Hari´s Märkte am Abend – 15.06.12 – Fragen über Fragen

22 Uhr - Handelsschluss

Der Markt ist erstaunlich stark heute Abend, von Abgaben aus Angst vor dem Wochenende keine Spur. Scheinbar setzt sich Optimismus durch und die optimistische Haltung die ich zuletzt als "die Griechenland-Wahl bietet nun nur noch wenig negatives Überraschungspotential" beschrieb, scheint nun zum Marktkonsens zu mutieren.

Technisch ist die Cup&Handle Formation im S&P500 nun auch in Gang gesetzt. Eigentlich auch ein sehr positives Zeichen mit Kursziel 1400, eigentlich .... wenn das ein normaler Handelstag wäre und morgen auch normaler Handel wäre. Dann wäre ich heute auch schon massiv Long im S&P500 gegangen. Aber das ist kein normaler Tag heute und die Nackenlinie ist auch noch nicht weit genug weg um ein Fehlsignal völlig auszuschliessen.

Sie werden jetzt vielleicht erstaunt sein, aber mir gefällt dieser Optimismus des heutigen Abends nicht so richtig. Mehr Pessimismus und Gewinnmitnahmen aus Vorsicht vor dem Wochenende wären mir lieber, weil diese ein sauberes Long-Setup bedeuten würden. So wie der Markt sich heute verhält, steigt auch das Risiko einer Enttäuschung nun wieder.

Denn mit dieser Bewegung der letzten Stunde hin zu S&P500 1342 wurden sicher auch eine Reihe von Shorts wieder aus dem Markt gekegelt, die am Montag dann fehlen. Denn der Weg des geringsten Widerstands ist genau der, wo die Mehrheit nicht positioniert ist - das ist ja die ganze Perversion von Mr. Market.

Tim Knight von hat die Erwartung des Marktes sehr treffend so beschrieben: "It's pretty clear that bulls are anticipating a "heads I win, tails you lose" kind of week next week. If the Greek elections go against the bulls, then the central bankers will bail them out. If the Greek elections go with the bulls, well, that's a win for them too. We'll see."

Somit bleiben Fragen über Fragen die nicht zu beantworten sind. Sicher dürfte ein Sieg der radikalen Linken am Montag früh zunächst für Abgaben sorgen. Und ein Sieg der Nea Demokratia für eine Fortsetzung der heutigen Rally. Nur wie geht es dann weiter ?

Denn ganz typisch für Mr. Market wäre auch, dass er schon nach wenigen Stunden in die Gegenrichtung der ursprünglichen Bewegung losläuft. Ein Sieg der radikalen Linken wäre ja bei genauem Nachdenken vielleicht gar nicht so schlecht, weil er das Potential hat diese schwärende Wunde im Euro endlich heraus eitern zu lassen. Umgedreht bedeutet ein Sieg der Nea Demokratia doch nur, dass die Mitverantwortlichen für das ganze Elend und die Korruption des griechischen Staates erneut am Ruder sitzen und letztlich auch nicht die Schulden werden bedienen können.

Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende ? Was wird Mr. Market mehr mögen ? Und über all dem schweben die Notenbanken mit ihren fiskalischen "dicken Bertas", mit denen sie schon vor Handelseröffnung am Montag das Bild völlig auf den Kopf stellen können.

Und um das Ganze zu verschlimmern, haben die nicht dementierten Berichte um Zentralbank-Interventionen die Erwartung an die FED Sitzung weiter erhöht. Der Markt geht nun davon aus, dass Bernanke am Mittwoch liefert. Ich möchte mir im Anbetracht dieser Erwartung lieber nicht vorstellen was passiert, wenn Bernanke enttäuscht. Einigermassen ruhig lässt mich nur die Erfahrung schlafen, dass sich die FED der Aussenwirkung ihrer Kommunikation wohl bewusst ist und diese in der Vergangenheit im Vorfeld von Weichenstellungen immer gut gemanaged hat. Insofern darf man hoffen, dass das auch dieses Mal der Fall ist und die grosse Enttäuschung ausbleibt.

Soweit die komplizierte Lage was die Markterwartungen angeht. Ich kann nur feststellen, dass ich im Gegensatz zu heute Morgen nach dem späten Handelsverlauf keinen Edge mehr habe, der mir erlaubt das Ergebnis mit Wahrscheinlichkeit zu prognostizieren. Und deshalb macht es auch keinen Sinn zusätzliches Kapital in die eine oder andere Richtung zu exponieren, meine Aufstellung bleibt wie zuletzt beschrieben. Ich bin nun wieder neutral und erwarte voller Demut und ohne Bias den Urteilsspruch des Marktes. Lassen wir uns überraschen, spannend wir die kommende Woche ganz sicher.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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21 Gedanken zu “Hari´s Märkte am Abend – 15.06.12 – Fragen über Fragen

  1. Ich sehe das genauso, hier wird eine win-win Situation antizipiert. Der Markt hat sich heute klar bullish platziert und sich ordentlich Risiko mit ins Wochenende genommen. Wenn alle long positioniert sind, dann ist der Weg des groessten Schmerzes aber abwaerts. Alle starrten zudem auf die Nackenlinie im S&P500, welche ja so mustergueltig ueberwunden wurde, auch das kann nicht gut gehen fuer die Bullen.

    ABER: Aus meiner Sicht machen es sich die Baeren hier zu einfach. Das Setup sieht viel zu positiv aus, es biedert sich geradezu an. Also erwarten die Baeren hier sicheres Spiel: Markt geht runter. Ich glaube aber, dass diese contrary opinion damit ebenfalls zu offensichtlich geworden ist, dafuer sind einfach zu viele professionelle Marktteilnehmer im Markt. So einfach wird man es denn Contrarians ja wohl nicht machen, oder?

    Was ist dann der Weg des maximalen Schmerzes? Der, der naechste Woche Bullen und Baeren weh tun wird, keiner wird einfaches Spiel haben. Dh., hohe Volatilitaet mit fuer Freitag unangenehmen Ausgang, egal auf welcher Seite man stand. Ich bin echt gespannt, was der Markt draus macht!

    Auf Gold bin ich auch gespannt, ueberraschend wie klar Tim Knight sich da positioniert hat.

  2. @ Hans, was Gold angeht hat Tim Knight einfach einen massiven Bias und das schon immer 😉 Auch im Aufstieg seit 2009 war er oft auf der falschen Seite. Er kann da glaube ich nur eine Richtung 😉

    Ich sehe das etwas pragmatischer und hoffentlich ohne Bias. Solange das Prinzip immer höherer Hochs erhalten bleibt, bin ich bullisch was den GDX angeht. Und wenn nicht mehr, dann halt nicht mehr.

    Ich versuche gerade zu vermeiden, wie Tim Knight auf eine Richtung zu wetten, nur weil Charts so schön aussehen. So mächtig ist Charttechnik nicht, dass sie alleine gegen alle anderen Indikatoren dominiert. Mit derartigen Wetten wurde der gute Tim schon oft rasiert, ich erinnere mich eindringlich an einen Tag im September 2010, als der Markt irgendwo bei 1070 im S&P500 nach Bernankes QE1 massiv drehte und Tim 120% Short war, weil die Charts so attraktiv bärisch aussahen.

    Das war für ihn eine Nahtot-Erfahrung und er fühlte sich – um seine eigenen Worte zu zitieren – wie ein Reh im Scheinwerferlicht.

    Ich verlinke ihn auch nicht deshalb, weil ich seine Sicht und seinen Investmentstil teile. Ich finde es eher lehrreich zu sehen wie Permabären ticken. Um den Markt zu verstehen ist es wichtig die unterschiedlichen Sichtweisen zu erkennen und zu verstehen, wenn man sich nur im eigenen Bias suhlt, kann man nicht erfolgreich sein. Und Tim hat oft mal witzige Blogeinträge zum Schmunzeln, abgesehen davon, dass er einfach ein netter und vor allem grundehrlicher Kerl zu sein scheint.

    Aber als Vorbild für gute Tradingentscheidungen ist er in meinen Augen nicht geeignet, weil zu festgelegt auf Charts und zu oft mit massivem Bias.

  3. @ Hari
    “Ich sehe das etwas pragmatischer und hoffentlich ohne Bias. Solange das Prinzip immer höherer Hochs erhalten bleibt, bin ich bullisch was den GDX angeht. Und wenn nicht mehr, dann halt nicht mehr. ”

    Das ist genau, um was geht. Lernt man i.d.R. aber erst nach leidvollen Erfahrungen. Mich haben diese Erfahrungen in den Jahren 2000 – 2002 trotz der teuren “Expertisen” von Platow, Bernecker usw. sehr hohe Summen gekostet.

    Ich versuche ja nun, neben dem Kurzfrist-Trading mit Futures und CFD, eine Synthese aus Investment und Trading mit Aktien umzusetzen. Die Idee ist, fundamental attraktive Aktien (ohne hier jetzt zunächst näher darauf einzugehen, was ich darunter verstehe) zu einem Zeitpunkt zu kaufen, an dem aufgrund der Charttechnik eine Bewegung in die gewünschte Richtung zu erwarten ist. Grundsätzlich möchte ich dabei nur solche Aktien auswählen, in die ich auch längerfristig investieren würde, solange die fundamentalen Voraussetzungen gegeben sind.

    Mit 50% dieser Positionen möchte ich einen Trading-Ansatz verfolgen, d.h. bei erwarteten stärkeren Kursrückgängen (also nicht nur die normale Korrektur im Trend) diese 50% verkaufen und den Rest mit Optionen als Stillhalter und/oder mit CFD hedgen. Der Gewinn daraus wird bei einem Wiederaufstocken der Position in diese Aktie investiert und die Position vergrößert.

    Soweit die Theorie. In der Praxis ist nun entscheidend, die erwarteten stärkeren Kursrückgänge möglichst zutreffend zu ermitteln und auch den initialen Einstieg richtig zu timen. Für das Einstiegs-Timing möchte ich Anleihen an meinem Tradingansatz aus dem Futures-Trading zu nehmen. Ob das so funktioniert, weiß ich noch nicht, weil bei Aktien mehr Einflussfaktoren zu berücksichtigen sind. Bei Futures interessieren mich weder Fundamentaldaten noch Sentiment-Informationen, COT-Daten o.ä. sondern nur Momentum. Das ist bei Aktien aber nur eine Größe.

    Eine weitere Überlegung ist, für sowohl das Einstiegstiming als auch die Teilverkäufe – ergänzend zur Einschätzung der marktseitigen Rahmenbedingungen – die Markttechnik, speziell den Trendaufbau der Markttechnik zu nutzen. Wenn ich es richtig interpretiert habe, orientierst Du Dich neben einer Gesamtmarktbeurteilung an diesen Kriterien.

    Ist das richtig? Interessieren würde mich auch, welchen Zeitrahmen (Stunde, Tag, Woche etc.) Du für Dein Timing verwendest. Könntest Du dazu bitte etwas sagen? Danke.

  4. Hallo Hari und geschätzte Forennutzer,

    was haltet Ihr angesichts der momentan schwieriger werdenden Weltwirtschaftslage von klassischen Industrietitel des deutschen Indexes? Kann dort überhaupt noch ein deutlicher und längerfristiger Trend nach oben gehen, obwohl scheinbar überall die Konjunktur abreißt? Haltet Ihr diese Titel auch, so wie man fast überall lesen kann, nur für langfristige Anlagen mit momentaner Tendenz nach unten?

    Und danke Hari für deine Einschätzung von Freitag, mir kamen die deutlich nach oben zeigenden Marktreaktionen sehr merkwürdig vor, obgleich ich es (noch) nicht wirklich einordnen kann. Das Signal geht ja in die Erwartungsrichtung, dass in den nächsten Wochen ALLES dafür getan wird, um die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Eine erneute Rezession kann sich aber auch vermutlich keines der hoch verschuldeten Industrieländern (auch die USA) erlauben, nachdem der letzte Wirtschaftseinbruch erst einige Jahre zurück liegt. Was meint Ihr dazu?

  5. @ Z88, ja ich berücksichtige alle Parameter bei der Entscheidung von fundamental bis technisch. Und meine Grundphilosophie ist ähnlich : ich trade nur Aktien, die ich auch vom Investitionsstandpunkt her in Erwägung ziehen würde. Einstieg und Ausstieg sind dann aber primär technisch geprägt. Wenn Du so willst bin ich also ein technischer Trader mit fundamentaler Auswahl des Aktienuniversums in dem ich mich bewege.

    Beim Einstieg überwiegt die Markttechnik, Dinge wie Divergenzen, Overbought/Oversold, Reversal Patterns etc. Beim Ausstieg ist es eine Mischung von Automatismus wenn Kursziele oder Stops erreicht wurden, verbunden mit etwas Markttechnik mit der ich festlege wie weit ich aussteige. Denn ich stückele auch gerne, sprich ich baue eine Position in Teilen auf, bis sie ihre volle Zielgrösse erreicht hat und ich baue auch nur schrittweise ab. Einen Teil der Gewinne mitzunehmen ist eine Methode die sich sehr bewährt hat, wenn man im Zweifel ist ob man nun raus sollte oder es noch weiter nach oben geht.

    PS: Und der Zeitrahmen, das ist doch einfach: der gehört immer zum Anlagehorizont. Trade ich zb einen langfristigen Trend der noch Wochen laufen könnte, müssen auch die Signale der Markttechnik aus diesem Zeithorizont stammen. Ein Intraday Reversalpattern hat dann keine Bedeutung.

  6. @ Hari

    Danke. Die Stückelung von Positionen halte ich auch für äußerst sinnvoll. Den absoluten Hoch- oder Tiefpunkt erwischt man sowieso nie und kann so die Gesamtposition besser managen. Ebenso sinnvoll sehe ich auch die Berücksichtigung von Divergenzen zwischen Kurs und einem Indikator aus der Momentum-Familie (den ich zusätzlich noch normalisiere). Nach diesem Prinzip verfahre ich auch bei meinem CFD-Trading, wenn ich größere Swings trade.

    Könntest Du bitte noch sagen, in welchem Zeitrahmen Du Dich überwiegend bewegst? Im Futures-Trading verwende ich keine zeitbasierten Charts sondern Charts mit Range-Bars. Im CFD-Trading bewege ich mich zwischen 5 und 30 Minuten. Das hängt ab von der Trendintensität des jeweiligen Index oder ob sich klare Trading-Ranges herausgebildet haben und deren Spanne.

    Bei Aktien bin ich mir noch unsicher und schwanke, ob der Stunden-Trend oder ein höherer Zeitrahmen sinnvoll ist. Natürlich hängt das auch immer von der persönlichen Risikobereitschaft (Stops) usw. ab. Da ich aber denke, dass Du ähnlich im Markt unterwegs bist gibt es sicher Erfahrungswerte, welcher Zeitrahmen sich für Dich als profitabel bewährt hat. Oder kann man das nicht so eindeutig sagen?

  7. @Z88, nein kann man in meinen Augen nicht so eindeutig sagen. Im Gegenteil, zur Beobachtung einer Situation ist es in meinen Augen immer nötig, diese aus unterschiedlichen Zeitperspektiven zu betrachten, da unterschiedliche Perspektiven oft unterschiedliche Signale liefern. Nur wenn unterschiedliche Zeitperspektiven ähnliche Signale liefern, ist das Signal wirklich als bedeutend zu werten.

    Konkret, ich operiere immer in klassischen Charts mit Zeitachse, der Chart auf Basis von Candlesticks. Also Charts ähnlich denen, die ich hier auch einstelle. Weiterhin agiere ich nach dem Motto “Keep it simple”, also keine überladenen Charts mit x Indikatoren, sondern eher weniger, die man dann aber auch wirklich ernst nimmt.

    Im Tradingdepot, in dem ich kurzfristig in der Regel auf Basis der Futures agiere, schaue ich mir die Situation mit Zeithorizont 1 Minute, 10 Minuten, 1 Stunde an. Der Wert bezieht sich auf die Kerze, also sozusagen die kleinste Einheit der Darstellung. Entscheidend ist dabei der mittlere Wert – also die 10 Minuten Einheit – die beiden anderen Darstellungen dienen der Bestätigung bzw Überprüfung.

    Im Investmentdepot operiere ich in der Regel mit 1 Stunde, 1 Tag, 1 Woche. Auch hier ist der mittlere Wert – also die Tagessicht – in den meisten Fällen der letztlich entscheidende für den Trade.

    Aber das sind nur Daumenregeln, denn natürlich kann man die Bewegungen zb des EUR/USD Paares, nicht mit Bewegungen bestimmter Aktien vergleichen. Insofern könnte man Deine Frage präzise nur unter konkreter Benennung des Tradingvehikels beantworten. Dieser Detailgrad geht dann aber in so einem Blog zu weit und hat auch wenig Sinn zu diskutieren, weil das auch viel mit “Stil” und “Vorlieben” und wenig mit “Richtig” oder “Falsch” zu tun hat.

    Ich betrachte bei einer Entscheidung das Bild aber definitiv immer in mehreren Zeitachsen, um nicht vorschnell vermeintlichen Mustern aufzusitzen.

  8. Hi Dan,

    zu deiner Frage, ob es bei klassischen Industrietiteln noch einen Aufwaertstrend geben kann. Die Antwort ist erstmal sehr ernuechternd: es weiss keiner. Ob es einen Trend geben wird, ob abwaerts oder aufwaerts, sieht man immer erst, wenn er schon da ist. Ein Aufwaertstrend beispielsweise benoetigt eine Serie von hoeheren Hochs UND hoeheren Tiefs. Dh., jedes neue Hoch ist hoeher als das vorherige und jedes neue Tief ist ebenfalls hoeher als das vorherige. Das klingt zwar erstmal einfach und logisch, aber bevor das nicht da ist, gibt’s auch keinen Trend. Und bevor es den Trend nicht gibt, kann oder besser sollte man auch nichts machen. Zumindest nicht, wenn man vorhat, von einem Trend zu profitieren.

    Mal angenommen, du willst nicht warten, bis sich ein Trend etabliert hat. Was bleibt dem Kleinanleger wie mir und dir da als Alternative? Raten. Auch fundamentale Daten helfen beim Raten erstmal nicht. Vielleicht ist ja schon alles im Kurs enthalten, wer weiss? Beispiel Volkswagen: Die eilen von einem Absatzrekord zum naechsten, aber Trend? Fehlanzeige. Langfristig gesehen brauchst du im Markt was im engl. mit ‘edge’ bezeichnet wird. Ein irgendwie gearteter Vorsprung, der zu einem statistischen Vorteil fuehrt. Beim Raten hast du definitiv keinen Vorteil vor anderen Marktteilnehmern. Wenn du aber einen Trend erkennst und konsequent aufspringst, dann hast du auf Dauer gesehen einen kleinen statistischen Vorteil.

    Was ich mit dem ganzen Text sagen will: Zerbreche dir nicht unnoetig den Kopf darueber, ob es einen Aufwaertstrend geben kann oder nicht. Stattdessen sollte man lieber Fuesse still halten und den Markt verfolgen. Follow the price action! Schaue dir an, ob der Markt anfaengt zu trenden, oder ob er nur seitlich laeuft. Schaue auch, wie der Markt auf Nachrichten reagiert. Mal angenommen, sehr positive Nachrichten (Absatzrekord) kommen raus, reagiert der Markt / die Aktie wie von dir erwartet? Oder ist die Reaktion eher enttaeuschend?

    Wenn man mich fragen wuerde, was ich zur Zeit von deutschen Industrieaktien halte, dann bin ich eher zurueckhaltend. Man sieht dort zur Zeit eher intakte Abwaertstrends, je nachdem was man sich anschaut. Also: Abwarten und Tee trinken und derweil vielleicht lieber ein gutes Buch zum Thema lesen 😉

  9. Z88, eine Frage zu deiner Bemerkung “Bei Futures interessieren mich weder Fundamentaldaten noch Sentiment-Informationen, COT-Daten o.ä. sondern nur Momentum. Das ist bei Aktien aber nur eine Größe.”

    Woher kommt der Unterschied? Warum ist beim Handel mit Futures eher das Momentum ausreichend, waehrend es das bei Aktien nicht ist?

  10. @ Hari

    Danke. Kann ich nachvollziehen. Bzgl. der Indikatoren sehe ich es übrigens genau so. Ich verwende nur einen normalisierten Momentum-Indikator zum Aufspüren von Divergenzen und zur ergänzenen Analyse des Verhaltens der Marktteilnehmer in einer Periode. Ansonsten nur “Price Action”. Alles andere funktioniert auf Dauer sowieso nicht.

  11. @Hans, Um hier Z88 vorzugreifen, ich denke das ist ein Missverständnis. Denn das ist nur eine Frage des Zeithorizonts, bei sehr kurzfristigem Trade – zb Intraday – spielen zb Fundamentaldaten keine Rolle. Handele ich zb aber Rohstoff-Futures mittel- und langfristig, muss ich mir alle fundamentalen Fragen zu Lagerbeständen etc ebenso stellen, wie beim Trade auf Exxon und Co..

    Umgedreht kann ich auch Aktien kurzfristig Intraday traden und dann interessieren Fundamentaldaten da ebensowenig.

    Genau das hat Z88 aber wohl gemeint, er hat nur dummerweise das Wort “Future” benutzt, weil Future-Handel bei seinem persoenlichen Stil eher kurzfristig ist. Gemeint war also “kurzfristiger Trade” und nicht “Future”, falls ich das falsch interpretiere, bitte ich um Korrektur.

  12. @Hans

    Wenn ich Futures handel, bin ich nur sehr kurzfristig im Markt (Minuten, machmal nur einige Sekunden), weil mein Ziel jeweils nur ca. 5-15 Punkte sind. Der Profit ergibt sich aus der Wertigkeit des Futures (z.B. für den DAX-Future 25€ je Punkt) multipliziert mit der gehandelten Stückzahl. Eine Bewegung von 10 Punkten im DAX mit 2 Kontrakten wären z.B. 500€ Gewinn. Dadurch ensteht natürlich auch ein Risko in Höhe von 50€ je Punkt, wenn man falsch liegt . Eine Bewegung von 10 Punkten im DAX in die eine oder andere Richtung kann sehr schnell gehen und ist völlig unabhängig von irgendwelchen Fundamentaldaten. Das kann man jeden Tag in beide Richtungen beobachten, ganz egal ob das Tagessentiment bullish oder bearish ist.

    Meine Handelsmethodik sieht nun (in Kurzform) vor, eine anstehende Bewegung an bestimmten Marken aufgrund des Momentums (= Verhalten der Marktteilnehmer) aufzuspüren, auf den Zug aufzuspringen, wenn er sich in Bewegung setzt und vor dem ersten Halt (=Korrektur) wieder abzuspringen. Ist mit einiger Übung und Marktsicht weniger kompliziert als es sich anhören mag und erfordert wenig Zeitaufwand für den Handel, weil die Signale recht häufig im Laufe des Tages entstehen. Der Zeitaufwand ist über einige Jahre allerdings vorher entstanden, um die Methodik und den richtigen Blick für den Markt zu entwickeln.

  13. Ja, mein Kurzfristtrading kann man prinzipiell auch mit anderen Instrumenten machen. Entscheidend ist nur viel Bewegung und Liquidität im Instrument. Und da sind Futures in liquiden Märkten (z.B. FDAX, ES, YM oder 6E) optimal geeignet.

  14. Hallo Leute,

    vorneweg mal wieder ein Dankeschön an Hari für die tollen Markteinschätzungen und -rückblicke von mir!

    Ich will mal noch einen Aspekt in die Runde werfen, den anscheinend so richtig niemand auf dem Schirm hat – auf jeden Fall wird diese Sau nicht durch das Mediendorf getrieben.

    Meiner Meinung nach besteht morgen die Möglichkeit, dass es wieder zu einer Situation wie bei der letzten Wahl kommt: Alle ein bisschen vom Stimmenkuchen und niemand will dann miteinander => dritte Runde im Herbst.

    Bin gespannt…

  15. Syriza steht nicht zur Koalitionsbildung bereit und PASOK will nur mit ND koalieren, wenn Syriza mit dabei ist – so zumindest der Stand 22:30 Uhr nach meinen Infos. Damit läuft es wohl auf eine 3. Wahl hinaus und das Gezerre geht weiter?!

    Allerdings gehe ich davon aus, dass Griechenland vor dem 3. Termin pleite ist und den Märkten das Ergebnis der Wahl nicht gefallen wird. Mittlerweile ist das Ganze auch ziemlich bizzar, die gleichen Akteure, die genau diese Situation hervorgerufen haben (durch Korruption, Vetternwirtschaft etc.), waren/sind in Bezug auf die Wahl heute die Hoffnungsträger, die alles wieder in Ordnung bringen sollen…

    Und am Rande: Am Freitag heisst es dann bei der EM “Schuldenmeister gegen Zuchtmeister” 😉 Die ganze Schulden-/Bankenkrise hat im Moment leider einen unfreiwillig hohen Unterhaltungsfaktor,

  16. @ Holgersen,

    was Deine Einschätzung als “bizarr” angeht, kann ich das nur unterschreiben. Mir wäre persönlich eine klarer Sieg der Syriza lieber gewesen – einfach weil darin das Potential eines “Endes mit Schrecken” gesteckt hätte. So bekommen wir wohl eher einen “Schrecken ohne Ende”, ich sehe darin wenig Positives.

    Denn eines ist für mich sonnenklar: Egal wer die Regierung bildet, Griechenland kann und wird seinen Verpflichtungen sowieso nicht nachkommen. Da mangelt es an allem, inklusive der Selbsterkenntnis der Bevölkerung.

    Diese Wahl entscheidet also nur darüber, wie lange wir dieses Gewürge noch ertragen müssen und wieviel Geld noch in dieses korrupte Fass ohne Boden geworfen wird.

  17. @ Holgersen,

    die Griechen wählten heute zwischen Pest und Colera – insofern hat jedes Ergebnis auch was schlechtes. Eine 3. Wahl kann ich mir jedoch nicht vorstellen; das würde sich das griechische Wahlvolk nicht mehr bieten lassen. Der normale griechischem EU-Mitbürger wird es – denke ich – einfach langsam leid, dass die halbe Welt mit den Finger auf ihn zeigt. Und sollte Syriza wieder nicht einlenken, so wird deren Stern vor dem griechischen Wahlvolk eher sinken als nochmals neu aufsteigen zu können; das glaube ich nicht, dass sie das riskieren würden und würde politischem Selbstmord gleichkommen. Aus Sicht Syriza ist die Wahl definitiv verloren. Ich denke aber auch, wie Hari sagte, dass noch viel Geld nach Griechenland fließen und verschwinden wird. Die Frage ist aber: ist das jetzt weniger als im Fall des Grexit. Ich denke ja und glaube, dass auch die Märkte erst mal positiv reagieren. Aber wer weiß das schon genau – die spanische “Bankenrettung” war nach 2h verpufft. Mal schauen, wie lange “die griechische Pro-Euro-Wahl” wirkt.

  18. @ Hans, übrigens, den kleinen “Wettbewerb” mit Tim Knight um die Entwicklung des GDX habe ich gewonnen. Er ist nach dem heutigen Anstieg draussen – schaust Du hier

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