Die politische Dysfunktion und der Mangel an Anführern

Darf man sich in Finanzblogs auch zur Politik äussern? Warum eigentlich nicht und am Vatertag darf ich sowieso machen, was ich will. 😉

So will ich einen kleinen Beitrag, den ich am Dienstag 12.05.15 09:00 in Hari Live eingestellt habe, auch im freien Bereich veröffentlichen.

Denn es zeigt, dass wir uns in der Community auch zu (finanz-)politischen Themen austauschen, das aber freundlich, nicht konfrontativ und im Geiste gegenseitiger Wertschätzung - Erkenntnisgewinn suchend und nicht Rechthaberei.

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Ein lesenswerter Artikel zum damaligen Ablauf der Rettungsversuche in Sachen Griechenland, findet sich hier:
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Das Fazit, dass man daraus auf heute übertragen kann ist, dass scheinbar niemand etwas daraus gelernt hat.

Ich könnte mich jetzt selbstzufrieden in den Sessel zurück lehnen und sagen: "Ich habe es doch schon damals gesagt". Und das ist objektiv sogar wahr, ich habe immer die Position vertreten, die Sie aus den letzten Jahren hier von mir kennen.

Das wäre aber eindeutig zu selbstzufrieden, weil gerade ich jemand bin der weiss, wie sich Verantwortung für viele andere Menschen anfühlt. Es ist leichter, von aussen klug daher zu "schnacken", statt mitten im Getümmel die schweren Entscheidungen treffen zu müssen.

Trotzdem zeigt mir persönlich der Ablauf erneut ein massives Defizit, nämlich eine Dysfunktion unseres politischen Systems, das eher den Typus "Antichambrierer" und "Lavierer" in politische Ämter befördert, weil man sich nur so in politischen Parteien hoch arbeiten kann. Wer dagegen mit einer starken Persönlichkeit zu sehr aneckt und zu klare Kante hat, fliegt im politischen System einfach raus, weil er/sie sich zu viele Feinde macht.

Und klar gibt es lobenswerte Ausnahmen, die sich trotz des Anpassungsdrucks in den Partei-Schornsteinen nicht verbiegen lassen. Es sind aber Ausnahmen. Wir müssen uns nur das Abstimmungsverhalten bei wichtigen Themen im Bundestag anschauen, dann wissen wir, wie gross der Anpassungsdruck ist.

Die tragische Folge davon ist, dass der Typus "Hasenfuss" und "Symbolpolitiker" im politischen Prozess eher gefördert und der Typus "Anführer" und "Gestalter" massiv unterrepräsentiert ist. Auch das erklärt übrigens, warum sich Wirtschaft und Politik so wenig zu sagen haben und es fast keinen Austausch gibt. Und wenn, wie bei Koch oder Stollmann, geht er in die Hose.

90% der Zeit, in denen letztlich Politik nur den Status Quo verwaltet und sich den Orchideenthemen widmet, fahren die Menschen im Lande mit dem Typus "Symbolpolitiker" auch sehr gut, immerhin macht der auch nicht viel kaputt.

Aber das Leben und das Schicksal, hält halt auch manchmal die besonders wichtigen Momente bereit, in denen es auf Führungskraft und Gestaltungswillen ankommt. Und dann bräuchte man einen ganz anderen Typus von Politiker, als den, den wir typischerweise haben - lobenswerte Ausnahmen bestätigen die Regel.

Insofern wundert mich das Zaudern und Zagen, das aus obigem Artikel zum Thema Griechenland hervor geht, kein bisschen. Und es ist heute wieder kein bisschen anders und in ein paar Jahren wird man wieder entschuldigend sagen: "hätten wir damals gewusst"....

Was natürlich in meinen Augen eine ebenso billige, wie unzutreffende Entschuldigung ist. Man konnte damals wie heute durchaus "wissen". Viele kluge Leute haben "gewusst" und wissen auch heute was nötig ist. Was wirklich fehlte und fehlt, waren und sind aber "Anführer und Gestalter", die bereit sind, die Last einer schweren Entscheidung mal auf ihr breites Kreuz zu nehmen und für Konsequenzen einzustehen. Aber dieser Typus ist halt in der Regel nicht in der Politik - eben weil er auf dem Weg in höhere Ämter schon abgeworfen wird.

So hängt der Verlauf der Geschichte halt manchmal doch von einzelnen Personen ab und ganze Völker werden für den Zufall bestraft oder belohnt, an ihrer Spitze Idioten oder Anführer und Gestalter im positiven Sinne zu haben.

Wer sich ein wenig in der Geschichte auskennt weiss, dass auch Churchill im Politbetrieb Großbritanniens lange ein Aussenseiter war, weil er eben war, wie er war. Erst als es dem Land richtig dreckig ging, erinnerte man sich an den "Pitbull" Churchill und der Ruf nach einem Retter wurde laut. Und ganz klar, hätte England damals keinen Churchill gefunden, wäre die Geschichte völlig anders abgelaufen.

Man muss Anführer begrenzen und kontrollieren, damit aus ihnen keine Diktatoren werden, die ihre eigenen Anschauungen zum Nabel der Welt erklären. Insofern ist Demokratie definitiv schon "die Beste aller schlechten Regierungsformen", weil nur so der notwendige Wandel erzwungen wird und sich starke Persönlichkeiten nicht das ganze Land zum "Eigentum" machen können.

Aber es wäre trotzdem wünschenswert, wenn der politische Selektionsprozess im Vorfeld des Regierungsamtes, mehr Anführer und Gestalter und weniger Symbolpolitiker selektieren würde. Dem Land würde es sicher gut tun.

Und wir hätten dann garantiert schon lange sinnvolle und strategisch konsequente Entscheidungen zum Thema Griechenland und zur Zukunft Europas und der Eurozone. Denn genau diese fehlen uns schmerzhaft.

Soweit meine persönliche Meinung zum Thema.

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1 Gedanke zu “Die politische Dysfunktion und der Mangel an Anführern

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