Vom Irrsinn des IFRS – oder warum der Buchwert alleine kaum Aussagekraft mehr hat.

Heute möchte ich mit Ihnen mal wieder ein grundsätzliches Thema besprechen. Und zwar in Form eines persönlichen und höchst subjektiven Kommentars zum Thema IFRS.

Ausgelöst durch einen der zahllosen Artikel, in denen dem privaten Anleger mal wieder das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) als einfaches Mittel angedient wurde um "Value-Aktien" nach Graham und Buffet zu finden, habe ich mich dazu despektierlich geäussert und den Versuch so ein Thema auf das KBV zu reduzieren als "Plattheit" gebranntmarkt.

In diesem Artikel möchte ich genauer erläutern was ich damit meine. Und warum Sie sich nach meiner Erfahrung keinen Gefallen damit tun, Ihre Anlageentscheidungen alleine nach solchen trivialen Kennziffern zu treffen. Wenn mir die Welt so stark vereinfacht dargeboten wird, ist für mich eher sofort die Frage, "warum" man mir das so darlegt und welche Interessen die Beteiligten haben könnten.

Noch vor 15 Jahren, war die Welt der Bilanzierung in Ordnung. In Deutschland galt das HGB, das die Tendenz hatte, in den Bilanzen stille Reserven - also eine Sicherheitsmarge - aufzubauen. Kaufte man damals ein anderes Unternehmen oder Rechte oder oder, wurde der Aufwand als "Kosten" verbucht oder aktiviert und das Wirtschaftsgut langsam abgeschrieben. Irgendwann war das Wirtschaftsgut in der Bilanz bei Null angekommen, hatte aber immer noch einen realen Gegenwert. Manchmal war dieser Gegenwert sogar gestiegen.

Diese stillen Reserven schlummerten unerkannt in den Bilanzen und wurden erst dann gehoben, wenn das Wirtschaftsgut zum Beispiel verkauft wurde, wenn es also durch einen Preis einen "Wert" bekam. Das war auch im Wesentlichen die Bilanz-Welt, in der Benjamin Graham (der diesem Blog seinen Namen gab und dessen Schüler Warren Buffet war) seine berühmte "Value-Strategie" entwickelte, wie in seinem Buch "The intelligent Investor" ausgeführt. Sicher waren die Bilanzierungsregeln auch damals in den USA anders als das HGB, aber auch in den US war die Bilanzierung damals viel mehr vom Sicherheitsgedanken geprägt als heute.

Dann begann aber der Siegeszug der IFRS (International Financial Reporting Standards). Eigentlich ein richtiger Gedanke, die Rechnungslegungsvorschriften weltweit zu vereinfachen und damit vergleichbar zu machen. Ich zitiere mal einen Satz aus dem WiWo Artikel zum "grossen Bilanz Bluff", den ich Ihnen unten verlinkt habe: "Die 15-köpfige Gruppe ist privat organisiert. Sponsoren der Gruppe sind nahezu alle wichtigen internationalen Konzerne, Banken und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Europäische Union winkt deren Beschlüsse regelmäßig durch und gibt sie weiter in die Hauptstädte von Berlin bis Rom, wo sie in nationales Recht umgewandelt werden."

Meine Lebenserfahrung gebietet anzunehmen, dass es die Interessen der genannten Spieler sind, die indirekt Einfluss auf die Bilanzierungsregeln nehmen. Und das selbst, wenn man den 15 Personen individuelle Untadeligkeit und das Bemühen um Unabhängigkeit attestiert, was ich hiermit gerne annehme. Denn jeder Mensch ist durch sein Arbeitsumfeld geprägt, auch wenn er sich persönlich um Unabhängigkeit bemüht. Lässt man Bilanzstandards von den genannten Gruppen erarbeiten, wird man andere bekommen, als wenn das Standardisierungsgremium zum Beispiel aus den Finanzchefs von Mittelständlern besteht. Bezeichnend für die deutsche Politik ist übrigens, dass sie dieses so entscheidende Thema aus meiner Sicht mal wieder völlig verschlafen hat.

Und die Interessen der grossen Spieler sind für mich naheliegend. Indem man stille Reserven hebt, in dem man die Bilanzen aufbläht, erzeugt man höhere Kurse an Börsen (= mehr Boni) weil die Kennziffern wie zB KBV besser aussehen, erhöht man das Volumen der Mandate, erzeugt neue Beratungsfelder für Banken und Wirtschaftsprüfer und gibt dem Management Spielraum, sich die Bilanz nach Gusto zu bauen. Es entspricht meiner Lebenserfahrung anzunehmen, dass diese Interessen auch in die Entscheidungsprozesse einfliessen.

Das Schlüsselprinzip das seit IFRS dabei eingesetzt wird und das es vorher nicht gab, ist dabei das "Fair Value Measurement“. Theoretisch ein richtiger Gedanke, statt das stille Reserven wie oben in den Bilanzen schlummern und diese defensiv aufgebaut sind, sollen alle Bilanzpositionen mit ihrem aktuellen "fairen Wert" bewertet werden. Das Problem ist nur, wer legt denn fest wenn es keinen echten Marktwert gibt, was die Regel ist ? Wer hat die Kompetenz zu entscheiden, ob eine Investition zB in eine innovative Technologie diesen oder jenen "fairen" Wert hat ? Womit wir beim massiven Spielraum sind der nun entstanden ist und der die modernen Bilanzen eher zu einem Pudding macht, den man verzweifelt versucht an die Wand zu nageln.

Es übersteigt den Umfang eines solchen Artikels, hier auf alle Aspekte einzugehen. Ich will Ihnen mit diesen Worten auch nur ein Problembewusstsein schaffen. Und dazu braucht es Beispiele.

Nehmen wir also mal beispielhaft Daimler und die Brennstoffzelle. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Daimler in das Thema schon mehr als 1 Milliarde Entwicklungskosten hinein gesteckt haben soll. Ich weiss nicht ob das stimmt und ich will vorausschicken, das ich keinerlei Ahnung habe wie Daimler das Thema bilanziert. Und ich will mit den folgenden Worten auch keine Behauptungen über die Bilanz bei Daimler aufstellen. Ich will Ihnen nur an einem Beispiel das jeder kennt ("Daimler" und "Brennstoffzelle") klar machen, was IFRS potentiell bedeutet.

Daimler hat also massive Investitionen in die Brennstoffzelle gesteckt, um in der Zukunft damit Geschäft zu machen. In der alten Welt des HGB wäre das ganz einfach gewesen. All die Investitionen in die Brennstoffzelle, all die Millionen an Entwicklerstunden, die gekauften Maschinen, Patente und Rechte, wären Kosten bzw aktivierbare Wirtschaftsgüter gewesen. Wirtschaftsgüter wie zb eine Testanlage wären bis auf Null abgeschrieben worden. Bilanziell wären also all diese Aktivitäten irgendwann nichts mehr "wert" gewesen, bis dann der Moment eintritt, an dem man mit der Brennstoffzelle Umsatz macht, Kunden gewinnt etc. So einfach, so defensiv, so konservativ.

Heute, im IFRS, darf man aber Entwicklungsaufwand aktivieren. Und muss den Wert dieser "virtuellen Wirtschaftsgüter" nicht zwingend auf Null abschreiben. Nein, man muss für die Bilanz bestimmen, was der "Fair Value" dieser Aktiva ist. Und bläht die Bilanz entsprechend auf, was bedeutet das KBV sieht optisch attraktiver aus. Nur wer entscheidet was die Investitionen in die Brennstoffzelle Wert sind ? Nach welchen Kriterien ?

Viel schlimmer, kann das überhaupt jemand kompetent entscheiden ? Ich behaupte ganz frech: NEIN ! Denn die entscheidende Frage wird sein, ob sich die Brennstoffzelle am Markt gegen die alternativen Antriebsformen durchsetzen kann. Und das hängt von unzähligen, auch politischen, Parametern ab und kann niemand vorher sehen. Und deshalb kann auch niemand seriös den "Fair Value" bestimmen.

Im Endeffekt masst sich IFRS damit ganz arrogant an, via Bilanz die Zukunft vorher sehen zu können. Klar, theoretisch soll es der aktuelle "Fair Value" der Gegenwart sein, nur ist der nicht zu bestimmen ohne Annahmen zur Zukunft zu machen. Das ist in meinen Augen die traurige Realität. Und Realität ist für mich auch, dass sich damit das Management der Konzerne nach meiner Erfahrung mehr oder weniger selber in die Bilanzen schreiben kann, was es will. Oder glauben Sie ein durchschnittlicher Wirtschaftsprüfer kann eine ernsthafte Diskussion mit dem Entwicklungsvorstand bestehen, welchen aktuellen Wert frische Innovationen in einem innovativen Spezialthema haben ? Sicher haben die Wirtschaftsprüfer "Krücken" zur Bewertung in ihrer Methodik, es sind und bleiben aber Krücken und am Ende entscheidet das Management.

Das ist nur ein Beispiel. Und um es noch einmal zu erwähnen, ich weiss nicht wie Daimler das real bilanziert, das ist nur ein theoretisches Gedankenszenario um einen Punkt klar zu machen. Und es ist auch keine Problematik von Daimler, sondern vor diesen Fragen stehen mit IFRS alle Unternehmen mit signifikanten Entwicklungsaufwendungen, egal aus welcher Branche. Aber von dieser Art "Bewertungen" nach "Fair Value" werden die Bilanzen der Konzerne seit IFRS bestimmt. Und es ist beileibe nicht nur das Thema aktivierter Entwicklungsleistungen um das es hier geht, weitere Stichworte sind der Goodwill bei Firmenkäufen, die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen usw. usw..

Warum wohl weist Microsoft plötzlich, von einer Sekunde auf die andere einen Quartalsverlust aus und schreibt 6 Milliarden auf eine Akquisition ab ? Womit die Bilanz um diese 6 Milliarden verkürzt wird. Hat sich die Welt in dieser Sekunde so verändert ? War die Bilanz vor 3 Monaten also richtig ? Lesen Sie . Und warum wundern sich Redakteure, das der Markt dabei nicht mal zuckt ? Ganz einfach, weil die Redakteure den (Un)Sinn des IFRS nicht verstehen und noch denken, Bilanzen hätten Aussagekraft. Big Money weiss es aber und zuckt deshalb nicht einmal über die Abschreibung. Die Profis im Markt wissen : "sowieso Bullshit" und kümmern sich um die bedeutenden Dinge.

Am schlimmsten sind in diesem Zusammenhang übrigens nicht die Bilanzen von IT Unternehmen, sondern die von Banken. Da hier fast keine "realen" Güter dahinter stehen, bestehen die Bilanzen aus Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen. Natürlich alles "Fair Value". 😉 Erfahrene Bilanzspezialisten, die bei einem Industrieunternehmen durchaus noch sinnvolle Schlüsse aus der Bilanz ziehen können, streichen bei Bankbilanzen die Segel. Denn die wissen, das sie *nicht* wissen, eben gerade weil sie kompetent sind. Um so absurder wird es dann, wenn man im Web von Laien "fundamentale Analysen" zu Banken anhand der klassischen Bilanzkennziffern liest. Da kann man in meinen Augen auch gleich wie im Mittelalter das Gekröse eines Frosches untersuchen, das läst ähnlich kompetente Rückschlüsse zu. 😉 Bank-Bilanzen sind einfach eine "Black-Box", die selbst für Insider extrem schwer zu durchdringen sind.

Faktum ist, dass man aufgrund dieser durch IFRS aufgeblähten Unternehmensbilanzen die Kennziffern wie KBV gar nicht mehr mit der Vergangenheit vergleichen kann. Wer Ihnen also erzählt, dass das KBV des DAX im historischen Massstab billig sei, ist nicht ernst zu nehmen. Die Bilanzen sind nicht vergleichbar und keiner kann Ihnen genau sagen, wie aufgebläht sie nun im Vergleich zu den 90er Jahren sind.

Und dann lächeln Sie Personen von Magazinen an und und implizieren, dass Sie ja nur das KBV und die Dividende anschauen müssen, um sich wie Graham und Buffet zu fühlen. Wenn Geldanlage so einfach wäre, wären wir alle Multimillionäre. Komisch nur, dass wir es nicht sind. 😉

Sage ich damit, dass eine Kennziffer wie das KBV gar keine Aussagekraft mehr hat ? Nein, wenn man das Geschäft des Unternehmens versteht, wenn man die Substanz der wesentlichen Bilanzpositionen einschätzen kann und wenn man weiss, wie "aggressiv" das Management bilanziert, dann hat eine Bilanzanalyse immer noch gute Aussagekraft. Das ist das was ein Buffet macht und mehr. Machen Sie das ? Können Sie das ? Wenn nein, lassen Sie sich nicht von den grossen Vereinfachungen blenden.

So weit meine hoffentlich deutliche und zugegeben spitzzüngige Rede zum Thema. Wie gesagt, ich wollte damit nicht in die Details der Bilanzierung einsteigen, sondern Ihnen nur eine sehr grundsätzliche Problematik klar machen.

Im Folgenden habe ich daher für Sie noch zwei Links um das Thema zu vertiefen. Gerade den ersten Link "Der grosse Bilanz Bluff" möchte ich Ihnen dringend zum intensiven Studium empfehlen. Danach sind Sie hoffentlich kuriert und können nur noch bitter lachen, wenn Ihnen einer mal wieder etwas vom KBV als entscheidendem Kriterium erzählt und dafür dann noch der arme Warren Buffet ungefragt als Testimonial benutzt wird.

Ich hoffe ich konnte Ihren Horizont ein wenig erweitern. Und ich bedauere, dass ich Ihnen keine "einfachen" Lösungen anbieten kann. Das muss ich anderen überlassen.

Ihr Hari

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19 Gedanken zu “Vom Irrsinn des IFRS – oder warum der Buchwert alleine kaum Aussagekraft mehr hat.

  1. Ein sehr eindrucksvoller Artikel, und das trotz angegriffener Gesundheit…Donnerwetter.

    Zugleich läßt sich das Wort von der “marktkonformen Demokratie” kaum besser verdeutlichen als durch die Schilderung des “Durchwinkens” von Bilanzregeln eines privaten Konsortiums(oder sollte man sagen “Herrenklub”?).

    Wenn es aber so ist, daß der Gewinn, der Buchwert, ja selbst der Mittelzufluss, nur noch mit der Lupe gelesen werden können, dann sind die entsprechenden Kennzahlen ansonsten nicht viel wert und man braucht sie gar nicht erst in seine Überlegungen einbeziehen. Bleibt dann eigentlich nur noch der Umsatz aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Bzw. das, wonach der Markt bewertet oder bewerten will. Oder man kauft nur noch das, was man “versteht” bzw. zu verstehen glaubt.

    Was ist aber mit der Dividendenrendite? Die wird ja tatsächlich gezahlt und die muß auch in der Zukunft erwirtschaftet werden. Also ist sie auch belastbarer als irgendwelche in der Vorstellung befindlichen Aktiva. Oder doch nicht?

  2. Ja Tokay, die Dividendenrendite ist belastbarer, WENN sie dauerhaft und konservativ gezahlt wird. Zu hohe Ausschüttungen von 8-10% bei denen dann fast der gesamte Gewinn ausgeschüttet wird sind also eher kritisch zu sehen. Die fortzuschreiben wäre dumm. Eine konservative Dividendenpolitik ala Nestle ist aber ein positives Kriterium.

    Die Dividende ist daher sinnvoll, weil es eine trivialisierte Ableitung der wirklich entscheidenden Grösse ist: des positiven Cashflows aus Geschäftstätigkeit. Das ist in meinen Augen einer der wichtigsten Parameter bei der Unternehmensanalyse. Da aber die wenigsten einen Cashflow berechnen und vergleichen können, ist die Dividende eine zwar unpräzise aber halbwegs sinnvolle Annäherung.

    Aber wie gesagt, nur bei konservativer Ausschüttungspolitik. Auf das Gegenteil habe ich ja erst gestern in den Tips mit dem Telekom-Konzern KPN (ua E-Plus) hingewiesen. Der Kursverlauf seit 2011 ist der pure Horror und das war auch mal ein 10% Dividendenwert, bevor sie gekürzt wurde. Selbst für die Dividende gilt also: blindes auf Zahlen schauen reicht nicht aus.

  3. Dieser Bilanz Bluff Artikel ist eine Katastrophe, wer hat das denn geschrieben… Nicht dass der Inhalt schlecht ist, er ist es wohl nicht. Aber der Schreibstil ist einfach besch…eiden. Vielleicht liegt es auch an der optischen Praesentation auf wiwo.de, die Website ist einfach nur schrecklich, vor lauter Werbung, Links, Sidebars und nachmal Werbung findet man kaum noch den eigentlichen Text. Da kann ich mich jetzt noch ewig drueber aufregen (Ja, ich weiss, wer sonst nix zu tun hat…).

    Ich finde, du hast das in deinem Artikel viel praegnanter, und vor allem gedanklich geordneter (!) praesentiert. Mein Tip: Wer Zeit sparen will, spart sich den WiWo Artikel und liest dafuer Hari’s Artikel zweimal.

    Davon mal abgesehen noch eine Frage zum Thema: Werden denn parallel zu den IFRS Bilanzen auch noch die HGB Bilanzen veroeffentlicht?

  4. Oder man liest das in den Live-Tips verlinkte Interview. Das liest sich doch gleich viel besser als der Bluff Artikel.

  5. @ Hans, das liegt primär tatsächlich an der Werbung etc. Den Artikel selber finde ich inhaltlich durchaus gut recherchiert.

    Alle deutschen Unternehmen müssen ihren Einzelabschluss auch nach HGB bilanzieren. Aber eben nur die Deutschen und wen interessiert das noch ? Zumal ich nicht sicher bin, ob das auch für den Konzernabschluss gilt, der ja auch ausländische Töchter hat. Meines Wissens gilt das dafür nicht, womit das HGB endgültig kleine Bedeutung mehr hat. Denn BASF, SAP & Co. sind mittlerweile alles internationale Konzerne mit deutschen Töchtern. 😉

    PS: habs gefunden. Laut Wikipedia: “Ein Mutterunternehmen ist gem. § 315a HGB von der Aufstellung eines Konzernabschlusses nach deutschem Handelsrecht befreit, wenn es einen Konzernabschluss nach IFRS in Verbindung mit ergänzenden handelsrechtlichen Vorschriften aufstellt”

    Sprich: kein HGB mehr vorhanden um börsennotierte Gross-Konzerne zu vergleichen.

  6. Na, das beruhigt mich ja, dass keine HGB Bilanzen mehr erstellt werden. Dann muss ich mich auch in Zukunft nicht mit nichtssagenden Unternehmensbilanzen beschaeftigen. 🙂

  7. Hallo Hari,
    das ist mit ein Grund dafür, warum ich mich gestern hier im Blog angemeldet habe – Deine klaren und schonungslosen Analysen von Themen, die über die reine Charttechnik hinausgehen. Ja, die Welt ist komplex. Da sollten sich einfache Antworten und Lösungen eigentlich von selbst verbieten. Das Gegenteil ist in der Regel aber der Fall. Danke für die Begrüßung im Blog und die Ermunterung, Fragen zu stellen.

  8. Hallo Anna, Danke für die netten Worte. Du kannst aber auch an so Artikeln das Elend substantieller Artikel im Web erkennen. Mangels reisserischer Headline bekommen solche Artikel kaum Leser, die regelmässigen Leser die primär wg des Autors sowieso hier lesen mal ausgenommen. Umgedreht, würde ich jetzt den 1682ten sinnentleerten Artikel zur Commerzbank unter dem austauschbaren Titel “Commerzbank, ist die Wende da ?” oder so ähnlich schreiben – der nur nachbetet was man woanders auch an Beschreibung aktueller Entwicklungen nachlesen kann – wären es sofort tausende Klicks.

    Jetzt ist das kein Problem für mich, da ich diese Leser sowieso nicht will. Und ich mir deswegen auch keine Mühe gebe, diese hier herzuziehen. Trotzdem ist es bezeichnend. Denn dieses Verhalten der Leser erzeugt bei den Betreibern von journalistischen Websites und Blogs dann wieder berechtigtes Anpassungsverhalten. Insbesondere wenn man darauf angewiesen ist, aus der Website Geld zu generieren um sie zu finanzieren, muss man sich diesem Aufmerksamkeitsverhalten der Menschen anpassen. Ob man will oder nicht ist dabei nebensächlich, will man überleben, muss man dieses Informationsverhalten der Menschen bedienen.

    Und damit erzeugen sich die Leser letztlich genau die Qualität an Informationen zu Börsenthemen, die sie dann vorfinden: oberflächliche und uninspirierte Nacherzählungen des sowieso Offensichtlichen und anderswo auch lesbaren. Eigentlich traurig, aber so funktioniert es nun einmal. “Selbst schuld” muss man da der Mehrheit sagen.

    Der einzige für mich sichtbare Ausweg ist das was ich versuche. Sich gar nicht an diesem Wettlauf um Aufmerksamkeit zu beteiligen, sondern auf eine beständige, loyale und langsam wachsende Leserschar zu setzen. Aber selbst dann braucht man – auch ich – immer mal wieder so einen “Leuchtturmartikel” mit hohen Klickzahlen, um potentiell an mehr Substanz interessierten überhaupt den Weg zur Website zur weisen. Denn im Web-Zeitalter gilt, bekommt man keine Aufmerksamkeit, ist man nicht existent. Selbst wenn man gerade die Naturgesetze umschreiben würde, gegen “So werden Sie mit Pennystocks an der Börse reich !” hat man keine Chance. 😉

  9. Zum Thema,
    das was ich daran zusätzlich mitnehme ist, dass je nach Typus Menschenschlag im Vorstand eines Unternehmens die Bilanzen mal mehr mal weniger aufgebläht werden und des daher umso wichtiger wird ein Management einschätzen zu lernen. Dazu braucht es viel Erfahrung, Beschäftigung mit dem jeweiligen Unternehmen, usw. Ob es für mich als Normalbürger leistbar ist, steht auf einem anderen Blatt…somit ziehe ich den Schluss, das der Blick auf die Produkte eines Unternehmens und der Chartverlauf, Käufe des Managements, etc. umso wichtiger sind und die Bilanzzahlen im besten Falle ein weiterer untergeordneter Indikator sind ob ich ein Unternehmen kaufe oder nicht.
    Viele Grüße
    John

  10. @ John Doo, so ist es. Der grosse Vorteil den die Price Action hat und damit verbunden alle Indikatoren die darauf aufbauen – also Chartmuster, Oszillatoren, Markttechnik usw. usw. – ist, dass man darin real sehen kann, was auch Big Money macht. Denn reden kann man viel, kaufen muss man aber mit Geld. Auch die Profis. 😉 Insofern gibt es einfach keinen besseren Indikator, als das was einem die Kurse sagen. Da steckt die Wahrheit drin.

    Das ist ja auch der Grund, warum ich immer gegen die Art und Weise polemisiere, in der Fundamentalanalyse trivialisiert wird. Fundamentalanalyse funktioniert sehr wohl, aber nur wenn man die Zeit und das Wissen hat, sich wirklich tief in das Unternehmen einzuarbeiten. Zu glauben man schaut zwischen Abendessen und Sportschau mal auf KGV, KBV und Dividendenrendite und ist dann ein toller “Value-Investor”, ist schon ziemlich naiv. Und trotzdem die Herangehensweise vieler, weil es permanent durch die Medien und bekannten Gurus promoted wird. Bleibt nur die Frage: warum ? 😉

  11. Hallo Hari,
    ich kenne das Problem aus eigener Erfahrung sehr genau. Mit Freunden und Bekannten, die aus meiner Sicht gehaltvolle, auch journalistische, Weblogs betreiben, habe ich dieses Thema schon oft diskutiert. Auch meine Druckerzeugnisse (print, nicht online) haben sich bisher nicht tausendfach verkauft. Das ist die Regression zur Mitte. Die Mehrheit, der gesellschaftliche Durchschnitt, bestimmt, wo es lang geht. Zum Leidwesen aller, die nach oben oder unten abweichen. Ist es da nicht von unschätzbarem Wert mit fundiertem Börsen-know-how sein Geld verdienen zu können? Das macht unabhängig und erlaubt einem, auf so manche Konvention pfeifen zu können.

  12. Hallo Anna,

    das stimmt, wobei mir erst der konventionelle Karriere-Weg (Studium, Management, eigenes Unternehmen) die Grundlage verschafft hat um diesen Weg überhaupt einzuschlagen zu können. Denn wenn man bei jedem Trade gleich an die Krankenversicherung des Kindes denken muss, kann es nicht funktionieren, das lähmt zu sehr.

    Geld ist für mich Freiheit. So einfach ist das. Das knappste Gut meines Lebens war nie Geld, selbst als es ich es nicht hatte und Student war, sondern immer Zeit. Aber Geld verschafft mir die Freiheit, die mir gegebene, wertvolle und sehr endliche Zeit auch so zu erleben, wie ich es möchte.

    FREIHEIT … eines meiner Lieblingswörter. Leider nicht sehr populär im obrigkeitsgläubigen Deutschland. 😉

    Immerhin haben wir ja nun einen Bundespräsidenten, der damit etwas anzufangen weiss.

    Gruss, Hari

  13. So obrigkeitsgläubig sind wir nun auch wieder nicht, schliesslich hat der Bundespräsident sich ja nicht selber gewählt… 😉

    Gute Nacht

    Die Nachteule

  14. Naja Tokay, der BuPrä wurde nicht wg seiner Haltung zur Freiheit gewählt, die macht ihn bei seinen theoretischen Unterstützern sogar teilweise suspekt, weil das den Odeur liberalen Gedankenguts verströmt. Er wurde gewählt, weil er zufällig zur Schachfigur im politischen Spiel Gabriels wurde. Hätte er das Hohelied des starken, bemutternden Staates gesungen, wäre das Ergebnis nicht anders gewesen und die Begeisterung bei seinen Unterstützern eher grösser.

    Abgesehen davon haben wir ihn nicht gewählt, sondern die Bundesversammlung. Und die Mitglieder derselben haben wir auch nicht gewählt, sondern nur indirekt auf die parteipolitischen Prozentsätze bei der Zusammensetzung Einfluss genommen, ein wie ich finde feiner aber wichtiger Unterschied.

    Auch der Bundestag wurde von uns – mit Ausnahme der wenigen Direktmandate ohne Listenplatz – nicht gewählt, sondern wir haben nur die prozentuale parteipolitische Zusammensetzung bestimmt. Wer dann im Bundestag tatsächlich sitzt, wird dagegen von den Parteizentralen via Listen bestimmt.

    In meinen Augen eines der zentralen Grundübel unserer Demokratie und von den Verfassungssvätern keineswegs so gewollt, sondern eine Verbiegung demokratischer Prinzipien. Denn die mittlerweile überzogene Macht der Parteien in unserer Republik, fusst im Kern auf dieser entscheidenden personellen Deutungshoheit, die Abweichler schnell aussortiert und angepasste, stromlinienförmige Volksvertreter fördert.

  15. Na ja, Hari, schon, aber doch nicht so ganz; denn der BPr mit seinem liberal-konservativen Touch/Odeur war für das schwarz-gelbe Lager recht attraktiv, wie bereits die Wahl von Wulff zeigte. Und richtig, WIR haben Herrn Gauck nicht gewählt, aber daß er beim Wahlvolk auf breite Zustimmung stößt, daran bestand und besteht kein Zweifel. Also hat die B’versammlung jemanden gewählt, der auch “vorzeigbar” war(was ja, wie Du schreibst, die dahinterstehende Absicht war) . Wie dem auch sei, das Ergebnis stimmt und ist von uns beiden erwünscht , und darauf kommt es an.

    Im Grundsatz teile ich Deine Schlussfolgerung – mehr Offenheit, weniger Closed Shop. Typisch für Deutschland wieder mal, daß die Parteien bei uns vergleichsweise straff organisiert sind. Davon weniger wäre mehr.

    And now let’s get on with the job…

  16. @Hari Nr. 12: Wenn einem suggeriert wird, man könne zwischen Abendessen und Sportschau mal auf KGV, KBV und Dividendenrendite schauen und sei dann ein toller “Value-Investor“, so hat das sicher u. a. auch damit zu tun, dass Banken, Börsen und Discountbroker mit den Aufträgen der Kleinanleger gutes Geld verdienen (wollen).

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