Hari´s Märkte am Abend – 18.06.12 – Rheinmetall, FED, POMO

18 Uhr - Handelsschluss in Deutschland

Ich will heute Abend mal in Form eines Q+As auf ein paar Fragen eingehen, die sich vielleicht aktuell aufdrängen.

(1) Wie weit kann Rheinmetall (WKN 703000) noch steigen ?

Fundamental habe ich hier schon mehrfach geschrieben, dass ich Rheinmetall zu Kursen unter 40€ nicht hergebe, da ich den Wert des Unternehmens höher einschätze. Der aktuelle Anstieg von ca. 15% in 2 Tagen beruht auf 2 Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:

Erstens einem Analystentag, auf dem das Management offensichtlich eine gute Figur abgegeben hat und die Analysten unisono überzeugt hat, dass zu grosse Sorgen um den Auftragseingang im Rüstungsgeschäft unberechtigt sind.

Zweitens den Meldungen über den gewaltigen Auftrag der Saudis zum Kauf von Leopard Panzern, der einer der grössten Rüstungskäufe in der Geschichte der Bundesrepublik wäre.

Insofern bin ich zuversichtlich, dass Rheinmetall in der mittelfristigen Zukunft auch wieder zu Kursen oberhalb 40€ notieren wird, einfach weil das nach meiner Ansicht dem inneren Wert des Unternehmens eher angemessen ist, als Kurse um 32€. Was wir heute mit zeitweise +9% im Kurs erlebt haben, ist schlicht die Erkenntnis des Marktes, dass er zuletzt nach unten übertrieben hatte.

Kursfristig ist aber auch klar, dass nach solchen Anstiegen auch eine technische Gegenbewegung folgt. Insofern könnte die 200-Tage-Linie die bei ca. 38,9€ verläuft, den "Deckel" der kurzfristigen Bewegung darstellen. Ein temporärer Rückgang Richtung 35,5€ (im Chart die feine waagerechte Linie) wäre dann nur normal und gesund. Diese "Zone" zwischen 38,9 und 35,5 habe ich im Chart mit zwei Pfeilen markiert.

Übrigens, um das Thema der Divergenz zwischen Kurs und RSI in Erinnerung zu rufen, schauen Sie doch mal genau auf den Chart und betrachten Sie das Tief von Anfang Juni im Vergleich zu den (höheren) Tiefs von Mitte Mai. 😉

(2) Wie wird der Markt am Mittwoch auf die FED reagieren ?

Da wir nicht wissen, was Ben Bernanke plant, lohnt es sich auch nicht darüber zu spekulieren. Das überlasse ich lieber all den sogenannten "Experten", die von Medien gerne zitiert werden. 😉 Viel interessanter ist aber für mich, was der Markt aktuell schon eingepreist hat. Und im Moment ist es wohl Marktkonsens, dass Bernanke liefern wird.

Sollte der Markt also bis Mittwoch früh weiter hoch laufen, erhöht dass das Risiko einer "Sell the News" Enttäuschung erheblich. Einen starken Markt bis Mittwoch früh, werde ich also eher nutzen um Risiko heraus zu nehmen und nicht um dem Markt hinterher zu laufen. Ein geradezu ideales Setup wäre es, wenn der DAX morgen die Widerstandszone um 6400 von unten testen würde, dass wäre für mich dann möglicherweise eine Gelegenheit, um vor der FED im Handelssystem eine kurzfristigen Short-Trade auf den DAX einzugehen.

Für die neuen Leser weise ich aber ausdrücklich darauf hin, dass diese Aussage keinerlei Richtungsaussage für den mittelfristigen Kursverlauf des DAX ist ! Es geht dabei nur um eine kurzfristige Positionierung für die Marktreaktion am Mittwoch auf die FED, nicht mehr und nicht weniger. Und diese kurzfristige Positionierung ist immer und zwingend mit Stops versehen, denn auch eine gute Wahrscheinlichkeit ist nicht mit "Sicherheit" gleichzusetzen !

(3)Was verbirgt sich hinter dem Begriff "FED POMO Operation" ?

POMO steht für "Permanent Open Market Operations", also sozusagen die Operationen der FED am offenen Herzen des Marktes. Dahinter stehen die konkreten Käufe und Verkäufe, die die FED im Rahmen ihrer QE1, QE2, Twist Programme vornimmt. Diese Operationen haben deutliche und recht zuverlässig vorhersehbare Effekte auf den Kursverlauf Intraday, weswegen das Wissen darum eine grosse Bedeutung hat.

Glücklicherweise werden Zeitpunkt und Umfang der Operationen für jeden sichtbar veröffentlicht. So hatten wir heute eine grosse POMO Sell-Operation, die der Markt aber gut aufgenommen hat, ein positives Zeichen. Ich rate dazu, diese Schedules immer im Auge zu behalten, da sie oft den Unterschied zwischen einem schwachen und einem starken Börsentag ausmachen können !

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10 Gedanken zu “Hari´s Märkte am Abend – 18.06.12 – Rheinmetall, FED, POMO

  1. Dirk Müller gibt jetzt in “Hart aber fair” im Ersten seinen Senf zur Euro-Krise ab. Falls jemand ohne Beschäftigung ist …^^

  2. Tja Ramsi,

    daran sieht man wie das Geschäft mit öffentlicher Aufmerksamkeit funktioniert. Sitze einfach an der richtigen Stelle, zwirbele “bedeutend” Deinen Bart und sei mit Geschäftssinn gesegnet, so einfach kannst Du “prominent” werden, selbst wenn Du sonst nichts zu bieten hast.

    Müller macht das ja auch gut, er sagt nie was Falsches und macht sich niemand zum Feind, weil er immer das Offensichtliche bedient. Ich erinnere an DAX 8000 Ende März. Das kommt halt an. Und seine Ratschläge und Meinungen sind ja auch meistens nicht ganz falsch, sie sind halt einfach Mainstream und das geht bei den Menschen runter wie ein kühles Bier. 😉

    Und jetzt überleg mal und denk an all die “Experten”, die in den Medien zu Themen vernommen werden, in denen Du Dich vielleicht nicht so auskennst und daher keine Chance hast, die anderen “Müllers” zu enttarnen. Bisher hast Du vielleicht gedacht, die würden nach Kompetenz ausgewählt und zumindest hätte ihr Auftreten in den Medien etwas damit zu tun….

    Leider muss ich Dich enttäuschen, denn beantworte Dir selber mal die Frage: warum glaubst Du, dass das System der öffentlichen Aufmerksamkeit in anderen Fachbereichen anders funktioniert als im Fall Müller ? 😉

    Soviel zu den sogenannten “Experten”, die zu Themen in den Medien auftreten, Ausnahmen gibt es, aber die bestätigen die Regel……

    Und um das abschliessend festzustellen, Müller ist dabei ja noch einer der Guten. Er macht sich durchaus damit verdient, das er völlig Ahnungslosen ein paar richtige Grundregeln der Börse vermittelt. Insofern habe ich mit ihm inhaltlich gar kein Problem, ich finde es nur erstaunlich nach welchen Kriterien man hier zu Lande zum “Experten” wird. 😉

    Und deshalb ist mir mein Leben zu kurz und zu wertvoll, um dem oberflächlichen Schlagworttaustausch bei Plasberg, Illner & Co. beizuwohnen. 😉

  3. Ich brauche eigentlich gar kein wirtschaftliches Fachwissen für die Beurteilung der Treffsicherheit dieses Gesprächs. Allein schon die Erwartung, eine Frage wie “Wer hat diese Situation verursacht?” in zwei Sätzen sachgerecht beantwortet zu bekommen, sagt alles aus. Das signalisiert mir schon, wie undifferenziert und damit letztlich wertlos dieses Format ist.

    Wir hatten ja letztens diese Diskussion bezüglich des Verursachers (Wähler/Politiker/…???). Und schlussendlich gibt es ja keine goldene Antwort darauf, weil die dazu gehörigen Meinungen höchst subjektiv sind.

    Ich bekomme ja auch kein übersichtliches Bild der prekären Lage unserer sozialen Unterschicht, nur weil sich eine saufende Mutti vor die Kamera stellt und mehr Kindergeld möchte. Daraus auf die Grundgesamtheit zu schließen, überlass ich lieber Menschen mit stark limitiertem geistigen Horizont. Fernsehen unterhält und informiert extrem rudimentär. Wer aber glaubt, die 5 Frage-W’s zu einem Thema solide beantwortet zu bekommen, ist mit diesem Basismedium definitiv falsch bedient.

    Fraglich finde ich aber, ob das “System der öffentlichen Aufmerksamkeit” durch das Fernsehen vollständig repräsentiert wird. Letztlich gibt es ja auch viele Fachzeitungen und -zeitschriften, die sich durchaus an einer perspektivischen Differenzierung und sachlicher Präzision versuchen. Die Frage ist, wieviel Einfluss dieser Bereich der Medien besitzt. Aber das weißt du doch auch nicht, oder? Allerdings glaube ich bei einer täglichen Auflage der Bildzeitung von 40 – 60 Mio. ist deine Ansicht realitätsnäher als meine idealistische Hoffnung.

  4. Naja Ramsi, wenn Du die deutschen “Fachzeitschriften” zum Thema Börse nimmst, weisst Du ja wer darin erscheint: Otte, Müller, Otte, Müller, Otte, Müller und so weiter …. ab und an garniert mit Erhardt, Flossbach, Hellmeyer & Co, und zum Schluss gewürzt mit eine bisschen Buffet und Kostolany 😉

    Ist ja eigentlich schade, weil mitten in den Heften sind dann manchmal ganz gut recherchierte Artikel. Nur, würdest Du in den St. Pauli Nachrichten einen guten Artikel zur Quantenphysik suchen ? Insofern schade um die guten Artikel.

    Übrigens, die in meinen Augen mit Abstand beste Finanzzeitschrift des deutschsprachigen Raums, die Schweizer “Finanz und Wirtschaft”, hat endlich einen akzeptablen Online-Auftritt. Schaust Du hier: Sehr lesenswert, dort ist eher Kompetenz vertreten, Otte und Müller sind mir da noch nicht begegnet.

  5. Naja, da haste dir aber gleich ein ganz schwarzes Beispiel ausgesucht. Das populärste Anlegermagazin “Der Aktionär” wird von Bernd Förtsch herausgegeben. Der hat aber auch in irgendeiner Fonds-Topliste einen Top10 der größten Geldvernichter inne. Grundsätzlich bin ich bei der Meinung aber bei dir.

  6. Wieso Ramsi, das ist doch das naheliegende Beispiel, wir reden hier im Blog ja nicht über Kleintierzucht, sondern über Börse. Und jetzt nenn Du mir mal eine richtig gute Börsenzeitschrift (nicht Zeitung ala Handelsblatt) im deutschsprachigen Raum. Ich denke dass alleine sagt schon eine Menge über die deutsche Börsenkultur, denn die Zeitschriften bedienen ja nur das, was die Leser wollen.

  7. Ich habe ja vom System der öffentlichen Aufmerksamkeit (wie du es ausgedrückt hattest) gesprochen. Das umfasst ja mehr als die Börse. ” Ich finde es nur erstaunlich nach welchen Kriterien man hier zu Lande zum “Experten” wird. ”

    Ich dachte, das sei nicht bloß auf Wirtschaftswissenschaften begrenzt gemeint gewesen.

  8. Nein, war es auch nicht Ramsi. Jetzt hast Du mich aber verloren und ich weiss nicht mehr, worüber wir hier diskutieren. Ja ich bin überzeugt, dass läuft in anderen Wissensgebieten genau so.

  9. Ich habe dich insgesamt so verstanden, dass du kritisiert hast, dass Meinungsbildung in der Öffentlichkeit (egal in welchem Fachgebiet) gerne mit Hilfe sog. “Experten” abläuft und du jetzt am Beispiel Hart aber fair gesagt hast, dass in vielen Fällen Leute als der Weisheit letzter Schluss dahingestellt werden, die dann leider nur vorgeben, ein fantastisches analytisches Verständnis zu besitzen und die goldene Lösung parat zu haben, letztlich aber wie Herr Müller bloß ein bisschen Senf versprühen.
    Falls du das anders gemeint hast, habe ich dich wirklich verloren ^^

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