ordnungspolitik.

Mit einer Jamaika-Koalition, würde an diesen Grundlagen wenig geändert werden, es würden nur in Nuancen ein paar Schwerpunkte verschoben. Und mit einer doch klein-grossen Koalition, würde sich erst recht nichts ändern. Insofern hat der Markt recht noch ruhig zu bleiben.

Wenn aber gar keine Koalition möglich sein sollte und Deutschland auf Instabilität und Neuwahlen zusteuern sollte, dann wird das nicht folgenlos an den Börsen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist nun deutlich gestiegen, das verstehen wir nun besser, als die US Investoren die vor allem in der Kategorie" Merkel denken. Dabei hat die "Rautendämmerung" mit dem gestrigen Sonntag richtig Fahrt aufgenommen.

Spannende und bewegte Zeiten liegen definitiv vor uns!

Ihr Hari

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Jens Rabe trifft Michael Schulte



Jens Rabe von - der auch hier bei surveybuilder.info Mitglied ist - hat mit mir Ende Juli in Zwickau ein Interview geführt.

2 Teile davon konnten Sie schon in seinem sehen.

Nun ist hier das komplette Video am Stück, inklusive neuer Teile, die bisher noch nicht zu sehen waren.

Darin unter anderem eine Darstellung, wie ich 2008 den Lehman-Crash erlebt habe, ein Gespräch über unsere Emotionen und unser "Affenhirn", sowie eine ausführliche Sicht auf Tesla und warum ich denke, dass die Bullen und Bären da aneinander vorbei reden.

Wichtig ist noch der Hinweis, dass wir das Video ohne jegliche inhaltliche Vorbereitung einfach adhoc abgedreht haben. Nichts war abgesprochen und ich wusste nicht, was Jens Rabe mich konkret fragen würden. Sie hören hier also "O-Ton frei Schnauze", so wie ich halt rede, wenn man mich fragt. 😉

Ich danke Dir Jens für einen schönen Tag in Zwickau und Ihnen wünsche ich viel Spass beim Anschauen!

Ihr Hari

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Jahresendrally oder davon, die Wirklichkeit anzunehmen

Wenn Sie sich erinnern, letztes Jahr im November und Dezember 2015, ist die Jahresendrally faktisch ausgefallen. Die Kurse wurden durch das "Window Dressing" zum Jahresende zwar zusammen gehalten, aber es war schon eine innere Schwäche sichtbar, die uns hier zur grossen Vorsicht gemahnte und es uns daher ermöglich hat, dem scharfen Einbruch direkt zum Jahresbeginn, profitabel aus dem Weg zu gehen.

Dieses Jahr erscheinen die Chancen weit besser. Sicher ist am Markt gar nichts, zumal nicht mit einem neuen US Präsidenten, der sein Programm überhaupt erst finden muss und erst einmal grosse Fragezeichen aufwirft.

Aber trotzdem, sich in Angst, Ablehnung und dem eigenen Bias zu suhlen, ist etwas für Verlierer. Wer am Markt zu den Gewinnern gehören will, muss immer wieder die Wirklichkeit so annehmen, wie sie ist. Was wir denken, wollen oder wünschen, ist dem Markt völlig egal. Im Gegenteil, es weist eher in die falsche Richtung, denn da auch wir Teil der "Herde" sind, ist es recht wahrscheinlich, dass andere die gleichen Ängste und Zweifel haben und das schon längst in den Kursen steckt.

Gewinner am Markt haben eine kalten, klaren Blick auf diese Wirklichkeit und richten ihr Handeln an dem aus, was ist und nicht an dem, was sie gerne hätten oder befürchten.

Stellt sich die Frage, wie denn nun aus meiner Sicht die aktuelle Wirklichkeit des Marktes zum Jahresende aussieht:

(1)

Erste Statements von Trump geben zur Annahme Anlass, dass er seine Wahlversprechungen tatsächlich angehen will, aber in einer "verträglichen", deutlich weniger radikalen Form, als es im zugespitzten Wahlkampf hinaus posaunt wurde. Das sind keine schlechten Voraussetzungen für die Börse.

(2)

Das grosse Konjunktur/Infrastrukturprogramm wird kommen, weil absolut zentraler Teil von Trumps Versprechungen und Grundlage der Loyalität seiner Wähler, gerade aus den alten Industriebereichen. Dieses Programm, wird massive Kursphantasie generieren und das vor allem in der US Binnenkonjunktur und in den klassischen Industrie- und Bausektoren. Schauen Sie einfach mal, was der Baumaschinen-Bluechip Caterpillar (CAT) die letzten Tage nach Trumps Sieg gemacht hat, dann wissen Sie, was ich meine. Das Programm wird das BIP anheben und die Inflationserwartungen nach oben bewegen, das erscheint recht wahrscheinlich.

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Wir haben in der abgelaufenen Quartalssaison gesehen, dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen wieder zu steigen beginnen und diese Lage trifft auf ein Sentiment im Markt, das bis zu Trumps Wahl eher negativ und skeptisch war. Das ist eine sehr positive Mischung für die Märkte.

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Und es gibt dieses Jahr besonders massiven Performance Druck auf die institutionellen Anleger. Denn viele Fondsmanager und Hedgefonds hängen in diesem schwierigen Jahr den Indizes hinterher. Da dürften nun einige Angst um ihre Jobs haben und müssen nun um jeden Preis eine potentielle Jahresendrally mitnehmen. Und gerade weil das so ist, hat die Rally besonders gute Chancen zu kommen, ganz typisch im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeihung im selbstreferentiellen Markt.

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