Hari´s Märkte am Abend – 21.03.12 – Tag 2 der Konsolidierung – Siemens und die Macht des Gerhard Cromme

21 Uhr - Handelsschluss

Erneut agiert der Markt heute wie erwartet. Im S&P500 haben wir heute die 1400 von oben getestet und im DAX waren wir nur minimal von der 7000er Marke entfernt. Aber erneut kam dann Kaufinteresse in den Markt, weswegen für mich der in den letzten Tagen beschriebene Setup immer wahrscheinlicher wird. Mit jedem Tag den wir auf diese Weise konsolidieren, ohne wirklich nach unten wegzubrechen, steigen für mich die Chancen, dass sich dann eine starke Bewegung nach oben zum Quartalsende anschliesst. Diese Bewegung werde ich dann aber zum temporären Ausstieg nutzen, denn der Markt ist nun zu schnell zu weit gelaufen, eine scharfe Korrektur in den nächsten Monaten ist in meinen Augen unvermeidlich. Die Frage ist nur, ob diese Korrektur eher bei DAX 7200 oder DAX 7500 startet.

Ich lasse mich bisher von der aktuellen Schwäche nicht nervös machen, sondern nutze diese um mich zu repositionieren und vorzubereiten. Nachdem wir heute aber nicht weit von den Marken 1400 und 7000 weg gekommen sind, könnte es Morgen einen erneuten Test der Marken geben. Noch nicht einmal ein kurzer Taucher unter DAX 7000 würde mich aber nervös machen, wenn er im Laufe des Handelstages wieder über 7000 gekauft würde. Erst eine Bewegung unter DAX 7000, die ohne grosse Gegenwehr der Bullen dann auch unter 7000 schliesst, würde mich doch zu mehr Defensive veranlassen. Denn dann dürfte man die Frage stellen, ob wir vielleicht doch schon den kurzfristigen Top gesehen haben.

Kommen wir also gleich zu den Einzelaktien, denn an der grundlegenden Strategie zum Markt gibt es keinen Änderungsbedarf.

Ein Quentchen Glück war natürlich dabei, gestern im Anstieg nach der Pressekonferenz bei der Metro (WKN 725750) Gewinne mitzunehmen. Denn heute war Metro mit zeitweise Minus 4% der schwächste Wert im DAX. Scheinbar hat der Markt ein bischen länger gebraucht, um zum Schluss zu kommen, dass die Aussagen des neuen Managements wenig inspirierend waren. Immerhin hat der neue CEO Olaf Koch aber heute laut "Directors Dealings" Mitteilung 20.000 Metro Aktien zu knapp unter 30€ gekauft. In Summe also ein Investment von fast 600.000€, das man durchaus als positives Signal werten darf.

Dagegen hat ein Analyst der Citigroup heute mit seinem Sell-Rating für Metro und einem herab gesetzten Kursziel auf 22,5€, für mich so etwas wie das maximale Risiko der Metro definiert, sollte es dieses Jahr weiterhin keinerlei positive Nachrichten geben. Ich halte es aber eher mit dem Management als mit den Analysten und werde darüber nachdenken wieder einzusteigen, sobald die aktuelle Bewegung nach unten ausgelaufen ist. Denn bei der Metro dürfte nach meiner Ansicht schon eine einzige positive Nachricht - zum Beispiel zum Thema Kaufhof - ausreichen, um den Kurs deutlich nach oben zu bewegen.

Weniger perfekt war dagegen mein gestriger - Herrn Francioni geschuldeter - Ausstieg bei der Deutschen Börse (WKN 581005) bei etwas über 50€, denn der Titel war heute ohne grosse Nachricht bis auf über 51€ im Plus. Mitgeholfen hat dabei wohl ein positiver Kommentar der Commerzbank, der gegen 15 Uhr den Markt erreichte. Allerdings lautet das Kursziel der Commerzbank nur 54€, was sich ja weitgehend mit meinem -> hier am 10.02 <- genannten maximalen Kursziel von 55€ deckt. Ich sehe meinen leicht verfrühten Ausstieg daher erst einmal gelassen.

In der FTD gab es einen Artikel zur Personalpolitik von Gerhard Cromme in Sachen Aufsichtsrat bei Siemens (WKN 723610). Damit wird das Bild einer möglichen Annäherung von ThyssenKrupp (WKN 750000) und Siemens deutlicher, auch in der Capital soll Morgen dazu ja ein Artikel erscheinen. Sie als Leser dieses Blogs konnten davon aber -> hier <- schon am 14.02.12 lesen, in einem Artikel, in dem ich mich sehr kritisch mit dem Thema aus der Sicht von ThyssenKrupp auseinander gesetzt habe. Auf die Dementis aus den Unternehmen gebe ich dabei eher wenig, denn die Vorstände dürften auch nicht wissen, was Herr Cromme im stillen Kämmerlein alles so plant - wie sollen sie auch. Nur ein hartes Dementi von Herrn Cromme selber wäre für mich überzeugend, genau das habe ich aber bisher nicht feststellen können.

Mich macht die Machtpolitik des Herrn Cromme auch weiterhin nachdenklich, denn unabhängig von der Person Cromme - zu der ich mir mangels persönlicher Bekanntschaft kein Urteil erlauben kann - ist mir da nun zu viel Macht in einer Person vereinigt. Weswegen für mich weder Siemens noch ThyssenKrupp zu den Aktien gehören, in denen ich langfristig investiert sein möchte. Denn dieser Drang zu immer grösseren Fusionen schafft in meinen Augen keine Werte für die Aktionäre und keinen Vorteil für die Volkswirtschaft, weder bei der Deutschen Börse noch bei ThyssenKrupp oder Siemens.

Bei diesen Grossfusionen spielt für mich zu oft das Ego der Handelnden eine gewichtige Rolle, leider auch immer wieder zum Nachteil der Unternehmen - wer erinnert sich in Sachen Daimler noch an die "Hochzeit im Himmel" ? Und als "grosser Vereiniger" der beiden ruhmvollen Konzerne ThyssenKrupp und Siemens wäre ein Platz in den Geschichtsbüchern wohl ebenso sicher, wie Ruhm zur Lebenszeit. Unklar ist aber leider, ob eine solche Vereinigung nicht am Ende dann Deutschland ganz von derartiger Industrie entkernen würde. Denn auch die von Herrn Cromme 1999 massgeblich mit beförderte Fusion von Thyssen und Krupp hat am Ende im Sinne 1+1 leider nicht wie erhofft 2,5, sondern eher 1,5 ergeben, wie wir ja an ThyssenKrupp und seinen Problemen heute unschwer erkennen können.

Ich bedauere immer noch, dass der engagierte Klaus Kleinfeld unter Aufsichtsratchef Cromme als CEO von Siemens abtreten musste, obwohl ihm nie auch nur eine Kleinigkeit im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal angehängt werden konnte. Sein Nachfolger Peter Löscher konnte dann vieles von dem ernten, was Kleinfeld bei Siemens angestossen hatte und Kleinfeld ist heute als CEO von Alcoa (WKN 850206) einer der ganz wenigen Deutschen, die einen der grossen amerikanischen Konzerne im Kernbereich führen und mit den grossen Namen von Obama bis Buffet verkehren.

Erstaunlich, das dieser Klaus Kleinfeld in Deutschland kaum bekannt ist, denn in den USA ist er ausserordentlich angesehen und hat damit geschafft, was nur den allerwenigsten Deutschen gelingt. Ich habe ein gut geschriebenes Portrait des Comebacks von Klaus Kleinfeld in der Capital von 2010 gefunden, das ich Ihnen wirklich ans Herz legen möchte - es lohnt sich zu lesen. Denn dieser Artikel geht über Kleinfeld hinaus und erhellt gut geschrieben wesentliche Unterschiede der deutschen und amerikanischen Geschäftswelt. Vielleicht, das ist meine höchst subjektive Vermutung, war Klaus Kleinfeld einfach zu unabhängig, selbstständig und gut vernetzt - und damit zu gefährlich - um als Siemens CEO weiter gewünscht zu sein.

Ob die grosse politische Korrektheit, mit der Siemens aus meiner Sicht heute sein sehr fokussiertes Geschäft definiert, wirklich ein langfristig erfolgreicher Weg ist, muss sich erst noch zeigen - ich persönlich betrachte diese Verengung des Geschäfts auf weniger Felder in Anbetracht der permanenten Umbrüche in der Welt mit Sorge. Das es Siemens schon seit über 150 Jahren gibt, war immer das Ergebnis einer sehr breiten Aufstellung, wie sie eine GE oder eine Toshiba heute noch haben, kein Geschäftsfeld war je dauerhaft erfolgreich - auch nicht bei Siemens. Diese Breite hat zwar mal kurzfristig Rendite gekostet, den Konzern aber durch unzählige schwere Umbrüche gelotst. Das bedeutet nicht das man alles mitschleppen muss, Breite hat aber einen Wert und der lautet: Stabilität.

Aktuell ist die Siemens-Aktie in meinen Augen durchaus attraktiv bewertet, da Siemens auf die derzeit politisch "angesagten" Themen im Bereich Cleantech und Energie setzt, weswegen ich eine kurzfristige Investition bei Kursen unter 80€ gut nachvollziehen kann. Langfristig sind für mich die strategischen Fragezeichen unter der Ägide Löscher/Cromme aber eher grösser als kleiner geworden.

Einen riesen Sprung von über 4% nach oben machte heute Mittag der spanische Ölkonzern Repsol (876845), nachdem die Verstaatlichung der Beteiligung an YPF seitens des argentinischen Staates vom Tisch sein soll. Sollte sich das bestätigen - der Markt ist in Anbetracht der unberechenbaren politischen Volten da zu Recht noch skeptisch - dürfte Repsol noch weiteres Potential nach oben haben, da der Kurs schon länger unter dem Thema leidet.

Schon gestern war auffällig, wie die Goldminen trotz schwachem Goldpreis nach oben drehten und auch heute bleibt der Kurs vieler Goldminen-Aktien stabil. Die dazugehörigen ETFs wie der GDX verzeichnen deutliche Mittelzuflüsse - siehe . Ich bin gestern zum Kurs von 32,6€ bei Barrick Gold (WKN 870450) wieder eingestiegen, um diese Bewegung zu spielen. Ob das eine dauerhafte Trendwende bei den Goldminen ist, betrachte ich aber als keineswegs sicher, ich persönlich rechne noch nicht damit. Denn solange die normalen Aktienmärkte so gut laufen, wird weiter Geld aus den "Risk Off" Anlagen im Bond- oder Edelmetall-Bereich abgezogen. Erst wenn es wieder Angst machende Einschläge oder deutliche steigende Inflationszahlen gibt, wird sich das Blatt wenden. Dann haben die Minen allerdings nach der langen Schwächeperiode einen grossen Aufholbedarf, der voller Chancen steckt.

Ich persönlich schleppe mich seit Wochen, wie meine ganze Familie, mit einer nicht enden wollenden Kette von Infektionen der Atemwege durch die Gegend, weswegen ich jetzt auch aufhöre, mich aufs Sofa lege und Ihnen einen schönen Abend wünsche !

Ihr Hari

6 Gedanken zu “Hari´s Märkte am Abend – 21.03.12 – Tag 2 der Konsolidierung – Siemens und die Macht des Gerhard Cromme

  1. 21.00 uhr… mein Pflichtlektüre ! wünsche dir und deiner Familie gute Besserung ! Danke das du trotzdem Zeit findest deine Einschätzung zu veröffentlichen !! Super!!

  2. Guten Abend Hari,

    deinen kleinen Essay als Einschlaflekture genossen. Heute mit besonderem Interesse, da ich die Cromme-Familie persönlich kenne und der Neffe zum engeren Freundeskreis gehört. Es ist aber nun nicht alles was glänzt immer Gold. Wenn ich deinen Artikel richtig verstanden habe, unterstütze ich deine Meinung zu der Thematik voll und ganz.
    Mir geht es momentan auch nicht anders als dir. Antibiotika haben nicht geholfen und die väterlichen Ferndiagnosen über Skype helfen da auch nicht weiter 😀

    Schönen Abend deiner Familie und dir!

  3. Tach!

    So durch die Stopps bin ich dann heute morgen erstmal wieder raus und dann mit Barrick Gold zu 32,80 rein, weil ich bei dem Wert schon auch denke, dass das Abwärtspotenzial einigermaßen begrenzt ist. Na ja, ma gucken!

    Und ansonsten denke ich, ist heute so ein Tag, wo sich entscheiden wird in welche Richtung der Markt laufen wird. Im Moment ist es wohl noch eine gesunde Konsolidierung eines intakten Bullenmarktes!? Oder wie bewertet ihr die heutige Marktlage?
    Eine eindeutigere Bewertung wird aber wohl erst am Abend möglich sein.

    Am Ende noch ein kurzes Rezept für fast nie wieder krank:

    1. Bioingwer täglich frisch reibeln für einen noch aktivierenderen Kaffee oder Tee
    2. Biozitronen auspressen und mit Mineralwasser mixen, ist besonders nach dem Essen ziemlich gut für das allgemeine Wohlbefinden und fördert die Verdauung und natürlich auch das Imunsystem

    Beides zusammen entwickelt aber erst auf der mittel- bis langfristigen Ebene eine Nicht-Mehr-Krank-Wirkung! Meine letzte Erkältung ist auf jeden Fall schon Jahre her!

    So ich hab heute mal wieder frei und werde jetzt die Sonne genießen!

    Euch allen einen sonnigen und entspannten Tag!

  4. Hallo Matthew,

    schön mal wieder von Dir zu lesen. Ich hatte auch jahrelang keine Erkältung mehr, obwohl ich zu den CEO-Zeiten die ganze Woche in Flugzeugen, Eisenbahn, Autos unterwegs war und in Meetings unter Leuten stand. Ich habe es damals mit der KM Methode gehalten (KM=Keine Medizin). Auf gut Deutsch ich habe mich nicht darum geschert und gar nichts genommen 😉 Der Unterschied zu heute ist: heute habe ich einen 4 jährigen Sohn im ersten Kindergarten-Winter. Und ich kenne keine Eltern, die im ersten Kindergartenwinter nicht genau so geplagt sind wie wir. Da muss man wohl durch, weil die Kleinen perfekte Virenfänger sind. Und auch wenn mir als CEO so manche(r) nahe kommen wollte, permanent auf dem Schoss gesessen und Papa ins Gesicht gerotzt, haben die damals dann doch nicht 😉 Davon abgesehen, ist der schlimmste Immunsystem-Schwächer ja Schlafmangel und davon hat man mit kleinen Kindern auch genug.

    Zum Markt, ja heute lernen wir eine Menge. Bisher sieht alles noch wie erwartet aus. Nur einen weiteren Schub nach unten sollte es nun nicht mehr geben und wir sollten heute noch über 7000 schliessen. Davon hängt viel ab, was meine weitere Einschätzung angeht. Ich habe heute aber wieder in die Schwäche hinein ein paar Sachen gekauft, zb Rheinmetall bei 43,8. Warten wir einfach ab, was die Wallstreet heute macht.

    Hari

  5. Danke für Deine Einschätzung und ja das stimmt ich habe nunmal immer noch keine Kinder und mit Ingwer und Zitronen kann man die wohl auch nicht füttern!

    Ich hatte für mich den Stop bei 6970 gezogen! Wenn man sich nun die Lage anguckt kann das Glück oder Pech gewesen sein!
    Dass die 7000 getestet werden war ja abzusehen. Und ich sehe das auch so, daß die heutigen Schlußstände einen besseren Hinweis geben, wohin die Reise gehen könnte.

    Und na ja, für den 23.3. ist der Schuldenschnitt Griechenlands ja auch noch nicht in ganz trockenen Tüchern!? Oder seht ihr bezüglich dieses Termins keine Gefahren?

    Für den April teile ich Dein Szenario, dass wir da sehr schnell wieder in einen Krisenmodus laufen könnten. Und die Wahlen in Griechenland und Frankreich halte ich in dieser Hinsicht für die größten Unsicherheitsfaktoren.

    Und hey gute Besserung!

  6. Mit der Fokussierung auf vier große Geschäftsfelder (Energie, Gesundheit, Industrie und Infrastruktur/Mobilität)
    ist Siemens in meinen Augen immer noch breit aufgestellt.
    Eine diversifizierte Unternehmensstrategie kann besonders in wiederkehrenden Wirtschaftskrisen überlegen sein,
    als Unternehmen die übertriebene Fokussierung und Orientierung auf Kernkompetenzen betreiben.
    Der Vorteil liegt insbesondere in der Risikoreduktion, einer Ertragsverstetigung, Kapitalkostenreduktion oder auf einem Finanzierungsausgleich.
    Unternehmen profitieren von einer werthaltigen Portfoliosteuerung, da Unternehmensteile, die von der Krise weniger betroffen sind, Überlebensschutz bieten können.

    Jedoch liegen die Nachteile offensichtlich neben einer Renditeminderung in einer breiten und fehlgeleiteten Investitionsbereitschaft der zur Verfügung stehenden Mittel.
    Außerdem ist es für das Management bei Gewinnerzielung erschwerend, Probleme ertragsschwacher Geschäftsfelder in einem Portfolio konsequent zu lösen.
    Ein organisatorisches Wagnis im Portfoliomanagement besteht durch die zunehmende Komplexität einer erhöhten Anzahl von Geschäftsfeldern.
    Ein Fokussierung auf einige wenige Geschäftsfelder führt dagegen deutlich schneller zu Wettbewerbsvorteilen, Kostenführerschaft oder erhöhten Marktanteilen.

    Mir gefällt nur nicht, dass Siemens sich mit den Geschäftsfelder in eine noch größere Abhängigkeit von Staaten begibt.
    Das führt auf Dauer bei dem Verschuldungsgrad der Städte und Länder zu fehlenden Aussichten und einem verminderten Wachstum.

    Sonst sehe ich eine Annäherung beider Unternehmen wie du eher negativ,…zu viel Ungewissheit im Markt hat schon immer den
    Aktienkurs geschadet. Mich wundern auch die hohen Verkäufe des Managements von Siemens seit November 2011.

    Gute Besserung!

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