Hari´s Märkte am Abend – 14.05.12 – In griechischer Geiselhaft

22 Uhr - Handelsschluss

Heute habe ich in Anbetracht eines politischen Marktes nur einen sehr persönlichen, durchaus emotionalen und nicht immer politisch korrekten Kommentar zu bieten. Einen Kommentar zu dem, was in Europa gerade passiert.

Denn ich muss Ihnen gestehen, das Wort "Griechenland" beginnt mich so richtig zu nerven. Und das ist nicht gut, weil es das seelische Gleichgewicht gefährdet, das für den Erfolg an den Märkten so entscheidend ist.

Aber es ist für mich kaum mehr auszuhalten, wie dieser marode und unregierbare Ministaat die ganze Eurozone und damit auch die Welt in Geiselhaft nimmt. Hier sieht man in meinen Augen den fatalen Mangel politischer Führung in der EU, der in dem ungeordneten Crescendo von 27 Staaten sichtbar wird. Verstärkt wird das durch die permanenten Wahlen - gewählt wird immer irgendwo - deren Gewinner dann erst einmal das Alphamännchen heraus hängen lassen müssen, um die Bedürfnisse der eigenen Wähler zu befriedigen. Das alles macht in schwierigen Zeiten so etwas wie eine ruhige und konsequente Führung der Euro-Zone unmöglich.

Denn theoretisch wäre es doch ganz einfach. Schon vor der gerade abgelaufenen Griechenland-Wahl hätte sich die nicht vorhandene Führung Europas eigentlich hinstellen müssen und sinngemäss öffentlich und mit allem Ernst folgende Sätze sagen:

"Liebe Griechen, wir sind solidarisch mit Ihnen und haben für Sie nicht nur einen gewaltigen Schuldenschnitt organisiert, sondern sind auch zu diversen materiellen und personellen Hilfen vor Ort bereit, um Ihrem Staat auf diesem schwierigen Reformweg zu helfen. Allerdings sind unsere mühsam ausgehandelten Vereinbarungen nicht mehr verhandelbar. Sie haben also die freie Wahl, wählen Sie entweder eine Regierung die diesen Weg mit uns geht und Griechenland wird sehr harte, schmerzhafte Jahre erleben, hat aber die gute Chance in EURO und EU zu bleiben und wird weiter unsere Solidarität erfahren. Oder wählen Sie eine andere Regierung, das ist Ihr gutes Recht. Dann seien Sie sich aber darüber im klaren, dass kein weiterer Cent der Eurozone mehr fliessen wird und Griechenland seinen eigenen Weg finden muss. Diese Haltung ist nicht mehr verhandelbar, denn wir sind unseren 500 Millionen EU-Bürgern verpflichtet und nicht nur 11 Millionen Griechen. Sie haben also die Wahl. Danke und auf Wiedersehen."

Wären diese Sätze klar und glaubhaft gesagt worden, hätte es zu einer echten "Wahl" statt einer reinen Frustabfuhr geführt. Und wir wüssten jetzt alle, woran wir sind. Denn ich bin sicher, dieses Wahlergebnis in Griechenland ist die Mischung aus jeder Menge sehr berechtigtem Frust mit dem alten Parteienfilz, der den Karren so in den Dreck gefahren hat - verbunden mit der undifferenzierten Hoffnung, dass man sich schon wie immer irgendwie durchmogeln kann und am Ende die Europäer doch zahlen. Nur eine derart klare Ansage, die Wahl zwischen Pest und Cholera sozusagen, hätte dazu geführt, dass die griechischen Bürger eine wirkliche Wahl und klare Entscheidung getroffen hätten. So wird natürlich lieber den Wunderheilern geglaubt, die versprechen die Krankheit ohne Schmerz heilen zu können.

Für uns, für Europa, für die Wirtschaft und für die Kapitalmärkte, ist das aktuell aber nun das schlimmste aller Szenarien: wir eiern weiter durch die Gegend, ohne das ein Ende dieses Elends abzusehen ist. Das kann jetzt möglicherweise bis Juni oder darüber hinaus so weiter gehen. Der Schaden, der dabei in Form von verschobenen Investitionen und Verunsicherung in der Wirtschaft angerichtet wird, beträgt sicher riesige Milliardenbeträge, wenn das mal reicht. Und den Schaden tragen wir alle. Denn Wirtschaft ist zu mindestens 50% Psychologie und diese aktuelle Unsicherheit hinterlässt mit Sicherheit eine üble Schleifspur.

Insofern kann ich das Wort "Griechenland" nicht mehr hören und werde zunehmend aggressiv was das angeht. Ich werde aggressiv, weil es so wie es derzeit läuft, nahezu unmöglich geworden ist an den Märkten zu agieren. Ausser als Daytrader natürlich, den die Gründe für eine Bewegung sowieso nicht interessieren, da zählt alleine der Kurs. Denn beim fröhlichen Raten, welche Volte sich dieses griechische Kasperle-Theater nun wieder ausdenkt, kann man nur verlieren. Und mit Geld-Anlage hat das nichts mehr zu tun. Unternehmenszahlen, Markttechnik, Sentiment, Wirtschaftsdaten - alles egal: wir starren nach Griechenland, nur das zählt. Und das nicht erst seit Papandreous unglaublich frecher Kehrtwende letzten Herbst. Ich sagte ja schon am Freitag, wir entwickeln als Geiseln langsam ein Stockholm-Syndrom.

Dabei sind die Schulden oder die Wirtschaftskraft von Griechenland eigentlich gar nicht das Problem, das Land ist im Weltmassstab sowieso in jeder Hinsicht irrelevant. Der daraus resultierende Vertrauensverlust in Europas Institutionen und Stabilität ist das Problem und dieser Schaden ist gewaltig. Ich könnte jeden Tag mit dem Kopf gegen die Wand schlagen, wenn ich sehe wie Europa durch diesen Mangel an Führung langsam kaputt gemacht wird.

Und dabei kann man den individuellen Politikern gar nicht mal grosse Vorwürfe machen, die müssen halt mit den aktuellen Strukturen leben. Der Vorwurf ist bei den Handelnden der 90er Jahre rund um Kohl und Waigel richtig aufgehoben, die eine gemeinsame Währung ohne institutionelle Grundlage und ohne gemeinsamen Rechts- und Wirtschaftsraum forciert haben. Was damals passiert ist, nennt man "das Pferd am Schwanz aufzäumen", da haben gut gemeinte Träumereien über Sachverstand gesiegt. Eine gemeinsame Währung steht eben am Ende einer Konvergenz und ist nicht der Katalysator !

Ob es und gefällt oder nicht, wir leben in einer multipolaren Welt und im Wettbewerb mehrerer grosser Wirtschaftsblöcke. Die Innovationen die nicht bei uns entstehen, werden gerne in anderen Teilen der Welt zu Wertschöpfung gemacht. Und wenn wir den Schallmeienklängen der für mich "ökonomischen Dünnbrettbohrer" folgen, die nun fröhlich schuldenbasierte Staatsprogramme auflegen wollen - so als ob das nicht schon in den 70er und 80er Jahren kräftig in die Hose gegangen wäre - wird Europa erst recht weiter zurück fallen.

Denn diese Diskussion um Sparen versus Wachstum ist komplett an der Realität vorbei. Beides ist nötig und es gibt gar keinen Widerspruch, es kommt aber entscheidend auf die Stelle an, an der man das eine und das andere tut ! Letztlich ist es wie beim menschlichen Körper, wenn ich fit werden will, muss ich mich gesund ernähren um das Fett weg zu bekommen und gleichzeitig trainieren, trainieren, trainieren um die Muskulatur zu stärken. Der Bauch muss schrumpfen UND die Muskeln gleichzeitig wachsen. Das eine ohne das andere führt nicht zu Erfolg !

Übertragen auf unsere überschuldeten Staaten muss also einerseits durch weniger Kalorien (Staatsausgaben) das ganze unproduktive Fett weg, dass sich in Verwaltung und politischen Subventions- und Wähler-Beglückungs-Programmen angesammelt hat. Das gilt auch für Deutschland, denn wenn man die ganzen unbilanzierten Lasten wie zb die Pensionen des öffentlichen Dienstes berücksichtigt, ist auch Deutschland bis zur Halskrause überschuldet und darüber hinaus. Und wenn man sich anschaut, dass wir selbst in der aktuellen Boomphase mit stark wachsendem Steueraufkommen immer noch neue Schulden aufnehmen und keinen Cent zurück zahlen, ist das ein unglaubliches Armutszeugnis für uns.

Andererseits muss alles was mit Investition, Bildung, Technologie und Innovation zu tun hat, gefördert werden. Hier darf nichts gespart werden, im Gegenteil. Aber bitte schön nicht, in dem der Staat in Form von Bürokraten entscheidet, was und welche Branche er fördert. Wie erfolgreich das ist, sehen wir ja wieder an der Solarindustrie. Echte Innovationen können gar nicht gezielt gefördert werden, weil es eben Innovationen sind, die vorher noch niemand auf der Rechnung hatte, schon gar nicht eine Behörde. Das ist doch genau das Wesen einer Innovation, das sie sich überraschend durchsetzt. Will man Innovation fördern, muss das in Form von rechtlichen, steuerlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschehen, die es lohnend machen zu forschen, entwickeln und auszubilden. Was aber geforscht und entwickelt wird, entscheiden bitte die Unternehmer. Man nennt das Ordnungspolitk, ein Begriff den niemand mehr zu kennen oder begreifen scheint.

Wer aber behauptet, man müsste in der Krise expansiv Geld ausgeben, um dann im Boom zu sparen, ist für mich mit Verlaub ein "ökonomischer Dünnbrettbohrer", der die menschliche Natur überhaupt nicht versteht. Und dabei schliesse ich bestimmte Volkswirtschafts-Professoren ausdrücklich ein. Auch eine Habilitation ist keine Versicherung gegen Schwachfug, es gab in der Wissenschaftsgeschichte in allen Disziplinen schon immer genügend wirre Irrlehren, die trotzdem Heerschaaren an Professoren ernährt haben. Theoretisch, mit Robotern oder in einem Wissenschaftsseminar, würde das mit dem Sparen im Boom ja auch funktionieren. Theoretisch ist das wirklich der richtige Zeitpunkt. Mit realen Menschen, die alle paar Jahre ihren neuen Volksbeglücker wählen dürfen aber nicht - da wird im Boom nie gespart, das ist im wahrsten Sinne des Wortes gegen die menschliche Natur. Und deshalb ist der einzige Zeitpunkt an dem man in Demokratien überzogene Strukturen schleifen kann: die Krise !

Übrigens, auch wenn das in bestimmten Kreisen nicht gerne gehört wird, der Grund warum wir in Deutschland gerade ein kleines Jobwunder erleben und zum Beispiel in Bayern defacto Vollbeschäftigung haben, ist neben der typischen Ingenieurskunst und dem Tüftlergeist der Deutschen die schlichte Tatsache, dass wir in den letzten Jahren bei den Arbeitskosten weit mehr Mass gehalten haben, als die anderen Länder. So ist unsere Wettbewerbsfähigkeit gewachsen. Und das bringt nun die Arbeitslosen wieder in Jobs. Ein bisschen calvinistisches Arbeitsethos schafft eben nicht nur Erfolg, sondern auch Sinn.

Nur so - mit Masshalten UND Investition in Bildung und Innovation - kommt man nachhaltig aus dem Loch, das erschliesst sich jedem Sportler von ganz alleine. Ich muss gesund Essen und mit "Sünden" Mass halten = sparsam sein. Und ich muss trainieren und mich fit machen = in Innovation und Forschung investieren. Ich behaupte ganz arrogant, das ist der einzige Weg der nachhaltig funktioniert. Und er funktioniert für Griechenland wie für Europa. Warum wir da überhaupt darüber diskutieren müssen, ist mir schleierhaft. Nur schnell und schmerzlos ist so eine Fitnesskurs halt nicht, aber ohne Schweiss kein Preiss, das war schon immer so - nicht nur im Sport.

Wer den Menschen aber verspricht, dass Sie alleine auf dem Wohnzimmersessel durch magische Pillen, Elektostimulation oder was auch immer fit werden, ist für mich ein Scharlatan. Das gilt in meinen Augen ebenso für Politiker und Volkswirtschaftsprofessoren, die den Bürgern das erzählen was sie hören wollen: das man gar nicht haushalten muss, sondern fröhlich weiter mit dem Geld um sich schmeissen kann und dann von alleine alles gut wird.

So weit zur Lage in Europa, tut mir leid, mehr habe ich heute wirklich nicht zu sagen. Ich bin wütend und wütend sollte man besser nicht traden, was ich deshalb heute auch nicht gemacht habe.

Rein von der Markttechnik her, von den Wirtschaftsdaten aus China und aus der Welt her, von der Entwicklung im grössten Markt der Welt, den USA her - ausgehend von allem was eigentlich zählen sollte, müsste ich nun aggressiv long gehen, denn viel spricht nun für eine baldige Wende. Auch Big Money scheint sich nun zu positionieren. Wir hatten am Freitag einen grossen Buying on Weekness Tag im SPY und nun auch Berichte wie die Profis die bärischen Wetten zurück fahren, lesen Sie .

Aber müsste, könnte, sollte - alles Konjunktiv. Griechenland nervt nur und überlagert alles. Und wenn da eine Nachricht den Markt nun auf dem falschen Fuss erwischt - so angeschlagen wie er ist - dann können wir im Sinne einer Klospülung auch mal schnell 400 Punkte nach unten rauschen. Das ist die traurige Realität dieser Tage, gefangen in griechischer Geiselhaft.

Ich hoffe, Sie sehen mir meine Wut nach, das hatte heute etwas von "von der Seele schreiben". Gute Nacht.

Ihr Hari

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10 Gedanken zu “Hari´s Märkte am Abend – 14.05.12 – In griechischer Geiselhaft

  1. Hallo Hari, ich muss mich voll u ganz deiner Meinung anschliessen! Leider werden aber die bilanzprüfer u Wirtschaftsexperten die vor gut 10 Jahren den Beitritt Griechenlands nicht zur Rechenschaft gezogen! Wären e Herrenal mit dem Fahrrad durch das jeweilige Land geradelt dann hätten wir viele Länder nicht in der eu! Leider u das ist für mich erschreckend, diskutiert das niemand! Kohl usw gehören nicht gelobt sondern nur noch bestraft u mit Harz 4 wenn überhaupt abgespeist!!! Wir diskutieren über pendlerpauschale usw … Aber unsere Chefs die Politiker leben in einer anderen Welt! Leider sind wir deutschen zu brav! Unsere Ersparnisse sind weg! Kohl bekommt den ehrenpreis, für was auch immer! Wahrscheinlich fürs essen!!!! Naja ich war auch gerade emotionell , aber ich werde wohl das schreiben was hoffentlich viele denken! Nicht die Griechen sind jetzt Schuld! Unsere hochgelobten tollen Wirtschaftsprüfer u bilanzexperten sind das übel !!!! Den die Bilanzen wurden beeinflusst von 5 Sterne Hotels u luxusfressen! Nicht durch Zahlen Daten Fakten!!!!!!!!!!! Wir sind selber Schuld … Kotz

  2. Sorry für die Rechtschreibfehler u teilweise unvollständigen Sätze! 😉 ich schrieb nicht vom pc aus sondern vom handy! Aber ich denke jeder versteht was ich sagen wollte ! Gute Nacht wünscht euch ein wirklich entsetzter Bürger Deutschlands der von unseren Politikern nichts mehr erwartet!

  3. Der Vermögensverwalter Dr. A. Seibold sagt, so schwer wie derzeit sei es ihm noch nie gefallen, an den Märkten Gewinn zu erzielen. Er setzt auf fallende Bundesanleihenrenditen (er erwartet 1,3 % für die 10-jährige Bundesanleihe) und sieht den Dax in absehbarer Zukunft fallen, bis auf ca. 5800 Punkte, siehe sein wöchentliches ca. 3-minütiges (unter “web tv”). (Das soll jetzt keine Werbung sein, sondern nur eine Information. Ich weiß nicht, ob er recht hat, das wird sich natürlich erst hinterher herausstellen. Das zeigt aber, daß es auch Anleger gibt, die – zumindest kurzfristig – auch pessimistisch für den Aktienmarkt eingestellt sind).

    Was mich persönlich ärgert, ist, daß man mit der Pleite Griechenlands und seinem Austritt aus der Euro-Zone 2 Jahre lang warten mußte. (Jetzt wird ein Austritt Griechenlands aus dem Euro ja langsam angedacht). Man hätte das damals sofort machen sollen, damals hatten die Banken noch die Griechenland-Anleihen und nicht wie jetzt die EZB bzw. die öffentliche Hand. Wenn damals Banken in Schieflage geraten wären, hätte man sie (teil-)verstaatlichen sollen. Dann hätten die damaligen Aktionäre der Banken auch bluten müssen, weil ihre Anteile stark verwässert worden wären und der Staat auch an den möglichen zukünftigen Gewinnen der Banken teilgehabt hätte. So sind die Aktionäre alle “gerettet” worden und kassieren weiterhin dicke Dividenden.
    Und wer sind diese Banken-Aktionäre? Wahrscheinlich angelsächsische Pensions- oder gar Hedgefonds. Denn der Großteil des Aktienkapitals der dt. AG’s liegt in ausländischen Händen. Ackermann und die Bankenlobbyisten haben es also geschafft, daß der dt. Steuerzahler dafür sorgt, daß diesen ausländischen Fonds mit unserem Steuergeld die Dividenden und mögliche Kursgewinne gesichert werden. Wir tragen die Verluste, die eigentlich die Aktionäre tragen müßten, denn sie investierten bewußt in Risikokapital.
    Es ist nicht zu glauben.

  4. Wie schon einmal gesagt, auch der 200-Tage-GLD rückt näher, und das ist dann ein sehr ernsthafter Test des seit Herbst 2011 bestehenden Aufwärtstrends. Was nun passiert, hängt in der Tat von der Politik ab. Wir können für den Moment nur abwarten. Es ist erforderlich, daß die deutsch-französische Seite jetzt den Showdown forciert(was voraussetzt, daß sie Übereinstimmung bezüglich der einzuschlagenden Strategie erzielt, was für die Zukunft Europas entscheidend sein wird). Ich meine, in Griechenland hat doch nur irgendetwas Sinn, wenn das eine Sanierung der Staatsfinanzen beinhaltet. Was das schlimmste wäre, wäre ein Schrecken ohne Ende….Vielleicht muß man notfalls die “Kavallerie” gen Südosten schicken, um mit den Worten eines möglichen Kanzleraspiranten zu sprechen….Nur eine Phrase? Nein, in Argentinien musste damals das Militär einschreiten, um dem Chaos Herr zu werden, als man pleite war.

  5. Du hast nicht nur dir von der Seele geschrieben, Hari. Seit geraumer Zeit drücke ich genau denselben Inhalt gegenüber meiner Familie, meinen Freunden und der mich umgebenden “politischen Opposition” aus. Was ich gestern nach der Wahl teilweise wieder in den Politshows hören musste, hat mich unterschwellig zum Kochen gebracht. “Wir müssen uns langfristig über das Sparen Gedanken machen. Zunächst einmal gilt es, die Ausgaben zu erhöhen, um das Wachstum anzukurbeln”
    Man sieht ja ganz toll, wie viele Gedanken in den letzten 60 Jahren bzgl. des Sparens gemacht wurden. Die Staatsverschuldung kennt seit der Gründung der Bundesrepublik nur eine Richtung. Und wie du schon richtig sagtest, ist es ein Armutszeugnis, dass die Ausgaben die Einnahmen selbst in Boomzeiten in Grund und Boden prügeln. Was hier läuft, sieht ein Blinder mit Krückstock. Ich sehe für den Schuldenstand in NRW schwarz, jetzt da Frau Kraft noch einmal richtig tief Luft holen darf. Ihren Spitznamen kennt ja bereits jeder. Dass für Verschuldung jetzt eine Alternative her muss, ist bei dieser werten Dame in noch keinster Weise angekommen. Hollande weiß ja schon, wie er es richten möchte. 75% Einkommensteuer für Top-Verdiener. Das muss nicht kommentiert werden und die Folgen denke ich auch nicht…

  6. Es gab mal eine Zeit wo europäische Politiker die EU einfach immer größer machen wollten. Und jedesmal wenn sie wieder ein Land in den Kreis aufgenommen haben, sprachen sie mit stolz geschwellter Brust wie wunderbar doch alles ist und es wurden gleich mal so die nächsten Kandidaten in den Blick gefasst.

    Und bei der Prüfung ob diese teilweise sehr maroden Länder überhaupt in die EU integrierbar wären wurden dann alle Augen zugedrückt, weil Europa, oh wie geschichtsträchtig immer größer werden mußte. Dabei wurde auch außer Acht gelassen, dass es keine adäquate Verfassung gab für eine immer größer werdende Zahl an Staaten, so dass immer noch das Veto-Recht eines Landes genügt um wichtige Vorhaben bzw. Reformen nicht umsetzen zu können. Was einer Handlungsunfähigkeit bei wichtigen Entscheidung gleich kommt.

    Die EU und den Euro mit den wirtschaftlich stärkeren Staaten im Sinne eines harten Kerneuropas zu etablieren, wäre das Gebot der Stunde gewesen, und ja diese Politiker verdienen ganz und gar keine Auszeichnung für den Murks den sie in dieser Zeit für uns angerichtet haben.

    Was Hari hier in Anklängen geschrieben hat, sind die VWL-Inhalte eines Wirtschaftswissenschaftsstudiums, und die Zusammenhänge dieser Inhalte in der Tiefe sind eben vielen Politikern oder noch schlimmer Gewerkschaftlern dann doch wohl etwas unbekannt.

    Aber auch der Nobelpreis schützt vor Torheit nicht und so sind die aktuellen Äußerung von dem, oha, Starökonomen Mr. Krugman so zu lesen, dass er bald vielleicht in nächster Zukunft Vorträge im Rahmen eines Gewerkschaftler-Treffens halten möchte. Und dabei spielt anscheinend keine Rolle, dass die leicht verständlichen in der Realität immer wieder gescheiterten Ausgabenprogramme a la Keynes zu eben nicht den großen Konjunkturimpulsen, sondern zu einer immer weiter steigenden Staatsverschuldung geführt haben.

    Und das ist eben genau so eine nachfrageorientierte Finanzpolitik über Jahrzehnte, der diese hohen Verschuldungsraten geschuldet ist.

    Zu Griechenland, es wird jetzt wohl eine Galgenfrist geben bis Mitte Juni! Und dann gibt es zwei Szenarien, es gibt eine Mehrheit in der Mitte und dann werden wir dieses Land wohl weiter subventionieren oder es gibt eine Mehrheit der radikal Linken und dann wird es einen geordneten Austritt geben. Geordnet hört sich nett und ruhig an, wahrscheinlich wird es zu gewaltigen Unruhen und Ausschreitungen in diesem Land führen, aber wie so oft hier schon geschrieben besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

    Euch allen einen schönen Tach!

  7. Neuwahlen! Das Drama nähert sich dem nächsten Akt – wahrscheinlich dem Schlußakt….

  8. Ja und jetzt entscheidet es sich gerade. Wenn der Markt das jetzt verdaut ohne durch die 6400 nach unten durchzufallen, dann haben wir die Chance wenigstens 2-3 Wochen Ruhe vor dem Thema zu haben. Erst mit der Wahl sind dann neue Nachrichten aus Griechenland zu erwarten. Insofern, wenn wir jetzt nicht abkippen, haben wir die Chance auf eine Gegenbewegung !

  9. Ist auf 6360 gefallen, steigt aber jetzt wieder auf über 6400. Der erste Schreck scheint wieder nachzulassen.

  10. …sehr gut, ausdrucksstark und bildhaft geschrieben, Hari…
    Man kann dem nichts mehr hinzufügen.
    Ich kann wohl deinen Ärger und deine Verzweiflung nachempfinden und damit
    bringst du nur zum Ausdruck, was viele denken und auch viele bewegt.
    Das eingestehen von Fehlern ist eine menschliche Schwäche, gerade bei Politikern.

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