Coherus BioSciences, die Biotech Branche und die Biosimilare

Der folgende Beitrag ist ein kleiner Auszug aus Hari Live von Montag 05.01.15 14:00

Ohne Zugang zu den genannten Referenzen im BioTonicum, ist das Thema Biosimilare im freien Bereich vielleicht nicht ausreichend zu verstehen, aber der Beitrag soll Ihnen wenigstens zeigen, dass wir in der Community nicht nur die grundsätzlichen Themen besprechen, sondern unseren Blick auch auf einzelne "Hot Stocks" richten, in denen besonders viel Potential liegt.

Übrigens hat Coherus gestern bei 19,79 USD geschlossen und steht damit nach 2 Tagen genau 25% höher als in meinem nun folgenden Beitrag. Aber keine Sorge, das wird auch mal wieder in die Gegenrichtung ebenso runter gehen. 😉

Vergessen Sie also nie, dass solche Aktien seriös eigentlich nur im Rahmen eines breit aufgestellten Sektoren-Investments betrachtet werden können, in denen der einzelne Wert bei kleiner Positionsgrösse dann einer unter vielen ist.

Mit solchen Aktien kurzfristig zu "zocken", ist dagegen auch nicht viel anders, als einen Würfel zu werfen und würfeln und herumraten tun wir hier auf surveybuilder.info.de nicht. Denn mit der Markttechnik kann man bei so kleinen Werten nicht belastbar arbeiten und welche Nachricht den Kurs morgen um 10% bewegen wird, kann man von aussen nicht antizipieren.

Was man aber erkennen und antizipieren kann ist, in welchen Aktien langfristig grosses Potential steckt. Und damit zu meinem Beitrag von vor zwei Tagen:

-------------

Heute will ich ein Biotechnologie-Unternehmen mit Ihnen teilen, das ich nun mit einer kleinen Position in meinen diversifizierten Biotech-Basket gelegt habe und dort im Sinne eines Investments, ein paar Jahre ganz ruhig liegen lassen werde.

Es ist und nach meiner Kenntnis der einzige "Pure Play" im Zukunftsmarkt der Biosimilare. Toni hat ausführlich über Biosimilare geschrieben, ich verweise unter anderem auf seinen Beitrag am Samstag 17.05.2014 im BioTonicum.

Bevor ich aber erkläre, warum ich Coherus BioSciences nun aufgenommen habe, muss ich noch den dringenden Hinweis loswerden, dass das keine Aktie für ein kleines Depot ist und diese einen sehr langen Atem erfordert.

Denn Coherus hat erst vor 2 Monaten im November seinen IPO gemacht und besteht im Wesentlichen aus Hoffnung und Erwartung. Solche Aktien können extrem volatil sein und reagieren massiv auf Einzelnachrichten, die man von aussen sowieso nicht antizipieren kann. Mit der Markttechnik lässt sich hier wenig ausrichten und so eine Aktie ist in 3 Jahren entweder von der Bildfläche verschwunden oder notiert um den Faktor 100 höher - beides ist denkbar.

CHRS 05.01.15

Das ist also ein klarer Fall für ein Investment im Sinne eines Biotech-Baskets, das man so konzipiert, dass man bewusst die Pleite einiger Titel in Kauf nimmt, diese aber durch wenige Volltreffer überkompensieren will. Wenn man so will, ist das die Strategie eines Schusses mit der Schrotflinte nach dem Motto: eine Kugel wird schon treffen. Ich habe diese für klassische Seed-Finanzierung typische Strategie hier letzten Sommer im Forum mit dem Stichwort "Sequoia Capital" schon einmal im Forum thematisiert.

Das nur zur Klarstellung, nun aber zu den Gründen, warum Coherus BioSciences nun Teil meines Baskets ist. Die Ursache sind die BioSimilare und die Tatsache, dass Coherus der nach meiner Kenntnis einzige "Pure-Play" in diesem neuen Segment ist, noch dazu geführt von einer im Thema sehr erfahrenen Führungscrew. Ich habe schon den IPO aufmerksam bemerkt, ein paar Wochen die erste Marktreaktion abgewartet und nun im Januar 2015 erscheint mir die Zeit reif.

Märkte haben die Tendenz, zu grosse Ausreisser bei den Margen auszugleichen. Denn wenn Unternehmen extreme Margen erzielen können, erhöht das den Wettbewerbsdruck von anderen, die auch mitverdienen wollen und steigert die Kreativität von Nachahmern.

Genau an dieser Wegsscheide könnten nun die grossen Biotech-Namen stehen und ich betrachte das Geschehen kurz vor Weihnachten rund um Gilead Sciences und Express Scripts als erstes Warnzeichen für die astronomischen Margen dieser Unternehmen - lesen Sie noch einmal meinen Post von Montag 22.12.14 20:00 in Hari Live.

Diese Margen sind dauerhaft nicht tragbar und könnten auf drei Arten unter Beschuss geraten:

Erstens durch regulatorischen Eingriff des Staates. Davon ist bisher in den US noch nichts zu sehen.

Zweitens durch die Marktmacht von Intermediären wie Express Scripts (A1JWJL, ESRX), die letztlich entscheiden, was dann wirklich beim Patienten im Gesundheitssystem ankommt und so die Preise drücken. Das Geschehen vor Weihnachten war ein klarer Warnschuss.

Drittens durch Nachahmer-Präparate, wie das im klassischen Pharma-Bereich ja schon durch Generika passiert ist. Und Biosimilare sind - ich weiss ein etwas schiefer Vergleich - ein wenig wie die "Generika der Biotech-Industrie" und werden absehbar eine preisdämpfende Wirkung haben.

Mit Coherus ist nun ein erstes Unternehmen auf dem Kurszettel, das gezielt auf Biosimilare setzt. Gerade wenn sich nun die Sorge um die Margen der grossen Blockbuster-Medikamente verstärken sollte, werden die Investment-Manager des Sektors vor allem auf Unternehmen schauen, die darunter nicht leiden, sondern davon profitieren. Oder die gar nicht davon betroffen sind.

Es könnte also Sinn machen, bei den breiten Biotech ETFs und den grossen Bluechips des Sektors, nun etwas vorsichtiger zu werden - die Margen könnten unter Druck geraten. Gleichzeitig macht es aber Sinn, weiter bei kleinen, aufstrebenden Unternehmen wie Coherus, erste langfristige Positionen zu eröffnen. Gleiches gilt nach wie vor für viele der von Toni im BioTonicum genannten, aufstrebenden Namen wie zum Beispiel ISIS Pharmaceuticals (881866,ISIS).

ISIS 05.01.15

Darüber hinaus macht es für mich persönlich weiter Sinn, meine Positionen bei Unternehmen wie Illumina (927079, ILMN) (Genom-Sequenzierer - Toni hat auch darüber geschrieben) oder Thermo Fisher Scientific (857209, TMO) mit langfristiger Perspektive zu erhöhen, denn diese verdienen ihr Geld mit den "Schaufeln" des Booms, also den Geräten und Verfahren, mit denen man neue Medikamente und Therapien überhaupt erst finden kann. Und diese Geschäfte dürften unter einem Aufkommen von Biosimilaren nicht leiden, eher im Gegenteil.

ILMN 05.01.15

TMO 05.01.15

So weit ein kurzer Ritt durch meine aktuelle Sicht auf den Sektor und ein Hinweis auf einen neuen "Hot Stock": Coherus BioSciences.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

RNA-Therapie – Von ISIS über Alnylam bis Arrowhead und Tekmira Pharmaceuticals

Der folgende Beitrag unseres -> Kolumnisten <- "Toni", erschien schon am 10.06.14 im Premium-Bereich, ist heute aber kein bisschen weniger aktuell:

Sieht man mal von der Gentherapie ab, deren erstaunliche Fortschritte insbesondere durch neue Methoden des „Gen-Editing“ befeuert werden, so kann man vielleicht sagen, dass kein anderes Feld im Bereich der medizinisch-biotechnologischen Entwicklungen so verheißungsvoll aber auch kontrovers betrachtet wird, wie die RNA-Therapie oder RNA-Interferenz (RNAi). Und da wir als Investoren ja die Aktie der Zukunft suchen, möchte ich diese Technologie noch einmal vorstellen.

Kurz und vereinfacht zusammengefasst: kurze Ribonukleinsäuren (RNA) binden zusammen mit bestimmten Proteinen und Enzymen (Nukleasen) an ihre komplemetären Sequenzen innerhalb der messenger-RNA (mRNA), also jener RNA, die nach Transkription vom Gen als Matrize für die Proteinsynthese dient. Es kommt aber dann nicht zur Proteinsynthese (Translation) sondern zum gezielten Abbau der mRNA. Für diejenigen, die das Thema RNA-Interferenz hier noch nicht verfolgt haben, möchte ich auch nochmal klar machen, dass es sich bei der Methode nicht um Gentherapie handelt, da ja nur das Transkript des Gens, also die abgelesene RNA ins Visier genommen wird.

Die RNAi-Firmen rühmen sich damit, dass sie über spezifisches und rationales Design ihrer "RNA-Arzneien" fast jede Krankheit therapieren können. Dabei werde nicht das Symptom in Form eines fehlgeleiteten oder überexprimierten Proteins ausgeschaltet, sondern die Ursache direkt bekämpft. Darüberhinaus bestehe auch die Möglichkeit, „undruggable“ Targets zu attackieren. Letzteres ist gewiss richtig und mit Sicherheit ein nicht zu unterschätzender Punkt. Ersteres ist aber leicht übertrieben, denn Krankheiten, die ihre Ursache im Fehlen eines Gens bzw. Proteins haben fallen nicht ins Aufgabengebiet der RNA-Interferenz, es sei denn, das Fehlen ist durch falsches Splicing der mRNA begründet oder dadurch, dass andere regulative Elemente für das betreffende Gen nicht funktionieren.

Mittlerweile ist das Feld, auf dem sich die RNAi-Biotechs tummeln mit samt ihren Partnerschaften, Lizenzverträgen, Patenansprüchen schon recht komplex geworden; gar nicht zu reden von den vielen klinischen und vorklinischen Studien, die an den unterschiedlichsten Krankheiten erprobt werden und zum Teil in Partnerschaft untereinander durchgeführt werden. Um nicht zu viel Verwirrung zu stiften, beschränke ich mich heute auf wenige Firmen, die auf dem Gebiet führend sind.

Prinzipiell kann man sagen, dass es hier drei unterschiedliche Wirkmechanismen gibt, die von diversen Firmen genutzt werden:

1. Die Antisense-Oligonukleotid-Technologie (ASO) oder auch Antisense-Therapie: Die Firma, die das Geschehen hier dominiert ist ISIS besitzt innerhalb der RNA-Therapie die größte Pipeline mit 3 Dutzend sowohl vorklinischen, als auch weit fortgeschrittenen Programmen.

Die Wirkung dieser Antisense-Therapie ist die gleiche, wie bei der “echten“ RNA-Interferenz (s.u.) aber der Mechanismus unterscheidet sich dadurch, dass bei ASO einzelsträngige RNA mittels einer Nuklease (die sogenannte RNAseH) die Ziel-RNA zerschneidet.

2. siRNA (short interfering RNA). Die Wirkung dieser kurzen doppesträngigen RNAs basiert auf dem Mechanismus, der in den 90ern von Fire und Mello in dem Würmchen C. elegans entdeckt wurde und die dafür den Nobelpreis erhielten. Wesentliche , die diese Technik beschreiben, hält übrigens .

Alnylam ist mit etwa 4Milliarden Dollar etwa so hoch kapitalisiert wie ISIS und damit gehören beide Firmen zu den führenden RNAi-Companies. Eines der wichtigsten Programme bei Alnylam, liegt in der Behandlung verschiedener Formen der . In der Hepatitis B Therapie sind und als wichtigste Firmen zu nennen. Denkt man nur an den Erfolg von Gileads Sovaldi gegen Hepatitis C oder die Kursexplosionen bei, und , so kann man sich ausmalen, was ein Durchbruch der RNAi für diese Firmen möglicherweise bedeuten würde. Tekmira arbeitet außerdem an einer auf RNAi basierten Ebola-Therapie, deren Ergebnisse bislang beeindruckend sind.

Das, was beide Firmen besonders interessant macht, sind übrigens ihre eigenen Entwicklungen rund um das „Delivery“-Problem, man könnte vielleicht auch Galenik (z.B. bestimmte Nanopartikel) sagen. Denn neben den gefürchteten "off-Target"-Effekten, besteht eines der großen Probleme bei der therapeutischen RNA-Interferenz darin, diese kurzen RNA-Moleküle sicher an den Ort des Geschehens zu bringen. Ihr zielgerichteter Transport und die Aufnahme durch die zu behandelnden Zellen oder Organe sind daher die großen Herausforderungen für die RNAi-Biotechs. Ihre Zukunft wird sicherlich auch davon abhängen, ob sie diese Probleme lösen können.

:

MicroRNA (miRNA) spielt eine wesentliche Rolle bei der natürlichen Regulierung einer Vielzahl von Genen. Die tatsächliche Bedeutung dieser kleinen natürlich vorkommenden RNAs wurde erst in den letzten Jahren offenkundig. Ob Immunantwort, Zellzyklus, Stamzellentwicklung oder Tumorgenese, überall regulieren microRNAs das Geschehen und zwar über RNA-Interferenz. Synthetische RNAs, die mittels Antisense-Inhibition die Funktion dieser miRNAs unterdrücken oder gar ausschalten, gehören zu den neueste Entwicklungen auf diesem jungen Gebiet. Sollte sich das Konzept bewahrheiten, so werden diese potentiell besonders wirkungsvollen Therapeutika vielleicht neue Wege auch in der Krebstherapie erschließen. Eine der wenigen Firmen (mir ist nur noch bekannt), die auf miRNA arbeiten, ist .

Regulus wurde übrigens 2007 von ALNY und ISIS gegründet. Wer sich dafür interessiert, sollte auch deren informative Homepage mal studieren.

Zurück zu ISIS: Obwohl man mit der ursprünglichen und älteren Antisense-Technologie schon wesentlich mehr Erfahrung sammeln konnte (->), schien es in den letzten Jahren fast so - wenn man den Experten Glauben schenken darf -, dass ASO gegenüber der siRNA ins Hintertreffen geraten würde. Insbesondere die höheren Konzentrationen der chemisch modifizierten Nukleotide, die nötig waren, um einen therapeutisch wirksamen Knock-down ( also das gezielte Auschalten der mRNA) zu erzielen, hatten häufig ernste Nebenwirkungen (im schlimmsten Fall irreversible ) zur Folge. Auch der angestrebte Transport der Oligonukleotide in den Kern der Zelle (um an die RNaseH zu binden) schien nicht ausreichend gut zu funktionieren und es wurde gemutmaßt, ISIS verschwende sehr viel des großen Potentials damit, ASOs zu entwickeln, die lediglich ins Zytoplasma einer Zelle gelangen. Herr Haussecker vom drückt es so aus: "Until early 2013, the claim by ISIS of having more than 2 dozen drugs in the pipeline was meaningless. Most of these candidates were either commercially dead (KYNAMRO, Alicoforsen, Vitravene), had ceased active clinical development, belonged to other companies (!), or were in phase I."

Das Bild scheint sich aber nun, komplett geändert zu haben. Die letzten ISIS-Studien zeigen recht eindrucksvoll, dass mit neu entwickelten Techniken, insbesondere durch bessere Affinitätschemie und besseres „Ligand-Targeting“ diese Probleme behoben wurden und in einigen Fällen sogar die Erwartungen bei weitem übertroffen haben. ISIS besitzt nun mit Abstand die vielfältigste und vielleicht auch vielversprechendste im RNA-Interferenz Bereich. Dazu gehören z.B. mit ISIS-GCGRx und ISIS-FXIRx zwei Diabetes- bzw. Blutgerinnungs-Projekte, deren Studien in Phase II erstaunlich gute Ergebnisse erzielen konnten. Mit ISIS-ApoCIIRx entwickelt das Unternehmen eine Antisense-Therapie auf dem Cholesterin und Fettstoffwechselgebiet. Die Ergebnisse einer Phase II sind ebenfalls sehr ermutigend. Siehe auch

Hier die aktuellen Charts:

ISIS 2 chart.ashx

ALNY2 chart.ashx

RGLS 2 chart.ashx

Den ursprünglichen Artikel zur RNA-Interferenz habe ich ja bereits am 10. Juni für die Premium-Mitglieder geschrieben. Seitdem haben sich die Kurse aller RNAi-Firmen stark entwickelt. Dies ist natürlich auch dem Umstand zu verdanken, dass sich der Nasdaq-Biotech in den vergangenen Wochen wieder deutlich erholt hat. Das Schicksal der "RNAi-Kurse" wird natürlich auch von der Bereitschaft der grossen Pharmas abhängen, Partnerschaften einzugehen. Es war nicht zuletzt die Entscheidung von Novartis, sich aus , die für den Fall der Kurse sorgte. Diejenigen, die sich für die RNA-Interferenz interessieren und die in eine aussichts- und hoffentlich auch segensreiche Technologie investieren möchten, sollten sich von der hohen Volatilität dieser Titel nicht abschrecken lassen. (....was natürlich leicht gesagt ist)

Grüße,
Toni

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***