Die beste aller Welten für Aktien ? FED Chef Bernanke mit elegantem Abtritt.

FED Chef Ben Bernanke hatte gestern Abend die letzte Pressekonferenz seiner Amtszeit und diese hat er mit Bravour gemeistert. Im Premium-Bereich sind wir den Ereignissen intensiv mit diversen Kommentaren und Hinweisen bis in die Nacht hinein gefolgt.

Denn der Schritt der FED, die gestern ein kleines "Tapering" in Höhe von 10 Milliarden USD beschlossen hat, schafft nun für die Märkte potentiell die beste aller Welten. Und ich ziehe meinen Hut vor einer wirklich klugen Entscheidung.

Warum das so positiv für die Märkte ist, scheint auf den ersten Blick widersinnig. Hat sich dieser Markt nicht die ganze Zeit so massiv vor dem Rückfahren des Stimulus gesorgt ?

Ja das hat er und das zurecht. Es reicht aber nicht einfach zu sagen: Tapering ist gut oder schlecht. Das ist intellektuell zu schlicht, der Kontext ist wichtig !

Denn im Kern will der Markt nach wie vor einfach nur eine starke Wirtschaft mit hohen Unternehmensgewinnen. Darum dreht es sich an der Börse, auch wenn wir in diesem Jahr scheinbar nur noch über Notenbanken geredet haben.

Nun war die wirtschaftliche Lage in den US aber anämisch und die FED hat massiv ihren Stimulus hoch gefahren und damit das ganze Jahr die Aktienmärkte angeschoben, während sich gleichzeitig die Gewinnsituation der Unternehmen gar nicht in dem Masse verbesserte. So wurde die Rally dieses Jahr primär von einer Ausweitung der Gewinn-Multiples getragen, was heisst, dass der Markt den Firmen ein höheres Vertrauen entgegen bringt, dass diese in Zukunft ihre Gewinne steigern können. Der Markt hat also einen Vorschuss auf die Auswirkungen der FED Politik vergeben. Einen Vorschuss, für den die Firmen nun erst einmal liefern müssen.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn der Markt extrem nervös auf den Gedanken reagiert, dass diese "Stützräder" der Konjunktur plötzlich weg genommen werden könnten. Denn dann würde das kleine wackelige Fahrrad einfach umkippen und der Markt wäre klar überbewertet und müsste stark korrigieren.

Die Kernfrage für den Markt ist also, ob die wirtschaftliche Entwicklung in 2014 tatsächlich diesen Vorschuss rechtfertigen kann, der teilweise schon gegeben wurde. Und hier ist die Nahtstelle der Marktpsychologie, an die die FED nun in sehr intelligenter Art und Weise angesetzt hat.

Denn eine Fortführung des Stimulus ist bei dieser Sicht des Marktes ja auch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sichert die Existenz der Stützräder die aktuelle Bewertung. Andererseits müssen diese Stützräder ja irgendwann mal weg und dann muss das Fahrrad ohne fahren können. Und je länger die FED sich nicht traut, diese Stützräder wegzunehmen, desto stärker signalisiert sie, dass die Konjunktur nicht auf die Beine kommt und der Markt vielleicht zu viel Vorschuss vergeben hat.

Wenn Sie sich diese gedankliche Gemengelage mal vor Augen führen, wird schnell klar, dass die FED und Bernanke gestern eine kommunikativ brilliante Entscheidung getroffen haben.

Einerseits wurde der Einstieg in den Ausstieg erklärt. Damit wurde auch die Glaubwürdigkeit zurück gewonnen, die im September verloren ging, als alle schon mit einem Tapering rechneten und sich die FED dann doch nicht traute.

Anderseits ist der Einstieg aber mit 10 Milliarden USD so klein - es verbleiben ja weiterhin 75 Milliarden USD additiver Stimulus jeden Monat - und gleichzeitig wurde diese Entscheidung von derart weichen Aussagen zur Dauer der Niedrigzinsphase begleitet, dass damit das feste Signal gegeben wurde, die Stützräder noch auf lange Zeit für die Konjunktur weiter zu führen.

So hat die FED einerseits an ihrer Unterstützung für die Märkte nichts wirklich Negatives geändert, 10 Milliarden mehr oder weniger sind eher nebensächlich. Andererseits hat sie aber glaubwürdig kommuniziert, dass die Konjunktur sich tatsächlich verbessert und damit die Befürchtungen, dass die aktuellen Bewertungen ein zu grosser Vorschuss wären, eher unbegründet sind.

Natürlich reagiert der Markt darauf begeistert - das ist völlig logisch und rational. Wenn diese Situation anhält, ist das wirklich die beste aller Welten für Aktien, zumal es ja im Niedrigzinsumfeld keine wirklich ernst zu nehmende Alternative zur Beteiligung am Produktivkapital gibt.

Wenn heute also kein Reversal aus dem Nichts kommt - und dazu gibt es heute Morgen zum Handelsstart keinerlei Indikator - hat die FED damit mit guter Wahrscheinlichkeit den Weg für eine erneute Rally zum Jahreswechsel frei gemacht.

Was danach in 2014 kommt, ist eine andere Geschichte. Denn natürlich ist vieles von dem, was nun gefeiert wird, nichts Neues und die Märkte sind für eine Korrektur offensichtlich überreif. Im ersten Quartal 2014 werden die Karten also neu gemischt, aber diese Brücke überqueren wir, wenn wir vor ihr stehen. Nun - am heutigen Donnerstag in der früh, kurz vor Handelsstart - ist erst einmal festzuhalten, dass die Ampeln für einen guten Jahresabschluss an der Börse auf Grün stehen.

Ihr Hari

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