Aktien die man ignorieren sollte

Es gibt eine Art von Artikel, die viele Anleger aktiv suchen. Das sind die, die ihm die Zukunft weisssagen, also was er nun kaufen soll. Und wenn das dann noch mit Trigger-Worten wie "Value" und "Buffett" gewürzt wird, dann wird dieser Anleger ganz nervös. 😉 Natürlich sind diese Weissagungen durchweg sinnlos, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wenn der arme Warren Buffett jede missbräuchliche Verwendung seines Namens abmahnen würde, wäre er wahrscheinlich alleine davon schon reich.

Dann gibt es aber auch die Artikel, die diesem Anleger einen finanziellen Vorteil verschaffen, so zum Beispiel weil sie verhindern, dass er einen schweren Fehler begeht. Diese Artikel sind nicht so beliebt, zumal sie oft unangenehme Wahrheiten mit sich tragen, die entgegen der eigenen Instinkte laufen. Aber es sind genau diese Artikel, von denen dieser Anleger wirklich profitieren würde.

Einen nach meiner Meinung Artikel der zweiten Kategorie, will ich nun mit Ihnen teilen, ich habe ihn im Premium-Bereich schon im März 2015 geschrieben. Es ging damals um einen Typus von Aktien, von denen ich lieber die Finger lasse und als Beispiel habe ich damals Euromicron (WKN: A1K030) benutzt. Das ist aber ausdrücklich nur ein Beispiel, der Artikel vermittelt ein Grundprinzip, das für viele derartiger Aktien gültig ist.

Bevor ich zum damaligen Artikel komme, will ich Ihnen noch den dann folgenden Chartverlauf von Euromicron zeigen, den Zeitpunkt des folgenden Artikels habe ich markiert. Dann können Sie selber sehen, was danach passiert ist und meine Worte von vor mehr als 3 Jahren daher besonders gut einordnen:

Nach dem März 2015 wurde die Aktie auch immer wieder von diversen Publikationen "empfohlen", so im Juli 2017 bei damals 8€, heute 3€. Immer "Morgen" wird die grossartige Zukunft für das sicher anbrechen, was bis dahin nie gelungen ist. Morgen aber schon! 😉

Nun lesen Sie mal, es verhindert hoffentlich ähnliche Dummheiten:

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Dienstag 24.03.15 16:40 - Aktien, die ich nicht mag - Der Fall Euromicron

Es gibt Aktien, die ich persönlich als Einzeltitel nicht mag. Und ein so ein Fall aus dieser Kategorie, liefert dafür heute perfektes Anschauungsmaterial.

Es ist Euromicron (A1K030), bei denen heute ein Bilanzskandal aufgedeckt wurde, der CEO muss gehen und die Aktie raucht um über 20% ab. Lesen Sie hier:

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Ich mag diesen Typus Aktien nicht, weil es bei denen ein Muster gibt. Und darüber will ich heute mit Ihnen sprechen. Euromicron ist dabei nur ein Beispiel, nicht mehr.

Typisch für so Aktien ist, dass diese vor allem in den bekannten Anlegerpostillen immer an die Privatanleger heran getragen werden. Zu Euromicron zum Beispiel, liest man seit Jahren immer die gleiche Geschichte davon, dass der Aktie ja "so eine grosse Zukunft" bevor stehen würde. Blöd nur, dass diese Zukunft seit Jahren irgendwo immer +12 Monate entfernt ist und nie näher kommt. 😉

Netzwerk, Datensicherheit und IT-Sicherheit hört sich ja auf den ersten Blick auch nach Wachstum an. Nur reichen die Schlagwörter halt nicht, man muss schon genauer schauen, was das Unternehmen macht und vor allem, ob es wirklich einen Wettbewerbsvorteil hat, der nachhaltiges Wachstum ermöglicht. "Me too" Lösungen braucht der Markt nämlich nicht, auch nicht bei Sicherheit und Netzwerken.

Erst am 01.03.15 hat "Finanzen" dazu den folgenden Artikel Online gestellt:

Da schreibt mal wieder jemand von "Value", weil das KBV bei 0,7 ist und fusst das Ganze auf die Aussagen und Hoffnungen des Managements bzw öffentlichen Zahlen. Sie wissen wie ich dazu stehe und in Artikeln wie -> Das Zerrbild des Value-Investing <- habe ich ausführlich dargelegt, was davon in meinen Augen zu halten ist: Nichts!

Ich hoffe, Ihnen als treue Leser ist schnell klar, wie verfehlt diese ganze Argumentation ist. Denn die könnte nur dann zutreffend sein, wenn man davon ausgeht, dass der ganze Rest des Marktes schlicht zu blöd und beschränkt ist, diese "offensichtliche Unterbewertung" aufgrund öffentlich sichtbarer Zahlen selber zu erkennen. Ein Kurswert unter dem Buchwert ist deswegen ohne tiefgehende Kenntnisse erst einmal ein Problemindikator und kein Kaufgrund!

Jetzt ist der Markt ja sehr wohl immer wieder lokal ineffizient und neigt zu Übertreibungen und auch dazu, Dinge temporär zu übersehen. Aber so "blöd", eine in den Anleger-Medien über Jahre immer wieder breit getretene Aktie permanent völlig falsch einzuschätzen - so blöd ist Mr. Market dann doch nicht!

Nein, die Realität ist, dass die geballte Intelligenz des Marktes der Euromicron gerade einmal 100 Millionen € Marktkapitalisierung zubilligt. Und da wir ja auch verstanden haben, dass der Markt Erwartungen einpreist und auch Unternehmen ohne Umsatz schon einmal ein paar Milliarden Marktkapitalisierung gewährt, wenn die Aussichten gut sind, heisst das umgedreht, dass hier niemand grosse Erwartungen hat. Ausser den Gläubigen solcher "Value-Analysen" natürlich, das sind die einzig Intelligenten im Markt. 😉

Auch zum Thema -> Marktkapitalisierung <- habe ich mich ausführlich geäussert und ich mache um so Unternehmen eine Bogen, weil wie in dem Artikel argumentiert, ist der Informationsnachteil für Anleger viel zu gross - wie wir ja heute wieder bei Euromicron sehen.

Und damit kommen wir zum dritten Faktor, den unbedarfte Anleger so lieben. Die Dividende und Euromicron zahlte immer eine hohe Ausschüttung. Das wenigstens muss doch toll sein, oder? Nein, ich muss Sie enttäuschen, ist es auch nicht. Warum habe ich im Artikel -> Die Dividende - überschätzt, overhyped, missverstanden <- argumentiert.

Und auch dafür ist Euromicron das beste Anschauungsmaterial. Denn wenn dieses Unternehmen bei erst 100 Millionen Marktkapitalisierung so eine gloriose Zukunft hat, warum werden dann die Gewinne ausgeschüttet und nicht reinvestiert? Wenn das Unternehmen so gut ist, müsste es doch vor Investitionsideen nur so brummen und damit auch ein weit höheres Return of Investment erzielen, als wenn das Kapital ausgeschüttet wird.

In Summe haben wir also hier ein Unternehmen, das perfekt in das Beuteschema vieler normalen Anleger passt. Die Kriterien, mit etwas Sarkasmus gewürzt, lauten:

1. Jedes neue Jahr ist immer eine "tolle Zukunft" in Aussicht, diese hat aber noch keiner richtig erkannt. Ausser natürlich der super-smarte "Value"-Anleger, der so "Geheimpublikationen" wie die bekannten Anlegerzeitschriften liest. Kurz, der Markt ist zu blöd! 😉

2. Dass das Unternehmen klein ist und über Jahre im Umsatz nicht vom Fleck kommt, ist egal. Die Zukunft ist aber glorios, vor allem, wenn das Management das sagt! Ansonsten gilt Punkt 1, die andern sind schlicht zu blöd. 😉

3. Hohe Dividenden und geringe KGVs sind per Definitionem "Value". Die Frage, warum das Unternehmen trotz fehlendem Wachstum ausschüttet, statt zu investieren, stellt sich doch gar nicht. 😉

Und nun frage ich Sie: sind wir überrascht, dass man so am Markt auf keinen grünen Zweig kommt?

Ich weiss, ich war jetzt richtig bösartig in meiner Argumentation. Und klar, gegen Schummeleien ist kein Kraut gewachsen und vielleicht kommt Morgen zu einer anderen Aktie auch so eine Nachricht in den Markt und ich schaue dumm aus der Wäsche, weil ich damit nicht gerechnet habe.

Die Überraschung durch die Bilanzprobleme alleine, ist auch kein Argument. Das kann durchaus jedem mal passieren, so blöd überrascht zu werden. Die Summe der Indikatoren ist es aber, die uns von Aktien dieses "Beuteschemas" fern halten sollte. Und insofern passen diese Bilanzprobleme nun einfach "wie die Faust aufs Auge!".

Und am Ende habe ich ja noch das Totschlag-Argument. Denn es hätte eine ganz einfache Methode gegeben um zu erkennen, dass Euromicron als Aktie uninteressant ist. Und das ist ........ trara ........ dieses Chart, das seit 2012 nur abwärts geht:

Euromicron 24.03.15

Da bleiben keine Fragen offen, oder? Das ist das Urteil des Marktes. Und wer sich dagegen stellt, weil er glaubt eine Zahl wie ein KBV korrekt ablesen zu können, leidet unter krasser Selbstüberschätzung.

Und übrigens, da war bei Euromicron ja zum Jahreswechsel 14/15 sogar eine Art Wendeformation, die getriggert hatte und nun durch die Bilanz-Überraschung abgeschossen wurde. Gegen einen rein technischen Trade war da auch nichts einzuwenden, das war halt dann Pech mit dieser Überraschung.

Aber über technische Trades reden wir hier ja nicht. Wir reden hier über eine verfehlte Argumentation mit einer "Unterbewertung". Und dafür hätte ein Blick auf dieses Chart in einer Sekunde jedem zeigen können, dass hier grosse Skepsis angesagt ist. Ausser natürlich, man hält sich für klüger als der Rest des Marktes.

Wir hier wissen aber: wir gehen mit dem Markt und sind nicht klüger als er. Und wenn wir nur diese Regel verinnerlichen, geht es uns schon viel besser als vorher. 😀

Und genau das Chart oben, ist neben zu kleiner Marktkapitalisierung und fehlendem Wachstum über Jahre der grosse Unterschied zwischen aussichtsreichen Aktien und Euromicron. Beide könnten theoretisch eine Bilanzmanipulation in sich tragen, von aussen kann man das nie mit Sicherheit wissen.

Aber wo ist das Risiko statistisch wohl grösser? Ich denke, die Antwort ist klar.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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