Vom Dabeibleiben und der Angst in uns

Im Juli 2013 habe ich -> von Untergangspropheten und Erfolg an den Finanzmärkten <- geschrieben und Sie haben es vielleicht nicht ernst genommen.

Im November 2013 habe ich dieses logarithmische Chart der letzten 100 Jahre gezeigt und gefragt, -> ob ein säkularer Bullenmarkt bevor steht <- und Sie haben es vielleicht ignoriert.

Dow Historisch

Im gleichen November 2013 habe ich -> vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt <- geschrieben und Sie wollten es vielleicht nicht hören, weil Ihnen die Warnungen der Crash-Propheten die Gedanken vernebelt haben.

Im Juli 2014 habe ich -> vom irgendwann kommenden Crash und der Mutter aller Trendkanäle <- gesprochen und Sie haben es vielleicht erneut nicht ernst genommen.

Im September 2014 habe ich über die Ursache dieser Realitätsverweigung geschrieben und bin in -> unsere Verlustangst und wie man dem Affen Zucker gibt <- zum Kern des Problems vorgestossen, das nämlich hinter unserer Stirnplatte hockt.

Ja und so ging es weiter, ich erspare Ihnen weitere Zitate. Im April 2016 habe ich dann in -> Aktien sind Teufelszeug und die Börse ist eine Zockerbude <- Ihre Ängste und Argumente direkt adressiert und zerlegt. Und Sie haben vielleicht weggeschaut, weil was nicht wahr sein darf, nicht wahr sein kann.

Ich habe Ihnen im August 2016 in den möglichen weiteren, sehr bullischen Verlauf gezeigt, der vom Chart her nun so eingetroffen ist und ich habe Sie im November 2016 als -> der typische Unterinvestierte <- direkt angesprochen.

Vielleicht hat das alles nichts genützt und wenn das der Fall war, halte ich Ihnen hier und heute noch einmal den Spiegel vor. Ich weiss dass das für das Ego schmerzhaft ist, Sie müssen sich schon entscheiden, ob Sie an der Börse Geld verdienen oder nur Ihr Ego pflegen wollen.

Schauen Sie mal auf den Leitindex S&P500 seit 2013:

Autsch! Der ist um 100% gestiegen! Heisst er müsste sich jetzt halbieren, um überhaupt wieder das 2013er Niveau zu erreichen. Was hat Ihnen die permanente Angst um eine 10% Korrektur also eingebracht? Geben Sie sich selber die Antwort.

Und Nein, das hat nichts damit zu tun, dass man hinterher klüger ist. Schauen Sie auf das ganz langfristige Chart oben des Dow Jones. Aktienmärkte steigen halt langfristig und das liegt an dem "Wunder" der Innovation und des freien Unternehmertums. Stagnation gibt es nur in Planwirtschaften. Sicher, wenn man nun noch Inflationsraten berücksichtigt, ist die Steigung nicht mehr so steil, vorhanden ist sie aber immer noch!

Und klar ist der Markt jetzt weit gelaufen und kann und wird in 2018 wohl mal wieder in eine schmerzhaftere Korrektur hinein rennen. vielleicht schon ab Morgen, vielleicht auch erst im Sommer. Aber das ändert nichts am langfristigen Trend und beantwortet auch nicht die Frage, ob wir nicht vielleicht erst noch einmal 10% steigen, bevor wir dann um 10% korrigieren.

Habe ich Sie jetzt endlich erwischt? Ignorieren Sie jetzt nicht mehr und schalten Sie nun mal endlich die Dauerbeschallung mit den ganzen Weltuntergangspropheten ab, denen es sowieso primär um Klicks geht?

Fein, dann sind Sie einen Schritt weiter. Stehen aber vor dem nächsten Abgrund, denn jetzt kommen die zu Ihnen, die Ihnen erklären, dass Sie ja einfach nur "Buy and Hold" machen müssten. Theoretisch ist das auch richtig, das Chart ganz oben beweist es. Und da wir gerade einen Jahresanfang haben, haben Sie einen "guten Vorsatz", nun werden Sie "langfristig investieren". Jaja. 😉

Sie sehen meinen Sarkasmus, denn es wird zu 99% *nicht* funktionieren. Weil das was Sie sich nun als guten Vorsatz zum Jahresstart vornehmen, werden Sie *garantiert nicht durchhalten*, wenn die Kurse in der nächsten Krise mal wieder um 50% fallen. Und das werden sie - irgendwann, vielleicht Morgen, vielleicht erst in 5 Jahren.

Dann wird Sie wieder die Angst packen, im wahrsten Sinne am Schlafittchen und die gleichen Mechanismen die Ihnen nun über Jahre Angst vor der Korrektur eingeflüstert haben, werden Sie dann mitten in der Krise innerlich zerreissen und Sie dazu zwingen, am Tiefpunkt zu verkaufen. Genau am Tiefpunkt, kurz bevor die Kurse wieder steigen!

Ich garantiere Ihnen das, weil unsere Psychologie eben ist, wie sie ist. Gute Vorsätze sind nette Theorie, in der Krise übernehmen archaische Reflexe unser Verhalten.

Dabei ist das "Dabeibleiben" die zentrale Fähigkeit, die jeder wirklich langfristige Investor braucht, das obige langfristige Chart beweist es erneut. Selbst der berühmte Trader Jesse Livermore hat mal gesagt:

„Es waren nie meine Gedanken, die mir viel Geld einbrachten. Es war immer mein Sitzenbleiben. Klar? Mein konsequentes Sitzenbleiben!“

Nur was nützt die Theorie, wenn man es dann unter Druck nicht kann? Wenig.

Weswegen Sie, nachdem Sie den ersten Schritt getan haben und nicht mehr gegen den Markt kämpfen, auch den zweiten Schritt tun müssen und sich eine bewusste Strategie für den Umgang mit der nächsten großen Krise im Vorfeld! überlegen müssen.

Eine sinnvolle Strategie ist zum Beispiel der kontrollierte Ausstieg und Wiedereinsteig nach festen Regel, wie zum Beispiel gleitenden Durchschnitten. Ich habe das Thema erst im September 2017 in -> Doch, Du wirst Angst haben! <-, ausführlich thematisiert. Man steigt dabei nicht dauerhaft aus, man steigt nur temporär aus, damit man langfrstig dabei bleiben kann und sich den massiven emotionalen Druck der großen Krisen erspart.

Aber was auch immer Ihre Strategie ist, setzen Sie *nicht* auf die Stärke ihrer guten Absichten, die werden in der Krise beiseite gewischt. Setzen Sie auf feste Regeln und Mechanismen, die Sie in der Krise einfach stur durchhalten.

Dabei gibt es unzählige Möglichkeiten, von einer oben genannten Strategie mit gleitenden Durchschnitten, bis zum sogenannten DGI (Dividend Growth Investing) Ansatz, der auch an der psychologischen Nahtstelle ansetzt und unsere Erfolgschancen in einer Krise verbessert. Bei all diesen Möglichkeiten, kann Ihnen dieser Blog und diese Community ein Guide sein.

Aber gut, wenn Sie das wieder ignorieren wollen, dann hören Sie weiter auf die, die Ihnen entweder den Weltuntergang weisssagen oder Ihnen erklären wollen, dass das alles ganz einfach sei mit dem "Dabeibleiben".

Nein, es ist verdammt schwer!. Irgendwann kommt eine neue Krise und dann werden unzählige gute Vorsätze fallen. Erfolgreich kann nur sein, wer bis dahin Gewinne gestapelt hat und dann eine Strategie besitzt, mit dem Druck der Krise umzugehen. Ich lade Sie ein, das mit uns gemeinsam zu durchleben.

Ihr Hari

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Siehste – vom *Müssen* des Marktes



Ich weiss, ich weiss. "Siehste" Beiträge mit dem langen, oberlehrerhaften Finger des Lehrer Lämpel sind nicht sehr beliebt. 😉

Aber ich versuche hier ja auch nicht Leser um jeden Preis mit Versprechungen des schnellen Geldes an Land zu ziehen, sondern wünsche mir Mitglieder, die aus eigenem Entschluss erkennen, dass sie ihre Herangehensweise an den Markt ändern müssen. Denn nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.

Und das heutige "Siehste" ist sehr wichtig, denn es zeigt Ihnen einen Kardinalfehler, der von sehr vielen Anlegern immer wieder gemacht wird. Immer wieder!

Denn wenn ein Markt steigt und steigt und neue Höchststände erklimmt, stellt man sich gerne emotional dagegen, ist skeptisch und bekommt warme Gefühle beim Lesen all der Crash-Propheten, die einem erzählen, dass dieser Markt ja "irrational" sei.

Warme Gefühle bekommt man wegen des eigenen Egos, denn wenn man nicht dabei ist und der Markt immer neue Gewinne generiert, setzt einen das ja unter Druck. Mit dem Bild des "irrationalen Marktes" kann man sich der wirklich wichtigen aber auch schmerzhaften Frage entziehen, ob man nicht vielleicht einen grossen Fehler gemacht hat. Auf die Argumente der Marktskeptiker zu hören, ist dann also nur eine fortgeschrittene Variante des beliebten "Wegschauens" und "Verdrängens", wenn einem die Wirklichkeit nicht gefällt.

Wer also in einem stark steigenden Markt nicht dabei ist, sucht gerne "Erleichterung" bei allen, die ihm Argumente liefern, warum die im Markt ja "Idioten" und "Lemminge" seien. Und wenn es viele von dieser Kategorie gibt - und das ist aktuell immer noch der Fall - muss ein Markt deshalb weiter steigen.

Genau deshalb habe ich Ihnen vor knapp 2 Wochen in -> Stärke gebiert Stärke <- geschrieben, dass ein starker Markt nicht einfach auf dem Fusse dreht, sondern eher weiter nach oben läuft.

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, die Akzeptanz dieser Wahrheit ist bei Ihnen im freien Bereich nur sehr gering ausgeprägt. 😉 Und nun sind zwei Wochen vergangen und der Markt ist weiter hoch gelaufen und ist immer noch überkauft. Aber jetzt *muss* er korrigieren, jetzt *muss* der Markt doch endlich mal drehen, so sagt Ihnen Ihr Ego heute.

*Muss* er? Die Wahrheit ist, der Markt *muss* gar nichts und in einem so starken Markt, ist eine Fortsetzung des Trends gut möglich.

Die gleichen Anleger aber, die so einen Markt für "irrational" halten und schon lange nicht mehr dabei sind, würden dann, wenn der Markt 20-30% korrigiert hat, zugreifen wollen. Weil dann sind viele gute Aktien ja "billig".

Sind Sie das? Schauen wir mal auf diese beiden Charts des DAX im Jahre 2011 und des S&P500 im Jahre 2008:

Da, wo ich in den Charts zum Zwecke der Erklärung den notwendigen Exit mit blauen Pfeilen markiert habe, dort wäre der Markt für diesen Typus Anleger - der sich klüger als der Markt wähnt - "billig" gewesen und Anleger hätten mit dem gleichen Argument zugegriffen, mit dem sie heute an der Seite stehen.

Nun gut, wenn ich Sie nicht überzeugen kann, dann machen Sie einfach weiter so. Pflegen Sie Ihr Ego, suhlen Sie sich im Gefühl zu den "Querdenkern" zu gehören, die die Irrationalität des Marktes als Einzige erkennen können. Glauben Sie einfach weiter klüger als der Markt zu sein. "Be my guest", ein Markt braucht diesen Typus Marktteilnehmer. 😉

Wenn Sie sich aber darüber erheben können, wenn Sie erkennen können, wie Ihr Ego auf Ihr Handeln einwirkt, dann wiederhole ich für Sie sechs Grundregeln:

(1) Stärke gebiert Stärke

(2) Schwäche gebiert Schwäche

(3) Ein Markt der neue Hochs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Topbildung zu entwickeln.

(4) Ein Markt der neue Tiefs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Bodenbildung zu entwickeln.

(5) Ein Markt der neue Hochs generiert, ist wenig anfällig für einen Crash

(6) Ein Markt der schon 20% verloren hat und weiter abwärts bröselt, ist sehr anfällig für einen Crash.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und irgendwann, wird es auch mal einen Crash direkt folgend auf neue Hochs geben. Falls heute Nacht ein Atomkrieg in Ostasien ausbrechen würde, würde das wohl so sein. Aber nach diesen Ausnahmen zu handeln macht keinen Sinn, das ist das unkontrollierbare Restrisiko des Lebens. Wir müssen am Markt nach dem handeln, was wahrscheinlich ist.

Nun alles klar? Wenn nein, kann ich Ihnen nicht helfen. Wenn ja, ist Ihre Aufgabe als Anleger, nach diesen Prinzipien zu handeln. Ihrem Depot wird es langfristig gut tun.

Ihr Hari

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Stärke gebiert Stärke



Ich habe eine Frage an Sie: Wann ist ein Markt anfälliger für einen Crash?

a) Wenn er sehr stark gestiegen und massiv nach oben überdehnt ist?
b) Wenn er schon zu fallen begonnen hat und die Fallgeschwindigkeit zunimmt?

Hmm? Ich sage Ihnen, wie die Mehrheit der normalen Anleger instinktiv agiert.

Im Fall a) trauen sie dem Markt nicht, sind entweder nicht dabei oder wollen sogar klüger sein und den Markt shorten.
Im Fall b) sehen sie dass Ihre Lieblingsaktien nun 20% billiger sind und denken daran nun zu kaufen.

Soweit das instinktive Verhalten des normalen Anlegers. Und wann ist ein Markt nun objektiv anfälliger für einen Crash?

Ganz eindeutig im Fall b), wir nennen das das "Brösel, Brösel, Brösel" Szenario, dem bald der Schritt über die Klippe folgen könnte. Grosse Topbildungen haben gerne solche Strukturen, bevor es richtig "über die Klippe" abwärts geht, auch 2008 gehörte dazu.

Ganz starke Märkte dagegen, die wie im Fall a) neue Hochs generieren, sind vielleicht mal für eine kleine Korrektur gut, aber nicht für einen Crash. Topbildungen brauchen einfach Zeit und passieren nicht "mir nichts dir nichts" aus dem Nichts!

So weit das Grundsätzliche. Nun schauen wir auf das Spezielle.

Hier haben wir den von gestern Abend nach Schluss der Wallstreet, der den internen Zustand des US Marktes basierend auf vielen technischen Parametern in einer einfachen Anzeige zusammen fast:

Wir haben also aktuell "Extreme Greed" - extreme Gier - sozusagen.

Der Markt ist also klar überdehnt und für eine Korrektur oder Konsolidierung überreif, die heute schon einsetzen könnte. Aber einen Crash und eine grundlegende Trendwende? Nein.

Stärke gebiert Stärke und damit ein Markt überhaupt so eine "Gier" entwickeln kann, muss er massive Treiber besitzen, die nicht einfach über Nacht weggehen. Damit so ein Baby nachhaltig dreht, braucht es Zeit und eine sich langsam ändernde Wahrnehmung der Marktteilnehmer. Alleine eine überraschende globale Katastrophe wie zum Beispiel ein Atomkrieg, könnte diesen zeitintensiven Prozess einfach so über Nacht ablaufen lassen und uns am nächsten Morgen mit einem Crash aufwachen lassen.

Stärke führt also in 9 Fällen zu weiterer Stärke und Stärke ist kein Grund sich dagegen zu stellen. Dass es auch einen Fall 10 gibt, in dem es dann völlig überraschend doch anders kommt, müssen wir einfach akzeptieren.

Lieber 9 mal richtig liegen und einmal falsch, sollte jeder vernünftige Mensch denken oder? Der Anleger, der klüger als der Markt sein will, neigt aber leider dazu, sich 9 mal dagegen zu stellen und wenn dann der Fall 10 eintritt, hat er die Nerven verloren und ist nicht mehr dabei, weil er statt die eigenen Fehler den "irrationalen Markt" zum Schuldigen erhoben hat.

Machen wir diesen Fehler nicht. Dieser aktuelle Markt ist extrem stark und gleichzeitig für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierungsphase nun überreif. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Korrektur aber mit Blick auf das Jahresende zum Jahresende wieder zu kaufen ist, ist auch sehr hoch. Topbildungen brauchen Zeit, wie haben derzeit nicht einmal den Ansatz einer Solchen!

Ihr Hari

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Doch! Du wirst Angst haben!




Der folgende Artikel ist in leicht abgewandelter Form schon im Februar 2017 im Premium-Bereich erschienen.

Gerade für unerfahrene Anleger mit kurzer Anlagehistorie, ist er aber von hoher Bedeutung!

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Wer schon länger hier mitliest weiss, das ich das Gerede vom jahrzentelangen, ruhigen Buy- and Hold-Akkumulieren, für das Gerede von Theoretikern halte, die noch nie selber einen echten Crash mit Verlusten bis zu 60-70% erlebt haben.

Ein gefährliches, unverantwortliches Gerede, das sich am Ende verheerend für die grosse Mehrheit aller Anleger auswirken wird. Diese Leute führen viele ihre Anhänger früher oder später in den Untergang. Und das gar nicht mal mit Absicht, die glauben ja selber daran, sondern rein aus Ignoranz, Selbstüberschätzung und Unwissenheit.

Dabei haben sie ja theoretisch recht. Wenn wir keine Menschen sondern Roboter wären, wenn wir keine Ängste kennen würden und auch kein Umfeld hätten, das auf uns Druck macht und keine Verantwortung für unsere Familie spüren würden, dann wäre Buy-and-Hold ohne jede Absicherungskomponente völlig richtig, solange man noch genügend Restlebenszeit hat um jedwede Baisse auszusitzen. Theoretisch ist das richtig.

Dummerweise sind wir aber Menschen. Dummerweise haben wir Familien, für die wir Verantwortung tragen. Und dummerweise ist unsere Lebens- und damit Wartezeit beschränkt.

Machen wir es mal konkret.

Nehmen wir mal an, wir waren klug, wir haben mit 25 Jahren schon angefangen im Aktienmarkt anzusparen. Wir haben jeden Monat jeden freien Euro in Qualitätsaktien angespart. Und da wir gut verdient haben und sich die Märkte im Schnitt gut entwickelt haben, ist daraus eine hohe sechsstellige Summe geworden. Fast unser ganzes freies Vermögen steckt darin.

Und wir haben in den 15 Jahren auch einige Korrekturen erlebt, die zwar schmerzhaft waren, aber wir haben das durchgestanden. Und immer sind die Märkte und unsere Aktien danach weiter gestiegen. Wir sind sehr selbstsicher und glauben an unsere Fähigkeit. Wir haben keine Angst. Wir doch nicht.

Und dann sind wir fast 40, haben eine junge Familie und planen mit unserem Partner den Kauf eines Hauses, das wir zum grossen Teil finanzieren wollen, um unser Geld im Markt weiter arbeiten zu lassen. Auch die Alteicherung wird ganz langsam zum Thema, die Mitte des Lebens ist da.

Immer noch ist unser Vermögen aber im Markt, wir haben das ja im Griff und mit knapp 40 hat man ja auch noch über 20 Jahre um jedwede Baisse auszusitzen. Wir haben das im Griff. Wir haben keine Angst.

  • Dann fängt der Markt an zu fallen. Eine schwere Krise ala Lehman braucht sich zusammen, das wissen wir aber zum dem Zeitpunkt noch nicht.
  • Der Markt fällt 20% und wir sind sicher und selbstbewusst.
  • Der Markt fällt 30% und wir spüren leichte Nervosität, aber wir haben ja keine Angst.
  • Der Markt fällt 40% und unser Partner fängt an kritische Fragen zu stellen und Druck auf uns zu machen. Wollen wir das neue Haus aufs Spiel setzen? Und unsere Altersicherung? Wir reden wortreich mit unserem Partner, aber wenn wir ehrlich sind, reden wir vor allem mit uns selber, um uns selber zu beruhigen. Wir fangen aber an, jeden Tag mehrmals auf die Kurse zu schauen, so als ob wir sie hochbeten könnten.
  • Der Markt ist 50% gefallen. Unser Partner macht uns Vorwürfe, wir sollten mal an unsere Kinder denken. Wir schlafen schlecht. Wenn wir aufwachen, gilt der erste Gedanke dem Markt. Der fällt aber.
  • Der Markt ist 60% gefallen. In den Medien ist Weltuntergang. Banken wackeln. Regierungschefs treten mit beruhigenden Worten vor die Kameras. Die Stimmung zu Hause ist mies, Vorwürfe liegen in der Luft, das Gefühl ein Versager zu sein kriecht in uns hoch.

In dem Moment, bricht unser Widerstand zusammen, wir machen einen innerlichen Sprung, befreien uns von dem Druck und verkaufen.

Und weil das so an uns nagt, weil es so schmerzt, wollen wir das verdrängen. Und schauen aus reinem Selbstschutz über Jahre nicht mehr auf die Börse. Und sind nicht mehr dabei, als der Markt bei 65% Minus dreht und im Folgejahr um 30% steigt.

Wir hatten eben doch Angst. Wir hätten besser auf die Filme unserer Jugend gehört. Erinnern Sie sich noch, wie in Star Wars - Das Imperium schlägt zurück der junge Luke auf Dagobah bei Yoda in der Hütte hockt? Wie er ihm in jugendlicher Selbstüberschätzung bezogen auf die bevorstehenden Herausforderungen sagt:

Ich habe keine Angst!

Und Yoda antwortet mit bedrohlicher Stimme:

Doch! Du wirst Angst haben! Du wirst Angst haben!

So wird es auch bei Ihnen als Anleger sein, wenn Sie mit viel Geld in so eine Situation geraten. Ich garantiere Ihnen das!

Sicher, es gibt ein paar Ausnahmen, die das vielleicht trotzdem durchhalten. Die können dann tatsächlich stures Buy-and-Hold über Jahrzehnte machen. Ausnahmen gibt es aber immer und die bestätigen nur die Regel.

Der obige Verlauf ist aber die wahre Geschichte der allermeisten Anleger, die ohne jedwede Strategie ein Vermögen am Aktienmarkt mit Buy and Hold ansparen wollen. Erklärt wird das auch von Michael Batnick, der hier in den Punkt sehr treffend macht.

Denken wir also an Yoda: Du wirst Angst haben! Du wirst Angst haben!

Es ist richtig, schon als junger Mensch langfristig am Aktienmarkt anzusparen.
Es ist richtig, das im Wesentlichen mit einem ruhigen Investmentansatz zu tun, mit dem man Qualitätswerte langsam akkumuliert.
Es ist richtig, erst einmal Ruhe zu bewahren und davon auszugehen, dass Korrekturen nur temporär sind.

Aber schreiben wir uns Eines hinter die Ohren:

Wir brauchen im Vorfeld eine klare und einfache Strategie, die uns *vor* den ganz schlimmen Einbrüchen aus dem Markt holt und *danach* wieder rein bringt. Oder eine Strategie, die uns zumindest in diesen schlimmen Phasen neutralisiert und den Druck auf uns verringert. Und wenn wir uns diese Strategie nicht im Vorfeld überlegt, genau definiert und auch mit unserem Partner besprochen haben, wird sie mitten im Gefecht nicht funktionieren.

Ob diese Strategie mit gleitenden Durchschnitten operiert, wie ich das hier in Artikeln als sehr einfache Lösung vorgeschlagen habe oder mit anderen Methoden ist sekundär, solange sie auch wirklich umgesetzt wird. Und erneut, es geht dabei nicht darum den Markt zu schlagen, es ist sogar hinzunehmen, dass man durch so eine Strategie ganz leicht schlechter als der Markt abschneidet.

Es geht darum, dauerhaft dabeizubleiben, in dem man temporär aussteigt.

Denn wer nicht gelernt hat temporär auszusteigen, wird nicht dauerhaft dabei bleiben können, wenn das Geld im Markt so viel geworden ist, dass es wirklich etwas bedeutet.

Ihr Hari

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Alles so ruhig hier?!

Die Ruhe, die der Markt an den Tag legt, ist einfach unwirklich. Sicher, es gab auch in der Vergangenheit sehr ruhige Phasen, in denen der Markt nur hochgeschoben hat. Die 90er Jahre mit der Friedensdividende nach dem Fall des eisernen Vorhangs, waren so ein Beispiel.

Aber dieses Mal ist es anders und extremer, schauen Sie mal in diesen Artikel und auf das Chart von LPL Financial:

Wir sehen darin den langfristigen Verlauf des SP500 und parallel die Tage mit weniger als 0,5% Bewegung hintereinander. Das Ergebnis ist beeindruckend, wir leben in einer historisch unvergleichlich ruhigen Phase an den Märkten und das gleichzeitig in einer Zeit voller massiver geopolitischer Risiken. Sehr merkwürdig.

Nun ist die Auswahl der Parameter auch ein wenig Zahlenspielerei um den Punkt heraus zu arbeiten, hätte man statt 0,5% das Doppelte genommen, wäre die Differenz der aktuellen Phase wohl nicht mehr so extrem gewesen. Der gemachte Punkt ist aber trotzdem valide, der Markt hat derzeit einen unwirklichen, artifiziellen Charakter. Dabei wäre eine echte Korrektur schon lange überfällig und auch aktuell kann man wieder denken, dass eine Korrektur sich nun mit einem "Doppeltop" im SP500 in Bewegung setzen könnte.

Und diese unwirkliche Ruhe hat Gründe, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, auch mit der Dominanz der passiven Investmentvehikel wie den ETFs und den Algos zu tun haben. Im Artikel -> Cyberdyne Systems und ob das noch ein menschlicher Markt nach alten Regeln ist <-, habe ich das hier schon thematisiert.

Und im Artikel bei Tichy habe ich den Zusammenhang heraus gearbeitet, insofern soll die Ursachensuche hier auch nicht mehr Thema sein.

Ich will statt dessen hier und heute eine Warnung aussprechen, die sich vor allem an die Vielzahl der Marktteilnehmer richtet, die deutlich weniger als 10 Jahre im Markt aktiv sind. Durch den Einfluss der Notenbanken, liegt eben der letzte grosse Einbruch nun 9 Jahre zurück und wer das nicht erlebt hat und insbesondere erst ab 2013 im Markt aktiv wurde, bildet sich nun wahrscheinlich ungeheuer viel auf seine Gewinne ein und geht auch fest davon aus, dass das immer so weiter geht.

Den Schmerz, den Druck, die Panik und die Verzweiflung, die ein Absturz von 60% auslöst, können diese Anleger sich gar nicht vorstellen, wie denn auch. Das sind theoretische Worte aus ferner Vergangenheit, ausgesprochen von "alten Säcken" wie mir.

Erfahrene Anleger dagegen, die das schon einmal erlebt haben, sind in so unwirklich ruhigen Phasen wie aktuell eher nervös. Das schafft auch eigene Probleme, weil man sie dann zu schnell und leicht von einem Crash-Propheten aus dem Konzept bringen lässt und zu früh verkauft. So laufen diese Anleger Gefahr, zu früh auszusteigen.

So werden die einen selbstgefällig in die nächste Krise rennen und zu spät aufwachen und die anderen sind zu früh nervös und verpassen grosse Teile eines Bullenmarktes.

Woran wir sehen, dass es für langfristig orientierte Anleger, die aktiver als stures "Buy and Hold" seien wollen, eine Grundregel gibt. Und das ist die konsequente Trendfolge, die hält einen nämlich bisher *im* Markt und das ist gut so.

Gleichzeitig aber die ebenso harte Disziplin, bei einem Trendbruch konsequent und ohne zu Zögern auszusteigen. Das verhindert nämlich, beim nächsten 60% Krisen-Event wieder bis ganz nach unten dabei zu sein und dann erst im Punkt des maximalen Schmerzes und der medialen Untergangsszenarien zu verkaufen.

*DAS* ist heute mal eine ganze einfache, fast triviale Wahrheit. Aber sie ist eminent wichtig.

Ihr Hari

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Der Crash kommt immer übermorgen

Da ist er wieder, der warnende Guru im Internet, der Ihnen drängend und natürlich ganz "kostenlos" nahelegt, nun Deckung zu suchen, weil der Crash ja kommt.

Dieser "Guru" ist Ihnen 2009 begegnet, dann 2010, dann 2011. Aber auch 2012, 2013, 2014 und nicht zuletzt 2015, 2016 und 2017. Und Sie ahnen es, er wird Ihnen auch 2018 begegnen, so lange, bis er irgendwann tatsächlich mal Recht hat. Denn wir wissen ja, dass auch ein Uhrzeiger zweimal am Tag "Recht" hat und ein Affe mit Dartpfeil ab und zu auch. 😉

Sie dürfen also gerne weiter all den Crash-Propheten und Zukunfts-Weissagern zuhören, die Ihnen "kostenlos" Ihre Dienste andienen und alles dafür tun, dass Sie sich dabei wohl fühlen. Die machen das natürlich nur, weil sie gute Menschen sind, die sie "kostenlos" von schlimmem Unheil abhalten wollen. Schon klar. 😉

Wenn Sie hier aber überhaupt mitlesen, wird Ihnen das mit den "Gurus" langsam komisch vorkommen. Sonst wären Sie gar nicht hier. Und deshalb will ich Ihnen zum Wochenende noch etwas Wichtiges mitgeben. Und da man die Wahrheit nicht immer neu erfinden muss, kopiere ich einfach einen Text hier herein, den ich Ihnen vor ca. 6 Wochen im kurzen aber prägnanten Artikel -> Meistgehasster Bullenmarkt <- geschrieben habe.

Bitte lesen Sie noch einmal, hier auf surveybuilder.info dürfen Sie gerne nachschauen, was vor Wochen, Monaten und Jahren geschrieben wurde. Ich stehe zu dem "Blödsinn", den ich jeden Tag "verzapfe". Auch ich irre mich in Sachen Markt manchmal und habe manchmal recht, letzteres aber öfter als der Uhrzeiger. 😉

20.03.2017

Sie glauben immer noch, dass man nur die Weltnachrichten verfolgen muss, sich dazu eine Meinung bilden und man dann antizipieren könnte, was die Börse machen wird?

Na gut, schauen wir uns mal die aktuelle Lage an:

  • Wir hatten ein eher desaströses Treffen Trump-Merkel, aus dem hervor ging, wie wenig die Beiden sich zu sagen haben.
  • Wir hatten ein G20 Treffen der Finanzminister, bei dem man sich noch nicht einmal darauf einigen konnte, sich gegen "Protektionismus" auszusprechen.
  • Wir haben massive, positive Erwartungen an Infrastruktur- und Steuer-Gesetze Trumps im Markt, die mit Sicherheit nicht alle gleichzeitig so wie erhofft Realität werden können.
  • Wir haben einen Markt nahe der Höchststände der massivst überkauft ist und nach einer überfälligen Korrektur schreit.
  • Wir haben diverse Marktinternas wie die Marktbreite, die klare Warnsignale senden.
  • Wir haben diverse Potentaten, die wahlweise mit Religions- oder Atomkriegen drohen.
  • Wir haben ........ Sie dürfen hier selber anfügen, Ihnen wird sicher allerlei einfallen.

All das ist die Realität um uns, auf der basierend sich am Markt Preise für Risikoassets wie Firmen entwickeln.

Mit Sicherheit dürfte im Angesicht dieser riskanten Kombination von hohen Kursen und hohen Risiken, auch meine Oma seelig eine Korrektur erwarten, die nun wahrlich keinerlei Zugang zur Börse hatte.

Diese kritische Lagebeurteilung ist also totaler Konsens und wer aktuell eine Korrektur erwartet, ist kein "Contrarian" sondern Teil einer riesigen, blökenden Herde.

Deshalb haben wir auch so eine vergleichsweise kritische und uneuphorische Stimmung im Markt, trotz Kursen nahe der Höchststände.

Und genau da liegt das Problem. Denn der Markt ist selbstreferentiell und was alle erwarten, ist schon in den Kursen und kann schwerlich zu einer Überraschung führen.

Genau das nennt man eine "Wall of Worry" und die klettern wir gerade. Wir haben wohl einen der meistgehassten Bullenmärkte der Geschichte vor uns.

Kluge Anleger respektieren das. Sie sind zwar vorsichtig und sichern sich nach unten ab, denn die Risiken sind immens. Sie stellen sich aber auch nicht gegen den Markt und diskutieren nicht mit ihm.

Ist das einfach? Nein bestimmt nicht. Aber es ist die Grundvoraussetzung, um am Markt erfolgreich zu sein. Denn wenn sich Geldanlagen zu wohlig anfühlen, kann an ihnen etwas nicht mehr stimmen. Das muss so sein, weil der Markt eben -> reflexiv <- ist.

Ob uns das gefällt ist ohne jede Relevanz. Es ist so und wir arrangieren uns besser damit, oder tragen die Konsequenzen im Depot.

Ihr Hari

Das war am 20.03.17, der DAX hatte da ein Hoch von 12.082. Heute steht er fast 600 Punkte höher. Und die "Korrektur" hatten wir sogar mitten drin, es war aber eher ein "Korrekturlein", so wie das zu erwarten ist, wenn ein Markt so stark ist.

Und wissen Sie was? Natürlich hätte es auch eine echte Korrektur geben können und auch am kommenden Montag kann die theoretisch einsetzen. Sie wissen ja, der Uhrzeiger. 😉

Dass wir nun 600 Punkte höher stehen und sich die Zeilen oben völlig bewahrheitet haben, war nie sicher. Wenn der kleine Kim seine atomaren Spielzeuge gezündet hätte, wären wir zum Beispiel nun tiefer, davon ist auszugehen.

Am Markt geht es eben immer nur um Wahrscheinlichkeiten und die sprechen in der Markttechnik zu uns. Sicherheiten gibt es nie, ausdrücklich *nie*. Diese Wahrscheinlichkeiten sind das Beste was wir haben und sie funktionieren recht gut. Warum also wollen wir darauf verzichten und weiter jedem Weltuntergangspropheten auf seinen Erregungs-Leim gehen?

Das frage ich Sie und wenn Sie sich das nun auch fragen, dann stellen Sie sich bitte noch eine wichtige Frage:

Dieser "Crash-Guru", dieser "Untergangsprophet", der Sie medial "ganz kostenlos" jedes Jahr mit seinen Warnungen penetriert, warum tut der das wohl? Weil er Sie altruistisch nur schützen will? Genau Sie?

Denken Sie mal darüber nach.

Ihr Hari

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Nostradamus lebt – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit über den Markt

Ich habe so einen ähnlichen Artikel schon einmal geschrieben, aber doppelt genäht hält besser. 😉

Betrachten wir doch mal "fundamental" und "objektiv" die Welt- und Marktlage:

  • Die Flüchtlingskrise wird wieder anschwellen und zu einer veritablen Staatskrise mit Unruhen führen. Check!
  • Früher oder später werden Atomwaffen in den Händen von Selbstmordattentätern sein. Check!
  • Wenn man der Hydra des Terrorismus einen Kopf abschlägt, wachsen sofort drei Neue nach. Check!
  • Der Westen hat seinen inneren Kompass verloren und verliert sich und die Werte der Freiheit, in kulturellem Relativismus. Check!
  • Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern. Check!
  • Das Brüsseler Europa der Beliebigkeit und des Konsens um jeden Preis, hat sich überdehnt und scheitert gerade. Check!
  • Der Brexit wird andere Länder dazu animieren auszutreten, wenn man sieht, dass die Briten vom Austritt profitieren. Check!
  • Der "Club Med" wird die EU zunehmend dominieren und sie zu einer Transferunion machen. Check!
  • Deutschland wird durch die weiche Währung langsam seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Check!
  • Weiterlesen ...Nostradamus lebt – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit über den Markt