Permanent am Abgrund

Folgt man dem, was zu den Märkten die meisten Klickzahlen bekommt, dann stehen wir seit Jahren permanent am Abgrund vor dem nächsten großen Crash, der noch schlimmer als 2008 werden wird.

Aktuell ist es wieder eine Ballung von , mit denen Angst gemacht wird, weil diese in der Vergangenheit manchmal geballt vor größeren Abwärtsbewegungen auftraten, aber auch nicht immer, siehe 2013 und 2017.

Schauen Sie mal objektiv auf das Chart im obigen Artikel und das Auftreten der "Omen" im Zeitstrahl und sagen mir, welche Relevanz das hatte? Ich sage es Ihnen: Keine!

Und wer sich im August 2013 von mehreren "Hindenburg Omen" hat panisch aus dem Markt vertreiben lassen, hat seitdem - trotz des Einbruchs 2015-2016 - von damals ca. 1.630 im S&P500 auf heute ca. 2.900 sagenhafte 78% Gewinn verpasst, ohne Dividenden wohlgemerkt!

Und was hatten wir vor dem Omen als medialen Angstmacher? Wir hatten zuletzt die "invertierte Zinskurve", die medial durch das Dorf getrieben wurde - ich habe mich dazu -> hier im Juli <- geäussert. Erstens ist die Zinskurve noch nicht invertiert, es ist nur eine Möglichkeit. Zweitens selbst wenn sie bald invertiert, dauert es historisch durchaus 2 Jahre, bis die Rezession dann da ist. Was also hilft uns diese "mediale Sau" dabei nun die richtige Entscheidung zu treffen? Ich sage es Ihnen: Nichts!

Und so kann ich weiter machen. Davor war es der Handelskrieg der zum Zusammenbruch führt, übrigens noch eines der wenigen Themen, das wirklich Substanz hat, denn wenn es zu einer echten Eskalation käme, wäre das wirklich sehr negativ.

Davor war es Nordkorea, Trump mit seinen Marotten, Trumps Wahl und so weiter und so fort. Die medialen Katastrophen-Theoretiker, haben immer irgend eine Sau weswegen gleich Morgen die Welt untergeht, immerhin müssen Sie ja für Klicks und damit Werbeeinnahmen sorgen.

Das Witzige dabei ist, ich stelle doch gar nicht in Abrede, dass wir mit guter Wahrscheinlichkeit bald mal wieder eine Rezession und eine echte, schmerzhafte Korrektur erleben. Vor kurzem habe ich mich über Ray Dalio lustig gemacht, der uns hat wissen lassen, .

Mein sarkastischer Kommentar dazu:

Das ist jetzt aber mal echt überraschend. Laut Experten soll auf einen heißen Sommer zuverlässig ein Winter folgen, nur ob die Schneefälle schon im Oktober oder Januar einsetzen, wissen wir nicht. Faszinierend.

Der Punkt den ich erneut machen will ist ja nicht, dass wir nicht in 2 Jahren eine Rezession bekommen können. Doch das können wir. Selbst Hindenburg Omens können irgendwann mal Recht bekommen und eine invertierte Zinskurve ist wenn sie tatsächlich da ist, sogar ein halbwegs solides Warnsignal.

Ich selber habe im internen Forum zum Thema "Rezessions-Risiko" vor Kurzem das Folgende geschrieben:

Ohne dass ich den Zeitpunkt kenne, ist ziemlich klar, dass uns in den kommenden Jahren ein schwerer Einbruch (> 20% Verlust) bevor stehen dürfte.

Wenn ich aus der Hüfte und ohne lange zu überlegen Prozensätze daran kleben müsste, würde ich sagen:

Bis Ende 2019 = 30%
Bis Ende 2020 = 60%
Bis Ende 2021 = 80%
Bis Ende 2022 = 90%

Nur hilft uns das alles herzlich wenig, weil das was 2020 oder 2021 vielleicht passiert, unser Anlageverhalten heute nicht beeinflussen darf.

Bin ich jetzt also auch ein Jünger des Nostradamus? Ach was, dann haben Sie den letzten Satz überlesen.

Machen wir uns bitte klar: Selbst wenn jetzt ein Mann aus der Zukunft uns eine Nachricht übermitteln würde, die wortwörtlich das Folgende sagt, würde uns das nicht helfen:

Im Jahr 2021 wird der S&P500 zwischen September und November einen Verlust von 24,7% erleiden

Denn selbst dann, wüssten wir immer noch nicht, ob der Markt nicht vorher noch 50% steigt und man diese Bewegung bis ins Frühjahr 2021 nicht besser mitnimmt!

Der Punkt ist also nicht, dass wir nicht bald (im Sinne von ein paar Jahren) mal wieder eine größere Krise erleiden, der Punkt ist dass es sich nicht lohnt, deswegen heute aus blinder Angst sein Anlageverhalten zu ändern!

Ich habe hier in dazu noch ein paar schöne Charts für Sie, die das Problem visualisieren.

Sie dokumentieren die Momente, in denen "Gurus" Sätze gesagt haben wie "das leichte Geld wurde schon verdient" oder wer alles wann gesagt hat, dass der nächste Crash unmittelbar bevor steht. Schauen Sie sich die drei Charts bitte mal an, das ist lehrreich!

Ich kann dazu nur sagen:

Nirgendwo wird so viel Geld liegen gelassen, als wie beim Warten auf den großen Crash, der immer später kommt als man denkt.
Schnelle Reaktion und flexibler Geist sind Zeichen erfolgreicher Trader. Mit Weissagungen bekommt man Klicks, aber nicht das Depot ins Grüne.

Dieser permanente alarmistische Ablauf, auf den so viele immer wieder herein fallen, liegt natürlich auch daran, dass sich mit Katastrophen-Szenarien und Alarmismus einfach mehr Klicks generieren lassen, als mit abgewogenen, differenzierten Sichten. Das ist die logische Folge eines "kostenlosen" Internets, bei dem der Klick die Ware ist. Wer nicht bereit ist, für gute Informationen Geld auszugeben, muss sich also auch nicht wundern, was er bekommt.

Ich kann Ihnen hier nur eindringlich sagen: Es ist *profitabler*, das alles zu überhören und nur auf den Markt zu reagieren - nur auf das zu achten, was wirklich auf dem Spielfeld gespielt wird.

Die Fähigkeit die man dann erwerben muss ist aber, dass *wenn* der Markt dann dreht, man *dann* aber auch konsequent aussteigen muss. Daran scheitern viele, die dann zu lange festhalten. Was für Muster uns da typischerweise begegnen, habe ich vor einem Jahr mal hier beschrieben: . Solche Abläufe sind also keineswegs völlig überraschend, es gibt immer vorher Warnzeichen in den Kursen.

Ganz einfach ist also kein Weg, aber es ist definitiv besser so lange wie möglich dabei zu bleiben und in Kauf zu nehmen, von den Tops dann wieder 10% abzugeben, also aus reiner Angst vor so einer 10% Korrektur dann eine 87% Bewegung zu verpassen, wie von 2013 bis heute.

Dieses Grundprinzip ist eigentlich völlig logisch und anhand von Vergangenheitscharts leicht empirisch nachzuweisen. Wenn Sie das immer noch nicht glauben, dann schauen Sie mal bitte
.

Bitte tun Sie das, schauen Sie sich das an, wenn Ihnen Ihr Depot lieb ist! Wollen Sie da wirklich immer noch Ihre Zeit damit verbringen auf den nächsten Bären-Markt zu warten?

Erneut, ich sage ja nicht, dass wir unvorsichtig sein sollen und zu blauäugigen Dauerbullen werden. Doch, es macht Sinn den ganz großen Einbrüchen aus dem Weg zu gehen zu versuchen - aber erst dann wenn diese real begonnen haben!

Noch sieht aber der US Markt stabil aus, hier ist zum Beispiel die Advance / Decline Line, deren Bedeutung als Indikator ich Ihnen letzten Dezember in -> Die Weisheit der Adcance/Decline Line <- auch im freien Bereich nahe gebracht habe:

Wir sehen hier die A/D Linie leicht rötlich und den SPX im Vergleich, die Marktbreite stimmt also und es gibt da noch kein Warnsignal in Form einer Divergenz.

Auch das ist natürlich keine Garantie. Natürlich kann diesen Herbst in den US Märkten noch ein 10% Korrektur kommen, so wie ich das in -> Fällt das Eine oder steigen die Anderen? <- hier vor 2 Wochen dargestellt habe. Und natürlich kann die kommende Woche Schwäche bringen, das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Trotzdem, langfristiges Faktum bleibt, dass nur der Anleger Erfolg haben kann, der überhaupt im Markt und dabei wachsam ist. Wer aber aus Angst vor der nächsten Korrektur permanent draußen ist, kann definitiv keinen Erfolg haben. Das ist anlagetechnisch dann sozusagen "Selbstmord aus Angst vor dem Tod".

Und zum Abschluß dieser "Predigt" noch etwas Wichtiges.

Einige von Ihnen werden jetzt rational zu dem Nicken was ich oben sage, weil sie die Logik verstehen und nachvollziehen können. Gleichzeitig spüren diese aber einen Widerstand in sich, es jetzt real umzusetzen, irgend etwas bremst im Sinne "jetzt noch nicht". Jetzt gerade *könnte* doch diese verflixte Korrektur einsetzen!

Stimmt, sie *könnte*. Es *könnte* aber auch ganz anders kommen.

Das genau ist unser "Affenhirn", das viel mehr Angst davor hat direkt nach dem Einstieg 20% zu verlieren, als ohne den Einstieg einen Anstieg von 80% zu verpassen.

Wenn Sie beginnen dieses "Affenhirn" als ihre große Hürde zu begreifen der Sie sich stellen müssen, dann haben Sie einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Das bedeutet aber *nicht* nach übertriebener Angst nun schlagartig ins Gegenteil zu kippen und blauäugig optimistisch zu werden.

Es bedeutet nur, uns von diesen Angst-Reflexen zu lösen und eine rationale, vorsichtig-positive Haltung zum Markt einzunehmen. Eine Haltung die große Risiken absichert, bei kleinen Risiken aber auch mal Gelassenheit zeigt.

Amen 🙂

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Einordnung der aktuellen Rally anhand des S&P500

Wenn ein Markt so stark steigt, wie wir das nun seit Februar erleben, stellt sich ja immer die Frage der Einordnung.

Muss man nun permanent damit rechnen, dass der Markt doch wieder zusammen bricht?

Oder erleben wir hier gerade einen bedeutenden Ausbruch, der uns nach oben überraschen und noch viel, viel höher tragen wird?

Man kann sich dieser Frage auf vielfältige Art und Weise nähern, ich persönlich bevorzuge dabei das Prinzip des "Fliegens auf Sicht", das sich grossen Prognosen verweigert, sondern immer nur so weit schaut und das Handeln anpasst, wie man auch beim Wetterbericht schauen kann: nämlich ungefähr eine Woche in die Zukunft hinein. Denn über diesen Zeitraum hinaus, verschmiert das Bild der Zukunft zu stark, um daraus belastbare Tendenzen ableiten zu können.

Man kann aber auch ganz anders und sehr grundsätzlich heran gehen, in dem man sich einfach mal ganz ruhig vor Augen führt, was wir hier eigentlich vor uns haben.

Und das will ich heute im Überblick für Sie tun, wobei dafür wieder der Leitindex S&P500 der Massstab ist, der für mich in Marktbreite, Aussagekraft und Liquidität, den wichtigsten und belastbarsten Index der Welt darstellt.

Weiterlesen ...Die Einordnung der aktuellen Rally anhand des S&P500

Die Lage im DAX – Von Mass und Mitte

Mittwoch 23.09.15 Morgens vor Handelseröffnung.

Sie kennen sicher auch Marktkommentatoren, die je nach momentaner Stimmung des Marktes von "Himmel-hoch-jauchzend auf "Zu-Tode-betrübt" wechseln - und zwar immer schön brav prozyklisch. 😉

Als der DAX vom Paniktief am 24.08.15 bei 9.338 in den Tagen danach nach oben drehte, wurde sofort "der Boden" und die neue Rally hoch Richtung 12.000 und darüber hinaus beschworen.

Und nun, wo der DAX sehr angeschlagen und die Stimmung im Zuge des VW Desasters mies ist, dürfen wir uns von diesen Leuten dann die Angst machenden Katastrophencharts anschauen, wie tief der DAX und S&P500 nun fallen *könnte*.

Vom Standpunkt der medialen Vermarktung her, ist das auch die richtige Vorgehensweise. Denn es ist erwiesen, dass die Menschen am liebsten die Dinge lesen, die sie in einer vorgefassten Meinung bestärken. Wenn also Gier vorherrscht, werden die Artikel mit den Kurszielen goutiert, die das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Und wenn man selber Angst verspürt, suhlt man sich gerne im allgemeinen Gruseln, in der Herde stirbt es sich halt angenehmer. 😉

Sie merken ja den Sarkasmus in meinen Worten, denn es ist wohl offensichtlich, dass mit solcher Art von "Marktanalyse" zwar die Klickzahlen gefördert werden, der Börsenerfolg aber weniger.

Deswegen sind Fondsmanager, die komplett versagt haben, auch immer sehr motiviert in die "Herde" zurück zu kehren und darauf hinzuweisen, "dass man ja den Absturz nicht ahnen konnte". Stimmt, ist aber eine Nullaussage. Denn wenn das ganze Risikomanagement nur darauf beruhte, die Zukunft erahnen zu wollen, muss man sich über gar nichts wundern, denn das geht sowieso nicht, niemand hat eine Kristallkugel. Niemand. Bei gutem Risikomanagement geht es ja gerade darum, das Unerwartete trotzdem zu überleben.

Nein, was wirklich nötig ist, ist dagegen "Mass und Mitte" bei der Betrachtung des Marktes. Und die Bereitschaft, sich auf verschiedene Szenarien einzustellen, ohne vorher zu wissen, welches eintritt.

Und es ist ganz normal, dass der Markt Phasen hat, in denen er selber nicht weiss, wohin die Reise geht, weil er eben keinen klaren Trend mehr hat. Und dann hilft es nicht, Extremszenarien je nach Stimmung zu verkünden, denn wenn der Markt nicht weiss wohin er will, kann es ein objektiver Beobachter auch nicht wissen. Zum Raten könnten wir auch zur Lotto-Annahmestelle gehen, Erfolg an den Börsen entsteht so eher nicht.

Aktuell ist wieder so eine Phase der Unsicherheit, denn die FED hat mit ihrer "Hasenfuss-Politik" nun grosse Unsicherheit gestreut und es war absehbar, dass der Markt so verstört reagieren wird, falls die FED keine Sicherheit schafft. Nicht was die FED gemacht hat war absehbar, sondern wie der Markt darauf reagieren wird. Ich verweise auf Punkt 5 meines Artikels -> Das grosse Warten auf die FED <-, der genau das präzise thematisiert hat.

Letztlich befinden wir uns im DAX im reinen Kursverlauf (nicht in den wirtschaftlich/politischen Rahmenbedingungen) aber immer noch nur in einer groben Analogie zu 1998 oder 2011, wie ich das im Artikel -> Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015? <- dargestellt habe. In beiden Jahren, gab es im Verlauf den Retest des ersten Tiefs, das wir dieses Jahr am 24.08. hatten. Und wie wahrscheinlich dieser Retest immer war, habe ich dann erneut im Artikel -> Retest des Tiefs oder erneuter Rebound? <- erst vor knapp 2 Wochen heraus gestellt, als viele dachten, nun ginge es nach oben raus.

Was will ich Ihnen mit diesen diversen Verweisen sagen?

Dass der Markt sich bisher keineswegs ungewöhnlich verhält. Und auch nicht unberechenbar, lesen Sie einfach die drei Artikel oben noch einmal. Und trotz der Belastung durch das VW Desaster, das auf die ganze Autoindustrie ausstrahlt, bewegt sich der DAX immer noch in einem zu erwarteten Rahmen, wie schon oft nach so massiven Einschlägen.

Nein, die Entwicklung könnte zwar nun, muss aber auch keineswegs zwingend in ein negatives Extrem abgleiten, sondern das Szenario von "Mass und Mitte" hat immer noch hohe Relevanz. Und dieses Szenario geht eben schon seit Wochen von einem erneuten Retest des Tiefs aus, der dann aber in Form einer Art Doppelbodens eine belastbare Grundlage schafft, von der der Markt zum Jahresende durchaus wieder steigen kann:

DAX 22.09.15

Sicher springt die bärische Struktur des DAX im Sinne (2) nun geradezu ins Auge und auch dass der Bounce exakt am 38er Fibonacci Retracement mit Hoch am 09.09. wieder drehte, wirkt nicht gerade vertrauensfördernd.

Auch fundamental hat das Desaster um VW durchaus das Potential, auf die ganze deutsche Autoindustrie mit allen Zulieferern abzustrahlen und das wird dann alle deutschen Indizes massiv belasten. Und heute Nacht kam dann noch ein sehr schwacher Caixin PMI aus China herein, der nicht nur die asiatischen Märkte, sondern auch den DAX belasten wird.

Es gibt also viele gute Gründe nun bärisch zu sein und das Risko eines massiven Einbruches Richtung 8.500 ist real da. Aber diese bärische Struktur ist nun so offensichtlich und die Stimmung auch im Zuge des VW Desasters so schlecht und angeschlagen, dass die Frage berechtigt ist, ob etwas so Offensichtliches noch so einfach eintreten kann.

Im Moment wird in der allgemeinen "Düsternis" aber eher übersehen, dass schon kurz nach einem zweiten Tief, sich die bärische Struktur in einen aussichtsreichen Doppelboden wandeln könnte. Und so schnell, wie die auf solche Strukturen getrimmten Algos dann diesen potentiellen Doppelboden handeln werden, können wir als Menschen gar nicht "Papp" sagen.

Akzeptieren wir doch einfach, dass der Markt derzeit selber massiv unsicher ist und wir deswegen auch nicht sagen können, ob der Einbruch noch in eine zweite Phase tritt oder nun einen Doppelboden findet. Es ist vielmehr ein Zeichen der Reife, zu wissen, was man nicht weiss.

Wir brauchen es auch gar nicht wissen, weil diese Struktur macht es uns doch recht einfach. Wir müssen jetzt vor allem hinschauen, wie sich der DAX im Bereich der Tiefs verhält. Und dann handeln wir "einfach" das, was wir sehen.

Ich weiss, ich weiss, "einfach" ist das nicht wirklich, wir Menschen tun uns damit schwer und wollen immer schon vorher wissen, was passieren wird. Wenn wir aber die Bewegung handeln könnten, die sich real ergibt, könnten wir in beiden Fällen, bei (1) wie bei (2) etwas profitieren. Und eigentlich wünschen wir uns doch genau das, oder?

Wenn ja, warum schränken wir dann unsere Wahrnehmung mit Extremszenarien ein, die in unseren Köpfen nur einen hinderlichen Bias erzeugen? Bleiben wir doch einfach bei Mass und Mitte und dabei, dass die Zukunft erst noch geschrieben wird.

Dieser Markt ist nun wackelig und unsicher. Das ist Faktum. Und weil das so ist, ist er auch sehr gefährlich. Auch das ist Faktum.

Risiko generiert aber auch immer Chancen und heute um 15 Uhr redet mal wieder Mario Draghi, vielleicht genau dann, wenn der DAX sein Tief vom 24.08. testet - eine wahrlich interessante Ausgangslage.

Eine hohe Cashquote macht also seit letzten Mai jede Menge Sinn und tut es immer noch. Und wer nun diese hohe Cashquote hat, muss nun auch nicht raten und schwanken, sondern kann ruhig abwarten was passiert.

Denn "Hopium" und "Panik" sind nie gute Ratgeber, in der Ruhe liegt die Kraft.

Ihr Hari

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Wall of Worry – Der DAX und die Angst als Stabilisator

Der folgende Beitrag beruht auf zwei Hinweisen. die am gestrigen Mittwoch 27.05.15 Teil der täglichen Marktkommentierung in Hari Live waren

Aha! Das Marktsentiment aus Deutschland gab gestern mal wieder wichtige Indikationen:

Nun bestimmen die deutschen Anleger die Entwicklung im DAX nicht, dominant sind ausländische Investoren und dabei insbesondere US Investoren. Aber ein wichtiger Faktor ist dieses Sentiment schon.

Da die Umfrage gestern direkt nach dem Einbruch von Dienstag statt gefunden hat, sieht man darin die Reaktion auf die voran gegangenen Verluste. Und genau weil das so ist, sind die Risiken nach unten nun vielleicht geringer als es scheint.

Denn ein Markt in dem viele Angst haben, hat den Weg des geringsten Widerstands nicht nach unten, sondern eher nach oben.

Man nennt das auch eine "Wall of Worry" und genau so eine Situation haben wir in Europa. Es gibt tausend gute Gründe sich zu sorgen, aber die Politik der Notenbanken generiert eine Absicherung nach unten im Markt - auch Yellen/Draghi Put genannt. Und die vielen Sorgen wirken daher eher kurstreibend, weil die Mehrzahl der Marktteilnehmer schlicht unterinvestiert ist.

Befragen Sie doch auch mal ehrlich Ihre Emotionen:

Können Sie sich eine Seitwärts-Range über den Sommer vorstellen, so wie ich das unter anderem im Artikel -> Sell in May und der Supervulkan <- skizziert habe?
Sicher ja.

Können Sie sich einen Einbruch bis unter 10.000 im DAX vorstellen, weil ein übler, unkoordinierter Grexit mit massiven gegenseitigen Schuldzuweisungen abläuft und die Eurozone zu wackeln beginnt?
Sicher ja.

Können Sie sich von nun an einen ununterbrochenen Lauf bis 14.000 vorstellen?
Eher nein, oder? Und genau das ist der Punkt!

Es zeigt Ihnen erneut, wie wichtig und richtig eine gelassene Haltung zu den aktuellen Swings ist. Eine Haltung, die wir die letzten Tage im Premium-Bereich intensiv thematisiert haben.

Denn wenn wir auf die Entwicklung des Leitindex S&P500 im letzten halben Jahr schauen, sehen wir, was nun auch dem DAX "blühen" könnte:

S&P500 27.05.15

Wir sehen darin nach dem Ende des jeweiligen Aufwärtsschubs eine markante Gegenbewegung, die dann nach unten die Begrenzung darstellt. Und dann schwingt der Markt über Monate seitwärts, ohne wirklich nennenswerten Fortschritt zu machen. Nach unten geht aber auch nicht viel, was am Ende alle frustriert, die permanent nach der grossen Bewegung Ausschau halten.

Sicher, eine wie auch immer geartete, krisenhafte Entwicklung in der Eurozone, kann das alles auf den Kopf stellen. Da wir aber nicht in die Zukunft schauen können und keine Glaskugel haben, sollten wir uns an dem orientieren, was wirklich real da ist.

Lassen wir also doch einfach den Markt entscheiden und lassen uns nicht von jeder Eintages-Bewegung in Aufruhr versetzen. Im grossen, mittelfristigen Bild, sind die europäischen Märkte nun neutral bis leicht positiv zu sehen. Aber eben nicht stark negativ. Zumindest nicht bis jetzt.

Ich würde nun bestimmt nicht blind auf eine massive Rally im DAX setzen, die Erwartung einer volatilen Range in den kommenden Wochen, bei der am Ende trotzdem nicht viel heraus kommt, macht jede Menge Sinn.

Aber die Möglichkeit einer intensiven Sommerrally ist definitiv da und vielleicht grösser, als die Herde denkt. Und das Risiko eines starken Einbruches Richtung 10.000 und darunter ist definitiv auch da, aber vielleicht kleiner, als die Herde denkt.

Und genau das zeichnet eine Wall of Worry aus!

Ihr Hari

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S&P500 – Vom irgendwann kommenden Crash und der Mutter aller Trendkanäle

Der Crash kommt ? Irgendwann bestimmt. 😉

Mit dieser sarkastischen Feststellung, will ich meinen ersten Beitrag nach meinem Urlaub einleiten und mit Ihnen einen Blick auf den Leitindex S&P500 werfen.

Denn leider nützt es uns nichts zu wissen, dass der Crash irgendwann kommt, da der Zeitpunkt die entscheidende Frage ist. Und den Zeitpunkt kennt eben niemand, gerade nicht all die Crash-Gurus, die mit diversen Prognosen um Aufmerksamkeit heischen.

Deren System ist ebenso schlicht wie effektiv. Sie bedienen das ebenso menschliche, wie naive Bedürfnis, jemanden zu finden, der einem die Zukunft weissagt. Das System der Wahrsagerei hat schon vor hunderten Jahren auf den Rummelplätzen funktioniert, warum soll es nicht in der Gegenwart funktionieren ? Und wenn man die Bedürfnisse der Menschen bedient, kann man damit Aufmerksamkeit erreichen und so Umsatz machen - so funktioniert das.

Und so sagen all die selbsternannten Gurus im Kampf um Aufmerksamkeit allerlei voraus, was sie ebenso wenig wissen, wie der Rest der Menschheit. Für uns ist die einzig sinnvolle und depotschonende Art und Weise damit umzugehen aber, dieses mediale Rauschen auszuschalten und zu ignorieren. Wenn Sie eine Sache aus diesem Blog mitnehmen sollten, dann die Tatsache, dass konkrete Zukunfts-Prognosen an den Märkten Unfug sind. Das man aber trotzdem aktiv von den Märkten profitieren kann - das aber nur, in dem man konsequent den Signalen des Marktes folgt und nicht, in dem man klüger als der Markt sein will. Denn das sind wir in 99% der Fälle nicht. Markterfolg hat also damit zu tun, das wahrzunehmen was real passiert und seine Entscheidungen darauf zu basieren. Was man dagegen glaubt, was passieren wird oder sollte, ist eher wertlos.

Es gibt wohl kaum ein besseres Chart, um das klar zu machen, als das langfristige Chart des Aktien-Leitindex S&P500 seit 2011. Bestaunen Sie mit mir "die Mutter aller Trendkanäle" seit dem Doppelboden im Herbst 2011, der durch die Eurokrise geformt wurde:

S&P500 07.07.14

Und, waren Sie die ganze Zeit dabei ? Wenn man dieses Chart anschaut, sollte man ja meinen, es war leicht diese Bewegung mitzunehmen, die nicht weit von einer Verdoppelung! des weltweit grössten Aktienindex entfernt ist.

Leicht war es aber nicht, im Gegenteil! Es war sauschwer, denn andauernd wurde man mit Sorgen bombardiert und kamen berechtigte Zweifel auf, ob die Bewegung nachhaltig ist. Der Markt kletterte eine "Wall of Worry" und wir waren mittendrin. Hinterher ist immer gut "klugschnacken", mittendrin war es aber gar nicht einfach, immer voll mitzugehen und auch ich hatte Phasen, in denen ich vorsichtig wurde. Ich war aber immer mehr oder weniger stark dabei, gleichzeitig aber oft nach unten gut abgesichert.

"Dabei mit Reissleine" war sozusagen das Motto, mit dem ich die surveybuilder.info Mitglieder in den letzten 2 Jahren hier durch diese Bewegung begleitet habe. Und das ist auch für die Zukunft das richtige Motto - "kontrollierte Offensive" würde man das wohl im Fussball nennen. 🙂

Diese Vorsicht und die offenen Augen und Ohren für Gefahren sind auch richtig und sehr wichtig. Falsch ist es aber, sein Handeln am Markt direkt und unmittelbar nach diesen Ahnungen zu richten. Unser Handeln sollten wir nur nach dem richten, was real in der Price-Action sichtbar ist und nicht nach dem, was wir uns für die Zukunft einbilden.

Ich weiss es ist schwer, aber eine der Schlüsselfähigkeiten für Börsenerfolg ist, sich mit dem Unwissen über die Zukunft gelassen abzufinden und statt dessen alle Energie auf die richtige Interpretation der sichtbaren Signale der Gegenwart zu richten.

Wer das geschafft hat, hat diese eindrucksvolle Bewegung weitgehend mitgenommen, denn der Trend wurde nie gebrochen. Wer aber auf all die Einflüsterungen gehört hat und permanent den Markt in die Zukunft prognostizieren wollte, hat diese Bewegung garantiert weitgehend verpasst und noch schlimmer, sich teilweise dagegen gestellt. Und einige davon, haben daraus nichts gelernt und erfreuen sich auch heute noch an allerlei Weissagungen über den bald kommenden "grossen Crash". Irgendwann wird er ja auch mal kommen und dann kann man mit grossem Ego "siehste" sagen. Dumm nur, dass man vorher eine Verdoppelung des Depots verpasst hat, aber das sind ja Petitessen im Anblick der grossen Prognose. 😉

Was sagt uns dieses Chart also für die Gegenwart und die kommenden Sommermonate, wenn man die obigen Prinzipien konsequent anlegt ?

Erstens zeigt uns das Chart, dass der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten bisher ungebrochen ist und bis heute 07.07.14 nichts zwingend indiziert, dass wir hier und heute nun das Top sehen. Jetzt werden das einige wieder als Prognose lesen, weil sie diesen Reflex in Prognosen zu denken, so gewohnt sind. Aber nein, ich prognostiziere gar nichts, ist stelle nur den Zustand des Marktes am 07.07.14 fest. Es ist also durchaus möglich, dass der S&P500 bei ca. 2000 ein Top ausformt. Es ist gar nicht mal unwahrscheinlich.

Objektiv ernst nehmen können wir dieses Szenario aber erst dann, wenn der Index diesen Trendkanal nach unten verlässt. Und darauf blind spekulieren sollte man nicht, Sie sehen doch selbst, wie oft diese Spekulation in den letzten drei Jahren in die Hose gegangen ist, oder ? Aber schon klar, dieses Mal wird alles anders und dieses Mal sind wir klüger als der Markt. Wirklich ? 😉

Zweitens zeigt uns das Chart, dass sich der Index an der oberen Begrenzung des Trendkanals befindet und auch schon länger am oberen Rand des Bollinger Bandes. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr lange tragbar und eine Korrektur im Rahmen des Trendkanals - also bis ca. 1900 im S&P500 - hat in den kommenden Wochen gute Chancen.

Im ganz grossen Bild ist die Lage der Gegenwart also recht einfach: Nichts indiziert am 07.07.14 zwingend ein direkt bevorstehendes Ende der Rally an den Aktienmärkten. Gleichzeitig spricht viel dafür, dass man im S&P500 in den kommenden Wochen nun nach oben nicht mehr viel erwarten darf und eine Korrektur im bestehenden Aufwärtstrend gut denkbar ist. So schlicht und so klar ist die Lage.

Übrigens gilt die Aussage so nur für den S&P500, dem über 2000 temporär mal die Luft ausgehen sollte. Der DAX sieht für mich diesen Sommer interessanter aus, dazu aber im Premium-Bereich.

Und noch ein übrigens, denkbar ist auch ein Szenario, in dem es nun diesen Sommer trotzdem zu einer massiven Rally kommt. Der Liquiditätsdruck dafür ist da. Das sollten wir uns aber nicht wünschen, denn das hätte dann den Charakter einer Übertreibungsphase und die würde die Lage in den Herbst hinein wirklich explosiv machen. Wer also ein Interesse daran hat, dass dieser Trendkanal noch viele Monate weiter ruhig hochschiebt, dem ist nun mit einer Konsolidierung bzw kleinen Korrektur im S&P500 gut gedient.

So weit die aktuelle Lage. Wenn jetzt aber jemand denkt, um einem bösen Einbruch aus dem Weg gehen zu können, müsse man doch in die Zukunft schauen, kann ich nur widersprechen. Erinnern Sie sich doch bitte als Beispiel an den Sommer 2011, als die Eurokrise begann. Der DAX mäanderte lange zwischen 7000 und 7500 und dann kam diese eine Woche, in der der S&P500 im Zuge der Debt Limit Thematik einzubrechen begann. Der Einbruch war massiv und deutlich und zerschlug die damaligen technischen Unterstützungen. Es gab ein klares Exit-Signal, das man nur hätte beachten müssen, dann wäre man 80-90% der folgenden Abwärtsbewegung aus dem Weg gegangen.

Wenn man von einem harten Flash-Crash absieht - der als Restrisiko einfach ebenso stoisch ertragen werden muss, wie das Risiko, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt - dann wird auch der zukünftige "Crash" sich wieder durch klare technische Brüche ankündigen. Und wer diese respektiert, wird wieder dem grössten Teil der Abwärtsbewegung aus dem Weg gehen können. Wer aber permanent vorher klüger als der Markt sein will, wird auf dem Weg dahin viele Chancen verpassen.

Respektieren wir also diesen eindrucksvollen Trendkanal im S&P500 - solange er da ist. Solange ist der Trend unser Freund !

Ihr Hari

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