Lehrer Bömmel und die Kreditkrise

In einer lockeren Reihe von Artikeln - nach "Lehrer Bömmel" aus der Feuerzangenbowle benannt - erkläre ich im Premium-Bereich immer wieder wichtige Zusammenhänge der Finanzmärkte.

Bei den Erklärungen geht es dabei nicht um "wissenschaftliche Exaktheit", sondern darum, Lesern die sich bisher nicht ausreichend mit den Themen befasst haben oder sie nie richtig verstanden haben, auf unterhaltsame Art und Weise ein Gefühl dafür zu vermitteln, worum es wirklich geht. Wer dann tiefer einsteigen will, kann das ja im Nachgang selber tun, Quellen gibt es genug.

Daher orientiere ich die Erklärungen auch immer wieder an konkreten, aktuellen Sachverhalten, so dass sich auch ein konkreter Erkenntnisgewinn damit verbinden kann, der zu besseren Anlageergebnissen führt.

Im freien Bereich hatte ich vor 1,5 Jahren schon beispielhaft einen Artikel aus dieser Reihe. Und zwar die Erklärung, wie "Shorten" eigentlich funktioniert und was eigentlich ein Leerverkauf ist. Lesen Sie hier, falls Sie den Artikel übersehen haben. Der Artikel war der Beginn einer Artikelreihe zum Thema "Shorten".

-> Grundlagen des Shortens - Wat is en Dampfmaschin? < -

Heute nun will ich Sie an einem weiteren Artikel teil haben lassen, der erst gestern im Premium-Bereich erschienen ist. Er adressiert die Frage, wie Aktien sich in einer Kreditkrise verhalten und warum das so riskant ist.

Ich wünsche gute Erkenntnisse!

Ihr Hari

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Petrobras & Volkswagen: Non-Value

Der folgende Artikel erschien Montag 28.09.15 10:30 in Hari Live und adressiert das ganz grundsätzliche Problem eines fehl interpretierten Value-Gedankens, mit dem sich zu viele Anleger immer wieder "Anlage-Gurken" ins Depot holen und daran dann auch noch zu lange festhalten.

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Ich habe hier ja schon oft gegen einen naiven, völlig falsch verstandenen Value-Gedanken gewettert, der dummerweise gerade in Deutschland immer wieder den unbedarften Anlegern verkauft wird und dort - typischerweise auf der Suche nach "Sicherheit" - auf fruchtbaren Boden fällt.

Und das ist der Irrglaube, dass es reichen würde, auf vergangene Stärke und die damit verbundenen Parameter wie KBV und KGV nach dem Motto "je kleiner desto besser" zu schauen, um "Value-Aktien" zu identifizieren.

Ich muss hier die Argumentation warum das Unfug ist, nicht wiederholen, sie steht sehr ausführlich im Artikel
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-.
Der Tenor lautet: Value-Investing funktioniert. Aber nicht so trivial und nicht so einfach für normale Anleger.

Es gibt aber aktuell einen geradezu wunderbaren Fall, um das Zerrbild zu demontieren und nein, das ist nicht Volkswagen, obwohl man das Thema auch da fest machen kann.

Es ist der brasilianische Öl- und Staats-Konzern Petrobras, der nicht nur mit dem niedrigen Ölpreis, sondern auch mit Korruption und zu grossem staatlichem Einfluss zu kämpfen hat. Und darüber wollte ich schreiben.

Dummerweise ist mir Ende letzter Woche dann Mark Dittli von der FuW im Artikel zuvor gekommen, so dass ich die Story dahinter nun nicht wiederholen muss.

Ich will aber trotzdem noch ein paar ähnliche Sätze aus der Sicht der Aktienanlage hinzu fügen. Denn einige von Ihnen werden sich sicher daran erinnern, wie Petrobras 2010 oder 2011 gesehen wurde:

Riesig, erfolgreich, gigantische Ölfelder neu entdeckt, Teil einer dynamisch wachsenden Volkswirtschaft, gering bewertet, hohe Dividenden usw usw. Genau das war ein klassischen Beispiel für das Zerrbild des Value-Investings.

Und hier haben wir nun die US notierten ADRs zu Petrobras. Tiefer geht immer, oder? Und das soll "Value" sein?

Petrobas 28.09.15

Was ist passiert? Sie lesen es zum Teil bei Markt Dittli, aber gewisse Parallelitäten zu Volkswagen sind für mich persönlich durchaus da, wo es ja auch eine Staatsbeteiligung über das Land Niedersachsen gibt:

Grössenwahn, Korporatismus, Gemauschel und Rücksichtsnahmen zwischen Regierungen und Unternehmen und bei Petrobras zusätzlich und als I-Tüpfelchen sogar noch Korruption.

Und dann bringt das Schicksal halt plötzlich eine unerwartete Änderung der Spielregeln, wie bei Petrobras der stark fallende Ölpreis oder bei VW nun das aktuelle Geschehen, vermengt mit der Gezeitenwende der Elektromobilität.

Und es macht *Autsch* und alle schlummernden Probleme treten offen und schmerzhaft zu Tage. Was ist also eher "Value" als eine Petrobras?

Es sind Unternehmen mit einem dauerhaft stabilen Geschäftsmodell, die wachsen, agil sind und bewiesen haben, dass sie sich verändernden Umgebungsbedingungen schnell anpassen können und nicht wie die Dinosaurier beim ersten Meteoriten-Einschlag zu Grunde gehen. Und die auch nicht nur von einem Faktor wie dem Ölpreis abhängen.

Und um die zu finden, muss man sich intensiv mit dem Geschäftsmodell beschäftigen und auch nicht nur mit der Bewertung der Vergangenheit, sondern mit dem, was die Zukunft wahrscheinlich zu bieten hat. Das ist für normale Anleger kompetent fast nicht zu leisten und stellt sehr hohe Anforderungen, die weit über das Ablesen von Vergangenheits-Indikatoren wie KBV hinaus gehen.

Wenn man dem aber mit geringem Aufwand ein wenig näher kommen will, dann sind das Unternehmen wie die vorgestellte -> Procter & Gamble <- und eben nicht eine Petrobras, bei der alles von einem Parameter - dem Ölpreis - abhängt. Und auch nicht Volkswagen, das kurz vor einer bedeutenden Umwälzung der Technologie, einfach zu gross und träge geworden ist und auch ohne den aktuelle Skandal schon zum Problemfall geworden ist, siehe auch meinen Artikel schon von Mitte Juli -> Problemfall Volkswagen <-.

Übrigens, wer sehen will, wie es bei Volkswagen weiter geht, findet hier auch in der FUW ein treffendes Muster: .

Wer also unbedingt VW mag und als Aktie nun unbedingt will, kann das mit Kursen unter 100€ vielleicht mit sehr langfristigem Ansatz tun. Vielleicht. Ich persönlich mache das nicht und bin daran völlig desinteressiert, aber ein langfristiges Investment mit Einstieg unter 100€ wäre vielleicht zu verantworten.

Nur schnelle Gewinne braucht man eher nicht zu erwarten, das Thema wird nun lange und schmerzhaft Folgeschäden generieren. Und wenn das so ist, warum will man dann überhaupt VW nun näher treten? Ich will und werde es auf jeden Fall *nicht*, ausser als taktischer Trade.

Denken wir einfach an Petrobras und wie wenig Grösse und Vergangenheitszahlen bedeuten, wenn ein Gezeitenwechsel in der Welt ansteht! Und wer davon auch noch nicht überzeugt ist, kann ja mal an E.ON und RWE denken.

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Mit dem Wind im Rücken zum Markterfolg segeln

Der folgende Beitrag erschien schon vor ca. 5 Monaten am Donnerstag 12.03.15 14:20 in Hari Live und wurde für den freien Bereich nun noch gering angepasst, weil einige Referenzen im Originalartikel nicht frei verfügbar sind.

Da fragen Sie sich sicher, wie kann ein 5 Monate alter Beitrag noch interessant sein?

Die Antwort ist, weil er sehr grundsätzlicher Natur ist und die Entwicklung der letzten Monate sehr präzise gezeigt hat, wie zutreffend er doch ist.

Und er passt gut zu anderen Beiträgen der letzten Monate im freien Bereich, wie -> Kohle - tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss! <-

Hier geht es los:

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Ich habe schon mehrfach über eine -> Sektorenstrategie für normale Anleger <- geschrieben.

Und in Hari Live habe ich unter dem Titel "Das langfristige Megatrend-Depot für den kleinen Geldbeutel" auch darüber geschrieben, warum es für kleine Depots Sinn machen könnte, seine Investments auf die grossen Megatrends zu konzentrieren.

In dem Artikel hatte ich darauf hingewiesen, dass:

  • Zykliker zwar wild hin- und her schwingen, langfristig aber nicht vom Fleck kommen.
  • Rohstoffe oder Gold, in ihren Bewertungen zwar wild schwanken können, aber kein echtes Wachstum durch Innovation in sich tragen.
  • Reine "Cash-Kühe" ohne Wachstum, zwar jede Menge Cash per Dividende ausschütten, am Ende aber langfristig nicht vom Fleck kommen.
  • Niedrige KBVs und KGVs und hohe Ausschüttungen, keine langfristige Sicherheit verschaffen.
  • Sehr langfristig über Jahrzehnte genau die Firmen am "sichersten" sind, die sich neben starken, eigenen Produkten, in einem stark wachsenden Marktumfeld bewegen, denen neue Kunden also sozusagen von alleine zufliegen, weil der sie umgebende Markt einfach wächst

Ich halte diese Aussagen immer noch für grundlegend richtig und wichtig.

Heute will ich mal daran anknüpfen und erklären, warum die Sektorenwahl bei der Frage, welche Aktie in ein Investmentdepot gehört, für mich das erste wichtige Nadelöhr ist, durch das ein potentielles Investment durch muss.

Denn wenn man ein langfristiges Investment tätigt, macht es jede Menge Sinn, das aus einem Sektor zu wählen, der langfristig wächst. Ein Sektor, bei dem der zu verteilende Kuchen also immer grösser wird.

Erfahrene Segler wissen zu Genüge, wie viel einfacher es ist, mit dem Wind im Rücken zu segeln, als gegen den Wind anzukreuzen. Letzteres geht zwar auch, erfordert aber weit höheren Aufwand, um voran zu kommen.

Und was beim Segeln der Wind ist, ist bei der Geldanlage der fundamentale Trend, der für steigende Umsätze und Gewinne sorgt. Unternehmen, die in so einem Markt sind, haben es leicht, den Aktionären Freude zu machen. Warum also, sollten wir bei der Geldanlage freiwillig auf diesen Vorteil verzichten?

Ich bin sowieso ein Fan des "Growth"-Gedankens. Denn Bewertungen, die sich aus der Vergangenheit herleiten, sind genau das: Vergangenheit. Viel wichtiger damit unsere Investmentdepots ergrünen ist aber, dass das Geschäftsmodell in der Zukunft Wachstum zulässt. Denn Wachstum wird langfristig in steigende Kursnotierungen umgesetzt. Und wenn die Grösse des zu verteilenden Kuchens wächst, fällt es Unternehmen leicht, daran Teil zu haben.

Neben der Grösse des zu verteilenden Kuchens, sind dabei aber die Eintrittshürden ebenso wichtig. Denn wenn ein Markt wächst, wollen andere auch daran Teil haben. Je schwerer das ist, je mehr Anlaufinvestitionen das erfordert, desto leichter tun sich die an der Börse notierten Platzhirsche, ihre Margen zu verteidigen.

Der ideale Sektor für ein Investment wäre also einer, der absehbar in den kommenden Jahren wächst und bei dem der Neueintritt neuer Mitbewerber aber aufgrund hoher Eintrittsbarrieren fast ausgeschlossen ist.

Nach dieser Vorrede, will ich daher eine Diskussion mit Ihnen beginnen, welche Sektoren im Sinne eines mehrjährigen Investments zu bevorzugen sind und welche nicht. Treue Leser werden über die Liste nicht überrascht sein, denn natürlich finden sich diese Präferenzen auch in den Einzelaktien wieder, die ich immer wieder mit Ihnen bespreche.

Damit konkret zu den Sektoren. Vorab sei noch gesagt, dass natürlich keine Regel ohne Ausnahme existiert. Auch in starken Sektoren, gibt es schwache Aktien, von denen man die Finger lassen sollte. Und in kritischen Sektoren, gibt es trotzdem starke Aktien, vielleicht gerade weil diese den Sektor so aufmischen, wie eine Tesla Motors die Autoindustrie.

Zunächst einmal die Sektoren, die ich bevorzuge, weil hier nach meiner Erwartung langfristiges Wachstum zu finden ist:

Clean Energy & Clean Tech

Ich denke das "warum", muss ich hier nicht mehr aufführen. Solange nicht als "schwarzer Schwan" eine ganz neue Technologie wie die "kalte Fusion" auftaucht, die alles auf den Kopf stellt, habe ich am langfristigen Erfolg und Wachstum des Sektors keinerlei Zweifel. Kurzfristige Verwirrrungen wie aktuell durch den Einbruch in China, ändern nichts am grossen Bild.

Aerospace & Defense

Natürlich inklusive Raumfahrt. Langfristig ein klarer Wachstumssektur und auch unsere Art uns und unsere Waren zu transportieren, wird bestimmt "dreidimensional" werden, sobald die autonomen Systeme so weit sind, dass "Fahr-Flug-Zeuge" alleine wie an einer Schnur gezogen fliegen können. Coruscant lässt sozusagen grüssen. 😉

Aber das dauert noch ein paar Jahrzehnte. Real ist aber nun die durch die multipolare Welt geförderte Rückkehr der strategischen Konflikte. Russland, China, Japan - überall wird massiv aufgerüstet und die Friedensdividende nach dem Fall des eisernen Vorhangs wieder abgebaut. Der Westen und insbesondere Europa wird nachziehen, das betrachte ich auf Jahre als nahezu sicher. Und die Eintrittsbarrieren im Sektor sind immens hoch. Wachsende Umsätze werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den Unternehmen verteilt, die heute schon bekannt sind.

Biotech & Life Sciences

Auch das muss ich wohl nicht weiter begründen, für mich immer noch *der* langfristige Boomsektor des neuen Jahrhunderts.

Agro Tech

Die Betonung liegt dabei auf "Tech", denn die eher profanen Düngemittel verstehe ich nicht darunter. Die fallen eher unter Rohstoffe und sind zyklischer Natur.

Aber alles was durch Innovation dabei hilft, die wachsende Weltbevölkerung trotz schlechter werdender Böden zu ernähren, vom robotergeführten Traktor bis zur intelligenten Bewässerung, wird seinen Weg machen und hat absehbar steigende Geschäftsvolumina vor sich.

Robotics

Eigentlich kein richtiger Sektor und nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Denn Robotics ist eigentlich eine Basistechnologie, die sich an ganz unterschiedlichen Stellen auswirken kann. Zum Beispiel in der Medizin bei Intutive Surgical. Oder in der Agrarwirtschaft durch autonome Erntemaschinen. Oder im Rüstungsbereich bei Drohnen. Oder in der Autoindustrie beim autonomen Fahren. Oder bei der Produktion wie bei Kuka. Oder. Oder.

Die verschiedenen Ausprägungen dieser Basistechnologie, stehen aber vor massivem Wachstum, auch davon ist auszugehen.

Software

Wie Robotics ist auch "Software" eine Basistechnologie und man kann nicht pauschal sagen, dass ein Investment in Software per se aussichtsreich sei. Es ist aber an ganz vielen Stellen Software, die den Unterschied macht. Überlegen Sie sich alleine mal, wie die zunehmenden Fähigkeiten von Spracherkennung (Siri und Co.) ganze Industrien umkrempeln werden - "Tea - Earl Grey - Hot!";). Oder denken Sie an das Thema Cyber-Security, auch das ist offensichtlich ein Wachstumsthema.

....

So weit als Beispiele ein paar Sektoren, die ich mag und aus denen ich gerne Aktien für mein Investmentdepot wähle. Es gibt noch andere und keiner der obigen Sektoren sollte sie überraschen. Aber allen diesen Sektoren ist gemein, dass der Wind des Wachstums in den Rücken des Investments bläst. Und es macht jede Menge Sinn, auf diesen Rückenwind zu setzen.

Nun noch kurz und beispielsweise ein paar Sektoren, um die ich in der Regel bei Investments einen Bogen mache und warum.

Versorger

Versorger braucht man immer? Habe ich auch mal gedacht und ist wahrscheinlich falsch. Die Technologie macht zentrale Versorger zwar nicht völlig unnötig, drängt sie aber in den Hintergrund und nimmt damit die Wachstumspotentiale. Dezentraler Energie gehört nach meiner Überzeugung die Zukunft.

Und die etablierten Versorger haben für mich schlicht kein Geschäftsmodell mehr und keine wirklich überzeugende Idee, wie ein neues entstehen soll. Warum da "gegen den Wind" segeln?

Autoindustrie

Von den Paradigmenbrechern wie Tesla abgesehen, ist die Autoindustrie derzeit in einem gesättigten Markt unterwegs. Etwas flapsig gesagt, passen mehr Autos nicht mehr auf diesen Planeten - ausser man geht in die dritte Dimension, siehe oben.

Und die Industrie steht vor einer Zeitenwende voller Risiken und neuer Mitbewerber ala Google und Apple. Sicher, vielleicht setzen sich von den derzeit etablierten Autobauern ein paar durch und starten in das neue Zeitalter der Mobilität. Aber das ist völlig unklar.

Warum also sollte man sich als Investment diese Risiken antun? Hier scheinen mir die Risiken kurzfristig höher als die Chancen.

Öl und Gas

Das Öl- und Gaszeitalter geht zu Ende. Und neue Quellen zu finden, wird immer teurer. Paradoxerweise könnten gerade die aktuell niedrigen Ölpreise diese Entwicklung noch befördern. Denn in dem neue Investitionen unterbleiben, könnte der nächste Preissschub um so stärker ausfallen und den Wechsel von Öl und Gas auf andere Energieformen (siehe oben) befeuern.

Banken

Brauchen wir (traditionelle) Banken in einer modernen Welt überhaupt noch? Als Transmissionsriemen für Kredite funktionieren sie ja schon jetzt nicht mehr richtig. Und um Zahlungen abzuwickeln, braucht man sie bald auch nicht mehr, Paypal und Co. lässt grüssen.

Dann sind die Banken noch völlig undurchsichtig, weil selbst Branchenexperten vor deren Bilanzen kapitulieren. Und Wachstum soll woher kommen? Hallo, ist da jemand?

Wie können solche Aktien also Grundlage eines langfristigen, mehrjährigen Investments sein?

So..... so weit ein paar Beispiele. Nichts davon dürfte Sie überraschen, ich wollte es nur einmal im Zusammenhang darstellen.

Und selbstverständlich habe ich nicht die Weisheit gefressen und wenn es um die Einschätzung der Zukunft geht, kann ich auch nur Vermutungen anstellen, ohne diese zu kennen.

Der wesentliche Punkt den ich hier machen will ist, dass bei einem langfristigen Investment die Sektoren vorzuziehen sind, bei denen der zu verteilende Kuchen absehbar grösser wird - uns also der Wind in den Rücken bläst und uns ganz ohne Anstrengung antreibt.

Es macht in meinen Augen weit mehr Sinn, sich bei Investments über diese Potentiale der Zukunft Gedanken zu machen, als sich in den Zahlen der Vergangenheit zu vergraben.

Und wenn Sie mal genau hinschauen, werden Sie bemerken, dass sich die hohen Dividenden gerade in den Sektoren sammeln, denen das Wachstum fehlt. Das ist auch kein Wunder und habe ich in dem lesenswerten Artikel -> Dididenden - überschätzt, overhyped, missverstanden und trotzdem wichtig <- dargestellt.

Für mein langfristiges Anlageverhalten gilt daher der vielleicht überraschende Satz "Wachstum schafft Sicherheit!". Ich persönlich bin damit über Jahre sehr gut gefahren.

Ihr Hari

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Sandisk und der Zyklus der Chipindustrie

Der folgende Beitrag erschien schon Dienstag 25.11.14 17:30 in Hari Live

Zunächst einmal zur Klarstellung, ich spreche hier nicht über die kurz- oder mittelfristige Sicht auf die Sandisk-Aktie. Auf dieser Zeitebene könnte Sandisk sogar erneut nach oben ausbrechen.

Ich spreche hier über das ganz grosse Bild, das bis in die 90er Jahre zurück geht. Denn am Beispiel der Chipindustrie, deren Marktführer im Bereich Speicherchips Sandisk ist, kann man gut darstellen, wie weit dieser Markt schon gelaufen ist und wie gedehnt er ist. Und warum auf der langfristigen Ebene eine gewisse Vorsicht hier nicht schaden kann.

Denn die Speicherchip-Industrie ist extrem zyklisch. Wirklich *extrem* zyklisch. Wir können das schön am langfristigen Monatschart sehen:

SD 25.11.14

Wir notieren Tiefststände von Sandisk bei 4 oder 5 USD und nun Höchststände über 100 USD. Und dazwischen (blauer Kasten) eine grosse Konsolidierung, die typischerweise die Mitte einer Bewegung ausmacht und daher eher darauf hinweist, dass die aktuelle Bewegung ihr Potential langsam ausreizt.

Nun könnte man ja meinen, dass hier sensationelle Innovationen stattgefunden haben, die einen Anstieg der Sandisk Aktie von rund 2000% seit Ende 2008 rechtfertigen.

Dem ist aber nicht so. Sandisk war auch vor 10 Jahren der Marktführer bei Speicherchips und Storage Lösungen und letztlich basieren die heutigen Produkte auf den gleichen Basis-Innovationen wie vor 10 Jahren. Sicher, jedes Jahr werden Chips im Sinne des "Mooreschen Laws" leistungsfähiger. Und der Trend zu "Big Data" hilft einer Sandisk natürlich immens.

Aber trotzdem reden wir hier über eine evolutionäre Entwicklung, die alleine 2000% Kursanstieg nicht erklären kann. Um das mal in die richtige Perspektive zu bringen, der Jahresumsatz von Sandisk hat sich seit 2009 grob verdoppelt. Die Bewertung grob verzwanzigfacht!

Den Unterschied macht dabei der extreme Gewinnhebel, den so zyklische Unternehmen haben. Und deshalb sind nun auch Parameter wie KGV oder selbst KBV mit äusserster Vorsicht zu geniessen und geben eher falsche Signale.

Im Gegenteil, Zykliker sehen am Hochpunkt immer "sehr günstig" aus. Diesen wichtigen Sachverhalt, habe ich in einem älteren Artikel erklärt, den ich Ihrer Aufmerksamkeit auch heute empfehle: -> Warum billige Zykliker teuer sind und umgekehrt <-

Fazit: Bei aller Begeisterung für ein gut laufendes Geschäft, die Chipindustrie und insbesondere Sandisk befindet sich im langfristigen Bild eher am oberen Ende einer zyklischen Margen-Expansion, als am unteren Ende. Die Luft wird dünn.

Das heisst nicht, dass da bei Sandisk nicht noch 10 oder 20% auf der mittelfristigen Zeitebene drin sind. Erfahrene Anleger behalten hier aber die langfristigen Charts genau im Auge. Denn diese - und *nicht* die fundamentalen Parameter - werden uns zeigen, wann bei Sandisk "Ende Gelände" ist und der unvermeidliche Schweinezyklus solche Aktien wieder in Tiefen zerrt, die wir uns heute kaum vorstellen können.

Das nur zur Warnung und Einordnung. Für die Kurse zum Jahresende, sind solche Überlegungen eher ohne Belang. Darüber hinaus in 2015 und 2016 hinein dann aber doch.

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Vom Irrsinn des IFRS und einem zweifelhaften Buchwert – Reloaded

Es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug erklären. Und da ich diese Woche noch Urlaub mache, schiebe ich heute einen Artikel wieder in den Vordergrund, der hier schon am 24.10.2012 - also vor fast 2 Jahren - veröffentlicht wurde.

Diese Erklärung ist aber nach wie vor topaktuell und erst heute habe ich wieder einen interessanten Artikel gesehen, der die Problematik der Buchwerte nach "Fair Value" erneut in Erinnerung ruft, dieses mal für die grossen Energiekonzerne mit ihren Reserven und deren Bewertung in den Bilanzen:

Ein erneutes, schönes Beispiel, warum das Prinzip des "Fair Value" in der Praxis Augenwischerei ist und nur dazu führt, dass das Management zu grosse Gestaltungsfreiheiten hat und die Aussagekraft der Bilanzen verschmiert wird. Genau das, was der Artikel unten im Detail erklärt. Denn da es in der Gegenwart keine objektiven Fakten gibt, ob und wie die Reserven der oben im Artikel beschriebenen Energie-Konzerne in Zukunft überhaupt genutzt werden können, obliegen diese Bilanzposten mehr oder weniger der Gestaltung des Managements.

Viele der neuen Leser, die in den letzten zwei Jahren zu surveybuilder.info dazu gestossen sind, werden den Artikel vom Herbst 2012 nicht kennen. Das sollten Sie aber, daher hier der "Irrsinn des IFRS" reloaded. Viel Spass, Ihr urlaubender Hari.

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Heute möchte ich mit Ihnen mal wieder ein grundsätzliches Thema besprechen. Und zwar in Form eines persönlichen und höchst subjektiven Kommentars zum Thema IFRS.

Ausgelöst durch einen der zahllosen Artikel, in denen dem privaten Anleger mal wieder das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) als einfaches Mittel angedient wurde um "Value-Aktien" nach Graham und Buffet zu finden, habe ich mich dazu despektierlich geäussert und den Versuch so ein Thema auf das KBV zu reduzieren als "Plattheit" gebranntmarkt.

In diesem Artikel möchte ich genauer erläutern was ich damit meine. Und warum Sie sich nach meiner Erfahrung keinen Gefallen damit tun, Ihre Anlageentscheidungen alleine nach solchen trivialen Kennziffern zu treffen. Wenn mir die Welt so stark vereinfacht dargeboten wird, ist für mich eher sofort die Frage, "warum" man mir das so darlegt und welche Interessen die Beteiligten haben könnten.

Noch vor 15 Jahren, war die Welt der Bilanzierung in Ordnung. In Deutschland galt das HGB, das die Tendenz hatte, in den Bilanzen stille Reserven - also eine Sicherheitsmarge - aufzubauen. Kaufte man damals ein anderes Unternehmen oder Rechte oder oder, wurde der Aufwand als "Kosten" verbucht oder aktiviert und das Wirtschaftsgut langsam abgeschrieben. Irgendwann war das Wirtschaftsgut in der Bilanz bei Null angekommen, hatte aber immer noch einen realen Gegenwert. Manchmal war dieser Gegenwert sogar gestiegen.

Diese stillen Reserven schlummerten unerkannt in den Bilanzen und wurden erst dann gehoben, wenn das Wirtschaftsgut zum Beispiel verkauft wurde, wenn es also durch einen Preis einen "Wert" bekam. Das war auch im Wesentlichen die Bilanz-Welt, in der Benjamin Graham (der diesem Blog seinen Namen gab und dessen Schüler Warren Buffet war) seine berühmte "Value-Strategie" entwickelte, wie in seinem Buch "The intelligent Investor" ausgeführt. Sicher waren die Bilanzierungsregeln auch damals in den USA anders als das HGB, aber auch in den US war die Bilanzierung damals viel mehr vom Sicherheitsgedanken geprägt als heute.

Dann begann aber der Siegeszug der IFRS (International Financial Reporting Standards). Eigentlich ein richtiger Gedanke, die Rechnungslegungsvorschriften weltweit zu vereinfachen und damit vergleichbar zu machen. Ich zitiere mal einen Satz aus dem WiWo Artikel zum "grossen Bilanz Bluff", den ich Ihnen unten verlinkt habe: "Die 15-köpfige Gruppe ist privat organisiert. Sponsoren der Gruppe sind nahezu alle wichtigen internationalen Konzerne, Banken und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Europäische Union winkt deren Beschlüsse regelmäßig durch und gibt sie weiter in die Hauptstädte von Berlin bis Rom, wo sie in nationales Recht umgewandelt werden."

Meine Lebenserfahrung gebietet anzunehmen, dass es die Interessen der genannten Spieler sind, die indirekt Einfluss auf die Bilanzierungsregeln nehmen. Und das selbst, wenn man den 15 Personen individuelle Untadeligkeit und das Bemühen um Unabhängigkeit attestiert, was ich hiermit gerne annehme. Denn jeder Mensch ist durch sein Arbeitsumfeld geprägt, auch wenn er sich persönlich um Unabhängigkeit bemüht. Lässt man Bilanzstandards von den genannten Gruppen erarbeiten, wird man andere bekommen, als wenn das Standardisierungsgremium zum Beispiel aus den Finanzchefs von Mittelständlern besteht. Bezeichnend für die deutsche Politik ist übrigens, dass sie dieses so entscheidende Thema aus meiner Sicht mal wieder völlig verschlafen hat.

Und die Interessen der grossen Spieler sind für mich naheliegend. Indem man stille Reserven hebt, in dem man die Bilanzen aufbläht, erzeugt man höhere Kurse an Börsen (= mehr Boni) weil die Kennziffern wie zB KBV besser aussehen, erhöht man das Volumen der Mandate, erzeugt neue Beratungsfelder für Banken und Wirtschaftsprüfer und gibt dem Management Spielraum, sich die Bilanz nach Gusto zu bauen. Es entspricht meiner Lebenserfahrung anzunehmen, dass diese Interessen auch in die Entscheidungsprozesse einfliessen.

Das Schlüsselprinzip das seit IFRS dabei eingesetzt wird und das es vorher nicht gab, ist dabei das "Fair Value Measurement“. Theoretisch ein richtiger Gedanke, statt das stille Reserven wie oben in den Bilanzen schlummern und diese defensiv aufgebaut sind, sollen alle Bilanzpositionen mit ihrem aktuellen "fairen Wert" bewertet werden. Das Problem ist nur, wer legt denn fest wenn es keinen echten Marktwert gibt, was die Regel ist ? Wer hat die Kompetenz zu entscheiden, ob eine Investition zB in eine innovative Technologie diesen oder jenen "fairen" Wert hat ? Womit wir beim massiven Spielraum sind der nun entstanden ist und der die modernen Bilanzen eher zu einem Pudding macht, den man verzweifelt versucht an die Wand zu nageln.

Es übersteigt den Umfang eines solchen Artikels, hier auf alle Aspekte einzugehen. Ich will Ihnen mit diesen Worten auch nur ein Problembewusstsein schaffen. Und dazu braucht es Beispiele.

Nehmen wir also mal beispielhaft Daimler und die Brennstoffzelle. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Daimler in das Thema schon mehr als 1 Milliarde Entwicklungskosten hinein gesteckt haben soll. Ich weiss nicht ob das stimmt und ich will vorausschicken, das ich keinerlei Ahnung habe wie Daimler das Thema bilanziert. Und ich will mit den folgenden Worten auch keine Behauptungen über die Bilanz bei Daimler aufstellen. Ich will Ihnen nur an einem Beispiel das jeder kennt ("Daimler" und "Brennstoffzelle") klar machen, was IFRS potentiell bedeutet.

Daimler hat also massive Investitionen in die Brennstoffzelle gesteckt, um in der Zukunft damit Geschäft zu machen. In der alten Welt des HGB wäre das ganz einfach gewesen. All die Investitionen in die Brennstoffzelle, all die Millionen an Entwicklerstunden, die gekauften Maschinen, Patente und Rechte, wären Kosten bzw aktivierbare Wirtschaftsgüter gewesen. Wirtschaftsgüter wie zb eine Testanlage wären bis auf Null abgeschrieben worden. Bilanziell wären also all diese Aktivitäten irgendwann nichts mehr "wert" gewesen, bis dann der Moment eintritt, an dem man mit der Brennstoffzelle Umsatz macht, Kunden gewinnt etc. So einfach, so defensiv, so konservativ.

Heute, im IFRS, darf man aber Entwicklungsaufwand aktivieren. Und muss den Wert dieser "virtuellen Wirtschaftsgüter" nicht zwingend auf Null abschreiben. Nein, man muss für die Bilanz bestimmen, was der "Fair Value" dieser Aktiva ist. Und bläht die Bilanz entsprechend auf, was bedeutet das KBV sieht optisch attraktiver aus. Nur wer entscheidet was die Investitionen in die Brennstoffzelle Wert sind ? Nach welchen Kriterien ?

Viel schlimmer, kann das überhaupt jemand kompetent entscheiden ? Ich behaupte ganz frech: NEIN ! Denn die entscheidende Frage wird sein, ob sich die Brennstoffzelle am Markt gegen die alternativen Antriebsformen durchsetzen kann. Und das hängt von unzähligen, auch politischen, Parametern ab und kann niemand vorher sehen. Und deshalb kann auch niemand seriös den "Fair Value" bestimmen.

Im Endeffekt masst sich IFRS damit ganz arrogant an, via Bilanz die Zukunft vorher sehen zu können. Klar, theoretisch soll es der aktuelle "Fair Value" der Gegenwart sein, nur ist der nicht zu bestimmen ohne Annahmen zur Zukunft zu machen. Das ist in meinen Augen die traurige Realität. Und Realität ist für mich auch, dass sich damit das Management der Konzerne nach meiner Erfahrung mehr oder weniger selber in die Bilanzen schreiben kann, was es will. Oder glauben Sie ein durchschnittlicher Wirtschaftsprüfer kann eine ernsthafte Diskussion mit dem Entwicklungsvorstand bestehen, welchen aktuellen Wert frische Innovationen in einem innovativen Spezialthema haben ? Sicher haben die Wirtschaftsprüfer "Krücken" zur Bewertung in ihrer Methodik, es sind und bleiben aber Krücken und am Ende entscheidet das Management.

Das ist nur ein Beispiel. Und um es noch einmal zu erwähnen, ich weiss nicht wie Daimler das real bilanziert, das ist nur ein theoretisches Gedankenszenario um einen Punkt klar zu machen. Und es ist auch keine Problematik von Daimler, sondern vor diesen Fragen stehen mit IFRS alle Unternehmen mit signifikanten Entwicklungsaufwendungen, egal aus welcher Branche. Aber von dieser Art "Bewertungen" nach "Fair Value" werden die Bilanzen der Konzerne seit IFRS bestimmt. Und es ist beileibe nicht nur das Thema aktivierter Entwicklungsleistungen um das es hier geht, weitere Stichworte sind der Goodwill bei Firmenkäufen, die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen usw. usw..

Warum wohl weist Microsoft plötzlich, von einer Sekunde auf die andere einen Quartalsverlust aus und schreibt 6 Milliarden auf eine Akquisition ab ? Womit die Bilanz um diese 6 Milliarden verkürzt wird. Hat sich die Welt in dieser Sekunde so verändert ? War die Bilanz vor 3 Monaten also richtig ? Lesen Sie . Und warum wundern sich Redakteure, das der Markt dabei nicht mal zuckt ? Ganz einfach, weil die Redakteure den (Un)Sinn des IFRS nicht verstehen und noch denken, Bilanzen hätten Aussagekraft. Big Money weiss es aber und zuckt deshalb nicht einmal über die Abschreibung. Die Profis im Markt wissen : "sowieso Bullshit" und kümmern sich um die bedeutenden Dinge.

Am schlimmsten sind in diesem Zusammenhang übrigens nicht die Bilanzen von IT Unternehmen, sondern die von Banken. Da hier fast keine "realen" Güter dahinter stehen, bestehen die Bilanzen aus Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen. Natürlich alles "Fair Value". 😉 Erfahrene Bilanzspezialisten, die bei einem Industrieunternehmen durchaus noch sinnvolle Schlüsse aus der Bilanz ziehen können, streichen bei Bankbilanzen die Segel. Denn die wissen, das sie *nicht* wissen, eben gerade weil sie kompetent sind. Um so absurder wird es dann, wenn man im Web von Laien "fundamentale Analysen" zu Banken anhand der klassischen Bilanzkennziffern liest. Da kann man in meinen Augen auch gleich wie im Mittelalter das Gekröse eines Frosches untersuchen, das läst ähnlich kompetente Rückschlüsse zu. 😉 Bank-Bilanzen sind einfach eine "Black-Box", die selbst für Insider extrem schwer zu durchdringen sind.

Faktum ist, dass man aufgrund dieser durch IFRS aufgeblähten Unternehmensbilanzen die Kennziffern wie KBV gar nicht mehr mit der Vergangenheit vergleichen kann. Wer Ihnen also erzählt, dass das KBV des DAX im historischen Massstab billig sei, ist nicht ernst zu nehmen. Die Bilanzen sind nicht vergleichbar und keiner kann Ihnen genau sagen, wie aufgebläht sie nun im Vergleich zu den 90er Jahren sind.

Und dann lächeln Sie Personen von Magazinen an und und implizieren, dass Sie ja nur das KBV und die Dividende anschauen müssen, um sich wie Graham und Buffet zu fühlen. Wenn Geldanlage so einfach wäre, wären wir alle Multimillionäre. Komisch nur, dass wir es nicht sind. 😉

Sage ich damit, dass eine Kennziffer wie das KBV gar keine Aussagekraft mehr hat ? Nein, wenn man das Geschäft des Unternehmens versteht, wenn man die Substanz der wesentlichen Bilanzpositionen einschätzen kann und wenn man weiss, wie "aggressiv" das Management bilanziert, dann hat eine Bilanzanalyse immer noch gute Aussagekraft. Das ist das was ein Buffet macht und mehr. Machen Sie das ? Können Sie das ? Wenn nein, lassen Sie sich nicht von den grossen Vereinfachungen blenden.

So weit meine hoffentlich deutliche und zugegeben spitzzüngige Rede zum Thema. Wie gesagt, ich wollte damit nicht in die Details der Bilanzierung einsteigen, sondern Ihnen nur eine sehr grundsätzliche Problematik klar machen.

Im Folgenden habe ich daher für Sie noch zwei Links um das Thema zu vertiefen. Gerade den ersten Link "Der grosse Bilanz Bluff" möchte ich Ihnen dringend zum intensiven Studium empfehlen. Danach sind Sie hoffentlich kuriert und können nur noch bitter lachen, wenn Ihnen einer mal wieder etwas vom KBV als entscheidendem Kriterium erzählt und dafür dann noch der arme Warren Buffet ungefragt als Testimonial benutzt wird.

Ich hoffe ich konnte Ihren Horizont ein wenig erweitern. Und ich bedauere, dass ich Ihnen keine "einfachen" Lösungen anbieten kann. Das muss ich anderen überlassen.

Ihr Hari

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Ist Börse für Sie Entertainment ? Oder wollen Sie doch lieber Geld verdienen ?

Ich kenne Sie. Ja, genau Sie !

Sie sind doch dieser Anleger, für den Börse furchtbar unterhaltend ist. Denn in jedem Artikel, den man in den Medien aufschnappen kann, liegt ja auch die Chance für schnelle Gewinne - die potentielle Kursrakete eben. Das ist ein bischen wie bei der Schatzsuche, oder wie Warren Buffett manchmal sagt: man fühlt sich wie ein Kind im Süsswarenladen.

Und so lesen Sie diesen schönen Artikel in dem bekannten Anlegermagazin. Da ist eine Aktie, die gefällt Ihnen einfach emotional. Zum Beispiel weil sie Produkte herstellt, die Sie mögen oder weil Sie zu den "nachhaltigen" Aktien gehört und man sich einfach als guter Mensch dabei fühlen kann, in diese Aktie zu investieren.

Und dann werden in diesem Artikel ausschliesslich allerlei Argumente für diese Aktie aufgelistet. Natürlich im Konjunktiv mit "könnte", "würde" und "sollte", aber was ist schon der Konjunktiv - den kann man doch überlesen. 🙂

Und auch ein kurzer Blick auf Bewertungsparameter, lässt die Aktie auf den ersten Blick als fair bewertet erscheinen. Besonders attraktiv scheint die Aktie zu sein, weil sie furchtbar am Boden liegt und so eine "gute", "solide" Aktie, die muss doch einfach steigen. Oder ?

Das ist alles sehr unterhaltend und vor allem lässt es in Ihnen emotional etwas anklingen. Sie mögen diese Aktie einfach und Sie mögen den Gedanken, diese im Depot zu haben. Sie sehen schon die grossen Gewinne vor sich, die Sie dann auch noch mit "nachhaltig" gutem Gewissen einstreichen können. Das Ganze ist ein richtiges "Wohlfühl-Investment".

Und deshalb muss es jetzt schnell gehen. Sie müssen nun schnell kaufen, bevor es die anderen tun. Schliesslich habe Sie ja diesen Trüffel entdeckt. Nur Sie ! Das es in einem Magazin steht, das auch hunderttausend andere Leser lesen und einige auch vorab bekommen haben - geschenkt. Das ist Ihr Schatz ! Mein Schatz !! 😉

Und siehe da, die Aktie ist heute schon 1% im Plus ! Verflixt, die Gelegenheit läuft Ihnen weg ! Nun aber schnell rein, bevor die grosse Rally losgeht .....

So werden Sie Aktionär dieser Aktie. Und fühlen sich genau einen Tag gut dabei und wurden toll unterhalten. Genau einen Tag. Was danach kommt, ist eine ganz andere Geschichte. Am Ende werden Sie aber nicht reich geworden sein und die Aktie wird Sie enttäuscht haben. Sie sehen, ich kenne Sie. 😉

Was Sie aber nicht getan haben, sind all die Dinge, die nicht unterhaltend wären, sondern bittere Fleissarbeit und Zeitaufwand bedeuten würden.

  • Sie haben nicht nach all den negativen Argumenten gesucht, die es zu jeder Aktie gibt und die im Artikel ausgelassen wurden, um eine schön unterhaltende, konsistente Story zu produzieren.
  • Sie haben sich nicht mit der Branche als Ganzes beschäftigt und auch nicht Mitbewerber ins Auge genommen.
  • Sie haben sich nicht das Chart auf verschiedenen Zeitebene betrachtet und damit die Timing-Frage gestellt, ob unabhängig von dem prinzipiellen "Mögen" der Aktie, nun der richtige Zeitpunkt zum Einstieg ist.
  • Sie haben sich nicht bemüht, die Risiken zu bewerten und sich auch nicht schon vor dem Einstieg die Frage beantwortet, ab wann Sie denn die Reissleine ziehen würden.
  • Sie haben noch nicht einmal ernsthaft die Möglichkeit erwogen, dass es ja doch anders kommen könnte, als im Artikel hoffnungsvoll dargestellt.
  • Sie haben nicht in Fleissarbeit alle in der nahen Zukunft liegenden Termine identifiziert, die unmittelbaren Einfluss auf die Kursentwicklung nehmen werden.
  • Sie haben nicht diese oberflächlichen Parameter wie KGV und KBV hinterfragt und sich darum bemüht zu verstehen, welchen Trackrecord das Management des Unternehmens eigentlich hat.
  • Sie haben auch nicht geschaut, ob das Management nun selber als Insider Aktien gekauft oder verkauft hat und vor allem wann das Management dieses getan hat.

Ich könnte noch lange weiter machen, aber jetzt ist es gut.

Nein, Sie haben sich einfach unterhalten lassen, wurden von dem Artikel emotional positiv berührt und haben dem Zwang nachgegeben, hier schnell einsteigen zu müssen - ohne dafür einen echten Plan über den Moment hinaus zu haben. Ich sagte ja, ich kenne Sie. 🙂

Nach dieser Vorrede dürfte Ihnen klar sein, dass aus so einer Geldanlage nur mit grossem Glück etwas werden kann und in der Vergangenheit ist bei Ihnen aus diesen Anlagen auch höchst selten etwas geworden. Aber diese neue Aktie, die wird es reissen, davon sind Sie überzeugt. Dieses mal wird alles anders.....

Wirklich ?

Alles anders wird erst, wenn Sie anfangen zu verstehen, dass Börsenerfolg nichts mit Entertainment zu tun hat. Es ist harte Arbeit, erfordert Intellekt, Zeit und viel Disziplin. Man muss immer wieder diszipliniert Dinge tun, die keineswegs "Fun" sind, sondern Knochenarbeit am Detail. Wäre es anders, könnten es ja alle.

Dabei sagt niemand, dass Börse nicht "auch" unterhaltend sein darf. Doch das ist sie, Börse ist auch unterhaltend - sehr sogar. Dabei liegt aber die Betonung auf dem Wörtchen "auch". Erst die Arbeit und dann das Vergnügen, lautet das Motto !

Wenn Sie weiter wie eine Biene summend und naschend von Blüte zu Blüte fliegen wollen, ohne sich mal ernsthaft zu setzen und nachzudenken, dann tun Sie das, wenn es Sie glücklich macht. Dann ist aber der Premium-Bereich von surveybuilder.info für Sie der falsche Ort.

Wenn Ihnen aber der Gewinn im Depot wichtger als das Entertainment ist und Sie bereit sind, dafür auch Zeit und Energie aufzuwenden, dann suchen Sie sich einen Ort, an dem die Substanz im Vordergrund steht und nicht der mediale Schein.

Sagen Sie mir aber hinterher nie, ich hätte Ihnen etwas anderes als "Blut, Schweiss und Tränen" versprochen. 😉

Denn Börsenerfolg ist das Ergebnis von viel gedanklichem Schweiss, jeder Menge Disziplin und der Beschäftigung mit der eigenen Psychologie. Alles andere ist Entertainment. Entertainment ist toll, es füllt aber nicht das Depot.

Ihr Hari

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Sind Industrieaktien – am Beispiel General Electric – nun billig oder teuer ?

Ich möchte heute mal ein Gedankenexperiment mit Ihnen machen und die plakative Frage stellen, ist General Electric (WKN 851144, GE) nun billig oder schon zu teuer ?

GE wähle ich aus zwei Gründen. Erstens weil es nur wenige Aktien gibt, bei denen man so schöne Vergleichsdaten in die Vergangenheit hinein bekommen kann. Und zweitens, weil GE immer noch, der Benchmark für die US, aber auch für die weltweite Industrie ist.

Und wenn die US Industrie nun auf die Beine kommen sollte - wonach es ja aussieht - wird die breit aufgestellte GE profitieren. Insofern ist die Frage doch spannend, ob GE heute schon überbewertet ist.

Jetzt könnte man diese Frage natürlich anhand der populären Parametern wie KGV und KBV beantworten wollen, aber das führt für langfristige Betrachtungen nicht wirklich weiter. Denn das KGV ist ein Wert, der sich an den Gewinnerwartungen orientiert, dummerweise ändern diese sich im Laufe der Zeit massiv.

Und das KGV ist entgegen der landläufigen Annahme auch ein ziemlich mieser Indikator, um Unter- oder Überbewertungen aufzuspüren, bei Zyklikern ist das KGV an den Wendepunkten sogar ein Kontraindikator. Ich habe diese Problematik ausführlich im Artikel -> Warum billige Zykliker teuer sind und umgekehrt <- ausgeführt und kann jedem, der diesen Zusammenhang nicht kennt, nur wärmstens empfehlen, den Artikel noch einmal zu lesen.

Aber auch das vermeintlich so objektive KBV ist in Zeiten des IFRS auch nicht mehr das , was es mal war, weil auch der Buchwert zyklischen Schwankungen unterliegt, von Verzerrungen durch Goodwill ganz zu schweigen. Denken Sie alleine mal an die Bewertung von Lagerstätten bei Rohstoffen, die natürlich auch vom langfristigen Rohstoffpreis abhängt. Auch diese Problematik habe ich in dem Artikel -> Vom Irrsinn des IFRS oder warum einfache Kennziffern wie das KBV kaum Aussagekraft haben <- ausgearbeitet.

Was uns also sinnvoll bleibt um das Bewertungspotential, der GE Aktie zu vergleichen, ist der Kursverlauf im sehr langfristigen Chart, den man - wenn man es ganz genau machen wollte - um die Inflation diskontieren müsste. Letzteres ist schwierig und habe ich hier nicht vollzogen, aber auch ohne die Anpassung bekommt man ein Gefühl dafür, welche Bewertungen bei einer Aktie wie GE im Maximum wie Minimum möglich sind, wenn die Gewinnsituation und Konjunktur die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.

Schauen wir also auf das GE-Chart mit Wochenkerzen, das bis 1996 zurück reicht. Und was sehen wir ?

GE 09.01.14

Wir sehen eine phantastische Chance Ende 2008, diese Ikone zu Ausverkaufspreisen auf dem "Grabbeltisch" ins Depot zu legen und sich dann bis heute schlafen zu legen - genau da, wo auch Warren Buffet zugeschlagen hat.

Und wir sehen auch, dass sich für GE bald die Frage stellt, ob die Aktie aus der jahrzehntelangen Konsolidierung ausbrechen kann. Diese Konsolidierung ist gleichbedeutend mit dem säkularen Bärenmarkt an den Aktienmärkten, der 2000 begann.

Das es sich nur um eine Konsolidierung handelt wird klarer, wenn wir das Bild bis 1984 expandieren:

GE 09.01.14 842

Ich betrachte GE als das Musterbeispiel für die übergeordnete Lage der weltweiten Industrie-Märkte. Wir sehen anhand GE, dass die Industriesektoren immer noch in einem säkularen Bärenmarkt gefangen sind, der 2000 begann.

Aber wir sehen auch, dass GE im langfristigen Massstab aktuell zwar nicht mehr billig, aber auch keineswegs zwingend zu teuer ist. Wenn die US Industrie wirklich anziehen sollte, gibt es keinen Grund, warum GE nicht auch doppelt so hoch notieren könnte wie heute. Und damit würde das Ende dieses säkularen Bärenmarktes eingeleitet.

Das sagt jetzt nichts darüber aus, ob wir in 2014 eine 20% Korrektur erleben oder nicht. Das ist sehr gut möglich. Es eröffnet aber den Blick für die sehr langfristige Perspektive. Denn irgendwann wird dieser Bärenmarkt enden und eigentlich ist die Zeit bald reif dafür. Und dann beginnt der Spass an den Aktienmärkten erst so richtig.

Lassen wir uns also von den Zahlen der hohen Indexstände nicht blenden. Es gibt noch Bluechips mit Potential. Und diese dürften unter anderem im Industriebereich zu finden sein.

Ziehen Sie aus diesen Aussagen aber keine Schlussfolgerungen für die Kursentwicklung morgen oder nächste Woche. Das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Ich will mit dem Beispiel GE eigentlich nur erneut klarmachen, dass die hohen Zahlen der Indizes genau nichts bedeuten. Die langfristige Frage ist eher, ob die Weltwirtschaft wieder Katalysatoren oder innovative, technologische Durchbrüche erlebt, die den nächsten grossen Bullenmarkt einleiten. Denn bei aller Begeisterung über die aktuelle Kursentwicklung, im ganz grossen Bild befinden wir uns immer noch in einem säkularen Bärenmarkt. Vielleicht am Ende desselben, aber immer noch nicht endgültig raus.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal an den Artikel
-> Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ? <- erinnern.
Ein Artikel, der aus einer anderen Warte, zu einer sehr ähnlichen Schlussfolgerung kommt.

Bleiben wir also offen für die Möglichkeiten. Alle hacken auf den Notenbanken herum und ich gehöre da ja auch dazu, weil ich weiss auf welcher Rasierklinge wir da gerade balancieren. Und die Vernunft gebietet, nun von einer baldigen, scharfen Korrektur an den Märkten auszugehen.

Aber kurzfristige Korrektur hin oder her, stellen wir uns nur mal theoretisch vor, es gelänge den Notenbanken doch das Kamel durchs Nadelöhr zu bugsieren und einen selbst tragenden, weltweiten Aufschwung zu initiieren, der dann durch neue Technologien wie 3D Druck oder Biotech massiv befeuert wird.

Wo stehen wir denn 2020 dann an den Aktienmärkten ? Hat sich 1981, bei einem Stand des Dow Jones Index von 1000, als der letzte grosse säkulare Bärenmarkt zu Ende ging, jemand ernsthaft vorstellen oder glauben können, dass der gleiche Index 1999 bei rund 11.000 notieren würde ?

Lassen Sie uns einfach offen für die Möglichkeiten bleiben. Die Zukunft ist und bleibt unbestimmt und hat jede Menge Überraschungen für uns parat. Und lassen Sie uns auf den menschlichen Erfindergeist setzen. Auch wenn in Deutschland gerade "bewahren" und das Festhalten am Status Quo en vogue ist, Deutschland ist nicht die Welt ! Und der Wandel ist gut, unsere ganze menschliche Existenz beruht auf dem evolutionären Erfolgsmodell Wandel. Früher nannte man das auch hier im positiven Sinne "Fortschritt" !

Ihr Hari

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Die Dividende – überschätzt, overhyped, missverstanden – und trotzdem wichtig !

Schaut man auf das Meinungsbild vieler normaler Anleger, wie es in Äusserungen in Blogs, Foren und Medienkommentaren der Finanzpresse zu finden ist, kann man ein immer wiederkehrendes Meinungs-Muster finden, von dem natürlich viele in der Finanzindustrie gut leben und dieses Muster daher medial hegen und pflegen.

Den unerfahrenen Anleger erkennt man unter anderem an dem folgenden Erfolgsmantra :

1. Fundamentaldaten sind das alleine Entscheidende und dafür „analysiert“ man brav öffentliche Bilanz-Daten wie KGV und KBV. Markt- und Chart-Technik ist dagegen Kokolores und unseriös, hart an der Grenze zur Kaffeesatzleserei.

2. Eine „Value-Strategie“ - oder zumindest das, was diese Anleger sich darunter vorstellen - ist die alleine selig machende Methode, weil Warren Buffett macht es ja auch so.

3. „Gefallene Engel“ – ehemals erfolgreiche und nun abgestürzte Bluechips – sind die Aktien, die die heftigsten Kaufreflexe auslösen. Weil da muss ja „Value“ darin liegen.

4. Erste Verlustpositionen werden zu „Investitionen“, die man in weiter fallende Kurse hinein aufstockt. Schön, das man diese „Value-Anlagen“ noch billiger bekommt.

5. Und …. gute Aktien müssen Dividenden zahlen. Und Aktien mit hoher Dividende muss man unbedingt haben.

Erfahrene Anleger werden jetzt schmunzeln. 😉 Aber zu den ersten vier grossen Missverständnissen, will ich heute gar nichts schreiben. Die Mitglieder dieses Blogs kennen diese Themen sowieso und auch im freien Bereich, habe ich einige der Aspekte – Stichwort „Honigfalle“ - schon adressiert.

Aber heute will ich mich mal dem 5. Punkt zuwenden, den vermeintlich so wichtigen Dividenden.

Um das Fazit vorweg zu nehmen:

Dividenden werden vielfach missverstanden und in ihrer Bedeutung gnadenlos überschätzt. Aber trotzdem generiert eine Anlage in dividendenstarke Aktien am Ende für den durchschnittlichen Anleger gute Resulte. Allerdings aus ganz anderen Gründen, als in der Regel geglaubt wird. Es wird bei Dividenden sozusagen oft das Richtige, aus den falschen Gründen getan.

Um das zu verstehen, muss ich Stück für Stück mit Ihnen durch das durchgehen, was Dividenden sind – und was eben nicht. Ich versuche einfach ganz rational die Fakten aufzulisten, aus denen Sie Ihre Schlüsse ziehen können.

(1)
Dividenden sind keine Zinsen und kein Zinsersatz. Dividenden sind ausgeschüttete Unternehmensgewinne, die auf der Ebene des Unternehmens schon mit (im deutschen Fall) Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer versteuert wurden – um dann bei Ausschüttung auf Ebene des Anlegers noch einmal mit Abgeltungssteuer versteuert zu werden.

(2)
Eine Dividendenausschüttung verschafft dem Anleger perse keinen Vorteil gegenüber der Situation, in der der Cash im Unternehmen verbleibt und nicht ausgeschüttet wird. Denn genau in der Höhe der Ausschüttung, verringert sich sofort an der Börse der Kurs, der den Börsenwert darstellt. Ist doch auch klar, wenn ein Unternehmen zb 100 Millionen € an versteuertem Gewinn ausschüttet, haben die Anleger nach Abgeltungssteuer 73,625 Millionen € mehr auf dem Konto. Das Unternehmen ist aber 100 Millionen weniger an der Börse wert. Die Differenz von 26,375% ist die Steuer auf Anlegerebene. In Summe auf den ersten Blick keine besonders attraktive Transaktion für den Anleger.

(3)
Nimmt man an, dass der durchschnittliche Anleger mit seinen eigenen Anlagen im Mittel eine Rendite von x % per annum erzielt – hier nehmen wir mal beispielhaft 5% p.a. an – ist eine Ausschüttung als Dividende also nur dann von unmittelbarem Vorteil für den Anleger, wenn das Unternehmen weniger als 5% Rendite auf das im Unternehmen eingesetzte Kapital erzielt. Genau genommen ist die Hürde sogar noch geringer, weil ja die Steuerbelastung der Ausschüttung, die im Unternehmen notwendige Vergleichs-Rendite auf unter 4% drückt.

Ich wiederhole also, weil es so wichtig ist: nur wenn das Unternehmen mit dem in ihm verbleibenden Kapital eine geringere Rendite erzielt, als es der Anleger mit seiner sonstigen Geldanlage selber kann, ist die Ausschüttung für den Anleger unmittelbar wirtschaftlich ein Vorteil. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Unternehmen so „in Geld schwimmen“, dass zu befürchten ist, dass das Management dieses freie Kapital für irgendwelche überteuerten Übernahmen verjubelt. Dann ist eine Ausschüttung an den Anleger bestimmt besser, als das Kapital im Unternehmen zu verschwenden.

(4)
Umgedreht aber, wenn ein Unternehmen extrem wächst und daher sehr hohe Kapitalrenditen erzielt, aber auch hohe Kredite benötigt, um sein Wachstum zu finanzieren, wäre eine Ausschüttung völliger Blödsinn. Wozu soll der Anleger auch Kapital aus dem Unternehmen nehmen wollen, dass im Unternehmen mit 20% und mehr „verzinst“ wird ?

Genau deswegen zahlen stark wachsende Unternehmen mit grossen Kuteigerungen eher selten Dividenden. Dividenden kommen dann auf das Tablett, wenn die Unternehmen nicht mehr genügend sinnvolle Ideen für ihr überschiessendes Kapital haben. Es sind also eher die alten, träge werdenden Unternehmen, die hohe Dividenden zahlen – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Nehmen Sie Apple als Beispiel. Bis vor kurzem wuchs das Unternehmen und wuchs und wuchs. Und nie wurde eine Dividende gezahlt. Dafür hat sich der Kurs vervielfacht. Nun zahlt Apple eine Dividende, weil ihm scheinbar die Ideen ausgehen, was mit dem Kapital zu machen ist. Und nun frage ich Sie, welche Apple hat Ihrem Depot besser getan – die vor drei Jahren oder die Apple heute ?

(5)
Übrigens hat gerade der von den Dividenden-Jägern so geliebte Warren Buffett und sein Partner Charlie Munger bis zuletzt abgelehnt, trotz riesiger Liquiditäts-Berge bei Berkshire Hathaway Dividenden an die Anleger auszuschütten. Weil die beiden zu Recht argumentieren, dass sie mit dem Kapital bessere Renditen erzielen als die Anleger. Wenn Sie des englischen mächtig sind, lesen Sie zum Beispiel hier:

Oder lesen Sie einfach mal die alten Shareholders Letter von Buffett, die er jedes Jahr heraus gibt. Insbesondere den von diesem Jahr, in dem er das Thema explizit anspricht. Wie passt das mit dem in Deutschland vorhandenen Zerrbild vom „Dividendenliebhaber“ Buffett zusammen ? Buffett nimmt Dividenden ohne jede Frage gerne entgegen, bevor die Unternehmen damit „Kokolores“ anstellen. Das stimmt. Buffett kennt aber natürlich viel besser als wir alle, den im Gegensatz zur Dividende wirklich wichtigen Parameter – den „Cashflow“ – dazu aber unten mehr.

(6)
Gerne liest man dann immer wieder, dass ja fast die Hälfte der DAX Performance aus Dividenden stammt und das dieses der Beweis für die Bedeutung der Ausschüttungen sei. Mit Verlaub, was für eine Bauernfängerei und Verdrehung von Ursache und Wirkung ! Erstens einmal ist der DAX als Performance-Index sowieso eine Sondersituation, weil er Dividenden inkludiert. Andere Indizes wie der S&P500 führen diese nicht im Kursverlauf, ausgeschüttet bekommen die Anleger sie aber trotzdem.

Eher beweist der hohe Anteil an Dividenden am Kursverlauf des DAX also, wie wenig die Unternehmen über die Zeit ihren Wert steigern konnten oder mit anderen Worten, wie unbefriedigend sich der DAX entwickelt hat. Rechnen Sie mal auf den S&P500 noch die Dividenden drauf und erstellen Sie einen Performance-Index. Dann vergleichen Sie den neu konstruierten "S&P500 Performance Index" mit dem DAX in den letzten 10 Jahre - da werden sie aber über das Chart staunen ! Das ist aber gar nicht der wichtige Punkt.

Wichtig ist, dass wenn die DAX Unternehmen diese zb 3% pa nicht ausgeschüttet hätten, diese ja in den Unternehmen verblieben wären und „gearbeitet“ hätten. Und damit sind wir wieder bei der internen Rendite auf das eingesetzte Kapital, die bei vielen guten Unternehmen im DAX hervorragend ist. Am Ende würde der DAX also ohne Ausschüttungen wahrscheinlich viel, viel höher stehen als aktuell, eben weil die Unternehmen weit höhere Gewinne hätten und mit dem freien Kapital sinnvolle Investitionen getätigt hätten.

Einen DAX mit und ohne Dividende einfach so zu vergleichen, ist also ziemliche Bauernfängerei. Dann wäre das Management aller DAX Unternehmen völlig inkompetent, sinnvolle Renditen auf das Eigenkapital zu erzielen. Denn der Vergleich von DAX mit und ohne Dividenden unterstellt damit implizit, dass das ausgeschüttete Kapital unverzinst und ohne Rendite tot in den Unternehmen liegen würde.

So weit zunächst. Ich könnte noch mit einer Reihe von Aspekten weiter machen, das Thema ist noch viel umfangreicher. Und natürlich habe ich oben auch vieles stark vereinfacht, zum Beispiel die Rendite-Thematik. Würde ich es aber nicht tun, würde das hier eher ein Buch als ein Blogbeitrag. Deshalb höre ich nun mit den obigen „Appetizern“ auf, damit der Artikel nicht zu lang wird.

In Summe habe ich Ihnen dargestellt, warum Dividenden keineswegs perse wünschenswert sind und oft eher Ausdruck von wenig wachsenden Unternehmen sind, denen die Liquidität „zu den Ohren heraus kommt“. Das sind aber nicht gerade zwingend die Unternehmen, die ein Depot wirklich voran bringen – wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Die Telekomindustrie sollte diesen negativen Zusammenhang ja im letzten Jahrzehnt ausreichend bewiesen haben. Nirgendwo waren die Dividenden höher und was hat es den Anlegern gebracht ? Und ein DAX ohne Auschüttungen, hätte den Anlegern dagegen in Summe vielleicht weit höhere Depotstände erzeugt, als einer mit.

Und trotzdem kann eine Dividendenstrategie für normale Anleger brauchbare Ergebnisse erzielen. Und das liegt an einem „Seiteneffekt“ der Dividenden von dem, was wirklich wichtig bei der Unternehmensanalyse ist. Es liegt an der wichtigen Eigenschaft eines „guten“ Unternehmens, hinter der auch Warren Buffett immer hinter her ist. Und das ist ein starker, positiver Cashflow.

Ich kann den Begriff Cashflow hier jetzt nicht tiefer erläutern, das sprengt den Rahmen. Etwas pauschal und „populär“ formuliert, ist es die Fähigkeit des Unternehmens permanent hohe Einnahmen (Cash) zu generieren, die dann durch das Unternehmen fliessen (Flow) und dort arbeiten können. Ein hoher Cashflow ist also Zeichen eines Unternehmens mit starker Marktstellung, die zu permanenten hohen Einnahmen führt.

Solche Unternehmen sind tatsächlich „Buffett-Unternehmen“ und das zu Recht. Und zwar völlig unabhängig davon, ob diese Dividenden ausschütten oder nicht.

Aber umgedreht wird ein Schuh daraus. Um überhaupt Dividenden dauerhaft aussschütten zu können, brauchen die Unternehmen einen hohen Cashflow. Nur „gute“ Unternehmen mit hohem Cashflow können also überhaupt Dividenden ausschütten. Wobei die „guten“ Unternehmen wie eben Berkshire Hathaway mit immensem Cashflow, immer noch besser damit fahren, das Kapital im Unternehmen arbeiten zu lassen, statt es auszuschütten.

Mit einer Dividenden-Strategie selektiert der Anleger also indirekt die Unternehmen, die sich das überhaupt leisten können. Und die haben einen hohen Cashflow. Dabei sollte man weniger auf die Dividendenhöhe, als auf Dauerhaftigkeit und Verlässlichkeit der Dividende Wert legen. Denn von Unternehmen, die mehr ausschütten, als sie Cash generieren, sollte man sowieso die Finger lassen. Wenn unbedarfte Anleger von einer "Sonderdividende" hören und dann sofort zur Börse rennen um diese "mitzunehmen", offenbaren die Anleger damit nur, dass sie die Dividende nicht als das verstanden haben, was sie ist und diese mit einer Zinszahlung gleichsetzen. Diesen Irrglauben konsequent weiter gedacht, wäre es dann ja das Tollste, wenn sich Apple jetzt hypothetisch selber auflöst, alle Patente, alle Produktions- und Entwicklungsstätten an Samsung, Google und Co. verkauft und dann eine gigantische "Sonderdividende" ausschüttet. Die Dividende ist dann ja toll, nur leider der Kurs danach Null und am Ende hat der Anleger eher Depot-Wert verloren, als gewonnen. Wer Sonderdividenden hinterher jagt, hat das offensichtlich nicht verstanden.

Und nur aufgrund dieses Seiteneffektes des Cashflows, erzielen Dividenden-Strategien gute Ergebnisse, weil sie Unternehmen eines bestimmten Typus selektieren. Denn den wirklich wichtigen Cashflow zu berechnen und zu verstehen, überfordert die Fähigkeiten der allermeisten Anleger und erfordert auch sich wirklich im Detail im Unternehmen zu bewegen, wie das ein Buffet tut. Insofern ist die Dividende eine sinnvolle Annäherung an das, was wirklich wichtig ist. Genau genommen liebt Buffett deshalb Dividenden auch nicht, er liebt Cashflow über alles ! Man erkennt Unternehmen mit starkem Cashflow aber eben auch an einer guten, dauerhaften Dividende. So herum wird ein Schuh daraus !

Bleibt noch die Frage offen, warum so viele gute Unternehmen dann Dividenden ausschütten. Die Antwort ist ganz einfach: weil es die Anleger wollen, nicht weil es zwingend sinnvoll ist. Und "die Anleger" sind dabei gar nicht mal nur die privaten Anleger, sondern gerade auch die grossen institutionellen Adressen, um die bemühen sich die Aktienunternehmen nämlich besonders, die wollen sie alle als Aktionäre haben.

Nun verstehen die institutionellen Anleger die obigen Zusammenhänge natürlich sehr gut. Warum wollen sie dann trotzdem unbedingt Dividenden ? Auch ganz einfach, weil die in der Regel nicht das eigene Geld, sondern das Geld Dritter verwalten. Hier agieren Angestellte - nicht Inhaber - im Namen ihrer Auftraggeber. Es handelt sich ja um Family Offices, Stiftungen usw - you name it. Und die alle, die Anleger die den Institutionellen das Geld in die Fonds legen, wollen regelmässige Einnahmen sehen. Zum Beispiel weil sie davon leben. Und deshalb machen es sich auch die Fonds einfach und selektieren Unternehmen mit Dividendenzahlung, worauf sich auch die Unternehmen anpassen und Dividenden ausschütten, um genau diese Anleger bei Stange zu halten. Es handelt sich also um eine Art selbsterfüllende Prophezeiung.

Nur jemand mit dem Rückrat und der Reputation von Warren Buffett kann sich diesem Druck entziehen, er ist ja auch nicht wirklich Angestellter von Berkshire Hathaway, sondern eher Hauptaktionär. Und deshalb zahlt Berkshire keine Dividende. Und viele institutionelle Fonds haben deshalb den Großmeister der Wertsteigerung nicht in ihren Depots, weil ihre Vorschriften ihnen vorgeben, nur in Dividendentitel zu investieren. Selbst schuld, kann ich da nur sagen. 😉

Fassen wir also zusammen:

Eine Dividendenstrategie ist keineswegs die „Königsklasse“ der Geldanlage. Es ist eher die Durchschnittsklasse. Denn ausgezahlte Dividenden sind für den Anleger immer noch besser, als wenn das Management das Kapital für Sinnloses verpulvert oder sich selbst mit Boni in den Rachen schiebt. Sie sind aber schlechter und verhindern eher Rendite im Anleger-Depot, bei Unternehmen, die tatsächlich mit ihren Investitionen eine höhere Rendite als der Anleger erzielen. Wie Buffetts Berkshire Hathaway. Ganz abgesehen davon, dass im Unternehmen verbleibende Gewinne, einer temporären Steuerstundung beim Anleger gleich kommen. Und Steuern wollen wir doch alle sparen, oder ? 😉

Aber zumindest kann man mit einer Dividendenstrategie nicht so schnell komplett daneben liegen. Und auch das ist ein Wert. Und deshalb macht eine Dividendenstrategie für normale Anleger Sinn. Überschätzt und „overhyped“ ist sie aber vor allem in Deutschland trotzdem. Die Dividende vermittelt halt emotional vermeintliche Sicherheit und das verschafft ihr Popularität. Und Sicherheit suchen deutsche Anleger besonders intensiv, obwohl die Börse eher der falsche Ort ist, um mit diesem Kriterium auf Suche zu gehen. 😉

Mit meinem eigenen Geld agiere ich selber entlang der oben beschriebenen Linien. In Sektoren und bei Aktien, die ich intensiv verfolge und auch gut kenne, ist die Frage ob eine Aktie Dividende ausschüttet oder nicht, völlig irrelevant. Und wenn überhaupt, ist das bei zu hohen Ausschüttungen eher Anlass, meine Augenbraue kritisch zu heben und mich zu fragen, warum dem Management eigentlich keine sinnvolleren Investitionsmöglichkeiten einfallen, als alles an den Anleger auszukehren. Bei Aktien und Sektoren aber, wo mir die Kompetenz und das tiefere Verständnis vom Geschäftsmodell fehlt - wie zum Beispiel wenn ich in den Emerging Markets oder in Asien, also in anderen Kulturkreisen, unterwegs bin - greife ich gerne zur Dividende als Vorselektionskriterium. Denn das sind dann wenigstens Unternehmen, die sich eine Dividende "leisten können". Und damit bleibt man in der Regel von den allergrössten "Gurken" verschont.

Ich hoffe, ich konnte etwas Erhellendes zu Ihrem Marktverständnis beitragen.

Ihr Hari.

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