Luftfahrt, Raumfahrt und Rüstungsaktien – Stabiles Erfolgsmodell oder verwerfliche Anlage?



Wenn es einen Sektor im Markt gibt, mit dem wir im letzten Jahr bei sehr geringen Risiken immer wieder schöne Gewinne gemacht haben - und diese Entwicklung auch frühzeitig erkannt haben - dann waren das die Aktien des Sektors Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung.

Erkannt haben wir das schon Mitte 2014 mit der Ukraine Krise. Die Verteidigungshaushalte der europäischen Staaten waren so ausgedünnt und die Materialbestände so veraltet, dass man gar nicht die peinlichen Nachrichten über die mangelnde Einsatzbereitschaft der Bundeswehr hören musste um zu wissen, dass sich hier erheblicher Nachholbedarf angestaut hatte.

Dann kam ja aber auch noch die absehbare Entwicklung zur multipolaren Welt hinzu, mit der sich nun statt einer alleinigen Weltmacht ein zunehmendes Ringen mehrerer Blöcke abzeichnet, wobei der Aufstieg Chinas dabei der am stärksten wirkende Faktor ist.

Auch diese Entwicklung zur multipolaren Welt, bringt absehbar wieder grössere Verteidigungsanstrengungen mit sich und das nicht nur in den europäischen Ländern, sondern auch in den US und in China und Russland sowieso. Das zunehmende militärische Involvement durch die Krise im Nahen Osten, tut dann ein Übrigens, denn das dort verbrauchte Material, muss auch ersetzt werden.

Aber auch im zivilen Bereich boomt der Absatz, wie wir an Airbus immer wieder sehen können. Eine Umwältzung hin zu Drohnen und -> neuen Transportarten <- steht vor der Tür und auch im Weltraum, geraten die Dinge in Bewegung. Neue Spieler wie Elon Musks Space-X treten auf den Plan und wirtschaftliche Interessen an Mond und Asteroiden beginnen sich zu formieren - auch in China.

Alles in allem also die perfekten Ingredienzien für einen Sektor, dem der Wind der Nachfrage auf Jahre mit Macht in die Segel blasen wird. Dann noch ein Sektor mit hohen Eintrittsbarrieren, denn so "mal eben" wird man nicht zum Flugzeug- oder Raketenproduzenten.

In Summe also ein Sektor, der von stabilen und wachsenden Ertäge gekennzeichnet ist und in geopolitischen Krisenszenarien eher steigt, als zu fallen, wie die meisten anderen Aktien. Sicherheit und Wachstum also im Depot.

Alles in Butter?

Rein vom Blick auf die Aussichten dieser Aktien her eigentlich ja, wenn da nicht diese moralische Frage wäre, ob man denn in so einen Sektor investieren "darf"?

Nun man "darf" schon, wir leben in einem freien Land und auch wenn die politische Korrektheit uns manchmal vorschreiben will, wie wir zu leben haben, sind das alles erst einmal seriöse und legale Unternehmen.

Aber die Frage, ob es denn moralisch geboten ist, in Aktien zu investieren, die eben auch Rüstung herstellen, steht ja berechtigterweise im Raum. Und dieser Frage kann und sollte man sich auch nicht entziehen.

Dabei kann man dummerweise in diesem Sektor zwischen zivilen und militärischen Anwendungen selten trennen, weil viele Unternehmen bedienen beide Segmente mit ihren Produkten, wie auch beispielsweise eine Airbus eine Verteidigungs-Sparte besitzt.

Darf man also die Airbus Aktie eines A320 nicht kaufen, weil es auch einen Militärtransporter A400 gibt?

Im Gegensatz zu sehr dogmatischen Menschen, will ich diese Entscheidung niemandem vorschreiben und darüber auch kein moralisches Urteil fällen. Denn ich bin überzeugt, dass das eine sehr individuelle, moralisch zu beantwortende Frage ist.

Sicher, man kann es sich einfach machen und einfach einen der derzeit beliebten "Ethik-Fonds" kaufen, die dann nach irgend welchen Kriterien beschliessen, dass das eine "gut" und "moralisch" geboten und das andere "unethisch" ist.

Wenn man sich aber nicht durch Delegation an so Fonds billige moralische Absolution verschafft, sondern sich mal ernsthaft damit beschäftigt, merkt man schnell, das dahinter höchst schwierige moralische Dilemmata stehen.

Nehmen wir das simple Gewehr oder die Pistole. Damit kann man ja jemanden ermorden. Stimmt. Ich kann damit aber auch meine Familie beschützen, die vielleicht von einem Mörder bedroht wird.

Wäre die Welt eine Bessere, wenn niemand eine Waffe hätte? Bestimmt! Ist das die Realität, kann mir also kein Mörder mit Waffe gegenüber stehen? Bestimmt nicht!

Oder nehmen wir die Granate. Eine Kriegswaffe. Damit kann man als Terrorist einen Ballsaal in die Luft sprengen. Man braucht Sie aber auch wie aktuell die französischen Spezialeinheiten, die bei der Razzia in Saint-Denis den Drahtzieher des Anschlags in Paris in einer mehrstündigen Aktion ausräuchern mussten, der sich hinter Panzerplatten verschanzt hatte.

Ist also die Granate schlecht? Wirklich ein schwierige Frage. Worauf man sich wohl einigen kann ist, dass das was Menschen damit machen gut oder schlecht, moralisch verwerflich oder sogar geboten sein kann.

Am Ende kommt es also vielleicht weniger auf das Hilfsmittel an, sondern auf den Menschen in seinen Handlungen und die Frage, was er damit tut. Moralisch gut oder schlecht, ist primär die Handlung des Menschen und weniger die Sache, die für die Handlung benutzt wird.

Und damit sind Rüstungsaktien für mich persönlich keineswegs perse moralisch verwerflich und kommen sehr wohl als solide, krisensichere Geldanlage in Frage. Zumal ich dann den ganzen, spannenden Luft- und Raumfahrt-Sektor links liegen lassen müsste, weil er sich auch mit Rüstung beschäftigt. Es gibt aber auch ein paar Dinge wie Streubomben, bei deren Produktion ich beim besten Willen keine defensive, schützende Verwendung mehr erkennen kann und die als Investition für mich damit keinesfalls diskutabel sind.

Aber das sind nur meine ganz persönlichen Massstäbe und ich verneine vehement, dass es bei diesem schwierigen Thema voller moralischer Dilemmata, eine "allumfassende" Wahrheit gibt, der sich jeder zwingend zu unterwerfen hat.

Und deswegen will ich hier auch Niemandem eine moralische Sicht aufzwingen, sondern nur erklären, warum Aktien aus dem Sektor Luft-, Raumfahrt und Verteidigung, derzeit einen Lauf haben und sich diese positive Entwicklung wohl auf Jahre fortsetzen wird.

Wer also stabile, krisensichere Aktien sucht und das mit seiner Vorstellung von Ethik verantworten kann, wird hier wohl fündig.

Wenn Sie an dem Sektor interessiert sind, finden Sie hier 20 Ideen aus dem Bereich Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung, die Sie mal einer genaueren Prüfung unterziehen können. Nicht alle der Aktien sind auch im Rüstungssegment tätig, aber viele eben schon. Viele dieser Aktien haben wir in der Community im letzten Jahr auch intensiver besprochen:

  1. Airbus Group (938914)
  2. BAE Systems (866131)
  3. Boeing (850471, BA)
  4. Dassault Systems (901295)
  5. Finmeccanica (A0ETQX)
  6. General Dynamics (851143, GD)
  7. Lockheed Martin (894648, LMT)
  8. MTU Aero Engines (A0D9PT)
  9. Northrop Grumman (851915, NOC)
  10. OHB (593612)
  11. Orbital ATK (A14NES, OA)
  12. Precision Castparts (865685, PCP)
  13. Raytheon (785159, RTN)
  14. Rheinmetall (703000)
  15. Rockwell Collins (694062, COL)
  16. Saab (914879)
  17. Teledyne Technologies (926932, TDY)
  18. Textron (852659, TXT)
  19. Thales (850842)
  20. United Technologies (852759, UTX)

Bei Precision Castparts ist übrigens vor wenigen Monaten Warren Buffetts Berkshire Hathaway massiv eingestiegen.

Sie werden durch die Bank feststellen, dass diese Aktien in der Regel im letzten Jahr schon sehr gut gelaufen sind und das hat Gründe, auf die ich hier hinweisen wollte und die wohl über den Tag hinaus Gültigkeit behalten.

Bleibt am Ende wieder die individuelle Frage, ob wir diese Aktien im Depot haben wollen. Denn glücklicherweise leben wir in einem freien Land und können uns diese Frage individuell stellen.

Würde man sich eine Welt wünschen, in der wir uns nicht permanent an die Gurgel gehen? Bestimmt!

Ist das die reale Welt die wir haben? Bestimmt nicht!

Machen wir das besser oder schlechter, wenn wir in solche Aktien investieren? Oder ist es egal?

Das ist die Frage, auf die Sie Ihre persönliche Antwort brauchen.

Ihr Hari

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Orbital Sciences – WKN 881947, ORB – Wie man im All Geld verdient (1)

Sie erinnern sich vielleicht an meinen Artikel zum neuen Wettlauf ins All ? Wenn nicht, sollten Sie -> hier <- unbedingt noch einmal rein schauen.

Am Ende habe ich einen zweiten Teil angekündigt, der sich mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten beschäftigt, im Weltall Geld zu verdienen. Beim Durchdenken der ganzen Thematik ist mir bewusst geworden, dass das Thema zu umfangreich und komplex für einen einzelnen Artikel ist. Ich werde es daher in kleinere, schmackhaftere Häppchen aufbrechen. Und heute folgt der erste Teil.

Denn wenn man meinen Artikel liest, dann ist es doch bedauerlich, dass keines dieser Unternehmen wie SpaceX schon börsennotiert ist, wir also als an den Erdball gebundene Anleger bisher nicht am Potential teilhaben können. Deshalb will ich Ihnen heute ein Unternehmen vorstellen, von dem Sie vielleicht noch nie gehört haben. Und trotzdem, dieses Unternehmen schickt seit Jahrzehnten Raketen in die Umlaufbahn und hat mit der NASA auch einen Vertrag zur Versorgung der Raumstation ISS. Es ist die in Dulles, Virginia beheimatete Orbital Sciences Corporation - WKN 881947, Kürzel ORB.

In dem 1982 gegründeten Unternehmen bauen 3800 Mitarbeiter, Launch Systems (Raketen), Raketenabwehrsysteme und Satelliten. Und das Unternehmen hat jede Menge Erfahrung mit Raketenstarts, so hat die "Taurus" Rakete seit 1994 schon 17 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht.

Schauen Sie einfach mal ausführlich auf die recht informative Website von

Bei ORB steht nun ein grosser und wichtiger Meilenstein an. Denn nachdem Elon Musk mit SpaceX schon ein Dockingmanöver mit der ISS im Auftrag der NASA hinbekommen hat, ist Orbital Sciences nun der zweite Auftragnehmer, der für die NASA die ISS versorgen soll.

Der Start der neuen Antares Rakete für Nutzlasten bis 6 Tonnen soll Anfang 2013 statt finden, sehen Sie auch .

Für ORB wäre ein Erfolg ein Meilenstein. Er würde nicht nur das Unternehmen bekannter machen, sondern dem Unternehmen auch ganz neue Möglichkeiten über NASA und Pentagon hinaus eröffnen. Denn der private Markt entwickelt sich ja gerade und es gibt weltweit einen riesigen Bedarf für günstige, aber zuverlässige Startsysteme um mit grösseren Lasten die Umlaufbahn zu erreichen. Ein erfolgreicher Start und eine Dockung der Antares mit bis zu 6 Tonnen Nutzlast an der ISS, würde ORB weltweit in eine andere Liga katapultieren.

Insofern ist das Unternehmen nun in einer sehr kritischen Phase, die man auch im Kursverlauf wieder findet. Schauen wir daher doch mal auf den Wochenchart von ORB seit 2008.

Orbital Sciences 14.12.12

Sie sehen, dass da nicht viel passiert ist. Sie sehen aber auch, dass wir eine potentielle inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation ausbilden und der RSI relative Stärke signalisiert.

Am Ende signalisiert der Chart damit die oben beschriebene Geschichte. Wenn ORB seinen Antares-Start erfolgreich abschliesst, liegen wohl erheblich höhere Kurse vor uns. Wenn nicht, ist nach unten alles möglich.

Und bei einem Erfolg, könnte ORB auch ganz schnell auf den Übernahme-Radar der ganz Grossen wie Lockheed Martin (WKN 894648) oder Boeing (WKN 850471) geraten. Denn denen knabbern SpaceX und ORB nun das Geschäft weg, wie Sie zum Beispiel nachlesen können.

Sie sehen, hinter Orbital Sciences verbirgt sich eine spannende Geschichte. Halte ich ORB nun aktuell für ein gutes Investment oder einen guten Trade ? Nein, nicht notwendigerweise. Selbst nicht obwohl ORB fundamental nur mit dem Buchwert bewertet wird, die Börse also im Moment kaum Potentialwert zugesteht. Die Firma ist einfach (noch) zu klein und zu abhängig von einem einzelnen Erfolg oder Misserfolg. Ausserdem zu abhängig von der NASA und dem Pentagon. Und mit dem Antares Start, steht das Unternehmen vor einer wichtigen Hürde. Heute Geld in das Unternehmen zu stecken, wäre also mehr ein binärer "Zock" nach dem Motto "Hop oder Flop". Aber zumindest keiner, bei denen Ihnen erst einmal eine Zocker-Plattform Gebühren abknöpft.

Spannend ist das Thema aber allemal. Und wenn man den "Zock" mit sehr kleinem Einsatz aus Spass mitmacht, hat man wenigstens mal wieder Gelegenheit gedanklich den Kopf in den Nacken zu legen, in den Himmel in die Triebwerke der Rakete zu schauen und "Go Go Go !" zu rufen. 😉

Und wer weiss, vielleicht prangt ja in 30 Jahre der Name "Orbital Sciences" an einer ganzen Flotte von Raumfahrzeugen zwischen Erde, Mond und Asteroidengürtel. Dieses Geschäft mit billigen Startmöglichkeiten ins All wird auf jeden Fall massiv boomen, das hat Ihnen hoffentlich mein erster Artikel über Elon Musk klar gemacht. Und ORB ist gut aufgestellt, um sich aus diesem Kuchen etwas heraus zu schneiden.

Und damit habe ich Ihnen auch ein Gefühl für den ersten Bereich gegeben, in dem man vom kommenden Boom der privaten Raumfahrt profitieren kann: mann muss erst einmal ins All kommen, um "da oben" - was auch immer - machen zu können. Und dafür braucht es billige Startkapazität, für die es schon heute auf der ganzen Welt riesigen Bedarf gibt.

Denken Sie daran: Alles ist möglich und die Zukunft ebenso voller Katastrophen, wie voller Wunder. The sky is the limit - das war einmal 😉 !

Ihr Hari

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Price Action – S&P500, DAX, E.ON, Apple, IBEX35, Salzgitter, Nokia – 20.11.12

Heute möchte ich mit Ihnen vor Eröffnung der Wallstreet eine Rundtour durch verschiedene Aspekte des Marktes machen. Und dabei das Augenmerk auf die Nachrichten legen, die uns Mr. Market mit seiner Price Action selber gibt.

Was ich dagegen nicht tun möchte, ist hier Unternehmenszahlen nacherzählen, die man immer noch am besten beim Unternehmen selber oder den diversen Nachrichtendiensten wie Reuters erfährt. Ich würde auch keinen Mehrwert für meine Leser damit schaffen, mich jetzt hier als oberflächlicher "Bilanzanalyst" zu betätigen.

Denn gerade weil ich aufgrund meiner beruflichen Historie gut in der Lage bin Unternehmenszahlen und Bilanzen wirklich zu verstehen, weiss ich, dass es da draussen jede Menge Profis gibt, die die Unternehmen hauptamtlich beobachten. Und die durch ihre Fokussierung auf das Unternehmen viel besser als ich in der Lage sind, die Zahlen zu durchleuchten. Schlicht weil sie viel mehr Zeit dafür verwenden.

Und deren Wissen und Erkenntnisse sind über die Investitionsvolumina von Big Money schon längst in den Kursen verarbeitet. Denn für Big Money arbeiten diese Profis. Zu glauben, durch oberflächliche Analyse da noch Mehrwert zu produzieren und sich einen "Edge" gegenüber dem Markt zu erarbeiten, würde schon an Naivität grenzen.

Das nur zur Erklärung, warum gerade jemand wie ich, der eigentlich aussergewöhnlich qualifiziert wäre die Fundamentaldaten und Bilanzen unter die Lupe zu nehmen, dafür nur ein eher desinteressiertes Schulterzucken übrig hat. Würde ich mich jetzt hauptberuflich auf ein oder zwei Unternehmen spezialisieren und die permanent begleiten, würde ich mir sogar zutrauen daraus einen Mehrwert zu generieren. Aber nicht mit einer zweistelligen Zahl von Unternehmen in der Watchlist und nicht durch nacherzählen der sowieso öffentlich bekannten Zahlen und Daten.

Statt dessen sollten wir genauer auf das schauen, was uns Mr. Market mit seiner Price-Action sagt. Denn diese Kursbewegungen sind höchst "demokratisch" und egalitär.

Denn erstens sieht Big Money die Kurse genau so schnell wie wir und kein bischen früher, wenn wir mal von dem Sonderfall HFT absehen. Bei Analyse der Kursbewegungen haben wir also eine Chance mit dem grossen Geld gleichzuziehen.

Zweitens basieren die Kursbewegungen auf den echten Absichten der Marktteilnehmer, denn da wo reales Geld eingesetzt wird fängt die Wahrheit an und hört das Gesabbel auf. Geschrieben wird nämlich viel und Papier ist geduldig. Echtes am Markt eingesetztes Geld, ist da ein weit bedeutenderes Testimonial.

Und drittens erleben wir in den Kursen genau die gebündelte Einschätzung des Marktes, was die Zahlen und Daten der Vergangenheit und die daraus resultierende Erwartung der Zukunft angeht. Wer will schon mit Mr. Market argumentieren, der sowieso immer Recht hat. Ich nicht !

Soweit der Einleitung - gehen wir also in medias res:

S&P 500 und DAX:

Der Bounce hat richtig Kraft und viel spricht dafür, dass er bis Ende der Woche laufen kann. Denn im Moment beruht er neben der technischen Überdehnung auf der Annahme, dass die Fiscal Cliff Verhandlungen doch zügig zu einem guten Ende kommen. Da die nächsten Verhandlungen aber erst nächste Woche nach Thanksgiving anstehen, bleibt diese Woche Zeit die Hoffnungsrally zu spielen.

Heute dürfte erst eine leichte Konsolidierung des gestrigen Anstiegs folgen, dann rechne ich mit Wahrscheinlichkeit eher damit, dass der Bounce noch weiter geht und im S&P500 auch die 1400 noch testet. Dann wird es spannend.

Denn niemand sollte vergessen, dass wir uns in einem bestätigen Abwärtstrend befinden und erst ein Closing oberhalb der rechten Schulter der SKS bei 1434 könnte das ändern. Ich persönlich sehe immer noch eine gute Wahrscheinlichkeit, dass wir gerade nur eine weitere Schulter im neuen Abwärtstrend erleben und wir im S&P500 noch in die Zone 1300-1320 laufen werden.

Was den DAX angeht, hat der seine relative Stärke in den letzten zwei Tagen komplett verloren und auch der aktuelle Bounce ist in der Dynamik eher enttäuschend. Auch beim DAX sollte man also das Risiko nicht übersehen, dass der Markt die 7200 nicht mehr nachhaltig überwinden kann und wieder nach unten dreht.

Insofern werde ich nun opportunistisch den Kursen nach oben folgen, gleichzeitig meine Stops aber so mitziehen, dass ich schnell wie der Wind auch wieder draussen bin. Frei nach dem Motto "Das Beste hoffen und sich für das Schlimmste vorbereiten".

E.ON

Ist die aktuelle Kursbewegung eine Übertreibung oder ist sie nun aufgrund der unsicheren Aussichten gerechtfertigt ? Nun in Anbetracht von 12% Minus an einem Tag, war der Gedanke an eine emotionale Übertreibung nach unten ja naheliegend. Auch ich habe diesen Trade ja versucht. Jetzt ein paar Tage später, gibt uns die Price-Action aber die eindeutige Antwort. Nein - das ist keine Übertreibung, sondern in Wertung der Nachrichten gerechtfertigt. Denn glauben Sie mir, wenn all die Profis die E.ON en Detail verfolgen nun auch nur die kleinste Hoffnung hätten, dass die Welt bei E.ON nun zu schwarz gemalt wird, dann wäre E.ON in diesem Bounce um 3-5% nach oben geschossen. Ist die Aktie aber nicht - quod erat demonstrandum.

Apple

Ganz anders bei Apple. Die Dynamik und das in die Aktie strömende Geld im zweistelligen Milliardenvolumen an einem Tag, impliziert bei dieser best analysierten Aktie der Welt für mich persönlich nur eines: wir haben ein temporäres Tief gesehen und es spricht wenig dafür, dass die Bewegung von gestern nur ein "One Day Wonder" war. Ich rechne eher mit noch einigen Tagen Stärke bei Apple und halte es für wahrscheinlich, dass wir die 600 USD wieder testen werden. Erst wenn diese Stärke ausläuft, sehe ich Anlass im Lichte der dann vorhandenen Kursbewegungen, die Frage zu stellen, wie es nun weiter geht. Denn Art und Umfang des ersten schwachen Tages nach dieser aktuellen Rally, wird uns mehr über den weiteren Kursverlauf sagen als jede aktuelle Spekulation.

Spanischer Aktienmarkt IBEX35

Was ich Ihnen -> hier <- nahe gebracht hatte, wurde auch durch die Kursentwicklung der letzten Tage bestätigt. Der spanische Aktienmarkt hält sich stabil oberhalb der 200-Tage-Linie und bildet scheinbar eine Bullenflagge aus. Auch wenn man auf die Geschehnisse unter der Oberfläche schaut, ist in Spanien viel mehr positive Bewegung hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit, als in Italien oder erst recht dem verkrusteten Frankreich. Auf den Turnaround des spanischen Aktienmarktes zu setzen, erscheint mir also weiter als eine gute Idee, zumal man sich damit defacto auch in die südamerikanischen Märkte einkauft, die durch Historie und Sprache mit Spanien verbunden sind.

Rheinmetall

Wie Sie sicher wissen, ist Rheinmetall eine der Aktien, die ich permanent begleite. Das liegt vor allem an dem Rüstungsgeschäft. Denn der Nachteil der Abhängigkeit von öffentlichen Aufträgen, wird durch die Tatsache mehr als aufgewogen, dass die Einstiegshürden in dieses Geschäft sehr hoch sind. Rheinmetall muss also nicht so sehr wie andere Branchen Angst haben, dass neue Mitbewerber für Preisdruck sorgen. Schaut man dann noch auf die Fundamentaldaten von Rheinmetall und die Höhe in der Rüstungsfirmen wie Lockheed Martin oder General Dynamics in den USA bewertet werden, sieht man schnell, dass das Unternehmen aktuell vom Markt höchst attraktiv bewertet wird. Auch ein Übernahmeversuch ist deswegen keineswegs undenkbar.

Der Markt scheint zur gleichen Ansicht gekommen zu sein, anders lässt sich nicht interpretieren, wie aggressiv Rheinmetall gestern von den Tiefs im Bereich 31,x € weggekauft wurde. Kurzfristig sollte man bei der Aktie keine grossen Sprünge erwarten, die durch die Eurokrise bedingte schlechte Auftragslage im Rüstungsgeschäft wird wohl auch weiterhin eine Schleifspur ziehen. Und die Aktie deshalb wahrscheinlich eine zeitlang in der Nähe der 30er Marke herum krebsen, diese vielleicht sogar mal kurz unterschreiten. Aber von einer massiven Rezession abgesehen, sagt uns Mr. Market mit seiner gestrigen Reaktion, dass Rheinmetall bei den aktuellen Kursen langfristig ein attraktives Investment sein könnte.

Salzgitter und Stahlsektor

Wird das Stahlgeschäft in 2013 besser oder nicht ? Ich will mich an dieser Spekulation nicht beteiligen und kann dazu auch keinen Mehrwert liefern. Das wissen die Verantwortlichen in der Branche besser als ich. Aber was als Folge des vollzogenen Machtwechsels für Nachrichten aus China kommen, lässt hoffen. Und der Markt sagt auch: ja, 2013 wird besser. Denn objektiv hat der Kurs nicht in Richtung der Tiefststände gedreht und der Aufwärtstrend bei Salzgitter ist so lange intakt, wie das Tief 28.09. nicht unterschritten wird. Kluge Trader spekulieren nicht über die Zukunft, sondern kaufen Aktien, die den unteren Trendkanal eines Aufwärtstrends testen und sichern sich nicht weit davon entfernt direkt unter dem Trend ab. Das wird auch meine Strategie sein, falls Salzgitter noch etwas zurück kommt. The Trend is your friend - until it ends.

Nokia

Im amerikanischen gibt es den Spruch "Hope is a four letter word" ... so wie einige unfeine Kraftausdrücke, die ich hier lieber nicht niederschreibe. Was so viel bedeuten soll wie, wer sein Handeln nur auf Hoffnung basiert, ist schnell verlassen.

Eine Hoffnungsrally ist aber genau das, was gerade bei Nokia passiert. Denn Nokia hat diesen Winter nach meiner Einschätzung wohl seinen letzten Schuss im Köcher. Wenn auch dieser Winter keine Wende bringt, wäre ich überrascht, wenn es in einem Jahr noch ein unabhängige Nokia gäbe. Mit einer Pleite rechne ich nicht, dafür ist zu viel Substanz - alleine die Patente - im Unternehmen. Aber seine Unabhängigkeit könnte Nokia wohl nicht verteidigen, wenn jetzt nicht echter Erfolg eintritt.

Nun hat Nokia aber mit dem Lumia 920 einen Treffer gelandet. Einfach ein tolles Smartphone mit superben Bewertungen und in vielen Shops erst einmal ausverkauft. Das setzt die Phantasie von Mr. Market nun also in Bewegung. Denn wenn Nokia die Kurve bekommen sollte und wieder Marktanteile gewinnt und Gewinne schreibt, dann sind die aktuellen 2,x € Kurs ein Witz und eine Verdoppelung eher noch eine konservative Schätzung.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Stärke zu sehen. Und die dürfte weitergehen, solange die Hoffnung im Raum steht. In dem Moment wo echte Absatzzahlen bekannt werden, dürfte es ernst werden. Wenn die Zahlen dann die nun hoch gefahrenen Erwartungen des Marktes nicht befriedigen sollten, wird ein Schlachtfest folgen. Wenn die Zahlen aber überzeugen, wird der Kurs dann erst so richtig gewaltigen Schub aufnehmen.

Insofern scheint Nokia eine spannende Wette zu sein, die ich aber nur mit entsprechendem Stop eingehe. Alle andere wäre in meinen Augen unverantwortlich. Eine Investition kann eine Nokia im jetzigen Zustand nicht sein, eher eine aggressive Wette auf Hop oder Flop.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 27.02.12 – Von Öl und Ordnungspolitik

22 Uhr - Handelsschluss

Wie erwartet geht die Konsolidierung weiter. Die Indizes halten sich weiter recht gut, obwohl es heute unter der Decke bei einzelnen Titeln teilweise erhebliche Abschläge gab. Dazu später mehr.

Sehr positiv war, dass wir heute im DAX auf dem Niveau von 6740 erneut - wie am 23.02. - eine starke Gegenbewegung nach oben bekamen, die uns wieder bis über 6850 brachte. Beim S&P 500 waren es analog die 1355 die für einen erneuten Rebound sorgten. Es könnte sein, dass die Konsolidierung auf diesem Niveau gerade einen Boden ausformt. Und es würde zu meinem letzte Woche beschriebenen Bild passen, dass der Markt noch einige Tage Konsolidierung benötigt, bevor er dann möglicherweise den nächsten Schub nach oben nimmt. Vielleicht mit einem "First of Month Jumper" am Donnerstag den 01. März.

Der Dow Jones ist heute übrigens zum Handelsschluss ganz knapp an der 13000 gescheitert, steht aber nichts desto trotz so hoch wie nicht mehr seit der Finanzkrise 2008. Dem DAX fehlen dazu aber noch rund 700 Punkte, ein Argument mehr, warum der DAX noch Luft nach oben haben sollte, denn die Unterperformance des letzten Jahres ist nun zwar verringert, aber immer noch nicht ausgeglichen.

Langsam scheint nun auch der Ölpreis auf den Radar des Marktes zu geraten. Wie ich ja letzte Woche schrieb, braucht Mr. Market immer einige Zeit, um sich darüber klar zu werden, was nun der nächste "Aufreger" sein soll, wenn der alte (hier Griechenland) weggefallen ist. Vielleicht wird ja in den nächsten Wochen nun der Ölpreis dieser Aufreger sein. Für konjunktursensible Aktien wären das eher schlechte Nachrichten.

Bedeutende objektive Effekte des Ölpreises sehe ich auf dem derzeitigen Niveau aber noch nicht wirklich und zu Panik und Aufregung gibt es eigentlich noch keinen Anlass. Denn die Unternehmen sind bei dem Thema wesentlich flexibler geworden und arbeiten auch oft bewusst mit Hedging an den Finanzmärkten. Aber wir wissen ja, dass Mr. Market sich nie um die Gegenwart kümmert, sondern immer die Zukunft diskontiert. Und in diesem Sinne werden nun vielleicht die Konjunktur-Sorgen bei potentiell noch weiter steigenden Öl-Preisen gespielt. Auch wenn man sich andere Bereich anschaut, scheint der Markt unter der Decke schon den "Iran-Trade" zu spielen: Öl stark, Gold stark, Rüstungsunternehmen stark. Schauen Sie sich mal an, wie sich in den letzten Monaten die gerade in der Luftrüstung (Drohnen, F-22, F-35) starke Lockheed Martin (WKN 894648) entwickelt hat. Zufall ? Vielleicht.

Wenn ich dann aber zum Thema Ölpreis wieder die populistischen Forderungen des ADAC höre, der eine Anhebung der Pendlerpauschale aufgrund der derzeit hohen Benzin-Preise fordert, könnte ich vor Verzweiflung permanent mit dem Kopf gegen die Wand schlagen. Vor allem auch, weil ja genügend Politiker nichts besseres zu tun haben, als sich den Stammtischen mit zustimmendem Gerede anzudienen und mit dem Finger auf die "bösen" Ölkonzerne zu zeigen. Diese sind nun bestimmt keine Waisenknaben und nutzen ihr Oligopol natürlich um Profite zu erzeugen, nicht anders als es andere Branchen machen, in den sich Oligopole (zb Strom) ausgebildet haben. Statt zu lamentieren sollte die Politik daher via Kartellrecht einfach ihren Job machen.

Der allem zugrunde liegende Ölpreis wird aber nicht von den Öl-Multis bestimmt - derartige Darstellungen sind einfach grober Unfug. Wäre es anders, würde er bestimmt nicht in wenigen Jahren zwischen 40 und 120 USD schwanken, diese Volatilität läuft den Interessen der Öl-Multis nämlich komplett zuwider, die an stabilen Einnahmeströmen interessiert sind. Der Versuch einen komplexen, weltweiten Markt mit vielen Spielern und unterschiedlicher Interessenlagen auf ein paar Sündenböcke zu reduzieren ist zwar sehr populär, aber trotzdem immer noch an der Realität vorbei.

Verstärkt wird meine Verzweiflung, wenn ich vom Kartellamtspräsidenten Andreas Mundt in der Presse lese, dass das Kartellamt keine verbotene Preisabsprachen nachweisen könne, weil die Konzerne alleine durch ihre "Reaktionsverbundenheit" in der Lage seien, den Preiswettbewerb auszuschalten (auf Deutsch: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus). Solche Sätze, ohne daraus Konsequenzen abzuleiten, sind für mich ein Armutszeugnis.

Denn entweder ist der jetzige Zustand von Politik und Kartellrecht gewollt und legal, dann sollte man sofort aufhören populistisch über die Ölkonzerne zu lamentieren. Oder es ist nicht gewollt, dann müssen Politik und Kartellamt endlich ihren Job machen und für echten Wettbewerb sorgen, der derartig stillschweigende Übereinkünfte dann von ganz alleine unterbindet. Im schlimmsten Fall ist halt eine Zerschlagung und Aufspaltung der integrierten Konzerne notwendig, eine Waffe die das Kartellrecht sehr wohl im Köcher hat. Und wenn diese Waffe noch nicht scharf genug ist, muss halt die Politik ran und das Kartellrecht nachschärfen.

In jedem Fall ist aber überlegte Ordnungspolitik notwendig und nicht peinlicher Populismus. Ach übrigens, können Sie sich daran erinnern, dass der ADAC eine Verringerung der Pendlerpauschale forderte, als der Ölpreis 2009 bei fast 40 USD war ? Ich nicht, aber das hatte bestimmt gute Gründe, die ich dummer Mensch nur einfach nicht sehen kann.

[Satire On]

Als williger Schüler eines derartigen politischen Aktionismus, fordere ich daher nun, dass Gesetze von der Politik permanent je nach Marktpreis dynamisch angepasst werden. In Frage kommt dafür natürlich nicht nur der Ölpreis, sehr geeignet sind auch der Strompreis oder besonders die Getreidepreise auf den Weltmärkten. Ich plädiere daher für eine innovative und selbstverständlich nachhaltige "Bauern-Solidar-Abgabe", die vom Bäcker als verlängertem Arm des Finanzamtes am Tresen eingezogen wird und sich dynamisch und reziprok zu den Getreidepreisen verhält, so dass Bauern mit ihrer Ernte immer die selben Einnahmen erzielen. Die Unterstützung des Bauernverbandes ist mir dabei bestimmt gewiss.

Der dadurch hohen Belastung finanziell schwacher Bevölkerungschichten durch hohe Brotpreise, könnte man ja durch Einrichtung einer neuen Behörde begegnen, die nach ausführlicher Bedarfsprüfung einen entsprechenden Aufschlag auf das ALG 2 veranlasst. Der arbeitenden Bevölkerung (also den "Reichen") könnte man dagegen durch eine Brot-Kopf-Pauschale gerecht werden, die dynamisch berechnet und von allen Unternehmen mit der Lohnabrechnung auszuzahlen ist.

Alternativ wäre natürlich auch ein weiterer Mehrwertsteuersatz von 4,7% nur für Brot vorstellbar. Natürlich nur für Schwarzbrot aus ökologisch unbedenklichem Anbau, das Gewerbeaufsichtsamt möge das stichpunktartig prüfen. Weissbrot ist bitte mit 13,1% zu vesteuern, über Graubrot beraten noch die Finanzbehörden und bereiten einen Erlass vor, der die schwierigen Abgrenzungsfragen klären soll.

Auf jeden Fall würden so die Bürger dank einer engagierten Politik vor den skandalösen Unbillen schwankender Marktpreise geschützt. Und der allen so wichtigen "Gerechtigkeit" wäre erneut genüge getan, das wollen wir doch alle, oder ? Oder ?? 😉

[Satire Off]

Aber keine Sorge, nach diesem satirischen Ausflug werde ich nun wieder ernsthaft, entsorge meine naiven Träume durchdachter Ordnungspolitik im Müllkorb und wende mich den Aktien des Tages zu:

Nordex (WKN A0D655) war vor den morgigen Zahlen - und vor allem dem weiteren Ausblick - mit zeitweise 6% Minus sehr schwach. Die Nervosität ist also scheinbar gross. Ich weiss nicht, was da Morgen raus kommt, aber nach der heutigen Schwäche, könnte das möglicherweise für einen sehr kurzfristigen Trade ein interessantes Chance/Risiko Verhältnis im Bereich 60/40 sein. Denn wenn der Kurs schon vor der Bekanntgabe potentiell schlechte Zahlen verarbeitet hat, ist die Chance für eine positive Überraschung höher als das Gegenteil. Das es sich bei den heutigen Abgaben um Insider handelt, halte ich zwar für möglich, aber eher unwahrscheinlich. Insider haben es in der Regel nicht nötig, einen Tag vor den Zahlen geballt zu verkaufen, die wissen schon Tage und Wochen vorher was im Gange ist.

Weiterhin schwach war Veolia (WKN 501451), auch wenn der Titel sich im späten Handel etwas erholte. Ich bin froh, da erst einmal "Adieu" gesagt zu haben. Denken Sie bei Veolia unbedingt an den Mittwoch 29.02. mit dem Board-Meeting ! Erst danach sollte sich das Bild aufklären. Sollte ich nach dem Board-Meeting Nachrichten hören, die nahelegen dass das Management die Konsolidierung und Restrukturierung ungestört fortsetzen kann, ist für mich ein sofortiger Wiedereinstieg vorstellbar. Bestätigen sich dagegen die Gerüchte um einen Machtkampf oder einen erneuten Wechsel des Managements, werde ich dem Titel weiter fern bleiben.

Richtig war es auch, bei Nokia (WKN 870737) und Aixtron (WKN A0WMPJ) auszusteigen, die heute beide ohne jede Nachricht mit intraday bis zu 5-6% Minus stark abgaben. Derartige Schwäche macht mich eher skeptisch und in beiden Fällen ist man im Moment an der Seitenlinie wohl besser aufgehoben. Besonders irritierend ist die Schwäche bei Aixtron, die rein vom Chart her eigentlich schon nach oben ausgebrochen waren und nun unter 12,6€ zurück gefallen sind.

Bei Aixtron wird wohl erneut bestätigt, was ich ja hier schon mehrfach skeptisch angemerkt hatte: Förderungen in China bedeuten nicht notwendigerweise Aufträge für deutsche Unternehmen und auch nicht zwingend eine Verringerung des Preisdrucks. Bei Aixtron ist auch die Nachrichtenlage zum Auftragsbestand aus dem Unternehmen heraus sehr dürftig, man hört gar nichts, völlige Stille seit Wochen, was eine Anlage zu einem rechten Blindflug macht. Denn weder für den Anstieg der letzte Zeit noch für die aktuelle Korrektur gab es belastbare Hinweise aus dem Unternehmen. Wie bei Nordex werden auch bei Aixtron vom Markt nun ängstlich die Zahlen erwartet, die am Donnerstag kommen sollen. Sollte Aixtron vor den Zahlen noch weiter abrutschen, könnte auch hier eine kurzfristige Spekulation auf eine positive Überraschung möglich sein. Allerdings drängt sich mir aufgrund meiner grundsätzlichen Skepsis eine Spekulation hier im Moment nicht zwingend auf.

Etwas ratlos liess mich heute die grosse Schwäche der Commerzbank (WKN 803200) zurück, denn eigentlich sollte der Effekt der Kapitalerhöhung doch letzte Woche verarbeitet worden sein und die allgemeine Schwäche der Banken reicht als Erklärung für heute zeitweise 5% Minus wohl nicht aus. Meine Sicht ist unverändert wie letzten Donnerstag hier kommuniziert und ich sehe diese Schwäche nun eher als Chance, denn die Visibilität der Entwicklung bei der Commerzbank hebt sich nun langsam, nachdem das Thema Stammkapital nun wohl endgültig im Griff zu sein scheint. Im späten Handel hat die Commerzbank auch erneut die 1,9€ zurück erobert. Sollte sich hier ein Boden ausbilden, wäre die Grundlage für einen neuen Schub nach oben möglicherweise gelegt.

Relative Stärke hatte heute erneut Rheinmetall (WKN 703000), die nur wenig abgab und für mich weiterhin eine attraktiv bewertete Aktie ist. Sicherlich ist es für Rheinmetall ein Problem, dass durch die Überschuldung einiger europäischer Staaten nun gute Kunden ausfallen. Gerade Griechenland hat ja das Geld, das es eigentlich nie hätte haben dürfen und das ihm von Anleihenkäufern geliehen wurde, besonders gerne in Panzer und Schiffe investiert. Insofern hätten doch die Banken, bevor sie einem Schuldenschnitt zustimmen, vielleicht besser auch ein paar Panzer pfänden sollen, mit denen sie ihre Türme dann gegen den wütenden Mob schützen können 😉 Aber Spass beiseite, ich bin zuversichtlich, dass eine Rheinmetall in Anbetracht der Güte der Produkte und des hervorragenden Rufs von "German Engineering" auch andere Absatzmärkte finden wird. Insofern ist weitere Schwäche der Rheinmetall Aktie bei Bekanntgabe der nächsten Zahlen durchaus möglich, ich halte das dann aber eher für eine mittelfristige Kaufgelegenheit. Und auch als Übernahmeziel ist Rheinmetall durchaus vorstellbar.

Beeindruckend stark war heute auch wieder BASF (WKN 936785). Ohne Frage ein tolles Unternehmen mit einem völlig intakten profitablen Geschäftsmodell und hervorragender Marktposition. Bei aller Begeisterung wird mir bei Kursen über 65€ aber doch langsam plümerant zumute, bis 70€ sind der Aktie vielleicht noch zuzutrauen, dann dürfte aber auch mal eine deutliche Korrektur des beeindruckenden Anstiegs fällig sein. Bei BASF ein paar Gewinne mitzunehmen, kann in meinen Augen also jetzt nicht schaden.

Ein Aktie die jetzt langsam auf meinen Radar gerät, ist die des Klinikbetreibers Rhön Klinikum (WKN 704230), die nach einer Akquisition ziemlich verprügelt wurde und auf dem derzeitigen Niveau nun vielleicht für einen längerfristigen "Buy and Hold" Ansatz geeignet ist. Ich habe mir zu dem Titel noch keine abschliessende Meinung gebildet, ein Grund mehr mal in die Runde zu fragen: hat jemand von Ihnen zu Rhön Klinikum eine Meinung ?

Ich wünsche einen schönen Abend !