Marktupdate – 08.11.12 – S&P 500: folgt nun der Absturz bis fast 1300 ?

Ich weiss, ich habe heute sehr viel geschrieben und hatte vor allem noch nie so viel Live-Tips wie heute. Aber es war ja auch ein bedeutender Tag im S&P 500, der geradezu danach schreit, nach Handelsschluss der Wallstreet in eine grössere Perspektive gestellt zu werden.

Deshalb folgt nun noch ein kleine Nachtschicht meinerseits. 😉

Schauen Sie also mit mir auf den Tages-Chart des S&P 500 seit Frühjahr diesen Jahres, mit der nun bekannten Schulter-Kopf-Schulter Formation. Dieses mal habe ich das Fibonacci-Grid hinterlegt und dafür die Nackenlinie weggelassen, um nicht mit zu vielen Linien zu verwirren.

Abgesehen davon ist die Position der Nackenlinie dieses mal nicht ganz eindeutig und etwas Geschmackssache. Ich kann das rechnerische Potential-Ziel (measured Move) der Formation daher auch nur grob im Bereich 1300-1320 verorten.

S&P 500 081112

Sie wissen aus meinen Live-Tips, dass wir heute mit 1377 geschlossen haben und die SKS Formation damit aktiviert wurde. Weiterhin haben wir die 200-Tage-Linie in den letzten Handelsminuten gebrochen. In Summe ein ziemlich klares Signal für weiter fallende Kurse.

Auf der Habenseite steht nun aber der zweite Tag, an dem wir ein mittelgrosses "Buying on Weakness" im ETF SPY hatten. Das bedeutet, dass "Big Money" diesen Rückgang teilweise kauft. Und wir sind nun technisch sehr überverkauft. Ein Bounce ist nun nach der Gummibandtheorie wahrscheinlich geworden.

Wie passt das zusammen werden Sie sich fragen ? Und was ist mit der Jahresendrally ?

Nun, die Jahresendrally kann auch erst Anfang Dezember starten. Das war schon öfter so. Und das Problem der Wahl ist doch, dass sie die erhoffte Klarheit nicht gebracht hat. Letztlich sind die politischen Mehrheitsverhältnisse wie vor der Wahl. Eine Jahresendrally dürfte also ziemlich eindeutig mit der Entwicklung in Sachen "Fiscal Cliff" gekoppelt sein. Der Tag, an dem sich zu dem Thema eine Einigung abzeichnet, dürfte eine gewaltige Rally sehen.

Und bis dahin ist es keineswegs unmöglich, dass der Index vorher noch die SKS Formation bis ca. 1315 vollendet. Für eine mögliche Jahresendrally, die durch eine Lösung im Haushaltskonflikt ausgelöst würde, wäre das natürlich ein besonders explosives Szenario.

Insofern schauen Sie noch einmal auf den Chart, in dem ich ein für mich gut vorstellbares Szenario eingezeichnet habe. Morgen käme in dem Szenario noch anfängliche Schwäche, die uns bis zum 50er Fibonacci Retracement bei 1370 treiben würde, vielleicht auch die noch offenen Gaps bei 1360 und 1365 schliesst. Dann dürfte der Markt so überverkauft sein, dass es für einen deutlichen Bounce reichen sollte. Die Buying on Weakness Signale im SPY sind selten ohne Auswirkung, eine nachhaltige Wende können sie aber nicht garantieren, ein paar gute Tage sind aber schon drin.

Dieser Bounce könnte dann typischerweise die Nackenlinie der SKS bei ca. 1390 noch einmal von unten testen. Und dann geht es entweder doch nach oben durch (grüner Strich), oder aus heutiger Sicht wahrscheinlicher runter bis zum rechnerischen Ziel bei ca. 1315 (roter Strich).

Wer jetzt aber einfach einen simplen Strich nach unten erwartet, liegt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder falsch und wird im Hin- und Her aufgerieben werden. So einfach funktioniert der Bruch einer Nackenlinie einfach nicht. Schauen Sie doch einfach mal die Sägezahnbewegung beim Aufstieg seit Juni an, dann wissen Sie was uns erwartet. Jetzt sind Abstürze immer schneller als Anstiege, aber ohne ein oder zwei wildes Swings nach oben, gehen auch grosse Abstürze so gut wie nie ab !

Das führt zu der witzigen Lage, dass nun die Tendenz des Marktes nach unten zeigt, eine massive Shortposition im Moment aber sehr riskant ist. Wenn dagegen der Markt sich wieder von unten (in einem Bounce) der Nackenlinie nähert, *dann* ist eine Short Position viel attraktiver, da nun ein naher Stop oberhalb der Nackenlinie möglich ist, der das Verlustpotential begrenzt. Das wäre dann ein attraktives Setup mit gutem Chance/Risiko Verhältnis. Wer also nun denkt, nach Bruch der Nackenlinie sei alles nun simpel, sollte unbedingt lernen, so wie der manisch depressive Mr. Market um die Ecke zu denken.

Deshalb nochmal in aller Deutlichkeit. Jetzt Short zu gehen erscheint mir persönlich - Stand heute Abend - eher prozyklisch und nicht unbedingt klug ! Aber das grosse Bild sollte man nicht aus dem Auge verlieren. Die gute Short-Gelegenheit kommt möglicherweise nach einem eher schwächlichen Bounce. Denken Sie mal zurück, als ich diese SKS schon einmal zeigte. Das war *bevor* sich die rechte Schulter ausformte. Die gute Short-Gelegenheit war auch da die rechte Schulter, nicht unbedingt jetzt !

Was das Szenario für den DAX bedeuten würde, dürfte regelmässigen Lesern von surveybuilder.info.de klar sein. Der zeigt zwar im Moment relative Stärke zu den US Indizes, kann sich aber einer starken Bewegung des Leitindex S&P500 mit Sicherheit nicht substantiell entziehen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht und morgen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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14 Gedanken zu “Marktupdate – 08.11.12 – S&P 500: folgt nun der Absturz bis fast 1300 ?

  1. Mir gefaellt, was der Markt zur Zeit macht. Er bereitet meinen Wiedereinstieg vor. Ich denke auch, dass jetzt erstmal ein Bounce kommt, an die obere Begrenzung des Abwaertstrendkanals, 1410 bis 1420. Danach nochmal eine Etage tiefer, macht insgesamt 3 Etagen in meiner persoenlichen Zaehlung (grob 1460-1410, 1430-1380, 1410-1440). Und dann wuerde ich wieder zugreifen, soweit die Theorie. Ich glaube nicht, dass man die 200 Tage Linie gut handeln kann, der Kurs wird eher mit der Linie spielen, so wie ein junger Loewe mit seinem Essen spielt. Zeitlich koennte sich das noch etwas hinziehen, wegen des Fiscal Cliff, welches ja leider noch nicht so richtig dran ist.

  2. Die S-K-S Formation hätte ich so garnicht erkannt. Die Formation hat mich die ganze Zeit an einen fallenden Keil erinnert. In der Regel ist dies ja ein bullishes Signal und im Hinterkopf Jahresendralley… es hätte so schön werden können. Deine Hilfestellungen brachten mich dazu nochmal in John J. Murphy “technische Analyse der Finanzmärkte” zu blicken… als Lernender ist die selte Formation echt tricky. Danke für die Nachtschicht

    Grüße aus Brasilien

  3. Ich glaube,daß der Dax noch Potential bis 7000 nach unten hat-und das ohne Erholung-und vielleicht sogar heute noch.Bis dahin bin ich short im Dax abgesichert.Habe aber all meine anderen Positionen (long)noch offen.Auch die Edelmetalle bleiben im Depot.Bei 7000 Dax oder etwas vorher löse ich den Put auf(bin bei 7250 rein).Danach glaube ich an eine Jahresendralley.Und dann sind wir auch im S+P wieder über der 200-Tage Linie.Mein Dax Short gibt mir Ruhe,die Dinge auszusitzen.Hoffe ,die Edelmetalle machen mir keinen Strich durch meinen Plan.

  4. Hab nun die Hälfte des Puts verkauft.Die Gewinne waren zu verlockend.Den Rest laß ich laufe.Hari hat vielleicht recht mit ner Intradaywende.

  5. Ähmmm…hält ja doch! Dann ist die Welt ja fürs erste noch in Ordnung. Betonung liegt auf “noch”.

  6. Danke,Hari,für die tolle Unterstützung.Nun ist sie da die Zwischenerholung(?).Noch bis Dax 7200,dann kauf ich meinen verkauften Put zurück.Macht heute richtig Spaß.

  7. Nein Tom, das heisst es nicht ! Steht alles geschrieben und es gibt keinen einfachen Strich nach unten. Und auch keine einfachen wenn-dann Logiken. Sorry.

  8. Guten Abend Hari,
    heute margen hast Du um 10:28 uhr von kurzfristigen Wendesignalen im Dax gesprochen. Woran hast Du das festgemacht? Nur an der price action oder hast Du noch weitere Aspekte gesehen?
    Beste Grüße und schönes WE an Alle
    John

  9. Das war nur Price-Action John Doo. Wenn Du Dir den Tageschart auf Minutenbasis anschaust, siehst Du das Wendemuster nach dem ersten Absturz immer noch. Allerdings wurde das Muster dann ja doch negiert und es gibt bis 14.15 Uhr nochmal knapp 100 Punkte bis 7063 runter. Ich wurde dann auch ganz schnell wieder ausgestoppt.

  10. Hallo Hari,

    spannende Tage liegen hinter uns und Deine hilfreichen Analysen und Kommentare haben mir wieder mal sehr geholfen. Nun habe ich mir selber ein paar Gedanken gemacht und hoffe mit diesen Niemanden zu langweilen.

    Mit meinen sicherlich unprofessionellen Chatanalyse-Methoden habe ich mir den S&P500 auf Wochenchartbasis in den letzten 3 Jahren angesehen. Und sehe noch einen schönen, immer noch gültigen Aufwärtstrend mit jeweils höheren Hochs und höheren Tiefs seit Mitte 2011. Erstmals kritisch wurde es auf Wochensicht seit Mai am 12. Oktober, da der Wochenschluss unterhalb des GD10 liegt. Die nächste Woche hat dies am 19.10. bestätigt und zeigt eine „sehr schöne abverkaufte Kerze“. Und exakt seit diesem Zeitraum tritt die GD10-Linie als sehr starke obere Widerstandslinie auf.

    Bei 1360 treffen sich nun in meiner Analyse ein längerer gleitender Durchschnitt GD52) sowie die unterste Linie einer Envelope. Das würde ich laienhaft mal als starken Wiederstand interpretieren. Besonders auch unter dem Aspekt, dass bei 1345 das 61% FiboRT „nochmals unterstützend helfen könnte! Was mir noch aufgefallen ist: auf Wochenbasis gibt es keine SKS.

    Meine amateurhaften Schlussfolgerungen: ich bin etwas längerfristiger orientiert und daher im Moment noch nicht beunruhigt. Schließt der S&P500 auf Wochenbasis unter 1315 werde ich aber eine Short-Position eröffnen, weil dann dort das 76 FiboRT „als letztes Hindernis gefallen ist“.

    Besonders spannend in diesem Zusammenhang finde ich jetzt aber die Frage an Dich (und die Community), inwieweit sich in politisch beeinflussten Zeiten eine tägliche Analyse empfiehlt und man vielleicht sogar Gefahr läuft, zum Spielball von Mr. Market (und zum Nervenbündel) zu werden?

    Und dennoch beunruhigt mich irgendwie die von Dir aufgezeigte SKS auf kurze Sicht! (… ich scheine auch schon manisch depressiv zu werden wie Mr. Market… 😉 )

  11. @ Johann, Danke für Deinen schönen Beitrag. Und stell Dein Licht nicht so unter den Scheffel, sonst muss ich das unter “fishing for compliments” verbuchen. 😉

    Was Deine Analyse angeht, kann ich die nachvollziehen und Dich nur erneut einladen, wenn Du dergleichen sowieso machst und schreibst, gleich daraus einen kleinen Artikel zu machen, dann haben alle was davon und sehen auch das Chart, über das Du redest. Wenn Du das willst, sprich mich einfach direkt per Mail an, dann erkläre ich Dir was ich brauche. Es ist nicht schwierig, letztlich nur der Text in einem Word-lesbaren Format und die Grafiken/Bilder in JPG oder BMP als einzelne Files. Thats it !

    Was Deine Frage nach der täglichen Analyse angeht, ist die Antwort glaube ich einfach: es ist einfach die logische Folge des Anlagehorizonts.

    Vom Anlagehorizont sollte alles ausgehen, denn der hat mit dem persönlichen Risikoappetit, der Zeit die man zur Verfügung hat, der Fähigkeit seine Emotíonen im Griff zu haben etc zu tun. Analysemethoden müssen zwingend zum Zeithorizont passen.

    Jetzt habe ich in den letzten Tagen bewusst durch die Artikel, vor allem aber durch die Live-Tips, die Märkte aus kurzfristiger Sicht (Intraday, wenige Tage Horizont) für alle erlebbar gemacht. Ist ja auch spannend. 😉

    Wer aber einen Anlagehorizont von Monaten hat, für den waren die Informationen gestern eher unnötig, im Zweifel machen sie sogar unnötig hibbelig. Wer einen solchen Horizont hat, sollte tatsächlich wie in Deiner Übung auch mal auf das Wochenchart schauen. Und vieles was kurzfristig aufregend ist, taucht da dann nicht mehr auf.

    Umgedreht, wer an der kurzfristigen Sicht interessiert ist, konnte aber zum Beispiel meinen Artikel von Donnerstag nutzen um am Freitag perfekt und auf den Punkt Intraday die Bewegungen des S&P500 zu reiten. Und hat damit auch schöne Gewinne gemacht.

    In Summe also alles eine Frage des zeitlichen und emotionalen Horizonts. 😉

    Es gibt aber einen Grund, warum ich so oft eher in der kurz- bzw mittelfristigen Sicht unterwegs bin. Erstens weil man da am meisten über die Markttechnik lernen kann, weil der Zusammenhang zwischen Bewegung und eigener Emotion unmittelbar erlebbar wird. Je weiter der Blick wird, desto weniger spielt die Emotion eine Rolle bzw man erinnert sich ja auch gar nicht mehr, was man beim Kauf gefühlt hat. Zumindest theoretisch. Und damit kommen wir zum zweiten Grund:

    Fast alle Privatanleger wollen “eigentlich” langfristig anlegen. Wenn es dann aber hektisch wird und die Schlagzeilen in den diversen Medien auftauchen, werden sie panisch und nervös und vergessen die schönen Wochencharts und guten Vorsätze ganz schnell. Und handeln dann doch emotional aus einem Gefühl heraus, natürlich genau zum falschen Zeitpunkt. 😉 Und wenn das sowieso andauernd passiert, ist es besser man weiss was man aus kurz- bzw mittel-fristiger Sicht tut. Und daran versuche ich mit dem Blog mitzuwirken.

    Die allerwenigsten schaffen es halt, stur auf Basis solcher Wochencharts langfristige Entscheidungen zu treffen und auch konsequent nicht davon abzuweichen. Deshalb sind nach meiner Erfahrung die langfristigen Techniken zwar theoretisch schön, die allermeisten brauchen aber auch mittelfristig eine gutes Gefühl im Sinne “ich weiss was los ist”, sonst können sie eine langfristige Anlage gar nicht durchhalten. Wir leben halt alle nicht in einem Bunker, sondern werden jeden Tag von Nachrichten bombardiert, die uns dann zwangsläufig an unser Geld im Markt denken lassen, gute langfristige Vorsätze hin oder her.

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