Hari´s Märkte am Abend – 20.02.12 – Es grünt so grün …

17.45 Uhr - Handelsschluss in Deutschland

Heute mache ich es kürzer als sonst. Der Markt steigt weiter in freudiger Erwartung einer "Rettung" Griechenlands durch eine erneute Ladung Geld aus dem Steueraufkommen europäischer Bürger. Wir allen wissen, dass es keine echte Rettung sein wird, denn dazu müsste Griechenland seinen Staat und seine Organe komplett neu aufsetzen. Aber es wird zumindest erneut ein paar Monate Zeit erkaufen, Zeit in der man die anderen Länder der EU so sattelfest machen kann, dass Griechenland am Ende wirklich keine Rolle mehr spielt.

Mit der heutigen Stärke von Mr. Market hat sich auch meine Vorsicht vor dem Wochenende als unnötig erwiesen. Es grünt massiv in den Depots - auch in meinem - und wenn dann noch das Wetter draussen endlich mal etwas von Frühling zeigen würde, dann könnte dieser Rosenmontag zusammen mit dem Glück einen charakterstarken Bundespräsidenten zu bekommen, eindeutig als besonders erfreulicher Tag in die Annalen eingehen.

Ich denke allerdings auch, dass der Freudeneffekt über die nächste Geldspritze an Griechenland nun weitgehend verarbeitet ist und der Markt zwar schnell an die DAX 7000er Marke stossen kann, diese aber wohl nicht in einem Rutsch nachhaltig nehmen wird. Denn im Band etwas oberhalb 7000 Punkten liegt ein ziemlich starker Widerstand, der durch eine Unnmenge an Tiefs aus dem letzten Frühjahr / Sommer definiert ist.

Viele Marktteilnehmer sind beim Absturz im August letzten Jahrens auf diesen Niveaus unter Wasser geraten und werden nun, wenn ihre Positionen endlich wieder im Grünen sind, wahrscheinlich mit einem Verkauf liebäugeln - was es wiederum dem Markt schwer machen dürfte, diesen Bereich ohne Mühen in einem Schwung zu nehmen. So funktioniert nun einmal Widerstand und ich wäre überrascht, wenn es diesmal anders wäre. Nur den Banken traue ich nach einer konkreten Einigung in Brüssel Morgen noch einmal einen richtig guten Sprung ins Positive zu. Denn ich denke gerade für die Commerzbank, würde das eine erhebliche Erleichterung sein.

Insofern wäre ich überhaupt nicht überrascht, wenn wir nach einer positiven Griechenland-Entscheidung kurz über die 7000 schauen, nur um dann zunächst Richtung 6800 zu konsolidieren.

Wenn man etwas weiter auf die nächsten Wochen schaut, haben wir nun aber eindeutig Phase 2 einer solchen Hausse erreicht. Denn von überall her hört man nun, dass auch die Privatanleger wieder in den Markt zurück kehren und auch die Institutionellen an ihren Aktienquoten schrauben. Die Rally baut aber immer noch auf einer "Wall of Worry", einer gehörigen Portion Skepsis im Markt auf, die man als bullishes Signal werten muss. Denn es ist ja noch nicht so lange her, dass wir hier Angst hatten nachhaltig unter DAX 5000 zu fallen. Das hört sich heute wie ein Bericht aus einer anderen Welt an, liegt aber gerade einmal 4 Monate zurück - so schnell kann es gehen und so verändert sich unsere vermeintlich so "objektive" Wahrnehmung durch die Umstände.

Die "Wall of Worry" kann man auch daran erkennen, dass im Web nun schon wieder von "Übertreibung" und ähnlichem geredet wird. Das ist in meinen Augen kompletter Unfug, unter der Annahme einer halbwegs gesunden Konjunktur ist der DAX immer noch historisch günstig. Natürlich sind bestimmte technische Indikatoren nun im roten Bereich, das sind sie aber schon seit Wochen und ist für so Bullenmärkte ganz normal und kann noch weitere Wochen andauern. Und natürlich werden wir auch eine Korrektur bekommen, die die techischen Indikatoren wieder normalisiert, aber solange es nur eine begrenzte Korrektur bleibt, wird dieser Bullenmarkt dadurch nicht in Frage gestellt. Darüber hinaus kann selbstverständlich jederzeit etwas Überraschendes passieren und uns mal eben um 1000 Punkte nach unten schicken. Aber dieses Restrisiko hat man immer und obwohl immer die theoretische Gefahr besteht, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt, steht man trotzdem aus dem Bett auf und fängt an zu leben.

Unter der Annahme, dass uns in den nächsten 2 Monaten ein Krieg um den Iran oder eine andere überraschende Katastrophe ala Fukujima erspart bleibt, glaube ich daher, dass der DAX bis April noch gut 10% Luft nach oben hat und bei diesem Momentum die 7500 gut erreichen kann. Ob es so kommt, werden wir sehen. Aber wenn man die Signale des Marktes rational betrachtet ohne sich von einem negativen Bias blenden zu lassen, kann man nur feststellen: alle Ampeln stehen objektiv auf Grün. Dieser Markt lebt von Liquidität und diese ist in Massen vorhanden.

Und glauben Sie mir, es ist wirklich ein dumme Idee sich gegen den Markt zu stellen. Man muss nicht immer alles voll mitmachen und kann auch mal an der Seitenlinie sein. Aber sich explizit gegen den Trend zu stellen - also zu shorten - ist in meinen Augen verfehlt. Denken Sie an die grossen "Helden der Chartkunst" über die ich mich erst vor gut 2 Wochen -> hier <- so aufgeregt habe. Zum Zeitpunkt des Interviews mit den Herren vor ungefähr 3 Wochen standen wir bei ca. DAX 6400. Lesen Sie deren Aussagen nochmal, das ist nun wie ein Artikel aus einem Parallel-Universum und passt durchaus zum heutigen Rosenmontag, dem Tag der Narren 😉

Damit mich keiner missversteht, natürlich können wir jederzeit wegkippen und auch ein Fukujima II kann jederzeit passieren, ebenso wie ein Krieg um den Iran. Aber wer sein Geld auf vage Vermutungen setzt, der kann nur verlieren. Alles was wir aber an harten Fakten zur Markttechnik haben sagt aber : Vorteil Bullen ! Und Korrekturen - die definitiv immer wieder kommen - sind Kaufgelegenheiten. Wenn sich die Signale des Marktes ändern, werde ich hier darüber schreiben. Und wenn Sie (zurecht) Angst vor einem Krieg um den Iran haben, dann habe ich ja mein probates Mittel dargestellt, wie ich am Aktienmarkt profitieren und trotzdem mein Depot absichern kann: Ölaktien ! Abgesehen davon, hindert uns niemand daran, unsere Gewinne nun mit Stops unter 6800 abzusichern.

Kommentare zu einzelnen Aktien gibt es heute nicht. Dafür einen Link zu einem Thema, dass durchaus das Potential hat die Hausse in Gold weiter zu befeuern. Lesen Sie zu Singapurs Plänen. Denn mit so günstigen Handelsmöglichkeiten ist es wie mit einer neuen Autobahn: eine neue Autobahn erzeugt auch neuen Verkehr, der vorher gar nicht dagewesen ist.

Hoffen wir nun, dass unsere Finanzminister heute Abend in Sachen "G" den Markt nicht nach Handelsschluss enttäuschen. Denn wenn das passiert, haben wir nun doch einiges an Enttäuschungs- und damit Korrektur-Potential aufgesammelt, das sich Morgen in Form eines GAPs nach unten entladen würde.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend !

6 Gedanken zu “Hari´s Märkte am Abend – 20.02.12 – Es grünt so grün …”

  1. Hallo Hari, heute muss ichs kurz machen. Dein, nun ja, Essay über den Trader an sich, den fand ich sehr beeindruckend, sehr offenherzig und ehrlich vor allem. So etwas schreiben nur die wenigsten. Vielleicht will ich später dazu etwas schreiben.

    Dann Thema Bundespräsident. Ich bin sehr froh, daß der Herr Wulff es nicht mehr ist und der Herr Gauck es wird. Dies kann und wir sich noch als Glücksfall für unsere Demokratie erweisen, zumal Herr Gauck ein grundsatztreuer, zugleich aber auch freiheitsliebender und mitfühlender Mensch ist. Vor allem aber hat er in seinem Leben auch schon sehr viel durchleiden müssen, was ihn den Wert der Freiheit umso höher schätzen läßt, und außerdem eine sehr viel stärker Anteil nimmt als der durchschnittliche Mitbürger.

    Und zur aktuellen Lage kann ich nur sagen: Ich sehe das alles praktisch genauso.

    Abendliche Grüße

    Tokay

  2. Guten Morgen, Hari! Deine Annahme bezüglich einer Korrektur nach den „Good“ News scheint sich zu bewahrheiten – bis auf die Tatsache, dass die Peak nach oben vielleicht gar nicht mehr kommt

  3. Hallo Hari,

    ich spiele mit dem Gedanken den Rücksetzer für einen Einstieg bei Veolia zu nutzen. Das Unternehmen wurde von dir und Lars ja mal besprochen. Jetzt gibt es aber Bedenken wegen einem möglichen Managementwechsel und die Auswirkungen, die ein solches Ereignis mit sich bringen würde.

    Wie siehst du die Lage?

    Danke und Gruß
    JS

  4. @ John, ich kann den Wahrheitsgehalt dieser Presseberichte unmöglich aus der Ferne einschätzen. Dafür müsste man Insider sein. Richtig ist aber, dass der jetzige CEO Antoine Frerot mit der überzogenen Schulden- und Zukaufpolitik seines Vorgängers radikal aufräumt und Veolia massiv umstrukturiert. Und dabei nun langsam erste Erfolge hat.

    Denn mehr oder weniger hat Frerot ja Proglios Politik bis 2009 damit als gescheitert dargestellt. Das gefällt niemandem und wenn der „Niemand“ dann parallel Chef des Staatskonzerns EDF und politisch gut vernetzt ist, hat er auch die Macht richtig Ärger zu machen. Und die Politik mittendrin – wie das bei grossen staatsnahen Konzernen in Frankreich üblich ist – macht das Ganze bestimmt nicht besser.

    Vielleicht ist alte Artikel aus 2009 ja ganz erhellend. Daraus geht klar hervor, dass Proglio einen Megakonzern aus EDF und Veolia formen will und nie richtig von Veolia gelassen hat. Ich halte persönlich von dieser Grossmanssucht gar nichts. Diese Megakonzerne dienen dem Ego der Anführer, bringen den Aktionären aber nur Ärger und schwache Performance.

    In Summe sieht das also so aus, als ob da ernsthaft was im Gange ist und nun alte Rechnungen beglichen werden. Das schadet dem Unternehmen natürlich sehr. Wie weit der Schaden geht und was daraus resultiert, ist aber unmöglich von aussen einzuschätzen. Insofern ist nun eine gewisse Vorsicht aber sicher angebracht.

    Sollte sich der Gedanke des Mega-Mergers bewahrheiten, bin ich ganz schnell aus der Aktie, denn das wäre ein ebenso ineffizienter wie politisch dominierter Koloss, der mein Kapital nicht verdient hätte. Ich vermute, dass der Kapitalmarkt darüber wie ich denkt und die Kursreaktion bei Veolia dann eher negativ wäre.

  5. Vielen Dank für deine Ausführung! Wie immer extrem hilfreich 🙂

    Noch eine allgemeine Frage. Sind diese Art von Anfragen ok für dich oder siehst du das eher nicht so gern? Das man jetzt nicht alle 10 Minuten was wissen will ist glaube ich selbstverständlich, aber vom Grundsatz her …

  6. Im Prinzip sind die Ok John, das mache ich gerne. Aber letztlich ist es eine Frage der Frequenz, denn ich bin nur ein Mensch und habe auch nur 2 Hände und habe auch eine Menge anderer Aufgaben als nur in diesem Blog zu schreiben. Wenn der Blog also weiter wächst und viele mit solchen Anfragen kommen, werde ich dazu nicht mehr in der Lage sein. Ihr werdet es dann daran merken, dass keine Antwort mehr kommt. Ich werde mich dann darauf verlegen, solche Fragen gebündelt in den „Märkten am Abend“ anzusprechen. Grundsätzlich helfe ich aber gerne. Und deshalb macht es immer Sinn die Frage zu stellen, woher soll ich denn sonst auch wissen, was Euch interessiert ?

    PS: vielleicht kommen wir ja auch mal dahin, dass andere an meiner Stelle dann zur Antwort einspringen und ich nicht mehr den Alleinunterhalter mache. Das fände ich dann den Idealzustand.

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