Die EZB Rally oder: Der beste DAX heisst MDAX

In den letzten beiden Jahren gab es eine feste Grösse, auf die wir uns bei einer strategischen Asset Allokation zuverlässig verlassen konnten. Und das war die Tatsache, dass die US Indizes besser laufen, als die europäischen.

Das war ja auch kein Wunder, denn während die Konjunktur in den USA wieder Tritt fasste, woran billiges Gas seinen Anteil hatte, dümpelte Europa anämisch vor sich hin.

Verstärkt wurde der Effekt durch die Stärke des US Dollar, die die grossen Kapitalströme in die US Märkte zog. Denn wenn ich ein weltweit agierender Asset-Manager bin, dann wähle ich doch bevorzugt Märkte, bei denen schon alleine die Währungsentwicklung für Gewinne sorgen wird, völlig unabhängig von einer Kursentwicklung.

Wobei der Dollar und die Stärke der US Märkte ja ein bisschen wie das "Henne und Ei" Problem ist. Einerseits spielt die Zinserwartung an die Notenbank natürlich auch eine Rolle und die FED signalisiert ja, dass sie in 2015 die Zinsen wieder erhöhen will. Anderseits sorgt aber gerade eine starke Wirtschaft für eine harte Währung, Deutschland hat das ja in den Zeiten der Bundesbank (sie ruhe in Frieden - ich trauere ihr nach) immer wieder vorgemacht.

Insofern ist der starke Dollar nicht nur Auslöser für Kapitalströme, sondern er ist auch Folge der starken US Wirtschaft und letztlich haben wir es hier mit einer sich gegenseitig verstärkenden Wirkung wie in kommunizierenden Röhren zu tun.

Nun aber, mit dem Beginn von 2015, scheint sich eine Änderung dieser Überperformance der US Märkte anzudeuten. Zumindest ist das in den Charts klar zu sehen, die ich Ihnen nun zeigen will.

Schauen wir erst einmal auf den S&P500, der in 2015 wild schwingt und relativ richtungslos ist, mit der Gefahr eine Topbildung zu vollziehen:

S&P500 15.01.15 2

Zum Vergleich schauen wir auf den DAX, der das Dreieck schon nach oben verlassen hat und eine klar bullische Grundstruktur besitzt:

DAX 15.01.15 2

Wir sehen deutlich, wie viel besser der S&P500 in ganz 2014 gelaufen ist. Dort war ein klarer Aufwärtstrend, während der DAX richtungslos vor sich hin eierte.

Deutlich wird aber auch, ab wann sich ein Unterschied zu dieser Entwicklung andeutete: eigentlich erst ab Anfang 2015, nachdem klar wurde, dass die EZB tatsächlich ein Anleihenkaufprogramm starten wird.

Damit wird die EZB Sitzung am kommenden Donnerstag 22.01.15 zum extrem wichtigen Faktor für die Märkte. Denn der Markt hat offensichtlich schon einen "Buy the Rumor" Trade aufgelegt, der derzeit im vollen Gange ist.

Abhängig davon, was die EZB real macht, wird dieser Trade wieder in sich zusammen fallen oder, wir erleben den Start einer grundlegenden Änderung der Kapitalströme, dieses mal aus den US Indizes in die europäischen Märkte.

Die Chancen für Letzteres sind gar nicht schlecht, denn der starke Dollar entfaltet zunehmend seine Wirkung und macht der US Industrie das Leben nicht leichter, zumal nun durch den einbrechenden Ölpreis auch Sorgen um die Fracking-Industrie hinzu kommen.

Und der Fracking-Boom hat natürlich in der Vergangenheit massive Investitionen ausgelöst, von denen viele Industrieunternehmen wie General Electric (851144, GE) profitiert haben. Der absehbare Zusammenbruch dieser Industrie, hinterlässt nun eine Schleifspur bei den Zulieferern und Dienstleistern, auch die schwache Kursentwicklung von GE hat genau mit dieser Erwartung des Marktes zu tun.

Gleichzeitig sollte der schwache Euro die europäische Exportwirtschaft zunehmend stützen. Das ist sicher nur ein kurzfristiger Effekt, Währungsabwertungen haben noch nie zu einer starken Wirtschaft geführt und die US Industrie wird langfristig unter dem Druck des Dollar nur noch stärker und wettbewerbsfähiger werden. Mittelfristig, mit der Sicht auf Monate, ist das aber ein positiver Faktor für die europäischen Unternehmen und die Sicht auf die kommenden Monate ist ja die, die uns beim Handel an den Märkten besonders interessiert. Langfristig sind wir sowieso alle tot. 😉

Auf jeden Fall haben die europäischen Aktienmärkte sowieso eine Menge nachzuholen, die Erwartungen an eine positive Überraschung sind gering und gleichzeitig deuten aber makroökonomische Entwicklungen und die Politik der Notenbanken dahin, dass Europa die Chance hat zu überraschen.

Nun ist Mr. Market ja der beste Frühindikator den man sich vorstellen kann und deshalb ist es besonders interessant zu sehen, wo nun die stärksten Gewinne im "Buy the Rumor" Trade in die EZB hinein sind.

Da fällt mir einerseits der spanische Aktienindex IBEX35 ein, was kein Wunder ist, denn hier treffen die positiven Effekte eines möglichen Anleihenkaufprogramms auf schon vollzogene Strukturreformen, die im Gegensatz zum erstarrten Italien schon für sich alleine leichte Hoffnung für das Land machen.

Auffällig ist aber auch, dass der MDAX nun seit kurzer Zeit noch viel besser als der DAX aussieht und schon den Ausbruch zu neuen Hochs vollzogen hat. Schauen wir auf das Chart und vergleichen wir das mit S&P500 und DAX oben, der Unterschied ist augenfällig!

MDAX 15.01.15

Die Gründe dafür sind offensichtlich. Der MDAX ist industrielastiger als der DAX, Maschinenbau ist hier ein wichtiger Faktor. Damit schlägt hier der schwache Euro besonders stark zu und auch die niedrigen Ölpreise sind ein positiver Katalysator.

Es könnte für die kommenden Monate also Sinn machen, auf Europas Exportindustrie zu setzen. Und wenn man das tut, führt kein Weg am MDAX und seinen Unternehmen vorbei.

Damit das Wirklichkeit wird, muss die EZB aber nächsten Donnerstag erst einmal liefern. Ich glaube übrigens kein bisschen daran, dass die Notenbank mit ihrer Geldpolitik die prinzipiellen Erstarrungen in Europa überwinden kann. Das könnte nur eine andere Politik, als wir sie haben und langfristig macht es daher jede Menge Sinn, weiter auf die US Industrie zu setzen, die ungleich bessere Voraussetzungen hat.

Aber für eine ein paar Monate andauernde Hoffnungsrally an den europäischen Märkten, ist die aktuelle Ausgangslage auf jeden Fall gut und wenn die EZB liefert, wird es der Markt wie ein Drogensüchtiger erst einmal goutieren. Was danach kommt, ist eine ganz andere Geschichte.

Achja .... und dann war da ja noch Griechenland. Aber "Who cares"? Die Schulden liegen mittlerweile bei der öffentlichen Hand, also uns, den Steuerzahlern. Und wir werden dafür blechen, das war schon immer klar, allen Beteuerungen unserer politischen "Elite" zum Trotz. Den Markt interessiert das aber nur noch am Rande, wenn es nicht zu völlig unkontrolliertem Chaos, bei einem möglichen "Grexit" kommen sollte.

Aber selbst der "Grexit" wird wohl ein schöner Traum bleiben, die absurde Logik des "Zusammenhaltens um jeden Preis" feiert in der Eurozone immer noch Urstände. Und solange die, die das bezahlen müssen, nicht die sind, die die Entscheidungen treffen, wird das auch so bleiben. Mit dem Geld Dritter lässt sich immer besonders freigebig um sich werfen.

Vielleicht sollte die Eurozone sich aber mal an der Medizin orientieren, in der sogar wichtige Körperteile wie Finger und sogar ein Bein bei einer unkontrollierbaren Infektion amputiert werden, um den Hauptkörper zu retten. Und auch der Körper ist ein komplexes System, dessen Reaktionen nur schwer vorher zu sehen und bestenfalls mit Wahrscheinlichkeiten zu fassen sind. Man macht es aber trotzdem, zum Wohl des grossen Ganzen.

Ihr Hari

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Öl und die 2015er Glaskugel

Der folgende Beitrag ist ein Auszug aus Hari Live von Montag 05.01.15 09:30

Ich habe keine Glaskugel und folge demütig dem, was der Markt mir anbietet. Aber trotzdem lebe ich ja nicht auf einem fernen Planeten und habe zu den grossen Makro-Themen daher ein Grundmodell im Hinterkopf, mit dem ich so lange operiere, bis mich der Markt eines Besseren belehrt.

Nun beeinflusst der Ölpreis ja eine Menge Assetklassen und kann in 2015 sogar zu Staatsbankrotten und den damit verbundenen Verwerfungen an den Finanzmärkten führen. Insofern schadet es nicht, zum Ölpreis ein Modell zu haben.

Nun, mein Modell rechnet mit einem - zumindest in der ersten Jahreshälfte - dauerhaft niedrigen Ölpreis in einer Range von 40-70 USD. Warum diese Annahme?

WTI 05.01.14

Die Begründung hat mit der Ursache der niedrigen Preise zu tun.

Klar ist, dass Saudi-Arabiens strategische Interessen - neben schlichtem Überangebot durch neue Anbieter wie Irak - wesentlicher Faktor in der Gleichung sind und die Saudis die US Fracking Konkurrenz klein halten wollen.

Wie stark die Fracking Industrie schon getroffen wurde, kann man schön an US Gas Unternehmen sehen, die wie Linn Energy (A0H023, LINE) mit besonders viel Financial Engineering unterwegs sind. Das Chart von LINE ist desaströs und der Cashbestand fast bei Null angekommen. Die Lage wird kritisch:

LINE 05.01.14

Und hier liegt der Punkt. Saudi-Arabien hat diesen Job nun begonnen und dabei auch eigene Nachteile in Kauf genommen. Es ist aber bisher zu wenig Zeit vergangen, um den Job auch zu Ende zu bringen und einen guten Teil der US Fracking-Industrie zur Aufgabe zu zwingen. Wenn man nun nicht alles schlimmer machen will und massiv Glaubwürdigkeit und damit Einfluss auf den Ölpreis verlieren, *muss* der Ölpreis nun für einige Zeit - zumindest für das erste halbe Jahr - unten bleiben.

Richtig ernst wird es sowieso erst, wenn die US Fracking Industrie nach Staatshilfe zu schreien beginnt, aber da sind wir noch nicht. Denn dann muss sich das Weisse Haus entscheiden, ob es die positiven Effekte mit dem Druck auf Länder wie Russland, Iran oder Venezuela höher schätzt, als die negativen Effekte auf die strategische Fracking-Industrie. Denn durch Fracking von Öl Importen unabhängig zu werden, hat für die US strategische Bedeutung.

Insofern gehe ich davon aus, dass die US Regierung ihre Fracking Industrie letztlich nicht untergehen lassen wird, bevor es aber so weit ist, muss die Lage erst weiter eskalieren. Und deshalb macht es Sinn, zumindest im ersten Halbjahr 2015 weiter von niedrigen Ölpreisen auszugehen, die irgendwo zwischen 40 und 70 USD mäandrieren sollten.

Diese Sicht passt auch gut zu markttechnischen Erfahrungen. Nach so einem Einschlag kommt höchst selten eine sofortige Wende, sondern so ein Einbruch will verarbeitet sein und das dauert Monate und manchmal Jahre.

Richten wir uns also auf längerfristig niedrigere Ölpreise ein. Das ist das Makro-Modell, mit dem ich im Moment operiere.

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Umwelttechnologien – ein sauberer Beitrag von Clarcore

Dieser Artikel wurde bereits am 31.08. im Premiumbereich veröffentlicht und hat bislang nichts an Aktualität verloren.

Was haben Biotechnology, Schweinställe, Autos, Kläranlagen und Fracking gemeinsam? Nun - auf auf den ersten Blick sicherlich erst einmal gar nichts. Dem ist aber nicht so. "Dem Techniker" eröffnet sich sofort ein gemeinsames und sehr interessantes Thema und er erkennt vermutlich augenblicklich das Verbindende. Eine sogenannte "Unit Operation" wie wir Verfahrensingenieure zu sagen pflegen, stellt erst sicher, dass die Prozesse, die sich hinter den eingangs erwähnten Schlagworten verbergen, überhaupt stattfinden können und dabei die Umwelt geringstmöglich belasten.

Diese verfahrenstechnische Grundoperation stellt die Filtration dar. Eine Technik, die wir häufig unbewusst in unserem Alltag nutzen. Denken wir nur beispielsweise an den Kaffeefilter oder einen Staubsaugerbeutel. Mit Hilfe der Filtration entfernt man also Partikel in fester (Staub) oder flüssiger Form (Aerosole) aus einem Medium, welches flüssig oder gasförmig sein kann. Und jetzt erschließt sich mit dieser verfahrenstechnischen Grundoperation schon der gesamte Bereich der sauberen Luft und der sauberen Flüssigkeiten. Letztere müssen nicht nur Wasser sein, sondern es können auch Hydrauliköle, Kraftstoff oder der flüssige Inhalt eines Biotechnologiereaktors sein. Und das Schöne an Unit Operations: die physikalischen Gesetzmäßigkeiten zur Entfernung von Partikeln, Aerosolen, Viren und vergelichbarem sind stets gleich und auf die verschiedensten Anwendungen übertragbar. Ob es sich nun um die Innerraumluft von Flugzeugen, von Operationssälen, von Gas für die Verbrennung in Turbinen, die Reinigung von Blut oder Abwasser usw. handelt. Und bei dieser Fülle von Anwendungen es gibt eine Firma, die die gesamte Palette der Filtration in Flüssigkeiten UND Gasen abdeckt.

Eine Firma, die seit über 100 Jahren in dieser Branche tätig ist, den Wenigsten bekannt sein dürfte und zu den Weltmarktführern gehört ist die Firma Clarcor, WKN: 857895. Mit über 1 Mrd. $ Umsatz, einer Börsenkapitalisierung von um die 3 Mrd. $ und einem KGV von knapp 22 kommt bereits zum Ausdruck, dass der Markt der Firma weiteres Wachstum zugesteht. Ich persönlich halte viele der Anwendungen, in denen Clarcor heute schon tätig ist für Wachstumsbranchen und denke, dass unter dem Gesichtspunkt einer Langfristanlage eine Firma wie diese sehr interessant sein könnte. Eine gute Übersicht liefert . Und wer sich für Zahlen und Bilanzen interessiert, sei der folgende Link empfohlen: .

Bliebe zum Schluss mal wieder das Chart. Für eine Firma, die niemals selbst im Mittelpunkt stehen wird, aber dafür sorgt, dass andere Branchen in einem spannenden und zukunftsrelevanten Umfeld aktiv sein können, ein durchaus "sexy Auftritt".

clarcor

Kurzfristig hat sich das Chartbild nun ein wenig eingetrübt. So wie für alle Firmen die Gesetze der Physik gelten, so kann sich auch Clarcor nicht vollständig der allgemeinen Marktlage entziehen.

clarcore kurzfristig

Liebe Grüße und ich würde mich freuen, wenn Sie mich vielleicht sogar im Premiumbereich besuchen.

Johann

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