Entladung

1 Uhr Nachts, nach einem denkwürdigen Abend davor. Faszinierend, so schnell geht es manchmal an den Börsen.

Gestern noch hatten wir den Beginn einer normalen Korrektur, die man zwar ernst nehmen, aus der man aber kein Ungeheuer machen darf. 24 Stunden später haben wir wirklich eine Situation, die außergewöhnlichen Chrakter hat. Daher auch dieser ungeplante Artikel am sehr späten Abend nach der Geisterstunde.

Wie schnell es ging, sieht man daran, dass ich gestern gegen 18 Uhr den Arbeitstag normal geschlossen habe und mit meiner Familie etwas machen wollte, bis dahin war es ein durchaus erwarteter Tag mit einem schwachen Bounce gewesen, der durchaus Raum für weitere Abgaben schaffte, aber mit nichts einen großen Ausverkauf ankündigte.

Dann aber nahm die Abwärtsbewegung Fahrt auf, weil die Algos statt den Dip zu kaufen wie seit 1,5 Jahren üblich, plötzlich nach unten zu pressen begannen. Vor allem die letzten beiden Handelsstunden waren übel und mit 4% Minus war das zwar noch kein "Crash" im eigentlichen Sinne, aber doch ein schwerer Ausverkauf.

Dass der Tag, an dem die Algos die Seiten wechseln und von BTFD (Buy the f***ing Dip) auf STFB (Sell the f***ing Bounce) wechseln, übel und hoch riskant werden würde, haben wir hier im Blog x-fach immer wieder thematisiert. Nur gekommen ist dieser Tag nie, gestern war er endlich da.

Wie extrem der Tag doch war und auch wie bedeutsam, kann man am Volatilitätsindex VIX sehr schön sehen, der gestern massivst ausgeschlagen hat, weil es auch in den "Short-Vola" Produkten einen Short-Squeeze gab. Ob und wie es aus diesem Short-Squeeze auch Rückkopplungen in den sonstigen Markt gab, kann man bei den vielfältigen Strategien nur vermuten, sollte aber davon ausgehen, dass diese deutlich vorhanden waren.

Was bedeutet das jetzt?

Erstens, die Zeit des volatilitätsarmen Hochschiebens ist eindeutig vorbei. Der "Free Lunch" im Sinne "Short Vola" ist wohl zu einem grausamen Ende gekommen. There is no free lunch.

Zweitens, Bullenmärkte enden so nicht, das Top eines Bullenmarktes ist typischerweise still, leise und heimlich und nicht mit Karacho.

Drittens, was wir erleben ist eine zwangsläufige Entladung, eines Marktes der viel zu weit korrekturlos gelaufen ist, das war hier vielfach Thema, siehe auch -> die Steigung <-.

Viertens, da der Markt in den letzten 2 Jahren in historisch einmaligem Umfang ohne Korrektur nach oben gelaufen ist, ist zu erwarten dass diese Entladung auch besonders scharf und hart ablaufen wird.

Fünftens, da der Markt nun von Algos geprägt ist und sich einem historischen Experiment in der Geldpolitik gegenüber sieht, sind Schlußfolgerungen aus historischen Analogien nur bedingt hilfreich.

Sechtens, sicher kann man aber sagen, dass die allermeisten echten Crashs, wie der Schwarze Montag 1987, aber auch der Flash Crash 2010, immer erst nach "schlimmen" Tagen kamen. Ein Crash kommt eben nicht aus dem Nichts, er folgt "schlimmen" Tagen und gestern war dummerweise ein "schlimmer" Tag.

Siebtens, heisst das konkret, dass die Gefahr eines echten Crashs nun nicht mehr Null ist, wie sie es lange war. Diese 4% Minus gestern können der Vorbote eines noch negativeren Tages sein und dass die Märkte gestern auf den Tiefs geschlossen haben, erhöht dieses Risiko auch. Könnte, nicht muss, aber das Risiko ist nun real, was es jahrelang nicht war, während darüber permanent spekuliert wurde. Zum ersten Mal seit 2015/2016, darf man dieses Wort also zu Recht wieder in den Mund nehmen.

Achtens, hat trotz der Abgaben am Freitag und gestern, der S&P500 immer noch nicht ausreichend korrigiert, um die Überdehnung abzubauen. Es macht also Sinn, von mindestens einem weiteren Tag des Schmerzes auszugehen, vielleich auch mehr. Das gilt umso mehr, falls Morgen ein Rebound kommen sollte. So ein Einbruch ist höchst selten mit nur einer Abwärtsphase erledigt.

Neuntens, gibt es nun auch strukturelle Probleme im Markt, insbesondere im Markt der Volatilitätsprodukte. Da wird wohl noch was nachkommen und wir befinden uns historisch in unerforschten Gewässern.

Zehntens, sehen wir leicht, dass der US Markt in Form des S&P500 noch weiteres Korrekturpotential hat und es immer noch nicht der Weltuntergang ist, sondern vielleicht nur die notwendige und erwartete 10-20% Korrektur, die für 2018 einfach auf der Agenda stand.

So weit so kurz mein nächtlicher Rat vor einem neuen Handelstag. Nach so einem Einbruch kommt in der Regel noch was nach, selbst wenn es erst einmal hoch gehen sollte.

Nehmen wir das Geschehen also ernst, rechnen wir durchaus mit noch tieferen Kursen in den kommenden Tagen, das Ende des Bullenmarktes ist es aber wahrscheinlich nicht, sondern eine ebenso notwendige wie überfällige Entladung.

Gerade wenn wir im Vorfeld in der sichtbaren Überdehnung Gewinne mitgenommen und unseren Cash-Anteil erhöht haben - im Premium-Bereich habe ich letzte Woche "Gelben Alarm" ausgelöst - gibt es keinen Grund für Panik und wir können das nun ablaufende, hektische Geschehen primär als Chance betrachten.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der Weltuntergang hat begonnen – Achtung Sarkasmus

Im sogenannten "freien" Internet geht es bekanntermassen primär darum, möglichst einfach Klicks zu genieren und dafür legt man in Überschriften gerne schmackhafte Häppchen aus, die die Leser dazu verleiten sollen zu klicken, insbesondere weil die Überschrift den eigenen Bias befriedigt. Denn wir lesen doch einfach besonders gerne, was wir schon immer gewusst zu haben glauben, frei nach dem beliebten Motto: "Siehste"?

Der Markt ist letzte Woche zur überfälligen Korrektur angetreten, die US Indizes sind gegenüber dem Jahresanfang aber immer noch deutlich im Plus und diese Korrektur war ja nicht nur überfällig, sie war unvermeidbar, ich habe mehrfach darüber geschrieben.

Genau genommen ist dieses Jahr sowieso eine echte Korrektur von 10-20% überfällig und vielleicht hat sie gerade begonnen. Schön wärs, denn das würde den Boden bereiten für eine neue Anstiegsphase, denn der übergeordnete Bullenmarkt ist eben noch nicht notwendigerweise zu Ende, Korrekturen gehören zum Geschäft.

Da sollte man doch meinen, dass sich die Mehrzahl nun freut und nach riesigen Gewinnen und 1,5 Jahren Anstieg ohne Pause einfach mal gelassen zur Kenntnis nimmt, dass dieser Markt erfreulicherweise wieder zur Normalität zurück kehrt.

Aber nein, es muss gleich der kommende, finanzpolitische Weltuntergang sein, lesen Sie mal, was unsere Presse dazu verzapft:

Welche "heftigen Börsenturbulenzen" eigentlich? Und was schreiben die, wenn wir wirklich mal welche haben? Im Artikel ist dann allerlei wild zusammen gemixt, was teilweise sogar richtig ist, die Aufgeregtheit der Überschrift ist im Ringen um Aufmerksamkeit im Internet aber symptomatisch.

Genau das ist für mich persönlich "Clickbaiting", bösere Zungen haben so etwas auch schon mal "Börsenpornographie" genannt - Klick-Mich-Jetzt!

Und es funktioniert natürlich, viele die seit 2009 in ihrer fest gefügten Gedankenburg schon immer wussten, dass Börse nur Zockerei ist und der börsentechnische Weltuntergang unmittelbar bevor steht, suhlen sich wohlig im eigenen Saft, ohne zu merken dass sie nur wieder reflexartig auf einen vor die Nase gestellten Trigger reagieren.

Nun denn, lassen wir hier bei surveybuilder.info lieber mal die Realität und Rationalität sprechen. Ich lege auch keinen Wert auf Klicks und Aufmerksamkeit um jeden Preis und das unterscheidet surveybuilder.info ganz zentral von andere Angeboten.

Hier ist der DAX im langfristigen Bild mit Wochenkerzen:

Wir sehen, dass noch gar nichts passiert ist, der langfristige Trend ist intakt, es gibt kein tieferes Tief. Wir sehen aber auch etwas, was vielleicht zu einer Topbildung werden *könnte* - Konjunktiv.

Insofern ist die aktuelle Entwicklung nichts, was man sorglos ignorieren darf, denn das kann sich nun ausweiten, Es ist aber bisher noch davon entfernt, dass man mehr als eine normale Korrektur hinein interpretieren muss.

Noch klarer ist das langfristige Bild im Leitindex S&P500:

Wir sehen einen immer steiler werdenden Trend, der auf keinen Fall so unbegrenzt weiter gehen konnte. Das habe ich selbst hier im freien Bereich mehrfach geschrieben, insbesondere zuletzt am 23.01. in -> Die Steigung <-. Zitat:

Ich denke man erkennt sehr schön, wie die Steigung von einer dauerhaft tragfähigen Neigung in 2017, in 2018 nun auf eine Steilheit gewechselt ist, die der Markt nicht dauerhaft durchhalten kann.

Würde man diese Steigung auf das Jahresende hochrechnen, würde sich der SP500 vervielfachen, was natürlich kompletter Unfug ist.

.....

Gleichzeitig muss dieser kluge Anleger sich aber bewusst machen, dass eine scharfe Korrektur von 20% in 2018 mit dieser steilen Bewegung eher wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher geworden ist, die Risiken steigen also deutlich.

Bei allem demütigen Mitgehen, muss man sich also immer wieder die Ausstiegspunkte zurecht legen und sozusagen schon den Fallschirm aufgeschnallt haben, damit man dann nur noch die Reissleine ziehen muss.

Noch Fragen? Was ist an dieser überfälligen Korrektur nun also bis jetzt eine "Börsenturbulenz"?

Wir alle wissen nicht, wie sich das entwickelt. Theoretisch kann hieraus in den nächsten Tagen eine "Börsenturbulenz" werden, das gilt aber grundsätzlich für jeden Minustag an der Börse, theoretisch kann jeder das Top markieren, praktisch ist das Unfug und wer danach handelt wird zu 99% verlieren.

Was wir aber bisher in Realität vor uns haben, ist eine überfällige Korrektur, die erste dieser Art seit Trump Präsident wurde. Eine Korrektur, die sich durchaus auf 10-20% ausdehnen kann, selbst dann aber immer noch notwendig und gesund im Rahmen eines übergeordneten Bullenmarktes wäre.

Mehr wissen wir derzeit nicht und mehr sollte man derzeit daher auch nicht herein interpretieren, wenn man sich ernsthaft mit den Märkten beschäftigen will. Was die Zukunft bringt, ist offen.

Ihr Hari

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