Vom Dabeibleiben und der Angst in uns

Im Juli 2013 habe ich -> von Untergangspropheten und Erfolg an den Finanzmärkten <- geschrieben und Sie haben es vielleicht nicht ernst genommen.

Im November 2013 habe ich dieses logarithmische Chart der letzten 100 Jahre gezeigt und gefragt, -> ob ein säkularer Bullenmarkt bevor steht <- und Sie haben es vielleicht ignoriert.

Dow Historisch

Im gleichen November 2013 habe ich -> vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt <- geschrieben und Sie wollten es vielleicht nicht hören, weil Ihnen die Warnungen der Crash-Propheten die Gedanken vernebelt haben.

Im Juli 2014 habe ich -> vom irgendwann kommenden Crash und der Mutter aller Trendkanäle <- gesprochen und Sie haben es vielleicht erneut nicht ernst genommen.

Im September 2014 habe ich über die Ursache dieser Realitätsverweigung geschrieben und bin in -> unsere Verlustangst und wie man dem Affen Zucker gibt <- zum Kern des Problems vorgestossen, das nämlich hinter unserer Stirnplatte hockt.

Ja und so ging es weiter, ich erspare Ihnen weitere Zitate. Im April 2016 habe ich dann in -> Aktien sind Teufelszeug und die Börse ist eine Zockerbude <- Ihre Ängste und Argumente direkt adressiert und zerlegt. Und Sie haben vielleicht weggeschaut, weil was nicht wahr sein darf, nicht wahr sein kann.

Ich habe Ihnen im August 2016 in den möglichen weiteren, sehr bullischen Verlauf gezeigt, der vom Chart her nun so eingetroffen ist und ich habe Sie im November 2016 als -> der typische Unterinvestierte <- direkt angesprochen.

Vielleicht hat das alles nichts genützt und wenn das der Fall war, halte ich Ihnen hier und heute noch einmal den Spiegel vor. Ich weiss dass das für das Ego schmerzhaft ist, Sie müssen sich schon entscheiden, ob Sie an der Börse Geld verdienen oder nur Ihr Ego pflegen wollen.

Schauen Sie mal auf den Leitindex S&P500 seit 2013:

Autsch! Der ist um 100% gestiegen! Heisst er müsste sich jetzt halbieren, um überhaupt wieder das 2013er Niveau zu erreichen. Was hat Ihnen die permanente Angst um eine 10% Korrektur also eingebracht? Geben Sie sich selber die Antwort.

Und Nein, das hat nichts damit zu tun, dass man hinterher klüger ist. Schauen Sie auf das ganz langfristige Chart oben des Dow Jones. Aktienmärkte steigen halt langfristig und das liegt an dem "Wunder" der Innovation und des freien Unternehmertums. Stagnation gibt es nur in Planwirtschaften. Sicher, wenn man nun noch Inflationsraten berücksichtigt, ist die Steigung nicht mehr so steil, vorhanden ist sie aber immer noch!

Und klar ist der Markt jetzt weit gelaufen und kann und wird in 2018 wohl mal wieder in eine schmerzhaftere Korrektur hinein rennen. vielleicht schon ab Morgen, vielleicht auch erst im Sommer. Aber das ändert nichts am langfristigen Trend und beantwortet auch nicht die Frage, ob wir nicht vielleicht erst noch einmal 10% steigen, bevor wir dann um 10% korrigieren.

Habe ich Sie jetzt endlich erwischt? Ignorieren Sie jetzt nicht mehr und schalten Sie nun mal endlich die Dauerbeschallung mit den ganzen Weltuntergangspropheten ab, denen es sowieso primär um Klicks geht?

Fein, dann sind Sie einen Schritt weiter. Stehen aber vor dem nächsten Abgrund, denn jetzt kommen die zu Ihnen, die Ihnen erklären, dass Sie ja einfach nur "Buy and Hold" machen müssten. Theoretisch ist das auch richtig, das Chart ganz oben beweist es. Und da wir gerade einen Jahresanfang haben, haben Sie einen "guten Vorsatz", nun werden Sie "langfristig investieren". Jaja. 😉

Sie sehen meinen Sarkasmus, denn es wird zu 99% *nicht* funktionieren. Weil das was Sie sich nun als guten Vorsatz zum Jahresstart vornehmen, werden Sie *garantiert nicht durchhalten*, wenn die Kurse in der nächsten Krise mal wieder um 50% fallen. Und das werden sie - irgendwann, vielleicht Morgen, vielleicht erst in 5 Jahren.

Dann wird Sie wieder die Angst packen, im wahrsten Sinne am Schlafittchen und die gleichen Mechanismen die Ihnen nun über Jahre Angst vor der Korrektur eingeflüstert haben, werden Sie dann mitten in der Krise innerlich zerreissen und Sie dazu zwingen, am Tiefpunkt zu verkaufen. Genau am Tiefpunkt, kurz bevor die Kurse wieder steigen!

Ich garantiere Ihnen das, weil unsere Psychologie eben ist, wie sie ist. Gute Vorsätze sind nette Theorie, in der Krise übernehmen archaische Reflexe unser Verhalten.

Dabei ist das "Dabeibleiben" die zentrale Fähigkeit, die jeder wirklich langfristige Investor braucht, das obige langfristige Chart beweist es erneut. Selbst der berühmte Trader Jesse Livermore hat mal gesagt:

„Es waren nie meine Gedanken, die mir viel Geld einbrachten. Es war immer mein Sitzenbleiben. Klar? Mein konsequentes Sitzenbleiben!“

Nur was nützt die Theorie, wenn man es dann unter Druck nicht kann? Wenig.

Weswegen Sie, nachdem Sie den ersten Schritt getan haben und nicht mehr gegen den Markt kämpfen, auch den zweiten Schritt tun müssen und sich eine bewusste Strategie für den Umgang mit der nächsten großen Krise im Vorfeld! überlegen müssen.

Eine sinnvolle Strategie ist zum Beispiel der kontrollierte Ausstieg und Wiedereinsteig nach festen Regel, wie zum Beispiel gleitenden Durchschnitten. Ich habe das Thema erst im September 2017 in -> Doch, Du wirst Angst haben! <-, ausführlich thematisiert. Man steigt dabei nicht dauerhaft aus, man steigt nur temporär aus, damit man langfrstig dabei bleiben kann und sich den massiven emotionalen Druck der großen Krisen erspart.

Aber was auch immer Ihre Strategie ist, setzen Sie *nicht* auf die Stärke ihrer guten Absichten, die werden in der Krise beiseite gewischt. Setzen Sie auf feste Regeln und Mechanismen, die Sie in der Krise einfach stur durchhalten.

Dabei gibt es unzählige Möglichkeiten, von einer oben genannten Strategie mit gleitenden Durchschnitten, bis zum sogenannten DGI (Dividend Growth Investing) Ansatz, der auch an der psychologischen Nahtstelle ansetzt und unsere Erfolgschancen in einer Krise verbessert. Bei all diesen Möglichkeiten, kann Ihnen dieser Blog und diese Community ein Guide sein.

Aber gut, wenn Sie das wieder ignorieren wollen, dann hören Sie weiter auf die, die Ihnen entweder den Weltuntergang weisssagen oder Ihnen erklären wollen, dass das alles ganz einfach sei mit dem "Dabeibleiben".

Nein, es ist verdammt schwer!. Irgendwann kommt eine neue Krise und dann werden unzählige gute Vorsätze fallen. Erfolgreich kann nur sein, wer bis dahin Gewinne gestapelt hat und dann eine Strategie besitzt, mit dem Druck der Krise umzugehen. Ich lade Sie ein, das mit uns gemeinsam zu durchleben.

Ihr Hari

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Die Bedeutung des Zeithorizonts bei Anlage und Trading

Der folgende Artikel beruht auf einem Beitrag, der schon seit Jahren in der Rubrik "Grundsätzliches für Neueinsteiger", allen neuen surveybuilder.info Migliedern nahe gebracht wird.

Sie werden jetzt vielleicht denken: "Dann ist das ja für mich nicht interessant, ich bin ja kein Neuling." 😉

Und Sie liegen dann mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch.

Denn beim Zeithorizont der Geldanlage inkonsequent zu handeln - oder sich darüber nicht einmal im Klaren zu sein - dürfte einer der schlimmsten und teuersten Fehler sein, der immer wieder, immer wieder und immer wieder, von Anlegern gemacht wird.

Vielleicht nehmen Sie sich ja doch mal ein paar Minuten und lassen sich auf das Thema ein:

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Kennen Sie das nicht? Da haben Sie sich eine "tolle" Aktie ausgesucht, mit der Sie auf den Spuren von Warren Buffett wandeln wollen. Die werden Sie ganz gelassen langfristig halten, das haben Sie fest vor.

Zwei Monate lang fühlen Sie sich auch als toller "Investor", dann taucht bei der Aktie ein Problem auf, mit dem Sie nie und nimmer gerechnet haben. Und das "Mistding" fällt.

Zunächst sind Sie ja noch ganz ruhig, die Aktie ist ja "Value" - diese schöne wohlklingende Worthülse, mit dem man sich beruhigt, wenn man in Wirklichkeit keine Ahnung hat, was da wirklich gerade passiert.

Aber das "Mistding" fällt weiter. Sie werden nervös, verstehen nicht was los ist und irgendwann nach 4 Monaten, verkaufen sie das "Mistding" mit hohem Verlust. Und von nun an schauen Sie nicht mehr hin, so wie jemand der den Kopf in den Sand steckt glaubt, nun könnte ihn niemand mehr sehen. 😉

Drei Jahres später erreicht die Aktie ein neues Allzeithoch und gehört zu den stärksten Werten des Kurszettels.

Was war Ihr Problem? Wo lag der Fehler? Sie hatten eine langfristige Stategie und haben diese aber durch kurzfristiges Handeln ausser Kraft gesetzt. SO. GEHT. DAS. NICHT!

Sie kennen es vielleicht aber auch anders herum.

Sie haben diese "geniale" Super-Duper-Aktie mit den tollen Chancen. Das ist nun "fast sicher", dass die nach oben dreht. Meinen Sie zumindest, weil irgend jemand diese Aktie massiv promotet.

Sie wollen ja auch nur einen kurzfristigen Trade eingehen und die "einmalige" Chance mitnehmen. Und so steigen Sie dieses Mal nicht als Warren Buffett, sondern als wiedergeborener "jesse Livermore" kurzfristig ein. Dann aber fällt das "Mistding". 😉

Und weil nur Ihre Selbstüberschätzung grösser als Ihr Unwissen ist, haben Sie leider auch keinerlei Absicherungs- oder Exitstrategie. Aber das "Mistding" fällt trotzdem weiter, oder vielleicht auch gerade deswegen. 😉

Nun wollen Sie aber nicht mehr verkaufen. Nun ist es zu spät. Weil aber der Schmerz zu gross ist, schauen Sie einfach nicht mehr hin. Das macht die Sache natürlich besser. 😛

Und so bleibt der Titel im Depot und da es ein "heisser" Reifen war, den mal wieder eine der "Postillen" durchs Dorf getrieben hat, geht die Aktie im Sinne -> tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss <- Pleite, der Kurs ist Null und wird irgendwann ausgebucht.

Wenigstens haben Sie aber nicht mehr hingeschaut, wie gesagt, dass hat das alles natürlich viel besser gemacht. Falls Sie hier Sarkasmus bemerken, haben Sie Recht! 😉

Was war Ihr Problem? Wo lag der Fehler? Auch hier die Disziplin bei der Strategie und beim Zeithorizont. Sie hatten eine kurzfristige Strategie und als diese nicht funktionierte, haben Sie statt eines kurzfristigen Exits, die Position zur langfristigen Anlage umgedeutet.

Und was ist der gemeinsame Nenner der Fehler?

In beiden obigen Fällen, wurde beim Zeithorizont schlampig und undiszipliniert agiert. DAS. KANN. NICHT. FUNKTIONIEREN!

Wenn Sie sich jetzt wiedererkennen, das Thema aber nicht mit Disziplin und Risikomanagement im Griff haben, müssen Sie sich wirklich nicht über schlechte Anlageergebnisse wundern!

Aber das Problem beginnt schon viel früher, bei der reinen Kommunikation. Denn schon wenn über den Markt geredet wird und der als "bullisch" oder "bärisch" deklariert wird, wird zu oft vergessen genau zu definieren, auf welchen Zeithorizont sich die Aussage bezieht.

Dummerweise gilt aber:

Ohne eine konkrete Definition des Zeithorizontes, in dem sich die Aussagen bewegen, sind alle Markt-Kommentare wertlos !

Warum ? Ganz einfach. Weil ein Markt sich gleichzeitig! auf der langfristigen Ebene (Monate, Jahre) in einem Abwärtstrend befinden kann. Sich auf der mittelfristigen Ebene (Wochen, Monate) in einem gegenläufigen Aufwärtstrend befinden kann. Und sich auf der kurzfristigen Ebene (Stunden, Tage) vielleicht gerade als perfekter Short darstellt. Alles gleichzeitig !

Das ist auch kein Sonderfall, sondern völlig normal, dass der Markt auf unterschiedlichen Zeitebenen sich in unterschiedlichen Situationen befindet. Was also sagt es Ihnen, wenn Ihnen jemand erzählt, er hätte gerade die XYZ Aktie gekauft oder verkauft ? Nichts ! Absolut Nichts !

Denn vielleicht war es ein Intraday Trade und vielleicht eine langfristige Investition. Ohne das zu wissen, ohne also zu wissen, was das Ziel der Transaktion ist (wo wir wieder zum Thema Setup kommen) sind Aussagen zum eigenen Handeln ohne jeden Wert und ohne jede Aussagekraft !

Wichtig ist deshalb zu wissen, in welchem Zeithorizont man sich bewegt, wenn man Aussagen liest wie: "das Chart der Aktie sieht schlecht aus" oder "das ist eine klare Wendeformation".

Hier auf surveybuilder.info versuchen wir in der Regel diese Information im Kontext mitzuliefern. Und wenn Sie hier ein Chart sehen, brauchen Sie nur auf die Art der Kerzen schauen. Wenn ein Chart mit Wochenkerzen benutzt wird, ist es natürlich eine langfristige Aussage über Monate und Jahre. Und wenn ein Chart mit Minutenkerzen benutzt wird, ist es natürlich eher eine Intraday-Aussage.

Und wenn beides nicht als Referenz vorhanden ist, sollten Sie wissen, dass der Standardzeitraum über den wir hier täglich schreiben, der Ausblick auf Tage und Wochen ist. Also ein kurz bis mittelfristiger Blick.

Achten Sie also bei der Interpretation von Inhalten zum Markt unbedingt auf den Zeithorizont. Und wenn Sie als normaler Anleger mit Beruf zum Beispiel Ihre Anlagen auf Basis von Tagesschlusskursen managen - was jeder Menge Sinn macht und für Sie einen mittelfristigen Anlagehorizont definiert - dann darf eine Aussage von Dritten zu Intraday Strukturen Sie nicht zu irgendwelche Handlungen veranlassen. Das eine hat mit dem anderen dann nichts zu tun.

Die Darstellungen auf der kurzfristigen Zeitebene zu lesen und zu verstehen, macht dann immer noch Sinn. Weil man so lernt, wie die Märkte "ticken" und dieses Wissen kann einem auch auf der eigenen Zeitebene nützlich sein. Aber ein Handlungszusammenhang zwischen einer kurzfristigen Strukturbetrachtung und einer eigenen mittelfristigen Strategie besteht nicht! Merken Sie sich das unbedingt.

Und wenn Ihnen Autoren begegnen, die über den Markt schreiben ohne zu definieren, auf welche Zeitebene sich ihre konkreten Aussagen beziehen, sollten Sie einen weiten Bogen darum machen, da fehlt es völlig an Grundlagen.

An dieser Nahtstelle kann man auch immer wieder gut erkennen, wer selber eine klar definierte Strategie hat - wie ich das ja immer wieder predige - und wer nicht. Denn wenn man diese Strategie hat, hat man auch keine Aufregung und auch keine Not hinter Kommentaren hinter her zu laufen, die sich auf ganz andere Zeitebenen beziehen.

Und vor allem wird man dann nicht so schnell von wilden Swings des Marktes aus der Bahn geworfen und agiert ruhiger und gelassener. Man hat dann ja seine definierte Strategie, setzt die diszipliniert um und weiss dann ja, worauf man sich eingelassen hat und welche Risiken man eingeht.

So .... ich hoffe die paar Minuten des Lesens waren es für Sie wert um zu erkennen, wie eminent wichtig es ist, sich immer über den Zeithorizont im Klaren zu sein, in dem sich die eigene Strategie bewegt. Und sich auch strikt und diszipliniert daran zu halten!

Ihr Hari

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