Wenn Zinserwartungen sich ändern



Wir wissen ja, dass es die Erwartungen sind, von denen die Märkte getrieben werden und dabei spielen die Zinserwartungen eine besondere Rolle.

Und diese Zinserwartungen, werden neben einer Reihe anderer Parameter, natürlich auch insbesondere von der Politik der Notenbanken beeinflusst.

Im Falle der US Zinsen und der FED, hat sich da gerade eine interessante Entwicklung ergeben, die in den kommenden Wochen des Hochsommers zu erheblichen Bewegungen bei allen zinssensitiven Anlage wie Gold oder Staatsanleihen führen könnte.

Rekapitulieren wir, noch vor einem guten Monat, hatte die FED die Märkte sehr deutlich auf eine kommende Zinserhöhung im Sommer vorbereitet, die dann entweder im Juni oder im September stattfinden würde.

Dann kamen die extrem schlechten Arbeitsmarktdaten Anfang Juni und die FED hat alles über den Haufen geworfen und eine extrem vorsichtige Haltung eingenommen.

In Folge sind die kurzfristigen Zinserwartungen massiv gefallen, einer Erhöhung im Sommer wurde vom Markt fast völlig ausgepreist. Und in Folge dieser Entwicklung setzten US Staatsanleihen und auch Gold, folgerichtig zur Rally an.

Letzten Freitag aber - genau einen Monat später - wurde der Spiess umgedreht. Die Arbeitsmarktdaten waren extrem gut und zeigten, dass der Vormonat eine Anomalie war, wahrscheinlich aufgrund von Streiks.

Da könnte man ja denken, dass auch die Zinserwartungen sofort zurück schwingen würden, das sind sie aber nicht. In Dollar und Gold, die beide sehr sensitiv auf geänderte Zinserwartungen reagieren, sahen wir erstaunlich wenig Bewegung. Nach wie vor, schliesst der Markt also eine Zinserhöhung der FED im Juli fast sicher aus und im September mit hoher Wahrscheinlichkeit.

Was passiert nun aber, wenn der Gedanke an eine Zinserhöhung im September doch wieder hoch kriecht und sich die Erwartungen wieder dahingehend ändern?

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Sektorenwahl – Was Archer Daniels Midland, Qualcomm und Biogen gemeinsam haben

Es gibt prinzipiell drei Arten, an die Aktienanlage heran zu gehen.

Man kann ganze Indizes und Märkte kaufen und sich damit nur für die ganz grossen Marktbewegungen interessieren.

Man kann auch einzelne Aktien selektieren und kaufen und sich intensiv mit deren individuellen Chancen und Risiken befassen.

Oder man kann einen Mittelweg gehen und sich auf die Auswahl erfolgsträchtiger Sektoren konzentrieren, die ein bestimmtes Marktsegment definieren.

Ich selber bin Fan dieser Sektorenwahl, denn wenn ein Sektor "en vougue" ist, dann macht die Wahl der einzelnen Aktien selten einen grossen Unterschied - die Flut hebt dann (fast) alle Boote.

Umgedreht aber, kann ein Index lange seitwärts laufen und vermeintlich unbeweglich aussehen, während es unter der Decke des Index massive Bewegungen bei den Sektoren gibt.

Genau das haben wir auch im ganzen letzten Jahr im S&P500 erlebt. An der Oberfläche, scheint der im Bereich um 2.000 Punkte seitwärts zu mäandrieren, unter der Decke aber gab es Sektoren die massivst verprügelt wurden und andere die hervorragend gelaufen sind.

Wer nur den Index wählte, konnte kaum Geld im S&P500 verdienen. Wer die richtigen Sektoren selektierte, hatte dagegen erhebliche Gewinne.

Aus diesem Grund ist die Sektorenauswahl auch immer wieder Thema bei uns im Premium-Bereich und ich will Ihnen heute auch im freien Bereich, mal drei aussichtsreiche Sektoren und darin "Bluechips" als Idee aufzeigen.

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Kohle, Aixtron und Goldminen – Tiefer geht immer

Am 23.04.15 hatte ich im Artikel -> Tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss <- am Beispiel Kohle deutlich erklärt, warum so viele Anleger immer wieder und immer wieder völlig sinnlos ihre Zeit mit tief gefallenen Aktien vergeuden.

Ich zitiere noch einmal, weil es so wichtig ist:

Und trotzdem, trotz all der Börsenregeln und Wiederholungen, wird dieser Fehler immer wieder und immer wieder begangen - einfach weil sich Menschen für klüger als der Markt halten. Und weil etwas, das sehr tief gefallen ist, auf den ersten Blick "billig" erscheint und bei unbedarften Anlegern laut "kauf mich" schreit.

Dahinter steht eine ebenso menschlich instinktive, wie grottenfalsche Interpretation von dem, was Kurse sind. Bei breiten Indizes kann man sehr wohl davon ausgehen, dass diese im Sinne "Mean Reversion" irgendwann von einem Extrem wieder auf einen Mittelwert zurück schwingen. Zumindest solange die Welt nicht untergeht. Aber auch bei Indizes kann das Jahre und manchmal ein Jahrzehnt dauern und insofern ist es auch da riskant, darauf blind zu wetten.

Bei einzelnen Aktien und selbst ganzen Sektoren, kann man aber selbst davon nicht ausgehen und es verschwinden weit mehr Unternehmen und auch Sektoren im Vergessen und fallen ins Bodenlose, als wir in der oberflächlichen Wahrnehmung glauben. Ich könnte endlose Beispiele dafür anführen und mit dem Thema Kohle bringe ich gleich auch noch einen prägnanten Fall.

Achten Sie übrigens mal darauf, was in den Medien, die die privaten Anleger bedienen, immer die beliebtesten Spekulationen sind. Es sind ganz oft die "gefallenen Engel" des letzten Börsen-Zyklus, die so vermeintlich "billig" erscheinen. Dummerweise ist es erstaunlich selten so, dass die Favoriten des letzten Zyklus sich dann im folgenden Zyklus komplett erholen. Viel erfolgsträchtiger ist es dagegen, in einem neuen, typischerweise mehrjährigen Börsenzyklus, die neuen Favoriten zu identifizieren und auf die zu setzen, statt mit den alten Favoriten am Boden herum zu "gründeln" und auf den nie so richtig kommenden Rebound zu warten.

Dieses Verhalten beruht auf dem schon oben im genannten Artikel besprochenen "Referenzeffekt" in unseren Hirnen. Wir empfinden einen Kurs mit einer weit höheren Referenz in der Vergangenheit, instinktiv als "sicherer" und "chancenreicher", als einen Kurs, der auf Höchstständen notiert, weil er Teil eines starken Aufwärtstrends ist. Dabei ist das eine völlige Fehlinterpretation von dem was Kurse sind und es ist zu oft in der Realtität genau anders herum!

Wie stark diese völlig fehl geleiteten Reflexe bei vielen Anlegern sind, kann man auch aktuell wieder wunderbar am Fall Aixtron sehen. Was tanzen Anleger derzeit um die Aktie herum, die in den letzten Jahren nur durch eine Enttäuschung nach der anderen aufgefallen ist. Schaut man auf Nachrichtendienste und Börsenmedien, scheint Aixtron zu den am meisten diskutierten Aktien zu gehören. Warum aber gerade so eine -> "Honigfalle" <-, bei der eher wenig zu holen ist?

Warum nicht statt dessen die unzähligen, super starken Momentum-Aktien, die seit Jahren nur steigen? Wir haben in der Community in unserem letzten Teamprojekt "Sicherheit durch Wachstum" alleine 70! Aktien identifiziert, von denen jede attraktiver und aussichtsreicher erscheint, als Aixtron aktuell.

Und schon vor über 3 Jahren, habe ich in Artikeln wie -> Aixtron - ein Management im Blindflug <- oder -> Die Lage im LED Anlagenbau <- die Aktie im wahrsten Sinne des Wortes für mich "abgehakt" und dann nie mehr beachtet. Und das war mehr als gerechtfertigt, wenn man sich die folgende Entwicklung anschaut. Es sage also niemand, die eher traurige Kurs-Entwicklung sei nicht absehbar gewesen.

Was also macht Aixtron nun derzeit für Anleger interessant? Objektiv kann ich persönlich dafür keinen Grund erkennen. Nur eben, wie oben beschrieben, den völlig fehlgeleiteten psychologische Ankereffekt, der einem einflüstert, dass etwas das stark gefallen ist, ja auch wieder steigen "muss".

Was für ein Quatsch! Steigen "muss" am Markt gar nichts und der Markt ist klüger als wir und wenn eine Aktie so tief steht, hat das in der Regel gute Gründe.

Schauen wir doch noch einmal auf Kohle. Wer mir im April nicht geglaubt hat und Peabody Energy bei 4,87USD nun "billig" fand, findet sich nun 3 Monate später ca. 75% tiefer bei 1,13 USD wieder. AUA!

BTU 21.07.15

Und wohin das am Ende führen kann, hat gerade erst die lange für solide erachtete Walter Energy vorgemacht, die nun in die Insolvenz geht und für die Aktionäre wohl wertlos verfallen wird. Exitus!

Ach ja, dann haben wir ja gerade noch so ein Thema. Gold und die Goldminen. Ob die nun "billig" sind, ist auch offen und klar ist auch, dass es im Sektor wohl auch bald einige Pleiten geben wird.

Nun werden nicht alle Goldminen vom Markt verschwinden und insofern werden die, die dieses Armageddon überleben, am Ende auch wieder nach oben ziehen. Nur wer überlebt, das ist die grosse Frage, die man von aussen nicht beantworten kann.

Und bevor sich diese Frage stellt, muss es wohl erst noch schlimmer kommen, bevor es besser kommen kann und Gold im dreistelligen Bereich ist zumindest temporär zu erwarten. Warum also soll man nun mit so einem Sektor seine Zeit vergeuden, wo andere Sektoren parallel boomen? Die Antwort steht wieder oben im Zitat, nur im Spiegel sich selber erkennen, das muss man schon selber.

Wer also wissen will, warum so viele Privatanleger an der Börse auf keinen grünen Zweig kommen, finden in der Selbstüberschätzung, mit völlig untauglichen Mitteln klüger als der Markt sein zu wollen, einen ganz wesentlichen Grund.

Und so stellt sich die Frage, ob so ein Chart wie das von Yamana Gold (AUY) nun "billig" ist:

AUY 21.07.15

Meine klare Antwort darauf ist erneut: Tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss!

Sicher, vielleicht dreht die Aktie bald und setzt ihren Weg ins Nirwana nicht fort. Aber gäbe es aktuell dafür ein Indiz, würde man das am Kurs sehen, denn der Markt weiss mehr als wir und reagiert darauf schneller als wir. Und sicher, der Sektor ist extrem überverkauft und nun für eine scharfe Gegenbewegung überreif. Aber überverkauft ist Peabody Energy schon lange und was nützt es?

Warum also, sollte man sich nun mit so Aktien abgeben? Und warum bilden sich immer wieder Anleger ein, hier eine Glaskugel zu besitzen?

Wer erfolgreich ist, konzentriert sich statt dessen am Markt auf die Dinge, die schlicht funktionieren. Wer dagegen immer klüger als der Markt sein will und meint es besser zu wissen, fühlt sich zwar eine Zeit lang als "toller Hecht", wird aber am Ende scheitern.

Das eigene Ego pinseln oder demütig dem Markt folgen und Erfolg haben - das sind die Alternativen, die zur Auswahl stehen.

Wählen Sie!

Ihr Hari

PS: Hier findet sich ein aktuelles Interview mit mir:

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Gold und Goldminen – zwischen Mythen, Crash, Eurokrise und Propaganda

In dem ganzen Meer der für Gold optimistischen Stimmen, habe ich in den letzten Monaten immer wieder einen pragmatischen Realismus angemahnt, der viel besser erlaubt, mit der Situation umzugehen, als wenn man sich den Kopf mit all den Geschichten füllen lässt, was Gold nun machen "müsste". Denn der Markt im allgemeinen und Gold im speziellen "muss" gar nichts.

Ich erinnere insbesondere an meinen Artikel aus dem März -> Das Schweigen im Walde - Gold und Goldminen weiter im Bärenmarkt <-

Aber auch die Artikel -> Auf Kompression folgt Expansion <- oder später -> der keineswegs so überraschende Short-Squeeze bei Gold und Goldminen <- gaben jeweils einen in den Wochen danach zutreffenden, realistischen Blick auf das Geschehen der Gegenwart.

Besonders auffällig ist für mich im Moment, dass die Edelmetall-Industrie ihre werblichen Anstrengungen steigert. Ja, die Edelmetall-Industrie - die gibt es. Denn gerade auch hier in Deutschland, ist bedingt durch den langen Bullenmarkt und das steigende Interesse von Privatanlegern an finanzieller Absicherung, eine ganze Industrie entstanden, die an den Edelmetallen verdient. Und dazu gehören Händler der Metalle ebenso, wie diverse Börsenbriefe, die die immer gleiche, grosse Erzählung von dem bald bevorstehenden Kollaps des Währungssystem unter die Leser bringen, natürlich verbunden mit dem dringenden Hinweis Edelmetalle zu kaufen.

Jetzt ist dieser Hinweis ja gar nicht mal falsch, auch ich bin der Meinung, dass zu einer guten Vermögensdiversifizierung ein gewisser Anteil physischer Edelmetalle gehört. Aber eben physisch und direkt zugreifbar, sozusagen "im Garten vergraben". 😉 Und für diese Art von "Notgeld" oder "Krisenwährung" ist es völlig egal, ob Gold nun aktuell bei 1000 oder 2000 USD notiert.

Was aber aktuell an werblichen Anstrengungen passiert, hat für mich einen anderen Charakter. Da schicken mir Goldhändler im Wochentakt und nun manchmal auch zweimal die Woche, per Mail "Hinweise" auf Artikel und "Analysen", die sich mit dem Goldpreis befassen, über Manipulation spekulieren, aktuell "die Wende" beim Goldpreis bejubeln und ansonsten wieder wie eine Schallplatte mit Sprung, vom kommenden Crash fabulieren. Dem Crash, von dem sie schon vor 3 Jahren und jedes Quartal wieder fabuliert haben - irgendwann werden sie dann bestimmt auch mal Recht haben. 😉

Diese Hinweise sind für mich ja nicht verwunderlich, denn zwischen denen die Edelmetalle verkaufen wollen und denen, die Leser und Aufmerksamkeit für ihre Crash-Geschichten suchen, bestehen ja nach meiner Wahrnehmung gleichgerichtete Interessen. Was dem einen gut tut, tut auch dem anderen gut.

Auffällig ist für mich aber dabei, dass nach meinem Erleben aktuell die Frequenz dieser werblichen Ansprache steigt, zum Höhepunkt des Edelmetall-Booms 2011 war das wohl nicht nötig. Woraus ich persönlich schliesse, dass die Industrie möglicherweise Absatzprobleme bekommt und für den deutschen Markt nun überdimensioniert sein könnte. Denn jeder Deutsche, der sich mit "Edelmetall unter dem Kopfkissen" absichern will, dürfte das nach meiner Einschätzung mittlerweile gemacht haben. Und wo alle schon haben was sie brauchen, fallen die Käufer aus. Die Logik der grossen Erzählung vom zusammen brechenden Währungssystem, dürfte doch mittlerweile selbst die sogenannten "bildungsfernen Schichten" erreicht haben. Eine Neuigkeit oder ein Geheimtipp, ist diese Geschichte auf jeden Fall nicht mehr.

Wenn Sie jetzt denken, ich mache mich hier über die Geschichten von der kommenden Währungsreform lustig, liegen sie völlig falsch. Ich denke auch, dass das grosse Experiment, das die Notenbanken gerade am Herzen des Weltfinanzsystems veranstalten, so nicht dauerhaft tragfähig ist und zumindest eine relevantes Risiko besteht, dass das nicht gut endet. Und das deshalb ein Anteil an Edelmetallen als Diversifizierung in jedes grössere Vermögen gehört. Insofern bin ich da ganz auf Linie und keineswegs Gegner dieser Denkstrukturen.

Nein, der Punkt ist ein ganz anderer. Er dreht sich um diese Fixierung auf den Goldpreis, all das Manipulationsgerede und das mediale Hochbeten des Preises. Denn die, die Gold als Absicherung des Vermögens wie oben betrachten, muss das alles nicht interessieren. Wenn dieser Moment der Währungskrise kommt, ist sowieso alles anders und völlig egal ob Gold vorher noch bei 1000 USD war.

Die aber, für die der aktuelle - an der Comex aufgerufene - Goldpreis wichtig ist, wollen damit offensichtlich Handelsgewinne machen. Sprich billig kaufen und teuer verkaufen. Auch das ist legitim und das nennt man "Trading". Wenn man das aber tut, sollte man auch die richtigen Techniken einsetzen, um in diesem Umfeld erfolgreich zu sein.

Dann ist es nämlich völlig egal, ob ein Preis an der Comex langfristig "manipuliert" ist oder nicht. Alles was zählt, ist der Preis der heute aufgerufen wird und der morgen kommt. Und um diese Bewegungen zu antizipieren, muss man die Techniken der Markttechnik einsetzen.

Völlig verfehlt ist es aber, kurzfristige Handlungen ob man heute kauft, von diesen herzwärmenden Geschichten abhängig zu machen, die erklären warum man langfristig Gold braucht. Denn das eine, hat mit dem anderen nichts zu tun. Oder in anderen Worten, sie müssen sich schon entscheiden, ob Sie heute Trader sein wollen oder eine langfristige Vermögensdiversifizierung suchen. Und wenn Sie Trader sein wollen und Handelsgewinne suchen, dann sind diese netten Geschichten rund um Manipulation nur klebrige Masse, die die wirklich wichtigen Gedanken um das Marktgeschehen im Hirn zukleistert.

Ich will das mal konkret machen. Denn schaut man sich die aktuelle Entwicklung im Goldpreis an, dann wird eher das bestätigt, was meine oben genannten Artikel auch schon thematisieren: grosse Stärke ist nicht sichtbar. Im Gegenteil, das aktuelle Verhalten des Goldpreises ist eher ein Zeichen von Schwäche. Denn im Lichte der aktuellen geopolitischen Risiken, müsste da viel mehr gehen. Und erneut, als jemand der Handelsgewinne mit Gold oder Goldminen mitnehmen will, ist es völlig irrelevant, ob dieser Goldpreis nun das Ergebnis echten Angebots und Nachfrage oder das Ergebnis einer Manipulation von FED, Goldman Sachs, JP Morgan und des Gottseibeiuns ist. Es ist völlig egal, denn nur der Preis den Sie zahlen oder bekommen zählt!

Und nehmen wir doch mal theoretisch an, es gäbe diese konzertierte Manipulation, an der Staaten, Notenbanken und Grossbanken mitwirken. Was verleitet jemanden dann zu der völlig naiven Vorstellung, dass dieses Kartell dann in Kürze aufbrechen würde? Im Gegenteil, wenn das Kartell Realität wäre, könnte es auch noch Jahre und vielleicht Jahrzehnte weiter machen. Der Punkt ist, diese Überlegungen sind keine! Grundlage für Handelsentscheidungen. Vergessen Sie die Themen also, vielleicht sind sie wahr. Es hilft Ihrer Entscheidung aber nichts!

Ganz konkret schaue ich mit Ihnen nun mal auf ein ganz langfristiges Chart von Gold bis 2002 zurück. Und nun machen wir mal ein Gedankenexperiment. Erstens, ich nehme mal an, dass die Sorgen um das Währungssystem berechtigt sind und wir in den nächsten Jahren stark steigende Goldpreise haben werden. Zweitens basiere ich die kurzfristige Projektion aber auf dem, was die Markttechnik der Gegenwart sagt. Und die ist für mich nicht übermässig bullisch für Gold, sondern erzeugt das Bild eines zulaufenden Dreiecks, das mit höherer Wahrscheinlichkeit nach unten Richtung 1000 USD aufgelöst wird, als direkt nach oben.

Die Markttechnik hat als Alternativszenario auch eine potentielle inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation, die falls getriggert, dann bullisch wäre. Aber noch ist sie nicht getriggert und das zulaufende Dreieck ist eben auch da. Ebenso wie die relative Schwäche im Licht der geopolitischen Krisen und für die Bullen sehr zweifelhafte Daten im COT-Report. Beides ist ohne Frage möglich, die Richtung ist prinzipiell offen, die Signale der Markttechnik machen aber nach meinem Eindruck eine Auflösung nach unten etwas wahrscheinlicher.

Nehmen wir also diese Parameter in einem Zukunftsszenario mal einfach theoretisch an, dann bekommen wir das folgende, völlig logische und mit Markttechnik konsistente Chart:

Gold 2002 24.07.14

Der Punkt ist, in dem Bild fällt Gold noch bis 1000 USD, bevor es dann in eine Währungskrise hinein steigt. Und erneut, das Bild ist nur ein Szenario unter vielen, aber eines das im Einklang mit der aktuellen Markttechnik steht und auch keinen Widerspruch zu den ganzen Geschichten um Währungsreform und Co. hat. Ein anderes Szenario ähnlicher Art hatte ich im "Das Schweigen im Walde"-Artikel - da war es eine längere, frustrierende Seitwärtsbewegung, bevor es hoch geht.

Und nun frage ich Sie, der Sie heute fest daran glauben, dass der Goldpreis nun direkt steigt: was werden Sie machen, wenn Gold sich 1000 USD nähern sollte und die Presse voll ist mit den Berichten vom "Ende der Gold Hausse" und auch die ersten Goldhändler schliessen bzw verkleinern müssen ?

Ich hoffe Sie sehen meinen Punkt. Entscheiden Sie sich. Wenn Sie Gold als Krisengeld sehen und deswegen halten, muss Sie der aktuelle Goldpreis an der Comex nicht interessieren. Wenn Sie aber aktuell auf Gold oder Goldminen wetten wollen, dann beschäftigen Sie sich besser mit Markttechnik.

Was Ihnen aber auf keinen Fall hilft, ist heute eine Wette auf steigende Preise einzugehen, weil wieder jemand die schöne Geschichte vom Zusammenbruch des Euros erzählt. Denn selbst wenn das passieren sollte, kann Gold trotzdem noch vorher unter 1000 USD fallen. Und dann verkaufen Sie wahrscheinlich entnervt Ihre Goldminen, denn dann ist die Presse mit Pleitegeschichten voll. Und bei der Fähigkeit des Marktes, den maximalen Schmerz bei allen Akteuren hervor zu rufen, ist das keineswegs weniger wahrscheinlich, als das Gold nun sofort weiter steigt!

Ihr Hari

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Der keineswegs so überraschende Short-Squeeze bei Gold und Goldminen

Wenn man wie ich, jeden Tag für seine Leser 5-10 Artikel im Premium Bereich schreibt, hat das einen schönen bzw unschönen Nebeneffekt - je nachdem, wie man es betrachtet.

Denn jederzeit können die Leser so im Nachhinein den Abgleich mit der realen Entwicklung vornehmen. Dagegen ist hinterher zu "klugschnacken" immer einfach, nachdem das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Deswegen machen es so viele auch so gerne. 😉 Die Kunst ist aber, mitten im Getümmel schon ein halbwegs zutreffendes Bild von der Lage zu haben. Perfekt trifft man die Lage sowieso nie, aber ein halbwegs zutreffendes Bild von Chancen und Risiken, ist schon eine Menge wert.

Nun hatten wir ja gestern einen gewaltigen Short-Squeeze im Gold- und Silber-Sektor, der bei den Edelmetallen selber, wie bei den Minen deutlich zu spüren war. Und ja, es war ein Short-Squeeze und sonst erst einmal nichts. Die Short Positionen und Absicherungen der Bären wurden schlicht überrannt und aus der Notwendigkeit der Bären zu covern, ergab sich dann die massive Bewegung nach oben. Und das oberhalb der 1270/1280er Zone und dann wieder oberhalb 1300 solche Stops der "Shorties" liegen würden, war vorher klar.

Daraus aber nun sofort zwingend einen neuen Bullenmarkt abzuleiten, ist verfehlt und seit Wochen gehe ich schon davon aus und habe darüber geschrieben, dass bei Gold nach einem vermeintlichen Dreifachboden erst einmal ein Schub nach oben bevor steht, der alle Goldbullen elektrisieren wird. Diesen Schub erleben wir gerade. Und das dieser Schub trotzdem im grösseren Bild nur das Präludium zu einem endgültigen Absturz Richtung 1000 sein könnte.

Aber einen Bias über die zukünftige Entwicklung zu haben wie ich, ist das eine und der Bias ist auch nichts wert, ausser als theoretisches Szenario, das man locker im Hinterkopf behält. Denn handeln sollte man nicht nach seinem Bias, die Zukunft ist und bleibt prinzipiell unbestimmt. Handeln sollte man nur nach dem, was der Markt real macht. Und wenn man Augen hat zu sehen, zeigt der Markt einem in der Regel schon die Tendenz, in die er letztlich will.

Und dazu hatte ich im Premium Bereich mehrfach geschrieben, zuletzt am 11.06. zu den grossen Goldminen in Form des ETFs GDX und am Folgetag zu den stärker hebelnden Junior Goldminern in Form des ETFs GDXJ. Denn die potentielle Wendeformation in Form einer möglichen iSKS war ja überdeutlich und diese Möglichkeit deutete sich schon seit Wochen an. Lesen Sie mal den O-Ton von vor 8 Tagen:

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Donnerstag 12.06. 11:00 - Junior Goldminer GDXJ

Im Nachgang zu meinem gestrigen, ausführlichen Kommentar zur potentiellen iSKS im Goldminen-Sektor, will ich Ihnen heute das Chart des etwas aggressiver laufenden ETFs GDXJ zeigen, der als kleiner Bruder des GDX die "Juniors" vereint, also Minen die eher noch in Exploration oder Produktionsaufbau sind.

Es liegt in der Natur der Sache, dass dieser ETF stärker auf den Goldpreis hebelt, da diese Minen schneller Pleite sind, aber auch die Gewinne prozentual stärker steigern können:

GDXJ 12.06.14

Wir sehen hier, dass der Trade von gestern nun klar Fahrt aufgenommen hat. Auch das Volumen passt nun wunderbar - wir haben ein Kapitulationsvolumen (rot), dann eine kurse Phase der Unsicherheit und nun wieder gutes Volumen im Anstieg (grün).

Wie ich gestern schon schrieb, den Trade kann man machen. Und dabei kann man auch vergessen, ob es sich nun um Goldminen oder Kühlschränke am Nordpol handelt, die Price-Action ist auf der kurzfristigen Zeitebene positiv und spricht dafür, dass die 200-Tage-Linie nun auch fällt - vielleicht nach einem kurzen Rücksetzer vorher. Achten Sie auf den Ablauf in der linken Schulter, ein zweites höheres Tief ist ganz typisch und könnte auch hier Thema sein. Passend zur Einschätzung ist auch, dass das Geplapper um Gold in den bekannten bunten Medien noch nicht wieder begonnen hat. Das kommt dann wieder etwas höher. 😉

Merken Sie sich also unbedingt diese Wahrheit, die ich gestern zu vermitteln versucht habe: unser Bias hat keinen Wert für das unmittelbare Handeln. Handeln wir nicht nach unserem Bias, sondern nach dem, was die Märkte real tun. Unser Bias kann uns aber helfen, verschiedene mögliche Szenarien zu identifizieren.

Ob mein Bias für Gold Recht behält, wird also die Zukunft zeigen und muss uns heute nicht interessieren. Mein Bias glaubt, dass die Goldbugs noch einmal richtig demoralisiert werden müssen, bevor es dann wirklich - vielleicht schon im Herbst, vielleicht auch erst 2015 - hoch gehen kann. Und das deshalb diese potentielle iSKS nie triggern wird, sondern irgendwann weiter höher wieder wegkippt.

Aber um die richtigen Handlungen an den Märkten zu vollziehen, müssen wir diese Zukunft gar nicht kennen. Uns reicht die Price-Action der Gegenwart und die zeigt kurzfristig für den Sektor ein brauchbares Setup. Und die Stops nach unten dürften auch sonnenklar sein.

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So weit meine Worte vor 8 Tagen. Den Trade konnte man wirklich machen, auch wenn man im grossen Bild skeptisch zur Lage der Edelmetalle war. Und der GDXJ war dann gestern zum Schlusskurs rund 15% höher als bei obigem Beitrag. Daraus jetzt aber sofort mit Bestimmtheit einen neuen Bullenmarkt abzuleiten und den "grossen Boden" für Gold und Silber auszurufen, sind irrelevante Schwarz/Weiss Darstellungen, die weder unsere Zeit, noch unsere Aufmerksamkeit wert sind. Es ist möglich, dass der grosse Boden hinter uns liegt, es gibt aber auch andere, relevante Szenarien. Die Welt ist nie schwarz/weiss - an den Börsen schon gar nicht.

Denn erst jetzt - wo der gestrige Short-Squeeze abgelaufen ist und viele Shortpositionen im Sektor aufgelöst wurden - erst jetzt wird sich zeigen, ob wirkliches, ernst zu nehmendes Kaufinteresse in den Sektor kommt. Jetzt müssen die Markt-Elefanten ins Rennen einsteigen und wenn diese den Goldpreis nun über die alten Verlaufshochs Richtung 1400 USD und darüber treiben, dann ist der Abwärtstrend wirklich gebrochen und wir haben wohl eine bedeutende Wende gesehen.

Es ist aber nach wie vor sehr gut denkbar, dass das nur eine Falle ist und die Kurse nun bald wieder zurück fallen und zu neuen Tiefs abtauchen. Ein brutaler Short-Squeeze ist als Gegenbewegung in einem Bärenmarkt keineswegs untypisch. Niemand kann Ihnen mit Gewissheit sagen, ob das nun die Wende oder nur eine Falle ist. Und ob Gold nun über oder unter der alten 1270/1280 Widerstands- bzw Unterstützung-Zone liegt, ist dabei bestenfalls ein Faktor unter anderen. Daraus aber den gesamten Marktzustand abzuleiten, springt deutlich zu kurz.

Stellt sich die Frage, wann man denn im Sektor Geld verdienen konnte, wenn jetzt schon wieder alles offen ist. Die Antwort zeigt Ihnen mein Beitrag im Premium-Bereich oben von vor 8 Tagen. Zu dem Zeitpunkt lies sich mit einem klaren Setup Geld verdienen und das ohne über die Zukunft zu spekulieren, nur aufgrund der Marktstrukturen - also als noch kaum jemand darüber geschrieben hat. Und insofern war die Bewegung der letzten Tage für sehende Augen auch wenig überraschend. Nun aber, nach dem Short-Squeeze, ist die Lage erst einmal wieder offen und das ist nicht der ideale Zeitpunkt, um sich blind auf eine Richtung festzulegen.

Wenn der Sektor aber - nach einer nun fast zwangsläufigen anstehenden Konsolidierung - doch wieder beginnen sollte, nach oben zu laufen, dann wird dann wieder ein guter Punkt sein, um Geld im Sektor zu verdienen. Aber erst dann und erst falls das passiert. Und die Art, wie diese Konsolidierung bzw das Retracement nach dem gestrigen Schub nun abläuft, wird uns viel darüber sagen, mit welchem Szenario wird es hier mit Wahrscheinlichkeit zu tun haben. Dafür müssen wir aber genau hinschauen und auch wissen, wo wir hinschauen sollten.

Das genau bedeutet das Prinzip: "Folge dem Markt". Und dieses Prinzip funktioniert. Herum zu raten, wie eine prinzipiell unbestimmte Zukunft aussehen wird, funktioniert nicht.

Wenn Sie es nicht glauben, lesen Sie mal, was sogenannte "Zukunftsforscher" in den 70er und 80er Jahren über unsere heutige Gegenwart geschrieben haben und amüsieren Sie sich. 🙂

Ihr Hari

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DAX & S&P500 – Das grosse Bild der Märkte – Börsenjahr 2014 mit erhöhten Risiken

Seit dem Start des neuen Börsenjahres sind nun ca. 3 Wochen vergangen und man kann schon heute erste Indikatoren feststellen, die auf einen anderen Verlauf in 2014 als im Vorjahr hindeuten.

So scheint zum Beispiel alles wo "Mine" darauf steht, seit Jahresanfang neue Liebhaber zu finden. Deutlich zu sehen natürlich bei den Gold- und Silberminen, die nun klare Geldzuflüsse verzeichnen und zumindest kurzfristig eine positive Price-Action verzeichnen. Die gestrige Stärke von GDX, GDXJ, SIL und Co. in Anbetracht fallender Preise bei den Metallen selber, war schon beeindruckend und verfolgen wir hier im Premium-Bereich genau.

Aber auch in anderen Bereichen, von Kupfer bis Uran, sind klare Lebenszeichen zu verzeichen. Schauen Sie zum Beispiel mal, was die Kursentwicklung beim Uran Weltmarktführer Cameco (WKN: 882017, CCJ) gerade macht ... beeindruckend! Aber darüber will ich heute nicht schreiben, das tun wir in der Community täglich im Premium-Bereich.

Ich führe diese Fälle nur an, um zu zeigen, dass sich mit dem Jahreswechsel etwas an den Märkten zu verändert haben scheint und die Liquiditätsströme scheinbar neue Flussbette suchen. Gleichzeitig sind die alten Trends und Reflexe aber noch da und keineswegs ausser Kraft gesetzt.

Wunderschön kann man das im Chart mit Stundenkerzen des weltweiten Leitindex S&P500 sehen, der seit Jahresanfang 2014 nicht vom Fleck gekommen ist:

S&P500 22.01.14

Jetzt ist es durchaus möglich, dass das nur eine Konsolidierung vor dem nächsten Schub ist und ich habe eine angedeutete iSKS Wendeformation eingezeichnet, die man mit etwas Phantasie dort erkennen kann. Aber trotzdem ist das eine Veränderung der Situation gegenüber 2013. Trotz guter Gelegenheiten, fehlt den Bullen 3 Wochen lang die Kraft zum Ausbruch - das sollten wir uns in unseren Notizbüchern deutlich markieren.

Im grösseren Bild bis 2012 zurück zeigt uns der S&P500 dann, dass bisher nichts passiert ist. Insofern hat der Aufwärtstrend weiter unser Vertrauen verdient und es wäre töricht, sich dem nun einfach so entgegen zu stellen. Aber klar ist auch, dass wir unbedingt genau definierte Ausstiegspunkte brauchen, um uns schnell mit dem Fallschirm vom Geschehen abzusetzen. Denn wenn der Markt dann mal beliebt nach unten zu laufen, kann das nach so einer Bewegung sehr schnell sehr übel werden.

S&P500 22.01.14 Tag

Besondere Bedeutung räume ich dabei dem Stop 2 im Chart ein, der mit den Tiefpunkten des Kampfes kurz vor Weihnachten 2013 korreliert, bevor der S&P500 dann zur Jahresendrally ansetzte. Wenn diese Zone fallen sollte, werde ich sehr vorsichtig werden !

Übertragen auf den DAX, sieht das Bild natürlich ähnlich aus. Da der DAX in der Mehrzahl von angelsächsischen Investoren dominiert wird, ist er im grossen Bild ein Abbild seines Herrchens, des S&P500. Allerdings läuft er mal etwas vor und bleibt manchmal etwas zurück. Und zuletzt ist der DAX vorgelaufen, wie man eindrucksvoll am langfristigen Chart mit Wochenkerzen sieht:

DAX 22.01.14 Woche

Wir sehen zwei! Trendbeschleunigungen im Anstieg seit 2011 und auch wenn auch hier der Trend unser Freund ist, ist doch auch klar, dass es mit dieser Beschleunigung nicht ewig so weiter gehen kann und die Risiken langsam steigen.

Insofern sollte man auch im DAX dabei bleiben und den Aufwärtstrend respektieren, aber auch hier müssen klare Ausstiegs-Marken her, an die man sich dann auch hält. Das Chart mit Tageskerzen zeigt dabei, wo es ernst werden könnte.

DAX 22.01.14 Tag

Als erstes leichtes Warnsignal betrachte ich, falls die 9700 kurzfristig unterschritten werden. Richtig ernst wird es aber erst in der Zone bei Stop 1 und die bullische Aufwärtsbewegung kommt erst in der Zone bei Stop 2 ernsthaft in Gefahr.

In diesem Sinne bedeuten die Charts nun nicht, dass man nun einfach blind aussteigen muss, nur weil die Märkte schon weit gelaufen sind. Machen Sie sich klar, dass der DAX problemlos über 10.000 und selbst etwas darüber hinaus steigen kann. Und das Trends gerne länger laufen, als wir uns vorstellen können. Oder konnten Sie sich im Herbst 2011 - als diese Bewegung bei 5000 Punkten begann - den Verlauf bis heute im DAX vorstellen ?

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Laufe von 2014 aber die scharfe Korrektur erleben, die in 2013 fehlte, ist verdammt hoch. So hoch, dass man damit rechnen sollte und dafür immer klar wissen sollte, an welchen Stellen man konsequent seinen Fallschirm auspackt und mit einem Lächeln, das dann trudelnde Flugzeug seinem Schicksal überlässt.

Und das muss gar nicht mal bedeuten, dass der übergeordnete Bullenmarkt schon am Ende ist, so eine Korrektur kann einfach nur mal wieder der frische Wind sein, der nötig ist, um die Aufwärtsbewegung fortsetzen zu können. Aber auch ein Minus von 20% fühlt sich ziemlich übel an, wenn man ungeschützt mitten drin steckt und das können und sollten wir uns ersparen, wenn wir einfach nur schauen, was uns der Markt mit seinen Bewegungen sagt.

Mitnehmen was der Markt hergibt und dabei trotzdem aufmerksam und vorsichtig zu bleiben, ist kein Widerspruch. Es zeichnet vielmehr den erfolgreichen Anleger und Trader aus !

Ihr Hari

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Wird es Zeit, die Goldminen, den GDX oder Barrick Gold in den Blick zu nehmen ?

Werfen wir heute, zum Beginn des neuen Jahres, mal einen Blick auf einen der meist verprügelten Sektoren des vergangenen Jahres - die Goldminen. Hier beispielhaft am grossen US ETF "GDX", in dem sich auch "Big Money" tummelt.

Aus reiner Reversal-Logik könnte man nun argumentieren, dass das, was letztes Jahr so schlecht lief, alleine deswegen nun in 2014 gute Chancen hat. Dergleichen Argumente liest man auch verschiedentlich.

Diese Logik ist auch nicht völlig falsch, als Timing-Instrument aber eher ungeeignet. Sicher wird auch bei den Goldminen irgendwann eine "Mean Reversion" einsetzen und der Sektor wird wieder signifikant anziehen. Und dann sind schnell grosse Gewinne drin. Das Konzept der "Mean Reversion" ist universell und funktioniert an den Märkten immer wieder. Nur muss dieser Zeitpunkt nicht jetzt sein, nur weil das Jahr gewechselt hat. Vielleicht erlebt der Sektor auch erst erneut neue Tiefststände, bevor dann in der zweiten Jahreshälfte die Wende einsetzt. Wie gesagt, als Timing-Instrument ist die "Mean Reversion" eher ungeeignet, ein Gummiband kann sich in der Regel weiter dehnen, als wir alle ahnen.

Fundamental ist diese Wende durchaus "in Arbeit", weil praktisch alle Minen nun ihren Fokus auf Kosten und Profitabilität legen, unrentable Projekte zurück schneiden und so den Goldpreis deutlich senken, ab dem die Minen-Operationen profitabel sind. Wenn also irgendwann der Goldpreis auch mitspielt, wird das zu schnell steigenden Gewinnen im Sektor führen und die Kurse werden eine Rally durchlaufen.

Nur ist der Zeitpunkt ungewiss und nur weil der Sektor in 2013 verprügelt wurde, muss dieser Zeitpunkt nicht jetzt sein - er kann es aber durchaus. Gold hat ja nun auch die Chance einen Doppelboden auszubilden, aber auch beim Goldpreis steht der Beweis noch aus und ein erneuter Abtaucher bis 1000 USD ist noch nicht vom Tisch.

Insofern macht es mal wieder viel mehr Sinn - als Spekulationen nachzuhängen, die sowieso zu nichts führen - einfach auf die Price-Action im "Hier und Jetzt" zu schauen und zu hören, was uns der Markt gerade sagen will.

Schauen wir dabei auf das langfristige Chart mit Wochenkerzen des GDX, sehen wir den brutalen Abwärtstrend, den man auf zweifache Art und Weise zeichnen kann. Dieser Abwärtstrend ist nicht gebrochen, was klar indiziert, das es zu früh ist, eine Wende im Sektor auszurufen.

GDX 08.01.14

Allerdings zeigt der Verlauf auch, dass wir gute Chancen haben nun bald einen Boden auszubilden. Der Volumenanstieg spricht eine deutliche Sprache, hier liefert sich grosses Geld nun ein Duell. Und während in den frühen Phasen des Absturzes niemand dagegen gehalten hat -das war eher wie ein langsames Ausbluten - tobt nun ein massiver Kampf der Bullen und Bären unter der Decke und es findet scheinbar eine Distribution statt, mit guter Wahrscheinlichkeit von den schwachen zu starken Händen, die nun akkumulieren.

Insofern ist das eine potentiell interessante Entwicklung, mit grossem Potential, aber noch ist es zu früh, die Signale auf Grün zu setzen. Noch hat der Abwärtstrend den Sektor im Griff.

Schauen wir dagegen auf das mittelfristige Chart mit Tageskerzen, sehen wir deutlich, was wir zuletzt auch bei den Kursen der Einzelaktien wie Barrick Gold (WKN: 870450) fühlen konnten. Es scheint seit Anfang Dezember eine Stabilisierung statt zu finden, die das Potential zur Bodenbildung hat - aber erneut: dieser Beweis ist noch nicht angetreten !

GDX 08.01.14 Tag

Vielmehr sehen wir auch hier den mittelfristigen Abwärtstrend, sehen aber auch, wie kurz der GDX davor ist, diesen das erste Mal hinter sich zu lassen. Und wir sehen da noch ein Gap vom Jahresanfang 2014 lauern, das noch nicht geschlossen ist und vielleicht noch wird, bevor die Entscheidung so oder so eintreten kann.

Wenn der GDX aber diesen Abwärtstrend nimmt, bestehen gute Chancen für eine schnelle Bewegung bis in den Bereich von 25 USD - womit sich dann auch die Frage des langfristigen Abwärtstrends stellen würde.

Fazit aus meiner Sicht:

Wer mit einem Zeithorizont von Jahren operiert und ebenso tiefe Taschen wie dicke Nerven hat, kann auf diesen Niveaus vielleicht anfangen, die Goldminen langsam zu akkumulieren. Man sollte sich dann aber im Klaren darüber sein, das der Sektor schnell noch einmal eine weitere Abwärtsstufe von 20% generieren kann, bevor dann wirklich eine Wende ansteht.

Wer - wie die meisten Anleger - eher im Zeithorizont Monate unterwegs ist, weil er Jahre in der Regel sowieso nicht durchhält, hat in der aktuellen Lage (noch) keinen zwingenden Grund in den Sektor einzusteigen. Denn noch zeigt der Trend klar abwärts. Allerdings könnte der Grund schnell geliefert werden, weswegen es schon heute Sinn macht, auf den Sektor ein aufmerksames Auge zu werfen.

Bedenken Sie in diesem Zusammenhang bitte erneut, dass die Fixierung auf die ersten Prozent eines neues Trend und der Versuch den Boden exakt zu treffen, bei längerfristigen Anlagen sowieso vergeudete Energie ist. Die ersten paar Prozent zu verpassen, weil man ruhig abwartet bis die Signale wirklich auf Grün stehen, sind gar kein Problem. Viel wichtiger für den Erfolg ist dann, wenn der Trend etabliert ist, auch wirklich ruhig und dauerhaft dabei zu bleiben. Und die gleichen Mechanismen, die manche Anleger hektisch veranlassen, den vermeintlich "perfekten Tiefpunkt" treffen zu wollen, treiben diese Anleger dann wieder viel zu früh aus einer Position heraus, die gerade erst den grossen Schwung nach oben aufnimmt.

Wenn Sie kein kurzfristiger Trader sind, bleiben Sie also gelassen, die Goldminen laufen Ihnen nicht weg. Wenn dieser Wurm irgendwann wirklich dreht, wird auch der neue Trend eher wieder Monate und Jahre andauern, es gibt keinen Grund für Hektik oder Torschlusspanik. Lassen Sie statt dessen den Sektor selber beweisen, dass er nun wirklich zur Wende ansetzen will, dann ist es immer noch früh genug einen Zeh ins Wasser zu stellen.

Ihr Hari

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Das erstaunliche Reversal bei Gold und den Goldminen – XAUUSD wieder über 1250 USD

Es gibt zwei Arten, auf die Mr. Market besonders gerne einen Boden und eine nachfolgende Wende generiert.

Die eine ist sozusagen "mit Karacho". Typischerweise an einem lange vorher medial aufgeblasenen Tag, an dem alle Welt angespannt auf die Kurse starrt, weil ein wichtiger Katalysator ansteht. Nervös haben dann alle den Griff zum Notausgang in der Hand und starren auf eine wichtige Marke. Dann taucht der Kurs unter diese Marke und löst eine Kaskade von Stops aus. Artikel erscheinen, die das Ende von XYZ erklären und alles schaut unter grosser medialer Aufmerksamkeit nur in eine Richtung. Und in diesem Moment dreht der Kurs, erobert die wichtige Marke wieder und beginnt weiter zu steigen. In Folge schaut der Kurs nie wieder zurück und lässt fast den gesamten Markt auf dem falschen Fuss hinter sich. Der Weg des maximalen Schmerzes oder auch "Bärenfalle" genannt.

Und dann gibt es diese anderen, leisen Momente. Wenn keiner mehr hinschaut, weil alle aufgegeben haben und keiner sich mit diesem Asset mehr abgeben will. Ideal an einem nachrichtenlosen Tag, wo sowieso die Hälfte der Marktteilnehmer nicht am Desk sitzt. In diesem Moment beginnt der Kurs ganz still, leise und heimlich in eine unerwartete Richtung zu kriechen. Und man sucht nach einem Katalysator dafür, findet aber keinen. Das sind die Momente, in denen eine lang andauernde Bewegung manchmal ihr Momentum aufgebraucht hat. Und der Boden ist für ein "Reversal aus dem Nichts" bereitet, das der breite Markt erst wieder viel später wahrnehmen wird.

Sie wissen als Premium-Mitglieder, dass mir schon gestern Abend dieses Intraday-Reversal bei Gold - und später auch bei den Minen - ins Auge gesprungen ist. Und ich mich gefragt habe, was da los ist.

Nun, heute morgen bin ich vielleicht etwas klüger.

Denn eine Nachricht, die das ausgelöst haben könnte, kann ich auch heute morgen nicht erkennen. Dafür hatte ich aber gestern übersehen, das gestern wohl Options Expiration (OPEX) für die Gold Futures war. Um so interessanter war diese Wende, denn nach der OPEX, begannen die Kurse wieder nach oben zu kriechen. Die nahe liegende Erklärung ist, dass sich der Druck von "Big Money" nach unten nun langsam aufgebraucht hat. Sobald der Druck vom Markt genommen wird, kriecht er wieder nach oben. Und wenn das so wäre, wäre das eine sehr bemerkenswerte Entwicklung !

Schauen wir auf das Tageschart, sehen wir im blauen Kreis sehr deutlich die Struktur eines Reversals:

XAUUSD 26.11.13

Wie geht es nun weiter ? Nun, da wir alle keine Glaskugel haben, ist die Zukunft unbestimmt. Aber trotzdem sagt uns diese Struktur eine Menge und wir müssen nun genau aufpassen, was heute und morgen passiert, dann sind wir erheblich schlauer.

Im Szenario (1) war das gestern einfach eine unbedeutende "Post-OPEX" Anomalie und es geht heute und morgen weiter runter. In Anbetracht der klaren Reversal-Struktur, ist das in meinen Augen zwar möglich, aber nicht zwingend das wahrscheinlichste Szenario.

Im Szenario (2) werden wir heute oder morgen einen weiteren Schub weg von der 1250er Marke bei Gold - und damit XAUUSD - sehen. Das wäre dann eine klare Bestätigung eines temporären Bodens und würde den Weg bis zur Trendlinie in der Nähe der 1300er Marke freimachen.

Da aber der übergeordnete Abwärtstrend voll intakt ist, wäre das dann einfach nur eine Gegenbewegung im Abwärtstrend und danach geht es endgültig nach unten. Nach heutiger Datenlage, erscheint mir das als das wahrscheinlichste Szenario.

Ja und dann haben wir da noch das "Undenkbare" - das Szenario (3). Ein Szenario, nach dem sich nun still, leise und heimlich der Abwärtsdruck abgebaut hat und wir ein bedeutendes Tief gesehen haben. Und vor allem ein höheres Tief als am 28.06.

Zum heutigen Zeitpunkt kann man seriös darauf nicht wetten. Aber im Auge behalten sollten wir es, denn eine nachhaltige Bewegung über 1300 USD, hebt dieses Szenario ins Rampenlicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Abwärtsdruck still, leise und heimlich aufbraucht. Und das Sentiment im Sektor passt ja dazu. Alle haben nun aufgeben, auch die härtesten Goldbugs haben Zweifel und stehen in der Mehrzahl an der Seitenlinie.

Insofern lassen Sie uns nun genau hinschauen, der Markt wird uns heute und morgen viel dazu sagen, ob wir hier ein ernst zu nehmendes, zumindest temporäres Tief erlebt haben, oder eben nicht. Wenn dieses Tief bedeutend sein soll, muss heute oder morgen ein impulsiver Schub nach oben folgen. Ohne diesen Schub war gestern einfach eine Anomalie.

Ihr Hari

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