Marktupdate – 12.10.12 – Das Patt zwischen Bullen und Bären bleibt bestehen.

08:45 Uhr

Ein paar Worte zum Markt vor der Handelseröffnung in Europa.

Das Patt zwischen Bullen und Bären bleibt offensichtlich bestehen. Der aus Sicht der Markttechnik zu erwartende Bounce kam gestern, er wurde aber zu schnell wieder abverkauft.

Das ist eindeutig eine Änderung im Charakter des Marktes gegenüber dem 3. Quartal, in dem ein derartiger Setup immer zu einer nachhaltigen Rally und einem positiven Trendtag geführt hätte. Umgedreht haben aber auch die Bären (bisher) nicht genügend Kraft um den Markt wirklich über die Klippe in den Abgrund zu stürzen. Auch heute Morgen halten wir uns im DAX-Future deutlich über 7200.

Insofern bleibt es bei dem Gestern gesagten. Ich habe mir für beide Szenarien eine Strategie zurecht gelegt, die ich dann umsetze. An dieser Stelle ist die Energie viel sinnvoller eingesetzt, als darüber zu grübeln in welche Richtung Mr. Market als nächstes ausschlägt, selbst wenn ich nach wie vor der bullischen Auflösung eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit gebe.

Denn es wäre nicht untypisch, dass wir nach einem ersten Anstieg noch einmal zurück fallen um die Tiefs der Konsolidierung zu testen. Und alle Argumente die zum Jahresende einen eher bullischen Verlauf indizieren, bleiben bestehen. Solange, bis sie durch eine eindeutige Bewegung von Mr. Market nach unten invalidiert werden. Und dann sollte man schnell an der Seitenlinie sein, womit wir wieder bei der Strategie für diese Eventualität sind !

Bermerkenswert war gestern der Kohlesektor. Wir haben in den letzten Monaten wirklich schon viele Rallys gesehen, die dann wieder abverkauft wurden. Aber 4 Tage deutlicher Anstieg hintereinander, der dann gestern zum Beispiel bei Arch Coal (WKN 908011) mit einem Anstieg von 16%!!! getoppt wurde, das haben wir in diesem Jahr noch nicht gesehen.

Deswegen erscheint es mir sinnvoll, den Anstieg mal in die grössere Perspektive zu rücken. Ich habe Ihnen den Tageschart von Arch Coal seit 2010 mitgebracht. Sehen und staunen Sie:

Sie sehen, dass die 16% Anstieg von gestern im grösseren Bild fast völlig verschwinden. Sie sehen auch, dass wir noch keine bestätigte Umkehrformation haben ! Deutlich ist aber auch, dass für einen Ausbruch nur noch ein starker Tag fehlt. Und das wir nun zwei höhere Tiefs hintereinander nach dem Tief im Juli hatten.

Klar ist aber auch, dass der Anstieg des US Natural Gas Futures mit Erwartungen einer grossen Kälteperiode zu tun hat. Sollte erneut ein milder Winter kommen, dürfte auch US Gas wieder zurück fallen und Kohle gleich hinterher, denn das prinzipielle Problem der Überkapazitäten wurde zwar verringert, ist aber nicht verschwunden.

Insofern sollte man den Sektor in meinen Augen intensiv beobachten und er bietet nun vielleicht auch ein paar spannende Long-Trades mit erheblichem Potential. Für Entwarnung ist aber (noch) kein Anlass und wenn man in dem Sektor unterwegs ist, dann nur eng abgesichert.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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10 Gedanken zu “Marktupdate – 12.10.12 – Das Patt zwischen Bullen und Bären bleibt bestehen.

  1. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Kohlemienenaktien auch mal ohne News innerhalb von 3 Tagen um 10-15% abstürzen. In der Kohleindustrie unterscheidet man außerdem zwischen thermal coal metallurgical coal. Ersteres profitiert von anziehenden Gaspreisen und zweiteres von einer Erholung der Stahlindustrie, wobei Unternehmen wie Peabody und Consol Energy (thermal coal) weniger stark schwanken als im Vergleich zu Arch und Alpha Coal (metallurgical coal).

  2. Ja Crunchyroll, die Preise von Iron Ore (für Stahlproduktion) steigen derzeit auch. Das kombiniert mit NatGas macht den aktuellen Effekt aus. Sollte die Stahlindustrie wieder zu laufen beginnen, dürfte der ganze Kohlesektor profitieren. Schwerindustrie wie Stahl sowie die Energieerzeuger sind die Hauptkunden der Kohleförderer. Insofern ist Kohle (auch) ein Hebel auf die US Schwerindustrie.

    Was in der Form nicht ganz richtig ist, ist dass die Unternehmen eindeutig der einen oder anderen Seite zuzuordnen sind. Auch die Unterscheidung zwischem Metallurgical und Thermal Coal hat primär mit dem Einsatzzweck zu tun, obwohl es ohne Frage auch beim Produkt (genauer gesagt der Produktion) Unterschiede gibt. Eine ganz gute Gegenüberstellung findet sich hier: .

    Deshalb profitieren die Kohleförderer, egal mit welchem Kundenschwerpunkt, alle von hohen Gaspreisen und alle von einer besseren Konjunktur mit brummender Schwerindustrie. Nur das Ausmass wie die Unternehmen profitieren, hat mit den Schwerpunkten bei der aktuellen Kundenstruktur zu tun, die sich aber ändern kann.

    Denn am Ende ist Kohle ein Gut, bei dem man aus Sicht der Kunden recht schnell die Lieferanten substituieren kann, einen echten USP hat da niemand. Was wiederum einen massiven Preis- und Wettbewerbsdruck impliziert, den wir ja gerade in den Kurse der Aktien erleben.

  3. Jep, da stimme ich dir voll zu. Mit meiner kleinen Schilderung wollte ich darauf aufmerksam machen, dass es Unterschiede in der Kohleindustrie gibt. Interessant finde ich, wie sich die Kohle- und Solarwerte nach dem letzten Rededuell zwischen Romney und Obama entwicklt haben.

  4. Hallo Hari, ich bin ja nicht gerade der Chartgott, deshalb kann die Frage auch doof sein, aber wenn ich mir den S+P seit Mitte 2011 anschaue, glaube ich einen Bärenkeil zu sehen.
    Beim DAX seit 2007 glaube ich Ähnliches zu erkennen, wenn auch wegen des sehr langen Zeitraumes nicht so deutlich, allerdings macht die mögliche Bildung eines Dreifachhochs seit 2007 die Sache auch nicht viel besser.

  5. @ jabal

    dann schau dir mal den S&P zwischen Anfang 2003 und Mitte 2005 (sieht mMn so aus wie die letzten 3 Jahre) an und was dann in der zweiten hälfte 2005 passiert is…

    und zum dax: schließen sich ein bärenkeil und ein tripple top nicht gegenseitig aus? … ein bärenkeil sollte ja höhere hochs haben; ein bärenkeil mit “dreifachhoch” klingt für mich wie ein bullisches dreieck. bitte um aufklärung

    greez

  6. @me

    edit:
    zwischen 2003 und mitte 2006; damit dann auch ab mitte 2006
    sry, hab hier keine gute möglichkeit das schön anzuschaun und hab mich verguckt

  7. Äh Jabal, wenn ich mir den S&P500 seit Mitte 2011 anschaue, sehe ich einfach einen Aufwärtstrend, der gerade danach aussieht, als ob er ein temporäres Top ausbildet. Das ist ja das, worüber alle gerade reden und sich sorgen. Ich weiss nicht was Du mit “Bärenkeil” meinst.

    Chartaussagen bis 2007 sind in meinen Augen für die Analyse der Gegenwart recht wertlos. Denn man darf nie vergessen, warum Charttechnik überhaupt funktioniert. Als Anschauung wie es früher einmal war immer noch hilfreich, aber das ist ja etwas anderes, weil man dann darauf keine direkten Vorhersagen ableitet.

    Chartechnik funktioniert weil:

    (1) Entweder reale Positionen im Markt sind, die aus Massenpsychologie zu Mustern wie Widerstands und Unterstützungszonen führen. Sozusagen der Anleger der 2011 kaufte, ins Minus rutschte und dann schnell verkaufen wird, wenn er wieder ins Grüne schaut (= Widerstand). Derartige offene Positionen aus 2007 dürften sehr selten sein und für die Kurse nicht mehr relevant.

    (2) Oder im Sinne selbsterfüllender Prophezeihung die Kenntnis bestimmter Strukturen zum Handeln führt. Ganz klassisch durch Algos, die bestimmte Muster traden. Oder Menschen die bei ihrem Handeln darauf schauen. Beides gibt es aber für 2007 nicht bzw kaum mehr. Algos sicher gar nicht mehr, die denken weit kurzfristiger.

    Und da es weder (1) noch (2) gibt, ist Charttechnik mit dem Versuch aus Jahre zurückliegenden Daten auf die Gegenwart zu schliessen für mich eher Voodoo. Wer das tut, hat vergessen warum Charttechnik überhaupt funktioniert und sinnvolle Signale gibt. Man kann an so alten langfristigen Charts noch bestimmte langfristige Trends ablesen, das wars dann aber nach meiner Ansicht schon.

    Ich vergleiche Marktanalyse ja gerne mit Spurensuche bei der Jagd. Und wie bei der Jagd werden die Spuren um so weniger für die Gegenwart aussagekräftig, je weiter sie zurückliegen.

  8. Danke für die Erklärung Hari, mit Bärenkeil habe ich einen nach oben laufenden, sich verengenden Trendkanal gemeint, aus dem in der Regel wohl ein Ausbruch nach unten erfolgt. Die Sache mit den weit zurückliegenden Daten ist ja eigentlich logisch, man sieht allerdings oft Charts, in denen solche Dinge eingezeichnet sind. Ich werde also in Zukunft die Finger von Voodoo lassen.

  9. Daher die Verwirrung Jabal, ein zulaufendes Dreieck, dass sich am Ende eines Aufwärtstrends aufbaut, ist eher ein “Continuation-Signal”, sprich die Wahrscheinlichkeit einer Auflösung in Richtung des Trends ist höher, wie auch CDO richtig bemerkt hat.

    Was wir im S&P aber auch sehen, ist möglicherweise ein Doppeltop und eine Topping-Struktur ala März 2012. Deshalb rennen doch alle Amok, dass wir einen bedeutenden Top haben.

    Meine Meinung ist dazu eher, dass was alle sehen können, selten genau so eintritt. 😉 Aber möglich ist der Toppingprozess schon, deswegen ist Vorsicht nun geboten.

  10. Mit den zulaufenden Dreiecken beschäfte ich mich im Moment quch. Hari, ich gebe Dir recht, so ein Dreieck ist im Normalfall ein Fortsetzungssignal. Aber es kommt natürlich darauf an, wie stark die Kräfte sind, die auf dieses Dreieck einwirken. Sind sie etwa gleich stark, ist es wohl tatsächlich eine Trendfortsetzung. Kommt stärkerer Druck aus einer Richtung, werden die Marktkräfte sich wohl stärker in diese Richtung neigen. Jedoch ist die Frage, wann sie das tun. Bei Gewinnrevisionen bzw. bei worse-than-expected news wird es wohl eher nach unten gehen. Ein Warnzeichen ist für mich auch, daß der Nasdaq100 nach unten geht, der so etwas wie eine Vorreiterfunktion einnimmt. Also den sollte man außerdem im Auge behalten. Und genau, Vorsicht ist geboten.

    Interessant sind auch die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen übrigens. Die werden von keinem geringeren als Jack Welch angezweifelt; der äußerte den Verdacht, die Beamte, die diese Statistik erstellen, seien alles Demokraten und würden die Zahlen zugunsten von Obama manipulieren. Tatsächlich liegt es aber wohl eher daran, wie diese Statistik erstellt wird. Nämlich bei den Arbeitslosen wird angerufen und nachgefragt, ob sie noch arbeitslos seien. Wenn ein Arbeitsloser also an der Wiederwahl von Obama interessiert ist, wird er diese Frage verneinen – denn die meisten Arbeitslosen sind eher daran interessiert, daß Obama wiedergewählt wird, da sie damit rechnen, von Romney kurzgehalten zu werden. Und Obama helfen bessere Arbeitsmarktzahlen definitiv. Jack Welch hat also nicht unrecht, aber seine Begründung ist die falsche. Bin damit etwas vom Thema abgekommen…sorry.

    A propos US-Wahlen: Aktien wie Arch Coal und Peabody würden natürlich von einem Wahlsieg von Romney profitieren. Und dessen Aussichten sind in den letzten Wochen gestiegen. Wird also doch noch spannend, so wie es aussieht…und ebenso für die Aktionäre von Arch Coal und Peabody.

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