Jahresanfang 2019 – historische Parallelen?

Der Markt konnte sich bisher selbst zu einer schwächlichen Jahresend-Rally nicht mehr aufraffen, was für diese Jahreszeit schon extrem ungewöhnlich ist.

Bis vor 2 Wochen war die Welt noch halbwegs in Ordnung und das Modell einer begrenzten Korrektur mit traditionell starkem Jahresende, bei der Mehrheit zurecht dominant. Erst der massive Absturz am Dienstag vor 2 Wochen, hat diese positive Interpretation negiert und die Stimmung allgemein massiv nach unten gedrückt.

In dieser nun laufenden KW51 besteht durchaus eine Chance auf Stärke, weil die FED am Mittwoch als Katalysator existiert und die Stimmung allgemein sehr negativ geworden ist. Wenn ein überverkaufter Marktzustand auf die FED trifft, schafft das in einem normalen Markt in der Regel eine positive Mischung.

Aber ist das noch ein "normaler" Markt? Und selbst wenn der S&P500 diese Woche doch noch zur Jahresende-Rally antritt und dem großen Einbruch noch einmal im letzten Moment von der Schippe springt, dürfte er zum Jahresende bestenfalls in der Range von 2.820 bis 2.600 bleiben, neue Hochs und ein Ende der Korrektur, sind für 2018 wohl eher vom Tisch.

Selbst aber wenn der Index nun noch einmal 10% korrigiert und in den Bereich von 2.400 eintritt, was nun sehr gut denkbär wäre, wäre der langfristige Aufwärtstrend noch intakt und das Geschehen müsste als üble, aber notwendige Bereinigung eines zu guten Jahres 2017 gewertet werden:

Wir alle würden gerne wissen, wie das in 2019 weiter geht, nur leider hat niemand eine Glaskugel, gerade die nicht, die am lautesten mit Prognosen um sich werfen.

Für 2018, waren die DAX-Prognosen der Analysten der Banken mal wieder völlig falsch, wie schon für 2017, warum bitte, soll man da für 2019 auch nur eine Sekunde darüber nachdenken?

Schauen Sie , kein Einziger der "Prognostiker" hat auch nur ansatzweise den aktuellen DAX-Stand auf dem Radar gehabt, alle waren zu optmistisch. Und waren alle zu pessimistisch, der DAX Stand Ende 2017 war 12.918.

Würde man eine Horde Affen mit Dartpfeilen auf ein Ziel mit Markierungen zwischen 10.000 und 15.000 werfen lassen, wäre die Trefferquote wahrscheinlich deutlich höher. 😛

Wir sehen was diese "Prognosen" sind, Fortschreibungen der Gegenwart, die kein Profi ernst nimmt. Diese werden nach meinem Eindruck geschrieben, um Otto Normalanlegers fatales Bedürfnis nach Führung zu befriedigen und sich als Bank ins Gespräch zu bringen. Auch außerhalb der Banken hatte kaum jemand diese massive Schwäche im Herbst auf dem Radar, auch ich in diesem Ausmass nicht. Aber ich behaupte auch nicht den Schlussstand des Folgejahres prognostizieren zu können, da liegt der Unterschied.

Aber, wir sind nicht völlig blind. Denn wenn man seine Zeit nicht mit solchen Prognosen vergeudet, sondern nach Mustern in der Marktmechanik sucht, wird man gerade um den Jahreswechsel fündig. Da gibt es viele Muster die immer wiederkehren, das "Window-Dressing" zum Jahresende ist dabei einer der bekanntesten Faktoren. Und von diesen Mustern kann man einiges ableiten.

2018 ist dabei besonders spannend, weil wir - wenn nicht noch ein Weihnachtswunder passiert - weit ab von den Höchstständen schliessen werden und die Jahresendrally bestenfalls schwach war und schlimmstenfalls ganz fehlte.

Was bedeutet das für den Jahresanfang?

Oft nichts Gutes. Bis zum Jahresende werden die Börsen oft noch zusammengehalten, weil sich die großen Markt-Elefanten ihre Jahresperformance - an der auch Boni hängen - nicht völlig versauen lassen wollen. Am Anfang des neuen Jahres, kann dann nach schwachen Jahren aber das Großreinemachen losgehen und Hedge-Funds werden liquidiert, die nicht performt haben.

Während nach starken Jahren der Jahresanfang also gerne Stärke bringt, weil jeder im Sinne "neues Spiel neues Glück" sich wieder einkaufen will, wird es nach schwachen Vorjahren und einem schwachen Jahresabschluss gerne gefährlich.

Sie wollen einen Beleg dafür? Nun schauen Sie auf die letzten 12 Jahre, da hatten wir fast immer ein starkes Jahresende und dann einen brauchbaren Start ins neue Jahr. Aber es gab zwei Jahre mit schwachem Jahresabschluss, als die Jahresendrally faktisch ausgefallen ist - wie möglicherweise 2018, noch hat das Jahr ja 2 Wochen um was gut zu machen.

Und das waren 2007 und 2015 und hier ist, was danach passierte:

Ich denke das ist eindrucksvoll und eindrücklich.

Gerade wenn jetzt mit der FED doch noch späte Stärke kommt, hätten wir eine Replik dieser Vorjahre, eine schwache Jahresendrally mit Risiko, dass es zum Jahresanfang richtig zu rappeln beginnt.

Und für dieses "Rappeln" gibt es auch objektive Gründe, es dürfte in diesem schwierigen Jahr einige institutionelle Anleger, insbesondere Hedge-Fonds, "erwischt" haben, die dann in 2019 abgewickelt werden und das ist selten gut für einen Markt.

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Kreditkrise 2015 in den Emerging Markets?

Der folgende Beitrag erschien schon Dienstag 09.12.14 08:55 in Hari Live

Es gibt ein paar Geschehnisse an den Märkten, bei denen kann man durchaus ein mieses Gefühl bekommen ......

Im Community-Forum wurde es schon anhand der ETFs JNK und HYLD erwähnt und ich will hier einmal den Gesamtkontext darstellen. Denn da könnte sich tatsächlich etwas zusammen brauen, was sich in 2015 dann entladen könnte: eine Kreditkrise in den Emerging Markets.

Denn durch den starken Dollar und den massiv fallenden Ölpreis, braut sich für einige Länder gerade ein perfekter Sturm zusammen.
gab es zuletzt einen Artikel, der die Zusammenhänge brauchbar darstellt, insofern muss ich das hier nicht selber tun.

Nun sind wir ja aber Fans davon, dem Markt zu folgen und nicht irgend welchen Berichten in Mainstream Medien, die typischerweise schon längst kalter Kaffee sind, wenn sie dann erscheinen. Schauen wir also mal, was surveybuilder.info und seine Price-Action dazu sagt.

Zunächst sehen wir am brasilianischen Aktienmarkt, dass ein fast perfektes "W" als Wendeformation - das normalerweise ein sehr starkes und belastbares Signal ist - ohne sichtbaren Anlass brutal zerlegt wurde und nun haben wir ein neues Verlaufstief. Das ist bedenklich:

EWZ 09.12.14

Wir sehen aber auch im übergeordneten weltweiten ETF der grossen Emerging Market Aktien EEM, dass auch hier eine valide Wendeformation kurz davor steht negiert zu werden. Hier besteht zwar noch Hoffnung, aber auch das ist sehr ungewöhnlich:

EEM 09.12.14

Und wir sehen im High Yield ETF JNK - der ein hervorragender Gratmesser für Stress im Kreditmarkt ist und den ich deshalb als "Junk-Indikator" benutze, dass dieser ein neues Verlaufstief generiert hat:

JNK 09.12.14

In Summe sendet die Price-Action also klare Signale, dass die oben verlinkte Story zu einer Kreditkrise in den Emerging Marktes - von medialen Übertreibungen abgesehen - durchaus Hand und Fuss hat.

Kann man daraus nun zwingend ableiten, dass diese Krise in 2015 so kommt?
Nein, denn letztlich hängt alles vom Dollar und vom Ölpreis ab.

Und ich habe den Mitgliedern ja zuletzt anhand des US Dollar Index mehrfach dargestellt, dass hier nun eine sehr gute Chance auf eine zumindest temporäre Wende besteht, die mit temporärer Dollar Schwäche einher geht. Hier ist das Chart erneut:

US Dollar Index

Und auch der Ölpreis ist so überdehnt, dass ein Snapper in die Gegenrichtung mehr als überfällig ist:

WTI 09.12.14

Insofern könnte dieser Artikel der Welt kurzfristig wieder den Punkt markieren, an dem eine Entwicklung im Mainstream ankommt und daher an den Börsen schon weitgehend verfrühstückt ist.

Trotzdem, nach einer recht wahrscheinlichen, temporären Gegenbewegung, bestehen im 2015 hinein gute Chancen, dass sich die Dollarstärke und die Ölpreisschwäche fortsetzt. Und dann spricht wirklich Einiges für eine Kreditkrise in einigen Emerging Marktes. Das Risiko ist also real und der Junk Indikator lügt hier nicht.

Ich sagte schon mehrfach im Mitglieder-Bereich, so sehr ich aktuell zum Jahresende mitnehme was geht, werde ich aber zum Jahreswechsel hin erst einmal abbauen und mit eher vorsichtiger Aufstellung in 2015 hinein gehen.

Denn die Erinnerung an den Jahreswechsel 2007/2008 sitzt mir noch im Nacken und ich sehe in Betrachtung des grossen Bildes keinen Grund, zu optimistisch und vor allem blauäugig in 2015 zu gehen - der Markt darf mich dann ja gerne vom Gegenteil überzeugen.

Und Börse - wie Geschichte - wiederholt sich zwar nicht, sie reimt sich aber manchmal. Deshalb hier das Chart des Jahreswechsels 2007/2008 zur Erbauung: 😉

S&P500 2007

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