Wer hat Angst vorm bösen Trump?

Dieser Tage kann man wieder fasziniert beobachten, wie Differenzierung auf der Strecke bleibt, wenn es um die Person Trump geht.

Da hat der Mann nun Strafzölle für Aluminium und Stahl verkündet, etwas was er schon länger angekündigt hatte.

Völlig klar war, dass die deutschen, sogenannten "Mainstream-Medien (MSM)" darauf einschlagen würden. Egal was Trump macht, es wird immer darauf eingeschlagen, weil es in der Person Trump in einem Paket daherkommt, das auch bei Wohlmeinenden eher Abscheu ob dieser hohlen Ansammlung an Ego und Selbstlob hinterlässt.

Und für die Politik ist es eine wohlfeile, bigotte Gelegenheit, sich mal wieder als Verteidiger des Freihandels zu inszenieren, dabei sind genau die gleichen Politiker schnell mit einer Subvention an der Hand, wenn es nur der heimischen Industrie im Wahlkreis dient.

Ist also alles nur deshalb falsch, nur weil es von einer fraglos wenig sympathischen Person gesagt wird?

Aber auch umgedreht können wir die Tage beobachten, dass genau die, die sich zurecht über den moralischen Absolutismus der MSM ärgern, dann manchmal umgedreht in die gleiche Falle gehen und pauschale Urteile fällen.

Ist also alles nur deshalb falsch, weil es von den Mainstream-Medien und der Politik kommt und sich gegen Trump wendet?

Die Antwort ist in beiden Fällen *Nein*.

Wer nun unreflektierte Jubelgesänge auf Trumps Zoll-Politik verfasst - und ich habe da am Wochenende in anderen Blogs so allerlei gelesen - ist keinen Deut besser als die, die er kritisiert. Denn die Antwort zum Thema Handel ist komplex, differenziert, keineswegs einfach und nicht Schwarz/Weiss.

Zunächst einmal sei daran erinnert, dass der weltweite Freihandel ein scheues Reh ist und nur funktionieren kann, wenn alle Beteiligten einen multilateralen, kooperativen Ansatz fahren. Schert nur ein wichtiger Spieler aus, ist es damit vorbei.

Und es sei daran erinnert, dass Handel eben kein Nullsummenspiel ist, sondern vom freien Handel am Ende alle profitieren. Das ist völliger Konsens bei praktisch allen Wirtschaftsfachleuten und Ökonomen, gleich welcher ökonomischer Denkrichtung. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.

Im Übrigens bestätigen die weltweiten Daten zur Wohlstandsentwicklung seit Fall des eisernen Vorhangs eindrucksvoll diese Sicht. Die Welt ist im Gesamten gesehen durch den Handel erheblich wohlhabender geworden, Armut und Hunger wurden eindrucksvoll zurück gedrängt, wenn auch noch nicht beseitigt. Alle Daten auf Ebene der ganzen Welt, zeigen statistisch in diese Richtung.

Um diesen kooperativen Ansatz am Leben zu erhalten, wurde die World Trade Organisation (WTO) gegründet, deren "Rechtsprechung" sich alle fortgeschrittenen Handelsnationen unterwerfen um den kooperativen Ansatz mit Leben zu füllen. Dabei lassen die Regeln der WTO sehr wohl Zölle und Handelsschranken zu, sie müssen sich aber selektiv als Gegenmaßnahme gegen andere Vertragsverletzungen richten und genau das ist der entscheidende Punkt, der bei Trumps Ansatz zu kritisieren ist.

Kommen wir also zu Trumps Zöllen und der Angst vor einem Handelskrieg, ich will mal versuchen das Ganze aus meiner Sicht rational und ohne Schwarz/Weiss-Denken aufzudröseln. Und ob Trump charakterlich dieses oder das ist, sollte bei einer rationalen Bewertung seiner Politik keine Rolle spielen.

Erstens, ist es richtig, dass China zwar den Freihandel im Munde führt und wie in Davos 2017 auch immer wieder nützliche Idioten in der westlichen Wirtschaft findet, die dieser Propaganda zujubeln, weil sie Dollarzeichen in den Augen haben - faktisch aber ganz harte Macht- und Industriepolitik betreibt, die sich um die Regeln der WTO nur dann kümmert, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Man muss nur beispielsweise schauen, wie China die eigenen Branchen mit einer gesetzlich erzwungenen 51% Zwangsmehrheit gegen ausländischen Einfluß schützt, während man sich gleichzeitig in Europa einkauft, wo solche Schutzmauern nicht existieren. Das ist eindeutig asymetrische Industrie-Kriegsführung, die den blauäugigen und kurzfristig profitverliebten westlichen Eliten noch auf die Füße fallen wird.

Zweitens, ist es fraglos richtig, dass die gewaltigen Überkapazitäten die China aus innenpolitischen Gründen in vielen Industriebereichen - wie auch Stahl und Aluminium - am Leben erhält, eigentlich ein Skandal sind und mit Marktwirtschaft rein gar nichts zu tun haben.

Drittens, ist es daher folgerichtig und nicht zu kritisieren, dass sich andere Volkswirtschaften dagegen mit Zöllen abschotten, die WTO lässt das ausdrücklich zu und ein Handelskrieg ist das damit nicht. Europa tut es und wenn Trump nun Zölle nur gegen China wenden würde, wär daran nichts zu kritisieren.

Viertens, ist es fraglos richtig, dass auch in der EU hier und da Doppelmoral in Sachen Handel herrscht, im Großen und Ganzen hält sich die EU aber an die WTO Regeln und betreibt kein weltweites Einfluss-Powerplay damit wie China und die USA.

Fünftens, ist auch das Handelsverhältnis der US zu Europa im Saldo eher von Fairness geprägt. Da Trump Autozölle zum Thema gemacht hat sei daran erinnert, dass die EU 10% Importzölle für US Fahrzeuge nimmt, die US aber nur 2,5% Importzölle für PKW, dafür aber 25% für Vans und Trucks. Im Saldo gleicht sich das wieder aus, was im Handel genau Fairness bedeutet.

Sechtens, wenn dann zwischen EU und US eine Seite einen Überschuß generiert, ist es nicht das Ergebnis unfairer Vorteile, sondern das Ergebnis besserer Produkte. Dass bei Autos die EU durch Deutschland einen klaren Überschuß besitzt, liegt an besseren Autos als sie bisher von Ford und GM produziert wurden. Erst mit Tesla dreht sich das Blatt wieder. Und dass im IT und Internet-Bereich die US-Konzerne im Sinne FAANG den Handel dominieren, liegt an den besseren Produkten des Silicon Valley, die weltweite Marktmacht haben.

Was ist also das Problem an Trumps Zöllen? Warum besteht nun Angst vor einem Handelskrieg?

Weil er eben nicht nur - nach den Regeln der WTO berechtigt und für die US überfällig - China straft. Sondern weil er die Zölle pauschal für alle erheben will, auch die, die sich an faire Regeln halten!

Genau das wäre der Sündenfall und würde gegen WTO-Regeln verstossen. Genau davor haben alle Angst, weil es dann Gegenmaßnahmen auf den Plan bringt und sich daraus ein Handelskrieg entwickeln könnte, in dem alle nur verlieren können.

Selektive Gegenmassnahmen sind absolut akzeptabel. Eine generelle Abschottungspolitik nach Autokraten-Manier, der Trump am Wochenende fatalerweise mit Drohungen in Richtung der deutschen Autobauer Nahrung gegeben hat, ist aber inakzeptabel und schadet als Allererstes Amerika selber, das seine weltweite Dominanz auf Freihandel aufbaute und nicht auf Abschottung.

Und das so zu sehen ist keineswegs "Trump-Bashing", denn:

  • Seine eigenen Wirtschaftsberater Finanzminister Steve Mnuchin und Gary Cohn wenden sich dagegen.
  • Die Republikanische Partei (GOP = Grand Old Party) ist in überwältigender Mehrheit dagegen, die Demokraten sowieso.
  • Praktisch alle Ökonomen gleich welcher Denkschule sind dagegen und das will schon was heißen wenn man weiß, wie "spinnefreind" die sich teilweise sind.

Tja und die deutschen Main-Stream-Medien schießen halt auch dagegen, weswegen die Kritik aber nicht falsch sein muss. Man kann auch aus den falschen Gründen die richtige Meinung haben.

Der Kern des Problems sind also nicht ein paar Prozent bei Stahl, das kann man als nebensächlich abhaken. Der Kern des Problems ist, dass Trump mit seinem Verhalten einen unilateralen Ansatz signalisiert und der kann das zarte, kooperative Pflänzchen des Welthandels schnell kaputt machen. Und am Ende wären wir alle ärmer.

Und geben wir uns keiner Illusion hin, das ist ein Thema, das sich im Gegensatz zu vielen medialen Säuen mal tatsächlich auf die Gewinne der Unternehmen auswirkt. Sollte der Markt also die Meinung entwickeln, dass sich hier ein Handelskrieg entwickelt, werden die Kurse stark fallen und das zurecht!

Im Moment glaubt der Markt das aber noch nicht, er setzt darauf, dass Trump von seinem Umfeld wieder in die Spur gebracht wird und es zu keiner generellen Eskalation kommt. Hoffen wir das der Markt Recht behält, dann kann 2018 noch ein gutes Aktienjahr werden.

Wer dagegen wissen will was Abschottung und Handelskriege bewirken, muss nur in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts schauen. Und was das hervor gebracht hat, wissen wir hoffentlich alle, wenn wir auch nur ein wenig geschichtliche Bildung besitzen.

Ihr Hari

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