Procter & Gamble und Johnson & Johnson – Das Ende der Dividende als Anleihen-Ersatz?

Ich weiss nicht, ob Ihnen aufgefallen ist, dass im Rahmen der Sektor-Umschichtungen nach der Wahl Trumps, kleine Nebenwerte, die im Russell 2000 Index zusammen gefasst sind, massiv haussiert haben - wie hier zum Beispiel im ETF IWM zu sehen, der den Russell 2000 abbildet:
(All Charts from )

iwm-21-11-16

Gleichzeitig haben aber einige klassische Dividendentitel und grosse Bluechips, teilweise deutlich korrigiert - ausser sie gehörten zu Sektoren wie dem Industrie-Sektor, die von Trumps absehbarem Infrastruktur-Programm profitieren werden.

Diese Bewegung, hat übrigens schon vor Trumps Wahl begonnen, sie wurde durch seine Wahl nur beschleunigt bzw wieder neu in Gang gesetzt. Hier sind zwei Beispiele solcher Korrekturen von gross kapitalisierten Dividenden-Bluechips:

Procter & Gamble (PG):

pg-21-11-16

Johnson & Johnson (JNJ):

jnj-21-11-16

Damit stellt sich die Frage, was sich hinter dieser Schwäche verbirgt und die Antwort ist recht einfach:

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Die FED will es scheinbar zwingen

Die FED will es scheinbar zwingen. Und zwar eine Zinserhöhung noch im September.

Dahinter steckt ja auch eine gewisse Logik, denn um die Glaubwürdigkeit zu behalten, sollte dieses Jahr nun endlich eine weitere Zinserhöhung folgen und bedingt durch die US Präsidentschaftswahl, öffnet sich das nächste Fenster dann erst wieder im Dezember.

Noch vor einer guten Woche, hat der Markt nach den sehr durchwachsenen US Arbeitsmarktdaten, eine Zinserhöhung im September fast völlig wieder ausgepreist, so wie ich das im Artikel -> Profiteure fallender Zinserwartungen <- dargestellt habe. Der genannte EEM schoss in Folge nach oben.

Dann aber, kamen diverse FED Mitglieder mit klaren Aussagen pro Zinserhöhung. Und das in einer Breite und Klarheit, dass man von einer konzertierten Aktion zur Vorbereitung der Märkte ausgehen muss. Ich denke nicht, dass diese Kommunikationsoffensive, ohne einen informellen Konsens mit Yellen so stattgefunden hätte.

So sprach unter anderem der Präsident der Bostoner FED Eric Rosengren, der bisher eher als "Taube" bekannt war, am Freitag von der Gefahr einer "Überhitzung" der US-Wirtschaft als Folge der anhaltenden Niedrigzinspolitik und brachte damit eine Straffung auf die Agenda.

Diese Aussagen von Rosengren waren ganz massgeblich am Abverkauf von Freitag beteiligt.

Aber auch heute, kurz vor der Quiet-Period vor der FED Sitzung am 21.09., spricht das FED-Mitglied Lockhardt davon, dass die Daten "ernste Zinsdiskussionen" stützen würden.

Das alles lässt nur einen Schluss zu: starke Kräfte in der FED wollen die Erhöhung nun im September haben.

Für die Märkte bedeutet das kurzfristige Unsicherheit, danach aber einige Chancen. Denn wir können fast sicher davon ausgehen, dass wenn es zur Erhöhung im September kommt, es das für dieses Jahr dann auch war, zumal die US-Wahl jede Menge Unsicherheit verbreitet.

Damit ergeben sich interessante Handelsschancen, wir müssen nun "nur" den Punkt erwischen, zu dem die Zinserwartungen an den September vollständig eingepreist sind.

In der Community, wird das unser zentrales Thema der kommenden zwei Wochen sein.

Ihr Hari

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EZB Nebeneffekt: Der Euro als Carry Trade Währung

Dass nach einem Panik-Tief wie am Montag, erst einmal wilde Swings auftreten, die dann auch länger andauern, bis sich der Markt beruhigen kann, ist ebenso völlig normal, wie die schwappenden Wellen, die von einem grossen Stein ausgelöst werden, der in einen vorher stillen Teich geworfen wird.

Trotzdem fielen in diesen wilden Swings, besonders die wilden Zuckungen des Euros, insbesondere im EURUSD Verhältnis auf. Anleger mit Euro-Depots, haben das schmerzhaft gemerkt, denn ebenso wie der fallende Euro im ersten Quartal auf dem Papier schnelle Gewinne ermöglichte, verstärkte der steigende Euro im Absturz die Minuszeichen, wenn man US Werte im Depot hatte.

Die klassische Erklärung, die nun wieder von den meisten Kommentatoren reflexartig aus der Westentasche gezogen wird, ist der Hinweis, dass die Euro Stärke das Ergebnis geänderter Zinserwartungen in den USA sei. Auf gut Deutsch, der Markt schreibt die erste Zinserhöhung der FED zunehmend ab und das schwächt den Dollar und stärkt relativ den Euro.

Diese Erklärung ist auch sicher nicht völlig falsch, denn natürlich wirken Zinserwartungen auf die Währungen, zumal ja FED Mitglied Dudley gestern schon selber Zweifel an der ersten Zinserhöhung gesäht hat. Für das Geschehen der letzten Tage, springt diese Standarderklärung aber viel zu kurz.

Denn wenn man nach Ursachen sucht, sollte man die inverse Beziehung zwischen EURUSD und den Indizes, insbesondere dem Leitindex S&P500, auch mal ernsthaft anschauen. Und dann fällt einem auf, was ich im Handel der letzten Tage massiv bemerkt habe:

Fast auf den Punkt genau, gibt es eine nahezu perfekte, inverse Beziehung zwischen S&P500 und EURUSD.

Ich habe diese hier mit Stundenkerzen über die letzten Tage dokumentiert und das Ergebnis ist sehr beeindruckend. Fast perfekt ergeben sich die inversen Wendepunkte und zwar mehrfach im Tagesverlauf:

ES 26.08.15

So eine inverse Parallelität aber, lässt sich mit einer sich generell ändernden Zinserwartung überhaupt nicht erklären, das ist dann als Analyse schlicht viel zu kurz gesprungen.

Für so eine inverse Beziehung gibt es für mich nur eine logische Erklärung: es muss einen direkten Zusammenhang im Handel des grossen Geldes geben. Sprich wir sehen hier nur zwei Seiten der selben Medaille.

Und wenn man das begriffen hat, ist auch schnell klar und völlig logisch, was hier wirklich los sein muss:

Der Euro ist zur massiven Carry Trade Währung für grosse US Investoren geworden.

Ich hatte das schon länger vermutet, aber so wie das hier in den letzten Tagen ausgesehen hat, ist das Ausmass noch weit grösser, als ich mir habe vorstellen können.

Für die Leser, die nicht wissen was ein "Carry Trade" ist: Es bedeutet, dass massive Zinsunterschiede ausgenutzt werden, um Geld in der niedriger verzinsten Währung auf Kredit zu leihen und in der höher verzinsten Währung dann in attraktiveren Anlagen (also auf Kredit) anzulegen und die Zinsdifferenz einzustreichen.

Nun ist es aber so, dass "Dank" unserer Notenbank EZB mit der "Nullzinspolitik", die Zinsen vergleichbarer Anleihen (zb BUNDs vs US T-Bonds) in Europa bei fast Null liegen und damit 1-2% unter den Renditen vergleichbarer US Papiere.

Heisst konkret, die grossen Adressen der Finanzwelt - das US "Big Money" also - verschuldet sich zu fast Nullzinsen in Europa in Euro und kauft damit - gehebelt, weil fremdfinanziert - zum Beispiel US Anleihen und Aktien, die eine höhere Rendite versprechen. Und das lässt dann auch die US Indizes so lange so weit nach oben schieben. Nur wehe, wenn dieser Trade aufgelöst werden muss und das haben wir die letzten Tage hautnah erlebt.

Diese Transaktion, mit der US Anleger sich Euro leihen und dann in Dollar konvertieren um US Anleihen oder Aktien zu kaufen, schwächt logischerweise den Euro, denn der wird im Rahmen der Transaktion ja verkauft. Und stärkt den Dollar, der gekauft wird.

Und so haben wir über Monate erleben dürfen, wie der Euro ins Bodenlose fiel und der Dollar stieg. Dieser Anstieg schaffte dann den Emerging Markets massive Probleme und nun haben wir den Salat.

Umgedreht läuft es aber leider genau so, Märkte sind keine Einbahnstrasse.

Wenn US Investoren nun panisch US Aktien verkaufen wie am Montag, nehmen sie die Dollars, wandeln diese zurück in Euros und lösen damit ihre Kredite ab. Und das treibt EURUSD so massiv wie die letzten Tage in die entgegengesetzte Richtung des Marktes - nach oben.

Ich bin zu 99% sicher, dass dieser Mechnismus wesentlicher Teil der Währungs-Bewegungen ist, die wir sehen und die man oben eindrucksvoll im Chart erkennen kann. Nicht der einzige Faktor natürlich, aber definitiv ein ganz wesentlicher Teil.

Das ist für mich auch ein weiteres Beispiel dafür, welche Kollateralschäden diese gnadenlose Nullzinspolitik der Notenbanken und der EZB im Speziellen auslöst. Denn letztlich wird damit die Spekulation auf billigen Kredit gefördert und nicht die Stabilität des Finanzsystems.

Und wenn wie gestern bei Reuters Meldungen herum gehen, , können sich die "Carry-Trader" schon die Finger reiben. Die Zinsdifferenz bleibt oder wird erhöht, der Carry Trade kann wieder los gehen und was machen die US Märkte heute Abend? Sie steigen - Überraschung. 😉

Und wenn uns als Bürger und Gesellschaft, dann irgendwann die Folgen dieser Geldpolitik um die Ohren fliegen, war es dann natürlich der "Gottseibeiuns" aller links beseelten Ideologen gewesen, "der böse Kapitalismus" nämlich. Der muss dann exorziert werden, damit die Welt wieder "gut und rein" werden kann. 😯 Die geldpolitischen "Planwirtschaftler", die hier wesentlich ihre Finger im Spiel hatten und das mit angerichtet haben, waschen ihre Hände dann natürlich in Unschuld, die wollten ja nur "das Beste" und was will man schon gegen so viel Bemühen sagen? 😉

Für uns erfahrene Anleger heisst das übrigens auch, dass ein Long auf EURUSD wohl ein guter Hedge für den nächsten Einbruch ist. Er gleicht den Effekt der Euro-Stärke in Euro-Depots aus und schwingt gegenläufig synchron gegen weitere Einbrüche an den Märkten.

Ach ist das nicht schön, wie "stabil" das Finanzsystem nun dank all der angestrengten Bemühungen von Politik und Notenbanken wurde? Wir können wirklich stolz sein, wie "viel" wir aus 2008 gelernt haben. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten. 😉

Ein weiteres, für uns wichtiges und unerfreuliches Thema ist übrigens, dass im Einbruch von Montag die ETFs gezeigt haben, dass sie durch ihre Dominanz nun zu einem systemischen Problem geworden sind. Das diskutieren wir aber intensiv in der Community, ich habe das Thema aber auch schon hier im freien Bereich angerissen: -> Momentum Factor ETFs - Ausdruck einer Fehlentwicklung? <-

Ihr Hari

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Der Junk Indikator und die Korrektur in DAX und S&P500

Treue Leser des freien Teils von surveybuilder.info erinnern sich sicher, dass ich Ihnen Ende letzten Jahres im Artikel -> Die Märkte und der Junk Indikator <- einen Indikator vorgestellt habe um zu schauen, ob es sich bei einer Korrektur um eine ernst zu nehmende Korrektur handelt, in der es systemische Ängste gibt, oder nur um eine rein technische Verschnaufpause im Aufwärtstrend.

Bitte lesen Sie diesen obigen Artikel noch einmal, denn ich werde hier nicht erneut erklären, worum es bei dem Junk-Indikator geht. Ich werde nun mit Ihnen aber mal im Lichte der laufenden Korrektur schauen, ob sich dieser bewährt hat.

Nun, deutlich vor der Korrektur, am 18.07., konnte ich mit den Premium-Mitgliedern in Hari Live den folgenden Kommentar teilen:

Freitag 18.07.14 11:05 - Junk Indikator sendet erstes Warnsignal

Treue Leser kennen meinen Artikel vom "Junk-Indikator" von Ende letzten Jahres. Und wenn Sie den Artikel nicht kennen, sollten Sie ihn nun unbedingt lesen: -> Die Märkte und der Junk-Indikator <-

Dieser Indikator beruht auf dem US ETF "JNK" (), der hochprozentige Hochrisiko-Anleihen in sich vereint. Die Logik dahinter vermittelt der obige Beitrag.

Dieser Indikator hat das ganze erste Halbjahr nie ein Warnsignal gesendet und der ETF JNK befand sich in einer beständigen Aufwärtsbewegung. Das war ja auch die richtige Sicht auf die Märkte, die nun in der Nähe historischer Höchststände stehen.

Leider hat sich das nun seit Anfang Juli geändert:

JNK 18.07.14

Der Einbruch ist deutlich sichtbar. Im grösseren Bild ist da immer noch nichts Weltbewegendes passiert, aber es ist eben ein erstes kleines Warnsignal, dass sich die Grosswetterlage ändern könnte und Risiken wieder mehr in den Fokus des Marktes geraten. Erneut, eine Schneeflocke macht noch keinen Börsenwinter, aber übersehen sollten wir die ersten Schneeflocken auch nicht.

Sie sehen, der Indikator hat rechtzeitig angeschlagen und gezeigt, dass sich hier nun Sorgen im Sinne "Risk Off" im System breit machen. Kein Wunder, denn das wovor sich der Markt letzten Juni/Juli gefürchtet hat, ist nun Realität geworden. Das Tapering läuft und der Stimulus der FED ist bald Geschichte.

Nun richtet sich der Blick des Marktes auf die Zinserwartungen, die gerade im Junk Indikator ihren Niederschlag finden. Und alles schaut ängstlich, ob und wann die FED die Leitzinsen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder erhöhen wird.

Nun haben wir also die Korrektur und wir haben eine massive Unterperformance des DAX, die in hohem Masse mit Abflüssen von institutionellem US Kapital aus dem Euro und damit auch dem DAX zu tun haben dürfte. Und das ist doch ein Grund, mal wieder zu schauen, was uns der Junk Indikator sagt. Gestern Abend habe ich das wieder in Hari Live getan und hier ist das Ergebnis:

Montag 04.08.14 19:15 - Junk Indikator

Ich habe ja schon oft über den "Junk Indikator" geschrieben, mit dem man einen Blick auf die hochriskanten High Yield Anlagen nimmt um zu erkennen, ob eine Korrektur des Marktes "systemisch" ist, sprich es grundlegende Ängste und Umschichtungen gibt, oder ob es sich nur um eine unkritische, rein technisch bedingte Konsolidierung im Aufwärtstrend handelt.

Nun, die Aussage des Charts ist eindeutig:

JNK 04.08.14 2

Erstens einmal, ist das der erste ernst zu nehmende Einschlag, seit dem Juni letzten Sommers. Und damals hatte Ben Bernanke die falschen Sachen gesagt und den Markt in Unsicherheit um die zukünftige FED Politik gestürzt. Schnell im Juli hat Big Ben das dann damals wieder eingeholt und danach normalisierte sich alles. Alle kleinen Rücksetzer seit dem Sommer 2013, signalisierten im JNK keine Gefahr und waren am Ende auch keine Gefahr. Nun haben wir eindeutig wieder ein Gefahrensignal.

Zweitens, zeigt der Vergleich mit dem Einbruch letzten Juni, wo wir potentiell in der Entwicklung stehen. Die beiden blauen Rechtecke könnten an der gleichen Stelle der Entwicklung sein.

In Summe sagt der Indikator also ganz klar, dass diese Korrektur sehr ernst zu nehmen ist und das eine zweite Absturzphase nach einer temporären Stabilisierung eine gute Eintrittswahrscheinlichkeit hat.

Bleiben wir also in unserer "Komfortposition" in unseren Depots und strecken nicht zu früh die Köpfe heraus, nicht dass diese dann sofort wie Champignons abgeschnitten werden .... 😉

Dem ist wohl nicht viel hinzu zu führen. Nun ist auch der Junk Indikator kein Allheilmittel, er reagiert halt sehr schnell auf systemischen Stress, der zu einer "Risk Off" Haltung führt. Denn dann werden solche wackeligen Junk-Bonds als erstes abgestossen.

Der Junk Indikator hat aber natürlich ebenso keine Glaskugel, wie alle anderen Indikatoren auch und er kann schon gar keine exogenen Events wie Kriege usw vorher sehen. Und wenn die FED theoretisch morgen ihren Richtung ändern würde, kann auch das der Indikator nicht erahnen, wie denn auch?

Er kann uns aber sagen, wie sehr sich der Markt um diese Themen sorgt und das alleine ist eine wichtige Botschaft, die uns bei der Analyse von Bewegungen sehr helfen kann.

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DAX: Droht 2014 ein Crash?

Droht 2014 ein Crash?

Ein Gastkommentar von Tokay

Immer wieder liest man in jüngster Zeit davon, dass die letzte Phase im gegenwärtigen Börsenzyklus angebrochen sei. Zum Beweis dessen werden dann Sentimentanalysen, Börsenkreditstatistiken, Rohstoffpreise und dergleichen mehr bemüht. Mehrere Fragen stellen sich bei alledem: Was ist ein Börsenzyklus überhaupt? Woran kann man ihn erkennen? Und können wir erkennen, wo ungefähr wir uns im Börsenzyklus befinden? Droht womöglich nächstes Jahr ein Crash?

Also: Was ist ein Börsenzyklus? Wenn man sich den DAX, den S&P 500 und praktisch jeden anderen großen Index der Welt anschaut, dann wird man feststellen, dass sich diese Indizes in einer gewissen Abfolge von Hochs und Tiefs bewegen, also im Wechsel von Hausse und Baisse. Unter einem Börsenzyklus versteht man folglich eine Abfolge von einer Hausse und einer Baisse.

Wie lange dauert eigentlich ein solcher Börsenzyklus? Das ist nicht so ganz eindeutig. Schaut man sich die Entwicklung des DAX bzw. seines Vorläuferindex an(oder auch einen vergleichbaren Index), dann stellt man fest, dass zwischen zwei Hoch- oder zwei Tiefpunkten zwei bis acht Jahre liegen können. Im Mittel sind es gut vier Jahre.

So gab es offensichtlich in den letzten Jahren Hochs in den Jahren 2000, 2007 und 2011. Tiefs hatten wir 2003, 2009 und 2011. Somit haben wir einen Zyklus, der von 2000 bis 2003 dauerte, also etwa drei Jahre. Der Folgezyklus von 2003 bis 2009 dauerte sechs Jahre. Der zuletzt abgeschlossene Zyklus 2009 bis 2011 dauerte ca. 2 ½ Jahre, da der DAX sein letztes größeres Tief im September 2011 erreichte. Der momentan laufende Zyklus dauert bisher über zwei Jahre. Es gibt keine mathematische Gesetzmäßigkeit, anhand derer wir über die Länge des Zyklus urteilen können, noch darüber, in welche Höhen er führen wird.

Es gibt aber allgemein anerkannte Maßstäbe, anhand derer man über die Angemessenheit der Aktienbewertung urteilen kann. Ein solcher Maßstab ist das Dividendendiskontierungsmodell(Wer sich an der Dividende stört, mag sich damit behelfen, dass er von einem gewissen Teil des Jahresgewinns ausgeht, ob dieser nun ausgeschüttet wird oder nicht). Demnach gibt der Wert des DAX den Gegenwartswert der künftigen zinsadjustierten Gewinne wieder, so wie diese per heute von den Marktteilnehmern erwartet werden.

Die Entwicklung des DAX bzw. des Aktienmarktes generell hängt somit ab von

  • den Gewinnerwartungen, damit von der konjunkturellen Entwicklung im In- und Ausland im weitesten Sinn;
  • von den Zinserwartungen, damit von der Entwicklung an den Geld- und Kapitalmärkten;
  • von den Risikoerwartungen, damit von all jenen Akteuren, die die Gewinn- und Zinsentwicklung beeinflussen. Das kann die Politik der Notenbanken sein, die Politik der nationalen Regierungen, aber auch exogene Ereignisse, die sich im Zeitalter der Globalisierung unter Umständen in entlegenen Regionen der Welt abspielen können. Ob diese Erwartungen den Aktienmarkt in zyklischer Art beeinflussen, darüber können wir nur mutmaßen.

Für den Aktienmarkt wissen wir, dass dieser der Konjunktur bzw. der Gewinnentwicklung um etwa ein halbes Jahr vorausgeht. Der Konjunkturzyklus ist folglich ein Element eines Börsenzyklus. In der folgenden Grafik erkennt man den Zusammenhang:

Schaubild DAX und Industrieproduktion

Und zwischen den Zinsmärkten und dem DAX gibt es ebenfalls einen Zusammenhang. Ein hoher Anleihenzins, so sagt man, sei „Gift für Aktien“. Am Anfang einer Baisse gilt das zweifelsohne. Die deutschen Unternehmen finanzieren sich vornehmlich über ihre Banken, und diese wiederum über Inhaberschuldverschreibungen. Nun sind die die Zinsen für Inhaberschuldverschreibungen über den längsten Teil einer Baisse rückläufig. Schauen wir auf das nachfolgende Chart:

DAX Umlaufsrendite 10jährige und Leitzins ab September 1959.ods

Auch hier kann man eine zyklische Entwicklung beobachten. Wie wir sehen, ging einer Baisse im DAX zumeist ein Anstieg am Anleihemarkt voraus. Ein solcher Anstieg war in der Regel, das kann man für die letzten Bärenmärkten 2000, 2007 und 2011 feststellen, mit einer Erhöhung des Leitzinses verbunden bzw. mit einer Inversion der Zinsstruktur, welche jeweils die bis dorthin andauernde Hausse zum Erliegen brachte. Die kurzfristigen Zinsen kamen in den genannten Fällen etwa so hoch wie die Langfristzinsen zum Liegen. Interessanterweise haben die Bundesbank wie auch später die EZB nie den Leitzins erhöht, bevor nicht schon bei den Anleihen der Marktzins angestiegen war. Und damit haben wir einen sehr aufschlussreichen Indikator, anhand dessen wir feststellen können, ob demnächst eine Baisse ins Haus steht und der seit 2011 laufende Zyklus sich etwa dem Ende nähert. Die Mutmaßungen über das Ende des „Tapering“ in diesem Sommer wurden übrigens nicht zuletzt aus dem Umstand genährt, dass die amerikanischen Zinsen angezogen haben.

Wo wir im Börsenzyklus stehen, ergibt sich also gesamthaft aus einer Kombination von Konjunktur-/Gewinnzyklus und Zinszyklus. Wo stehen wir also? Während es gewisse Anhaltspunkte für eine konjunkturelle Belebung in Euroland gibt, haben wir zugleich gewisse Anzeichen, dass es mit den Anleihezinsen wieder nach oben geht. Bei einem Zinsniveau von unter zwei Prozent für zehnjährige Papiere besteht gewiss kein Grund zu übertriebener Sorge. Doch mit einer gewissen Vorsicht sollte man langsam schon auf den DAX schauen.

Hinzu kommt ein marktpsychologischer Aspekt: Unternehmensgewinne entwickeln sich überproportional zur Konjunktur. Gewinnerwartungen entwickeln sich überproportional zu den Gewinnen. Und in Baissephasen fällt die Korrektur der Gewinnerwartungen heftiger aus als in Haussephasen. Auch das sollte einem für 2014 Anlass zur Vorsicht geben.

Tokay

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