DAX-Betrachtung: Sommeranfang – Hausseende ?

DAX-Betrachtung: Sommeranfang – Hausseende ?

Ein Gastkommentar von Tokay

Der Sommeranfang 2013 markiert möglicherweise das Ende der seit Spätherbst 2011 laufenden Haussebewegung. Die seit Frühjahr 2009 bestehende größere Hausse ist damit noch nicht beendet, doch sie wird wahrscheinlich in eine mehr oder weniger volatile Seitwärtsbewegung übergehen. Diese Seitwärtsbewegung wäre dann Ausdruck von Unsicherheit über die weitere Richtungsentwicklung.

Betrachten wir dazu das Langfristchart
Auf des Messers Schneide

Hier erkennen wir eine durch C beschriebene Aufwärtsbewegung. Diese Aufwärtsbwegung wurde mehrmals getestet, blieb jedoch erhalten. Sie wird nun erneut getestet und die Trendlinie wird nun sehr dynamisch angelaufen (Kreis am Schnittpunkt). Offenbar haben wir hier eine Reaktion (vielleicht eine Überreaktion?) auf die Andeutungen von Bernanke, der ein Zurückfahren der Anleihekäufe der Fed angedeutet hat.

Gehen wir nun zum mittelfristigen Chart
Auf des Messers Schneide II

Hier haben wir etwa seit Juni 2012 eine markante Aufwärtsbewegung, gekennzeichnet durch die Linie AB. Seit Anfang Mai 2013 beobachten wir nun eine Konsolidierung, markiert durch die Linie CD. Hier fällt nun auf, daß diese Konsolidierung dynamischer verläuft als die vorangeggangene Konsolidierung im Frühjahr (gestrichelte Linie). Dies deutet auf eine erhöhte Rückschlagsgefahr hin und Alarm ist nun unmittelbar im Verzug. In jedem Fall haben wir nun ernste Anzeichen dafür, daß die seit Spätherbst 2011 laufende Haussebewegung sich dem Ende nähert und günstigenfalls in eine volatile Seitwärtsbewegung übergeht.

Tokay

P.S. 24.06.13:
Der seit 2011 laufende Aufwärtstrend wurde heute gebrochen. Ob dauerhaft, ob vorübergehend - das wird sich zeigen. In zahlreichen Kommentaren wird darauf verwiesen, dass der amerikanische Anleihemarkt schon seit einigen Wochen deutlich verloren hat. Nun folgen die Aktienmärkte nach. Dies deutet eher Richtung Deflation, nicht Inflation und ist mindestens ebenso gefährlich.

Auf des Messers Schneide3

Auf des Messers Schneide II 4

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13 Gedanken zu “DAX-Betrachtung: Sommeranfang – Hausseende ?

  1. Hallo Tokay,
    ich stimme mit deiner Einschätzung soweit überein. Ich möchte dich jedoch auf zwei, meiner Meinung nach wichtige, Punkte aufmerksam machen. Erstens, in den Charts würde ich nicht so viele Werte auf der Abszisse eintrtagen, dass steigert die Übersichtlichkeit bedeutend. In der momentanen Darstellung muss man erst genau schauen welchen Zeitraum der Chart überspannt.
    Als Zweites möchte ich dir nahelegen die Ordinate detaillierter zu beschriften, wenn möglich. In den Vorhandenen Charts sind deine eingezeichneten Trendlinien nur schwer genau zu identifizieren.
    Auch wenn ich mich wiederhle, ich glaube deine Aussage trifft genau ins Schwarze. Die darstellung in den Charts kannst du jedoch noch verbessern um deine Aussage prägnanter zu machen.
    Viele Grüße
    polebu

  2. @polebu

    zu Deinen Punkten: mit der Abszisse muss ich mal schauen, was ich damit mache. War nir bisher nicht bewußt, dass das ein Problem ist. Aber ok, kann ich sicher noch verbessern.

    Mit der Ordinate, da gebe ich Dir echt, aber da habe ich ein technisches Problem. Denn mit dem von mir genutzten “Star Office” geht nur eine graphische Darstellung nach meinem jetzigen Kenntnisstand für den dekadischen, aber nicht für den natürlichen Logarithmus, was mir persönlich sehr viel lieber wäre. Aber das wird unter “Star Office” nicht angebote, so weit ich sehe. Vielleicht weißt Du oder weiß von den anderen jemand, ob und wie man den aktivieren kann? Ich müßte dann bestimmte Chartmarken versuchen, per Annäherung zu ermitteln, aber dann geriete die ganze Sache noch zeitaufwendiger, als sie ohnehin schon ist, und ich hatte gestern abend nur wenig Zeit zur Erstellung des Beitrags zur Verfügung. Deswegen bitte ich Euch um Nachsicht für die Unvollkommenheiten in meiner Darstellung.

    In vielen(nicht allen) technischen Analysen findet man lineare Maßstäbe für die Kursdarstellung, was ich nicht als korrekt empfinde, allenfalls bei sehr kurzfristigen Darstellungen. Der Grund ist, ich hätte gerne Wachstum in linearisierter Form dargestellt, was mit linearem Maßstab nicht geht.

  3. Nachtrag – Ich habe gesehen, es gibt doch eine Möglichkeit – Man muß in der Einstellung “Achse formatieren” bei Hauptintervall den Zahlenwert für log(2)= 0.30 (und ein paar zerquetschte) eingeben, dann konvertiert er den dekadischen in den natürlichen Logarithmus. Also beim nächsten Mal dann.. 🙂

  4. Update 25.06.: Und heute geht es wieder über die 7.800 Marke. Das “Fed”-Wording heute sehr gemäßigt – Zinserhöhungen soll es nicht sofort geben, wie mit Nachdruck betont wurde. Idealszenario: Die Realwirtschaft erholt sich spürbar, so daß die Kreditnachfrage ansteigt – Die “Fed” müsste dann nur noch quasi zur Seite treten. So wäre es früher gewesen. Gestern kam der Einfluß der Emerging Markets und insbesondere Chinas zum Tragen. Man erkennt das an den Reaktionen zu den Stellungnahmen der chinesischen Notenbanken. Werden die Amerikaner UND die Chinesen restriktiver, dann ist Land unter. Gerade in den deutschen Indizes, die quasi ein Call auf die Belebung der Weltwirtschaft sind. Es wird wohl nervös bleiben.

  5. Update 26.06.: So wie es aussieht, wurde der Angriff auf den mittelfristigen Aufwärtstrend fürs erste abgewehrt. Aber noch nicht endgültig: Erst, wenn es über 8.100 bis 8.200 Punkte geht, kann er als abgewehrt gelten. Und selbst dann wissen wir noch nicht,ob der Aufwärtstrend intakt geht oder in eine Seitwärtsbewegung übergeht. In wenigen Tagen werden wir es wissen. Morgen ist Siebenschläfer…

    In der Grafik mit dem mittelfristigen Aufwärtstrend bitte ich zu beachten, dass der negative kurzfristige und der positive mittelfristige aufeinander zulaufen. Insofern ist der Hinweis auf Siebenschläfer zwar ganz ulkig, hat aber in gewisser Hinsicht eine charttechnische Relevanz.

  6. Betrifft nicht den Dax, passt aber auch hier hin: Hari hatte als kritische Marke im S&P ja wiederholt die 1.620 genannt (untere Kante des Trendkanals, aus dem wir raus gefallen waren). Ich sitze nun grade vor dem Schirm und man reibt sich wirklich die Augen, wie punktgenau der S&P exakt an diese Marke rangelaufen ist – 1.619! Bin gespannt, ob diese Marke nicht nochmal getestet wird. Jedenfalls eine sehr interessante Phase im Moment!

  7. Update 27.06.: DAX wieder bei fast 8.000 – Diese Runde scheint unentschieden auszugehen, mit leichten Vorteilen jetzt für die Bullen. Aber noch ist die Entscheidung nicht endgültig gefallen.

    Denkbar zunehmend auch, dass sich das ganze in einer kraftlosen Seitwärtsbewegung auflöst. Was Gelegenheit gäbe, mal Pause zu machen und frische Ideen zu sammeln.

  8. @Tokay, vielen Dank für die nun tagesaktuellen Einschätzungen. Ich glaube, in einer solch entscheidenden Phase wie jetzt, tut das ganz gut. Ich bleibe mal bei meinem Gefühl: die nächsten Tage sind entscheidend für die nächsten Monate. Und noch immer will mein bullisches Gefühl nicht zurückkehren. Unter der Decke (der Indizes), nur mal um die Rohstoffe oder heute mal BASF heranzuziehen, sieht es für mich noch immer “übel” aus…

  9. @Johann: Ich sehe das ziemlich ähnlich wie Du. Ich beobachte momentan substanzstarke Titel, um hier an einem schwächeren Tag zuzugreifen, was ich zuletzt in dem einen oder anderen Fall auch getan habe, zuletzt bei Amdeus Fire aus dem SDAX. Aber man muss da sehr selektiv vorgehen. Generell finde ich MDAX/TecDAX und SDAX sehr viel interessanter wie den DAX, die dort vertretenen Unternehmen bilden das deutsche Wirtschaftsmodell(Exportstärke/Nischenplayer) imho sehr viel besser ab wie die grpßen Titel.

  10. Update 28.06.: Das Spiel endet diese Woche Unentschieden. Der DAX bewegt sich wieder leicht von den 8.000 Punkten weg nach unten, aber er hat diese Woche vor allen Dingen die Untergrenze des mittelfristigen Trends negiert. Andererseits eine neuerliche Aufwärtsbewegung, sollten wir eine haben, ist noch am Anfang.

    Die Signale sind widersprüchlich. Eines scheint mir wesentlich: Die Notenbanken testen, wie gut die Märkte ihre Andeutungen vertragen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Bernanke, Draghi & Co. das nicht äußerst genau abwägen. Die monetäre Expansion wird so schnell nicht beendet werden, und sollte sie beendet werden, dann nur sehr sachte.

    Ein schweres Problem besteht darin, dass die monetäre Lockerung in Euroland sehr unterschiedlich auf die Realwirtschaft übergreift. Deutsche Mittelständler haben keinerlei Probleme, Kredite zu bekommen, ihre südeuropäischen Pendants dagegen kaum. Für die deutsche Wirtschaft ist der jetzige Zins somit viel zu niedrig, während in Südeuropa er nur den dortigen Banken etwas nützt. Die Erholung im Süden geht weiterhin nur sehr langsam vonstatten. Man muss aufpassen, dass die Probleme des Südens nicht irgendwann unsere Probleme werden, sollte die Nachfrage im Euroraum dauerhaft leiden. Wir hatten heute schwache Zahlen beim Maschinenbau – diese mahnen zur Vorsicht. In Summe dürfte es weiterhin bergauf gehen, aber nicht mehr so dynamisch wie bisher, und es könnte wieder etwas volatiler werden.

    Dies war das letzte Update zum “Hausseende”, das nun zunächst aufgeschoben wurde. Eine neue Grafik habe ich vor zu erstellen, wenn sich wieder etwas gravierendes an den Märkten tut.

  11. Heute läuft der räudige Hund Dax seinem Ami-Herrchen aber ganz schön von der Leine weg, Amis pendeln um Vortagesschluss, während der Dax bei -2% steht und damit die Bewegung von gestern wieder negiert, extreme Volatilität…

  12. Die Entscheidung ist gefallen, so wie es aussieht – der kurzfristige Abwärtstrend wurde durchbrochen und der seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrend findet seine Fortsetzung. Wäre die Tiefzinspolitik der EZB nicht, die Gewinnentwicklung würde das nicht hergeben. Auch zu beachten ist, dass die operativen Margen der DAX-Firmen deutlich über Durchschnitt liegen, so dass eine weitere Steigerung nur schwer vorstellbar ist.

    Sollten keine Schocks auftreten – und es deutet nichts darauf hin, dass das bis zur Bundestagswahl passieren wird, wird es wohl weiter moderat nach oben gehen. Wirklich kritisch wird es erst dann werden, wenn auch bei uns der Notenbankzins wieder nach oben tendiert. Angesichts des anämischen Wachstums im Euroraum wird die Tiefzinspolitik bestehen aber weiterhin bestehen bleiben. Und ein Klima der Überhitzung ist nicht auszumachen.

    Der 200-Tage-Durchschnitt – die Mauer des Zweifels – ist nun mehrmals getestet worden, jedes mal war die EZB zur Stelle, wenn es kippelig wurde. Richtig kritisch dürfte es erst dann werden, wenn der Langfristtrend in Frage gestellt wäre und niemand mehr beispränge. Und wenn der Zweifel zur Gewissheit würde.

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