Der bestätigte Bärenmarkt

Erneut ein froher Tag …. für Shorties .... 😉

Ernsthaft, ich habe vor einer guten Woche, als der Bounce auf der Agenda stand gesagt, dass ich mit einer Wahrscheinlichkeit von 2:1 davon ausgehe, dass wir in einem Bärenmarkt sind. Und dass die Höhe und Stärke des Bounce uns sagen wird, ob das so ist oder nicht. Nun denn, schauen wir uns das mal im Licht der Entwicklungen bis heute Abend 21 Uhr an.

1. Der alles entscheidende S&P500 hat nach Lehrbuch den Bounce gemacht und gestern Nachmittag mit knapp 1210 ziemlich genau 50% des vorherigen Absturzes wieder zurück erobert. Perfekt, bis gestern Nachmittag, dann nahm die Wende ihren Lauf.

2. Der DAX müsste im Vergleich eigentlich gestern bei 6300-6400 gewesen sein. Das es ihm gestern gerade einmal gelungen ist die Nase über 6000 zu stecken ist nicht nur schlapp, sondern ein verheerendes Signal von Schwäche.

3. Der DAX hat zwar heute die 5500 fast wieder erreicht und man könnte das als erfolgreichen Test interpretieren, in Anbetracht der Leblosigkeit sagt das aber wenig aus. Denn die entscheidende Frage für die Märkte ist, ob der S&P500 die 1100 als Tiefstand halten kann. Davon ist der S&P aber noch gut 3% entfernt.

4. Es kann daher sehr gut sein, dass der DAX irgendwo im Nirgendwo zwischen 5000 und 5500 seinen Tiefstand findet und dreht. Aber nicht weil das irgend etwas als Marke zu bedeuten hat, sondern weil der S&P bei 1100 erneut nach oben gedreht hat. Wenn der S&P heute in der letzten Stunde weiter fällt, eröffnet der DAX morgen unter 5500, es sagt aber immer noch nichts endgültiges. Ein lebloses Subjekt ist als Indikator für Chartmarken wenig geeignet.

Fazit:

Vorsicht also mit den 5500 als DAX Marke. Ich messe dem wenig Aussagekraft zu.

Was den Bärenmarkt angeht, ist die Wahrscheinlichkeit mit der heutigen Price-Action im Markt auf 80% gestiegen. Um die letzten 20% auch noch vom Bärenmarkt zu überzeugen ist es nicht wichtig wo der DAX steht, sondern ob der S&P500 die 1100 halten kann.

Es sieht im Moment alles nach Bärenmarkt aus, aber es gibt eine Wildcard im Markt und das ist die FED und Jackson Hole nächsten Freitag. Auch 20% Wahrscheinlichkeit können eintreten. Ausserdem hat der Markt ja die perverse Logik, dass wenn die Konjunktur noch mieser aussieht, dass die Wahrscheinlichkeit einer neuen FED Intervention erhöht, ganz schlechte Konjunkturzahlen werden also in freudiger Erwartung wieder gut. Aber nur bis
nächsten Freitag, dann werden die Karten aufgedeckt. So oder so – möglicherweise mit bitterem Ende.

Wenn der S&P500 die 1100 durchschlägt ist die nächste Haltelinie erst wieder beim 2010er Tief von ca. 1020. Auf den DAX übersetzt und die immense Schwäche berücksichtig sind das dann 4500-4800. Hört sich übel an, ist es auch, aber ist alles andere als unwahrscheinlich im momentanen Umfeld. Um am meisten werden darunter wieder Banken, Autos, Konjunkturaktien leiden. Alle Augen also auf Jackson Hole.

Und wer sich das nicht vorstellen kann dem sei gesagt, bei solchen Bärenmärkten ist der schlimmste Absturz fast immer der zweite, nach dem Bounce nach dem ersten Absturz. Unserer erster Absturz war aber im Umfang schon tiefer und schneller als 2008.

Denken Sie mal darüber nach. Ich betone, ich weiss nicht ob das so kommt. Aber das Szenario ist nun im Bereich des sehr Möglichen und jeder der nicht komplett an der Seitenlinie steht tut gut daran sich Gedanken zu machen wie er damit umgehen würde. Und wer sich nicht sicher ist, dass er das aushält muss raus. Sofort und ohne zurück zu blicken. Die Angst einen möglichen Anstieg zu verpassen ist kein guter Ratgeber. Die selben Sätze habe ich hier schon bei DAX 6300 gesagt. Eine gefühlte Ewigkeit ist das her ….

Der schwache DAX

Die Schwäche der deutschen Börsen gegenüber den anderen Indizes, insbesondere gegenüber den US Indizes, ist augenfällig. Das geht eigentlich schon seit 2 Wochen so und hat sich auch gestern im Anstieg nicht geändert.

Das sagt uns, dass die (überwiegend ausländischen) Marktteilnehmer von einem Ende der exportgetriebenen Sonderkonjunktur in D ausgehen und daher die Luft aus diesen Werten lassen. Da eine derartig grundlegende Neupositionierung nie von heute auf morgen geschieht – immerhin haben genau diese Marktteilnehmer dem DAX über mehr als ein Jahr eine deutliche Überperformance beschert – wäre es unklug zu glauben, dass sich
diese Sicht schnell wieder ändert.

Um den Bounce zu spielen, der in den US gerade mustergültig läuft und den S&P wieder bis 1200 gebracht hat, sind also die deutschen Indizes der letzte Platz der Börsenwelt an dem man sein sollte. Denn bei S&P500 1200 müsste der DAX analog schon bei 6300-6500 sein.

Das ist ein sehr schlechtes Umfeld für Volkswagen und Co. Ich kann das auch in meinem Investmentdepot beobachten – während der DAX aktuell um 2,3% korrigiert, ist dieses Depot in dem ich alle konjunktur-sensiblen Werte seit Wochen konsequent vermeide heute nur 0,6% im Minus. Diese Divergenz ist augenfällig !

Für das Verhalten des DAX wenn dieser Bounce irgendwann ausläuft sind das schlechte Aussichten – DAX 5000 here we come .....

Historische Tage

Wow ! Was für ein Tag. Ein historischer Tag reiht sich gerade an den nächsten !

Mittags der harte Kampf um die letzte Unterstützungslinie bei DAX5500 und S&P1100. Wären wir dort massiv nach unten durchgefallen, hätte es den Markt wahrscheinlich zerlegt und erneut 8% nach unten gedrückt.

Dann, mit dem näherkommenden US Börsenstart kamen die Kaufprogramme und haben bis fast in den Schluss nicht nachgelassen und gepresst und gepresst. Die Bären sind panisch geflüchtet. Heraus kam eine 6-8% Intraday Bewegung nach oben und Schlussstände in beiden Indizes mit ca +4-5%. Das in den letzten 10 Minuten dann noch ein paar Gewinne mitgenommen wurde, ist in Anbetracht dieser Bewegung völlig normal. Wer traut sich dieser Tage auch schon, seine Gewinne dem Übernacht-Risiko auszusetzen.

Der Markt will aber nun einfach hoch, was in Anbetracht der historisch nach unten verzerrten Markttechnik wirklich kein Wunder ist und ich hier ja nun oft genug gesagt habe. Das sieht Morgen für den DAX gut aus.

Wenn – ja das wenn kennen wir ja schon – wenn nicht wieder aus dem europäischen
Finanzsystem oder der Politik neue Horrornachrichten kommen.

Denn eigentlich wären unsere Finanzgurus Junker und Baroso jetzt mal wieder an
der Reihe, irgend etwas blödsinniges zu faseln, dass die Märkte erneut in Aufruhr versetzt...

Aber bei aller Begeisterung bitte ich  nicht zu vergessen, falls wir in einem Bärenmarkt sind (was ich für wahrscheinlicher halte, als das wir wieder zu Höchstständen laufen) dann wird diese Rally irgendwann auslaufen und dann kommt das richtig dicke Ende. Dann wäre diese Rally der „Letzte Ausgang vor dem Tunnel“. Jeder möge den Chart von
2008 über seinen PC hängen um diese Möglichkeit nie zu vergessen !

Von wegen Debt Ceiling Panik

Ich glaube nicht, dass der Markt wg der Debt Ceiling Debatte so abgestürzt ist. Das Thema ist schon lange durch, der Markt schaut schon weiter in die Zukunft. Der Markt macht sich massive Sorgen um die weltweite Konjunktur. Nach schlechten Daten aus den USA, nervös machenden Nachrichten aus China, nach unten drehenden Indikatoren in
Deutschland und den nun anstehenden und nicht gerade Konjunktur fördernden Einsparungen in den USA gibt es allergrösste Sorge, dass die USA wieder in die nächste
Rezession abkippen und die Weltwirtschaft mit den USA.

Deshalb wird auch der DAX schon so brutal abverkauft, viel mehr als der S&P500, denn der DAX und MDAX würde unter einer abflauenden Weltkonkunktur am meisten leiden ! Gestern hatten wir im DAX intraday einen Verlust von nahezu 5%, das hatte schon Crash-Charakter ! Deshalb ist auch de Dollar relativ stark – flight to safety !

Der Markt schaut aktuell ganz panisch auf die Wirtschaftsdaten und die am Freitag anstehenden Arbeitsmarktdaten werden dabei wieder ein Katalysator sein. Für Freitag 14.30 Uhr kann sich schon jetzt jeder auf massive Volatilität einstellen.

Aufgrund der aktuell massiv überverkauften Lage kann man eigentlich von einer kleineren Rally heute oder Morgen ausgehen. Aber dann wird es wieder sehr spannend und der Freitag wird uns die Richtung der nächsten Wochen weisen. Wenn wir am Freitag abkippen und S&P500 1250 von oben durchschlagen, dann sind “all Long Bets off” und wir müssen uns auf harte Zeiten einstellen. Der DAX würde dann wieder die Zone
6300-6500 ins Visier nehmen, an der er lange von unten geknabbert hat und die
er auch während des Erdbebens von oben kurz touchierte. Wenn die Arbeitsmarktdaten dagegen positiv ausfallen, sind die Inkredenzien für eine Sommerrally da.

Harte Zeiten aber nur ein paar Wochen, bis dann Ben Bernanke im Herbst im Anblick der einbrechenden Kurse wieder QE3 (es wird so nicht heissen aber das gleiche sein) ankündigt. Wie ein Kokainsüchtiger wird der Markt sich das sofort die Nase hochziehen und ein paar Monate positiv lachend und angekifft durch die Gegend rennen. Einer
Jahresendrally steht dann nichts im Weg.