Autonome Systeme – Coruscant und Trantor lassen grüssen

Der folgende Artikel erschien schon Montag 12.10.15 10:10 in Hari Live

Heute will ich mal einen Blick in die Zukunft in 20 Jahren wagen, der natürlich nur indirekt mit heutigen Aktien zu tun hat. Ein Blick, der vielleicht mal eine neue Perspektive auf das eröffnet, was sich nun mit Elektroantrieben und autonomem Fahren ankündigen könnte.

Denn in Wirklichkeit geht es ja gar nicht um „Fahren“ im Sinne von Autos, die auf festen Strassen in der zweiten Dimension unterwegs sind. Es geht viel mehr um *Fortbewegung* – die uns sicher, schnell, kostengünstig und energiearm von Tür zu Tür bringt – "egal wie" sozusagen.

Wie der Titel schon sagt, dürfte fast jeder die endlosen Ketten von „Lufttaxis“ auf Coruscant schon gesehen haben, einem Planeten aus dem Star Wars Universum, in dem sich Mobilität auf die dritte Dimension ausgedehnt hat. Bilder und Videos kann ich aufgrund des bekannten Rechte-Irrsinns hier nicht zeigen, obwohl es ja eigentlich nur Werbung wäre. Aber jeder dürfte wissen, was ich meine.

Die Idee zu einer planeten-umspannenden, gigantischen Stadt, die ihre Verkehtröme nur noch in der dritten Dimension abwickeln kann, ist übrigens nicht neu. Das Szenario Coruscant wurde recht eindeutig von Isaac Asimovs aus der Foundation Trilogy inspiriert und Coruscant ist daher nichts weiter, als Trantor auf die Leinwand gebracht. Und mit Trantor sind wir auch ganz schnell bei -> Hari Seldon <- und damit bei diesem Blog - aber das nur am Rande. 😉

Was aber sicher in Erinnerung bleibt ist, wie die Fahrzeuge am Himmel dieser Megastädte wie an einem Faden gezogen an unsichtbaren Strassen verkehren, was natürlich nicht ohne eine autonome Steuerung des Verkehrs möglich wäre. Menschen am Steuer, würden schnell zum Chaos führen.

Damit sind wir auch schon bei den drei Gründen, warum wir auf der Erde uns derzeit nicht in der dritten Dimension fortbewegen und uns statt dessen riesige, logistisch ineffiziente "Dinosaurier-Konstruktionen" bei zentralen Flughäfen und Grossraum-Flugzeugen, wie dem A380 leisten.

Logistisch ineffizient deshalb, weil diese Strukturen die Menschen alle durch ein Nadelöhr pressen und damit riesigen Zeitaufwand für An-/Abfahrt und logistischen Aufwand insbesondere im Bereich Sicherheit erzeugen. Wer heutzutage noch gerne fliegt, muss in meinen Augen entweder Masochist sein, oder hat einen Privatjet. 😉

Die drei Gründe, die bessere Lösungen verhindern, sind erstens die notwendige Steuerung durch menschliche Piloten, zweitens die Frage von Start und Landung und drittens Antriebstechniken, die noch laut und dreckig sind und mit fossilen Energieträgern betrieben werden.

Rein von den Werkstoffen her, wären ja schon heute in Leichtbauweise Flieger möglich, die relativ energiearm Menschen von A nach B transportieren. Segelflugzeuge bleiben ja auch in der Luft, ganz ohne lautes und teures Strahltriebwerk.

Woran es heute also scheitert, ist:

Erstens, dass der Himmel keine Balken hat, keine Streckenpfosten und keine Leitplanken. Wenn man Menschen also in der Zahl von Autofahrern erlauben würde, mit Individualflugzeugen von A nach B zu reisen, wäre das Chaos programmiert. Das geht schlicht nicht, das geht erst, wenn die Steuerung automatisch erfolgt. Womit wir beim autonomen Fahren/Fliegen sind, das kurz vor dem Durchbruch steht und Verkehtröme wie auf Coruscant am „Faden“ ermöglichen würde.

Zweitens scheitert es, an der Start- und Lande-Möglichkeit vor der Haustür. Solange Flugzeuge beschleunigend auf einer Runway starten und landen müssen, braucht es zentrale Flughäfen. Dieses Problem ist schon mit Hubschraubern gelöst, nur kommen wir damit zum dritten Punkt an dem es scheitert.

Drittens scheitert es derzeit noch an zu lauten, knatternden, massiv Sprit verbrauchenden Antriebstechniken. Lautlos „an der Kette“ in 200 Meter Höhe dahingleitende „Coruscant-Taxis“ werden kaum jemanden stören, daran gewöhnt man sich und die merkt man dann gar nicht mehr. Und optisch unattraktiver als ein "Windrad-Spargel" auf dem nächsten Höhenzug, sind sie auch nicht. Nun stellen Sie sich aber mal vor, jeder Nachbar würde mit seinem knatternden Hubschrauber starten und landen. Absurd. 😉

Aufgrund dieser drei Punkte, hat individueller Luftverkehr von Haustür zu Haustür derzeit noch keine Chance. Null Chance. Punkt.

Nun stellen Sie sich aber mal vor, die drei Argumente würden entfallen und automatisierter, individueller Flugverkehr von A nach B wäre möglich. Dann wird schnell klar, wie unglaublich überlegen der Transport im eigenen Lufttaxi in der dritten Dimension ist.

Keine Staus, keine Ampeln. Aber auch keine Kosten für Strassen, kein Winterdienst, keine Leitplanken. Die Geschwindigkeiten steigen problemlos auf 300-400 km/h und trotzdem kann man von Haus zu Haus fliegen, wenn überall Landeplätze sind. Die Welt wäre eine andere und eher eine Bessere, weil sie nicht mehr von Strassen und Bahnlinien und den damit verbundenen Lärm- und Dreck-Schneisen zerschnitten würde.

Denn Lufttaxis müssen nicht viel grösser als heutige Limousinen sein und sie werden auch weniger heutigen Flugzeuge mit grossen Tragflächen ähneln, sondern mehr dem, was wir schon heute von Drohnen kennen. Also mehrere drehbare Rotoren, die nach der Landung weggeklappt werden können. So sieht das Lufttaxi der Zukunft aus – wie eine heutige Paketdrohne, nur eben grösser.

Sie denken jetzt, ich spinne?

Ich bin recht sicher, ich spinne überhaupt nicht. Es ist auch ganz typisch bei so Paradigmenwechseln, wie sie nun mit der Elektromobilität bevor stehen, dass diese unerwartete Wendungen nehmen, weil plötzlich Dinge möglich werden, die vorher undenkbar waren.

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, in 20 Jahren werden wir schon ersten, autonomen und KI-gesteuerten, Individualflugverkehr sehen. Und zwar mit „Fluggeräten“, die den heutigen Drohnen ähneln und daher senkrecht starten können.

Wenn Sie glauben, das sei noch weit weg, dann schauen Sie mal hier: .

Das Ding geistert gerade durch die Presse und hat mich dazu animiert, diesen Gedanken aufzuschreiben, den ich schon länger habe.

Es erfüllt auch noch nicht alle drei Kriterien und ist eher ein Zwitter, der noch einen menschlichen Piloten und fossilen Antrieb braucht. Aber es zeigt, wohin die Reise gehen wird.

Fassen wir zusammen. Ich denke, die drei Argumente, die drei-dimensionalen Individualverkehr verhindert haben, werden schon in 10+ Jahren im Wesentlichen Geschichte sein:

Erstens, wird es problemlos möglich sein, vollautomatisch zu navigieren und wenn es dann staatliche „Leitstrahle“ gibt, die die „Luftstrassen“ markieren, ist das erst recht kein Problem mehr. Der Flugverkehr wird dann wie auf Coruscant aussehen. Ruhig und an der Schnur gezogen.

Zweitens, wird die Form heutiger „Drohnen“ mit drehbaren, effizienten Rotoren, sich für die kurzen Strecken durchsetzen und auch Menschen mit Senkrechtstart von jedem freien Parkplatz in der Nähe des Wohnortes befördern können.

Drittens, wird es mit leistungsfähigeren Energiespeicher-Arten bald möglich sein, solche Drohnen mit Rotoren in Leichtbauweise, vollelektrisch fliegen zu lassen. Womit Lärmentwicklung und Kosten kein ernsthaftes Gegenargument mehr sein werden. Von der energieintensiven Steigphase abgesehen, wäre vollelektrischer Antrieb wohl schon heute denkbar - siehe Segelflugzeug mit Zusatzantrieb.

So weit meine „Vision“, die in meinen Augen keine Vision ist, sondern schlicht schon ablaufende Entwicklungen zu Ende denkt.

Wenn das so ist, müssen wir schon heute unsere Augen aufhalten, wo sich die da die neuen „Teslas“ finden. Und das werden weniger die sein, die heute einen A380 bauen, sondern die, die heute schon mit Drohnen und „Cessnas“ zu tun haben. Wie der amerikanische Mischkonzern Textron (852659, TXT) zum Beispiel, der solche Marken wie Cessna und Bell vereint. Aber auch wie viele Startups, die schon heute an dem Thema dran sind und von Konzernen wie Textron dann irgendwann aufgekauft werden.

TXT 12.10.15

Ich erwarte also, dass sich in 20-30 Jahren nur noch die Menschen über Strassen quälen werden, die sich etwas Besseres nicht leisten können. Und Züge und S-Bahnen mit festen Stahlschienen in der Landschaft, sind komplett tot und werden zurück gebaut.

Was übrigens auch - wie das autonome Fahren - Auswirkungen auf den Wert von Immobilien in Nähe des ÖPNV haben wird. Denn schon wenn es autonomes Fahren gibt und man in Ruhe beim Fahren lesen und arbeiten kann, hat der ÖPNV seinen letzten Vorteil verspielt und die Nähe des ÖPNV ist kein Argument mehr für den Wert einer Immobilie. Warum soll man auch noch auf zugigen Bahnsteigen stehen, wenn man ein "Autonomes Taxi" rufen kann, das einen summend und schnurrend zum Zielort kutschiert ?

Das ist übrigens ein Nebeneffekt des "Autonomen Fahrens", an den noch niemand so richtig gedacht zu haben scheint. Autonome Steuerung und damit Reisen, ohne dabei selber etwas tun zu müssen, werden unsere Vorstellung von "Raum" und unsere Art zu Arbeiten und zu Wohnen stark verändern. Und der ÖPNV in der heutigen Form, in der wildfremde Menschen in ein Transportmittel gepresst werden, hat keinen Vorteil mehr.

So …. Jetzt bin ich mal gespannt, was Sie darüber denken. Über rege Diskussion dieses Themas, würde ich mich sehr freuen!

Ihr Hari

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5 Gedanken zu “Autonome Systeme – Coruscant und Trantor lassen grüssen

  1. Wer schon einmal neben einem Mikrokopter (die mehr und mehr “Drohnen” genannt werden) oder einem elektrischen Laubbläser stand, weiß, dass die Antriebstechnik nicht die Hauptursache von Lärm ist und ein Elektroantrieb daher auch nicht viel ändern wird. Solange wir also nur Antriebe haben, die ihren Schub aus der Bewegung von Luft holen (d.h alle Propeller, auch elektrische), ist der aerodynamische Lärm insbesonere beim Start und der Landung einfach viel zu groß. Wenn der Nachbar also um 6 Uhr morgens in seinem autonomen Flugzeug startet, wird sich das so anhören, als hätte er 50 elektrische Laubbläser gleichzeig eingeschaltet. Erst wenn er einmal in der Luft ist, kann es so etwas wie einen Segelflug mit einem kleinen Propeller geben. Ich glaube nicht, dass sich das durchsetzen wird. Flugzeugantriebe ohne massive Geräuschentwicklung sehe ich aktuell nicht am Horizont.

    Das gleiche gilt führ Elektroautos: Ab einer Geschwindigkeit von ca. 40 km/h übersteigen die Abrollgeräusche der Reifen und die aerodynamischen Geräusche der Karossiere bereits die Antriebsgeräusche. Daher sind 50 km/s schnell fahrende E-Autos fast exakt so laut wie gleich schnell fahrende Autos mit Verbrennungsmotor.

    Ich bin ebenfalls der Überzeugung, dass autonome, elektrische Fahrzeuge die Zukunft sind. Wenn ich diese Zukunfsprognose zuende denke, komme ich aber zu einem fast gegenteiligen Ergebnis: Wenn wir in 10 bis 20 Jahren komplett selbst fahrende Autos haben, gibt es für immer weniger Menschen einen Grund, noch ein eigenes Auto zu besitzen: Wenn man wohin will, ruft man sich mit seiner App einfach das nächstbeste Auto, dass dann selbstständig vorfährt. Also im Prinzip ein Mischung aus Carsharing und deutlich günstigerem Taxi ohne nervigem Fahrer. Wenn nun die ganz große Mehrheit kein eigenes Auto mehr besitzt, verlieren die Leute auch nach und nach die emotionale Bindung zu Autos, die sie heute haben. Mit dem Ergebnis, dass wir die großen Nachteile von Autoverkehr (Lärm, Platzverbrauch) in Großstädten immer weniger hinnehmen werden.

    Schon heute zeichnet sich in vielen Größstädten ab, dass der Fahrradverkehr eine immer größere Bedeutung bekommt: Keine Staus, kein Lärm, sehr effizient und mit E-Bikes sind sogar Steigungen kein Problem mehr. Um gleichzeitig den Autoverkehr mit dem Fahrradverkehr besser Mischen zu können und bei Elektroautos die Geräuschentwicklung zu vermindern, wird dann irgendwann sogar die Geschwindigkeitsbegrenzung in Städten auf 40 oder 30 km/h abgesenkt. Städte sind für Menschen da, nicht für Fahrzeuge, und immer mehr Leute sehen das so.

    Das alles wiederum macht den Schienenverkehr attraktiver: Man benutzt das selbstfahrende Taxi nur noch, um zum nächsten Bahnhof gefahren zu werden, weil es günstiger ist, Züge in dichten Städten höhere Geschwindigkeiten fahren dürfen und mehr Menschen gleichzeitig bewegen. “Multimodalität” ist hier das Stichwort.

    Meine Prognose für in 20 Jahren lautet also: In Städten deutlich mehr Radverkehr, mehr ÖPNV, weniger und kleinere Autos (dann aber elektrisch und selbstfahrend). Nur auf dem Land werden Autos weiterhin überwiegen. Flugzeuge für den Individualverkehr gibt es aber keine.

  2. @skrause, danke für die ausführliche Sicht auf das Thema!

    Das Schöne an so Zukunftsthemen ist ja, man kann sie ganz unterschiedlich interpretieren und manchmal sind es auch Kleinigkeiten, die dann im Sinne “Schicksal” den Ausschlag geben, in welche Richtung eine Entwicklung kippt.

    Das Thema des Lärms kann ich nachvollziehen, ist mir bewusst, ist aber auch beherrschbar, sobald die Dezibel etwas unter dem Lärm eines startenden Hubschraubers liegen und das kann man elektrisch hinbekommen. Man darf halt nicht denken, die Infrastruktur für die Starts und Landungen, würde nicht auch verändert.

    Die klassischen Garagen auf den Grundstücken könnten zB dann bleiben, nur mit dem Unterschied, dass Sie nach oben offen sind oder eben nach oben ein zu öffnendes Dach haben, wie heute eine Garage nach vorne.

    Durch die Wände, wird dann der Schall des Starts wie in einem Rohr nur nach oben gerichtet, wo es der Nachbar nicht hört. Dann wird es vielleicht Mindesthöhen der Garagenwände von zB 5 Meter geben und *Schwupps*, bekommt der Nachbar nebenan auf seinen beiden ersten Stockwerken kaum mehr was vom Start mit.

    Das ist auch nichts anders, als wie Schallschutzwände an Autobahnen funktionieren und solange man nicht höher als die Mauerkrone ist, funktionieren die auch sehr gut. Die Fläche einer heutigen Doppelgarage sollte genügen, für alle grösseren EFH also kein Problem “umzurüsten”.

    Die wenigen Sekunden der Steigphase im Höhenbereich 5-20 Meter über Boden, sind dann wohl zu verschmerzen und das Schöne ist ja, dass Schall nach oben geht. Es werden sich halt nicht nur die Fortbewegungsmittel ändern, das ist viel zu kurz gedacht, sondern natürlich auch die Infrastruktur dafür, wie eben die “Garagen”.

    Wo ich gar nicht mit Ihnen einer Meinung bin, ist bei der Annahme, dass kaum jenand mehr eigene Fahrzeuge hat und fast alle nur noch “Autonome Taxis” kommen lassen. Das ist eine sehr “grüne” Sicht, die auch heute ja schon im Sinne Carsharing propagiert wird, für mich aber totale Illusion ist und bleibt, weil sie den menschlichen Faktor mal wieder ignoriert.

    Etwas was massiv dagegen spricht ist simpel: wer macht die Fahrzeuge sauber? Gerade bei Fahrzeugen, in denen man ohne Kontrolle alleine ist, werden es die bekannten Chaoten besonders schlimm treiben und selbst wenn es keine Chaoten sind, weiss man immer noch nicht, ob das weisse Zeug auf dem Sessel nur Mayonnaise oder Sperma ist. 😉 Schauder.

    Ich sehe schon das begüterte Ehepaar in Abendgarderobe auf dem Weg zur Oper und dann kommt das Autonome-Taxi, in dem vorher eine Rum-Cola Party war. Einen Tag später haben die ein eigenes Fahrzeug. 😉

    Theoretisch könnte das mit gemeinschaftlichen Fahrzeugen ja klappen, aber praktisch wird jeder der das Geld hat, lieber sein eigenes Ding haben. Da weiss man dann wenigstens, wo man sich reinsetzt,

    Ausserdem ist der Drang der Menschen sich zu differenzieren, sowieso nicht zu bremsen. Wenn es nicht mehr das Fahrzeug an sich ist, was ich wie Sie auch glaube, wird es das Interieur oder die elektronische Ausstattung und Leistungsfähigkeit sein, mit der man sich differenziert, Und da die Industrie ein Verkaufsinteresse hat, diesen Wunsch nach Individualität zu wecken, wird sie auch den richtigen psychologischen Knopf dafür drücken.

    Das Bild von Menschen, die gerne auf Individualität bei der Mobilität verzichten, ist – nun ja – eben sehr idealistisch, aber nach meiner Ansicht dem Menschen völlig wesensfremd. Wie so viele dieser Ideen. Es will auch heute kaum jemand und wird auch in Zukunft die Mehrheit nicht wollen.

    Aber wir dürfen bei dem Thema gerne unterschiedlicher Ansicht sein. Das ist ja der Sinn der Sache. 😀

    Wir diskutieren das dann in 20 Jahren noch mal, bis dahin haben wir alle irgendwie ein bischen Recht und ein bischen nicht. 😉

  3. Spannendes Thema – keine Frage.

    Aber wenn man das wirklich mal weiter spinnt, zieht das ja noch ganz andere Veränderungen nach sich und zwar den Kraftstoff- bzw. Ölverbrauch, der ja dann merklich zurück gehen würde.

    Darin sehe ich den Knackpunkt, warum solche Technologie nicht wirklich ernsthaft/massentauglich voran getrieben wird.
    Viele große Staaten leben vom Ölverbrauch und wenn sich da nix ändert, wird sich meiner Meinung nach auch nix ernsthaft in den Antriebstechniken ändern.

  4. Hallo!

    Der Beitrag und die Kommentare reizen mich dann doch, meinen “Senf” dazuzugeben 🙂
    Kurz zu meinem Hintergrund – ca. 20 Jahre in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Sowohl Starr- als auch Drehflügler, also mit den oben erwähnten Techniken und deren Zulassung einigermaßen vertraut.

    Zuerst meine Gedanken zum Thema autonome Fortbewegung:
    Eigentlich ist das nicht wirklich neu, nur ist es momentan durch die Einführung im Automobilbau wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gekommen.
    In der Luftfahrt ist die autonome Fortbewegung seit langem Standard (50er-Jahre für Reiseflug). Seit Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre sind die Autopilot-Systeme sogar in der Lage, autonom Landungen durchzuführen (CAT 3A 1968 Caravelle; CAT 3B 1972 Trident), was die schwierigste Phase eines Fluges ist (ja ich weiß, runter kommen sie alle).

    Im Schienenverkehr gibt es ebenfalls seit langem die Möglichkeit, autonom Züge zu betreiben – allerdings wird diese Technik noch relativ selten eingesetzt. Mir sind lediglich Airport-Shuttle-Züge für den Betrieb zwischen Terminals bekannt. Umfragen von ÖPNV-Unternehmen bzgl. Akzeptanz von z.B. Fahrerlosen U-Bahnen haben bisher wohl eher dazu geführt, die Technik noch nicht weiter zu verbreiten.
    Hier liegt aus meiner Sicht bereits die erste große Hürde für die Coruscant-Vision – bis sich eine breite Anzahl von Menschen autonomen Fahrzeugen wirklich anvertrauen werden , sind aus meiner Sicht noch 1-2 Generationen nötig. Wenn das schon bei einem Schienenfahrzeug auf Ablehnung stößt, das bzgl. Fahrtrichtung das “gebundenste” und somit sicherste ist !?
    Die Automobilhersteller forschen hier ja derzeit massiv, und ein erster Betrieb (zumindest auf Autobahnen) scheint in den nächsten 10 Jahren durchaus realistisch zu sein. Vielleicht sinkt dann mit der Zeit die generelle Hemmschwelle gegenüber „Fremdbestimmung“, aber auch hier sehe ich noch mindesten 15-20 Jahre zur weiten Verbreitung dieser Technik.

    Hier komme ich dann zum 2. Teil – Sicherheit und Haftung:
    Dieses Thema wird derzeit in der Automobilbranche immer stärker diskutiert, da es sich nach der technischen Umsetzbarkeit immer mehr als das vermutlich dickere Brett zum Bohren herausstellt. Wer haftet, wenn ein autonomes System einen Unfall baut?
    Bei Herstellerhaftung würden die Anbieter solcher Systeme ein gewaltiges Risiko eingehen (dazu kann man auch die Geschichte von Cessna & co. in den USA nachlesen), bzw. würde die Reduzierung des Risikos auf ein akzeptables Maß die Fahrzeuge extrem teuer machen (siehe Luftfahrt: 2-4 fache Sicherheit bei relevanten Systemen, aufwändige Zulassungsverfahren etc.). Die Luftfahrbranche hat hier reichhaltig Erfahrung, dass viele technische Innovationen nicht oder sehr spät eingeführt werden, weil eine Zulassung langwierig und teuer ist bzw. (am Beispiel WLAN) die Behörden erst einmal 5-10 Jahre brauchen, um überhaupt einen Zulassung-Standard zu definieren!
    Bei landgebundenen Fahrzeugen sehe ich da noch Licht am Ende des Tunnels, da jeder Fahrer sowieso einen Führerschein braucht und somit das Fahrzeug im Fehlerfall selbst beherrschen kann (meistens zumindest 😉 ). Aber bei fliegenden Gefährten wird das schon eine ganz andere Hürde…
    … das wird man auch noch bei Einführung der Quad-Copter für Paketdienste merken – zumindest über besiedeltem Gebiet. Für einsame Alpenhöfe oder Inseln könnte das vielleicht noch klappen, aber spätestens, wenn der erste Paket-Copter jemanden am Boden nach einem Systemfehler verletzt hat, ist die Hölle los!

    Dritter Teil – Physik – die sich ja bekanntlich nicht besch…en lässt 🙂
    Das Thema Lärm wurde aus meiner Sicht zu Recht bereits oben angesprochen. Wenn man die Militanz der Bevölkerung gegen Flughäfen betrachtet (wo im Normalfall ab 22:00 bis 06:00 Uhr Ruhe ist, wovon Anwohner von Autobahnen und Schienenstrecken nur träumen können), dann sehe ich auch hier massive Einführungshürden. Lärm aus der Luft wird in unserer Gesellschaft am wenigsten toleriert! Tendenz weiter fallend…

    Und nun noch der Energieeinsatz:
    Die Schwerkraft auf Dauer zu überwinden, kann auf 2 Arten erreicht werden:
    1) Mittels statischem Auftrieb – also Ballon oder Luftschiff
    2) Mittels dynamischem Auftrieb – also Flugzeug oder Hubschrauber
    Variante 1 ist einigermaßen Energieeffizient, Luftschiffe kann man darüber hinaus sogar steuern 🙂
    Mit dieser Technik wäre wohl auch das Lärmproblem gelöst und die Fortbewegungsenergie ist gering genug, um mittelfristig vielleicht von effizienten elektro-Antrieben bewältigt zu werden. Spannender wird es dann z.B. bei der Schlechtwetter-Tauglichkeit dieser Systeme. Wind, Stürme, Gewitter etc. bringen diese Fahrzeuge schnell an Ihre Grenzen. Bei der Sicherheit wäre noch positiv zu vermerken: mit einem Luftschiff kann man in der Luft zur Not einfach anhalten – egal, wieviel Energie noch an Bord ist oder ob das Antriebssystem noch funktioniert.
    Variante 2 braucht immer eine Menge an Energie und macht meist auch sehr viel Lärm! Die benötigten Energiemengen übersteigen die aktuellen Elektro-Technologien um Faktoren von 1000-10000(?). Für eine kompakte Bauweise (soll ja in die Garage passen) wären dann immer Rotoren mit kleinem Durchmesser nötig, die für den notwendigen Auftrieb mit hoher Drehzahl laufen müssten; = viel Lärm – und bitte den bei Start und Landung entstehenden Abwind/Downwash nicht vergessen.

    Bevor es jetzt episch wird, mache ich jetzt besser Schluss.

    Mein Fazit:
    Schiene JA! (besonders, wenn die GDL noch etwas nachhilft ;-)),
    Auto mittelfristig und als Teilautonomie JA,
    alles was fliegt, in den nächsten 30-40 Jahren NEIN (Killer-Argument Sicherheits-/Haftungsfragen und die Physik)

  5. @Schwabert,

    danke für den ausführlichen Kommentar! Ich weiss die Mühe zu schätzen.

    Zum Thema Energiemenge und Elektrotechnologie und den vermeintlichen Faktor 1.000-10.000, schauen Sie mal hier:

    Der Link ist von einem Mitglied aus unserem Forum. Ganz so irreal, ist das dann wohl doch nicht, oder? Das Ding schert sich auf jeden Fall nicht um den Faktor 1.000-10.000, sondern fliegt einfach. 😉

    Noch reicht die Leistung von Batterien nicht aus, um so Konzepte dauerhaft und profitabel betreiben zu können. 20 Minuten sind beim e-Volo aber aktuell schon drin: .

    Wir reden hier bei bestehender Entwicklungsgeschwindigkeit in der Batterietechnologie also noch über höchstens 10 Jahre, bis Leichtkonstruktionen wie oben mit Batterien und nur einem Menschen darin zuverlässig aufsteigen könnten und den Menschen in der Reichweite von Autos ein paar wenige hundert Kilometer weit bringen könnten.

    Am Ende wird es auch bei den Batterien eine Abart von “Moores Law” geben. Man darf natürlich nicht klassische Stahlkonstruktionen der Luftfahrt nehmen und damit rechnen, das würde keinen Sinn machen, weil damit kann man natürlich alles als unmöglich rechnen. Ein bischen erinnert mich das an den Herrn Ingenieur Winterkorn, der noch vor 2 Jahren, als die Teslas schon 400 km rollten, sich nicht entblödet hat öffentlich zu behaupten, dass mehr als 150km Reichweite technologisch ja nicht möglich wären. 😉

    Ein weiter Link zum Thema, der von einem Mitglied aus dem Forum kam:

    Das hat noch konventionellen Antrieb, aber die Richtung wird klar.

    Und natürlich wird so etwas nicht als Erstes im dicht besiedelten und überregulierten Deutschland zum Erfolg, hier werden allen zigtausend Sachen einfallen, warum das nicht gehen soll. Erfolg wird es zunächst eher in den Weiten von Texas, Kanada und Co. haben und dann in den Flächenstaaten der zweiten und dritten Welt.

    Aber auch da gibt es wahrlich genug potentielle Kunden. Wir dürfen das Thema nicht aus der deutschen Brille betrachten.

    Das Thema kocht auf jeden Fall unter der Decke ganz erheblich und es gibt noch viel mehr kleine und grosse Firmen, die am Thema aktiv basteln. Alles steht und fällt natürlich mit der Geschwindigkeit, mit der die Energiedichte bei Batterien voran schreitet.

    Nicht nur hier beim Thema, sondern auch bei der Sinnhaftigkeit fast aller dezentraler Energieformen. Die Geschwindigkeit der Forschung nimmt ja aber erst richtig Fahrt auf, wo Musk und Co, massiv in das Thema investieren und Stückzahlen entstehen. Mir ist da nicht bange und 20 Jahre eine lange Zeit. Geht nicht, gibts nicht sozusagen. 😉

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