Amazon – Die Mutter aller Trends und was wir davon lernen – 30.01.13

Ich kenne da ein Unternehmen mit dem Namen "Amazon"......

Die Aktie des Unternehmens (WKN 906866) notiert aktuell bei einem 2013er KGV von ..... halten Sie sich fest ..... 164 und das Kursbuchwert - Verhältnis (KBV) bei 15,6 ! Viel zu teuer ? Gleich shorten ? HALT !

Denn das Unternehmen wächst und wächst und die Aktie steigt und steigt und zeigt seit 2008 die Mutter aller Trends. Auch 2008 war das Unternehmen schon so hoch bewertet und hat sich seitdem mehr als versiebenfacht ! Kennen Sie einen anderen Bluechip, der das zu bieten hat ? Selbst Apple kann da nicht ganz mithalten.

Schauen Sie auf den Wochenchart seit 2008 und staunen Sie über die Mutter aller Trends :

Amazon Mutter aller Trends 30.01.13

Gestern nach Handelsschluss lieferte das Unternehmen Quartalszahlen und nachbörslich stieg der Kurs um mehr als 8% ! Da fällt die Kinnlade runter und der Mund öffnet sich, oder ? 😉

Und nun frage ich Sie, waren Sie dabei ? Haben Sie von dieser unglaublichen Erfolgsgeschichte profitiert ? Wohl kaum, denn Amazon war ja nach KGV und KBV schon immer so "teuer". Wir sollten den Fall Amazon daher exemplarisch nutzen, um uns ein paar schmerzhafte Wahrheiten ins Gedächtnis zu rufen, die so gar nicht den vermeintlichen "Weisheiten" entsprechen, mit denen private Anleger in diversen Publikationen gerne penetriert werden:

(1)
Die wirklich grossen Gewinne werden nicht mit vermeintlich "saubilligen" Aktien gemacht, sondern mit Aktie deren Geschäft wächst und wächst und wächst ! "Growth" ist immer noch die Selektion der Wahl, wenn man wirklich hohe Gewinne an der Börse erzielen will.

(2)
Es ist gar nicht so schwierig diese Aktien zu identifizieren, wenn man nur mit offenen Augen durchs Leben geht. Wie Amazon weltweit den Einzelhandel aufrollt, ist doch offensichtlich.

(3)
Die viel zitierten KGV und KBV haben bei der Beurteilung solcher Aktien keinen Wert und führen einen eher auf die falsche Fährte. Das sind Erfolgsverhinderer und keine Erfolgsgaranten. Am Thema -> Zykliker <- habe ich ja schon einmal deutlich gemacht, wie einen das KGV in die Irre führt.

(4)
Trends sind sehr mächtig und es lohnt sich ihnen einfach zu folgen !

(5)
Der Markt hat immer Recht. Wenn er einer Aktie über lange Zeit ein KGV von 80 und mehr zubilligt, gibt es Gründe dafür. Und wenn Sie die Bewertung für überzogen halten, liegt das viel wahrscheinlicher daran, dass Sie nicht verstehen was Mr. Market versteht, als dass Sie klüger als der Markt wären.

Ich kenne keine Aktie, die das Prinzip "The Trend is your friend" deutlicher machen könnte als Amazon. Und jetzt können wir uns alle eine Kerze anzünden und darüber nachdenken, warum wir eine solche Erfolgsgeschichte und die Versiebenfachung unseres Kapitals verpasst haben, obwohl diese Erfolgsgeschichte direkt vor unserer Nase stattfand.

Und wenn wir das verstanden haben, haben wir viel über unsere Denkstrukturen und unsere Fehler gelernt, die wir im Angesicht von Mr. Market immer wieder machen.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

17 Gedanken zu “Amazon – Die Mutter aller Trends und was wir davon lernen – 30.01.13

  1. Bei Amazon kann ich die Bewertung nur teilweise verstehen, klar profitiert Amazon am meisten vom Boom des Internethandels und ist auf dem besten Weg ein Quasi-Monopol aufzubauen, aber die Marge wird immer gering bleiben.
    Das Beispiel Amazon zeigt mir aber, dass wenn rationale Faktoren gegen ein Investment sprechen, die Aktie dennoch steigen kann. Das KGV von Amazon war schon immer hoch, aber sie ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren sogar deutlich gestiegen, was vielleicht doch auf eine Überbewertung hindeutet.

  2. @Crunchyroll, Mr. Market ist scheinbar der Meinung, dass die Marge eben nicht auf ewig niedrig bleibt, sondern dann steigt, wenn Amazon die Mitbewerber platt gemacht hat.

  3. Der Trend ist schön, keine Frage. Wenn es sich hier jedoch nicht um eine Übertreibung handelt, dann weiß ich auch nicht mehr.
    Amazon wird mit der Erwartung der “Weltherrschaft” gehandelt – sprich; Monopol.
    Das ist für sich genommen schonmal eine mutige und vor allem wackelige Voraussage. Zusätzlich müsste Amazon es unmittelbar danach schaffen, die Margen auf ein vernünftiges Niveau zu heben. Das klingt auch erstmal logisch, denn wann – wenn nicht als Monopolist – hat man die Möglichkeit dazu?!
    Ob das ganze “Amazon-Konzept” dann immer noch so funktioniert wie heute, steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt.

    Amazon ist das einzige Unternehmen, welches ausschließlich (bzw. in erster Linie) nur auf Umsatzwachstum und damit Marktmacht setzt, in der Hoffnung (irgend wann einmal) alle anderen erledigt zu haben.
    Nennt mich altmodisch, aber für mich muss ein Unternehmen adequate Renditen bringen (Eigenkaptial, Umsatz etc. pp)
    um es für mich als Investor interessant zu machen.

    Das heißt im Umkehrschluss nicht zwangsweise, dass ich nicht auf aufstrebende Unternehmen setzen würde,
    allerdings muss das Verhältnis zwischen Erwartung/Hoffnung und aktueller Bewertung einigermaßen passen.

    Facebook ist ein ähnliches Beispiel. Ebenfalls hoch bewertet. Aber noch lange nicht so hoch wie Amazon
    und das obwohl Facebook ebenfalls unfassbare Aussichten bietet, die eintreten KÖNNTEN.

    Bezüglich Mr.Market. War es nicht das Konzept, sich von Mr.Market eben nicht verrückt machen zu lassen?! 😀

  4. @Marlon, Du argumentierst mit Mr. Market, was selten eine gute Idee ist. 😉

    Und nein, ich würde Amazon jetzt auch nicht kaufen, sondern erst wenn wieder die Trendlinie getestet wird. Um das klar zu stellen (was ich dachte aus dem Artikel schon inhärent klar wäre) habe ich noch ein PS angefügt.

    Aber schau doch mal auf die Tops 2009, 2010, 2011 oder 2012. Hättest Du Deine Argumente nicht ganz genau so auflisten können wie heute ? Nichts hat sich an der Argumentation gegen Amazon seit 2009 geändert, das war schon immer die Logik der Skeptiker. Und was waren die Argumente also wert ?

    Das ist die Botschaft dieses Artikels, die aber scheinbar nicht angekommen ist. Ich weiss die Botschaft ist schwierig zu akzeptieren, weil sie an eingefahrenen “Weisheiten” nagt, dafür ist sie aber um so wichtiger.

  5. richtig, die Aktie steigt und steigt, obwohl meine Argumente 1:1 dieselben sind.
    Für mich wird es dadurch aber nicht logischer. Irrationale Bewertungen können teilweise länger anhalten,
    als man vielleicht an seinen eigenen Verstand glaubt.
    Bitte nicht schlagen; aber 1998-2002 sollte man ebenfalls seine ursprünglichen Bewertungsmaßstäbe über Bort werfen…

    Charttechnisch könnte die Aktie einen Zock wert sein – wirklich investieren würde ich jedoch nicht.

  6. Marlon, ich schlage Dich bestimmt nicht. Ich habe Amazon im Moment auch nicht. Der Punkt ist nur: was zählt ist das Ergebnis im Depot und sonst nichts. Und wenn man über Jahre einen versiebenfacher verpasst, sollte man sich lieber mal fragen, ob mit den eigenen Bewertungsmassstäben alles in Ordnung ist. Nur wer diese gedankliche Offenheit hat sich selber in Frage zu stellen, hat Aussicht auf Erfolg.

    Daraus ist aber natürlich nicht abzuleiten, dass man nun alles über Bord wirft und nach x Jahren noch hinterher hechtet. Die Grundsatzfrage bleibt aber und wenn man die sich nicht stellt, verpasst man die nächste Amazon wieder, aus den gleichen Gründen.

    Ich kann es auch klarer formulieren, denn Dein Wort von den “irrationalen Bewertungen” zeigt es erneut. Du bist der Meínung Du hättest ein “rationales” Bewertungsmuster und Mr. Market über Jahre ein “irrationales”. Glaub mir, erst wenn Du diese selbstgewisse Gedankenstruktur überwindest, wirst Du die Chance haben solchen Vervielfachern zu folgen.

    Wenn Mr. Market über Jahre eine Aktie so bewertet, hat er schlicht recht. Und wer sich für klüger hält unrecht.

    Und übrigens, die Bewertungen 2000 waren zu dem Zeitpunkt völlig in Ordnung. Und wer ihnen folgte hat eine riesige Menge Geld gewonnen (bis dahin).

    Der Fehler aus Sicht eines Traders waren nicht die Bewertungen, sondern die Unfähigkeit vieler dann zur Seite zu treten, als die Party vorbei war. Bei Amazon wäre das Analog ein Brechen der Trendlinie, dann müsste man zur Seite treten. Denn auch in diesem Moment 2001/2002 wollten wieder ganz viele klüger als der Markt sein und haben festgehalten. Und haben alles abgegeben, was sie vorher gewonnen hatten – und mehr. Der Fehler war erneut die Arroganz klüger als der Markt sein zu wollen.

    Was bringt also der Glaube besser als Mr. Market eine Amazon einschätzen zu können ? Du ahnst es: NICHTS. Solange Mr. Market die Aktie liebt, liebt man sie auch. Und wenn Mr. Market die Liebe entzieht, steigt man aus. Das ist Trendfolge und ein VÖLLIG ANDERER MINDSET, als der Glaube man wüsste mehr als der Markt. DAS ist die entscheidende Botschaft die ankommen muss !

  7. Also die Erkenntnis der Lektion lautet imho wie folgt:

    1. Diskutiere nicht mit dem Markt/Mr. Market.

    2. Der Markt weiß nicht, wer persönlich Du bist, was Du glaubst, und was Du fühlst. Es ist ihm egal. Außer Du repräsentierst genau den Durchschnittsanleger. Aber woher weißt Du, daß Du einer bist?

  8. Salzgitter hat heute überraschend seine Eckdaten veröffentlicht; das erklärt wohl den heftigen Satz nach unten heute morgen…
    Beste Grüße
    John

  9. @John Doo, ja so wird es wohl sein. Nur das eigentlich die Reihenfolge anders herum war, erst kam Nomura und der Absturz und dann später am Tag die Daten, auf die der Markt dann nicht mehr reagierte. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn das “Smart Money” die Daten schon heute früh kannte. Daher die starke Reaktion auf Analystengerede und die Nichtreaktion auf die Zahlen selber. Dieses Bild sieht für mich viel logischer aus, als das was “offiziell” an der Oberfläche ablief. Just my 2 cents worth.

  10. Manche dieser amerikanischen Aktien sind schon faszinierend. Die Produkte nicht so gut, aber die Aktien top.
    Als Beispiele nenne ich: Coca Cola und McDonalds – von den Nahrungsmitteln wird man nur dick; oder Starbucks – als ob man nicht schon einen Kaffee an jeder Ecke hätte kaufen können, als es das Unternehmen noch nicht gab; oder eben Amazon: Die Rücksendung der gekauften Produkte ist nicht ganz einfach, und wenn man hört, wie die Firma teilweise ihre Mitarbeiter behandelt, möchte man da eigentlich nichts mehr kaufen. Aber die Aktie: Top!

  11. @Robin K., ich denke Du schliesst hier von Deinen Wertvorstellungen auf die der anderen Welt, darauf beruht offensichtlich Deine Ansicht, dass die Produkte dieser Unternehmen “nicht gut” seien. Ein Unternehmen, dessen Produkte die Mehrheit der Kunden nicht gut finden, kann nicht bestehen. Insofern ist es sicher, dass die Mehrheit der Welt die Produkte von Coca Cola, Mc Donalds, Amazon usw “gut”, um nicht zu sagen “toll” findet.

    Bitte bedenke, dass die in Deutschland gerade dominante “politisch korrekte” Weltanschauung: Stichwort “postindustrielle Skepsis, Ökoorientierung, Nachhaltigkeit, Masshalten etc.” – bei gleichzeitig oberlehrerartig erhobenem Zeigefinger gegenüber dem Rest der Welt – in der Welt in der klaren Minderheit ist und selbst in Deutschland vor 40 Jahren in dieser Ausprägung nicht existent war und mit hoher Wahrscheinlichkeit von der folgenden Generation auch durch eine andere Weltanschauung abgelöst wird. Aber wir Menschen neigen halt dazu, unsere Wertvorstellungen für allgemein gültig zu betrachten. Um Aktien zu finden die weltweit erfolgreich sind, muss man aber verstehen wie die Welt tickt und nicht wie der gesellschaftliche Mainstream in Deutschland denkt.

    Nehmen wir Amazon als Beispiel dafür, dass es selbst innerhalb Deutschlands über Deine Sicht keinen Konsens gibt (von anderen Kulturkreisen ganz zu schweigen): Ich finde Amazon als Kaufhaus einfach toll, habe mit deren Service nur beste Erfahrungen gemacht und wir wickeln selbst Einkäufe des täglichen Bedarfs (Stichwort Drogerie und nicht verderbliche Grundnahrungsmittel) darüber ab. Bei einer mittlerweile vierstelligen Anzahl von Transaktionen, die wir seit der Gründung Ende der 90er Jahre bei Amazon angesammelt haben, hatte ich nicht ein einziges mal ein Problem mit einer Rücksendung, die im übrigen bei Amazon so einfach wie überhaupt nur vorstellbar geht.

    Amazon ist für uns in jeder Hinsicht TOP ! Ein Leben ohne so einen zuverlässigen, kundenorientierten Versender können wir uns kaum mehr vorstellen.

  12. Brauchst doch noch nicht Luftgewehr kaufen 😉
    Irgendwie ist das ganze ja auch schwer umsetzbar, wenn abertausende von diesen Dinger herumfliegen.

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