Der Gegensatz zwischen medialer Aufmerksamkeit und Börsenerfolg

In der "Welt" wird dankenswerterweise mal wieder aufgearbeitet, dass mediale Bekanntheit und lautstark vertretene Meinung eher Kontraindikatoren sind, was Börsenerfolg angeht:

Darunter sind ja auch besonders krasse Beispiele, leider wird eine wesentliche Ursache, die zu enttäuschenden Anlageergebnissen führt, in meinen Augen erneut nicht thematisiert.

Sicher, die Öffentlichkeit der eigenen Handlungen, stellt eine erhebliche Hürde und Erschwernis dar, die auch die Freiheit der eigenen Anlage-Entscheidungen negativ beeinflusst. Es ist eine Art "Rechtfertigungsdruck" unter den man gerät und der lässt einen nicht mehr so frei agieren. Insbesondere ist es gegenüber dem wetterwendischen Markt wichtig, sich jederzeit opportunistisch anzupassen und das fällt schwerer, wenn man die Änderung der Haltung immer wieder gegenüber Dritten begründen muss.

Da in jedem deutschsprachigen Artikel zu Marktthemen ja zwangsweise immer das Wort "Buffett" stehen muss, weil "Otto Normalanleger" den Artikel sonst nicht ernst nimmt ;), will ich das auch hier tun und darauf hinweisen, dass auch Warren Buffett das immer so gesehen hat und in der Zeit, in der sein Fund und später die Berkshire Hathaway so richtig gewachsen sind, von den Anlegern erwartete, dass sie in eine "Black Box" investieren und ihn ein Jahr lang ohne Nachfragen in Ruhe arbeiten lassen.

Einmal im Jahr, hat er sein Handeln dann ausführlich aufgearbeitet und begründet, aber nur einmal im Jahr und dieser Logik folgt er heute immer noch, soweit das mit einer börsennotierten Gesellschaft und ihren Berichtspflichten überhaupt möglich ist.

Ich selber lehne daher auch alle Wünsche ab, ein "Musterdepot" zu führen oder sogar einen "Fonds" aufzulegen, weil wenn ich es tun würde und mich damit in permanenten Rechtfertigungsdruck für meine eigenen Handlungen bringen würde, müsste ich das Schreiben einstellen. Beides zusammen kann nicht wirklich funktionieren, individueller Börsenerfolg entsteht im Verborgenen und nicht in dem man seine Handlungen heraus posaunt.

In einem nach aussen abgeschotteten Bereich wie dem Premium-Bereich von surveybuilder.info, kann ich dann gegenüber den Mitglieder schon offener darüber reden, was ich mache und was nicht, aber eben nicht medial.

Es ist also richtig, dass die Not, seine Handlungen Dritten gegenüber rechtfertigen zu müssen, eine Belastung darstellt, die einer positiven Anlageperformance eher im Wege steht. Und deswegen ist der Schwerpunkt von surveybuilder.info auch nicht "heisse Anlagetips", sondern die Vermittlung der Prinzipien und Techniken und eine tägliche, professionelle Sicht auf die Entwicklungen des Marktes.

surveybuilder.info will Ihnen also nichts vorbeten, sondern wie auch dieser Artikel Sie in die Lage versetzen, selber erfolgreich sein zu können. Was ich in meinem eigenen Depot mache, ist und bleibt dabei aber meine Angelegenheit, die ich bestenfalls als Beispiel und Hinweis manchmal auszugsweise mit den Mitgliedern teile.

Und damit haben wir einen ersten wichtigen Gegensatz zwischen medialer Aufmerksamkeit und Börsenerfolg, der ganz wichtig zu verstehen ist.

Um medial erfolgreich zu sein, muss man eher laut und "marktschreierisch" sein. Differenzierte Sichten und komplexe Analysen bekommen keine Klickzahlen. Extreme Prognosen zur kommenden Inflation oder dem nächsten Crash aber schon.

Mit dieser -> Prognosiritis <-, kann man dann wunderbar Bücher verkaufen und bekommt Auftritte im Fernsehen und Artikel in den Medien. Manchmal hat man Recht, manchmal nicht, das ist eher dem Zufall geschuldet. Das Schöne ist aber, dass die Menschen falsche Prognosen schnell vergessen, in den Richtigen kann man sich dann aber jahrelang sonnen und diese immer wieder in Erinnerung rufen.

Als mediales Geschäftsmodell, funktioniert diese Prognosiritis also ganz hervorragend und die unbedarften Anleger fliegen im wahrsten Sinne des Wortes auf diese immer gleichen Geschichten. Je "meinungsstärker" desto besser sozusagen.

Dummerweise sind genau das Kontraindikatoren für den Anlageerfolg. Und das liegt ganz eindeutig an der -> Reflexivität <-. Ich weiss, das Konzept der Reflexivität ist nicht ganz einfach zu verstehen, man muss da ein wenig denken und seinen Kopf mit mehr füllen, als hohlen Phrasen. Aber es ist eminent wichtig!

Denn im Kern zeigt es, dass eine Erwartung, die grosse Teile des Marktes haben, als Anlage nicht mehr profitabel sein kann. Eben weil schon alle auf dieser Seite des Bootes hocken. Oder in anderen Worten, wenn der mediale Marktschreier, der den nächsten Crash herbei redet, die Mehrheit überzeugt hat, wenn er also grosse Aufmerksamkeit bekommt, dann kann genau dieser Crash eher nicht mehr eintreten, weil eben alle dann schon vorher verkauft haben.

Und damit kommen wir zum zweiten wichtigen Gegensatz zwischen medialer Aufmerksamkeit und Börsenerfolg, der im obigen Artikel zu kurz kommt.

Es ist nämlich nicht nur hinderlich, seine Anlagehandlungen immer rechtfertigen zu müssen, die Selbstüberschätzung vermeintlich sicher zu wissen, was der Markt in den kommenden Monaten machen wird, ist das Kernproblem.

Denn genau das führt dazu, dass man sich gegen den Markt stellt, weil man sich für klüger hält und nein, der Crash muss es eben nicht kommen und wenn doch, dann vielleicht in ein paar Jahren und "zu früh" ist auch nur eine andere Formulierung für falsch. Und "zu lange zu früh" ist am Markt ein Synonym für das Scheitern.

Sie können mir das jetzt glauben oder es sein lassen. Wenn Sie mir das nicht glauben wollen, ist es ja in Ordnung, dann suchen Sie Ihr Anlageglück weiter bei den grossen, medialen Prognosen.

Aber ich sage Ihnen klipp und klar:

Dauerhaften Erfolg am Markt bekommt man nur mit Demut und der Bereitschaft ihm zu folgen und ihn zu lesen. Man muss sich ihm opportunistisch anpassen und darf sich ihm nicht entgegen stellen, weil man sich für klüger hält.

Dirk Müller verwendet das Wort "Demut" übrigens auch. Es ist deshalb gar nicht so verwunderlich, dass sein Fonds noch vergleichsweise gut abschneidet.

Sich dagegen einem bullischen Markt wie im 1. Quartal 2015 entgegen zu stellen, weil man die Selbstüberschätzung hat es "besser" zu wissen, als die tausenden, anderen intelligenten Marktteilnehmer, die ihn gerade hoch treiben, ist ungefähr so, wie wenn man sich vor eine fahrende Dampfwalze stellt und diese mit Händen aufhalten will. Das wird eher schmerzhaft. 😉

Demut und die Bereitschaft sich opportunistisch dem Markt anzupassen, steht aber eher im Gegensatz zu den Erfordernissen der medialen Aufmerksamkeit, die starke Meinung und laute Überzeugungen selektiert.

Wer differenziert argumentiert, verschiedenste Szenarien thematisiert und vielleicht auch noch zu verstehen gibt, dass er keine klare Präferenz hat, bekommt von "Otto Normalanleger" dann schnell den Vorwurf, das wäre ja nur "Bla Bla".

Damit muss man leben, weil man sich entscheiden muss, ob man sein Geld mit medialer Aufmerksamkeit oder durch Börsenerfolg verdient. Ganz ehrlich, beides gleichzeitig geht nicht wirklich und wenn Ihnen jemand etwas anderes weiss machen will, sollten Sie skeptisch werden.

Wenn Sie nun die Geduld hatten, mir bis hier her zu folgen, dann unterscheiden Sie sich schon markant von den vielen anderen, die nun schon auf der Hatz nach dem nächsten "heissen Tip" sind. Dass der medialer "heisse Tip" wegen der Reflexivität objektiv eine Chimäre ist, kann man nämlich auch nur dann erkennen, wenn man seinen Kopf gebraucht und tiefer denkt.

Nun müssen Sie den nächsten Schritt tun und ganz klar und eindeutig Ihren Anlageerfolg von "Börsen-Entertainment" trennen. "Börsen-Entertainment" kann ja immer noch Spass machen, die grossen Erzählmodelle, die da als Sau durchs Dorf getrieben werden, sind aber bestenfalls Kontraindikatoren für die echte Anlage.

Selektieren Sie statt dessen wenige, aber gute Quellen, die Ihnen nichts verkaufen wollen und beziehen Sie Ihre Marktinformationen dort. Und entwickeln Sie dann Ihre eigene Strategie. Oder geben Sie Ihr Geld in die Hände von Vermögensverwaltern mit gutem Track-Record, die ruhig und seriös arbeiten und ihre Zeit dafür verwenden, still und leise Opportunitäten zu finden, statt sich medial zu spreizen.

Trennen Sie einfach Börsen-Entertainment von Ihrem Anlageerfolg. Ihr Depot wird es Ihnen danken!

Ihr Hari

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2 Gedanken zu “Der Gegensatz zwischen medialer Aufmerksamkeit und Börsenerfolg

  1. Man kann sicherlich die “öffentlichen” Portfolios nutzen, um zu sehen was sogenannte “Key Fondmanager” derzeit als Investition interessant finden, aber das ist sicherlich kein Grund in diese Aktien sofort, wenn überhaupt, kurz- oder langfristig zu investieren. Ich sehe es auch kritisch, wenn Personen wie Herr Müller, sich plötzlich von einem “Mr. Dax” (der medial nur als Bild für das Thema Aktien verwendet wurde) zu einem “Finanzexperten” in TV Shows usw. mutieren. Das ist schon bedenklich und nicht besonders seriös (auch von den Medien). Wie öfters in diesem Forum betont, denke ich auch, dass jeder Anleger seinen eigenen Stil finden muss, aber dazu gehört es sicherlich auch, wie im Artikel richtig dargestellt, dass man mit einem Teil des Depots “opportunistisch” agiert – dh kurz rein uns raus aus einer Position. Das können Fonds (bzw. wollen es) nicht leisten (besonders grosse Fonds brauchen auch länger um eine Position auf- und abzubauen). Insgesamt denke ich auch, dass man lieber versucht seine eigenen Fehler mit eigenem Geld zu machen (was die Peformance mittelfristig dann hoffentlich verbessert), als sich auf die Banken und die sogenannten “Key Fondmanager” zu verlassen . Bottom Line: Danke – Guter Artikel. Kann ich nur zustimmen. Beinhaltet eine wichtige “Lesson” für alle, die noch wenig Erfahrung mit den Finanzmärkten haben und dazu lernen wollen.

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