Marktupdate – 23.10.12 – DAX, S&P500, Gold, Silber, Salzgitter, Peabody

09:30 Uhr

Heute morgen möchte ich mit Ihnen einen gedanklichen Flug über wesentliche Aspekte des Marktes vollziehen.

(1) Die Indizes: DAX und S&P 500

Gestern Abend haben es die Bären erneut versäumt, eine grosse Chance zu nutzen. Die Stärke der letzten Stunde an der Wallstreet zeigt, wie schwach das Bärenlager ist und das "Big Money" eher auch auf steigende Kurse zum Jahresende setzt.

Heute haben die Bären durch den POMO Sell Operation Tag über 8 Milliarden USD eine weitere Chance. Die Schwäche nach Handelseröffnung in Europa indiziert, das heute der finale und entscheidende Versuch laufen wird, die Märkte nach unten zu drücken. Die Folgen die eine Bewegung unter 1425 im S&P500 hätte, habe ich ja in den letzten Artikeln ausführlich dargelegt. Selbst ein Taucher unter 7000 wäre beim DAX dann nicht ausgeschlossen und das -> hier <- beschriebene Szenario des Weges des maximalen Schmerzes wäre voll aktiv.

Wenn die Bären diese Gelegenheit allerdings erneut nicht nutzen können, sinken ihre Chancen in Folge wohl rapide. Denn erstens ist am Mittwoch wieder grosser Notenbanken-Tag mit FED-Sitzung und Reden von EZB-Chef Draghi. Und auch wenn von den Notenbanken keine Überraschungen zu erwarten sind, dürfte es auch keine negativen Überraschungen geben, sondern eher Bestätigung und Beruhigung.

Zweitens tendieren die Märkte dazu, wenn eine wichtige Barriere wie S&P500 1425 nicht fällt, dann irgendwann an das andere Ende des Gummibandes zu laufen. Wir konnte das ja erst letzte Woche beobachten, als die Indizes es nicht zu Höchstständen schafften. Die Konsequenz war der Freitag, der uns im S&P500 wieder an die untere Unterstützung heran führte.

Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass der Markt auch noch später in der Woche dann eine überraschende Bewegung durch den Widerstand nach unten macht. Möglich ist immer alles. Aber wir reden hier ja über Wahrscheinlichkeiten. Und die sinken mit jedem Tag, den die Bären die Chance nicht ergreifen können.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang zu beobachten, wie der DAX am Freitag und Montag durch relative Stärke glänzte und heute dagegen den Absturz der US Indizes nachzuholen scheint. Ich habe aber nach wie vor den Eindruck, dass wer eine mögliche Rally zum Jahresende maximal ausschöpfen will, nun in den europäischen Aktienmärkten investiert sein sollte. Europas Märkte haben wahrscheinlich kurzfrstig mehr Luft nach oben als die US Indizes.

(2) Gold und Silber

Sollte Gold heute über 1730 USD schwingen, hätte das Edelmetall ein SwingLow vollzogen und damit das Ende der Korrekturbewegung eingeläutet. Allerdings gebe ich dem Szenario eines finalen Tauchers unter 1700 USD nach wie vor höhere Chancen. Danach erwarte ich aber eine attraktive Long-Chance ins Jahresende, denn ich rechne mit mittelfristig höheren Notierungen in den Edelmetallen.

Besonders gilt das nach wie vor für die Minen. Die Stärke die sich in einzelnen Werten wie Kinross Gold (WKN A0DM94) oder Hecla Mining (WKN 854693), ebenso wie in den grossen ETFs wie dem GDX zeigt, ist beeindruckend. Und spricht dafür, dass beim nächsten Anstieg der Edelmetalle hier erhebliche Kurschancen liegen. Da der Einstiegspunkt nach meiner Erwartung nicht mehr weit entfernt ist, bin ich schon im Prozess meine Positionen wieder aufzubauen, die ich Ende September taktisch abgebaut habe.

(3) Stahl am Beispiel Salzgitter

Der Stahlsektor ist in Bewegung geraten, was man beispielhaft am Chart der Salzgitter Aktie (WKN 620200) nachvollziehen kann. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart:

Klar sichtbar ist, das eine Trendwende vollzogen wurde. Deutlich markiert durch immer höhere Tiefs und höhere Hochs. Sichtbar ist auch, wie wir am 38er Fibonacci Retracement das erste Mal drehten. Auch jetzt sieht es so aus, als ob wir dort erneut abprallen, was neue Risiken aufbeschwören würde, weil wir kein neues Hoch schaffen. Allerdings war die Stärke bei Salzgitter selbst heute Morgen zu spüren. Das wir dort wieder drehen erscheint mir heute eher am sehr schwachen Markt zu liegen, ansonsten wäre der Kurs wahrscheinlich schon Richtung 200-Tage-Linie unterwegs.

Alles in allem halte ich es für wahrscheinlich, das der Aufwärtstrend weiter Bestand hat. Bei Salzgitter kann man das auch relativ gelassen aussitzen, da das Unternehmen - im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern - eine sehr starke Bilanz besitzt.

(4) Kohle am Beispiel Peabody Energy

Vielleicht erinnern Sie sich an das Chart zu Peabody Energy (WKN 675266) -> hier <- vor erst fünf Tagen. Was seit dem passiert ist, bestätigt die Trendwende bei Kohle eindrucksvoll. Sehen Sie selbst, wenn Sie erneut auf das Tageschart von Peabody schauen:

Das ist eine klassische Umkehrformation nach Lehrbuch ! Achten Sie auch auf das hohe Volumen, nach dem gestrigen Ausblick des Managements. Normal wäre jetzt eine Konsolidierung herab zur 200-Tage-Linie. Dann ist es aber wahrscheinlich, dass der Titel die Aufwärtsbewegung weiter fortführt.

Das ich hier beispielhaft für Kohleaktien Peabody zeige, liegt daran, dass es im Sektor der solideste Titel ist. Peabody hat selbst in der Krise immer Gewinne geschrieben und erlaubt daher eher eine ruhige Spekulation, als aggressive Titel, wie einige Anleger ja erst vor Kurzem bei Patriot Coal schmerzhaft erleben mussten.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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12 Gedanken zu “Marktupdate – 23.10.12 – DAX, S&P500, Gold, Silber, Salzgitter, Peabody

  1. Lieber Hari, deine live tips sind eine wunderbare einrichtung und – gerade in der augenblicklichen situation – gar nicht hoch genug zu schätzen. Ein wunsch: es wäre schön, wenn du gelegentlich einrichten könntest, dass man auf die vorherigen tips zurückblättern kann. Oder dass mindestens alles vom tage stehn bleibt. Das meine ich nicht, damit man nicht eingetretene wahrscheinlichkeiten gegen dich verwenden könnte, das würde sich doch niemand wagen, sondern um an tagen wie heute (neuester live-eintrag um 14:45, ältester 14:18) zu sehen, ob man zuvor etwas wichtiges verpasst hat.

  2. Hallo Harrygo, das mit dem Blättern geht mit dem eingesetzen Tool leider nicht. Und ich will bei Standardtools bleiben und nicht mit Individualprogrammierung beginnen, da das den Aufwand unsinnig hoch treiben würde.

    Ich habe aber für Dich mal für ein paar Stunden die Tips auf 10 angezeigte hochgeschraubt, Du siehst nun also was vorher lag.

    Grundsätzlich verfahre ich mit den Live-Tips nach den folgenden Guidelines:

    1. Es werden 5-10 angezeigt. Die Begrenzung muss sein, da so eine Website nur begrenzten Platz im “Eyecatcher”-Bereich hat und ich nicht will, das die Kommentare zu weit nach unten rutschen.
    2. Tips des aktuellen Tages werden frühestens am Folgetag nicht mehr angezeigt. Die Tips eines Tages hast Du also IMMER alle Online. Genau so entsteht es auch, das mehr als 5 angezeigt werden, wenn ich an dem Tag eben mehr schreibe.
    3. Das die Tips im Laufe der Zeit verschwinden ist gewollt. Ich will hier keine einmaligen Vorbeiklicker, sondern eine treue Leserschaft aufbauen, die regelmässig in den Blog schaut und idealerweise schreibt. Dabei hilft der Gedanke, einmal pro Tag reinschauen zu müssen um nichts zu verpassen.

    Du kannst diese Strategie von mir auch daran erkennen, das ich bisher wenig mit Keyword-Spamming in den Headlines operiere, ich bin an den gedankenlosen Vorbeiklickern nicht interessiert. Heute habe ich es testweise mal wieder gemacht. Wenn ich aber tausende Aufrufe will, muss ich unbedingt “Commerzbank” in den Titel schreiben. ;-p

    Gruss, Hari

  3. Ja gut – alles bestens, danke für die erläuterung. Hatte nur nicht im blick, dass du alles tägliche stehn lässt. Und deshalb den kleinen schreck, mir könnte was wichtiges entgangen sein. Natürlich schaue ich täglich (möglichst mehrmals) auf deine seite, sie ist mittlerweilen unter allem was ich verfolge meine wichtigste anregungsquelle.

  4. Hallo Hari,
    auch ich gehöre seit einiger Zeit zu Deinen regelmäßigen Lesern, und nicht nur Vorbeiklickern. Ich lese Deinen Blog fast täglich mit großem Gewinn, d. h. ich versuche Deine Aussagen bspw. zu einzelnen Chartmustern immer auch nachzuvollziehen und hoffe auf diese Art und Weise mein noch rudimentär vorhandenes Börsenwissen langsam zu erweitern. Herzlichen Dank für Deine gehaltvollen Artikel und ein großes Lob!

  5. Hallo Anna, herzlich willkommen im Blog und schön, dass Du Dich vorstellst. Und habe keine Scheu Dich zu beteiligen, ich habe ein Herz für Anfänger und gebe gerne Auskunft, gerade auch was grundsätzliche Verständnisfragen angeht, für die man sich nur dann schämen sollte, wenn man sie NICHT stellt. 😉

    Nur bei lernresistenten Lesern, werde ich irgendwann schweigsam, aber das dauert. 😉

  6. Hallo Hari,
    Ich finde es sehr gut das Du auf nachhaltige Leserschaft setzt und nicht auf kurzfristige Masse…eine Frage habe ich bzgl. Kloeckner: der Kurs hat letzte Woche an dem Tag vor dem Ausbruch richtig rumgezappelt und ist innerhalb kürzester Zeit zw 7,20 und 7,30 hin und her ohne news um dann am Folgetag nach oben auszubrechen ohne news. Ist das Gezappel ein Indiz für einen Ausbruch? Der Sektor scheint den Wert schließlich mitgenommen zu haben- es schien mir wie ein an der Leine zappelndes Raubtier was endlich los durfte…
    Viele Grüße John

  7. Kann sein John Doo, das wäre aber Spekulation. Ich versuche mich an das zu halten, was mir der Kurs sagt. Und der zeigt zwar minimal höhere Tiefs seit Juli, gleichzeitig aber auch eine potentielle SKS Formation mit linker Schulter August und Kopf September, wenn Du auf das Tageschart schaust. Insofern ist die Markttechnik von Klöckner einfach unklar und ich habe gelernt dann nicht zu raten.

    Zumal die Angst etwas zu verpassen sowieso verfehlt ist. Nehmen wir mal an Du wartest bis Klöckner das Hoch von September bei 8,85€ nimmt und damit die potentielle SKS invalidiert. Was hast Du dann gegenüber heute verloren ? Ca. 1,3€ pro Aktie. Das Potential nach oben ist aber immer noch 10x so gross. Sind diese 10% des Potentials dann nicht die gewonnene Sicherheit wert ? Für mich schon.

    Wenn Du mich aus einer fundamentalen Sicht fragst, betrachte ich das Downside bei Klöckner aber eher als begrenzt. Nehmen wir mal an die SKS würde sich bilden, dann liegt der Measured Move bei ca. 5,2-5,5€, je nachdem wo sich die Nackenlinie endgültig ausbildet. Witzigerweise war das 2009er Tief bei 5,57€. Das erscheint mit also als ein sinnvolles Target für das Worst Case Szenario.

    Du siehst, welche sinnvollen Überlegungen man mit dem Tageschart anstellen kann, ohne irgendwelche Oszillatoren, Fibos etc einzusetzen, wenn man einfach nur ein gutes Charttool mit guter Kursversorgung hat. Mach es einfach nach, es ist gar nicht schwer. Und auch wenn es keine Sicherheiten verschafft, ist so eine Sicht allemal besser als raten. 🙂

  8. @ Hari, darf ich mal wegen der evtl. Doppelspitze bei Linde nachfragen. Gibt es da Erfahrungswerte, wie tief der Kurs zurückgeht wenn es denn eine Doppelspitze geworden ist? Sehe ich das richtig, dass sich bei BASF auch eine Doppelspitze andeutet. Und auch SAP sieht nicht besonders erfreulich im Chart aus.

    Es sieht ja wirklich so aus, dass Dein “Sonntags-Szenario” eintrifft. In diesem Zusammenhang noch eine Frage: Wartet man mit dem Kauf bzw Rückkauf dann bis der MACD wieder ein Kaufsignal liefert oder läuft man dann Gefahr, die ersten 5-10% zu verpassen, um dann letztendlich wieder dort einzusteigen, wo man jetzt bzw. vor Kurzem ausgestiegen ist.

    Sorry, dass es heute so viele Fragen wurden.

    Liebe Grüße
    Johann

  9. Vielen Dank Hari für Deine ausführliche Erklärung. Ich muss mich mal nach einem besseren charttool umsehen. Beste Grüße John

  10. @ Johann, nein leider keine verlässlichen Erfahrungswerte. Die 200-Tage-Linie bei ca. 125,5 oder das nächste Fibo-RT bei 126,4 könnten jeweils vernünftige Ziele bei Linde sein. Grundsätzlich sehe ich nichts an der Story bei Linde was gebrochen wäre. Insofern ist dieser Rücksetzer mit guter Wahrscheinlichkeit eine Kaufgelegenheit. Ich verlasse mich bei solche starken Aktien dann eher auf die Oszillatoren. BASF habe ich mir nicht angeschaut und SAP ist für mich nach wie vor klar ein mittelfristiges LONG, temporär merkwürdiger Chart hin oder her.

    Das ist auch die Antwort auf die generelle Frage. Den Wendepunkt vorher zu erahnen ist nicht möglich. Der MACD ist mir dafür zu langsam. Mein Strategie lautet also, Einstieg wenn die Oszillatoren “kauf mich” schreien UND ich Signale wie Buying on Weekness von Big Money bekomme UND ideal Dollar und Gold im Vorfeld schon drehen. Wenn diese Parameter zusammen kommen, habe ich gute Wahrscheinlichkeiten auf meiner Seite. Dann rein, sofort nach unten (unter den Tiefs) absichern und einfach abwarten.

  11. Schon beängstigend, wenn ich mir überlege dass ich vor gar nicht allzu langer Zeit auch so agiert habe. Irgendwo muss man aber anfangen um sich ein Bild zu machen. Wie Hari richtig schreibt ist der Weg den jeder kennt nicht der Weg der alle reich macht. 😉

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