Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing

Der folgende Artikel entstand aus der Kombination eines am 29.01.14 in Hari Live erschienenen Artikels, sowie eines Forenkommentar zum Thema "Value Investing" vom 13.04.14.

Womit beginnt man denn eigentlich den langfristigen Vermögensaufbau ?

Dazu kann man Bücher schreiben, ich will deshalb nur einen kleinen Teilaspekt heraus greifen. Wer hier im Blog ist, hat dann bestimmt auch erkannt, dass zu einem langfristigen Vermögensaufbau die Beteiligung an Produktivkapital gehört und der nicht nur mit Tagesgeld erreicht werden kann. Denn sonst wären Sie wohl nicht hier. 😉

Ich betone auch ausdrücklich, es macht für jeden Anleger jede Menge Sinn, ein Basisdepot zu haben, dass er unter langfristigen Aspekten verwaltet und damit bei geringen Risiken einen langfristigen Aufbau erzielen kann. Wenn man dieses Depot hat, dann kann man sich auch mal mit einem kleineren Teil an eigene Anlagen wagen und dabei auch mal höhere Risiken eingehen.

Aber diese ruhige, stabile Basis ist für jeden privaten Anleger ganz wichtig, davon bin ich überzeugt. Wer als junger Mensch versucht, diesen Schritt zu überspringen und sozusagen mit den ersten 10.000€ im Sparstrumpf versucht, gleich durch Trading "reich" zu werden, wird zu 99,99% scheitern. Und die 0,01% sind dann halt echte Genies. Die soll es geben. 😉

Auch ich lebe diese Zweiteilung. Ich besitze ein ruhiges, langfristig orientiertes Investmentdepot und ein weit aggressiver verwaltetes Trading-Depot, mit dem ich eine Überrendite erziele.

Beginnen Sie also - gerade als junger Mensch - mit einer guten, langfristigen Basis in Ihrem Depot. Und dann, wenn Sie diese haben, beginnen Sie selber mehr zu wagen und Ihre Fähigkeiten zu testen. Und dazu will ich Ihnen heute einen vielleicht überraschenden Rat geben.

Denn wenn wir über diese Basis reden, stellt sich ja gleich die Frage: welche Aktien sollten Sie für so ein Basis-Depot wählen ?

Die Antwort ist offensichtlich und dazu gibt es unzählige sinnvolle Darstellungen. Es sind natürlich die grossen Bluechips mit positivem Cashflow, die auch Generationen überdauern, weil sie ein Geschäftsmodell haben, das immer trägt. Es sind Namen wie Nestle, Unilever, Roche, Novartis, General Electric, Siemens und so weiter und so fort.

Sie können jetzt längliche Diskussionen darüber führen, ob als Industrietitel im Moment ABB, Siemens oder GE die bessere Wahl wäre. Oder als Pharmatitel Roche, Novartis oder doch Sanofi. Sie werden dazu viele Meinungen lesen und wenn Sie zu viel Zeit haben, können Sie auch anfangen, die gigantischen Geschäftsberichte dieser Unternehmen zu lesen, im Irrglauben, daraus einen Vorteil für Ihre Anlage ziehen zu können.

Für den Trader sind diese Unterschiede auch sehr wichtig, weil der richtige Moment und die richtige Aktie mit der richtigen Markttechnik macht auf der mittleren Zeitebene schnell mal 10% Gewinn aus, die die andere Aktie dann nicht hat.

Für Sie, der Sie mit diesen Aktien einen langfristigen Vermögensaufbau betreiben wollen, sind diese Unterschiede aber nicht ganz so wichtig. In 2 Jahren hat vielleicht das Management gewechselt und dann ist sowieso alles anders. Als Lesestoff sind diese Geschäftsberichte ja interessant und es schadet nicht, wenn ein Aktionär weiss, was in seinem Unternehmen los ist. Als Entscheidungsgrundlage für die langfristige Auswahl können Sie das aber eher vergessen. Zumal die Qualität der Bilanzzahlen in den Zeiten des IFRS sowieso teilweise fragwürdig ist.

Und an dieser Stelle greift deshalb auch mein Rat. Ich kann nicht sehen, dass Sie für Ihr langfristiges Depot einen grossen Vorteil damit erzielen, dass Sie sich nun um die Aktienselektion dieser Bluechips für Ihren langfristigen Vermögensaufbau intensiv bemühen. Wie gesagt, es schadet auch nicht, aber es wird bei der Performance keinen grossen Unterschied machen.

Warum ? Ganz einfach, weil hunderte, ja tausende - in der Regel besser als Sie qualifizierte Vermögensberater und Fondmanager - sich genau diese Gedanken für ihre Fonds machen. Denn diese Titel sind in hunderten und tausenden Fonds und ETFs enthalten. Glauben Sie wirklich, dass Sie diese Selektion besser als diese Profis vornehmen können ? Was bringt es Ihnen, den Geschäftsbericht auch noch zu lesen, wenn die Profis es alle schon getan haben und deren Reaktion darauf, schon im Kursverlauf verarbeitet ist ?

Ich kann das Dilemma perfekt am Grossmeister der Geldanlage Warren Buffett festmachen. Den kennen Sie ja bestimmt und bewundern oder schätzen ihn. Nun wäre es für Sie ja ein Leichtes, Ihr kleines Vermögen von "Warren himself" verwalten zu lassen. Sie müssen dafür nur seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway (WKN: A0YjQ2) an der Börse kaufen. Und schon wird Ihr Geld vom grossen Warren verwaltet und Sie haben indirekt Wells Fargo, Coca Cola und Co. im Depot.

Warum also glauben Sie, bei der Auswahl von Aktien im Bereich dieser Bluechips auch noch Warren Buffett schlagen zu können ? Klar ich weiss, man ist als privater Anleger agiler, Buffett wird ja durch die Grösse des Riesentankers Berkshire sehr eingeschränkt und da ist ja auch noch das Fragezeichen, wie es mit Berkshire weiter geht, wenn er mal nicht mehr ist.

Ich will mit Berkshire ja auch nur einen Punkt machen. Es gibt auch in Deutschland richtig gute Fonds und Vermögensverwalter, die wissen was sie tun. Und denen Sie ihr Geld anvertrauen können und wissen, dass es dort professionell verwaltet wird. Und sich in Ihrem Depot genau die Art von Aktien finden, die ich oben beispielhaft erwähnt habe. Und Sie haben auch als Kleinanleger Zugang zu diesen Vermögensverwaltern, weil die in der Regel an der Börse notierte Fonds haben. Ich will hier keine konkrete Werbung machen, aber einige der guten Adressen wurden hier im Forum schon besprochen. Oder eben Sie gehen zu dem grossen Buffett selber, um Ihr Geld verwalten zu lassen.

Mein Punkt und Rat ist:

Geben Sie den langfristigen Vermögensaufbau in gute Hände. Wählen Sie eine Handvoll guter Fonds von seriösen Top-Leuten aus, die genau in die Aktien investieren, die für einen langfristigen Vermögensaufbau geeignet sind.

Oder - wenn Sie in Ihrer Börsen-Erfahrung etwas weiter sind - wählen Sie selber gezielt grosse ETFs aus, die voll replizierend die oben genannten Aktien kaufen. Und mischen Sie vielleicht noch Warren Buffet direkt bei. 😉 Und dann sparen Sie da an und lassen diese Positionen langsam akkumulieren.

Das ist dann Ihre ruhige Basis im Depot und die brauchen Sie, wenn Sie einen langfristigen Vermögensaufbau erreichen wollen. Und investieren Sie darüber hinaus in Ihr Wissen und Können rund um die Märkte. Und genau dafür, hat diese Community für Sie ein attraktives Angebot.

Konzentrieren Sie aber Ihre eigene Energie nicht darauf, besser als Warren Buffett sein zu wollen. Lassen Sie sich nicht von einem trivialisierten Zerrbild des "Value-Investing" blenden, das gerade in Deutschland allenthalben herum gereicht wird, weil es sich für die Anleger so gut anfühlt. Die Unmöglichkeit für Sie, mit Buffett zu konkurrieren, liegt gar nicht mal daran, dass Buffett so "einmalig" ist. Das man ihn heute nicht mehr 1zu1 kopieren kann, liegt auch daran, dass er seine grossen Erfolge in einer ganz anderen Zeit mit anderen Voraussetzungen hatte. Er würde heute selber grösste Probleme haben, sich selbst zu kopieren, weil viele seiner Aktionen damals (wie die Übernahme der Textilfabrik Berkshire) heute viel stärker beobachtet würden. Damals lief er damit noch weitgehend unter dem Radar, von der Lokalpresse mal abgesehen.

Und über Benjamin Grahams Ansatz ist sowieso die Zeit hinweg gegangen, weil viele Daten mit deren Ermittlung er sich noch einen Edge erarbeiten konnte, heute in der Welt des Internets als "Common Sense" mit einem Klick ablesbar sind. Von der Verbiegung ehedem verlässlicher Bilanzkennzahlen durch das IFRS mal ganz abgesehen. Die Welt ist halt anders geworden. Grahams Grundideen vom "Intelligent Investor" sind zeitlos und immer noch gültig. Und es ist deshalb immer noch eines der wichtigsten Bücher zum Investieren überhaupt. Aber so wie er damals, kann man das heute einfach nicht mehr 1zu1 umsetzen. Und Graham wäre mit seiner Intelligenz der Erste, der das begreifen würde.

Aber es gibt auch heute - unter anderen Rahmenbedingungen - richtig gute Value-Investoren, die durchaus in einer Liga mit dem früheren Buffett spielen, nur halt mit etwas anderer Methodik. Und insofern ist Buffett so einmalig nicht.

Mein Punkt dreht sich also nicht um Value-Investing an sich, das funktioniert durchaus, sondern um die Illusion vieler Privatanleger, es mit geringem Aufwand selbst tun zu können. Denn dieser Investmentansatz ist von allen, der mit den höchsten Anforderungen an fachliche Fähigkeiten, zeitlichen Einsatz und Kapitalkraft.

Nehmen wir mich selber als Rohmodell. Ich war Vorstandschef einer AG und auch im M&A Bereich tätig. Und war im M&A Umfeld mittendrin, wo börsennotierte Unternehmen zerlegt und veräussert wurden. Ich verstehe also, wie Investoren eine Firmenbewertung vornehmen und bin dazu selber in der Lage. Ich habe also die fachlichen und erfahrungstechnischen Voraussetzungen, um eine Safety Margin überhaupt kompetent identifizieren zu können.

Weiterhin arbeite ich Fulltime an den Märkten, habe also auch theoretisch die Zeit dazu, diese anspruchsvollen Bewertungsfragen vorzunehmen und mich inhaltlich mit den Geschäftsmodellen auseinander zu setzen. Ich habe also wahrscheinlich eher als 99,9% der privaten Anleger, die fachlichen und zeitlichen Voraussetzungen dafür, Value-Investing zu betreiben.

Und trotzdem versuche ich es nicht, weil mir bewusst ist, dass mir ein entscheidender Baustein fehlt, um es erfolgreich umsetzen zu können. Mir fehlt die Kapitalkraft hinter mir, damit ich direkten Zugang zu den Unternehmen und zum Management bekomme.

Und ohne diesen Zugang geht es nicht. Eine seriöse Firmenbewertung ohne Kenntnis des Managements vorzunehmen, ist fast unmöglich. Buffet hat es meines Wissens nie in seinem Leben ohne diesen Zugang getan. Und kein einziger Finanzinvestor der Welt, wird einen Cent in ein Unternehmen stecken, wenn er nicht vorher einen Eindruck vom Management hat. Nur einem direkten Mitbewerber kann das egal sein, weil die wirft er einfach raus. Aber selbst in dem Fall, ist das hoch riskant und wird von den übernehmenden Unternehmen vermieden.

Ich könnte also trotz meiner fachlichen Qualifikation nur dann einen Value-Investing Ansatz verfolgen, wenn ich zumindest Fonds-Manager wäre oder einem grossen Family-Office vorstehe, so dass mich die Firmen als Gesprächspartner empfangen und ernst nehmen. Ich habe diese Voraussetzung nicht. Und "Max Müller" auf der Strasse schon gar nicht. Value-Investing alleine vom Bürostuhl aus mit dem passiven Studieren von Bilanzkennziffern auszuüben, ist ein Zerrbild - Buffett ist so definitiv nicht reich geworden.

Wenn man sich das klar macht, wie jemand mit meinem Background das Thema sieht, kann man wirklich nur schmunzeln, wenn private Anleger mit normalem Beruf, am Feierabend dann ihre in der Grundschule erworbene Fähigkeit des Lesens von Zahlen einsetzen, um Werte wie KBV abzulesen, nach dem Motto "kleiner 1 ist gut" einzuordnen und sich dann als Value-Investor zu fühlen. Das ist schlicht absurd. Statt dieser Illusion aufzusitzen, wären sie besser beraten, ihr Kapital in einen Fonds eines echten Value-Investors zu stecken. Oder eben das Vermögen auf passive, voll replizierende ETFs zu verteilen. Man muss halt erst einmal von einer Sache etwas verstehen, um dann überhaupt zu wissen, was man nicht weiss. 😉

Value-Investing funktioniert also. Aber nur für Profis mit Kapital im Rücken, Fleiss, Zeit und fachlichen Fähigkeiten bei der Firmenbewertung. Die übergrosse Mehrheit der Anleger hat diese Voraussetzungen nicht.

Und deshalb sollten Sie sich - wenn Sie über Ihre Basisanlagen hinaus einen eigenen Mehrwert erzielen wollen - auf die Stellen konzentrieren, an denen Sie als Privatanleger tatsächlich in der Lage sind, sich mit vertretbarem Zeitaufwand und Wissen einen kleinen Edge zu erarbeiten.

Und das sind die Techniken der Markttechnik und insbesondere Trendfolge, die wir hier im Blog immer wieder thematisieren.

Durchaus auch bei den gleichen Titeln wie oben, aber eben aus einem ganz anderen Blickwinkel, dem Markttiming mit den Mitteln der Markttechnik. Und dabei das zu lernen, will Ihnen dieser Blog und seine Community helfen.

Schaffen Sie sich also eine Basis in Ihrem Vermögen, über die Sie sich keine Gedanken machen brauchen, weil das Vermögen in guten Händen ist. Und konzentrieren Sie sich dann als Ergänzung mit Ihrer Energie auf die Bereiche, in denen Sie eine realistische Chance haben, überdurchschnittliche Erfolge zu erzielen. Als 2 millionster Leser des Geschäftsberichts von Nestle ist das eher unwahrscheinlich. Lassen Sie den Geschäftsbericht von Ihren Fondsmanagern lesen. 😉

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Finanzielle Repression und Aktien – was wirklich alternativlos ist !

Wenn man sich wie ich jeden Tag mit den Finanzmärkten beschäftigt, läuft man auch Gefahr, so etwas wie einen Tunnelblick zu entwickeln. Man grübelt über Lippenbewegungen weisshaariger FED-Frauen, interpretiert die Markttechnik, verfolgt die Nachrichten und passt seine Aufstellung permanent der eigenen Strategie und dem Risikomanagement an. Es gibt immer etwas zu tun, der Markt lässt einem keine Ruhe.

Wenn man so in den Details vergraben ist wie ich, tut es manchmal gut, wenn man durch eine dritte Person mal wieder an das grosse Ganze erinnert wird. Und das ist bei mir Anfang dieser Woche passiert.

Da rief mich eine sehr, sehr gute, alte Freundin an. Wir hatten uns etwas aus den Augen verloren, wie das Leben halt so spielt, wenn man weit entfernt (Berlin <–> Südbayern) wohnt und sein eigenes Leben und seine eigene Familie hat.

Nachdem wir uns in über einer Stunde erst einmal wieder auf den neuesten Stand unseres Lebens gebracht haben, begannen wir intensiv über ihren eigentlichen Wunsch zu sprechen. Sie suchte Rat zur Geldanlage.

Nun arbeite ich nicht als Vermögensberater, aber gegenüber wirklich guten Freunden, zu denen man hohes Vertrauen hat, macht man mal eine Ausnahme und gibt einen privaten Rat. Zumal Ihre Ausgangslage so klassisch war für viele wohlhabende Bürger, die schon eine Karriere hinter sich haben.

Sie hatte eine nicht unerhebliche Menge freien Kapitals auf den Konten rumliegen und suchte nun nach einer profitablen Anlageform, die einerseits „sicher“ sei und um die sie sich andererseits nicht intensiv kümmern müsste. Wer will das nicht, in diesen Tagen der finanziellen Repression ? 😉

Natürlich konnte ich ihr die Frage nicht ersparen, warum Sie diesen Wunsch nicht 2009 geäussert hatte. Und nicht 2010. Nicht 2011, nicht 2012 und nicht 2013. Aber so geht es derzeit vielen Bürgern, die erst jetzt anfangen sich für die Geldanlage zu interessieren, wo die Märkte halt wieder nahe der Höchststände notieren.

Nachdem sie mir Ihre Rahmenparameter nannte, hatten wir schnell Einigkeit über das Thema Diversifizierung und gingen durch alle möglichen Anlageformen durch.

Immobilien ? Eine selbst bewohnte hat sie und das ist gut so. Von weiteren vermieteten Immobilien habe ich aber eher abgeraten. Die Preise sind im Verhältnis zu den Mieten an vielen Standorten zu hoch und die finanziellen Risiken durch Mietnomaden, gesetzliche Pflichten und ähnlichem werden nicht angemessen bezahlt. Von so einem Ungetüm wie der „Mietpreisbremse“ ganz zu schweigen. Ausserdem würde das neben der selbst bewohnte Immobilie ein Klumpenrisiko im Vermögen erzeugen.

Ackerland oder Wald ? Kann Sinn machen, aber nur bei grösseren Vermögen, bei denen man dann auch gleich die Bewirtschaftung einer grösseren Fläche mitorganisieren kann. Oder wenn man selber aus der Agrarbranche kommt. Denn um Land das man besitzt, muss man sich auch kümmern.

Edelmetalle ? Als Notgelt in begrenztem Umfang sinnvoll und notwendig. Aber über diesen begrenzten Umfang hinaus, sind Gold und Silber keine „Investments“. Diese werfen nichts ab und produzieren nichts. Es ist „totes Metall“, das auch langfristig keinen Wertgewinn erzielt. Aber es erzielt auch keinen Wertverlust, es erhält einfach den Wert über lange Zeit. Diese Eigenschaft macht es als Notgeld sehr sinnvoll. Aber das ist keine Grundlage für eine Anlagestrategie. Das ist nur ein Grund für eine beschränkte Beimischung.

Ausserbörsliche Beteiligungen ? Eigentlich die beste Anlageform, wenn man sich am Produktivkapital beteiligen will. Aber nur dann, wenn es die eigene Firma ist oder man zumindest den Inhaber sehr gut kennt und ein Vertrauensverhältnis hat. Ich bin fest davon überzeugt, wer „reich“ werden will, schafft das am ehesten mit dem eigenen Unternehmen und da ist Kapital auch unbedingt gut investiert. Unternehmertum bewegt die Welt und schafft auch privaten Reichtum. Aber eine eigene Firma hatte Sie schon, insofern war diese Möglichkeit abgedeckt.

Und sonstige ausserbörsliche Beteiligungen über Fonds wie Solar, Flugzeuge etc. sind nach meiner Erfahrung zu oft das Geld nicht wert. Daran verdienen vor allem die Emittenten und Vertriebskanäle und der Anleger muss mehr oder weniger rechtlos zuschauen, wie eine Fehlentscheidung nach der anderen im Fond getroffen wird. Klar kann man auch hier mit einem Fond Glück haben, aber ich habe schon zu viel „Mist“ in diesem Segment erlebt – von Immobilien bis Schiffen - als das ich jemandem zu Investitionen in geschlossene Fonds raten könnte.

Anleihen und sonstige Schuldverschreibungen ? Das ich nicht lache ! Deutsche Staatsanleihen mit effektiver Negativrendite ? Griechenland mit 5% ? Tut mir leid – nein Danke ! Das ist nicht risikoloser Ertrag, sondern ertragloses Risiko !

Rentenversicherungen und Lebensversicherungen ? Wie die Staatsanleihen zu sehen – kein Wunder, denn die liegen ja in den Büchern der Versicherungen. Die Renditen sind mickerig und warum soll man für so mickrige Renditen sein Kapital langfristig binden ? Wenn man noch eine alte Lebensversicherung mit Garantiezins 3 oder 4% hat: unbedingt halten und auf keinen Fall vorzeitig aussteigen ! Aber heute eine Neue abschliessen ? Eher nein.

Riester ? *Hust* *Hust* Nächste Frage bitte !

Tagesgeld ? Vergessen wir das mal - von in der Höhe begrenzten Lockvogelangeboten abgesehen, ist das nur mit negativer Rendite nach Inflation und Steuern versehen. Garantiert ist da nur der Wertverlust !

Diverse Garantie-Zertifikate mit blumigen Namen die Sicherheit vorgaukeln ? Ebenso vergessen. Was als Finanzprodukt beworben werden muss, ist in der Regel Mist, den die Profis selber nicht anfassen würden. Gute Geldanlage braucht keine Werbung, sondern geht unter der Hand bei den Wissenden weg. Diese Produkte dienen eher den Emittenten und sind doch nur aus den Basics wie Anleihen, Aktien und Optionen aufgebaut, die man sich billiger und ohne marketingtechnische Girlanden, auch selber ins Depot legen kann.

Kunst, Oldtimer und Co. ? Macht jede Menge Sinn. Aber erstens ist das Segment schon extrem gut gelaufen und zweitens macht es nur Sinn, wenn man sich auch wirklich sehr gut auskennt, so dass man nicht über den Tisch gezogen werden kann. Da sie kein derartiges Hobby hat, kommen diese Bereiche nicht in Frage.

So und nun ? Was bleibt ?

Alles was bleibt sind Aktien - also Anteile am Produktivvermögen, die liquide an Börsen handelbar sind. Und zwar gleichermassen direkt, wie in einem replizierenden ETF oder in einem gut gemanagten Fond.

Hier findet man noch Weltunternehmen, wie die von mir zuletzt erwähnte General Electric, die einem 3-4% Dividende zahlen und trotzdem noch Chancen auf Kuteigerungen haben. Das hört sich doch besser an, als renditeloses Risiko, oder ?

Womit wir bei der „sicheren“ Geldanlage sind. Viele Bürger assoziieren mit Aktien Unsicherheit, weil diese kurzfristig stark schwanken können. Das ist aber für ein Investment eine verfehlte Risikowahrnehmung. Denn was gibt es langfristig „sichereres“, als eine General Electric, eine Nestle, eine Berkshire Hathaway ?

Wenn ich heute gezwungen wäre, mein Vermögen 50 Jahre in die Zukunft zu schicken, damit meine Enkel davon profitieren können. Was würde ich schicken, wenn es auch in 50 Jahren noch guten Wert haben und bis dahin vielleicht sogar im Wert gestiegen sein soll ?

Von allen obigen Punkten wäre es eindeutig eine Aktie, die ich als erstes schicken würde. Wie zum Beispiel General Electric oder Nestle. Und danach vielleicht ein wenig Gold.

Und deshalb – der finanziellen Repression „sei Dank“ – sind Aktien heute einfach alternativlos. Und so habe ich meiner guten Freundin geholfen, ein sinnvolles ETF und Fonds-Depot zusammen zu stellen, das sie relativ ruhig laufen lassen kann. Und das obwohl nun auch Sie weiss, dass es 2014 ist und nicht 2009 und die Risiken einer bevorstehenden Korrektur an den Aktienmärkten ganz real vorhanden sind. Aber das kann man überwinden, in dem man nicht alles gleich auf einen Schlag investiert, sondern sich zwingt, bei jeder Korrektur Stück für Stück nachzukaufen.

Wichtig ist aber, das grosse Bild nicht zu übersehen. Denn weil die Anlage in Produktivkapital so alternativlos ist, können wir auch davon ausgehen, dass eine längst überfällige Korrektur von 10-20% auch wieder aggressiv gekauft werden wird.

Denn wohin will man denn ansonsten sinnvoll mit seinem Kapital ? Dieses Problem haben nicht nur wir Privatanleger, sondern die grossen institutionellen Anleger ganz genau so. Und deshalb dürften die Aktienmärkte gut unterstützt bleiben, solange die finanzielle Repression andauert.

Aktien sind derzeit alternativlos. Bei allen Schwankungen sollte man das nie vergessen.

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

DAX und S&P500 – ein starker und ein schwacher Index

Ich bin ein grosser Freund des Konzeptes relativer Stärke. Dahinter verbirgt sich die Technik, in jeder Marktphase die Aktien, ETFs oder Indizes zu identifizieren, die im Vergleich zu ihren Peers, relative Stärke zeigen. Und gezielt nur in diesen, das eigene Kapital arbeiten zu lassen.

Der Charme dieses Konzeptes liegt darin, dass man damit eine Überperformance über den Markt erzielen kann, ohne sich zu sehr über die generelle Richtung Gedanken machen zu müssen. Was besonders dann zum Tragen kommt, wenn eine generelle Richtung zweifelhaft ist.

Und so eine Phase haben wir nun möglicherweise an den Märkten. Seit Jahresanfang haben die Märkte stark hin und her geschwungen, so richtig vom Fleck gekommen, sind sie aber nicht. Und das kann durchaus noch Monate so weiter gehen, so dass am Ende Bullen wie Bären gleichermassen frustriert werden.

Schauen wir uns doch daher mal relative Stärke im Vergleich des DAX mit dem Leitindex S&P500 an. Ich benutze dafür Charts mit Tageskerzen und wir schauen zunächst auf den DAX:

DAX 24.03.14

Es springt ins Auge, dass der DAX nun eine Serie niedrigere Hochs hatte und vielleicht sogar gerade an einer Topbildung arbeitet. Auf jeden Fall ist eine Entwicklung wie eingezeichnet, aufgrund der Marktstruktur gut vorstellbar. Nicht sicher, aber eben wahrscheinlich. Das Chartbild ist auf jeden Fall latent bärisch und kein Chart, bei dem man nun mit beiden Händen sein Kapital auf den DAX werfen muss.

Umgedreht schauen wir auf den S&P500 mit Tageskerzen:

S&P500 Tag 24.03.14

Das Chartbild ist nach wie vor eher bullisch. Der S&P500 hängt knapp unterhalb eines Ausbruches oberhalb 1880 USD und scheint eine bullische Umkehrformation zu bilden. Hier sollte man die Bullen nicht unterschätzen und ein Ausbruch hat eine relevante Wahrscheinlichkeit.

Sie sehen, wir haben gegenläufige Signale in DAX und S&P500 und der DAX läuft seit Anfang März klar schlechter, als viele andere Indizes. In meinen Augen hat das auch Gründe:

- Erstens aufgrund einer traurigen, rückwärtsgewandten Wirtschaftspolitik der grossen Koalition, die dabei ist, den Wettbewerbsvorteil Deutschlands zu verspielen.

- Zweitens aufgrund der Fragezeichen im Export-Modell durch die Schwäche Chinas, durch den zu starken Euro und durch die wachsende Wettbewerbskraft Japans, die durch die monetäre Abwertung des Yen beflügelt wird.

- Drittens aufgrund der Fragezeichen in Osteuropa/Russland, deren ökonomische Auswirkungen zwar begrenzt sind, deren psychologische Effekte auf die Anlageneigung institutioneller Anleger, aber vor allem den DAX belasten.

Es ist also zweifelhaft, ob man im Sinne des Konzeptes der relativen Stärke, nun gerade von allen Indizes der Welt im DAX unterwegs sein muss.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob beide eingezeichneten Entwicklungen gleichzeitig eintreten können. Die Antwort ist eher Nein ! Wenn der S&P500 nach oben ausbricht, wird der DAX nicht gleichzeitig unter 9000 rutschen. Das ist fast unmöglich und würde eine massive lokale Krise in Deutschland erfordern, die aber ökonomisch nicht über die Grenzen ausstrahlt.

Denkbar ist aber, dass der S&P500 nach oben ausbricht und der DAX aufgrund seiner relativen Schwäche keine neuen Hochs schafft, sondern in einer Seitwärtsrange bleibt.

Denkbar ist auch, dass der S&P500 in einer Seitwärtsrange zwischen 1840 und 1880 bleibt und der DAX trotzdem durch die 9000 nach unten durchfällt.

In jedem Fall hat der DAX klare relative Schwäche zum S&P500. Und unabhängig davon, wo sich die Aktienmärkte der Welt in Summe in den nächsten Wochen und Monaten hinbewegen, muss man sich die Frage stellen, ob der DAX im Moment der richtige Ort für das eigene, sauer erarbeitete Kapital ist.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***