Change – Wandel

Diese Woche beginnt die Bilanzsaison in den US so richtig, die EZB steht an und am Freitag wird das Wörtchen "elect" gestrichen und Amerika wird von President Trump regiert.

Der US Markt mäandert in dieser Lage nahe der Höchststände, man muss kein Börsenfachmann sein um zu erkennen, dass da schon eine Menge Erwartungen an Trumps Politik in die Kurse eingebacken sind.

Auch wenn es heute noch sehr ruhig zugeht, weil in den US mit dem "Martin Luther King Day" ein Börsenfeiertag ist, sollten wir uns keiner Illusion hingeben. Die kommenden 2-3 Wochen werden sehr volatil und sehr wichtig für den weiteren Jahresverlauf. Denn in diesen Wochen muss sich der Markt entscheiden, ob er Trump zutraut aus den Ankündigungen auch Politik werden zu lassen, oder ob es eine markante Enttäuschungsreaktion gibt.

Wir erleben auf jeden Fall derzeit eine Zeitenwende, die potentiell tiefer geht, als manche nun ahnen. Denn mit Trump wird jemand der mächtigste Mann der Welt, der das personifizierte Gegenmodell zum derzeit dominierenden Multilateralismus darstellt.

Trump scheint sich wenig für solche internationale Organisationen zu interessieren, betrachtet das vermutlich eher als "Quasselbuden" und sieht die Welt sehr pragmatisch aus den Augen eines Geschäftsmanns und Dealmakers, der etwas Konkretes für sein Land erreichen will. America First, der meint das ernst!

Damit kommt auch eine Abkehr vom glatt polierten und durchformulierten, aber inhaltsleeren Neusprech, den wir ja alle zu Genüge kennen.

Natürlich kommen damit auch Risiken, denn am Ende ist der multilaterale Ansatz wohl ohne ernst zu nehmende Alternative, denn die Welt wächst zusammen, ob wir wollen oder nicht und Konflikte lassen sich daher am Ende nur gemeinsam lösen.

Gleichzeitig ist es aber auch frischer Wind, der dieses Zusammenwachsen vielleicht ehrlicher und offener macht, denn nur wer weiss wo er steht, seine Identität kennt und damit auch offen umgeht, kann wahre Kompromisse schliessen und nicht nur Formelkompromisse, die die Probleme nur kaschieren und auf die lange Bank schieben.

Und an Formelkompromissen ohne Inhalt, hatten wir in den letzten Jahren wahrlich genug in der Welt, die Probleme kumulieren sich auch deshalb, weil entgegen des wohlfeilen Selbstlobs der "Schwurbelsprecher", keines wirklich an der Substanz angegangen wurde.

Ich fand deshalb Kai Diekmanns besonders spannend, weil sie das Bild eines Mannes formen, der weiss was er will und das auch umsetzen will, statt lange zu fackeln.

Darin liegen grosse Risiken, aber auch grosse Chancen. Klar ist, dass wir eine Zeitenwende erleben, unklar ist völlig, wohin diese uns führt? Im Gegensatz zu denen, die meinen schon alles über Trump zu wissen: ich weiss es nicht.

Ich weiss nur, dass sich hier Dinge andeuten, die *massivst* kursbewegend sein dürften, weil sie die Grundlagen des Beziehungsgeflechts der Welt betreffen. Obama ist mit dem Versprechen von "Change we can believe in" an die Macht gekommen, ist als Tiger losgesprungen und als Bettvorleger geendet. Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn mit Trump echter Wechsel kommt, nur eben nicht so, wie sich das Obama ausgemalt hat.

Für uns als Anleger bedeutet das, dass wir nun viele Monate mit massiven Fragezeichen leben müssen und auch mit Wandel, der nur schwer zu antizipieren ist. Und zwar so lange, bis sich die Trump Administration gefunden und eingearbeitet hat und eine klare politische Linie erkennbar wird, die die Dinge wieder berechenbarer macht.

Wenn die Lage aber unklar ist, dann exponiert sich der kluge Anleger auch nicht so sehr. Die Signale des Marktes stehen zwar derzeit immer noch eher auf Grün, etwas Vorsicht, kleinere Positionen und mehr Cash, kann aber derzeit nicht schaden, wenn der Ausblick so unsicher ist, wie seit Jahren nicht mehr.

Auch wenn das manchen Trump-Hassern nun vielleicht nicht gefallen wird: wer in der Lage ist sein politisches Bild von Trump vom Grundsätzlichen zu trennen, kommt nicht umhin hier gerade ein "Fest der Demokratie" zu erkennen.

Denn ich frage Sie: Welche Staatsform schafft es echten Wandel - eine massive Richtungsänderung eines ganzen Landes - völlig friedlich auf die Beine zu stellen?

Die Antwort ist keine, ausser der Demokratie. In allen anderen Staatsformen, ist dieser Wandel in der Regel nur gewaltsam, zumindest als Revolution, gegen den Willen der Machthaber und Machteliten möglich. Es gibt wenige Ausnahmen davon, der Zusammenbruch der Sowjetunion ist so eine, das sind aber die berühmten Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Nur in der Demokratie ist es möglich, dass auf einen Obama ein Trump folgt und egal wie man über die beiden politisch denkt, darin liegt ein Wert an sich. Denn im Zusammenspiel der Völker und Nationen der Welt, ist es letztlich wie in der Evolution, nicht die zu einem Zeitpunkt stärksten überdauern, sondern die Anpassungsfähigsten tun das, die sich auf wechselnde Umstände gut einstellen können. Demokratie erlaubt diese Anpassungsfähigkeit, autokratische Systeme nicht, die sehen gut, und "mächtig" aus und man wünscht sich die Einfachheit, in der dort Entscheidungen möglich sind - bis sie irgendwann das Zeitliche segnen, weil innen unter der Rinde schon der Borkenkäfer sein Werk getan hat.

Ich sehe keinen Grund für den Defätismus, der derzeit der Demokratie entgegen schlägt. Sie ist frei nach Churchill, immer noch die schlechteste aller Regierungsformen, abgesehen von allen anderen. 😉

Man muss aber Demokratie im Sinne echten Wandels auch zulassen können und ihn nicht im institutionellen Dickicht ausbluten lassen, wie das manchmal in unserem auf Ausgleich und Blockade um jeden Preis angelegten deutschen Staatswesen aussieht. Ein Land aber, das es möglich macht, dass auf einen Obama ein Trump folgt, ist trotz aller Unkenrufe eindeutig eine Demokratie und kann stolz darauf sein.

Nehmen wir also als Anleger den Wandel an und ergreifen wir die Chancen, die daraus erwachsen.

Denn Change - Wandel, ist wohl das Wort des Jahres 2017.

Ihr Hari

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