(Zehn) Jahre zurück und die Lehren daraus

Vor genau 10 Jahren am 09.03.2009 wurde *das* Tief der Lehman-Krise markiert und von da an ging es nur noch markant hoch. Es ist immer wichtig sich zu erinnern, wie Dinge sich angefühlt haben und diese Erinnerung hat mir Josh Brown in diesem sehr lesenswerten Artikel abgenommen: .

Seitdem ist der S&P500 um 312% gestiegen, trotzdem haben nur die Wenigsten diesen Tiefpunkt damals wahrgenommen, weil der "Recency Bias" unserer "Affenhirne" uns eine objektive Betrachtung einer Situation deutlich erschwert. Nicht in dem Umfang, aber vom Charakter her, war auch letzte Weihnachten so ein Tag, an dem sich kaum jemand vorstellen konnte, dass genau dort der Tiefpunkt der Korrektur markiert werden würde.

Wichtig an Josh Browns Artikel ist auch, dass er uns daran erinnert, dass dieser Bullenmarkt bestenfalls 2013 begonnen hat, als sich der Markt aus dem von 2000 bis 2013 andauernden Bärenmarkt über die Hochs von 2000 und 2007 erhoben hat. Ich habe Ihnen das hier übrigens damals genau so dargestellt, als ich im November 2013 gefragt habe:

-> Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor? < -

Schauen Sie da noch einmal herein, es lohnt sich wirklich im Nachgang immer mal wieder alte Situationen zu betrachten, sich zu erinnern, wie man sich da gefühlt, wie andere argumentiert haben und was dann am Ende daraus geworden ist. Es war der folgende Punkt auf dem Zeitstrahl:

Diese Reflektion ist ein guter Schutz gegen Aufgeregtheiten in der Gegenwart und insbesondere gegen die klickorientierten Weltuntergangs-Propheten, die nach 2009 die Anleger mit ihren Weisssagen jahrelang davon abgehalten haben, das einzig Richtige zu tun und ein wahrscheinlich "Generational Low" im März 2009 zu kaufen.

Und weil es sich lohnt, möchte ich nun, dass Sie mit dem heutigen Blick und dem heutigen Wissen was dann kam, einen Artikel noch einmal lesen, den ich den Mitgliedern exakt im gleichen Zeitraum am 19.11.2013 geschrieben habe - ja 2013, mitten in der Rally aus der Eurokrise heraus, genau der Rally, die das Ende des seit 2000 andauernden Bärenmarktes begründete.

Klar, wer alles was einen Monat alt ist, schon für "überholt" hält und als moderner "Aktualitäts-Suchtie" nur vermeintlichen "Neuigkeiten" hinterher jagt, den wird das nicht interessieren. Das ist aber kein Problem, dieser Typus ist sowieso kein surveybuilder.info Leser. Die Aufmerksamkeitsspanne reicht heutzutage oft leider nicht über drei Absätze hinaus, dafür gibt es aber genügend Klicki-Bunti-Angebot auch ohne mich.

Denn auch heute werden wir doch wieder von den diversen Crash-Propheten penetriert, die ihr Geld mit dem wohligen Grusel vor dem Weltuntergang verdienen - Crash sells. Und auch heute erzählt uns eine Finanzindustrie, dass wir am Besten immer voll investiert in "gemanagten" Produkten sind - schon klar warum. Die Wahrheit und der optimale Weg für Ihr Depot, liegt wie immer zwischen diesen Extremen.

Wenn Sie die Wahrheit die in diesem Blick zurück steckt in sich aufnehmen und daraus Lehren ziehen, wird Ihr Depot davon mehr profitieren, als vom Studium von 10 Weissagungen der Jünger Nostradamus. Sie müssen es nur tun. Und nun zurück ins Jahr 2013.

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Derzeit erleben wir im Marktsentiment der Aktienmärkte so etwas wie eine "Kapitulation" der verbliebenen Bären und Skeptiker. Viele Marktteilnehmer haben seit 2009 nicht an diesen Markt geglaubt, standen mit ihrem Depot im Abseits und haben die Anstiege emotional bekämpft. Wir erleben einen der meist gehassten Bullenmärkte der Geschichte.

Und nun nähert sich das Jahresende, die Indizes sind auf historischen Höchstständen und es geht trotzdem einfach immer weiter aufwärts und aufwärts. Diverse Auswertungen der Sentimentdaten zeigen, dass das Bullenlager zuletzt drastisch gewachsen ist, die erwähnte Kapitulation der Bären scheint also nun im Gange.

Nun wissen erfahrene Leser, dass genau dieser Moment der Kapitulation der letzten Bären, mit erhöhten Risiken verbunden ist, denn er steht gerne am Ende einer Aufwärtsbewegung und nicht am Anfang. Und nach 5 Jahren des Anstiegs, wäre dafür ja auch mal langsam Zeit. Aber das ist so offensichtlich, dass es fast schon wieder unwahrscheinlich wird und darüber will ich heute auch gar nicht schreiben.

Ich will heute über die vergangenen 5 Jahre schreiben, in denen so viele, so immens viel von dieser sensationellen Aufwärtsbewegung verpasst haben. Und ich will aufzeigen, woran das liegt. Denn zu viele haben zu oft emotional gegen den Markt gekämpft.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie bitte mal zur Einstimmung die ehrlichen Gedanken und Gefühle vom jemandem, der nun seit mehr oder weniger 5 Jahren emotional gegen den Markt und die Notenbanken kämpft:

Das gibt Ihnen einen guten Eindruck davon, was in so Menschen aktuell vorgeht. Und ich habe es meinen Lesern schon oft gesagt und kann es nur wiederholen: vermeiden Sie unbedingt solche psychologischen Fallen! Trennen Sie unbedingt Ihre Sicht auf die Welt und Ihre Überzeugungen, von den Handlungen, mit denen Sie versuchen Ihr Depot zu füllen.

Sie wissen, wie kritisch ich vieles sehe, was da im Bereich der Notenbanken in der Gegenwart abgeht und das ich am Ende auch an ein „dickes Ende“ der Geschichte glaube. Vielleicht kommt ein Zeitpunkt, an dem wieder ein wütender Mob vor den Regierungs-Gebäuden und Notenbank-Kathedralen stehen wird und die Verantwortlichen lynchen will. Alles schon mal dagewesen und es gibt keine Sicherheit, dass es nicht wiederkommt. Und wenn dieser Moment kommt, werden Leute wie unser Autor oben dann völlig zu Recht "siehste" sagen. Nur wird sich auch dann die Masse nicht an die Warner der Gegenwart erinnern – bestenfalls in akademischen Zirkeln. Die Anführer des Mobs werden aber andere sein, Populisten die den neuen „Trend“ rechtzeitig erkannt haben und sich als Protagonisten an die Spitze setzen konnten. Populisten, die heute vielleicht eine ganz andere Sau durchs Dorf treiben.

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