Marktupdate – 14.10.12 – DAX & Co.: Vom Weg des maximalen Schmerzes

14:30

Am heutigen Sonntag Nachmittag möchte ich ein paar Gedanken über die kommende Börsenphase mit Ihnen teilen.

Das der Markt sich derzeit in einem Patt zwischen Bullen und Bären befindet, haben wir hier ausreichend thematisiert und ist offensichtlich.

Das nach Auflösung eines derartigen Patts sich meistens eine dynamische, volatile Bewegung anschliesst, ist statistisch wahrscheinlich und bei regelmässigen Lesern von surveybuilder.info.de bekannt.

Nur wie wird es konkret weiter gehen ? Das ist wohl die 100-Millionen-Dollar Frage.

Sehr kurzfristig, sollten wir dabei zwei Faktoren nicht übersehen:

Erstens hatten wir am Freitag einen signifikanten "Buying on Weekness" Tag für den SPY (=S&P500). Und übrigens auch einen für den íShares MSCI Brazil. Diese Indikatoren sind nicht perfekt als Voraussage, liefern aber statistisch doch ganz gute Ergebnisse, wann Big Money seinen Fuss in den Markt stellt. Möglicherweise spielt bei Big Money auch ein Rolle, dass wir am Montag und Dienstag in Summe zusammen ca. 10 Milliarden POMO Buy Operations der FED im Markt haben. Die Chance auf einen erneuten Bounce ist definitiv da.

Es könnte also gut sein, dass wir Anfang dieser Woche noch einmal ein oder zwei starke Tage erleben. Zur Vorsicht gemahnt dabei aber der gewaltige "Selling on Strength" Print bei Apple am Freitag. Damit drückt Big Money ganz klar aus, dass die Schwäche von Apple vielleicht noch nicht vorbei ist. Und mit Schwäche bei Apple, kann der NASDAQ nicht stark sein.

Die generellen Faktoren, die zum Jahresende für höhere Kurse sprechen sind weiter aktiv, ebenso wie die Verunsicherung, die bis Anfang November von der Präsidentschaftswahl in den USA ausgehen wird. In Summe bleibt uns also nichts weiter als abzuwarten und uns eine Strategie für die verschiedenen Szenarien zurecht zu legen.

In solchen Situationen hat es sich für mich bewährt, mir den "Weg des maximalen Schmerzes" zu vergegenwärtigen.

Also die Marktbewegungen, mit denen die wenigsten rechnen und die das Maximum an Marktteilnehmern auf dem falschen Fuss erwischen würden. Denn gerade weil niemand so positioniert ist, haben diese Bewegungen die fiese Eigenschaft besonders gerne einzutreffen. Vielleicht erinnern Sie sich ja auch noch, dass ich im Juli einen starken Anstieg im 3. Quartal als Weg des maximalen Schmerzes skizziert hatte, eben weil sich das damals nahezu niemand vorstellen konnte. Wir wissen ja nun, was passiert ist. 😉

Hier ist also, was ich dem fiesen und hinterhältigen Mr. Market durchaus zutraue. Stellen Sie sich vor:

.... wir würden Anfang dieser Woche dynamisch hoch laufen und im DAX wieder an 7400 knabbern, so dass alle Bullen denken das war es jetzt mit der Korrektur und die Bären ihre Shorts schliessen um dem Markt hinterher zu hechten. Dann, gegen Ende der Woche kippt der Markt ohne neue Höchststände zu erreichen. Der DAX fällt in 2-3 blutigen Tagen bis knapp unter 7000, der S&P500 unter 1400.

Das Heulen und Zähneklappern würde gross sein. Die Bullen wären in neuen, gerade eingegangen Positionen gefangen und sofort unter Wasser. Das schlimmste was einem passieren kann. Die Bären würde sich die Haare raufen, dass sie kurz bevor der Markt dann wirklich fällt, aufgegeben und ihre Shorts glatt gestellt haben. Und die Medien würden von Analysen überquellen, dass das nun definitiv eine Topbildung sei und Kursziele irgendwo zwischen 6400 und 6700 ausrufen.

Die Bären würde in diesem Moment also bei ihren Shorts nachlegen und die Bullen würden anfangen die Verluste zu realisieren und auszusteigen.

In dem Moment, in dem sich alle sicher sind, dass wir das Top des Jahres 2012 schon gesehen haben und es nun nach unten geht - In dem Moment wo der DAX unter 7000 schaut, in ca. 1-2 Wochen also - beginnt der Markt dann nach oben zu drehen. 🙂 Er steigt dynamisch, erreicht neue Jahres-Höchststände und schiebt und schiebt gnadenlos weiter bis zum Jahresende, das wir mit historischen Höchstständen bei 8500 im DAX und 1600 im S&P500 erreichen.

So würde es Mr. Market schaffen alle - Bullen wie Bären - abzuwerfen und zu zwingen in der entscheidenden Phase den Kursen verzweifelt hinterher zu hechten, was genau die Dynamik der dann folgenden Aufwärtsbewegung begründet.

Nettes Szenario oder ? Und definitiv aktuell der Weg des maximalen Schmerzes.

Für neue Leser muss ich nun den Disclaimer einfügen: das ist keine Prognose meinerseits ! Im Gegenteil, exakt genau so wird es wohl kaum kommen. Und trotzdem macht es jede Menge Sinn, sich dieses Szenario in einer gedanklichen Übung mal ernsthaft zu vergegenwärtigen.

Denn das Szenario macht uns die Volatilität bewusst, die möglicherweise vor uns liegt. Und es erlaubt uns, uns innerlich darauf vorzubereiten. Denn es ist einer der bekanntesten Fehler von Anlegern, dass sie gerade nach längeren Phasen der Bewegung in eine Richtung, die Fähigkeit von Mr. Market zu wilden Swings (die Volatilität) massiv unterschätzen.

Denken Sie also mal intensiv über das Szenario nach und wie Sie mit Ihrem Depot damit umgehen würden. Wenn Sie dafür - für den Weg des maximalen Schmerzes - eine sinnvolle Strategie haben, dann können Sie die Entwicklung der börslichen Herbststürme ziemlich gelassen beobachten.

Denn dann wissen Sie: Sie werden nicht in Panik verfallen, wie so viele andere ! Sie werden sich von Mr. Market nicht emotional hin und her werfen lassen ! Und Sie werden nicht genau im falschen, emotionalen Moment auf den Kauf- bzw Verkaufsknopf drücken ! Denn Sie haben eine Strategie, der Sie gelassen folgen werden.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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19 Gedanken zu “Marktupdate – 14.10.12 – DAX & Co.: Vom Weg des maximalen Schmerzes

  1. Für mich wäre der Weg des maximalen Schmerzes
    der wenn wir bis kurz vor Jahresende noch Rumgeiere hätten
    mit fakes nach Oben und Unten, die kein klares setup bieten und alle
    ständig aus den Positionen drückt.
    Wenn dann gegen Ende des Jahres die bisherigen Jahreshochs rausgenommen
    werde und immer mehr von Jahresendralley
    geredet wird säuft der Markt nochmal schön ab.
    Das wäre für mich zumindest nervigsten.

    Wird aber so wohl laum eintreten. In fast 80% aller
    Jahre in denen die Indizes bis September so deutlich
    angestiegen sind wie dieses Jahr gab es bis zum Jahresende
    im Schnitt nochmal ein paar Prozent oben drauf.
    Ich glaube auch dass sich die big boys Ihre Perfomance
    in diesem Sahenjahr nicht mehr kaputt machen lassen,
    deswegen kann Ich mir Haris Szenario gut vorstellen.

  2. Ich kann mir auch die von Lightblue aufgezeigte Seitwärtsbewegung sehr gut vorstellen, auch wenn ich das nicht wirklich schlimm fände. Denn in Anbetracht der momentanen fundamentalen Lage der Unternehmen und im Angesicht der zukünftigen Risiken/Ungewissheiten (Euro, Fiscal Cliff usw.) ist doch das aktuelle Kursniveau einigermaßen “vernünftig”, warum muss man da jetzt großartig nach oben oder unten?
    Da bleibt nur die Frage offen, ob Mr.Market tatsächlich vernünftig ist oder überhaupt sein will ?
    Denn wenn ein Großteil der Marktteilnehmer etwas hasst (ob bewusst oder nicht) dann niedrige Volatilität. Seien es Algos, Händler, Broker, Trader, Fondsmanager (die den Einstieg verpasst haben) oder die Börsenbetreiber, alle profitieren (meistens) von hoher Volatilität würde ich meinen!
    Also wohl doch keine langfristige (und vor allem “unvolatile”) Seitwärtsbewegung 😉

    @Hari, denkst du wirklich, dass das von dir aufgezeigte Szenario noch vor der Präsidentschaftswahl stattfinden könnte? Ich denke, dass es durchaus “wahrscheinlich” ist, dass vorher nicht mehr viel passiert oder wie siehst du das? Aber klar, vorbereitet zu sein kann nie schaden 🙂

  3. @felix, ja, ich kann mir das Szenario gut vor der Wahl vorstellen. Aber wie gesagt, es ist keine Prognose, sondern ein reines Gedankenexperiment um sich auf grössere Vola einzustellen und einen Schlachtplan dafür zu entwickeln.

    Anders herum wird ein Schuh daraus, Ihr die Ihr von niedriger Vola ausgeht, schreibt die aktuelle Lage fort. Das ist auch OK und kann so eintreffen. Wenn Ihr aber für den Fall dass es anders kommt keine Strategie habt, dann wäre das ein Fehler. Denn dann ist man erst einmal paralysiert.

    Dieses gedankliche Aufrütteln will ich mit dem Vola-Szenario erreichen, denn wir haben uns nun seit 3 Monaten an niedrige Vola gewöhnt und das zeigt schon Folgen in den Erwartungen. Und darum geht es, nicht “Off Guard” von Mr. Market erwischt zu werden, wenn man gedanklich gerade die Hosen runter gelassen hat. 😉

  4. Ich gehe aus den oben genannten Gründen nicht von niedriger Vola aus, aber unabhängig davon glaube ich, dass die Auswahl der richtigen Anlage bzw. Aktie wieder wichtiger wird als in den letzten Monaten. Wie siehst du, bzw. auch die anderen in der Community, das?

  5. Dazu eine Anmerkung von mir, also die niedrige Vola ist etwas, was wir JETZT haben. Nirgendwo steht geschrieben, daß die so tief bleiben muß.

    Der Punkt, wie gesagt ist nur, wenn man meint, die Aufwärtsbewegung sei jetzt am Ende, so müßte dies im Allgemeinen mit einer deutlichen Zunahme der Vola einhergehen. Dies ist aber nicht annähernd der Fall. Das ist aber etwas anderes als die Situation, daß die Vola aufgrund der Unsicherheit über die erwartete Marktentwicklung deutlich zunimmt. Dies muß nicht zwangsläufig eine Wende bedeuten. Die Kurse können sich durchaus seitwärts unter erhöhter Volatilität bewegen, was ein gar nicht unwahrscheinliches Szenario ist. Es gibt ein paar Grundtatsachen, die in den Kursen stecken, die in ihren Auswirkungen ziemlich mächtig sind ,die niemand dauerhaft ignorieren kann, aber die täglich anders gewichtet werden. Vielleicht sollte man sich darüber auch nicht zu viele Gedanken machen.

  6. Das mit Anfangs der Woche hoch laufen und dann im Wochenverlauf wieder runter kann ich mir auch gut vorstellen. Denn diese Countertrendbewegung am Anfang der Woche begleitet uns nun schon seit Monaten, warum sollte das nicht auch mit umgedrehten Vorzeichen funktionieren. Auf Tageskerzenbasis gilt ja, early money = dumb money, ich denke das kann man in aehnlicher Form auch auf Wochenkerzen anwenden. Naja, am Ende kommt eh alles anders als man denkt und dann hab ich es wieder schwarz auf weiss wer hier mal wieder der Dumme war 😉

  7. Hi Hari, ich würde gerne mal deine Einschätzung zu Leoni hören. Bist du dort überhaupt noch investiert? Der Titel ist mal wieder sehr schwach und seit Monaten mein Sorgenkind im Depot. Bald könnte ich bei knapp unter 28 € ausgestoppt werden…

  8. @Dan, ich habe mich nach dem Anstieg bis über 33€ Mitte September ausstoppen lassen und bin mehr oder weniger +/- Null raus.

    Was den Chart bei Leoni angeht, könnte der doch deutlicher nicht sein. Schau auf den Tageschart und Du siehst eine Unterstützung bei 28€ wie sie deutlicher kaum sein kann.

    Raten macht also keinen Sinn. Sich vorher zu positionieren auch nicht. Wenn die Unterstützung hält, hält sie und wir laufen wieder hoch. Wenn nicht haben wir jede Menge Fallhöhe.

  9. Hallo zusammen,
    ich musste heute etwas schmunzeln, als ich die Überschrift “DAX: Indikatoren weisen auf Topbildung hin” sah.
    Man vergleiche mit dem Text oben.

  10. Hallo Spicy, erst einmal willkommen im Blog !

    Worauf bezieht sich Dein Kommentar ? Auf welchen Artikel wo ? Du hast keine Referenz in Deinem Kommentar.

  11. @Hari: danke fuer das Willkommen erstmal.
    Zum Thema: Sorry, ich wollte auf Nummer sicher gehen und war mir nicht sicher, ob ich das verlinken darf, daher habe ich nur die Ueberschrift zitiert.
    In Zusammenhang mit Deinem Satz “Und die Medien würden von Analysen überquellen, dass das nun definitiv eine Topbildung sei” bezog sich mein Kommentar hierauf:
    Ueberquellen ist das zwar noch nicht, dafuer steht das Schlagwort in der Ueberschrift.

  12. Danke Spicy,

    richtig lustig finde ich in dem Zusammenhang den Deppermann mit seinen 40-Jahres-Zyklen und dem Schlussfolgerung dass nun ein Baisse ansteht, weil es 1932 und 1972 auch eine gab. Ich erwähnte ja erst vor Kurzem das Gekröse von Fröschen, da wird man bestimmt auch mit Parallelen fündig. 😉

    Achja und Schlussfolgerungen auf 2014! kann er anhand der aktuellen Chartlage offensichtlich auch ziehen. Echt toll der gute Mann, da fragt man sich doch warum er bei der BHF abhängig arbeitet und die Bank nicht gleich mit seinem Vermögen kauft. Denn unermesslicher Reichtum ist bei so Prognosefähigkeiten doch geradezu zwangsläufig. 😉

    Schon lustig was sich in dem Thema alles tummelt und kein Wunder, das Charttechnik teilweise einen schlechten Ruf hat.

  13. Das kann schon deswegen nicht sein, weil es 1982 eine Hausse gab und 1993 und 2003 auch, hallo?

    Im Grunde ist die Idee mit den Zyklen gar nicht so abwegig, nur leider halten die sich nicht an einen Fahrplan wie bei Zügen. Und nicht mal die tun’s… ;-).

  14. @ Tokay, das mit den Zyklen funktioniert tatsächlich. Gerade zum Beispiel Gold schwingt da recht regelmässig. Das ist ein ganz spannendes Thema. Und ich berüchsichtige diese Theorie auch bei meinen Einschätzungen bei Gold.

    ABER:

    Wie bei allen Dingen, funktionieren auch Zyklen eben nicht exakt, wie Du richtig anmerkst. Die Zeiträume fluktuieren um grobe Richtwerte, manchmal verkürzen oder verlängern sie sich aufgrund anderer Parameter (wie Notenbanken oder Kriegen), oder oder. Auch Zyklen sind einfach nur EIN Faktor in einer komplexen Gleichung und fügen Wahrscheinlichkeiten hinzu und keine Sicherheiten.

    Deshalb zeigt der gute Mann mit seinen fixen 40-Jahres-Zyklen wieder nur, warum diese Themen so in Verruf sind. Weil sie falsch interpretiert, überbewertet und dogmatisch zum alleine selig machenden erhoben werden. Und weil es Laien von aussen schwer fällt, die seriös damit umgehenden und daraus echten Vorteil ziehenden, von den Alchimisten und Stammeszauberern mit ihrem Frosch-Gekröse zu unterscheiden. 😉

    Vermeintlich ist es ja auch so einfach ein Markttechniker zu sein, man male zwei Linien in ein Chart und schon ist man es. ;-p

  15. Stimmt, Hari, auch ich glaube daran, daß es Zyklen gibt. Es muß ja welche geben, denn es gibt ja auch einen Konjunkturzyklus. Und wenn die Gewinne mit dem Konjunkturzyklus schwanken, dann ist folglich auch diese Bewegung zyklisch. Gäbe es nur diese Größe und sonst gar keine, dann wäre der Aktienmarkt in der Tat “in sich schwingend”.

    Aber es gibt Schwankungen an den Anleihemärkten, an den Rohstoffmärkten, bei Öl vor allem, es gibt politisch bedingte Schwankungen, und nicht zuletzt oder auch vor allem gibt es Schwankungen in den Erwartungen, die sich in den Risikoeinschätzungen manifestieren. Diese Schwankungen sind ihrerseits nichts fixes, sondern in Richtung und Intensität sehr wechselhaft. Die Annahme von 40-Jahres-Zyklen ist daher aberwitzig. Auch muss man sich, wie so oft, die Frage stellen, war es Koinzidenz oder Kausalität? Oder anderes ausgedrückt: Kriegen die Leute auf dem Land mehr Kinder, weil es da mehr Störche gibt? Oder fühlen sich Störche und Menschen auf dem Land gleichermaßen wohl und letztere kriegen deswegen mehr Kinder als die Städter? Gar nicht so einfach.. ;-).

    Zum Chart mit den zwei Linien: Nicht der Markttechniker ist es, der die Linien zeichnet, sondern Mr. Market himself.. 😉

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