Der neue, alte Markt – alles wie immer?

Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ist doch der alte geblieben. Diesen Umstand und was das für Anleger bedeutet, will ich heute auch im freien Bereich kurz anreissen.

Gewandelt hat sich der Markt aufgrund zweier, grundlegender Entwicklungen, die in den letzten Jahren vermehrt Fahrt aufgenommen haben. Einerseits dem Aufstieg passiver Investmentvehikel wie der ETFs, andererseits dem Aufstieg des algorithmischen Handels.

Was die passiven Investmentvehikel angeht, ist deren Logik ja einfach und bestechend. Sie wollen die Bewegungen des Marktes - wie ein Beobachter an der Seitenlinie - aufnehmen und abbilden, wollen selber aber eigentlich gar keinen Einfluss nehmen.

In der idealen Welt steigt oder fällt also eine Aktie wie Apple aufgrund fundamentaler oder markttechnischer Gründe, der dazugehörige ETF, bildet das einfach passiv ab, wie ein guter, neutraler Dokumentator.

Leider funktioniert diese Theorie im reflexiven Markt nur solange, wie die Menge der passiven Investmentvehikel sehr klein und unbedeutend ist. Wir haben es hier also mit einer weiteren Variante des Beobachterproblems zu tun und sobald die ETFs selber zum Marktfaktor werden - was sie mittlerweile sind - beeinflussen sie auch direkt das Beobachtungsobjekt, die einzelnen Aktien nämlich.

Und das funktioniert so. Stellen Sie sich einen ETF auf Technologieaktien vor, den viele im Depot haben. Nun beginnt der Markt eine Baisse wie letzten Herbst und Anleger, die ihre Depots schützen wollen, verkaufen ihre Technologie-ETFs.

In diesem ETF enthalten, ist aber eine Aktie, die gerade eine neue Innovation höchst erfolgreich auf den Markt bringt und damit sensationelle Gewinne schreibt, die niemand erwartet hat. Individuelle Stockpicker kaufen diese Aktie auch massiv hoch und genau in dieser Phase beginnt der Markt zu fallen und Anleger stossen ihre ETFs ab.

Und was passiert? Wenn die ETFs nur eine Minderheit des Handelsvolumens der Aktie ausmachen, wird die Aktie weiter steigen, aber weniger steigen. Wenn aber die ETFs das Handelsvolumen der Aktie dominieren, wird die Aktie auch fallen, obwohl sie eigentlich von Stockpickern hochgekauft wird!

Je mehr ETFs also das Handelsvolumen einzelner Aktien dominieren, desto mehr steigen oder fallen alle enthaltenen Aktien unisono - ob die Aktien individuell gut oder schlecht dastehen, hat immer weniger Relevanz.

Genau das beobachten wir zunehmend und letztlich macht das den Markt ineffizienter bei der Preisfindung. Nun aber zum zweiten Faktor, dem algorithmischen Handel.

Das was man heutzutage "Algos" nennt, hat mit künstlicher Intelligenz noch herzlich wenig zu tun. Es sind einfach Methoden und Techniken, die bisher von Menschen gehandelt wurden und nun automatisch von Maschinen abgewickelt werden. Trendfolge ist ein sehr einfaches Beispiel, es gibt aber auch viele andere, komplexere Techniken.

Dadurch dass nun Maschinen das Gleiche im Markt machen wie Menschen, ändert sich erst einmal nichts, an einer wichtigen Stelle aber doch.

Denn Menschen würden Dinge in Frage stellen und auch versuchen proaktiv Bewegungen zu antizipieren. Menschen sind aber auch weniger diszipliniert und gnadenlos, als es Maschinen sein können.

Wenn also eine Sache fünfmal geklappt hat, hätte ein Mensch zunehmend Skepsis, ob es auch zum sechsten Mal funktionieren wird. Eine Maschine hat dieses Skepsis aber nicht, die machen störrisch immer weiter bei dem was Erfolg bringt, so lange, bis es eben nicht mehr funktioniert.

Auch die zunehmende Dominanz der Algorithmen im Markt, hat also einen ähnlichen Effekt wie den der ETFs. Es macht den Markt uniformer und macht in "störrischer", heisst die Flut hebt alle Boote, die Ebbe senkt alle Boote und eine Bewegung die Erfolg hat, läuft viel länger als Menschen sich vorstellen können.

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegung laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

Und das können wir auch wunderbar an den Entwicklungen der letzten Jahre festmachen. 2017 war ein ungemein störrisches Jahr, in dem der Markt jedwede negative Nachricht einfach ignoriert hat und gegen alle Logik ohne Pause hochgelaufen ist - Buy the f***ing Dip (BTFD)!

Im Herbst diesen Jahres, ist der Markt dann in eine Abwärtsbewegung gewechselt, die im Dezember in einen gnadenlosen Aberverkauf wechselte, so als ob es kein Morgen mehr geben würde - Sell the f***ing Rip (STFR)!

Und nun seit dem 26.12.18, ist der Markt wieder in einer ebenso gnadenlosen BTFD Bewegung, so als ob es nie wieder finstere Nacht geben würde:

Merken wir uns diesen Mechanismus also und passen uns an. Die Effekt ist nicht negativ für uns Menschen, sondern positiv.

Denn wenn einmal eingeschlagene Bewegungen oder Logiken länger als bisher stabil bleiben, gibt es noch weniger Grund als schon vorher, herumzuraten und Tops oder Bottoms im Vorfeld erkennen zu wollen.

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Machen wir nur einen Fehler nicht, übersetzen wir dieses störrische Verhalten nicht automatisch in so gleichförmige Bewegungen, wie wir sie aktuell haben. Wenn es Erfolg verspricht, nach einem positiven Tag immer auf einen negativen Tag zu setzen und umgedreht, werden auch diesen Mechnismus Algorithmen erkennen und ausnutzen, so lange, bis es nicht mehr funktioniert. Dann bekommen wir eine Schaukelbörse ohne Richtung, aus Sicht der Algorithmen ist aber auch das eine einheitliche Bewegung.

Dass Märkte sich wandeln, ist nichts Neues und nicht Schlimmes. Der Markt des Jahres 1970 war auch nicht vollständig mit dem des Jahres 1930 zu vergleichen. Die Essenz bleibt, die Details ändern sich, das ist der Lauf der Welt und sollte uns nicht schrecken.

Passen wir uns dem Wandel an und bekämpfen ihn nicht, das ist die Fähigkeit erfolgreicher Anleger.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Aktien die man ignorieren sollte

Es gibt eine Art von Artikel, die viele Anleger aktiv suchen. Das sind die, die ihm die Zukunft weisssagen, also was er nun kaufen soll. Und wenn das dann noch mit Trigger-Worten wie "Value" und "Buffett" gewürzt wird, dann wird dieser Anleger ganz nervös. 😉 Natürlich sind diese Weissagungen durchweg sinnlos, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wenn der arme Warren Buffett jede missbräuchliche Verwendung seines Namens abmahnen würde, wäre er wahrscheinlich alleine davon schon reich.

Dann gibt es aber auch die Artikel, die diesem Anleger einen finanziellen Vorteil verschaffen, so zum Beispiel weil sie verhindern, dass er einen schweren Fehler begeht. Diese Artikel sind nicht so beliebt, zumal sie oft unangenehme Wahrheiten mit sich tragen, die entgegen der eigenen Instinkte laufen. Aber es sind genau diese Artikel, von denen dieser Anleger wirklich profitieren würde.

Einen nach meiner Meinung Artikel der zweiten Kategorie, will ich nun mit Ihnen teilen, ich habe ihn im Premium-Bereich schon im März 2015 geschrieben. Es ging damals um einen Typus von Aktien, von denen ich lieber die Finger lasse und als Beispiel habe ich damals Euromicron (WKN: A1K030) benutzt. Das ist aber ausdrücklich nur ein Beispiel, der Artikel vermittelt ein Grundprinzip, das für viele derartiger Aktien gültig ist.

Bevor ich zum damaligen Artikel komme, will ich Ihnen noch den dann folgenden Chartverlauf von Euromicron zeigen, den Zeitpunkt des folgenden Artikels habe ich markiert. Dann können Sie selber sehen, was danach passiert ist und meine Worte von vor mehr als 3 Jahren daher besonders gut einordnen:

Nach dem März 2015 wurde die Aktie auch immer wieder von diversen Publikationen "empfohlen", so im Juli 2017 bei damals 8€, heute 3€. Immer "Morgen" wird die grossartige Zukunft für das sicher anbrechen, was bis dahin nie gelungen ist. Morgen aber schon! 😉

Nun lesen Sie mal, es verhindert hoffentlich ähnliche Dummheiten:

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Dienstag 24.03.15 16:40 - Aktien, die ich nicht mag - Der Fall Euromicron

Es gibt Aktien, die ich persönlich als Einzeltitel nicht mag. Und ein so ein Fall aus dieser Kategorie, liefert dafür heute perfektes Anschauungsmaterial.

Es ist Euromicron (A1K030), bei denen heute ein Bilanzskandal aufgedeckt wurde, der CEO muss gehen und die Aktie raucht um über 20% ab. Lesen Sie hier:

.

Ich mag diesen Typus Aktien nicht, weil es bei denen ein Muster gibt. Und darüber will ich heute mit Ihnen sprechen. Euromicron ist dabei nur ein Beispiel, nicht mehr.

Typisch für so Aktien ist, dass diese vor allem in den bekannten Anlegerpostillen immer an die Privatanleger heran getragen werden. Zu Euromicron zum Beispiel, liest man seit Jahren immer die gleiche Geschichte davon, dass der Aktie ja "so eine grosse Zukunft" bevor stehen würde. Blöd nur, dass diese Zukunft seit Jahren irgendwo immer +12 Monate entfernt ist und nie näher kommt. 😉

Netzwerk, Datensicherheit und IT-Sicherheit hört sich ja auf den ersten Blick auch nach Wachstum an. Nur reichen die Schlagwörter halt nicht, man muss schon genauer schauen, was das Unternehmen macht und vor allem, ob es wirklich einen Wettbewerbsvorteil hat, der nachhaltiges Wachstum ermöglicht. "Me too" Lösungen braucht der Markt nämlich nicht, auch nicht bei Sicherheit und Netzwerken.

Erst am 01.03.15 hat "Finanzen" dazu den folgenden Artikel Online gestellt:

Da schreibt mal wieder jemand von "Value", weil das KBV bei 0,7 ist und fusst das Ganze auf die Aussagen und Hoffnungen des Managements bzw öffentlichen Zahlen. Sie wissen wie ich dazu stehe und in Artikeln wie -> Das Zerrbild des Value-Investing < - habe ich ausführlich dargelegt, was davon in meinen Augen zu halten ist: Nichts!

Ich hoffe, Ihnen als treue Leser ist schnell klar, wie verfehlt diese ganze Argumentation ist. Denn die könnte nur dann zutreffend sein, wenn man davon ausgeht, dass der ganze Rest des Marktes schlicht zu blöd und beschränkt ist, diese "offensichtliche Unterbewertung" aufgrund öffentlich sichtbarer Zahlen selber zu erkennen. Ein Kurswert unter dem Buchwert ist deswegen ohne tiefgehende Kenntnisse erst einmal ein Problemindikator und kein Kaufgrund!

Jetzt ist der Markt ja sehr wohl immer wieder lokal ineffizient und neigt zu Übertreibungen und auch dazu, Dinge temporär zu übersehen. Aber so "blöd", eine in den Anleger-Medien über Jahre immer wieder breit getretene Aktie permanent völlig falsch einzuschätzen - so blöd ist Mr. Market dann doch nicht!

Nein, die Realität ist, dass die geballte Intelligenz des Marktes der Euromicron gerade einmal 100 Millionen € Marktkapitalisierung zubilligt. Und da wir ja auch verstanden haben, dass der Markt Erwartungen einpreist und auch Unternehmen ohne Umsatz schon einmal ein paar Milliarden Marktkapitalisierung gewährt, wenn die Aussichten gut sind, heisst das umgedreht, dass hier niemand grosse Erwartungen hat. Ausser den Gläubigen solcher "Value-Analysen" natürlich, das sind die einzig Intelligenten im Markt. 😉

Auch zum Thema -> Marktkapitalisierung < - habe ich mich ausführlich geäussert und ich mache um so Unternehmen eine Bogen, weil wie in dem Artikel argumentiert, ist der Informationsnachteil für Anleger viel zu gross - wie wir ja heute wieder bei Euromicron sehen.

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